Besetzte Fahrradfabrik Bike Systems: Update

alix 27.07.2007 14:43 Themen: Globalisierung Soziale Kämpfe
Die Besetzung der Fabrik im thüringischen Nordhausen läuft bereits seit 18 Tagen und wird wohl noch einige Zeit weitergehen.
Diese Woche gab es ein neues Angebot der Geschäftsleitung, das aber nur wenig über den bisherigen Verhandlungsstand hinausging. Die KollegInnen lehnten es als unzureichend ab. Die nächsten Verhandlungen sollen erst im August stattfinden.

Unterstützung hatten sich die KollegInnen von der Politik erhofft. Oberbürgermeisterin Rinke (SPD) hatte nach einem Besuch am zweiten Tag der Besetzung erklärt: „Es ist bitter, dass wieder ein Nordhäuser Traditionsunternehmen vor dem 'Aus' steht, zumal erhebliche öffentliche Mittel in die Erschließung der Infrastruktur des gesamten ehemaligen-IFA-Industriegebietes geflossen sind, in dem auch Bike-Systems seinen Standort hat. Hinzu kommt, dass wir uns schon vor Jahren schweren Herzens entschlossen hatten, dem Vorgänger-Inhaber von Bike-Systems eine nicht unbeträchtliche Summe an Gewerbesteuer zu erlassen, um die Existenz zu sichern. Auch deshalb wollen wir nicht widerspruchslos auf 140 Arbeitsplätze verzichten.“

Der Wirtschaftsminister des Landes Jürgen Reinholz hatte den BesetzerInnen ebenfalls einen Besuch abgestattet und angekündigt, bei der Suche nach einem neuen Investor behilflich zu sein. Da aber seitens der Landesregierung keine konkrete Unterstützung zu sehen war, schrieben die KollegInnen vor einigen Tagen einen Offenen Brief an den Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU), in dem sie mit Hinweis auf die öffentlichen Mittel, die in diesen Betrieb geflossen sind, von der Landesregierung eine "klare Positionsbestimmung" fordern und den Ministerpräsidenten zu einem Gespräch vor Ort einladen. Aus der Presse haben sie nun erfahren, dass dieser die Einladung ablehnt, da die Landesregierung keine Möglichkeit hätte, auf die Entscheidung von Bike Systems Einfluss zu nehmen.

Nordhausen (43000 EinwohnerInnen) ist bekannt für die Produktion von Schnaps (Nordhäuser Korn) und hat ansonsten wenig Industrie. Wenn das Werk tatsächlich geschlossen wird, sieht die berufliche Zukunft der KollegInnen von Bike Systems düster aus. Sie kämpfen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze, halten ihren Betrieb weiter besetzt und erfahren dabei enorme Unterstützung aus der Bevölkerung.
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Ergänzungen

Forderungen?

Radio 27.07.2007 - 21:20
Die BesetzerInnen stellen marginale Forderungen. Ein Ziel, wie die Sozialisierung des Betriebes, ist leider nicht erkennbar. Ein Beitrag von Radio Corax verdeutlicht dies:  http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=18188

klingt gut, ist es aber nicht wirklich

linksradikaler aus ndh 28.07.2007 - 20:06
sicher gilt die solidarität mit den besetzerInnen.
doch vormal ist es keine besetzung sondern firmiert unter dem namen "betriebsversammlung".

auch kann es keine unabdingbare solidarität geben, denn es geht hier nicht nur um arbeitsplätze, sondern um standortpolitik und traditionsbewusstsein. und das alles für den standort nordhausen. sowohl aus der sicht der "besetzerInnen" und der der politiker und parteien. es geht um eine fabrikerhaltung für den standort nordhausen.

wer da nach argentinischen oder italienischen verhältnissen ruft sieht die dinge nur sehr verkürzt, denn daran ist den sog. besetzerInnen nicht gelegen. es wird auch nicht über genossenschaftliche verhältnisse gesprochen. denn auch hier gillt: sollten 100 arbeitsplätze im kapitalistischen system erhalten werden ist das ok und es ist egal was dann aus den anderen wird....denn da ist sich wieder jedEr selbst der nächste.

und sollte es zu einer räumung kommen wird hier alles andere als radikal bzw militant verteidigt. es gibt die verlautbarung das dann friedlich das gelände übergeben wird und der protest dann auf der gegenüberliegenden strassenseite fortgestezt werden soll. ein protest der zur zeit sehr starken volksfestcharakter hat.

sicher gibt es auch von linker seite aus solidarität, doch ist diese nicht uneingeschränkt. radikalerer vorschläge, wie zum beispiel einer spontandemo, werden abgelehnt. das soll keine ausrede für weitere aktionen sein, nur haben diese leute eine ganz ander vorstellung vom sog. arbeitskampf...und wie schon gesagt: es ist keine besetzung....das sagt auch schon viel....

Solidarität ist wichtig!

gewerkschafter 07.08.2007 - 05:14
An
Betriebsrat
Bike Systems GmbH
99734 Nordhausen/Thüringen
Per Fax 03631/622146

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Betriebsräte aus Stuttgarter Metallbetrieben haben mit großer Sympathie die Nachricht von Eurem entschlossenen Widerstand gegen die geplante Schließung der Produktion von Bike Systems und eure Werksbesetzung zur Kenntnis genommen. Gegen skrupellose Arbeitsplatzvernichter ist Widerstand eine Pflicht und ein Recht!
Wir unterstützen Eure Forderung nach Erhalt aller Arbeitsplätze in Nordhausen. Das Recht auf Arbeit muss Vorrang haben vor Gewinnmaximierung!
Auch hier in Stuttgart kämpfen seit Jahrzehnten immer wieder KollegInnen aus Metallbetrieben um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.
Wir wissen deshalb, dass der Widerstand gegen Stellenabbau über alle Grenzen hinweg koordiniert werden muss!
Wir rufen Euch zu: Nur wer kämpft kann gewinnen! Gemeinsam sind wir stark!

