Neonaziszene und Übergriffe in Pulheim
[1]
Axel Reitz
Hausbesuch bei Axel
Ein Arbeitsschwerpunkt des nach eigener Aussage “arbeits- aber nicht beschäftigungslosen” Reitz war die Koordination freier Kameradschaften und anderer rechter Gruppen über das “Aktionsbüro West”. Er schaffte eine Vernetzung, durch die sich das AB-West-Umfeld zum aktivsten und demonstrationsfreudigsten im Westen Deutschlands entwickelte. In einer Dokumentation des WDR, “Nebenan der braune Sumpf”[2], stellte Reitz diese Pläne dar und erklärte die Notwendigkeit für einen Kampf auf der Straße.
Schon vor fast 2 Jahren tauchten auch in Pulheim immer wieder vereinzelt Aufkleber mit Hinweisen auf rechte Webseiten auf. Auch in der WDR-Dokumentation kamen Pulheimer Nazis zu Wort: Thorsten Schnug, Sebastian Wittke und Markus Senk ließen sich in einem Kölner Park über ihre Pläne aus und erklärten dem Reporter ihre Motive. So würden sie nach eigener Meinung überall von “brutalen Ausländern mit Waffen” bedroht werden, sie fühlen sich unsicher und müssten dagegen etwas unternehmen.
Seit etwa einem halben Jahr tritt die Pulheimer Gruppierung immer offener auf, sie schmieren Hakenkreuze und einschlägige Parolen, verklebten mehrere 1000 Sticker und bedrohten gegen rechts engagierte Schüler durch persönliche Schmierereien in deren Wohnumfeld[3].
Vor wenigen Monaten schlossen sie sich mit “Autonomen Nationalisten” aus Aachen, Düren, Köln zur “Aktionsgruppe Rheinland” zusammen, jüngst kamen Nazis aus Leverkusen dazu.[4]
Gemeinsam besuchen sie fast jedes Wochenende Demos, Schulungen oder rechte Musikveranstaltungen, außerdem schreiben sie fast täglich Texte für ihre „Weltnetzseite“.
[3]
Video vom Pulheimer Stadtbild
[4]
Gründung der AG-Rheinland
Naziproblem in Leverkusen
Schon im Frühsommer ermahnten die Aktionstage am Geschwister-Scholl-Gymnasium die Pulheimer Bürgerinnen und Bürger zu Zivilcourage, man solle bei rechter Gewalt und Aktion hinschauen, nicht wegsehen. Schülerinnen und Schüler gestalteten Werbewände im Stadtgebiet künstlerisch zum Thema Toleranz und Offenheit, im Keller der Schule gab es eine Ausstellung zum Thema Nationalsozialismus. Eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Stadt, dem Staatsschutz und vielen Jugendlichen griff das Thema “ANP” endlich öffentlich auf und diskutierte über Motive und Ziele der Gruppierung. Ergebnisse waren aber eher geistlicher Natur, feste Pläne etwas zu tun gab es nicht.
Eine zweite öffentliche Auseinandersetzung eher aktionistischer Natur versuchten Pulheimer Jugendliche durch die Mitorganisation einer Putzaktion, man traf sich mit Bürgerinnen und Bürgern auf dem Marktplatz und “wischte den braunen Dreck einfach weg”[5]. Ein erstes Zeichen dessen Auswirkungen man direkt bestaunen konnte, Pulheim war ganze 2 Wochen fast stickerfrei. Dannach setzten pünktlich zum Antikriegstag in Dortmund die Wellen der Propaganda wieder ein.
Die jüngste Aktion der “Pulheimer Jugendlichen gegen Rechts” brachte der Sache langsam auch etwas Presseaufmerksamkeit entgegen:
Am Dienstag, dem 11.09. wurde ein Konzert neben dem Rathaus organisiert und man ging anschließend geschlossen mit ca. 60 Jugendlichen in die Sitzung des Pulheimer Stadtrats. In einer einstündigen Diskussion mit den Ratsmitgliedern versuchte man Erklärungen für das mangelhafte Verhalten der Stadtverwaltung zu finden. Man prangerte ihre schleppende Auseinandersetzung mit dem Pulheimer Rechtsextremismus an und fragte nach Plänen der Aufklärungs- und Präventivarbeit um solche Gruppierungen auf lange Sicht zu verhindern – mit leider sehr mäßigem Erfolg. Bürgermeister Morisse hielt streng an seiner Taktik fest den Pulheimer Neonazis “kein Forum” zu bieten und hielt jede öffentliche Diskussion für kontaproduktiv. Seine Untertanen der vertretenen Parteien äußerten sich garnicht erst zu den Fragen, sie aßen Kekse und tranken Kaffee um im Anschluss an die Diskussion weiter Nichtigkeiten der Tagseordnung zu besprechen.[6]
[6]
Punkkonzert und Ratssitzung
Ratssitzung
Konzert
In der vergangen Woche wurden außerdem in verschiedenen Pulheimer Ortsteilen fünf der aktivsten „ANP“ Kader von AntifaschistInnen öffentlich geoutet. Es wurden massiv Flugblätter verteilt, in denen es heisst: „[Es ist] Höchste Zeit einige der Neonazis, die das Stadtbild so sehr mit ihrer braunen Propaganda prägen, einmal persönlich kennenzulernen”. Neben Namen und Bildern der “ANP” Mitglieder Andreas Schick, Markus Senk, Sebastian Wittke, Söhnke Rolfs und Thorsten Schnug sind darauf auch deren Adressen und Telefonnummern abgedruckt.
