Alternatives Jugendzentrum in Hennigsdorf

Anarcha-Feministischer Unterstützer 14.07.2007 19:01 Themen: Antifa Freiräume
Im brandenburgischen Hennigsdorf am Oder-Havel-Kanal (Oberhavel) tut sich einiges. Nun sind die Besetzer_Innen eines Gebäudes der alten "Wäscherei" in Hennigsdorf schon den vierten Tag im Gebäude. Die Aussenfassade wurde weiß gestrichen, das Haus wird entrümpelt, Toiletten, Küche, Schlafräume wurden eingerichtet, es wurden schon erste Sanierungsarbeiten angefangen. Die Stimmung ist gut und die meisten Anwohner sind sehr solidarisch, Nazis machen sich trotz ihrer Gefährlichkeit Lächerlich. Ein kurzer Abriss der letzten vier Tage.
Am ersten Tag kamen erst nur mäßig Unterstützer_Innen ausserhalb von Hennigsdorf und die Polizei/ Stadt duldete erstmal die Besetzung.

Einen bisher andauernden Mobilisierungsschub von Unterstützer_Innen löste eine Angriffswelle abends gegen viertel zehn von etwa 30 Neo-Nazis, zum Großteil vermummt, mit Schlagstöcken und Leuchtspurmunition bewaffnet aus. Diese Angriffswelle dauerte bis zu einer dreiviertel Stunde an (in der sich auch die Polizei zurückzog und den Nazis ein rechtsfreien Raum im Kampf gegen Linke bot). Die Nazis hatten nicht mit dem starken Widerstand der Hennigsdorfer_Innen gerechnet und so zogen sie sich zurück, während es auf unserer seite keine Verletzten gab.

An dem Abend kamen unendlich viele Antifaschist_Innen nach Hennigsdorf um den Nazis nicht das neu-besetzte alternative Jugendzentrum zu überlassen. Die Stimmung war sehr gut, doch Nazis sah man am Mittwoch Abend nicht mehr. Das Aufgebot der Antifas wirkte auf die Bürger wohl sehr martialisch.

Dennoch lauerten Nazis einen vermeintlich Linken auf und prügelten die Person ins Krankenhaus.

Nur unsere Spreegeschwader-Gartencenter-Lieferwagen Fraktion konnte sich nicht im Zaum halten und wollte mit ihren Autos die Stadt neu vermessen.

Die Polizei zog irgendwann ihre Kräfte zurück und beschränkte sich auf Streifen.

Am Donnerstag waren wieder viele Untertützer_Innen da, nun bewachte die Polizei die Aus- und Eingänge, hatte aber nach eigenen Aussagen Schwierigkeiten links und rechts Äusserlich auseinander zu halten. Nachdem sie um die Mittagszeit herum das Gelände umstellt hatten und Räumung drohten zogen sie wieder zurück. Die Stadt ließ Sperren aufstellen die sie einen Tag später wieder entfernte. Interessanterweise trafen sich wieder die Nazis am "On the Streets", angeblich sei ein Lauti der Nazis aus Mecklenburg da und angeblich auch Nazis aus Potsdam, Oranienburg und Neuruppin. Auf die unsrige Seite des "Bahndammes" kamen sie aber nicht und die Polizist_Innen sahen uns als das eigentliche Problem an und verniedlichten die Nazis als "die Anderen".

Bis auf die übliche Autofahrerei der Nazis blieb aber alles ruhig, obwohl es angeblich immerwieder "Angriffsankündigungen" gab.

Am Freitag fanden einige Antifas den Namen "On the Streets" nicht mehr zeitgemäß, da trotz Dorfbuschfunk Angriffsankündigungen wieder nicht passierte. Sie sollten wohl als "On the cellar" oder "In the House" betitelt worden seien.

Als eine Gruppe von sage und schreibe Acht Antifas zum Hennigsdorfer Bahnhof ging Bemerkten sie halb im Tunnel drin eine etwa gleichgroße Gruppe "Autonomer Nationalisten" oder auch "Anti-Antifa"-Aktivistinnen und Aktivisten. Bevor man überhaupt an sie rankam waren sie auch schon wieder weg. Später waren noch ein paar Jugendliche des Conne Island da, die ihren unmut verbal zum Ausdruck brachten und heute inspizierten schon ältere Besucher desselbigen das Gelände...

Die Bevölkerung ist sehr solidarisch, findet größtenteils gut was getan wird, unterstützt finanziell, materiell und moralisch diese Besetzung. Migrantische Jugendliche sollen sogar zueinander gesagt haben: "Heut verprügeln wir zusammen mit den Punks die Scheiß Nazis!" pöbelten später aber unentschlossener Weise (vermutlich aufgrund fehlender Nazis) doch Linke, halb spasseshalber, an. Russische Aussiedler greifen auch nicht mehr offen Linke an. Es ist also meiner Meinung ein signifikanter Stimmungswechsel zu beobachten.

Dennoch sind in der teilweise temporär Nazibefreiten Zone Hennigsdorf immernoch die Nazis unterwegs und planen Aktionen gegen das Alternative Jugendzentrum. Eine ihrer letzten Ideen war eine Besetzung für ein "Nationales Jugendzentrum" usw usf.

Der Bürgermeister will das die Jugendlichen ohne großes Aufsehen einfach ihr Vorhaben aufgeben, damit sich angeblich die Verhandlungsbasis der Jugendlichen verbessere. Die Bevölkerung spricht von uns schon als "Nachbarn" und die Stadt habe es ja sowieso 15 Jahre lang zerfallen lassen...

Die Auseinandersetzung mit Polizei und Ordnungsamt ist zur Zeit so kooperativ und deeskalativ wie es nur geht, es wird teilweise polizeilich Interessierten der Besuch untersagt und Platzverweis geahndet oder vermeintlichen Antifas ihre Spielzeuge geklaut...

