Gaststätte im Barmer Viertel Besetzt, Köln

Sleib 29.11.2007 23:52 Themen: Freiräume Soziale Kämpfe
Seid dem 28.11 ist das letzte stehende Haus im Barmer Viertel in Köln Deutz besetzt nachdem die betreiber der Kneipe "Zur Post" in diesem Haus ausziehen mussten.
Seit dem 28.11 ist das letzte stehende Haus im Barmer Viertel in Köln Deutz besetzt nachdem die betreiber der Kneipe "Zur Post" in diesem Haus ausziehen mussten.

Ein Kurzer Rückblick. Anfang Letzten Jahres besetzte eine Gruppe den vom Abriss bedrohten Barmer Block in Köln Deutz. Dort sollten 350 intakte Wohnungen abgerissen werden. Im Sommer letzten Jahres wurde dann geräumt und in kürzester Zeit abgerissen.

Wie zu erwarten ist das riesige Gelände seid dem eine Brachfläche.

Ein Haus wurde jedoch wegen noch laufenden Vertägen nicht abgerissen. Das Haus in dem die Kneipe Zur Post ist. Bis gestern die Mieter und Betreiber der Kneipe ausgezogen sind. Jetzt sind wieder neue Bewohner da. Wir wünschen Viel Erfolg und eine lange Besetzung.

Pressemitteilung auf der Website der Initative Barmer Viertel:

28.11.2007
Gaststätte »Zur Post« im Barmer Viertel besetzt
IBV / Heute hat Rosemarie Rüdiger, die Wirtin vom Barmer Viertel ihre Wohnung und die Gaststätte an der Deutz-Mülheimer Str. 33 endgültig verlassen. In der letzten Beschwerdeausschuss-Sitzung vom 5.11.2007 hat ihr die Politik einstimmig zugesagt, dass für sie eine Lösung gefunden wird, bei der sie für den Verlust ihrer Kneipe entschädigt wird und ihr beim Aufbau einer neuen Existenz geholfen wird. Die Verwaltung hat aber die Umsetzung dieses Beschlusses bis heute hintertrieben. Der zuständige Liegenschaftsdezernent Dr. Walter-Borjans hat auf unsere Bitte einzugreifen und seine Verwaltung zur Erfülllung ihrer Aufagben anzuhalten, nicht reagiert und ist auf Tauchstation gegangen. Offensichtlich wartet man den Auszug von Rosemarie Rüdiger ab, um das Haus abzureißen und die Zusagen des Beschwerdeausschusses dann auf die lange Bank schieben zu können. Gegenüber der Wirtin, die schwer krank ist, und die von der Stadt seit Monaten drangsaliert worden ist, ist dies besonders schäbig.
Aus Protest dagegen, dass die Verwaltung den Beschluss des Beschwerdeausschusses hintertreibt und die Wirtin im Regen stehen lässt, haben wir heute das letzte Haus des Barmer Blocks besetzt.
Wir bitten möglichst viele vorbei zukommen und uns bei unserer Protestaktion zu unterstützen.

Flyer zur Unterstützung: (pdf)
 http://barmerviertel.ina-koeln.org/PDF/071128%20ibv-pm%20-%20besetzung%20letztes%20haus.pdf


Artikel vom Kölner Stadt Anzeiger im Regionalteil:


Kneipe in Deutz besetzt
Mitglieder der „Initiative Barmer Viertel“ haben gestern die frühere Gaststätte „Zur Post“ besetzt. Die Kneipe befindet sich im letzten übrig gebliebenen Haus des Barmer Viertels, in dem es Hunderte Wohnungen gab. Die Gebäude wurden abgebrochen, weil die Stadt das Gelände zwischen Deutzer Bahnhof und Messe zu einem Büro- und Gewerbestandort entwickeln will. Wie die Initiative mitteilte, erfolgte die Besetzung, nachdem die Wirtin die Gaststätte verlassen hatte. Anstatt der schwerkranken Frau zu helfen, habe die Verwaltung sie „im Regen stehen lassen“. (adm)
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Ergänzungen

letztes Haus der Barmer Siedlung geräumt

Nie wieder DEUTZ-Land! 30.11.2007 - 00:27
laut Radio Köln wurde heute (29.11.2007) nach einem Tag bereits wieder geräumt:

"Polizei räumt letztes Haus im Barmer Viertel

Das besetzte Haus im Barmer Viertel ist geräumt. Am Donnerstag Nachmittag hat die Polizei die rund 20 Besetzer aus dem Haus gebracht. Zuvor hatte die bisherige Pächterin beim Liegenschaftsamt ihren Pächtervertrag aufgelöst, und sich von den Besetzern distanziert.

Das Haus wird bereits zugemauert und soll in den nächsten Tagen abgerissen werden. In Zukunft soll an der Stelle in Deutz ein Kongresszentrum entstehen.

'Die Räumung verlief ohne große Zwischenfälle', sagte uns Stephan von Wahl vom Kölner Liegenschaftsamt."

