Berichterstattungen und deren Ziele

tox 15.06.2007 11:59 Themen: G8 G8 Heiligendamm Indymedia Medien Repression
Grundsätzliche Gedanken zur Berichterstattung auf Indymedia mit dem Ziel auch Normalbürger zu erreichen. Wie könnte es besser funktionieren? Ein paar Gedanken hierzu.
An den Anti-G8-Protesten der vergangenen Wochen konnte ich leider nicht teilnehmen, da ich mich rund 1600km weiter südlich langweilen mußte. Nachdem ich am letzten Wochenende wieder zu Hause war, habe ich angefangen die verschiedenen Online-Ausgaben von Zeitungen und natürlich Indymedia zu durchstöbern. Es gab auf Indymedia viele gute Artikel zum Thema, dennoch wurden viele der dort veröffentlichten Informationen nicht in der bürgerlichen Presse wiedergegeben. Darüber enttäuscht habe ich mir die Frage gestellt, was hierfür der Grund sein könnte und diese Gedanken möchte ich nun veröffentlichen in der Hoffnung vielleicht ein paar Denkanstöße zu geben, um dieses Problem aufzuweichen. Die G8-Berichterstattung war hierfür der Anlaß, aber die Gedanken betreffen auch alle anderen Rubriken auf Indymedia.


Unübersichtliche Artikel

Absätze
Häufig sind mir Artikel aufgefallen, die inhaltlich zwar sehr gut waren, aber aufgrund von fehlenden Absätzen und Subheadlines nur schwer zu lesen waren. Da es sicherlich im Interesse jedes Autors liegt, dass der Artikel von möglichst vielen komplett gelesen wird, sollte hierdrauf beim schreiben eines Artikels ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Lieber ein Absatz zu viel als einer zu wenig.

Überschriften und HTML
Ein weiteres Element um Übersichtlichkeit zu schaffen sind fettgedruckte Überschriften, da sie die Orientierung innerhalb eines Textes deutlich vereinfachen, daher möchte ich jedem Autor nahelegen sich mit der Möglichkeit Artikel als HTML zu schreiben auseinanderzusetzen. Ich kann nur empfehlen den Artikel vorab in einer Textanwendung, z.B. dem Windows-eigenen Notepad, zu schreiben. Speichert man die Datei mit der Endung .html, kann man auch problemlos im Browser das Ergebnis vor dem Veröffentlichen überprüfen. Um dem Problem die Sonderzeichen immer in ihrer HTML-Form schreiben zu müssen entgegen zu wirken solltet ihr den Artikel mit normalen Sonderzeichen schreiben und wenn der Artikel fertig geschrieben ist die Funktion "Ersetzen" benutzen, um sämtliche Sonderzeichen durch ihr HTML-Äquivalent zu ersetzen. Eine gute Übersicht der möglichen HTML-Tags und der Sonderzeichen in HTML-Form stellt Indymedia selbst zur Verfügung: Wie poste ich HTML?


Inhalte und Quellen

Wer? Was? Wann? Wo?
Leider vergessen viele Autoren diese Fragen zu behandeln, obwohl sie essenzielle Informationen darstellen, die einer guten Recherche nicht fehlen sollten. Häufig wird auch ein Straßenname angegeben, wo etwas passiert ist, nicht aber in welcher Stadt. Dummerweise werden Straßennamen aber häufig mehrfach verwendet und sind somit nicht explizit einer Stadt zuzuordnen. Zum Beispiel gibt es die Friedrich-Ebert-Straße sowohl in Hamburg als auch in Bremen und wahrscheinlich noch in vielen weiteren Städten. Genauso verhält es sich mit der Abkürzung von Städtenamen, die regional zwar bekannt sein mögen, aber nicht national. Beispielhaft sei hier HBS (Halberstadt) erwähnt.

