für 2,50€ ein gutes gewissen

s 07.06.2007 17:53 Themen: G8 Heiligendamm
Am frühen Nachmittag machte sich eine kleine Gruppe AktivistInnen auf den Weg zum IGA-Park in Rostock, wo heute ab 14 Uhr das "Deine Stimme gegen Armut"-Konzert stattfindet. Anliegen der Gruppe war es, auf die Problematik dieses als Teil des G8-Protests ausgelegte Event hinzuweisen.
Mit Transparenten ("Sonderangebot: ein gutes Gewissen für 2,50€", "unsere Stimme GEGEN Kapitalismus", "Go to the Blockades!") und Infomaterial über die noch immer andauernden Proteste und Blockaden rund um Heiligendamm sollten die zahlreichen BesucherInnen des Konzerts darauf aufmerksam gemacht werden, dass eine Veranstaltung dieser Art und dieses Formates eine denkbar ungeeignete Form des Widerstands gegen ein kapitalistisches, konsumorientiertes System und die Auswirkungen der globalisierten Wirtschaft darstellt. Neben dem Umstand, dass sogar Eintrittskarten für diese "Protestveranstaltung" zu kaufen waren, wirkte die gesamte Veranstaltung mit diversen Verkaufsständen und Merchandisingangeboten etwas befremdend.
In der Tat zeigte sich ein großer Teil des Publikums auffallend desinteressiert am politischen Anlass, was sich beim Verteilen der Infomaterialien auf verschiedenste Weise äußerte ("habt ihr ein Konzertprogramm?", "kann ich bei euch noch eine karte kaufen?").

Nachdem die AktivistInnen von der Polizei gebeten wurden, sich näher am Konzertgelände zu postieren und dies dann auch getan wurde, passierte etwas mit dem so nicht gerechnet wurde: Eine Handvoll sichtlich aggressiven Securitypersonals der Firma TaSa ging plötzlich auf einen der Transpi-Halter los um ihn in schroffen Ton dazu zu bringen, den Platz umgehend zu verlassen und sich 20 Meter weiter weg zu begeben. Überrascht und irritiert wollte die Gruppe in Erfahrung bringen, weshalb dies plötzlich notwendig sei, worauf ein Wortgefecht entstand in dem von Seiten der Securitys mehrmals mit Zwangsmaßnahmen gedroht wurde und schließlich eines der transparente zerrissen wurde. Ein zufällig vorbei kommender Journalist fragt was los sei und wurde daraufhin ebenso schroff zurückgestoßen, woraufhin er die Polizei verständigte. Diese versucht beschwichtigend zu wirken, von Seiten der Securitys gab es jedoch keine Anstalten zur Deeskalation, weshalb die AktivistInnen sich bald an einen anderen Ort begaben. Personalien der TaSa-Securities wurden festgestellt, rechtliche Schritte behalten sich die AktivistInnen vor. Der sofortige Versuch, eineN der VeranstalterInnen des Konzerts zu sprechen, ist leider nicht geglückt.

Was bleibt ist ein verstörter Eindruck was die Art und Organisation des "Deine-Stimme-Gegen-Armut-Konzerts" betrifft. Kommerz vor Ort war zu erwarten, dass mit kritischem Protest auf eine solche Art umgegangen werden würde, jedoch nicht. Auch wenn die VeranstalterInnen dies so vermutlich nicht gewollt hätten, die Wahl des Security-Personals sollte beim nächsten Mal anders getroffen werden. Oder noch besser: Nächstes Mal sollten alle statt auf ein Pop-Konzert dorthin gehen wo Protest noch Sinn macht, zum Beispiel auf die Straßenblockaden um Heiligendamm!

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Ergänzungen

Bono

we win 07.06.2007 - 18:05
Über Bonos spezielles Engagement, und die neoliberalen Hintergründe der Diskussionen um Afrika und Schuldenerlass berichtet gerade auch ein Telepolis-Artikel:

 http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25430/1.html

Korrektur ?!

Korrektor 07.06.2007 - 18:43
Die Security-Firma sollte nach meinen Infos ToSa-Security und nicht TaSa-... heissen. Ansässig in Hannover.

