Köln – alternat. CSD & Aktion gegen Burschis

Antifas aus Köln 08.07.2007 22:45 Themen: Antifa Antirassismus Gender
Einen Tag vor dem offiziellen „ColognePride“ fand in Köln am 7. Juli ein alternativer CSD statt. Neben der Kritik an den Kölner CSD-VeranstalterInnen, die es im Vorfeld nicht nötig gehalten hatten sich von Beteiligungstendenzen des größten Bordells Kölns zu distanzieren und ein sozialdarwinistisches Logo für den diesjährigen CSD gewählt hatten, kam es auch zu einer Aktion, die auf die homophoben, heterosexistischen und geschichtsrevisionistischen Strukturen von Burschenschaften aufmerksam machte.
CSD selber gemacht
Jedes Jahr wieder heißt es: „Sommer, Sonne, CSD“ in Köln. Was 1970 in New York im Gedenken an den Stonewall-Aufstand als progressive Veranstaltung begann und die nächsten Jahrzehnte blieb, hat sich vor allem in Köln zu einem Pop-Kommerz Event entwickelt, dessen beste Seiten noch die unpolitischen Technowagen darstellt. Nicht nur das vielen schon seit Jahren das unerträgliche Lied von der Homoehe auf die Nerven geht - dieses Jahr haben sich die KLUST-VeranstalterInnen (des offiziellen CSDs) eine Zeichnung als Logo gegeben, die auf biologistische Weise angebliche Entwicklungsstadien einzelner europäischer Länder in Sachen Homorechte darstellt und am Ende doch nur den polnischen Präsidenten als Affen zeigt und damit Erinnerungen an Zeiten wach ruft, als PolInnen schon einmal von deutscher Seite als Untermenschen abgewertet wurden. Aus diesem Gründen organisierte die linksradikale schwul-lesbische Gruppe Queergestellt! in diesem Jahr wieder eine alternative Demonstration unter dem Motto „CSD selber machen“. Hierzu trafen sich am 07. Juli um 14 Uhr auf dem Neumarkt etwa 350 Menschen, die begleitet von 2 dekorierten Lautsprecherwagen zum Rudolfplatz und weiter über Hohenzollernring, Ehrenstraße, Breite Straße und Appellhofplatz zur Zwischenkundgebung am Maria-Ablaß-Platz zogen. Dort lauschte die bunte Menge mehreren Redebeiträgen u.a. zur Kritik an der katholischen Kirsche und der Sicherheitshysterie der westlichen Welt. Danach ging es über die Kardinal Frings-Straße, Eigelstein, Hansaring zum Sudermanplatz, wo das abschließende „Power Chillen“ mit Musik, 100 Liter Freibier und Gratis H2O stattfand. Bei AnwohnerInnen und PassantInnen stieß die Demo auf große Resonanz, nicht wenige reihten sich ein und gingen ein Stück mit. Auch an den Straßenschlachten eines kleinen Antifa Blocks, der mit Einkaufswagen voll pinker Pflastersteine, Mollis und Parolen wie „Wir sind alle 129a“ an der Demo teilnahm, beteiligten sich diese.

Burschis anfechten
Nachdem der alternative CSD sich gegen 18:30 Uhr dem Ende neigte, machten sich einige Antifas und DemonstrationsteilnehmerInnen auf den Weg zur „Ostpreussengedächtniskneipe“ der schlagenden Burchenschaft Alemannia und verdarben dieser ihren Semesterabschluss. Nach einem kurzen Besuch im Haus der Verbindung und kleineren Rangeleien im Eingangsbereich, bei denen mindestens ein Burschi seine schicke Mütze verlor, wurden Eingangsbereich und Vorgarten des Verbindungshauses mit unzähligen pinken Pflastersteinen eingedeckt und ein Transparent mit der Aufschrift „Da hilft auch Saufen nichts – Preussen war schon immer Scheiße! - Burschis auch!“ am Zaun befestigt. Da die nächste Polizeistation nur wenige hundert Meter entfernt lag und sogleich von den Burschis um Hilfe angerufen wurde, dauerte es nur etwa 10 Min. bis mehrere Streifenwagen vor Ort waren. Diese funkten jedoch nur wild hin und her und versuchten sich von den Anwesenden die Lage erklären zu lassen. Unterdessen informierten Antifas die AnwohnerInnen und diskutierten mit ihnen über ihreNachbarn.
Zwar mag es Burchenschaften geben, die noch ekelhafter sind als die Alemannia und klarere Verbindungen in Naziszene haben, aber auch die Alemannia betreibt einen widerlichen Geschichtsrevisionismus und vertritt ein (hetero-) sexistisches Geschlechterbild. So ist beispielsweise in der Satzung der „Deutschen Burschenschaft“ (DB), deren Mitglied die Alemannia ist, zu lesen, sie fordere das „Recht jedes einzelnen und jedes Volksteiles auf seine angestammte Heimat und auf die Selbstbestimmung über seine staatliche Zugehörigkeit.“ Dass damit in erster Linie auf die Zwangsumsiedlung der deutschen Minderheiten in den ehemaligen „Ostgebieten“ Nazi-Deutschlands angespielt werden soll, wird schon allein durch die Affinität zu revanchistischen Gruppierungen wie dem „Bund der Vertriebenen“ deutlich.Genau wie dieser blendet die DB den Kontext der Umsiedlungen, nämlich die nahezu kollektive Unterstützung und Mitschuld eben dieser deutschen Minderheit am nationalsozialistischen Massenmord und die durch den zweiten Weltkrieg ausgelösten Flüchtlingsbewegungen nach Polen und Tschechien, vollkommen aus. Zudem zeichnen sich Burschenschaften durch ihr besonders (hetero-) sexistisches Geschlechterbild aus: Von Männern werden klassische Rollenstereotypen wie Ehre, Stärke, Mut und Gehorsam erwartet. So gehört es beim Großteil der Burschenschaften zu den Anforderungen, Wehrdienst geleistet zu haben und sich bei den regelmäßig stattfindenden Kneipen ohne Widerrede auf Befehl halb ums Bewusstsein zu trinken. Von diesen Freuden prinzipiell ausgeschlossen werden Nicht-“Deutsche“, Homosexuelle und Frauen – speziell deren Rolle beschränkt sich im Weltbild der meisten Burschen auf die des schmückenden, vor allem aber stummen Beiwerks.