Ganz so langweilig ist es dennoch nicht und es wird dringend um Unterstützung gebeten. Also wenn ihr ein paar Stunden nichts zu tun habt FAHRT NACH HENNIGSDORF!!!

Gerüchtehalber soll es heut gar ein Konzert geben. Essen und Trinken könnt ihr mitbringen, braucht ihr aber nicht unbedingt...

Also unterstützt den Kampf für ein nazifreies Jugendzentrum in Hennigsdorf.
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Ergänzungen

Supersache!!!

[iskra] 15.07.2007 - 01:15
Sehr feine Action! Super was ihr da aufbaut! Bleibt entschlossen und wenn ihr Hilfe braucht, Berlin ist nicht weit! Anscheinend hat es mit der Mobilisierung ja auch schon geklappt und ein paar flitzende Nazis am Bahnhof sind immer ne feine Sache!!! Nächstes Mal kommen wir auch!

Chronik 4. Tag

xyz 15.07.2007 - 06:40
Eine aktualisierte Chronik zum 4. Tag der Besetzung in den Ergäzungen zu diesem Beitrag:  http://de.indymedia.org/2007/07/187642.shtml

-zu bedenken ist-

runstop 15.07.2007 - 07:19
ob die wahl des objektes wirklich so günstig war?

es wäre nicht die erste wäscherei in der ehemaligen ddr, deren grundstück und gebäude mit chemischen altlasten verseucht ist.
eine eventuelle sanierung auf landes-/gemeindekosten könnte, eigentumsverhältnisse mal unberücksichtigt, durchaus an den erheblichen kosten für begutachtung und bodenentgiftung scheitern.
habt ihr euch noch nie die frage gestellt, warum sich der eigentümer eines grundstückes im berliner speck-gürtel mit öpnv-anbindung nicht darum kümmert?

vielleicht zockt der eigentümer nun ein bißchen um die sanierung auf landeskosten zu bekommen. und danach lässt er räumen.



Eine weitere Einschätzung

Inforiot 15.07.2007 - 12:07
Die Ereignisse der letzten Tage mit Einschätzung und vielen Links:
 http://www.inforiot.de/news.php?topic=news&article_id=12288

Rechtsfreier Raum

Anarcha-Feminist 15.07.2007 - 13:27
Die Polizei argumentiert ja ihr dasein und die ständige überprüfung des Geländes damit, das dort kein "rechtsfreier Raum geduldet werden solle". Der ist aber da wenn die Nazis angreifen und die Bullen abhauen (aus Sicht der Polizei)... Ihr wisst genau was passiert wäre wenn sie dageblieben wären

Hennigsdorf - Naziterror gegen besetztes Haus

RADIO CORAX 15.07.2007 - 15:14
wir schauen nun ins brandenburgische Hennigsdorf. Das hat seit Mittwoch ein neues Jugendzentrum - auch wenn das von der Stadt an den nördlichen Stadtgrenze Berlins so nicht geplant war. Die Hennigsdorfer Antifaschistischen Initiative hat mit Schülern und Jugendlichen die seit Jahren leer stehende Wäschefabrik in der Nähe des Bahnhofs besetzt. Während die Polizei die Besetzer gewähren ließ, griffen Neonazis noch am Mittwoch das Haus an. Wie die momentante Situation aussieht? Alex von Radio Corax hatte eine Unterstützerin des besetzten Hauses am Telefon.

News

Augenzoige 16.07.2007 - 00:30
Auch heute spielt wieder eine Musik auf der Bühne der Alten Wäscherei (Teds n Grog) es werden jedoch weiter bands gesucht, die mit einfachen mitteln spielen können. Ab hab 12 kam kurz Alam, wegen Faschos die mit ihren Auto (ohne Nummernschilder versuchten vor Ort Angst zu verbreiten) Auch Tags über versuchen Faschos in Zivi übers gelände zu kommen. Jedoch wurden alle erkannt (nicht alle wurden angesprochen ^^) auch kam es zu pöbelein seitens der Faschos die vor dem Club taten als würden sie über den daneben liegenden Kindergarten sprechen (Tatto wa verrat ^^) so wurden auch diese vom Platz verwiesen. Wie gesagt steht das Gebeude weiterhin unter Schutz und EXTREM guter Stimmung! Bewohner und Nachbarn verstehen sich sehr gut auch sind die Cops bissher äußerst freundlich. Heute wurde ein Infostand eröffnet und neue Leute aus Hennigsdorf freundeten sich mit dem club an. Noch immer ist der Club seitens Jugendlichen und Anwohnern mehr als Erwünscht. Weiterhin freuen sich Bewohner des Clubs über Unterstützung. Nochmal bedanken sich Bewohner und Helfer über die vielen Soli grüße sowie Unterstützung!!!!! AJZ Muss Bleiben!!!!!!

Chronik 5. Tag

... 16.07.2007 - 06:40
Eine aktualisierte Chronik zum 5. Tag der Besetzung in den Ergäzungen zu diesem Beitrag:
 http://de.indymedia.org/2007/07/187642.shtml

News

Augenzoige 17.07.2007 - 00:19
Auch heut noch am bereits 6ten Tag ist super stimmung, Neue Möbel,Vokü und Musik war da. Ok auch wieder komische Leute die meinten man könne Sich verkleiden waren dort. Jedoch wa bis jetzt die stimmung ruhig!. Gruß AJZ

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 13 Kommentare an

Treffpunkt für Tag 5 — A.C.A.B.

conny island — xxx

a — aa

toller fortschritt — garantiert kein nazi

@ toller Fortschritt @ egal — Anarcha_Feminist

@ egal — LiLo