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Schlesientreffen Stören! Hannover Fr, 29.06!

Antinationalistin Hannover 28.06.2007 16:55
Demonstration gegen Nationalismus- in jeder Form und Tracht! 17 Uhr vorm Hauptbahnhof Hannover.
Vom 29.06. bis 01.07 2007 führt die völkisch-nationalistische Landsmannschaft Schlesien ihr "Deutschlandtreffen" in Hannover durch. Mit finanzieller und ideeller Unterstützung der niedersächsischen Landesregierung wurden dafür 2 Messehallen angemeldet.

Die vom Antinationalistischen Bündnis Nord, einem Bündnis verschiedener norddeutscher Antifa Gruppen, geplante Gegendemo wird direkt zum Sparkassenforum, in welchem die "Stiftung Schlesien" am Freitag eine Veranstaltung durchführt, führen.

Aufruf des Bündnis:

Gegen Nationalismus - in jeder Form und Tracht! Schlesientreffen stören!

Nach 18 Jahren Abwesenheit in Hannover ist es wieder soweit: Die Mitglieder der Landsmannschaft Schlesien versammeln sich zu ihrem Deutschland-Treffen vom 29. Juni bis 01. Juli in der niedersächsischen Landeshauptstadt. An diesem Wochenende werden tausende selbsternannter Heimatvertriebener nach Hannover pilgern. Die Landsmannschaft Schlesien hat dafür (mit ideeller und finanzieller Hilfe der Landesregierung) eigens zwei Messehallen angemietet.

„Wackre Männer, treu und bieder, trotzig wie der Teufelsbart, ros'ge Fraun im bunten Mieder, das ist echte Schlesierart.“ (Schlesisches Heimatlied)

Was nun, könnte man fragen, ist daran so furchtbar, dass sich ein Haufen größtenteils alter Damen und Herren zum lustigen Kaffeeklatsch trifft, um der vermeintlichen „Schlesischen Jugend“ beim Aufführen traditioneller schlesischer Tänze Beifall zu klatschen, Fahnen und Wimpel irgendwelcher Käffer auszutauschen und Vorträgen über schlesische Kochkunst zu lauschen?

Don’t mention the war!
das Geschichtsverständnis der „Vertriebenen“

Leider erschöpfen sich die Inhalte, um deren Vermittlung es den InitiatorInnen dieses Treffens geht, nicht im Austauschen von Apfelkuchenrezepten. Vielmehr werden dort Konzepte entwickelt, Schlesien „einzudeutschen“ und außerdem der Versuch unternommen, völkisch-nationalistische Geschichtsdeutungen in die Öffentlichkeit zu tragen - ein Unterfangen, dass gerade in letzter Zeit recht erfolgreich in die Tat umgesetzt werden konnte. Das Geschichtsbild der Landsmannschaft Schlesien und vieler anderer Vertriebenenverbände sieht dabei wie folgt aus:

Auf eine tausendjährige Geschichte irgendwelcher „germanischen Völker“ folgt 1944 urplötzlich und ohne ersichtlichen Grund die „Vertreibung“ der hilflosen Deutschen durch die rote Armee. Symptomatisch dafür ist zum Beispiel die Homepage des „Schlesierbund Nürnberg“, auf welcher sich in einer sonst recht ausführlichen chronologischen Darstellung der „schlesischen Geschichte“ kein einziges Wort zum 2. Weltkrieg oder gar zu dessen Ursachen finden lässt. Stattdessen heißt es dort zum Jahre 1945:

„Die Festungen Glogau und Breslau werden von russischen Streitkräften eingeschlossen. Breslau kann dem Feind noch bis zum 06. Mai standhalten.“
Dabei wird recht deutlich, wer im Weltbild der Landsmannschaft „Feind“ und wer „Freund“ ist. Angesichts dieses, die deutsche Allein-Schuld am 2. Weltkrieg systematisch ausklammernden Geschichtsverständnisses wird erklärlich wie die Charta der Heimatvertriebenen, nach eigener Aussage das „Grundgesetz“ der Landsmannschaft die anmaßende Behauptung enthalten kann, die „Heimatvertriebenen seien die vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen“. Diese Behauptung, verbunden mit der oft gestellten Forderung an andere „Völker“, gefälligst ihre „Mitverantwortung am Schicksal der Heimatvertriebenen“ zu empfinden, ist ein Schlag ins Gesicht der wahren Opfer von Nationalsozialismus, Holocaust und Krieg.

