Zur Lage in den Berliner Knästen
Bericht über die Situation der Gefangenen in den Berliner Knästen und Kritik am (nicht) Verhalten der radikalen Linken.
Zur Lage in den Berliner Knästen
Wie Gefangene umgedreht werden - Vollzugsziel Entsolidarisierung
In Berlin beginnen die meisten Knastkarrieren in den Zellen des LKA am Tempelhofer Damm. Enge gekachelte Räume mit einem Betonsockel, ob es nachts eine Matratze gibt hängt von der Willkür der Beamten ab, genauso wie oft jemand zur Toilette gelassen wird. Weil das Fenster nicht zu öffnen ist haben die Gefangenen entweder nach kurzer Zeit Kopfschmerzen oder das Geräusch der Lüftung verhindert den Schlaf. Viele Menschen sind von dieser Umgebung so schockiert, das wenn sie nach 40 Stunden dem Haftrichter vorgeführt werden schon der beabsichtigte Aussagedruck entsteht. In jedem Berliner Knast gibt es Zellen wie im Polizeigewahrsam, die Leute wissen das und so erscheint die Ankunft in der Untersuchungshaftanstalt Moabit als erste Verbesserung, es gibt eine Freistunde, die Fenster lassen sich öffnen und ein TV kann gemietet werden.
Nach einigen Monaten mit 23 Stunden Einschluss am Tag und kaum Kontakt zur Außenwelt sind die meisten verhandlungsreif, fast jedes Urteil wird akzeptiert und auf Rechtsmittel verzichtet. Hauptsache weg aus Moabit und ins „Paradies“ nach Tegel. Dort gibt es kein Drahtnetz vorm Fenster, die Gefangenen können einige Stunden pro Tag am Gang rumstehen, bessere Besuchsmöglichkeiten…
Es gibt aber weitere Möglichkeiten sich zu verbessern:
Verlegung in den offenen Vollzug nach Düppel oder bei Haftverschonung spätere Ladung nach Hakenfelde. Der Offene Vollzug ist für das Land Berlin eigentlich am effektivsten; weniger Beamte/ Personal, die meisten Gefangenen arbeiten und zahlen davon 150.- Euro monatlich Haftkosten.
Der ausgeübte Druck auf die Menschen ist in den Anstalten differenziert, bei Widerstand wird der Gefangene immer wieder in den Zustand kurz nach der Festnahme versetzt: Überall gibt es besonders „gesicherte“ Hafträume. Wer in Moabit Kontakt zu anderen aufnimmt, lärmt oder diskutiert…der Beamte gibt Alarm, Einsatz des Knüppelkommandos, Verbringung in den Bunker, eventuell mit anketten. In Tegel entfällt das Problem der illegalen Kontaktaufnahme aber die Flut von Drogen und die Enge führen zu Auseinandersetzungen und jede Renitenz wird genauso beantwortet.
In Hakenfelde wird die Hausordnung noch penibler ausgelegt. Bestimmte Bereiche dürfen zu bestimmten Zeiten nicht betreten und Verstöße, die im Verborgenen laufen werden vom hauseigenen Spitzelsystem gemeldet. Weil es nicht genug Beamte für ein Knüppelkommando gibt und um Zeugen zu vermeiden laufen die Angriffe geschickter:
Der Betroffene wird über Lautsprecher zur Zentrale bestellt wo er überraschend von sechs Beamten angefallen wird dabei werden ihm Gürtel und Schuhe weggenommen bevor es in den Bunker geht. Am nächsten Tag kommt der Transport nach Tegel.
Von den LKA Zellen bis zum Offenen Vollzug wird den Gefangenen ein scheinbar ständig wachsender Entscheidungsspielraum zugestanden. In Moabit ist keiner ohne Beamten unterwegs, der alle paar Meter Türen schließt, in Tegel kann man sich schon auf der Station bewegen und in Hakenfelde bis 22 Uhr im Hof aufhalten. Niemand will zurück auf Null, sowie zum Beispiel, die Geldstrafer, die ihre Ersatzhaft im Hochsicherheitsbereich Moabit oder die Renitenten, die wochenlang im Bunker von Tegel vegetieren.
