Nachttanzdemo in Ffm

anticontrol 06.10.2007 18:16 Themen: Freiräume
Am Freitag, den 5.10., demonstrierten und feierten über 1500 Menschen auf der Frankfurter Nachtanzdemo
vom Südbahnhof quer durch die Stadt für "selbstbestimmte Freiräume" und gegen die "zunehmende
Kriminalisierung gesellschaftlicher Konflikte".
Gegen 2 Uhr ging die Polizei, die schon vorher durch ständiges Abfilmen die Teilnehmer provoziert hatte,
am Opernplatz plötzlich mit Knüppeln und Pfefferspray gegen die Demonstration vor und erklärte sie einfach
für aufgelößt. Darauf folgte eine heftige Auseinandersetzung in der sich die Demonstranten mit Flaschen und
Steinen zur Wehr setzten. Dutzende Menschen wurden verletzt, einige Schaufensterscheiben und Einsatzfahrzeuge der Polizei demoliert.
Ein breites Spektrum von Kulturschaffenden,
Studierenden, Ultras, sozialen Intitiativen und
autonomen Antifas hatte zuvor mit verschiedenen
Motivwägen und unterschiedlicher Musik von Elektro bis
Punkrock friedlich demonstriert.
Die autonome Antifa beteiligte sich unter dem Motto
"Die Kontrolle verlieren... Statt Wählen gehen -
Regierung stürzen!" an der Parade.

Aus Protest gegen die "zunehmende Überwachung und
Entrechtung" veranstaltete sie auf ihrem Wagen u.a.
eine "Modensshow". Bei dieser wurden einige
Möglichkeiten vorgestellt, dem gesellschaftlichen
Trend zumindest auf Demonstrationen einen "offensiven
Datenschutz", sprich Vermummung, entgegen zu setzen -
natürlich ohne dazu aufzufordern. Offenbar sei diese
"praxisorientierte und ironische Kritik" der Polizei
jedoch ein Dorn im Auge gewesen. Ohne Vorwarnung
prügelten ihre Beamten auf die Menge am Antifa-Wagen
ein, schon dabei gab es die ersten Verhaftungen und
Verletzten auf Seiten der Demonstranten. Obwohl die
Demonstration im Folgenden versuchte habe ihren Weg
fortzusetzen erklärte die Polizei sie einfach für
aufgelößt, drohte mit der Stürmung des Antifa-Wagens
und setzte ihre Angriffe fort.

Anscheinend hatte die Einsatzleitung die Eigendynamik
und Wut der Versammlungsteilnehmer jedoch
unterschätzt. Mehrfach wurde die Polizei weit zurück
gedrängt, bis sie sich endlich ein Stück zurück zog
und die folgende Party auf der Neuen Mainzer Landtraße
zunächst nicht mehr weiter belästigte.

Sahra Brechtel, Sprecherin der autonomen antifa [f],
erklärte dazu:
"Das Verhalten der Polizei ist ein riesen Skandal.
Nicht nur das ihre Schilderung der Vorgänge mal wieder
frei erfunden ist. Die Aktion ist als bewusster
Angriff auf eine relativ erfolgreiche linke Politik in
Frankfurt zu werten. Das ist nicht weniger als der
Versuch die produktive Mischung unterschiedlicher
Szenen - zwischen Studierenden, Ultras, Subkultur und
Antifa - zu zerschlagen. Es passt dem Staat
offensichtlich nicht, dass die Kriminalisierung
sozialer Konflikte endlich mit gemeinsamen Widerstand
beantwortet wird."

Als positiv wertet die Antifa hingegen die
"entschlossene Gegenwehr" der Demonstranten. Brechtel
weiter: "Auch wenn die Polzei es gerne so hinstellt:
Nach der paramilitärische Durchsetzung des
Naziaufmarsches am 7.7., der Polizeigewalt gegen
Studentendemos und unkommerzielle Fußballfans braucht
es ganz sicher kein Aufforderung der Antifa, damit die
Leute sich nicht mehr einschüchtern lassen, sondern
gemeinsam die Kontrolle verlieren. Die Polizei hat
wieder provoziert und dafür dieses mal die Quittung
bekommen. Und das ist auch gut so".
Ohne das massive Vorgehen der Polizei "wäre es nicht
zu dieser Eskalation" gekommen.