Quellen
Das Zitieren von Quellen ist im digitalen Zeitalter genauso von Beudeutung, wie es in der analogen Welt ist/war. Aber auch dies wird Zitat stammt. Eine Angabe wie stern.de ist hierzu nicht genau genug, da die Seite sehr viele Artikel enthält, die unter Umständen auf das selbe Zitat zurückgreifen. Genauso ist der Link zu einer Google-Suchanfrage mit dem Hinweis die Quelle sei der dritte Link der Liste zu ungenau, da sich die Rankings bei Google ständig ändern.


Schreibstil

Problematik
Indymedia ist ein Nachrichtenportal, dass gerne von Menschen des alternativen Spektrum genutzt wird, in der Regel verbleibt ein Großteil der Nachrichten aber auch genau dort, obwohl hier wichtige Details zu Situationen aufgedeckt werden, die es wert wären eine deutlich breitere Basis zu erreichen. Kaum ein Linker wird nicht über Repressionen der Polizei zu berichten wissen. Aber mal ganz ehrlich, wissen wir das nicht sowieso schon alle? Um der polizeilichen Repression gegenüber Kritikern des Staatssystems Einhalt zu gebieten muß auch ein bedeutsamer Teil der "normalen" Bürger darüber Bescheid wissen und dagegen sein. In der bürgerlichen Presse wird dagegen gerne das Bild des autonomen Chaoten gezeichnet, der außer Steinewerfen und "Revolution" schreien nicht viel zu bieten hat; die inhaltliche Message wird unterschlagen. Liest nun ein "normaler" Bürger einen Indymedia-Artikel, der Fakten aufdeckt, die die bürgerliche Presse verschwiegen hat, ist es gut. Was aber passiert, wenn er schon im ersten Absatz mit Begriffen wie "Bullenschweine", "Bullen" oder ähnlichen Verunglimpfungen der Staatsmacht konfrontiert wird? Das Bild der bürgerlichen Presse wird lediglich bestätigt und wahrscheinlich werden die meisten den Artikel nichteinmal zuende lesen. Aber genau damit stellen wir uns eigentlich selbst ein Bein.

Objektivität
Vorallendingen in Berichten über Repression geht die Objektivität häufig verloren. Verständlicherweise, denn die Repression löst ja Wut, Angst und zuweilen auch starke Hassgefühle aus. Ich kann hier mit den Autoren mitfühlen, zumal dies ja durchaus die Repressionsopfer eint. Aber in Betrachtung der im vorherigen Absatz beschriebenen Problematik stelle ich mir die Frage, ob dies der alleinige Sinn ist? Ich denke, dass Berichte über Repression nicht nur die erreichen sollten, die es eh schon wissen bzw. kennen.
In dem Sinne halte ich es für sinnvoll darauf zu achten, dass Artikel so objektiv wie möglich geschrieben werden. Hierzu gehört auf jeden Fall der Konjunktiv, der in halbwegs seriöser Presse Standard ist. Wer trotzdem seine eigene Meinung einbringen will könnte sie zum Beispiel durch Zitate einbringen. Statt "Die Bullenschweine haben uns oberbrutal zusammengeknüppelt." wäre z.B. "Die Polizei soll Demonstranten mit einem massiven Schlagstockeinsatz begegnet sein, hierzu sagte ein Augenzeuge/Beteiligter/Opfer: "Wir wurden mit größter Brutalität von der Polizei zusammengeschlagen" eine sinnvolle Alternative.
Natürlich macht es in einem offensichtlichen Augenzeugenbericht wenig Sinn explizit im Konjunktiv zu schreiben, aber dennoch sollte die Wortwahl mit Bedacht getroffen werden. So läßt sich die Aussage "Die Bullen zerstachen die Lautsprecher des Lautis." auch galanter beschreiben: "Ich habe gesehen, wie die Polizei die Lautsprecher des Lautsprecherwagens zerstach." Das ist inhaltlich zwar das Gleiche, aber das Ersatzbeispiel hat sicherlich eine höhere Chance auch in bürgerlicher Presse zitiert zu werden.