Schlesien, halt`s Maul - wie es wirklich war:

Der Terminus „Vertreibung“ war und ist dabei ein revanchistischer Kampfbegriff. Er klammert bewusst die deutschen Verbrechen des Nationalsozialismus an beispielsweise der polnischen oder tschechischen Bevölkerung aus. Infolge der absehbaren militärischen Niederlage Nazi-Deutschlands flohen große Teile der deutschen Bevölkerung vor der herannahenden Roten Armee. Fast alle der Flüchtenden gehörten zu den Tätergruppen und den UnterstützerInnen der Nationalsozialisten oder doch zumindest zu den Profiteuren der nationalsozialistischen Ostexpansion. Die Ostexpansion beinhaltete unter anderem die Besetzung Polens, den Holocaust an 6 Millionen Jüdinnen und Juden sowie zahlreichen anderen als „undeutsch“ definierten Menschen, die Ermordung und Vertreibung der polnischen Bevölkerung. Viele der so genannten deutschen Vertriebenen ließen sich also erst mit den größenwahnsinnigen Besiedlungsplänen zur „Germanisierung“ durch die Nationalsozialisten in den Regionen nieder, aus denen sie dann später vor der Roten Armee flohen. Die Darstellung von „den unschuldigen Deutschen“ als Opfer groß angelegter systematischer Vertreibungen ist daher ein Mythos der Rechten, der die vorangegangenen wirklichen Vertreibungen der polnischen Bevölkerung ausblendet bzw. relativiert und im aktuellen Diskurs der so genannten Mitte eine immer breitere Zustimmung findet.
All dies soll nicht bestreiten, dass es in gewissen Fällen durchaus individuelles Leid auf Seiten der Flüchtenden gegeben hat. Dieses ist jedoch allein in dem Kontext der oben geschilderten deutschen Aggression, die ihnen vorhergegangen ist, zu analysieren. Schlimm genug, dass die „SchlesierInnen“ von ihrer verlorenen Heimat faseln – aber auch noch daran geknüpfte politische Forderungen zu stellen, ist absolut anmaßend. Die revanchistischen Forderungen der Landmannschaft Schlesien gründen jedoch nicht allein auf dieser aggressiven Selbstbetrauerung, sondern ebenso auf einer völkischen sowie rassistisch und antisemitisch ausgeprägten Ideologie.

Die völkische Ideologie der Vertriebenenverbände

Im Hintergrund sämtlicher politischer Forderungen der Vertriebenenverbände steht ein völkisches Gesellschafts- und Staatsverständnis. In diesem Denken wird nach rassistischen oder kulturalistischen Kriterien ein angeblich besonderes „deutsches Volk“ (bzw. „deutsche Stämme“) konstruiert, das seine Identität nur auf „angestammtem Boden“ und ohne „fremde Einflüsse“ bewahren kann. Der Volksbegriff beschreibt nicht schlicht die Bevölkerung eines Staates, sondern eine angeblich spezifische, kulturell homogene und unveränderliche Gruppe gemeinsamer biologischer Abstammung. Deutsch ist nach diesen rassistischen Kriterien, wer seine „deutsche Abstammung“ beweisen kann und sich zum „Deutschtum“ bekennt. Nach diesem Verständnis werden einerseits viele in Deutschland lebende Menschen nicht dazugezählt, andererseits werden „Volksdeutsche unter fremder territorialer Verwaltung“ konstruiert. Entsprechend dieser völkischen Blut-und-Boden-Ideologie wird der Status als „Vertriebener“ weitervererbt, so dass sich in dieser Logik neben der Tätergeneration auch ihre Enkel, Urenkel etc. als „Opfer der Vertreibungen“ darstellen können. Aus diesem völkischen Denken samt seiner Blut-und-Boden-Ideologie heraus existiert die Idee vom „deutschen Boden“ in den osteuropäischen Ländern fort. Bei all diesen Ansätzen verwundert es kaum noch, dass die als „Grundgesetz“ gefeierte Charta der Heimatvertriebenen fast ausschließlich von damals aktiven Nationalsozialisten verfasst wurde.

