13.Prozesstag/ Dessau, Oury Jalloh

Prozessbeobachtergruppe: prozessouryjalloh.de 14.06.2007 22:17 Themen: Antifa Antirassismus
13. Prozesstag - 14.Juni 2007

„Ich habe den Eindruck, erst hat sie das nervös gemacht und dann war es ihnen scheiß egal“

Verwaltungsangestellte im Zeugenstand// Hauptangeklagter weist Vorwurf der Lüge von sich
Der 13. Prozesstag beginnt mit einer Erklärung, die der Verteidiger des Hauptangeklagten Andreas S. abgibt. Rechtsanwalt Teuchtler hätte nach der gestrigen Aussage des Zeugen Mö. mit seinem Mandanten „ein intensives Gespräch“ geführt. „Um es gleich vorweg zu nehmen, er ändert seine bisherigen Aussagen nicht“, sagt Teuchtler zu der Einschätzung des Angeklagten. „Sie kann so, wie sie vortragen wurde, nicht stimmen“, bewertet der Verteidiger die Darstellung des Dienstgruppenleiters Gerhardt Mö. Damit spielt er vor allem auf die Passagen der Aussage an, in dem Mö. von seinem Löschversuch mit einer Decke berichtete. Teuchtler bezweifelt, dass es überhaupt möglich sei, mit nur zwei Schritten von der Zellentür zum Matratzenpodest zu gelangen. Um diese Frage zu klären, regt der Verteidiger einen erneuten Ortstermin im Polizeirevier an. Teuchtler klassifiziert die Aussage des Beamten Mö. außerdem als „eine erwartete“. „Er hat das unter Eid gesagt, ich will das akzeptieren“, so Teuchtler zur Aussage des gestrigen Zeugen. Allerdings müsse man dabei die angeschlagene Psyche des Mö. berücksichtigen. Er glaube allerdings auch nicht, dass dieser absichtlich gelogen habe.

“Man kann mit zwei Schritten problemlos dahingehen“, entgegnet Richter Steinhoff darauf hin. Das könne man einerseits am Maßband ablesen, dass sich auf einem Foto in der Akte befinde. Außerdem wäre daraus ersichtlich, dass eine Fliese ca. 20 cm messe. Wenn man die Fliesen von der Tür bis zur Matratze zähle, seien das insgesamt sieben. „Ich gebe noch zu bedenken, na ja, dass die Aussage Mö. eine erwartete war, das ist sehr zweischneidig“, schätzt der Vorsitzende ein.

Der Rechtsanwalt des Angeklagten führt aus, dass sein Mandant nicht davon hätte, auf den Anruf aus der Hauswache zu bestehen: „Das würde Herrn S. nicht helfen“. Richter Steinhoff dazu: „Da irren sie sich gewaltig, Herr Teuchtler“.

“Da hat sich jemand etwas von der Seele geredet. Ich halte es für ziemlich ausgeschlossen, dass sich der Zeuge Mö. in seinen jetzigen Erinnerungen, seiner Darstellungen der Geschehnisse, irrt“, so Ulrich von Klinggräff. Außerdem sagt der Nebenklagevertreter, dass dies gerade ein Ausdruck der Hilflosigkeit des Gerhardt Mö. in der Brandsituation gewesen sei. „Exakt“, schließt sich der vorsitzende Richter dieser Interpretation an.
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