Kundgebung vor dem AKW Krümmel am 01.07.

contrAtom 02.07.2007 07:46 Themen: Atom
Die schweren Störfälle in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel nahmen am 01. Juli 2007 etwa 200 Menschen zum Anlass, am AKW Krümmel gegen den Weiterbetrieb der Meiler, die Laufzeitverlängerung und gegen die Atomenergie allgemein zu protestieren.
"Das Feuer war nur 50 Meter vom Reaktorkern entfernt. Hätte es an anderer Stelle gebrannt, so wäre die Situation möglicherweise nicht mehr zu kontrollieren gewesen", so der Redner Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Initiative X-tausendmal quer. "Wir sind nicht bereit, darauf zu warten, bis uns das Restrisiko den Rest gibt."

Skeptisch macht die Atomkraftgegner auch die Informationspolitik des Betreibers Vattenfall. Der Energiekonzern hatte am Donnerstag behauptet, die Vorgänge in Krümmel hätten nichts mit der Schnellabschaltung in Brunsbüttel zu tun. Inzwischen musste Vattenfall einräumen, dass ein Zusammenhang nicht auszuschließen ist. Eine Falschmeldung war es auch, dass das Feuer bereits Donnerstagnachmittag gelöscht worden sei. Noch am Samstag hatte die Feuerwehr nicht alle Brandherde unter Kontrolle. "Vattenfall lügt und trickst wie immer. Auf die Aussagen derer, die sich mit der gefährlichen Atomkraft eine goldene Nase verdienen, ist einfach kein Verlass", so Jan Becker von contrAtom.

Sorgen bereitete einem anwesenden Anwohner auch die Sicherheitspolitik des Konzerns: es hätten gegen 17 Uhr am besagten Donnerstag die Werkstore weit offen gestanden, ein Betreten des AKW-Geländes war problemlos für jedermann möglich.

Uwe Harden, Sprecher der BI gegen Leukämie in der Elbmarsch, berichtete als Augenzeuge von seinen Erlebnissen am vergangenen Donnerstag. Komplett in schwarzem Qualm wäre der Reaktor eingehüllt gewesen. Große Verunsicherung und Angst hätten sich bei den Menschen auf der gegenüberliegenden Elbseite, wo zeitweilig der Strom ausfiel, breit gemacht.

Thomas Breuer von Greenpeace, die stark vertreten waren, machte sich besondere Sorgen über ein Vorkomniss im AKW Brunsbüttel, wo ein Steuerstab nicht richtig in den Kern eingefahren war. "Trotz dieses Problems hat die zuständige Ministerin Trauernich grünes Licht zum Wiederanfahren des Meilers gegeben." Dies sei unverantwortlich. Das Greenpeace-Schiff "Beluga II" machte unweit der Kundgebung die Forderungen von der Wasserseite aus deutlich: "Frau Merkel, wir brauchen keine gefährliche Atomkraft!".

Weitere Redebeiträge kamen aus dem Wendland, von der BI Krümmel aus Geesthacht. Ein Redner berichtete über derzeitig in der Region gastierende Kinder aus dem Bereich Tschernobyl / Weissrussland. Für Beifall sorgte auch der Beitrag von Eugen Prinz, der darstellte, dass ein AKW für ledigliehc 30 "Notbremsen", wie er die Automatischen Schnellabschaltungen bezeichnete, ausgelegt ist, Krümmel habe bereits 36 dieser Notbremsen hinter sich. Begleitet wurde das etwa 2 stündige Programm von der Musikband "Keldi".

Organisiert wurde die Kundgebung von diversen Anti-Atomgruppen aus Norddeutschland, u.a. dem Bündnis "Brunsbüttel stilllegen", X-1000malquer, Robin Wood, BI Elbmarsch und contrAtom.


weitere Bilder:  http://www.contranetz.de/atom/archiv/070701kruemmel/index.htm
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Ergänzungen

Blindflug geht weiter

BBU 02.07.2007 - 10:47
Presseinformation

BBU: Der Blindflug geht weiter – der Widerstand auch!