Es wächst zusammen was zusammen gehört - Nazis bei den „Vertriebenen“

Wer die Schriften toter Nazis feiert, der dürfte auch an noch lebenden und neuen Nazis seinen Gefallen finden. Und tatsächlich gibt es zahlreiche Beispiele für die Kooperation von Vertriebenenverbänden und bekennenden Nazis.
Exemplarisch ein paar davon: Zahlreiche sudetendeutsche Altnazis reorganisierten sich im Witikobund, einer rechtsextremen Vereinigung unter dem Dach der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Jahrelang konnte der Vertriebenen-Funktionär Paul Latussek, vom Bund der Vertriebenen ungestört, in rechtsextremen Medien agitieren, bis er in einer Rede am 9. November 2001 den Holocaust relativierte und die Opferzahl als Lüge bezeichnete. Erst nach dem daraufhin eingeleiteten Strafverfahren und dem öffentlichen Protest wurde er von seinen Ämtern beim BdV suspendiert. Für die Schlesier hingegen war und ist er trotz seiner Auschwitz-relativierenden Aussagen auch nach 2001 aktiv. Auf einer BdV-Veranstaltung 1992 in Wanne-Eickel sorgte der wegen Volksverhetzung verurteilte Nazi-Liederbarde Frank Rennicke für das musikalische Programm. Die Stiftung Ostdeutscher Kulturrat verlieh 1998 einen Wissenschaftspreis an Claus Nordbruch. Der in Südafrika lebende Nordbruch ist bekennender Rassist, publiziert in Deutschland in rechten Zeitungen wie dem Ostpreußenblatt und dem neonazistischen Theorieorgan Nation und Europa. Dem mittlerweile verbotenen militanten Neonazi-Netzwerk „Blood & Honour“ gab er 2000 Empfehlungen für den Gebrauch von Nahkampfwaffen. Für öffentlichen Wirbel sorgte jüngst in Niedersachsen ein für den 3. Mai in Adendorf bei Lüneburg geplanter „Heimatnachmittag“. Eingeladen hatten neben dem BdV Lüneburg und einigen Landsmannschaften (darunter die Schlesier) auch das neonazistische Freundschafts- und Hilfswerk Ost. Dort sind zahlreiche NPD-Funktionäre Mitglied, auch wirbt der Verein im NPD-Organ Deutsche Stimme. Die öffentlichen Proteste kommentierte die Lüneburger Kreisvorsitzende des Bundes der Heimatvertriebenen, Dr. Barbara Loeffke in der Presse: "Wir sind überparteilich, aber es freut uns natürlich, wenn eine Partei der Heimat treu verbunden ist." (Landeszeitung, 24.04.07). Die Aufzählung ließe sich fortsetzen.

Neuer deutscher Patriotismus

„Wer Auschwitz leugnet oder relativiert, leugnet oder relativiert im gleichen Maße, Deutscher zu sein“ (Roland Koch, hessischer Ministerpräsident, 2005)

„nicht trotz, sondern wegen Auschwitz“ (von Joschka Fischer geprägte Begründung des deutschen Einmarschs in Jugoslawien)