In den Abendstunden des Donnerstag, dem 13.09., kam es am Bahnhof Pulheim-Stommeln zu einem brutalen Angriff, mit dem die anscheinend gereitzten Nazis mal wieder gezeigt haben, dass ihr neonazistisches Gedankengut zwangläufig in Gewalt gegen Andersdenkende endet. Gegen 19 Uhr wurden Jugendliche, die sich die Wartezeit damit vertrieben braune Propaganda von Verkehrsschildern zu entfernen, von Fünf zum Teil mit Sturmhauben vermummten Nazis angegriffen. Die Gruppe rannte über das Bahngleis auf ihre Opfer zu, skandierte Lauthals rechte Parolen und beschimpfte die auf den Zug Wartenden u.a. mit “ihr Judenschweine”. Die Jugendlichen ergriffen daraufhin die Flucht und wurden von den Neonazis steinewerfend verfolgt. Einer der Angreifer schoß aus kurzer Entfernung mehrmals mit einer Signalwaffe und verfehlte einen Jugendlichen dabei nur knapp. Ein weiterer stürtzte und wurde so von den Angreifern eingeholt, sie schlugen und traten daraufhin mehrmals auf ihn ein.[7]
Die von Zeugen gerufene Polizei traf nach wenigen Minuten ein, konnte aber keinen der Täter stellen und kümmerte sich stattdessen mit zwischenzeitlich 8 Einsatzwagen um eines der Opfer. Im nachhinein war ihnen der Vorfall allerdings nicht einmal eine Pressemitteilung wert, auf Anfrage von Lokalpolitikern wird der Tathergang aber bestätigt: “die Kollegen vom Kölner Staatsschutz ermitteln”.
Mit dem Vorfall am Donnerstag haben die “Autonomen Nationalisten Pulheim” bewiesen zu was sie in der Lage sind. Dem kann weder durch Wegschauen, wie es z.B. von Seiten der Stadt praktiziert wird, noch durch das Verfallen in Angst und Hysterie entgegnet werden. Es bedarf stattdessen einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Problem und seinen Verursachern, ruhig auch auf “kreativem” Wege.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)


Ergänzungen
Bamberg 22.09.07
Nachdem das Verbot des NPD-Landesparteitages in der Kongresshalle
durch den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof bestätigt wurde, plant
die NPD am Samstag, den 22.09.07 eine Kundgebung. Die Veranstaltung,
angemeldet von der NPD Oberfranken seitens ihres Bezirksvorsitzenden
Kai Limmer aus Kronach, soll von 11.00 bis 13.00 Uhr in der
Fußgängerzone am zentralen „Gabelmann” stattfinden.
Bamberg, Fußgängerzone, 22. September 2007
Gegenkundgebung der Bamberger Initiative gegen Rechts: ab 9.00 Uhr
NPD-Kundgebung: 11.00-13.00 Uhr
Für Freiheit, Solidarität und Menschenwürde!
Nazi-Kundgebung verhindern!
22.09.2007
Infos über die Gegenaktivitäten gibt es hier:
Boykott!?
Sogar die "AG Rheinland" , als Hauptpersonenkreis in der Region!!
Wollen die Nazis da jetzt mit 30 leuten laufen? Lächerlich!
Bitte mehr infos dazu!
Jop
Die ANP hat das auch mit "unterzeichent" !
Trotzdem heisst es den anderen Nazis der scheiss NPD die Grenzen aufzuzeigen hier in Düren!
Alle nach Düren!
Ohren und Augen auf!
Wenn es nicht zu einer Konfliktlösung zwischen NPD und AN's in den nächsten Tagen kommt, dann werden die Jungs das sicher nicht auf sich sitzen lassen und zu Hause bleiben.
Wenn ihr Wind bekommt von autonom-nationalistischen Aktionen als Ersatz zur geplanten Demo, zögert nicht, schreibt rein.
Es entspricht sicherlich deren Vorstellung uns und die Bullen in Düren bei der NPD zu bündeln und dann spontan irgendwo auf die Kacke zu hauen.
Seid wachsam, keine Chance den Nazis. Weder in Pulheim noch woanders.
@ Augen und Ohren auf
Zeigen wir ihnen am 22.09. in Düren (ob sie kommen oder nicht) wie lebendig der Antifaschismus im Rheinland noch ist! Wir lassen uns von niemanden von der Demo abhalten - gerade ja wohl nicht von diesen feigen unentschlossenen Pack des AN.
Kommt alle nach Düren und rocken wir die Stadt!
Pressebericht zum Übergriff vom 20.09.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
jetzt gehts los — antifaschist
@ antifaschischist — geschichtsbewusst
Mitläufer?! — Köln