Brasilien:GMO / Synthetische Biotechnologie

diverse 12.08.2007 20:20 Themen: Biopolitik Globalisierung Weltweit Ökologie
Die schweizer Syngenta will auf einem Naturschutzgebiet im brasilianischen Staat Paraná genmanipulierte Organismen testen. - Synthetische Biologie, der neueste Schrei der Alchimisten...
Brasil, Paraná: ALARM VOR GENMAIPULIERTEN ORGANISMEN VON SYNGENTA
von:Emilio de Lima ( emiliodelima@gmail.com )
10. August 2007
Der Agronom und Präsident von Claspar (eine Firma, die in Paraná staatliche Produkte klassifiziert), Valdir Izidoro Silveira, warnt vor der Gefahr wenn Syngenta auf seinem Gehöft in Santa Tereza del Oeste neuerliche Untersuchungen von GMO-Produkten tätigen sollte.

Das Gehöft war von Leuten der (international vernezt tätigen ) Bauernorganisation Via Campesina (engl.,franz., span.:  http://viacampesina.org/main_sp/) besetzt worden, die erst vergangene Woche den Ort wieder verlassen hat." Syngenta muss Santa Tereza del Oeste als Experimentierfeld zur Verbesserung der organischen Produkte nutzen", so Silveira der sich zur Verteidigung der Initiative gegen den Konzern auf die Biodiversität in Paraná und dessen landwirtschaftliche Berufung bezieht. Das besagte Gehöft befindet sich in der Naturschutzzone des Nationalparks von Iguaçu. Die Wiederaufnahme von Experimenten mit GMO´s wird daher als Konfrontation zwischen Syngenta und den EinwohnerInnen des Staates Paraná aufgefasst:: "Es besteht ein ernsthaftes Risiko der Kontamination der Umwelt mit GMO´s, was eine gefährliche Situation für unsere Biodiversität und ausserdem für unsere konventionelle, landwirtschaftliche Produktion bedeuten würde".

"Syngenta hat vor, Experimente mit GMO´s zu tätigen und aus dem Gebiet von Paraná "schweizer Land" zu machen, erläutert der Präsident von Claspar weiter. Es handelt sich um eine Form von Ursurpation unserer territorialen Souveränität; eine Aneignung eines Teils unseres Landes, wo nur noch die Bestimmungen des Unternehmens gelten, unabhängig von den Risiken und Bedenken über die Auswirkungen dessen Aktivitäten für diesen Staat Brasiliens. Das schweizer Unternehmen gedenkt in Paraná das zu tun, was es in Basel, wo sich sein Kommandositz befindet, niemlas wagen würde".

Der Kampf der Regierung von Paraná für einen Stopp der GMO-Experimente Syngenta´s auf brasilianischem Territorium ( siehe:  http://savetheamazonpictures.blogspot.com/ ) hat die Unterstützung von bislang 370 zivilen, brasilianischen und ausländischen Formationen/Organisationen etc. erhalten, darunter: www.savetheamazon.blogspot.com Dem kann sich gerne angeschlossen werden...

(Quelle:  http://barcelona.indymedia.org/newswire/display/313296/index.php )
übersetzt von:tierr@

ALLES WEIT WEG?

Das neueste Zauberwort der Genmanipulationsfanatiker heisst "synthetische Biologie". Dabei handelt es sich um "das Entwerfen und Konstruieren -neuer- biologischer Bauteile, Bauteilgruppen und Systeme sowie um das Überarbeiten (Redisign) existierender natürlicher biologischer Systeme für nützliche Zwecke". Es empfiehlt sich diese Definition zweimal zu lesen, um ihre Tragweite zu erfassen. Die hier waltende Basisposition ist die Meinung, die bestehende Natur bzw. deren Mikrosysteme verbessern! zu können. Selbstredend dass bei einer solchen Grundhaltung jede Motivation zum Schutz und Erhalt natürlicher Gegebenheiten entfallen.

Leben soll laut einem der beteiligten US-Wissenschaftler auf standatisierte Bauteile reduziert werden, aus welchen es sich dann neue und andere konstruieren lassen. Es geht bspw. um Mikroben die Pharmawirkstoffe nach Maß produzieren; etwa über Funktionsgene die Zellen dazu zu bringen (sollen) den Energieträger Wasserstoff herzustellen. Mit einem bestimmten Ertbgut ausgestattete sogenannte resultierende Designmikroben könnten beliebig vermehrt werden und in Bioreaktoren produzieren. Mit dem was da konstruiert wird gibt es selbstverständlich noch keine Erfahrungen.