(Bonn, 02.07.07): Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) hat mit massiver Kritik auf die Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerks Brunsbüttel am gestrigen Sonntag reagiert. Nach Angaben des Umweltverbandes geht somit der nukleare Blindflug ohne Rücksicht auf Verluste weiter. BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz kritisiert, daß die Bevölkerung rund um das Atomkraftwerk Krümmel, aber auch bei allen anderen Atomanlagen, einem enormen Unfallrisiko und einem immer weiter wachsendem Atommüllberg ausgesetzt wird. Der BBU bezeichnet diese Situation als unverantwortlich, fordert den Sofortausstieg aus der Atomenergie und ruft zu weiteren Protesten gegen alle Atomanlagen und Atomtransporte auf. Am Sonntag haben Anti-Atomkraft-Initiativen vor dem Störfall-Reaktor Krümmel und vor der bundesdeutschen Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau demonstriert.

Um den Widerstand gegen die Atomstromnutzung zu verbreiten, ruft der BBU als Mitglied der Kampagne „Atomausstieg selber machen“ ( http://www.atomausstieg-selber-machen.de) private Haushalte und Unternehmen zum Wechsel hin zu einem Stromanbieter auf, der nicht mit der Atomindustrie verflochten ist. Informationen des BBU zum Stromwechsel gibt es unter  http://www.bbu-online.de/EWS/EWS1.htm und telefonisch unter 0228-214032.

BBU e.V.
Prinz-Albert-Str. 73, 53113 Bonn
Tel.: 0228/214032
 http://www.bbu-online.de

Vattenfall hatte zu Störfallfolgen gelogen

Xerexes 03.07.2007 - 19:25
siehe dazu:

 http://www.n-tv.de/822824.html

( ... denn ntv kooperiert heute mit enbw und nicht mit vattenfall
 http://www.enbw.com/content/de/impulse/forschung_umwelt/n-tv-energietag/index.jsp )

Skandal: Brunsbüttel ohne vollständige Ursach

Bündnis AKW Brunsbüttel stilllegen! 04.07.2007 - 10:42
Das Atomkraftwerk Brunsbüttel durfte trotz einer gravierenden Panne mit den Steuerstäben ohne vollständige Ursachenforschung wieder ans Netz gehen. Zudem nannten Presseberichte einen "Brand in einer Turbine" sowie "Risse auf Abdeckplatten von Rohren, die sich vergrößert hätten". Keiner dieser Punkte ist in der Öffentlichkeit erklärt und Zweifel an der Sicherheit des Pannenmeilers ausgeräumt. Das Bündnis für die sofortige Stilllegung des AKW Brunsbüttel fordert, den Reaktor sofort wieder vom Netz zu nehmen!
Es ist ein handfester Skandal: Vattenfall lügt nachgewiesen in der Öffentlichkeit und die zuständige Ministerin Trauernich behauptet, sie könne nichts gegen das Wiederanfahren des AKW Brunsbüttel tun, weil es "keine Sicherheitsbedenken gäbe".

Bei der Schnellabschaltung am vergangenen Donnerstag war ein Steuerstab nicht richtig eingefahren worden, wie Vattenfall bestätigte. "Ein gravierender technischer Störfall" urteilt der energiepolitische Sprecher der Bündnisgrünen, Hans-Josef Fell in einem Artikel der taz vom 03.07.. Die Stäbe seien die zentrale Einrichtung zur Steuerung des Reaktors, sie unterbrechen bei einer Schnellabschaltung den Neutronenfluss der Brennstäbe. Und obwohl nach Fells Darstellung der technische Störfall noch nicht endgültig aufgeklärt ist, wurde das AKW am Wochenende wieder angefahren.

"Das ist typisch für die Sicherheitsauffassung von Vattenfall", urteilt Fell: "Der Konzern ist selbst zum Sicherheitsrisiko geworden." "Pfuschen und vertuschen lautet wohl die Corporate Identity", schätzt das Bündnis für die Sofortige Stilllegung des AKW Brunsbüttel.