Dieses ständige Gewinnen und Verlieren können bringt viele Gefangene zur Kooperation mit den Repressionsorganen. Mit der Zurücknahme der Sicherungsmaßnahmen fällt auch die Solidarität unter den Gefangenen. Auf dem Weg vom LKA nach Moabit gelten noch alle Richter und Bullen als Schweine während in Hakenfelde jeder gegen jeden intrigiert. „Mehr“ Eigenverantwortung führt bei vielen Gefangenen zu einer Blockwartmentalität.
Warum das so ist ? Eine Alternative ist für die Gefangenen nicht sichtbar, Antirepressionsgruppen unbekannt, genauso wie die eigenen Rechte. Niemand fängt die Gefangenen auf in ihrer Ungewissheit, niemand macht ihnen ein Angebot, nur der Staat gibt für Verrat und Anpassung ein Stück scheinbare Freiheit. Solange die Radikale Linke nur Freundeskreispolitik betreibt statt Druck zumindest für die politischen Gefangenen aufzubauen werden soziale Gefangene nicht auf unserer Seite sein. Die Zustände im Berliner Knastsystem werden gelegentlich in den bürgerlichen Medien thematisiert, als Widerstandsbereich für unsere Zusammenhänge scheint es aber nicht wichtig genug zu sein.
Dieser Beitrag ist im Gefangenen Info 327 erschienen.
Weitere Themen u.a.:
- Eva Haule, Gefangene aus der RAF, Freilassung noch offen
- Der herzkranke Mustafa Atalay ist am 25.7. endlich in ein Justizvollzugskrankenhaus verlegt worden
- Interview mit einen Gefangenen aus der MRTA (Revolutionäre Bewegung Tupac Amaru) aus Peru
Das Gefangenen Info kostet 1,55 Euro und zu beziehen über: GNN-Verlag Neuer Kamp 25 20359 Hamburg E-Mail. gnn-hhshansenet.de
Gefangenen Info im Netz: www.political-prisoners.net
Wie Gefangene umgedreht werden - Vollzugsziel Entsolidarisierung
In Berlin beginnen die meisten Knastkarrieren in den Zellen des LKA am Tempelhofer Damm. Enge gekachelte Räume mit einem Betonsockel, ob es nachts eine Matratze gibt hängt von der Willkür der Beamten ab, genauso wie oft jemand zur Toilette gelassen wird. Weil das Fenster nicht zu öffnen ist haben die Gefangenen entweder nach kurzer Zeit Kopfschmerzen oder das Geräusch der Lüftung verhindert den Schlaf. Viele Menschen sind von dieser Umgebung so schockiert, das wenn sie nach 40 Stunden dem Haftrichter vorgeführt werden schon der beabsichtigte Aussagedruck entsteht. In jedem Berliner Knast gibt es Zellen wie im Polizeigewahrsam, die Leute wissen das und so erscheint die Ankunft in der Untersuchungshaftanstalt Moabit als erste Verbesserung, es gibt eine Freistunde, die Fenster lassen sich öffnen und ein TV kann gemietet werden.
Nach einigen Monaten mit 23 Stunden Einschluss am Tag und kaum Kontakt zur Außenwelt sind die meisten verhandlungsreif, fast jedes Urteil wird akzeptiert und auf Rechtsmittel verzichtet. Hauptsache weg aus Moabit und ins „Paradies“ nach Tegel. Dort gibt es kein Drahtnetz vorm Fenster, die Gefangenen können einige Stunden pro Tag am Gang rumstehen, bessere Besuchsmöglichkeiten…
Es gibt aber weitere Möglichkeiten sich zu verbessern:
Verlegung in den offenen Vollzug nach Düppel oder bei Haftverschonung spätere Ladung nach Hakenfelde. Der Offene Vollzug ist für das Land Berlin eigentlich am effektivsten; weniger Beamte/ Personal, die meisten Gefangenen arbeiten und zahlen davon 150.- Euro monatlich Haftkosten.