Dagegen engagiert sich die kanadische "Action Group on Erosion, Technology and Concentration" ( ETC-Group )  http://www.etcgroup.org/en/, die befürchtet, dass die Auswirkungen dieses Lego für WissenschaftlerInnen noch gravierender ausfallen werden, als die der bisherigen Biotechnologie.

Zum Thema siehe auch (sehr informativ) :
Die G(e)nome von Zürich –Internationale Organisationen verlangen Kontrollen für die Synthetische Biologie
 http://www.etcgroup.org/en/materials/publications.html?pub_id=643

Für weitere Informationen:

Florianne Koechlin, SAG und Blauen-Institut
 fkoechlin@datacomm.ch
Tel: +41 79 6530274

Jim Thomas, ETC Group  jim@etcgroup.org
available in Zurich on +1 514 5165759 (mobile)

Kathy Jo Wetter, ETC Group
 kjo@etcgroup.org

Themenbezogene Links

www.genet-info.org
www.gendreckweg.de
www.CGBnetwork.org
Monsanto Monopoly Nixed
 http://www.etcgroup.org/en/materials/publications.html?pub_id=619
MONSANTO TÖTET- Teil 1
 http://de.indymedia.org/2007/06/186303.shtml
Indien: Anbau von Bt-Baumwolle nimmt weiter zu
 http://www.transgen.de/aktuell/meldungen_international/
Agrogifte in Chiapas
 http://de.indymedia.org/2007/06/185840.shtml
Indi-Gene Bedrohung
 http://de.indymedia.org/2007/04/172540.shtml
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Ergänzungen

synthetische Biologie

... 13.08.2007 - 09:32
"Genetically modifed organisms" (= GMO, oder auf deutsch GVO von "gentechnisch veränderten Organismen" haben nichts mit synthetischer Biologie zu tun. Man werfe dazu einen Blick auf die Definition:

Zitat: "Das neueste Zauberwort der Genmanipulationsfanatiker heisst "synthetische Biologie". Dabei handelt es sich um 'das Entwerfen und Konstruieren -neuer- biologischer Bauteile, Bauteilgruppen und Systeme sowie um das Überarbeiten (Redisign) existierender natürlicher biologischer Systeme für nützliche Zwecke'."

Es gibt dabei zwei Ansätze. Der eine beschäftigt sich dabei mit dem Aufbau eines Organismus (bislang ausschließlich Mikroorganismen, also Bakterien bzw. Archaebakterien) aus totem Material (= "bottom up") während der andere das genetische Material bestehender Organismen (ebenfalls ausschließlich Bakterien) soweit reduzieren will, dass man eine Art "Basisorganismus" erhält, der dann mit entsprechenden Genen für die Produktion von z.B. Antibiotika ergänzt werden kann (= "top down").
Dies wird zwar auch mit gentechnischen Methoden versucht (vor allem der "top down"-Ansatz), hat aber mit der sog. grünen Gentechnik (die Modifikation von Pflanzen zur Verbesserung ihrer Eigenschaften) nichts zu tun.


Zitat: "Es empfiehlt sich diese Definition zweimal zu lesen, um ihre Tragweite zu erfassen. Die hier waltende Basisposition ist die Meinung, die bestehende Natur bzw. deren Mikrosysteme verbessern! zu können. Selbstredend dass bei einer solchen Grundhaltung jede Motivation zum Schutz und Erhalt natürlicher Gegebenheiten entfallen."

Diese Aussage ist vollkommener Unsinn. Selbverständlich kann die bestehende Natur oder deren Mikrosysteme - im Sinne des für den Menschen nützlich - verbessert werden ohne den Schutz oder Erhalt natürlicher Gegebenheiten irgendwie anzutasten. Wenn man mal davon absieht, dass der Mensch durch herkömmliche Züchtung Tiere und Pflanzen seit Jahrtausenden in ihrer ursprünglichen Form verändert und zu seinem Nutzen verbessert (z.B. sämtliche Getreidesorten, jedwede Form von Obst und Gemüse, die zumindest in Europa käuflich zu erwerben ist), ist selbst die Produktion von einer Vielzahl von Stoffen durch Mikroorganismen und deren Verbesserung seit ca. hundert Jahren Standard, ohne dass dies dem Umweltschutz zum Nachteil wurde oder wird.

Zitat: "Leben soll laut einem der beteiligten US-Wissenschaftler auf standatisierte Bauteile reduziert werden, aus welchen es sich dann neue und andere konstruieren lassen. Es geht bspw. um Mikroben die Pharmawirkstoffe nach Maß produzieren; etwa über Funktionsgene die Zellen dazu zu bringen (sollen) den Energieträger Wasserstoff herzustellen. Mit einem bestimmten Ertbgut ausgestattete sogenannte resultierende Designmikroben könnten beliebig vermehrt werden und in Bioreaktoren produzieren."