Den Trachten und Inszenierungen der Landmannschaft Schlesien hängt dabei offensichtlich der Mief längst vergangener Zeiten an. Und tatsächlich dürfte ein deutsch-nationaler Fußball -Proll nicht nur seine Probleme bei der geographischen Einordnung „Schlesiens“ haben, sondern auch höchst uninteressiert an einer Regermanisierung sein, da die polnischen Fußballspieler ja eh schon für Deutschland spielen. Ist der Nationalismus der Landsmannschaften also unzeitgemäß und unsere Agitation gegen wirklich jeden Nationalismus somit ein wenig übertrieben?
Nicht nur die in kräftigen Finanzspritzen manifestierte Zuneigung der aktuellen niedersächsischen Landesregierung zur Landsmannschaft Schlesien deutet auf das Gegenteil hin. Auch „Flucht und Vertreibung“ behandelnde Filme und Bücher haben zur Zeit Hochkonjunktur. Doch obwohl die völkischen Ideologien weiterhin von Relevanz sind, hat sich auch tatsächlich etwas verändert.
Der deutsche Nationalismus verändert sich in dem Maße, in dem Deutschland seine Geschichte immer wieder neu erfindet. Ob um die Standortkonkurrenz bedachte Bürger, angetrunkene Deutschland-Prolls oder wimpeltauschende Schlesienopas - sie alle verbindet die irrige Vorstellung Teil einer nationalen Schicksalsgemeinschaft zu sein, die sich von allen anderen unabdingbar unterscheidet und die in der kapitalistischen Konkurrenz gegen diese anderen nach vorne gebracht werden soll. Die Konstruktion des Inneren, des Deutschen, ist somit nicht möglich ohne eine Konstruktion des Anderen, des auszuschließenden. Dabei benötigen Gewaltakte gegen MigrantInnen, seien es staatliche Abschiebungen oder tätliche Angriffe von Einzelpersonen, heute keinen Rückgriff auf Rassenideologie mehr. Ein Kulturalismus, der im „ausländisch Aussehenden“ nach gleichem Muster das mit der „deutschen Kultur“ Unvereinbare ausmacht, führt heute zu denselben Konsequenzen und Taten wie der biologisch begründete Rassismus.
Der höchst offizielle Erinnerungsdiskurs dagegen versucht es nicht mit völligem Totschweigen der deutschen Taten wie die Landsmannschaft Schlesien, sondern mit der Annahme einer „universellen Opferrolle“. Nach dieser Annahme sind alle Beteiligten irgendwie ein bisschen Opfer und keiner so richtig Schuld, mit Ausnahme der Alliierten, die für das Motiv „blinder Rache“ als vermeintlicher Grundlage der Bombardierungen deutscher Städte angeklagt werden. So werden tatsächliche historische Verläufe verwässert und schließlich für die Zwecke der „Kulturnation Deutschland“ vereinnahmt. Der Zweck des Nationalstaates ist dabei allerdings nach wie vor nicht ein gutes Leben für alle zu ermöglichen, sondern die optimalen Bedingungen für die kapitalistische Verwertung zu ermöglichen und aufrecht zu erhalten.
Für uns hingegen bleibt die einzig vernünftige Option das Festhalten an der Perspektive einer Überwindung dieser hierarchisierten Konkurrenzgesellschaft in der Nationalismus als kollektive Sinnstiftung immer wieder hervorgebracht wird.

Gegen alte und neue Nationalisten! Das Schlesiertreffen stören! Deutschland in den Rücken fallen!

Antinationalistisches Bündnis Nord

Mehr Infos und aufrufende Gruppen:

 http://www.schlesien.tk
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Ergänzungen

ein paar Zusatzinfos

egal 30.06.2007 - 17:44

Antinationalismus und Deutschland

Hannoversche Initiative gegen Antisemitismus 01.07.2007 - 17:29
Folgendes Flugblatt von der "Hannoverschen Initiative gegen Antisemitismus" wurde anlässlich der Demo "Gegen Nationalismus - in jeder Form und Tracht" (siehe dazu  http://antifa-s.de/hannover/ ) am 29.6. in Hannover verteilt.


Antinationalismus und Deutschland

"Deutschland wird politisch immer stärker durch eine neue Querfront geprägt, in der der alte Rechts-Links-Gegensatz zunehmend seine Bedeutung verliert. (...) Lafontaine vertritt außenpolitisch lupenreine und völlig authentische NPD-Positionen: Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan, Feststellung der Völkerrechtswidrigkeit der US-Kriege im Irak und in Afghanistan, Lösung der Konflikte im Nahen Osten durch politische Eindämmung des Aggressionsstaates Israel. (...) Wer weiß, vielleicht sieht Deutschland schon in ein paar Jahren gemeinsame Aktionen der NPD mit dem antiimperialistischen Flügel der Linken."
NPD-Generalsekretär Peter Marx: "Solidarität mit Oskar Lafontaine!", 21.06.07 (npd.de)