Mit Blick auf die Äußerungen des Frankfurter
Polizeipräsidenten, der die Ausschreitungen verurteilt
hatte, erklärte die Antifa Sprecherin:
"Das brutale Vorgehen der Polizei ist eine Sauerei.
Letztlich schadet es aber dem Anliegen des
Gewaltapparates, den besser kann man nicht vorführen ,
dass die "Sicherheit" von der Sie immer reden eben
nicht unsere Sicherheit meint".

Man hoffe, dass sich die Leute "auch in Zukunft nicht
einschüchtern lassen" und so die Nachtanzdemo kurz vor
Semesterbeginn "nicht zuletzt auch ein Auftakt für
einen wieder stärkeren Widerstand an den Unis sein
könnte".
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Ergänzungen

Die Rucksäcke...

sammler 06.10.2007 - 18:29

Die Rucksäcke, die - als es abging - noch auf dem Antifawagen lagen, sind gesichert
und können über  mail@autonome-antifa.com
zurück bestellt werden.

schon 1997 ähnliche Eskalation:

a.c.a.b 06.10.2007 - 21:45
Bullenknüppel für die Partysanen Frankfurts!

Die meisten Leute werden zur Nachttanzdemo "Lärm" 97 mit der Erwartung gekommen sein, ein vergleichbares Event wie die letztjährige Nachttanzdemo "Save our night" zu erleben, bei der es nach einem dreistündigen Partyzug durch die Frankfurter Innenstadt unter Polizeieskortierung (!) und abschließender Disco am Opernplatz zu keinerlei "Zwischenfällen" gekommen war. Doch bei "Lärm 97" erwartete die Partywilligen etwas völlig anderes.

Das gewaltige Bullenaufgebot inklusive SEK-Einheiten und Wasserwerfer, das in der Moselstraße und im gesamten Bahnhofsviertel schon lange vor Partybeginn Stellung bezogen hatte, konnte zun"chst nur Verwunderung hervorrufen. Spätestens nach den massenweise erteilten Platzverweisen, die willkürlich gegen "verdächtig aussehende Personen" ausgesprochen wurden, und den mehrfach wiederholten Polizeidurchsagen, daß es sich bei "Lärm 97" um eine verbotene Veranstaltung handele und die Teilnahme daran eine "Ordnungswidrigkeit" darstelle, war jedoch klar, daß die massive Formierung der Polizeitruppen tatsächlich der gewaltsamen Verhinderung der Nachttanzdemo dienen sollte.

Doch das Polizeikonzept der massiven Einschüchterung ging nicht auf: Die Leute, die ins Bahnhofsviertel gekommen waren, um von dort aus eine Party in der Innenstadt Frankfurts zu feiern, zeigten mit einer erstaunlichen Hartnäckigkeit, daß sie sich nicht durch die Drohungen und später auch Gewalttätigkeiten der Polizei vertreiben lassen wollten.

"Die Bullen stecken mit Mc Donalds unter einer Decke, die wollen uns vom Bier fernhalten"

Kein Bierverkauf im Mc Donalds Hbf, 0:10 h

Organisatorisches Geschick ermöglichte es, den Partyzug trotzdem in Gang zu setzen, der am Bahnhof weit über 1000 Leute umfaßte. Eine Polizeisperre verhinderte hier jedoch ein Weiterziehen, was zwar ärgerlich, aber nicht weiter tragisch war, da über zehn Plattenteller rotierten und die dazugehörigen Sounds den Bullenkessel, der sich formierte, zumindest partiell als nebensächlich erscheinen ließ. Mit dem, was dann jedoch folgte, hatte vermutlich kaum jemand gerechnet: Die SEK-Einheiten srürmten zwei Lärmwagen mit einer wüsten Prügelorgie, bei der CS-Reizgas in rauhen Mengen gezielt in die Gesichter der Tanzenden gespritzt wurde. Die Leute auf den Wagen wurden brutal runtergeschmissen und die Umstehenden massiv mit Schlägen und Tritten eingedeckt. Selbst von "Dienst nach Vorschrift" ("Die Polizei tut nur ihre Pflicht") konnte hier keine Rede mehr sein, wie kritikwürdig sich bereits auch schon diese Aussage darstellen mag.