Fazit

Indymedia ist ein gutes und wichtiges Nachrichtenportal für die alternative Szene, da hier Berichte erscheinen, die in der "normalen" Presse eher selten zu finden sind. Da wir aber ein Ziel haben sollten wir auch versuchen diese Nachrichten weiter zu verbreiten als nur auf Indymedia. So kann es zum Beispiel interessant sein Artikel, die gewisse Grundkriterien erfüllen - wie ich sie zum Teil in diesem Artikel dargelegt habe - an Zeitungen und Magazine als Leserbriefe zu verschicken, auch wenn sie wahrscheinlich in vielen Fällen nicht veröffentlicht werden. Aber das ist sicherlich besser als wenn gar nichts an die Öffentlichkeit außerhalb Indymedias dringt.

Ich hoffe hiermit dem ein oder anderen ein paar Denkanstöße gegeben zu haben und würde mich natürlich über inhaltliche Ergänzungen freuen, seien es Bestätigungen, Ergänzungen oder auch konstruktive Kritik. Macht mehr aus Indymedia als "nur" ein alternatives Medienportal!

greetz,

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Ergänzungen

Leider

Vonnegut 15.06.2007 - 12:50
Fällt mir auf, das auch Artikel die allen Kriterien gerecht werden oft nicht in der Presse zu finden sind. Das liegt nicht zuletzt an der Einstellung diverser Medien zu den hier dargestellten Sachverhalten. Ich weise zum Beispiel auf den Artikel eines Mitgliedes der Theatergruppe hin, welche von Faschos in Halberstadt angegriffen wurden. Die Tagesschau blendete trotz des Artikels auf Indymedia sämtliche Kritik an der Polizei aus, zitierte sogar noch jemanden vom Theater ohne in irgendeiner Form die Kritik zu erwähnen. Erst als die Polizei Fehler zugab änderte die Tagesschau ihren Artikel, der alte Artikel ist mittlerweile nicht mehr zu finden. Ähnlich sieht es aus mit Fascho Angriffen im Ruhrgebiet, angeblich druckt die WAZ diese nicht ab, da sie "Radikalen" kein Forum bieten wollen. Der Verdacht liegt nahe das die WAZ (mit Sitzt in Essen), sich einfach nicht zu "Nestbeschmutzern" machen möchte. Das sind nur zwei Beispiele von vielen. Deine Hinweise sind wirklich toll und es ist für Indymedia/uns alle sicher wichtig das wir lernen einen gewissen Standard in unsere Berichte ein zu führen. Nur wird das leider nichts an dem Verhalten der Bürgerlichen Presse ändern. Ein letztes Beispiel ist sicher Telepolis (  http://www.heise.de/tp/ ) Die Artikel die dort erscheinen sind alle Redaktionell bearbeitet und die Quellenangaben meist sehr sauber, aber einen Einfluss auf die "Presse" hatten sie noch nie.

bürgerliche presse

tox 16.06.2007 - 12:51
"Trotz Wasserwerfern und Tränengas gelingt es, den Gipfel nahezu vollständig zu blockieren. Der Tagungsort ist nur per Schiff und Hubschrauber zu erreichen. Bei einer Blockade enttarnen DemonstrantInnen mehrere Agents provocateurs. Die Polizei bestreitet den Vorwurf zunächst, muss ihn in den folgenden Tagen jedoch zunehmend bestätigen, nachdem der Presse Fotos der enttarnten ZivilbeamtInnen vorgelegt werden." (Quelle:  http://de.indymedia.org/2007/06/185024.shtml)

ist zwar nicht direkt ein artikel, der in der bürgerlichen presse erschienen ist, dennoch hat es anscheinend gereicht, um KAVALA zu korrektur ihrer aussage zu zwingen. abundzu kommt mal ein bauer durch. ;)

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