Zum Hintergrund:
 http://de.indymedia.org/2006/03/140528.shtml,
 http://de.indymedia.org/2006/03/140528.shtml,
 http://de.indymedia.org/2006/02/139616.shtml,
 http://de.indymedia.org/2006/04/143877.shtml,
 http://de.indymedia.org/2006/05/147115.shtml,
 http://de.linefeed.org/2006/06/148687.shtml

 http://barmerviertel.ina-koeln.org/
 http://barmer-viertel.de/
 http://www.schael-sick-online.de/abriss%20barmer%20viertel/index.html

pressemitteilung initiative barmer viertel

ibv 30.11.2007 - 19:10
"Zur Post" wurde geräumt, obwohl Lösung greifbar war



Heute Abend gegen 17.30h hat der
Liegenschafts-Dezernent Dr. Norbert Walter-Borjans
durch eine persönliche Anordnung das Gebäude der
Gaststätte „Zur Alten Post“ in der Deutz-Mülheimer
Straße räumen lassen.

Die Besetzer hatten mit der Besetzung des Gebäudes
24 Stunden vorher, dagegen protestiert, dass die
Wirtin Rosemarie Rüdiger keine Entschädigung für
den Verlust ihrer Existenz erhält, obwohl der
Beschwerdeausschuss des Rates das Liegenschaftsamt
dazu aufgefordert hatte. Frau Rüdiger ist derzeit
schwer erkrankt und steht wirtschaftlich vor dem
Nichts. Die Besetzer bemängelten insbesondere,
dass für Kauf und Abriss des Barmer Viertels 75
Millionen Euro vergeudet wurden, während die
beiden Selbständigen des Barmer Blockes, das
Wirtsehepaar Rüdiger und der Viertelsarzt Dr.
Bihari keinerlei Entschädigung erhielten und noch
die Kosten der teils gerichtlichen
Auseinandersetzungen zu tragen hatten. Bei dem
Ehepaar Rüdiger handelte es sich um
DDR-Flüchtlinge, die in Stasihaft gelitten hatten,
Dr. Bihari ist Ungarnflüchtlíng. Der Verlust oder
beinahe Verlust ihrer Existenz trifft sie dadurch
doppelt schwer.

Es kann nicht rechtens sein, dass die Stadt ein
ganzes Viertel aussiedeln und abreißen lässt, aber
nicht für den Schaden gerade stehen will, den sie
dabei anrichtet. Deshalb hatte ja auch der
Beschwerdeausschuss ein Einsehen und hat
einstimmig beschlossen, dass Frau Rosemarie
Rüdiger geholfen werden soll. Das
Liegenschaftsamt hintertreibt seit Wochen die
Umsetzung dieses Beschlusses. Wir haben deshalb
seit Wochen versucht, mit Herrn Dr. Walter-Borjans
ins Gespräch zu kommen. Leider bedurfte es erst
einer Besetzung, bis Herr Dr. Walter-Borjans sich
des Problems annahm und mit uns über die
Angelegenheit sprach.

Unser Eindruck war, dass Herr Dr. Borjans
persönlich hilfsbereit gewesen wäre, aber dem
Druck seiner zuständigen und anwesenden Beamten
aus dem Liegenschaftsamt nachgegeben hat. Diese
haben die Angelegenheit schon lange vor der
Amtsübernahme von Herrn Dr. Borjans in das jetzige
Fahrwasser gebracht, u.a. indem sie die
Wohnzimmerdecke der Rüdigers zerstörten und auf
dem Dachboden Fenster ausbauten, so dass der
Dachboden gegen Witterungseinflüsse nicht mehr
geschützt war. Auch haben sie nicht verhindert,
dass das Gebäude während der Abbrucharbeiten in
der Nachbarschaft zweimal in Brand geriet.
Bauarbeiter erklärten damals der Presse gegenüber,
bei diesen Bränden müsse es sich um den Versuch
eines heißen Abrisses handeln. Wir finden es
schade, dass Herr Dr. Borjans ohne Not die
Vorgehensweise der ihm unterstellten Beamten deckt.

Dagegen hat sich die Partei von Herrn Dr.
Walter-Borjans, die SPD, gegenüber der Wirtin
sozial gezeigt. Auf die Initiative der
stellvertretenden Vorsitzenden des
Beschwerdeausschusses, Frau Schmerbach, wurde der
Beschluss gefasst, Frau Rüdiger so zu helfen, dass sie nicht zu einem Sozialfall wird. Der
SPD-Vorsitzende Jochen Ott bemühte sich heute um
eine Lösung ohne Räumung. Er wollte sich für das
Selbstverständliche einsetzen, dass der Beschluss
des Beschwerdeausschusses umgesetzt wird. Wir
hätten unsererseits daraufhin unsere Protestaktion
beendet. Leider hat das Liegenschaftsamt auch
diese Lösung hintertrieben und eine Räumung durch
die Polizei durchgesetzt. Diese Räumung war völlig
überflüssig und hat Polizeibeamte, die selbst den
Abriss des Barmer Blocks persönlich nicht richtig
finden, mal wieder gezwungen, politisch verfehlte
Entscheidungen durchzusetzen.

Bei der Polizei bedanken wir uns für den korrekten
Ablauf der Räumung, die gewaltfrei und ohne
Festnahmen ablief.

Bei der SPD bedanken wir uns für ihren Willen, der
Wirtin Rosemarie Rüdiger zu helfen und für den
Versuch von Herrn Ott, heute zu vermitteln.

Wir hoffen, dass in dieser Stadt gegenüber auch so
einem mächtigen Amt wie dem Liegenschaftsamt am
Ende immer noch die politischen Beschlüsse zählen
und es keiner weiteren Protestaktionen bedarf.




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