Wessen Nazi-Großeltern, die, nachdem sie Hitler gewählt und zugejubelt haben, von nichts gewusst, sowieso alle im Widerstand waren und mindestens einen Juden versteckt haben wollen, so sie nicht gerade von den "guten Seiten" des Nationalsozialismus schwärmen, wie die Autobahn, das Recht auf Arbeit und den Eintopftag, berichten einem nicht, dass ja alle Nationen "Dreck am Stecken" hätten: Zum Beispiel von der "Indianerausrottung" oder der "Palästinenservertreibung", von den Gulags "des Russen" und von den Briten, die das KZ erfunden hätten, weswegen Deutschland auch nicht schlechter sei als andere Nationen. Warum gerade gerne von Indianern und Palästinensern die Rede ist, wenn es um Deutschlands Schuld geht, sollte klar sein: Hierin sollen Deutscher Krieg und Deutsche Vernichtung nachträgliche Sinnstiftung erhalten, schließlich wollten die Deutschen den Menschheitsverbrechern und Weltverschwörern, die sie selben waren und sind, dies aber auf die Anderen projizieren, das Handwerk legen. Der Hinweis auf vermeintliche oder tatsächliche Untaten Anderer dient den Deutschen zur Relativierung ihrer eigenen Verbrechen und der Entlastung von ihren Schuldgefühlen. So antinational, dass ja irgendwie alle Nationen schlecht seien, so dass Deutschland dabei gut weg kommt, sind die rüstigen Rentner mit dem guten Gewissen und den Erfahrungen aus erster Hand in HJ und BDM, Volkssturm und Einsatzgruppe allemal, und diese Anschauung ist in Deutschland heute hegemonial.

Der Nationalsozialismus ist der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft entsprungen. Das heißt, er hat zwar seine Grundlage durchaus in dieser, er schreitet aber aus dieser hinaus, bezeichnet dadurch etwas elementar Anderes. Er löst die Dialektik der Aufklärung im negativen, regressiven Sinne auf, indem er die hehren, uneingelösten Ideale und das Glücksversprechen der bürgerlichen Gesellschaft zwar als Lügen begreift, aber nicht – und das ist der Unterschied ums Ganze - um sie wahr zu machen, nicht um in der Aufhebung des falschen Ganzen den Vorschein des guten Lebens zu bewahren – wie es das Projekt emanzipatorischer Kritik sein muss - sondern um sie ein für allemal abzuschaffen, ihre Verwirklichung auf ewig unmöglich zu machen. In diesem Sinne ist er beides zugleich: Fortschritt der falschen Gesellschaft und entfaltete Barbarei. Keineswegs ist der Nationalsozialismus das, was die doktrinäre Linke fortdauernd behauptete: die zugespitzte Herrschaft des personalisierten Finanzkapitals. So malten Linke ein Bild von den "Hintermännern" der Nazis als nach Weltherrschaft strebende "Finanzhyänen", das dem der Nazis von den Juden weitgehend entsprach. In Weimarer Zeit kursierten entsprechende antisemitische Witze in "kommunistischen" und sozialdemokratischen Kreisen, nach denen hinter den "Hakenkreuzlern" die "Hakennäsler" stünden. So kompatibel sind "Antifaschismus" und Antisemitismus dann doch – eine Kombination, die erneute Aktualität Ende der 1960er Jahre erlangte, als der SDS darin vorpreschte, auf die den deutschen Vernichtungstaten entgangenen Juden, die den Selbstschutzstaat Israel gründeten, das Nazi-Sein zu projizieren, worin ihm dann innerhalb kürzester Zeit beinahe die gesamte deutsche Linke folgte.(1) Welche grandiose Selbstbezeichnung der politischen Hochschulgruppen der Partei "Die Linke" als "Die Linke.SDS", deren Hannoversche Regionalfiliale unter den Aufrufern der hiesigen Antinationalismus-Demo ist, die damit ganz freiherzig an antizionistisch-antisemitische Traditionen anknüpfen.(2)

Im Sinne der antibürgerlichen, also das emanzipatorische Beiwerk der bürgerlichen Gesellschaft angreifenden, konformistischen Rebellion des Nationalsozialismus, vertritt der Nationalsozialismus - neben einem antiliberalen, regressiven Antikapitalismus, der die dem Kapitalismus inhärenten Interessensgegensätze und Ungleichheiten in der Volksgemeinschaft aufhebt und nach außen projiziert, als Kampf des schaffenden, prolet-arischen Deutschlands gegen die imperialistischen Ausbeuterstaaten, hinter denen das "parasitäre Finanzjudentum" als "Weltfeind" stünde (3) - eine Feindschaft gegen den bürgerlichen Nationalismus, so dass man von einem antibürgerlichen Antinationalismus der Nazis sprechen kann, so paradox dies im ersten Moment klingen mag.