Die Polizeiübergriffe auf Kleingruppen, die sich nach der Auflösung vor dem Hauptbahnhof ereigneten, bildeten ebenso die logische Fortsetzung dieser "Polizeistrategie", wie die zahlreichen Festnahmen vor dem Nachtleben (Unterstützer des "Nachtexpress") gegen 4 Uhr, die die Türsteher des Nachtleben mit hähmischen Bemerkungen und Verweigerung des Zutritts zu begleiten wußten.

Wohlgemerkt, es gab keinerlei Provokationen, die die Polizei als Erkl"rungsansatz für ein derartiges Vorgehen hätte anführen können, die Provokation bestand einzig und allein in der Musik, im Tanzen und Spaßhaben der Leute auf einer "unangemeldeten" Tanzveranstaltung.

"Habt ihr Bullen denn keine Ahnung von Rock'n Roll?"

Hbf Vorplatz, 1:30 h

Wie läßt sich dieses Verhalten der Polizei gerade im Hinblick auf den letztjährigen Verlauf der Nachttanzdemo nun erklären? Wurde die Party damals insbesondere in den Medien noch auf die Forderung nach Verlängerung der Sperrstunde reduzierend interpretiert, so fand das diesjährige Event im Rahmen der Aktionswoche gegen Sicherheitswahn, (rassistische) Ausgrenzung und Privatisierung, das heißt, in einem explizit politischen Kontext statt. Diese Tatsache allein kann jedoch keinesfalls die Prügelexzesse erklären, die sich in dieser Nacht abspielten, zumal sicherlich nur ein kleiner Teil der anwesenden Leute von diesem Bezug der Nachtdemo wußten und auch die, die sich dieses Kontextes bewußt waren, keinesfalls die Konfrontation mit den Bullen gesucht hatten. Auch Argumentationen, die der staatlichen Gewalt eine Strategie von Zuckerbrot und Peitsche unterstellen, scheinen hier ebensowenig weiterzuführen wie die klassische ordnungspolitische Erkl"rung, die die Ruhe des schlafenden Bürgers als oberste Priorität ausweist.

Festzustellen ist, daß der Polizeiapparat in dieser Nacht die Party zu einem Politikum machte, für das es selbst Linke zuvor in dieser Form nicht gehalten hatten. Der Bezug auf das Konzept "radikaler Spaß" hat in Anbetracht der real existierenden Partylandschaft immer zumindest ambivalenten Charakter, und droht aus linker Perspektive heraus schnell funktionalistisch zu werden. Zu fragen ist, inwiefern eine Party, die in einem nicht institutionalisierten Rahmen (im Gegensatz zur Loveparade) stattfindet, bereits in ihrer Form einen subversiv-widerständigen Gehalt in sich birgt, der, in ihrer Überschreitung der herrschenden Konventionen und Sphären der freien Narretei, staatliche Organe zu einem derartigen Einschreiten nötigt.

Für etliche der Partybeteiligten schien in den Momenten, in denen sich trotz der Anstrengungen der Bullen der Partyzug bewegte, etwas aufzublitzen, das sich nur schwer in Worte fassen läßt. Insbesondere als auf dem Paulsplatz ein neuer Lärmwagen (inklusive Strobo) den Zug wieder in Bewegung setzte, schien alles möglich und jeder Versuch der Bullen, die Party zu verhindern nur unzulänglich und lächerlich zu sein; eben weil wir die Guten, die Besseren und Schnelleren sind ("Wir gewinnen in jedem Fall; und wenn wir tausend Tanzflächen bilden"). Die zehn Minuten bis zur erneuten Einkesselung waren ebenso wie die halbe Stunde am Hauptbahnhof Momente einer Party, die es wert war getanzt zu werden.