Der ausgeübte Druck auf die Menschen ist in den Anstalten differenziert, bei Widerstand wird der Gefangene immer wieder in den Zustand kurz nach der Festnahme versetzt: Überall gibt es besonders „gesicherte“ Hafträume. Wer in Moabit Kontakt zu anderen aufnimmt, lärmt oder diskutiert…der Beamte gibt Alarm, Einsatz des Knüppelkommandos, Verbringung in den Bunker, eventuell mit anketten. In Tegel entfällt das Problem der illegalen Kontaktaufnahme aber die Flut von Drogen und die Enge führen zu Auseinandersetzungen und jede Renitenz wird genauso beantwortet.
In Hakenfelde wird die Hausordnung noch penibler ausgelegt. Bestimmte Bereiche dürfen zu bestimmten Zeiten nicht betreten und Verstöße, die im Verborgenen laufen werden vom hauseigenen Spitzelsystem gemeldet. Weil es nicht genug Beamte für ein Knüppelkommando gibt und um Zeugen zu vermeiden laufen die Angriffe geschickter:
Der Betroffene wird über Lautsprecher zur Zentrale bestellt wo er überraschend von sechs Beamten angefallen wird dabei werden ihm Gürtel und Schuhe weggenommen bevor es in den Bunker geht. Am nächsten Tag kommt der Transport nach Tegel.
Von den LKA Zellen bis zum Offenen Vollzug wird den Gefangenen ein scheinbar ständig wachsender Entscheidungsspielraum zugestanden. In Moabit ist keiner ohne Beamten unterwegs, der alle paar Meter Türen schließt, in Tegel kann man sich schon auf der Station bewegen und in Hakenfelde bis 22 Uhr im Hof aufhalten. Niemand will zurück auf Null, sowie zum Beispiel, die Geldstrafer, die ihre Ersatzhaft im Hochsicherheitsbereich Moabit oder die Renitenten, die wochenlang im Bunker von Tegel vegetieren.
Dieses ständige Gewinnen und Verlieren können bringt viele Gefangene zur Kooperation mit den Repressionsorganen. Mit der Zurücknahme der Sicherungsmaßnahmen fällt auch die Solidarität unter den Gefangenen. Auf dem Weg vom LKA nach Moabit gelten noch alle Richter und Bullen als Schweine während in Hakenfelde jeder gegen jeden intrigiert. „Mehr“ Eigenverantwortung führt bei vielen Gefangenen zu einer Blockwartmentalität.
Warum das so ist ? Eine Alternative ist für die Gefangenen nicht sichtbar, Antirepressionsgruppen unbekannt, genauso wie die eigenen Rechte. Niemand fängt die Gefangenen auf in ihrer Ungewissheit, niemand macht ihnen ein Angebot, nur der Staat gibt für Verrat und Anpassung ein Stück scheinbare Freiheit. Solange die Radikale Linke nur Freundeskreispolitik betreibt statt Druck zumindest für die politischen Gefangenen aufzubauen werden soziale Gefangene nicht auf unserer Seite sein. Die Zustände im Berliner Knastsystem werden gelegentlich in den bürgerlichen Medien thematisiert, als Widerstandsbereich für unsere Zusammenhänge scheint es aber nicht wichtig genug zu sein.
Dieser Beitrag ist im Gefangenen Info 327 erschienen.
Weitere Themen u.a.:
- Eva Haule, Gefangene aus der RAF, Freilassung noch offen
- Der herzkranke Mustafa Atalay ist am 25.7. endlich in ein Justizvollzugskrankenhaus verlegt worden
- Interview mit einen Gefangenen aus der MRTA (Revolutionäre Bewegung Tupac Amaru) aus Peru
Das Gefangenen Info kostet 1,55 Euro und zu beziehen über: GNN-Verlag Neuer Kamp 25 20359 Hamburg E-Mail. gnn-hhshansenet.de
Gefangenen Info im Netz: www.political-prisoners.net
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Ergänzungen
noch ein trauriges Beispiel
Repression gegen Punks ist der "radikalen Linken" und "etablierten Linken" weitesgehend egal.
Die etablierten arbeiten wohl sogar regelmässig mit Bullen zusammen, und Kritik an Knästen gibt es wohl gar nicht...
Gerüchteweise sollen nur die Grünen mit Kohle geholfen haben...
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Hach! — Hach je
Überregionale Anti-Schäuble-Demo 22.9. Berlin — Mobilizer