Weimarer Zustände durch GDL-Streik?

R. Grove 08.11.2007 17:18 Themen: Soziale Kämpfe
Immer mehr Transnet-Mitglieder laufen zur GDL über. DKP und IG-Metallschef Huber distanzieren von GDL-Streik. Vergleich zu Weimarer Spaltung der Gewerkschaften.
Der neue Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber rückt die GDL in die Nähe der "Roten Gewerkschafts Opposition" RGO, die von der KPD der Weimarer Republik als ultralinkes Avantgardeprojekt gegründet wurde. Die GDL wiederhole »einen historischen Fehler aus der Weimarer Republik«.

Die DKP haut in die gleiche Kerbe. Die GDL erfülle durch ihr Spaltertum »die ihr zugedachte Aufgabe, die Aushöhlung des Streikrechts zu provozieren« und die Tarifmacht der Gewerkschaftsbewegung zu schwächen, so DKP-Vorstandsmitglied Uwe Fritsch gegenüber der Tageszeitung "Junge Welt".

Auf der Webseite der DKP steht allerdings immer noch eine Erklärung des DKP-Bundesvorstands zur allgemeinen Lage. Im Widerspruch zu seinen jetzigen Äußerungen wird dort Fritsch zitiert: Die Handlungsweisen von Belegschaften und Gewerkschaften seien mehrheitlich noch von Resignation und Ängsten bestimmt. Aufgabe der Kommunistinnen und Kommunisten sei es, in allen Aktionen, in allen Kämpfen auf das Grundübel des Kapitalismus hinzuweisen. Es sei längst an der Zeit, mit Sozialpartnerschaft und Co-Management und Liebedienerei gegenüber Kapital und Kabinett zu brechen.

Dass jetzt Belegschaften und eine unabhängige Gewerkschaft ihre Ängste überwinden, scheint einigen Linken und Gewerkschaftern Kopfzerbrechen zu bereiten. Immer mehr Fahrpersonal tritt von der DGB-Gewerkschaft Transnet zur GDL über. Von 800 Berliner S-Bahn-Dienstfahrern sind jetzt 600 in der GDL organisiert, Tendenz steigend.

Gegen den Bruch mit der Sozialpartnerschaftsideologie wird jetzt das Geschütz der Distanzierung aufgefahren. Wann, fragt man sich, wird jemand vom Schlage eines konkret-Autors Klaus Rainer Röhl den GDL-Streik mit dem BVG-Streik von 1932 vergleichen? Dieser Streik der RGO, dem sich damals die Nazis angeschlossen hatten, so die häufig vorgetragene Ansicht Röhls, trug maßgeblich dazu bei Hitler an die Macht zu bringen.

Weniger Probleme mit der GDL hat die aus der WASG hervorgegangene BASG, Berliner Alternative für Solidarität und Gegenwehr. Sie ruft zu einer Soliaktion für Freitag 9.11. um 17h vor Bundesverkehrsministerium, Invalidenstr. 44
mit Rednern der GdL-Ortsgruppe S-Bahn Berlin.
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Ergänzungen

GDL

DBB 08.11.2007 - 18:17
"Dass jetzt Belegschaften und eine unabhängige Gewerkschaft ihre Ängste überwinden, scheint einigen Linken und Gewerkschaftern Kopfzerbrechen zu bereiten. Immer mehr Fahrpersonal tritt von der DGB-Gewerkschaft Transnet zur GDL über."

Mit unabhängiger Gewerkschaft meinst du doch aber bestimmt nicht die GDL, denn diese ist immernoch in der DBB-Tarifunion.

Zur Rolle der DKP

Apo-Opa 08.11.2007 - 18:47
Die DKP tat sich immer wieder in der Vergangenheit dadurch hervor, daß sie Bewegungen erfolgreich spaltete. Ein Beispiel ist der Widerstand gegen die Startbahn West oder diverse größere Streiks. Da die gesamte Politik der DKP einzig auf Spaltung aus war, gingen damals viele Linke davon aus, daß in den Führungspositionen der Sekte VSler dominieren. Interessantwerweise hat in den 90ern diese Rolle SAV/Linksruck/MLPD übernommen, wie exemplarisch an den Montagsdemospaltungen gesehen werden konnte. Erst diese Spaltungen schafften es, die Proteste abzuwürgen. Gelegentlich tat sich aber auch schon die sich "Radikale Linke" nennende Szene durch solche Dinge hervor (ich erinnere an die Politik der "Radikalen Linken" gegen die Noglobal-Bewegung). Nun ist die DKP also wieder zurück. Ein Grund mehr, solche ML-Sekten kritisch zu betrachten.
Abgesehen von der interessanten Info über die Antistreikpolitik der DKP finde ich den Artikel eher unbrauchbar. Assoziationen und Bauchgefühle ersetzen keine Analyse. Da wäre ein nüchternes Nennen der Fakten besser gewesen. Der Vergleich mit 1932 ist ahistorisch.