Es gibt nur geringe Zweifel, dass die hundertjährige Geschichte der Antibiotika-Produktion, die nur durch Mikroorgamismen möglich (gewesen) ist, dem oder den Verfasser(n) zu ihrem Leben verholfen hat. Unsere Welt wäre z.B. ohne Antibiotika noch deutlich schlechter, als sie ohnehin schon ist. Die Möglichkeit mit effektiveren (und dadurch billigeren) Produktionsmethoden Pharmazeutika herzustellen kommt dann gerade Menschen in ärmeren Gegenden der Welt zugute. Man muss nur dafür sorgen, dass die entsprechenden Produktionsanlagen von den betroffenen Menschen selbstverwaltet werden!
Nebenbei fällt ist es schwer verständlich, wie man angesichts von Erderwärmung, Treibhauseffekt und Energiemangel, die Produktion von Energieträgern wie Wasserstoff mit Hilfe billiger und effektiver Produktionsmethoden wie der synthetischen Biolgie zu verdammen kann. Ist eigentlich bekannt, wie viel Energie man aufwenden muss, um auf "herkömmliche" Art Wasserstoff herzustellen? Ist eigentlich bekannt, dass man mittlerweile mithilfe von Bakterien Strom gewinnen kann? Dabei bauen die Mikroorganismen Abfälle ab und ein Teil der Energie, die sie für sich gewinnen kann ihnen als Strom/Elektrizität entzogen werden. Das System hat zwar noch keine Serienreife, aber es wird kommen...

Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass Technik an sich nicht schlecht ist. So wie man z.B. Autos, Flugzeuge oder Computer für unheimlich sinnvolle Sachen nutzen kann, ist auch die Gentechnik eine unheimlich potente Gechichte, wenn man sie denn zu nutzen weiss. Auch mit Autos, Flugzeugen und Computern wird Krieg geführt. Es kommt bei der Anwendung von Technik immer auf den Menschen an, der diese Technik nutzt.
Vielleicht sollte man deshalb weniger gegen die Gentechnik an sich hetzen (vor allem, wenn man eigentlich überhaupt keine Ahnung von Gefahren, Risiken und Potentialen hat...) sondern lieber gegen kapitalistische Grosskonzerne und deren Politik!

RE

tierr@ 13.08.2007 - 11:16

"Leben soll laut einem der beteiligten US-Wissenschaftler auf standatisierte Bauteile reduziert werden, aus welchen es sich dann neue und andere konstruieren lassen. Es geht bspw. um Mikroben die Pharmawirkstoffe nach Maß produzieren; etwa über Funktionsgene die Zellen dazu zu bringen (sollen) den Energieträger Wasserstoff herzustellen. Mit einem bestimmten Ertbgut ausgestattete sogenannte resultierende Designmikroben könnten beliebig vermehrt werden und in Bioreaktoren produzieren." ( dies ist ein Zitat aus der taz )

"hat aber mit der sog. grünen Gentechnik (die Modifikation von Pflanzen zur Verbesserung ihrer Eigenschaften) nichts zu tun" - Hier ist nichts von sog. grüner Gentechnik gesagt sondern "nur" von Genmanipulation schlechthin, die dabei eine Rolle spielt, was das von Ihnen selbst angeführte Argument: Dies wird zwar auch mit gentechnischen Methoden versucht (vor allem der "top down"-Ansatz , ja auch besagt

Vielleicht hilft Ihnen beim Erfassen der Absurdität der sog. "Zivilisation" mit Umgang mit der Natur ja der folgende Artikel:

Ethical shopping is just another way of showing how rich you are
The middle classes congratulate themselves on going green, then carry on buying and flying as much as before
 http://www.guardian.co.uk/commentisfree/story/0,,2133120,00.html

Gravierende Auswirkungen der Gentechnologie?

Simon Baumann 09.09.2007 - 23:52
Zitat: Dagegen engagiert sich die kanadische "Action Group on Erosion, Technology and Concentration" (...), die befürchtet, dass die Auswirkungen dieses Lego für WissenschaftlerInnen noch gravierender ausfallen werden, als die der bisherigen Biotechnologie.

Es wuerde mich mal wunder nehmen mit welchen "gravierenden Auswirkungen" der Biotechnologie wir den heute zu kaempfen haben. Diese "gravierenden Auswirkungen" wurden uns schon oft prophezeit, aber gesehen hat sie noch niemand.
Uebrigens, es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Gentechnologie prinzipiell im Wiederspruch zu Artenvielfalt steht. Das haengt einzig davon ab, wie die Technologie angewendet (sprich: angebaut) wird. Das trifft auf nicht-GVO Produkte in exakt dem selben Masse zu.

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