Bo: Unruhiger Schlaf für Elite-Begutachter?

Boxxxa 02.07.2007 04:50 Themen: Bildung
Am 2. und 3. Juli besichtigt eine GutachterInnen-Gruppe die Ruhr-Universität Bochum, um über ihre Förderungswürdigkeit im Rahmen der so genannten "Exzellenzinitiative" zu befinden. Es geht um einen Anteil an den 1,9 Milliarden Euro, die sich Bund und Länder die Finanzierung ihres Elite-Projekts kosten lassen. Verschiedene Gruppen und Initiativen auf dem Bochumer Campus haben Widerstand gegen den unerträglichen Elite-Wahn angekündigt. Die Widerstandsgruppe "Elite abschaffen - Privatermittlungen für Solidarität und Freie Bildung" hat jetzt herausgefunden, wo die Elite-BegutachterInnen heute und morgen Nacht übernachten werden. Gleichzeitig belästigen Polizei und Sicherheitspersonal Studierende auf dem Campus massiv.
Die Delegation hat heute in folgendem Hotel eingecheckt, wo sie wahrscheinlich auch noch die kommende Nacht verbringen wird:

Courtyard Bochum Stadtpark
Klinikstrasse 43-45
D - 44791 Bochum

Auch weitere bisher geheime Einzelheiten über den Ablauf des Exzellenz-Besuchs hat die Widerstandsgruppe "Elite abschaffen - Privatermittlungen für Solidarität und Freie Bildung" in Erfahrung bringen können: Ab Montag morgen um neun Uhr ist ein umfangreiches Bespaßungsprogramm im Veranstaltungszentrum unter der RUB-Mensa geplant. Dieser Bereich, ist schon in der heutigen Nacht massiv von Security-Personal bewacht worden, um etwaige Aktionen der Elite-GegnerInnen zu unterbinden.

Für den Besuch der Elite-Kommission hat der Rektor der Ruhr-Uni Elmar Weiler den Campus auf absurde Art herausputzen lassen. Die Bereiche, in denen sich die Elite-Begutachter bewegen sollen, sind neu gestrichen worden. Mit Hochdruckreinigern sind Plakate und andere Anzeichen einer aktiven kritischen Öffentlichkeit noch an diesem Wochenende entfernt worden.

Die künstlich herausgeputzte Universität wird jetzt mit gemeinsamer Anstrengung von Polizei und Sicherheitspersonal verteidigt: Security-Kräfte der Uni haben sogar versucht, Studierende davon abzuhalten, elitekritische Plakate in für die Plakatierung freigegebenen Bereichen zu kleben. Andere legal plakatierende Studierende berichten, dass sie bei ihrer Tätigkeit heute Nacht sogar von Polizisten fotografiert worden sind.

Insgesamt war heute Nacht wohl eine unüberschaubar große Anzahl von Studierenden auf dem Campus unterwegs, um ihn kurz vor dem Besuch der elitären Begutachter noch zu verschönern. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich nicht alle von dem egomanischen Geschwätz des Rektors einlullen lassen, sondern ihrer Forderung ganz klar Ausdruck verleihen:

ELITE ABSCHAFFEN! ALLES FÜR ALLE, UND ZWAR UMSONST!
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Ergänzungen

Hintergrund-Infos von der Freien Uni Bochum

FUB-Sympathisantin 02.07.2007 - 05:07
Was ist eigentlich die "Exzellenz-initiative"?

Bis vor kurzem dachte man an einen König oder an einen katholischen Bischof, wenn von „Exzellenz“ die Rede war. Heute steht der Begriff aus der autoritären Mottenkiste für den antidemokratischen Umbau des Bildungssystems. Weil Bund und Länder dafür in die Kritik geraten sind, dass die Hochschulen unter-finanziert sind, haben sie vor zwei Jahren die prestigeträchtige Kampagne gest­artet. In einem mehrstufigen Verfahren hat theoretisch jede Universität die Mög­lichkeit, sich über die Etablierung einer Graduiertenschule und mindestens eines „Exzellenzclusters“ zur Kandidatin für den Status einer „Elite-Universität“ zu machen. Inzwischen steht die RUB mit sieben anderen Universitäten im Verdrängungswettbewerb um den begehrten Titel. Wie viele der Hochschulen letztendlich gefördert werden, steht noch in den Sternen.

...und was ist schlecht daran?

Die Konsequenz des Eliten-Konzepts ist absehbar: Während die staatlichen Mittel auf einige wenige Hochschulen konzentriert werden, bleibt für alle anderen entsprechend weniger. So nimmt die Ungleich-heit im Bildungssystem weiter zu. Selbst in den wenigen auserwählten Unis ist zu bezweifeln, dass durch­schnittliche Studierende von dem Geldsegen profitieren, denn das Geld ist ausdrücklich für angebliche "Spitzenforschung" vorgesehen. Während die For­schung finanziert wird, leiden im selben Maße die weniger prestigeträchtige Lehre sowie die im undemokratischen Elite-Konzept überflüssige und störende studentische Selbstverwaltung und Mitbestimmung. Weil gesellschaftliche Eliten entscheiden, wer dazu gehören darf, geht mit dem Umbau der Hochschulen auch eine weitere Kommerzialisierung einher. Im Falle der RUB kommt hinzu, dass Rektor Elmar Weiler in seinen Uni-Fusionierungsplänen bereits die Abstoßung oder die Zusammenlegung von angeblich weniger „exzellenten“ und ver­wertbaren geisteswissenschaftlichen Fächern angedeutet hat.

Nix wird besser!

Die Strategie des Rektorats ist offensichtlich: Während Farbe über verwitterten Beton gepinselt und alberne Generalproben für den Besuch der Begutachter-Gruppe inszeniert werden, zwängen sich die Studierenden nach wie vor in über­füllte Seminare oder versuchen einen der raren Plätze im Optionalbereich zu ergattern. Um zur angeblichen Elite zu gehören, ist Schein wichtiger als Sein. Um diejenigen, die an der Uni ihren Lebensmittelpunkt haben, geht es bei alldem überhaupt nicht. Daher ist unsere Forderung klar: Eine ökonomisch sinnvolle und langfristige Ausfinanzierung aller Hochschulen muss ohne Studiengebühren gesichert werden. Die Studienbedingungen jeder einzelnen Studentin und jedes Studenten zu verbessern muss eine höhere Priorität haben als die Finanzierung einzelner prestigeträchtiger Forschungsprojekte, die einem abstrakten Standort oder wirtschaftlichen Interesen dienen sollen. Entscheidungen über die Entwicklung der Hochschulen müssen demokratisch von den Betroffenen selbst getroffen werden, und nicht durch ominöse externe Experten-Kommissionen oder hierarchische Strukturen.

Elite abschaffen, gute Bildung für alle! Zur Hölle mit der Exzellenz!

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naja... — pffft