Alles in allem ein sehr netter und politisch durchaus erfolgreicher Nachmittag, bleibt zu hoffen, dass es auch im nächsten Jahr einen alternativen CSD gibt und die lokale Antifa, die nach einer längeren Aktionsflaute, dieses Jahr schon einige gelungene Aktionen zustande gebracht hat, ebenfalls weiterhin so kreativ wie am gestrigen Tage bleibt.
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Ergänzungen

Wunder gibt es doch noch...

Bernhard der 2te 08.07.2007 - 23:05
...Die Opus Dei[  http://de.wikipedia.org/wiki/Opus_Dei ] AnhängerIn und Regina Wilden, welche auch für die extrem rechte "Bürgerbewegung pro Köln" im Rat der Stadt sitzt war ebenfalls auf dem alternativen CSD. Sie kam dort allerdings nur ihrer Funktion als Fotografin in Anti Antifa Manier nach. Was die Frau nur mit den ganzen Bildern macht....?

Datum der Demo

queergestellt 09.07.2007 - 01:15
Das Datum der alternativen CSD-Demo war natürlich der 7. Juli. Ein Bericht von uns folgt demnächst.

Redebeiträge & Fotos

keine zeit für dumme kommentare 09.07.2007 - 12:23
Redebeiträge der Gruppe Queergestellt
 http://de.indymedia.org/2007/07/187193.shtml

Aufruf des Antifa AK Köln
 http://de.indymedia.org/2007/07/186915.shtml

kleines Video...

...:::... 09.07.2007 - 13:36
....von der Burschiaktion gibts hier:
 http://www.youtube.com/watch?v=MMlyh1JwlKc

noch wein paar Bilder

.............. 09.07.2007 - 17:28
vom Samstag

Angriff auf Gay Pride in Budapest

Nero 10.07.2007 - 14:12
09. Juli 2007

Budapest: Rechtsextreme attackierten Gay Pride

Leere Flaschen und Eier auf DemonstrantInnen geworfen - Mehrere Festnahmen
Budapest - In Budapest haben Rechtsextreme am Samstag gewaltsam eine Parade von Schwulen und Lesben gestört. Wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtete, griffen die Rechtsextremen die DemonstrantInnen mit Wurfgeschossen wie leeren Flaschen und Eiern an. Die Polizei nahm mehrere Angreifer fest. Die Homosexuellen-Parade, an der mehrere hundert DemonstrantInnen teilnahmen, war Teil des 12. Budapester Schwulen-Festivals. Die öffentliche Diskussion um die Rechte Homosexueller hat in den vergangenen Tagen in Ungarn deutlich zugenommen, nachdem sich der Staatssekretär Gabor Szetey als bisher ranghöchster ungarischer Politiker offen zu seiner Homosexualität bekannt hatte.

Zagreb - Moltotow-Angriff geplant

Nero 10.07.2007 - 14:15
Zagreb: Molotow-Cocktail-Angriff auf Homosexuelle verhindert

200 Menschen hatten an einer Parade teilgenommen - 20 Personen wollten sie attackieren - Die Beamten griffen gerade noch rechtzeitig ein
Zagreb - Die Polizei in der kroatischen Hauptstadt Zagreb hat am Samstag einen Angriff auf eine Homosexuellen-Parade mit Molotow-Cocktails verhindert. Etwa 20 Personen hätten die mit Benzin gefüllten Flaschen schon angezündet, als die Beamten eingriffen, berichten die kroatischen Medien am Sonntag. Starkes Sicherheitsaufgebot bei der fünften Gay Pride in Zagreb.

Sieben der Angreifer, davon vier Minderjährige, seien festgenommen worden, während die anderen hätten flüchten können. An dem Umzug in der Innenstadt hatten etwa 200 Menschen teilgenommen. Gegen die Versammlung der Homosexuellen und Lesben hatten sich zuvor Verbände der Kriegsveteranen, sowie katholische und nationalistische Gruppen ausgesprochen.

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Exklusionen impoldieren lassen — Noch so'n Idenditätsding

WAS SOLL DAS DENN? — DAS ERSTE TRANSPI

yoschua — mensch

peinliche aktion... — Sindbart

Wegbomben? — Sir Arthur Harris

Homowas? — Kritik

Gegenfrage — [rfk]

wird auch zeit — elefant

Islam? — Kölle

vorurteile? — antifa

@"antifa" — blaubär

Ich bin... — und das ist gut so...

Ach, was muß man hierorts lesen... — Noch so'n Idenditätsding

Antideutsche Antifa Köln — Schwuler kommunistischer Pole

@blaubär — Tüüüüp