[Berlin] Autonome Vollversammlung (zu Medien)

s7ven 14.11.2007 02:38 Themen: Freiräume Indymedia Medien Netactivism
Berlin, 13.11.2007 @ Köpi
Gestern fand die monatlich stattfindende "linksradikale/autonome Vollversammlung" in der Köpi statt. Thema war der Umgang mit den "eigenen" und Mainstream-Medien.
Gestern fand die monatlich stattfindende "linksradikale/autonome Vollversammlung" in der Köpi statt. Thema war der Umgang mit den "eigenen" und Mainstream-Medien.Mit einer satten Verspätung von 45 Min. konnte die Versammlung mit mind. 60 Personen beginnen. Nachdem die vorher bekannten Ordnungspunkte noch einmal abgeklärt wurden, konnten weitere Punket vorgebracht werden. Darunter waren die Kündigung der Köpi und "Freiräume" allgemein.
Wirklich neue Vorgehensweisen konnten nicht gefunden werden. Es wurde über die Nutzung und Relevanz der "Interim" diskutiert. Ferner der Umgang, bzw. Nicht-Umgang mit den Mainstream-Medien. Und natürlich mit de.indymedia.org
In eigener Sache
Die Diskussion um das Thema Indymedia glich einer gewöhnlichen Kommentarschlacht auf der Seite. Die Meinungen gingen von erfreulicher Anerkennung über Indy-bashing bis hin zur wirren Behauptung, Indymedia würde dazu führen, dass die Spaltung der "Szene" dadurch Vorschub erhalten würde.
An konstruktiver Kritik konnte aufgenommen werden:
* Die Qualität der Seite hat mit der zunehmenden Dominanz von "Antifa"Kiddies abgenommen
* Es besteht große Unsicherheit, was die bevorstehende Vorratsdatenspeicherung für die Userinnen und User bedeutet
* In wie weit ist es für de.indy möglich, Gruppen und Initiativen in ihrer Medien-/Pressearbeit zu unterstützen?
* Die Unverständnis für die Arbeit von de.indy resultiert aus einer nicht vorhandenen persönlichen Zusammenarbeit
* Eine direkte Diskussion über die Arbeit von de.indy ist den Menschen ausserhalb des Projekts nahezu unmöglich
* Es ist gewünscht, ein Mediencafé o.ä. aufzubauen, um eine gemeinsame Arbeit zu organisieren (dazu brauchen wir einen ruhigen und sicheren Ort, Vorschläge bitte an imc-germany-kontakt (at Stopspam) lists.indymedia.org)
Die Kündigung der Mietverträge in der Köpi
Die Mietverträge in der Köpi sind zum 31.05.2008 gekündigt worden.
Aufgrund der fehlenden Vorarbeit wurde der Punkt "Freiräume" auf die nächste Vollversammlung verschoben. Für die Ankündigung zur nächsten VV nutzt/schaut bitte auf die Seiten des Online-Stressfaktors
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Ergänzungen

sinn des freiraumthemas

nur ein mensch 14.11.2007 - 10:17
das thema freiräume wurde gewählt um zu zeigen, dass es auch andere projekte, neben der Köpi, in sehr bedrohten positionen sind, u.a. New Yorck59, Rauchhaus, Convoi, R78, R84, R94, L14. Für alle diese Projekte könnte es ein aus, im kommenden jahr, bedeuten. das bedeutet, wir müssen gemeinsam unsren arsch hochkriegen und die verantwortung direkt auf die politik zurückschieben, denn von denen wurde diese projekte mit scheiss verträgen befriedet.
und an die, die daran noch zweifeln, es hat sich auf der autonomen-vv eindeutig nach der frage für einen anderen raum als die köpi gezeigt, dass wir in berlin ziemlich viel verloren haben.
um dem einen guten anfang zu geben kommt alle zur freiraum-demo. am 8.12.07

zum thema

VV-teilnehmer 14.11.2007 - 12:19
In dem Bericht ist es vielleicht ein bischen unglücklich formuliert worden, aber auf der VV fand keine disskusion über "Antifa-kiddis" statt, sondern der Begriff wurde von einer anwesenden Person verwendet, die offenbar diesen Begriff mit nervigen postings und sinnentleerten streitereien auf indy assoziert.
Ich denke da gibt es quer durch die linke haufenweise menschen die diese plattform hier dafür missbrauchen, und bestimmt werden da auch einige sogenannte "kiddies" mit dazugehören, aber es war auf der VV nicht die rede davon alle jungen Antifas zu schlecht zu machen.