Solidarische Grüße

vom Metallertreff des Stuttgarter Zukunftsforum (Gewerkschaftslinke)

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 8 Kommentare

unwichtige ergänzung/aufforderung

freund_des_deliriums 27.07.2007 - 16:11
dann besetzt doch jemand endlich mal die schnapsfabrik! :-P
schnaps für alle - sonst gibts krawalle

Solidarität & Kraft!

Hans Peter 27.07.2007 - 18:23
Haltet durch! Für mehr Fabrikbesetzungen in D-Land!

weiter gehen ...

howart 28.07.2007 - 11:26
wieso aber nicht den laden übernehmen? fahrräder sind doch zu vertickern, ich sammel die sogar. schaut mal nach argentinien, bzw. die labournet seite rauf und runter, es gibt doch keinen grund darauf zu warten, daß wieder ein herr kommt, der befielt, ihr macht doch die arbeit und schafft selber die geschäfte vorzuanbringen ... auß den geschäften gibt es leider erstmal ja kein heraus.

Unterschriftenliste

Syndikat 28.07.2007 - 19:06
 http://daily.digital-attack.com/index.php#mes

Kann man einen Brief an Münteferring wegen der Heuschreckenplage unterschreiben.

Poste ich hier nur aus Chronistenpflicht, denn eigentlich erscheint es mir sinnvoller den Laden selbstverwaltet zu betreiben.

Nun gut dafür bräuchte es trotzdem Kapital, aber 135 Leute sollten schon einiges auf die Beine stellen können.

LG

Selberverwaltete Betriebe...

Anok 29.07.2007 - 15:05
... sind auch nur selbstausbeutung!
Die Genoss_innen in Argentinien machen das nicht aus Spaß oder weil das so dolle Revolutionäre ist, sondern um ihre Existenz zu sichern. Aus den selben Motiven heraus kämpfen die Fahrradschauber_innen in Nordhausen. Ich würd auch lieber ne Abfindung nehmen (und um die auch kämpfen), Hartz4 bekommen und mich vielleicht nach nem neuem Job umschauen, als mich unter Kapitalistischen Bedingungen selbstständig zu machen (ob nu Kollektiv oder alleine). Es wird bei solchen Vergleichen zu Italien und Argentinien auch immer gern Vergessen das es in anderen Ländern keine Grundsicherung ala Hartz4 gibt, was eben solche Betriebsübernahmen eher erklärt, als das die jetz damit den Umsturz des Systems planen.
Es geht weniger um die Militanz der Kämpfe oder die pseudorevolutionäre Forderungen nach der kollektiven Selbstausbeutung.
Was viel Spannender an diesen kämpfen ist: wie Kollektiv und Selbstorganisiert sind die KÄMPFE? Welche Forderungen stellen sie? Wollen die (Lohn-)Arbeiten (vielleicht noch Selbstverwaltet) oder einfach nur Kohle bis zur Rente? Lassen sie sich von der Gewerkschaft (IG Metall?)verarschen?
Diese Fragen kann und muss mensch auch in Argentinien u.a. stellen und wird da auf einiges Erfreuliche stoßen, aber wahrscheinlich, beim genauer hinsehen, auch auf ne ganze menge mist.

Wenn ich hier so sachen von wegen eingeschränkter Solidarität lese wird mir schlech.

Redet mit den Leute fragt sie was sie für unterstützung brauchen, was sie wollen und redet dabei vor allem nicht mit der DGB-Gewerkschaft. Wenn die ihre Besetzung rechtlich durch den Betriebsrat als Belegschaftsversammlung absichern, um am ende nicht noch ne fette Klage am hals zu haben... wo ist das Problem? Würd ich auch machen.
Das problem fängt da an, wo die Gewerkschaft die Kämpfe abwürgt, was fast immer passiert... die Frage ist dann: wo ist die radikale Linke? Immernoch zu Hause vorm Computer um über die nicht so radikalen Arbeiter_innen zu jammern?

Natürlich kann man unterschreiben ...

madame 31.07.2007 - 00:22
@ Syndikat,

man sollte sogar unterschreiben.....denn schließlich geht uns alle an , wenn irgendwo Arbeitsplätze vernichtet werden.

warum ist das keine inhaltliche ergänzung?

westfälischer dickschädel 01.08.2007 - 22:52
hallo liebe mods,

warum ist der beitrag von anok "selbstverwaltete betriebe" keine inhaltliche ergänzung? ich finde, es ist das fundierteste, was da an kommentaren steht.

ihr müsst weiter gehen

egal 02.08.2007 - 20:25
Super Sache! Ihr verdient Respekt und habt die Solidatität aller Menschen, die täglich dem kapitalistischen System zum Opfer fallen.
Allerdings reicht es nicht bessere Bedingungen für die Kündigung zu fordern. Ihr solltet klären, ob es möglich ist eine Genossenschaft zu Gründen, in der Ihr weiterarbeiten könnt. Das wäre ein progressiver Ansatz und würde den Arbeitskämpfen in deutschland wieder Kraft verleihen. Zudem würde es euch bis zu eurem lebensende arbeit verschaffen.
Eine Umarmung, von allen Unterdrückten und ausgeneuteten.