sinistra! radikale linke

Das sagen die Bullen

tut nichts zur sache 07.10.2007 - 14:44

 http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/4970/1060810/polizeipraesidium_frankfurt_am_main
06.10.2007 | 13:33 Uhr
POL-F: 071006- 1162 Innenstadt: Auseinandersetzungen während Nachttanzdemo - Aggressionsentladung gegen eingesetzte Polizeibeamte - 19 Beamte verletzt
Frankfurt (ots) - Am vergangenen Freitagabend begann verspätet
gegen 23.00 Uhr die alljährlich stattfindende angemeldete
Nachttanzdemo in der Brückenstraße im Stadtteil Sachsenhausen. Nach
polizeilichen Einschätzungen hatten sich zu diesem Zeitpunkt rund 650
Teilnehmer eingefunden, darunter etwa 10 Prozent gewaltbereite
Personen aus dem Antifa-Lager. Die Veranstalterin führte die
Teilnehmer, in deren Aufzug sich zehn Fahrzeuge mit
Lautsprecherausstattungen befanden, auf der von der
Versammlungsbehörde vorgegebenen Strecke in Richtung Hauptwache, wo
die Abschlusskundgebung vorgesehen war.
Nach einer kurzen Zwischenkundgebung im Bereich der "Alte Brücke",
mussten bereits einige vermummte Personen von der Polizei
angesprochen werden. Auf der weiteren Wegstrecke, kurz vor dem
Theatertunnel, noch auf der Berliner Straße, erfolgten aus der
zwischenzeitlich auf rund 1.400 Teilnehmer angewachsenen Menge heraus
Flaschenwürfe gegen die den Aufzug begleitenden Einsatzkräfte. Ebenso
wurden Böller und Leuchtkörper gegen die Beamten abgeschossen, ohne
dass diese ihre Ziele trafen.
Ein zur Deeskalierung eingesetzter Kontaktbeamter zur Veranstalterin
wurde in dieser Phase mit Bier übergossen.
15 offensichtlich alkoholisierte und der Punker-Szene zuzuordnende
aggressionsbereite Teilnehmer mussten daraufhin durch spezielle
Eingreifkräfte direkt begleitet werden. Nach einer um 01:20 Uhr
durchgeführten Zwischenkundgebung am "Jürgen-Ponto-Platz", erfolgten
aus einigen Gruppen der Teilnehmer heraus erneut Flaschenwürfe gegen
die Polizeibeamtinnen und -beamte. Parallel wurde
von einem Veranstaltungsfahrzeug herunter eine Lautsprecherdurchsage
veranlasst, wonach die Polizei den Schlagstock - was nicht zutraf -
eingesetzt habe. Dadurch wurde offensichtlich das vorhandene
Aggressionspotential der Demoteilnehmer angesprochen, so dass sich
die Veranstalterin aufgrund der emotional aufgeheizten Situation, die
sie offensichtlich auch nicht mehr als Verantwortliche positiv
beeinflussen konnte, veranlasst sah, gegen 02:10 Uhr den
Demonstrationsaufzug am Opernplatz, also einige hundert Meter vor
Erreichen der Örtlichkeit für die Abschlusskundgebung, offiziell für
beendet zu erklären. Dies wurde den Teilnehmern über Lautsprecher
mitgeteilt.
Daraufhin erfolgten Stein- und Flaschenwürfe gegen die Einsatzkräfte
sowie direkte körperliche Angriffe. Ein Beamter wurde sogar zu Boden
gebracht. Dort liegend erhielt er Tritte gegen den behelmten Kopf
sowie gegen seine Körperpartien. Nur durch die getragene
Schutzausrüstung wurde Schlimmeres verhindert. Allerdings erlitt der
Beamte einen Knochenriss im Bereich eines Ellenbogens.
In dieser Situation mussten die Einsatzkräfte Schlagstöcke und
Pefferspray gegen die 100 bis 150 gewaltbereiten
Demonstrationsteilnehmer einsetzen.
Insgesamt wurden neun Personen, acht Männer (16 bis 31 Jahre) und
eine 17-jährige Jugendliche vorläufig zur Personalienfeststellung
festgenommen. Gegen sie wurden Ermittlungsverfahren wegen
Landfriedensbruch, schweren Landfriedensbruch, Körperverletzung,
Beleidigung, Widerstand gegen Vollsteckungsbeamte und Verstößen gegen
das Versammlungsgesetz eingeleitet.
Gegen 03:00 Uhr hatte sich die Mehrzahl der Teilnehmer entfernt,
dabei richteten einige Demonstrationsteilnehmer beim Abwandern ihre
Aggressionen gegen Blumenkübel, Verkehrszeichen und Mülltonnen.