Der Nationalsozialismus als Ganzes war also antinational in dem Sinne, dass nicht die bürgerliche Nation sein Bezugspunkt ist, sondern das transnationale "Volk". Der liberal-bürgerliche Nationalismus, mit seinem Insistieren auf gewisse Mindeststandards von Freiheitsrechten, mit einer rationalen Geschäftsgrundlage der Staatsangelegenheiten, der das Verhältnis von Staat und Rechtssubjekten verbindlich festlegt und gerade daher von den Gesellschaftsmitgliedern reflektiert und gar kritisiert werden kann, war und ist den Nazis und allen anderen Anhängern mystischer Schicksalsgemeinschaften, aus denen es kein Entrinnen gibt, in denen der Einzelne nicht mal mehr seine Arbeitskraft wert ist, wenn es um den Bestand des "Volksorganismus" geht, auf den Tod verhasst. Denn die bürgerliche Spielart des Nationalismus lässt die Möglichkeit der Reflektion und Kritik auf die falschen Verhältnisse überhaupt noch offen und stellt damit das totale Aufgehen des Einzelnen im Kollektiv der willigen Untertanen und Vollstrecker, also der Abschaffung des Individuums, des Menschen als solchen, noch infrage, welche die politische Religion, die als "Herrenrasse" oder "islamische Umma" daherkommen kann und die mit dem Begriff "Nationalismus" völlig unzureichend gekennzeichnet ist, bewerkstelligen will.

So steht zu fragen: Was soll und will Antinationalismus? Oder was mag seine Funktion, zum Teil auch gegen die Intentionen seiner Urheber, sein? Fehl geht ein Antinationalismus, der diesen universal im Hier und Jetzt formuliert, der Nationalismus also "in jeder Form und Tracht" bekämpft und dieses nicht primär auf deutsche bzw. völkisch-essentialistische Formen von Glaubens- und Schicksalsgemeinschaften bezieht, der also nicht in dem Bewusstsein sein Denken und Handeln einrichtet, dass natürlich letztlich alle Nationen abgeschafft gehören, aber gerade deshalb, um dieses Ziel überhaupt noch erreichen zu können, radikal Position gegen Bewegungen beziehen müsste, die den bürgerlich-liberalen Nationalismus zugunsten einer essentialistischen und mythischen Gemeinschaft, in dem das Leben des Einzelnen keine Bedeutung hat, abschaffen wollen.

In Deutschland wurde die ohnehin defizitär entwickelte bürgerliche Gesellschaft 1933 gänzlich abgeschafft und west seit 1945 als Begriff und formaler Ordnungsrahmen über einem Kollektiv, dass danach dürstet, diese Fessel des "gesunden Volksempfindens" zu sprengen und wieder ganz Volksgemeinschaft zu sein. Unspezifischer Antinationalismus ist hier eine willkommene Möglichkeit, deutsche Schuld zu negieren und an andere zu delegieren. Deutsche Staatspolitik besteht bereits seit Jahren darin, sich als Weltmeister im Menschenvernichten und anschließender "Vergangenheitsbewältigung" besonders geläutert zu fühlen und anderen Staaten ihre Vergehen vorzuhalten, vornehmlich dem ehemaligen Kriegsgegner und heutigen Weltmachtskonkurrenten, den USA, sowie dem Staat der Überlebenden, Israel, der qua Existenz den Deutschen als Erinnerungshilfe eine Last ist, der Zeuge ist dafür, dass Deutschland jegliches Existenzrecht durch seine Menschheitsverbrechen verwirkt hat. Dass Deutschland weiterexistiert, und dass Israel als hochgerüsteter und dennoch ständig bedrohter Staat existieren muss: Was gibt es Eindrücklicheres als Beweis dafür, dass die bestehende Welt falsch und ungerecht eingerichtet ist, in der die Menschheit im Selbstwiderspruch vegetiert und sich von einer drohenden Barbarei zur nächsten schleppt?