Weiter berichtet die taz, dass die Untersuchung der Vorgänge im schwedischen Reaktor Forsmark, der ebenfalls von Vattenfall betrieben wird, schon vor Jahresfrist Schlamperei als Ursache benannt hatte. Über die Sicherheitsvorkehrungen im baugleichen AKW Brunsbüttel war in dem Zusammenhang fehlerhaft unterrichtet worden. Und dann war am vergangenen Donnerstag auch noch ein Transformator im Vattenfall-AKW Krümmel abgebrannt - was vergangenen Herbst schon im schwedischen Vattenfall-AKW Ringhals passiert war - aber nicht "zu einer Überprüfung der Gefahr an anderen Vattenfall-Kraftwerken geführt hat", so berichtet der Grüne Fell weiter. Konzernchef Lars G. Josefsson solle, statt die Bundesregierung in Sachen Klimaschutz zu beraten, "lieber erst einmal seine desolates Sicherheitsmanagement auf den Stand der Zeit und Technik bringen". Dass Vattenfall trotz des Problems mit dem Steuerstab die Genehmigung zum Weiterbetrieb von Brunsbüttel vom zuständigem Schleswig-Holsteiner Sozialministerium bekam, ist ein handfester Skandal.

Ein Sprecher des Sozialministeriums bestätigte laut taz vom 03.07.: "Die bei der Schnellabschaltung aufgetretene Auffälligkeit bestand in einer um rund eine Sekunde verlängerten Einschießzeit des Steuerstabs." In der Folge des "Ereignisses Reaktorschnellabschaltung und der Abhilfemaßnahmen" sei der Steuerstab in den Reaktorkern eingefahren und dort "sicherheitsgerichtet arretiert" worden. Bedeutet: Im nächsten Fall einer Schnellabschaltung steht der Steuerstab nicht mehr zur Verfügung, andere müssen den Job mit übernehmen. "Im Rahmen der nächsten Revision wird das Problem untersucht", so der Sprecher. Weil die letzte Revision gerade vorbei ist, steht die nächste erst im kommenden Jahr an. Da sollte Brunsbüttel laut Atomkonsens eigentlich abgeschaltete werden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert das Anfahren von Brunsbüttel als übereilt. "Ob vergleichbare Probleme auch bei anderen Abschaltstäben auftreten können, wurde nicht geprüft", so Gerd Rosenkranz von der DUH.

Auch die Untersuchungen zu dem Schwelbrand im Bereich der Turbine, der im Verlauf der Reaktor- und Turbinenschnellabschaltung aufgetreten war, hätten noch kein Ergebnis erbracht. In der deutschen Pannenstatistik lag das AKW Krümmel bei Geesthacht mit 15 "meldepflichtigen Ereignisse" auf Platz 1. Auf Platz 2 folgt das AKW Biblis B in Hessen mit 14 Meldungen, das ebenfalls laut Atomkonsens bald vom Netz soll. Platz 3 belegt Brunsbüttel mit 11 meldepflichtigen Pannen."

Das Bündnis für die sofortige Stilllegung des AKW Brunsbüttel fordert, den Meiler in Brunsbüttel sofort stillzulegen! Wieder einmal hat der Betreiber Vattenfall bewiesen, wie es um seine Sicherheitspolitik steht. Nicht zuletzt im schwedischen AKW Forsmark wurde aller Welt deutlich gemacht, das es diesem Konzern allein um den Profit geht. Auf Kosten der Bevölkerung wird hier eine Politik gefahren, die mit Verantwortung nichts mehr zu tun hat.

Auch der zweite Vattenfall-Meiler in Krümmel darf nicht wieder ans Netz! Im letzten Jahr wurde Krümmel Störfall-Meister, nun plant der Betreiber Vattenfall den Reaktor mit nur einem zudem baugleichen Transformator, der die gleiche Betriebsdauer gelaufen ist, wieder ans Netz zu nehmen. Behauptete Vattenfall noch am Freitag, der Reaktor selbst wäre von dem Störfall nicht betroffen gewesen, offenbarten sich heute gravierende Vorkomnisse: Nach dem Kurzschluss am Donnerstag kam es durch "unplanmäßiges Öffnen von zwei Sicherheits- und Entlastungsventilen" und den "unplanmäßigen Ausfall einer von mehreren Reaktorspeisewasserpumpen" zu einem schnellen Druck- und Füllstandsabfall im Reaktordruckbehälter. Vattenfall lügt!

Bestätigung des Schadensausmaßes

verlinker 04.07.2007 - 11:22

Vattenfall lügt. Wurde zuerst behauptet, der Reaktor sei nicht betroffen, haben sich bei einer Begehung weitere Auffälligkeiten gezeigt.

Zur Quellenangabe hier noch die Pressemitteilung des Landes SH

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