Berlin goes global?

Andrej Holm 07.10.2007 14:31 Themen: Freiräume Globalisierung Kultur Medien Soziale Kämpfe Weltweit
Stadtpolitik in Zeiten der Globalisierung

Globalisierung ist ein schillernder Begriff. In der Stadtentwicklung wird er genutzt, um die neoliberale Umgestaltung mit dem Verweis auf die internationale Standortkonkurrenz zu legitimieren. Auch die Berliner Stadtpolitik hat die internationale Metropole zum Vorbild. So setzt die Landesregierung trotz der Haushaltsnotlage auf die Subventionierung von Großprojekten für eine Dienstleistungsmetropole Berlin. Andererseits verscherbelt die Stadt ihre öffentlichen Unternehmen und Einrichtungen: Privatisierung und globaler Standortwettbewerb sind die zwei Seiten der selben Medaille.
Im Zuge der Privatisierungen und Liberalisierungen der letzten Jahre verkaufte die Stadt Whnungsbaugesellschaften, Wasserbetriebe, Bewag und Sparkasse. Die Folgen der Privatisierung sind steigende Kosten für Verbraucher_innen, Entlassungen von Angestellten und weniger politische Steuerungspotentiale. Für die Wohnungspolitik heißt das: Ausstieg aus der Anschlussförderung des Sozialen Wohnungsbaus, faktische Aufhebung der Mietobergrenzen in den Sanierungsgebieten und Deregulierungen im Baurecht - ein Angriff auf die Fundamente der Mieterstadt Berlin. Immer mehr Wohnungen werden an private Wohnungsunternehmen oder Anleger übertragen, gleichzeitig werden die rechtlichen Regulierungsinstrumente eingeschränkt. Die öffentlich verteilte Beruhigungspille des ach so entspannten Wohnungsmarktes erweist sich schon jetzt als Placebo. Die Auswirkungen schlagen sich im aktuellen Mietspiegel nieder: Gerade in den Baualterklassen mit hohem Privatisierungsanteil sind die Mieten in den letzten zwei Jahren um etwa 10 Prozent gestiegen. Auch in den Ostberliner Altbauvierteln sind deutliche Mietsteigerungen zu verzeichnen. Und die Mehrzahl der frisch sanierten Wohnungen liegen über den Bemessungsgrenzen von Hartz IV. Aufwertung und Gentrification heißt hier konkret, dass ganze Stadtviertel für ärmere Haushalte verschlossen bleiben. Dominant auf dem Wohnungsmarkt sind längst die „Finanzinvestoren“ – und Bewohner_innen werden mit ihren Rechten dabei vor Allem als Investitionshemmnis wahrgenommen. Wenn modernisiert, in Eigentum umgewandelt oder verkauft werden soll, stören sie und sollen von der zahlungskräftigeren Klientel abgelöst werden, wie jetzt in den „aufgewerteten“ Bezirken Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg.

Aber nicht nur die Konturen einer sozialen Mieterstadt geraten durch international orientierte Sandortpolitik unter Druck, auch die vielfältigen subkulturellen Strukturen müssen weichen. Denn eine Stadt von Welt braucht zwar den Chic des Kreativen – vor Allem aber gediegene Wohn- und Arbeitsstandorte für Funktionsträger der internationalen Ökonomie. Die artikulierten Konsum- und Nutzungsinteressen der neuen Mittelklasse konkurrieren dabei mit den Nischen selbstorganisierter Alternativen. Subkulturelle Projekte und besetzte Häuser dienen nur als Türöffner in den Zeiten des Übergangs: In den 90ern eröffneten in leeren Gewerberäumen Kneipen und Buchläden oder illegale Technoparties - das katapultierte die Viertel in die Feuilletons und Reiseführer. Angelockt wurden damit nicht nur die „Immobilienverwerter“, sondern auch die Etablierten und Erfolgreichen, die sich einen Hauch des Besonderen in jenen Vierteln erkaufen wollten. Für den alternativen Ruf des Viertels bezahlen sie erhöhte Wohnkosten. Konflikte um Ruhestörungen, die Nutzung der öffentlichen Plätze und der Gewerbestrukturen sind vorprogrammiert – die Neubewohner_innen verfügen aber
oft über mehr Mittel und Kenntnisse, um ihre Interessen durchzusetzen. Diese ‚neuen’ Bedürfnisse entsprechen meist auch denen der Hauseigentümer_innen, die ihre Gewerbeflächen so teuer wie möglich vermieten wollen. Absurd anmutendes Ergebnis ist dabei die Verdrängung der vormaligen Strukturen. So wichtig die alternativen Projekte für die ‚Entdeckung’ der Viertel waren, so überflüssig scheinen sie bei deren Verwertung. Kollektive und preiswerte Lebensalternativen werden plötzlich als Hindernis wahrgenommen. So werden wir weiterhin leere Büroflächen und die Einheitskultur von Starbucks und Shoppingmalls finden statt selbstorganisierte Lebens- und Veranstaltungsorte.