medien - die zarteste versuchung

naxnax 14.11.2007 - 14:08
media - die zarteste versuchung, die´s für radikale gibt

ich kann den obigen beitrag über die autonome vv im besten falle als eine aufforderung zum tanz verstehen. zu einer hoffentlich hitzigen debatte um die weitreichenderen fragen, die den äußerst unterschiedlichen umgang mit medien in der linksradikalen und autonomen szene begründen und über die leider viel zu wenig debattiert wird. einige davon wurden gestern angesprochen, kein grund also so zu tun als wäre dumpfes indy-bashing einziger inhalt gewesen. dass in deinem/eurem artikel vielmehr die gestern wirklich von vielen kritisierte praxis, nicht nur "strafbare inhalte" sondern auch alle möglichen interessanten reflexionen (wenn sie beispielsweise von einem kollektiv diskutiert und nicht von einer wie auch immer authentisch gedachten autorin stammen) runterfliegen, aufrufe pauschal im sinne von werbung behandelt werden und diskussionsbeiträge offenbar generell nicht erwünscht sind - diese kritik an den moderationskriterien taucht leider in deiner/eurer zusammenfassung von punkten, über die sich lohnt weiter zu diskutieren gar nicht auf. vielleicht ist indy auch deshalb nicht der beste platz für diese debatte, we´ll see...

nix desto: ausgangspunkt der diskussion war die nicht nur in heiligendamm als mangelhaft empfundene interne kommunikation, die offenkundige vernachlässigung unserer eigenen kanäle sowie die weitgehend fehlende sichtbarkeit nach außen. wie es scheint sprach nach rostock fast niemand mit der bürgerlichen presse, aber auch in "eigenen" medien gab es wenig verlautbarungen, die hätten aufgegriffen werden können. dabei hätte nach der demo einiges gesagt werden können, und es hätte vielleicht auch mal mehr leute interessiert als nur uns selbst. gleichzeitig mit dieser leerstelle der außendarstellung führt eine diskussion über medien und vermittelbarkeit in autonomen kreisen aber auch häufig zu einer vorschnellen entscheidung für oder gegen die presse, ohne mal genauer darüber zu reden, was das ganze thema eigentlich so problematisch für uns als anarchistinnen, autonome und radikale linke macht. sinn und zweck der gestrigen debatte war ausdrücklich nicht zu einem wie auch immer sinnlosen konsens zu kommen, sondern das thema zu problematisieren. dies ist sicher nicht besonders dolle gelungen, aber ein bißchen was gab es dazu schon. und nicht zuletzt die aufforderung, die debatte in der interim mal grundsätzlicher und ausführlich aufzurollen.

es konnte also gestern nicht um verteidigung des status quo gehen, denn der ist einfach nicht ausreichend. als tendenz lässt sich vielleicht sagen, dass ein "taktischer umgang" mit der bürgerliche presse von vielen begrüßt wurde, vor allem wenn dieser kollektiv organisiert wird. dabei sei es dann auch gar nicht so wichtig, ob das was die presse aus den gegebenen informationen macht positiv oder negativ ist. die leserin der jeweiligen zeitungen könne sinngemäß schon zugetraut werden zwischen den zeilen zu lesen. seh ich persönlich auch so, aber oft kommt mir unsere medienarbeit schon anders rüber, sehr auf den direkten weg aufklärung angelegt, in der hoffnung über die bürgerlichen medien tatsächlich radikale inhalte transportieren zu können. nicht dass dies nie und nimmer funktioniert, wie ein genosse sagte gibt es ja immer auch u-boote in den medien, aber müssen wir soviel zeit und enerigie in diesen versuch inverstieren, die uns an anderer stelle - in unseren eigenen medien, der kommunikation untereinander, von der praxis gar nicht erst zu reden - oft so schmerzlich fehlt?