Die vorläufige Bilanz der Polizei:
Insgesamt 19, überwiegend durch Prellungen leicht verletzte
Einsatzkräfte und zwei beschädigte Fahrzeuge.

Der Frankfurter Polizeipräsident Dr. Achim Thiel verurteilte
ausdrücklich den Gewaltausbruch von etwa 150 meist alkoholisierten
Demonstrationsteilnehmern gegen die Einsatzkräfte. "Dies sei umso
bedauerlicher, da die Nachttanzdemos vergangener Jahre ohne besondere
Vorkommnisse zu Ende gegangen seien. Das Vorgehen der gewaltbereiten
Demonstranten schade daher im Besonderen dem Anliegen der Mehrzahl
der besonnenen Teilnehmer", erklärte Dr. Thiel.
(Jürgen Linker)

Stellungnahme der Demoanmelderin

Demoleitung 08.10.2007 - 13:45

Stellungnahme der Demoanmelderin zur Nachttanzdemo am 05.10.2007

Die VeranstalterInnen der diesjährigen Nachttanzdemo sind entsetzt über die undifferenzierte Presseberichterstattung und die diffamierende Berichterstattung der Polizei.
Einige Aspekte, die von der Polizei in ihrer Pressemitteilung erwähnt werden, entsprechen schlicht nicht den Tatsachen.

Die Nachttanzdemo war, wie schon in den vergangenen Jahren eine party-politische Veranstaltung, die von einem breiten Bündnis getragen wurde. Mehr als ein Dutzend Gruppen hatten sich an der Organisation beteiligt und den gemeinsam verfassten Aufruf unterzeichnet (mehr dazu unter www.nachttanzdemo-2007.de.vu).

Der Beginn der Demonstration war zwar nicht ganz pünktlich, jedoch entspannt und friedlich. Hunderte von Menschen feierten ausgelassen auf der Straße und präsentierten ihre Vorstellung von Freiräumen auf sehr bunte und vielfältige Art und Weise.

Im Bereich der „Alten Brücke“ wurde der Zug lediglich langsamer, um dem, in den engen Straßen Sachsenhausens weit auseinander gezogenen Zug, die Möglichkeit zum aufschließen zu geben. Zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung ausgelassen und einige Partygänger aus Sachsenhausen hatten sich spontan der Demonstration angeschlossen.
Der Einsatzleiter der Polizei teilte mir an dieser Stelle auch mit, dass innerhalb der Demonstration Flaschen auf die Straße geworfen worden seien. Diese sind ausdrücklich nicht auf PolizeibeamtInnen geworfen worden, da die Demonstration zu diesem Zeitpunkt lediglich von einer Polizeistreife am Anfang des Zuges begleitet wurde. „Zur Sicherung des Aufzuges“, von dem zu diesem Zeitpunkt keinerlei Gefahr ausging, wurde eine BFE (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit) zur Begleitung des Zuges abgestellt. Diese begleitete den Zug lediglich auf Höhe des ersten Wagens, was eine reine Provokation der TeilnehmerInnen darstellte. Auf Höhe der Berliner Straße, auf der tatsächlich die einzige Zwischenkundgebung abgehalten wurde, begannen die BeamtInnen zu filmen und gezielt Leute durch „sehr enges Begleiten“ und anrempeln einiger TeilnehmerInnen zu provozieren. Diese Provokation wurde für den weiteren Aufzug fortgesetzt, obwohl ich den Einsatzleiter mehrfach darum gebeten hatte, die BFE Truppe vom Aufzug zurück zu ziehen. Es wurde von Seiten der Polizei mehrfach mit Eingreifen gedroht, obwohl selbst der zur Kommunikation beorderte Beamte die Situation als nicht bedrohlich einschätzte.

