Nazis bei der Sommeruni gegen Antisemitismus

Martin Klopfer 12.09.2007 15:45
Der NPD-Kader und Antisemit Stefan Lux beteiligte sich mit Billigung der Veranstalter_Innen an der Sommeruniversität gegen Antisemitismus in Berlin, veranstaltet vom Zentrum für Antisemtismusforschung.
Pressemitteilung zu den Vorfällen bei der Sommeruniversität gegen Antisemitismus 2007

Vom 10.-12. September 2007 fand in der Technischen Universität Berlin die Sommeruniversität gegen Antisemitismus statt, welche vom renommierten Zentrum für Antisemitismusforschung unter der Leitung von Dr.Wolfgang Benz und Dr.Claudia Curio veranstaltet wurde.
In einer der ersten Veranstaltungen wurde von mehreren Teilnehmer_Innen darauf hingewiesen, dass sich auch Stefan Lux unter den Anwesenden befand. Dieser ist langjähriges Mitglied der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), war in früheren Jahren im Bundesvorstand tätig, und ist heute einer der engsten Berater des NPD-Parteivorsitzenden Udo Voigt. Eine geforderte und auch nötige Diskussion wurde umgehend von den Veranstalter_Innen unterbunden. Erst nachdem 20-30 Anwesende den Saal verlassen hatten, lenkten sie ein und boten - parallel zum laufendem Programm - diesbezüglich ein Diskussionsplenum an.
In den darauf folgenden Tagen erschien Lux in Begleitung von mehreren Personen aus dem militant-rechtsradikalen Spektrum. So mussten Dienstag zwei Mitglieder rechtsradikaler Kameradschaften aus Berlin, und am Mittwoch Jan Sturm, Mitglied des NPD-Kreisverbandes Neukölln, der Räumlichkeiten verwiesen werden. Ferner konnte sich Stefan Lux einer persönlichen Diskussion entziehen, da er permanent vom Sicherheitsdienst der Universität abgeschirmt wurde.
Es bleibt festzuhalten, dass trotz andauerndem Protest zahlreicher Teilnehmer_Innen, die sich durch die Anwesenheit des bekennenden Antisemiten und Rassisten Lux gestört und bedroht gefühlt haben, dieser unbehelligt und unter Billigung der Veranstalter_Innen an der Sommeruniversität partizipieren konnte. Dies ist insbesondere bei einer Seminarreihe bedenklich, die sich eindeutig gegen Antisemitismus positioniert. Es ist in Frage zu stellen, ob ein führender Kader der NPD und Demokratiefeind wie Lux überhaupt Teil eines demokratischen Diskurses sein kann und sollte. Aus der theoretischen Ausrichtung der Sommeruniversität hätten auch praktische Konsequenzen gezogen werden müssen.

Kritische Teilnehmer_Innen
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Ergänzungen

ein weiterer bericht über das thema

rosa 12.09.2007 - 15:51

ausserdem...

LDDA 12.09.2007 - 21:34
Es wäre hinzuzufügen, dass zusätzlich die paradoxe Situation entstanden ist, dass am Dienstag eine Gruppe Neonazis unbehelligt im Gebäude der TU herumgammeln konnte, wobei sich von Seiten der VeranstalterInnen um die Sicherheit der kritischen TeilnehmerInnen anscheinend keine Sorgen gemacht wurde, während man Stefan Lux dahingehend hofierte, dass ihm am Mittwoch sozusagen eine private Security zur Verfügung gestellt wurde. Am Mittwoch suchten in der Pause einige ältere TeilnehmerInnen sogar das Gespräch mit ihm und nahmen bereitwillig seine Visitenkarten entgegen. Mit diesem bürgerlichen Toleranzfetisch gegenüber dem "stigmatisierten" (sic!) Nazi wurde die vorherige Forderung an die kritischeren TeilnehmerInnen, seine Präsenz nicht durch lautstarken Protest aufzuwerten, ad absurdum geführt, da ihm mit diesen Gesprächsangeboten erst recht Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Damit zeigt sich die Einseitigkeit dieses Toleranz- und Demokratieverständnisses, denn die Meinung von ca. 1/3 der TeilnehmerInnen wurde sowohl von Seiten der VeranstalterInnen als auch der restlichen TeilnehmerInnen auf autoritäre Art und Weise übergangen bzw. mit abfälligen und sarkastischen Bemerkungen abgetan.
Eine Stellungnahme des ZfA zu der Tatsache, dass unter dem Titel "Sommeruniversität _gegen_ Antisemitismus" ein bekennender Nazi und Antisemit nicht nur geduldet, sondern sogar aktiv in Schutz genommen wurde, ist mehr als angebracht.