wir sollten das echt mal komplett auseinandernehmen: unser bild von der öffentlichkeit - was denken wir eigentlich von "den leuten"? das schwankt oft in sekunden zwischen alles nazis und an sich uns wohlgesonnenen bürgerinnen, die einfach nicht genug über unsere tollen ideen wissen. dabei wissen wir doch eigentlich, dass nacktes wissen ohne soziale organisierung für´n arsch ist. in die andere richtung blickend: unser bild davon wie das gemacht wird, was man die öffentliche meinung nennt. unser eigener part darin. einige von uns gehören ganz klar zu denjenigen, die daran mitstricken. die ihr geld verdienen im modernisierungsprojekt "creative class" ohne dass es eine diskussion darüber gibt, was das für das antagonistische projekt der abschaffung des kapitalismus bedeutet. immer mehr leute unterschreiben texte mit ihrem nicht nur zufällig so genannten bürgerlichen namen. als erklärung kommt dann oft so was in richtung nix zu verbergen zu haben (natürlich ein bißchen sophisticated um die ecke formuliert, nicht selten mit augenzwinkern: früher hab ich ja auch mal steine geworfen, so ist es ja nicht). dass es bei der geschichte mit den pseudonymen nicht nur um repression, sondern mindestens genauso um die kritik individueller autorinnenschaft, um die verweigerung individueller anerkennung in den institutionen der bürgerlichen gesellschaft ging und geht, verschwindet allzu oft hinter den blödautonomen pappkameraden derjenigen, die sich in akademie oder medienspektakel einen namen machen wollen. nun ja, reisende soll man nicht aufhalten...

wer also sind die medien. alle sind es nicht und werden es auch nie werden, da sollten wir nicht der alten mittelklasseideologie aufsitzen, dass ja alle einfach beschließen könnten mitzumachen und dann ist gut. so einfach ist es mit don´t hate the media, be the media eben nicht. auch sind diejenigen, die bisweilen schnell mit dem vorwurf bei der hand sind, die autonome szene sei ein in selbstgesprächen verstrickter sumpf und man müsse doch jetzt mal mit allen reden keinesfalls frei davon, von ihrem eigenen lebensalltag, ihren erfahrungen und persönlichen freundinnen auf den rest der welt zu schließen. die sind halt manchmal einfach andere geworden. um wieviel größer der kreis derjenigen tatsächlich ist, der an meinungsbildungsprozessen aktiv teilnimmt fände ich mal ne spannende frage. zumindest ist nicht anzunehmen, dass die allgemeine rückkehr der eliten spurlos am akademischen und medial aktiven milieu vorbei gegangen ist. um nicht mißverstanden zu werden: mir geht es hier absolut nicht darum zu sagen, dass sich medienleute verpissen sollen. aber darum, sich selbst kritisch mitzudenken und der verlockung professioneller neutralität eine abfuhr zu erteilen, medienarbeit nicht als privatangelegenheit sondern als teil einer kollektiven antikapitalistischen praxis zu diskutieren. in einer sich zusehends polarisierenden gesellschaft wird es so oder so schwieriger werden, sich zur fundamentalopposition zu zählen und gleichzeitig im establishment karriere zu machen. irgendwie ist das auch nicht nur schlecht, finde ich.

mir kommen echt noch 1000 sachen in den kopf, die ich an dem thema spannend fände: der ruhigstellungsfaktor des internet etwa, wenn leute wie ich jetzt gerade schon wieder viel zu lange allein vor dieser blöden kiste sitzen. und lesen auch nicht viele, fürchte ich. wichtig finde ich es auf alle fälle für anarchistinnen, autonome, linksradikale und alle anderen, die den kapitalismus beenden wollen, uns zu fragen, wie wir auch in zukunft die möglichkeiten unbeschnittener kommunikation erhalten, pflegen und auszubauen können, wie sie derzeit nur wenige medien bieten. was bedeutet die zunehehmende kontrolle elekronischer medien in diesem zusammenhang? das bereits existierende (aber cybermäßig noch weniger sichtbare) digitale spezialistinnentum auszubauen kann zumindest nicht die einzige antwort darauf sein. ich schick den text hier jedenfalls an die interim und warte darauf eure wütenden entgegnungen zumindest auch dort zu finden.

see you on the barricades
naxnax

Radiobeitrag von Radio Corax

Radio Corax 15.11.2007 - 15:30

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 17 Kommentare an

hm — egal

Antifa-Kiddies — ...

@freiraumthema aufruf zum 8.12.07 — berliner autonomer

Quatsch! — poit

@poit @ egal — Michel aus lönneberg

Fragen zur VV — Billy the Kiddy

Bezug auf Billy the Kid — Illy the Shit

unseriöser gedanke — häuptling fünf fässer

... — antifa kiddie

Miez — AAZ