Ein "Antinationalismus", der es mit einer Emanzipation von solchen Zuständen ernst wäre, der freilich dann einen anderen Namen trüge, würde seinen Aktionseifer nicht auf NPD und Vertriebenentreffen beschränken, sondern müsste genauso gegen den völkischen Nationalismus der Partei "Die Linke" vorgehen, die ja erst kürzlich von der NPD eine Solidaritätserklärung erhalten hat (s.o.) wegen der zurecht festgestellten großen inhaltlichen Schnittmengen. Weiter würde er sich gegen Deutschland als Ganzes und sein transnationales Projekt der "Germanisierung" Europas und gegen jede Form von Antisemitismus und Antiamerikanismus aussprechen müssen und er würde überdies aktuelle Formen der fortschreitenden Barbarei wie den politischen Islam und seine Helfershelfer in allen politischen Spektren hierzulande bekämpfen. Linke und Rechte, die überall "ausländische Heuschreckenschwärme" das "heimische schaffende Kapital" verschlingen sehen, die, wenn sie von "Globalisierung" reden, eine "Amerikanisierung" und "Judaisierung" meinen und fürchten, weil sie alle "autochthonen, echten, ursprünglichen Kulturen und Gemeinschaften" zersetze, eine Rechte und Linke, die den politischen Islam für eine legitime Widerstandsveranstaltung der unterdrückten Völker gegen die Herrscher der Welt halten (gemeint sind wiederum Juden und Amerikaner), betreiben nur das Werk fortschreitender und bald verewigter Barbarei.

Hannoversche Initiative gegen Antisemitismus, Juni 2007
 gegen-antisemitismus@gmx.net
www.gegen-antisemitismus.de.vu

(1) Der SDS war es auch, der 1967 erstmals das auch heute noch in diversen Kreisen beliebte sogenannte Palästinensertuch aus den Fatahlagern, in denen gerne auch mal Neonazis ihre militärische Zusatzqualifikation erhielten, nach Deutschland als dezidiert politisches Ausdrucksmittel im Kampf gegen Israel und den "Weltzionismus" (meint: jüdische Weltverschwörung) importierten. Zuweilen erscheinen die ritualhaft ausgetragenen Straßenwettbewerbe von Neonazis und "Antifas" durch das Verwenden eben dieses gleichen politischen Symbols als zwanghafte Brüderzwistigkeiten, die ihre durchaus partiellen Gemeinsamkeiten nicht ertragen und um Massenzuspruch beim "guten deutsche Volk" buhlen. Kann es da verwundern, wenn die NPD, besorgt um die Volkseinheit, ihre versöhnende Hand ihren Widersachern entgegenstreckt, wohl auch anknüpfend an die Kooperationen von Nazis und "Kommunisten" in der Weimarer Zeit?
(2) Es stellt sich angesichts des Charakters der Partei "Die Linke", die gegen "Fremdarbeiter" und "ausländische Heuschrecken" hetzt und einen nationalistischen "Antikapitalismus" vertritt, die Frage, ob die Mitglieder der Hannoverfilialen von "Solid" und "Die Linke.SDS" nun in den falschen Organisationen sind, oder auf die falsche Demo gehen. Die Lösung liegt wahrscheinlich darin, dass, ganz entsprechend der Staatsantifa-Kampagne vor einigen Jahren und der immer wieder aufwallenden Empörung über rechte Umtriebe, man versucht, den "bösen" deutschen Nationalismus auf die Nazis zu reduzieren, und einen "guten" deutschen Nationalismus von links davon abzuheben – wie sollte man auch sonst eine für Herrschaft benötigte Massenbasis in diesem postnationalsozialistischen Land erringen?
(3) Diese nationalsozialistische Anschauung reaktivierte sich in der hiesigen Begeisterung für die sogenannten Befreiungsnationalismen der Dritten Welt bis hin zum heutigen Verständnis für den islamistischen Jihad. "Das faschistische Wunschbild heute verschmilzt ohne Frage mit dem Nationalismus der sogenannten unterentwickelten Länder (…). Einverständnis mit denen, die in der imperialistischen Konkurrenz sich zu kurz gekommen fühlten und selber an den Tisch wollten, drückte schon während des Krieges in den slogans von den westlichen Plutokratien und den proletarischen Nationen sich aus." (Adorno, Theodor W.: Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit. In: Gesammelte Schriften, Bd. 10-2, Frankfurt am Main 1997, S.564f)

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yeeeeeeeehaaaaaaaa — aus köln nach hannover

Toll... — Kolja

@Kolja — egal

Eigentor! — Egal

jepp — i