"G8 - Piss off now" - Baden vor Heiligendamm

09.06.2007 00:02 Themen: G8 G8 Heiligendamm
20 AktivistInnen sind heute in der Verbotszone von Heiligendamm baden gegangen und haben dabei das Banner "G8 - Piss of now!" gehalten. In der Presse wurde die teilweise fälschlicherweise als Greenpeace-Aktion interpretiert.
Dieses Treffen ist illegetim. Weder repräsentieren die G8 mit lediglich 13% der Weltbevölkerung die gesamte Menschheit, noch können die nationalen Parlamente entscheident Einfluss auf die Verhandlungen nehmen. Dennoch wird auf dem Gipfel die Entwicklung der ganzen Welt bestimmt.

IWF und Weltbank, die mit ihrer Kreditvergabe maßgeblich nationale Wirtschaftspolitik vorgeben sind von der G8 dominiert. Diese acht Staaten haben 50%der Stimmen obwohl beide Organisationen mehr als 180 Mitgliedsstaaten haben.
Die mit den Krediten verbundenen Auflagen des IWF schreiben überall das gleiche Patentrezept vor: Privatisierung, Deregulierung und Liberalisierung. Die Privatersierung der lebensnotwendigen Grundbedürfnisse führt insbesondere in armen Ländern dazu, dass weite Teile der Bevölkerung von sauberem Trinkwasser, Bildung und der Gesundheitsvorsorge ausgeschlossen werden. Durch die Deregulierung besonders in internationalen Finanzmärkten werden ganze Regionen
von gigantischen Währungsspekulationen destabilisiert wie z.B. 1997 bei der Asienkrise.
Aufgrund der Liberalisierung haben wirtschaftlich schwache Staaten keine Chance neue wirtschaftliche Zweige zu entwicklen, da hierfür ein Schutz der lokalen Märkte notwendig ist.

Bei genauem Hinschauen ist der Schwerpunkt Afrika auf der G8-Agenda eine Farce. Nicht Entschuldung und Befriedigung der Grundbedürfnisse, wie Zugang zu sauberem Trinkwasser und Bildung stehen im Vordergrund, sondern es wird eine "Reformpartnerschaft" propagiert, bei der es letztlich um bessere Investitionsmöglichkeiten für die transnationalen Konzerne der G8-Staaten geht. Somit bleibt vielen betroffenen Regionen nur die Ressourcenausbeutung, während transnationale Konzerne die Weiterverarbeitung und damit den Großteil der Wertschöpfung in die Industrieländer verlagern.
Wer leistet eigentlich Entwicklungshilfe für wen? Jährlich überweiset der Süden dem Norden 299 Milliarden US-Dollar (Zinsen und Tilgung). Der Norden leistet dagegen nur 79 Milliarden US-Dollar Entwicklungshilfe. Die absolute Zahl der Armen in Afrika stieg seit 1990 um 140% auf eine Rate von über 40% der Menschen, die weniger als einen US-Dollar pro Tag zum Leben haben udn somit nicht ihre Grundbedürfnisse befriedigen können. Es ist zynisch und menschenverachtend, statt Hunger, Durst, Analphabetismus und Krankheiten zu bekämpfen, Investitionen für die transnationalen Konzerne vorranzutreiben, welche Daseinsvorsorge zu einer Waren machen. Wer kein Geld hat, wird ausgeschlossen.

Ein weitere Tagesordnungspunkt der Agenda der G8 zum Vorteil der transnationalen Konzerne ist der "Schutz von Innovationen gegen Produkt- und Markenpiraterie". Dahinter verbirgt sich die Patentierung von kulturellem und technischem Wissen sowie der biologischen Vielfalt. Diese Patente sind fast ausschließlich in den Händen der Transnationalen Konzerne der G8. Patentierte Medikamente werden für viele unbezahlbar, so sterben Menschen an heilbaren Krankheiten.
Saatgut wird monopolisiert, was die Kleinstbauern in die Abhängigkeit von Biotechnologie-Konzerne treibt. Jahrhundertelang angebaute Heil- und NUtzpflanzen sind nicht mehr frei zugänglich, da die Beschreibung von Gensequenzen ausreicht sie zu patentieren. Geistige Eigentumsdrechte bilden den Schlüssel für die Verteilung von Wohlstand, Macht und Zugangschancen in der Informationsgesellschaft. Wissen Information und biologische Vielfalt sind Grundlage unserer Kultur, Ökonomie und Welternährung. Wenn diese patentiert werden, wird eine humane Existenz für Millionen verhindert.

Der Klimawandel ist eine der größten globalen Herausforderungen für die Menschheit. Die G8-Länder haben einen Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß von 43%. Damit sind sie maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich. Trotz vollmundiger Versprechen den CO2-Ausstoß zu senken, ist er in den G8-Ländern seit 1990 real um 6,3% gestiegen.Dies mag daran liegen, dass die reichen Länder finanziell in der Lage sind sich den Klimaveränderungen anzupassen. Die Leidtragenden sind in erster Linie nicht die reichen, verursachenden Staaten, sondern die Entwicklungsländer. Die landwirtschaftliche Produktion ist für Entwicklungsländer von fundamentaler Bedeutung und reagiert am stärksten auf Klimaschwankungen. Dies bedroht nicht nur die Existenz vieler Kleinbauern, sondern auch die Ernährung der gesamten Bevölkerung.

Für eine menschwürdige Globalisierung müssen die Hauptverusacher des Klimawandels massiv CO2 einsparen und dazu auch unseren Lebenswandel in Frage stellen. Wissen, Information, biologische Vielfalt und Medikamente müssen allen Menschen zur Verfügung stehen. Die reichen Staaten müssen sicherstellen, dass die Grundbedürfnisse der Menschen in allen Ländern befriedigt werden! Entscheidungen, die die Menschheit betreffen dürfen nur mit demokratischer Legitimation aller getroffen werden.

Geld oder Leben.
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Ergänzungen

Verwechselung mit Greenpeace hat was

Anti-G8 act now 09.06.2007 - 17:35
Doppelt gute Aktion. Einmal überhaupt eine der eher wenigen direkten Aktionen während der Protesttage (der vielfältige Zug Richtung Zaun war die bekannteste direkte Aktion), sonst gab es viel Latschen, Rumstehen, Reden, Zuhören und Kollektive Stellvertretung).
Zum zweiten war das ein nettes Gegenbild zum "G8 act now" von Greenpeace. Als wäre nicht gerade das Problem, dass die ständig handeln. Würden Merkel, Bush & Co. das ganze Leben faulenzen und als als Florida-Angie oder Majorka-George auf die Bildzeitungs-Titelseite schaffen, wäre das besser. Gesetz dem Fall, es würden keine anderen deren Jobs einfach weitermachen ...