Die Zwischenkundgebung am Jürgen-Ponto-Platz war von der Polizei aus Zeitgründen untersagt worden, da die Demonstration sich ihrer Meinung nach in einem erheblichen Zeitverzug befand. Eine „Modenschau der besonderen Art“, die auf dem ersten Wagen abgehalten wurde, wurde von den Beamten offensichtlicht als Provokation aufgefasst.

Als der Demonstrationszug auf den Opernplatz einbiegen wollte, wurde der Weg von der BFE-Truppe versperrt. Kurz darauf begannen die PolizeibeamtInnen in die Menge der TeilnehmerInnen zu gehen. Dabei wurden auch Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt. Ein Jugendlicher Demonstrationsteilnehmer wurde schwer verletzt und kurze Zeit später mit einem Krankenwagen abtransportiert. Das daraus resultierende Chaos wurde versucht unter Kontrolle zu bringen, indem man die übrigen TeilnehmerInnen vom Lautsprecherwagen aus über die Situation informierte und gleichzeitig dazu aufforderte ruhig zu bleiben.
Die Versammlungsleitung versuchte mit der Polizei ein weiteres Vorgehen zu besprechen. Dabei wurde deutlich gemacht, dass die Demonstration nur fortgesetzt wird, wenn sich die Polizeieinheiten in den Hintergrund zurückziehen. Dies wurde von der Polizei verweigert. Sie verlangten, dass die Demonstration unter einem engeren und höheren Polizeiaufgebot die vereinbarte Route fortsetzt und an der Hauptwache beendet. Einwände seitens der Versammlungsleitung, dass dies nur unnötige weitere Auseinandersetzungen provozieren würde, wurden von der Polizei nicht ernst genommen. Daraufhin entschloss sich die Versammlungsleitung die Demonstration am Opernplatz vorzeitig zu beenden. Als gerade noch mit dem Einsatzleiter das weitere Vorgehen besprochen wurde, war auf dem Opernplatz bereits die Durchsage zu hören, dass die Polizei die Versammlung für beendet erklärt. Erst daraufhin wurden die Verhandlungen mit der Polizei abgebrochen.

Der weitere Verlauf ist einzig dem unbesonnenen Handeln der Polizei zuzuschreiben, die mit unnötiger Provokation und Härte gegen die DemonstrationsteilnehmerInnen vorging. Mindestens 3 Personen wurden durch Schlagstockeinsätze so schwer verletzt, dass sie in ein Krankenhaus gebracht werden mussten. Zahlreiche weitere erhielten Verletzungen wie Prellungen, Blutergüsse und Augenreizungen.

Hätte die Polizei sich in ihrer Handlung ein wenig mehr auf das Urteilsvermögen der Versammlungsleitung verlassen und die Provokation durch eine BFE-Truppe unterlassen, hätte auch diese Nachttanzdemo ein friedliches Ende genommen. Wir verurteilen das Vorgehen der Polizei aufs Schärfste und kritisieren die unsachliche Berichterstattung der Polizei und der Presse, die mal wieder lediglich auf Krawall und Randale fixiert war und die Schuldigen in den Reihen der DemonstrationsteilnehmerInnen sucht.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 3 Kommentare

Soli-grüße

rummel-fahrer 06.10.2007 - 18:59
an die verletzten GenossInnen!
Ich hoffe ihr hattet trotz aller "Umstände" noch ordentlich Feierei. :)

rock the city...

compañero 06.10.2007 - 20:40
'sauber!' solidarische grüße aus der ferne...

subproletarische selbsbewaffnung

antifa-hooligan 07.10.2007 - 13:25
besonders nervig waren diverse hobbyphotographen und um die staatsmacht besogte hippie-studenten, die durch die entladung von phrasen-müll ("das bringt doch nichts") aufgefallen sind.