Solche Verdrängungsprozesse werden international als Gentrification bezeichnet. Sie mögen zu einer qualitativen Verbesserung der Gebäudestruktur führen, sind aber gleichzeitig ein weiterer Ausschlussmechanismus für einkommensschwache Gruppen, alternative Lebenskonzepte und subkulturelle Räume. Um diese Strukturen als Markenzeichen der Stadt zu erhalten, ist ein Heraustreten aus den Nischen des Alternativlebens und ein aktives, gestaltendes Eingreifen in die stadtpolitischen Debatten notwendig. Die Proteste gegen das Großprojekt „Mediaspree“ könnten ein Anfang sein.
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ein für alle mal!

sch! 08.10.2007 - 01:17
haste ne idee zu sowas? <- heißt idee zu was man dazu schreiben könnte noch.

: ] nicht daß unsereiner nicht auflachen würde, wenn dr. schröder fr. landgraf : ] und die borchert/borchards um die äh blechkarossen unter ihren popöchen zu fürchten begännen...
aber wißt ihr was?
märchen (auch die news-märchen) sind trivialliteratur für halberwachsene, ich meine konkret.
was könnte man da machen. die nächste aktion dort soll sein (habe zumindest von keinem rückruf erfahren noch) am 11.10. eben da wo der indylink oben hinführt.
ich sag mal: nutzbarkeiten von prekarisierungszeiten und a) die ausbildungsplatzknappheit - auch die läßt sich vons grünes imperium derzeit prima für die eigenen ziele einsetzen.... mit soviel po li zei schu tz.... und b) siehe köln, das ist erst der anfang. die richtigen auflagen und "inoffiziellen" drohungen, sozialer druck, androhung von sozialleistungskürzungen bei nichterscheinen zu vorrekrutierungsmaßnahmegehirnwäsche...
das ist der weg, den sie hier nachgehen wollen.
also daher die frage:
haste idee, was man da schreiben könnte zum 11.10. 15h U dutschkestr./ehem. kochstr. friedrichstr.: berliner BIZ.
[?]

erster konkreter weiterentwicklungsversuch.

jemandirgendwer. 08.10.2007 - 02:01
...das weichen sozialer strukturen. die weichen. gestellte. vor subkultur.en ...
[damit hier ein link rein kann wie  http://de.indymedia.org/2007/08/190781.shtml ]
sind grenzbau und -steine
[nicht nur für lemuren.]
sondern für murys (also mauern) oder schlösser vor türen.

konkret, warum der link da oben rein mußte, andrej auch dort wäre nett ein satz von Dir, und zwar hier gleich konrekt, warum. da gibt es also diesen "verein", der was sich geld locker machen läßt (so immobilienleuts-lobby, irgendwas) also kohle locker machen läßt für vertragsklauseln, die spannend und lustig wie folgt:
die bauen da diese klausel rein (eh ach so wenn jemand fragt klar auch mieter dürfen...) aber bei genauem hinsehen: na ja und die immobilienbesitzer, die kriegen ein kleines sonderrecht. die dürfen leute in Ihrem sinne und für Ihre ziele entsenden. ein mieter
darf
nicht.
die leute vom forum der nichtarbeit haben was lustiges vor, aber ich hab gesagt: erst dann lohnend, wenn klar, daß da mehr leute vor der kamera sind als die vier : ] lustigen musketierchen. (auf couch-chen.)
ein andermal genauer, aber ein link. irgendwie... da ist was.
das "massenhaft eintreten und von innen auflösen" hat mir auf anhieb.... aber das kann man auch konkret machen. KENNSTE JEMAND? also einen dritten rechtsanwalt?
zwei haben tips, aber det wäre jut, wenn sich einer fände, der lust hätte, da was konkretes zu machen. "verein?" "gemein." "nützig? wo nützig?"

 http://de.indymedia.org/2007/08/190781.shtml <--



[nur leise ps: was ist mit den anderen drei....] [wie lange sollen die für ihren sachschaden da.... det kann doch nich....]

Autorenmeinungen

namenom. 08.10.2007 - 12:49
Peter Nowak sagt: "guter qualifizierter Beitrag, wie alle Texte von Andrej. Lese gerade ein Buch über Venezuela, wo er sich mit der Situation in Venezuela auseiandersetzt, sehr lesenswert."
Anna Panek sagt: "yes, definitiv, dito, wenngleich mit sicherem hang zum dokumentarpolitischen. außerdem empfehle ich auch heute noch die besondere MieterEcho-Ausgabe ."