verschiedene Meinungen in einer Bewegung

kortschagin 09.11.2007 - 14:08
In der DKP, wie in jeder größeren Organisation, gibt es verschiedene Meinungen zu dem Streik.
Man kann der GDL nicht einfach Spaltertum vorwerfen. Schon die wirtschaftswissenschaftliche Literatur am Anfang des 20. Jahrhunderts wies oft darauf hin, daß die Unternehmer - besonders die größeren - auch an großen Gewerkschaften interessiert war und half, diese mit aufzubauen. Die Gewerkschaften sollten dann als organisierte Kraft die Arbeiter dem Unternehmerwillen besser unterordnen helfen. Die Weimaer Republik wie die BRD zeigen dies ganz deutlich.
Wenn sich also Arbeiter aus einer Einheitsgewerkschaft ausgliedern und sich selbst organisieren, da die Einheitsgewerkschaft nicht die Interessen der Arbeiter vertritt, so ist dies notwendig und unterstützenswert.
Wenn sich aber DKPler hinstellen und der GDL Spaltertum vorwerfen, muß man einfach sehen, daß diese DKPler relativ wenig theoretisches Wissen haben, die Gegenwart schlecht analysiert haben und deshalb solche falschen Forderungen aufstellen. Es reicht eben nicht als DKPler, in den Gewerkschaften mitzuarbeiten, man muß sondern auch dafür in den Gewerkschaften wirken, daß es wieder richtige Arbeitervertretungen werden, mit denen sich die Arbeiter identifizieren können. DKPler tun dies in der Mehrheit nicht.

ahistorischer Vergleich "Weimar"/ konkret

xyx 09.11.2007 - 23:51
wenn ich den Autor richtig verstehe vergleicht nicht ER die Kontroverse über die Rolle der GDL mit "Weimar", sondern er weist darauf hin, dass IGM-Chef HUBER - UND ein VORSTANDSMITGLIED DER DKP mit ihrem "Spaltungsvorwurf", bzw mit ihrem Vorwurf "Wiederholung der Fehler von Weimar" (Huber) die GDL damit in die Nähe der RGO und "Weimarer Zustände" (Nazis und Kommunisten brachten Hitler angeblich an die Macht) rücken. Dieses bürgerliche demagogische Rührstück, sozialen Bewegungen, Linken, Gewerkschaften den Machtantritt Hitlers in die Schuhe zu schieben, wird regelmäßig seit Bestehen der Bundesrepublik aufgeführt. Über die RGO und den BVG-Streik November 1932 hat z B Röhl erst kürzlich wieder in bürgerlichen Zeitungen geschrieben und dort die sozialdemokratische und die bürgerliche Kritik an der RGO: "Spalterisch", "Kozis und Nazis Hand in Hand" wiederholt. Er hat die These aufgestellt, die Wahlen vom November 1932 und der BVG-Streik hätten Hitlers Machtantritt beschleunigt. Der BVG-Streik, so Röhl sei die Vorbereitung auf den Generalstreik gewesen. Aus Furcht vor einem Aufstand, in den der Generalstreik möglicherweise gemündet hätte, habe man dann eine Regierung mit den Nazis gebildet.

Diese Argumentation ist anschlussfähig an die "Querfront"-Rhetorik, die häufig in konkret und anderen Blättern den Lesern serviert wird, und sie läuft darauf hinaus, diejenigen, die einen Generalstreik fordern, in die Nähe der Nazis zu rücken.

Die Lokführer kämpfen um Lohn und Arbeitszeit

traudel 10.11.2007 - 12:39

Bahn AG und Bahngewerkschaften sind sich einig: So nicht!

Ein ganz normaler Lohnkampf – eine Ausnahme in diesem Land!

Die Antwort der Bahn AG
...
mehr:
 http://www.gegenstandpunkt.com/gs/07/3/GDL.html



Audio-Vortrag:

Dr. Peter Decker

Teil 1: Der gewerkschaftliche Kampf der GDL und die Antwort der Bahn AG
Teil 2: Die Parteinahme der Transnet gegen die GDL und ihre Forderungen
Teil 3: Das Recht bringt die Tarifautonomie in Stellung - gegen die Lokführer - Die Parteinahme der Politk für die Unterordnung der GDL
Teil 4: Diskussion und Nachträge

 http://doku.argudiss.de/#217

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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das — jetzt

MLPD/SAV/KPD/DKP — Linker

Für und wieder — ich

Linker 07:40 = MLPD — Deiner

weimarer republik — zustände schon da

konkret-Autor Röhl? — kuhle bambuhle

unterstütztdenstreik — solidartäthilft