.

unwichtig 07.06.2007 - 19:22
und dann konnte man noch nicht mal getränke mit reinnehmen. Und das Trinken hat drinnen für 0.3l alles 2.80€ plus 1€ Becherpfand gekostet.

Scheigegeld?

gibt es nicht 07.06.2007 - 20:55
Soweit ich gehört habe, sind Bono und Co vor dem Konzert im Gespräch mit Kanzlerin Merkel gewesen, diese soll dem Projekt dabei eine sehr große Geldsumme geboten haben, wenn Bono und Co auf der Bühne politisch ihr Maul halten! Die Musiker sind angeblich trotz der angeblichen großen Geldsumme nicht darauf eingegangen und haben mit passenden Gestiken abgewunken! Das abwinken soll auch kurz im Fernsehen RTLII gezeigt worden sein. Auch wenn ich Bono und Co sowie deren Art der Veranstaltung etc. nicht teile würde mich genauere Info über die angebliche Sache interessieren!

Firmenname des "security" Dienstleisters

monsen 08.06.2007 - 18:45
Die Firme heißt glaube ich nicht tasa sondern tosa:  http://www.tosa-security.de/
ziemliche Schweinerei, dass Aktivisten in diesem Zusammenhang so behandelt worden sind -ich schlage vor ein paar anständige Beschwerdmails an den Dienstleister zu schicken.

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shit

!!!! 07.06.2007 - 20:41
ich mei 2,50 für unkosten (licht,ton,strom) is ja noch ok aber das denn sich da leute noch an nem scheiss bier ne goldene nase verdienen is scheisse. denn solln die leute sich doch ihre getränke mit reinhemen dürfen.is aber wahrscheinlich denk ma ne auflage seitens team green so wegen Glas und so.

Bedenklich, wenn ein Anti-G8-Konzert

so unverhüllt 07.06.2007 - 21:08
kommerzialisiert wird. Und wenn noch dazu Securitys so unverfroren sind. Auch nix ungewöhnliches, ich habe die i.d.R. wilder als Team Green in Erinnerung. Einfach mal den Veranstalter oder noch besser die teilnehmenden Leute zu informieren versuchen. Wenn es ihnen ernst ist mit einer besseren Welt - was ich im Moment noch glauben mag - sollten sie zumindest reagieren können. Zu den Kosten: Vorschlag: 50% an sinnvolle Dritte-Welt-Projekte oder so, auch das wäre glaubwürdige und konstruktive G8-Kritik. Nicht aber vergessen, dass so ein Konzert tatsächlich ein Schweinegeld kostet, selbst wenn die Akteure nix nehmen. Viemehr zeigt uns das, wie verstellt unser Blick, unsere Erwartungen für Kosten, Events usw., überhaupt unser System ist. Heute, TAZ: Deutsche Frauen geben mehr für Schuhe, Engländer mehr für Schampus, Italiener mehr für weiß nicht mehr was für einen Zivilisationsmüll aus als die jeweiligen Regierungen für Entwicklungshilfe (Entwicklungshilfe D wohl irgendwo zwischen 2 oder 3 Mrd. €/Jahr). Was ich mich da frage, ist das nun ein Kennzeichen für die Erbärmlichkeit deut. Entwicklungshilfe oder den Erbärmlichkeit deutscher Wohlstandskonsumenten, deren Bestandteil wir ja letztlich sind? Übrigens: die Suppenküchen, die von den Veranstaltern für die G8-Demonstranten arrangiert wurden, sitzen im Moment auf nicht gedeckten Ausgaben von etwas über 30 000 €, die Vertrauenskassen brachten gerade mal 220 € ein! Ist das "Alles für alle, und zwar umsonst"???

Schweigegeld???

Quelle!!!! 07.06.2007 - 21:16
Und wenn RTL II sich dafür interessierte, wäre das ja ein Ding! Vorschlag: Wenn da stimmt, kann man das ja annehmen, demokratisch entscheiden, für welche NGO-Projekte das eingesetzt wird und dann den medien mitteilen, wie es eingesetzt wurde...