Kein Vergessen: Erste Erfolge der Kampagne
Berlin: Am 16.Mai 2007 organisierte das Bündnis „Kein Vergessen“ im Alten Marzahner Rathaus am Helene-Weigel-Platz die zweite Diskussionsveranstaltung über eine mögliche Rückbenennung von Straßen in Mahlsdorf und Kaulsdorf. Ein erster Teilerfolg konnte erzielt werden: Die ParteienvertreterInnen signalisierten ihre Bereitschaft die Rückbenennung des Pfalzgrafenweg in Offenbachstraße umzusetzen.
Der 16.Mai 2007 war der 69.Jahrestag der Umbenennung von Straßen in Mahlsdorf und Kaulsdorf. 1938, im Zuge der eingeleiteten Pogrome gegen Jüdinnen und Juden, tilgten die Nazis die Würdigung der urspr. jüdischen Namenspatronen aus dem öffentlichen Straßenbild. Die Umbenennungen sind auf die Nürnberger Rassengesetze zurückzuführen und letztendlich Teil des deutschen Antisemitismus, der in den Gaskammern von Auschwitz und der Vernichtung von über sechs Millionen Jüdinnen und Juden seinen Höhepunk fand.
Mit mehreren Infoständen, Verteil- und Steckaktionen, einer Kundgebung am S-Bhf. Mahlsdorf und einer Diskussionsveranstaltung in der Alice-Salomon-Fachhochschule in Hellersdorf wurden Marzahn-Hellersdorfer BürgerInnen seit Februar 2007 über die politischen Hintergründe der Umbenennungen aufgeklärt und die Problematik in die Öffentlichkeit getragen.
Zu der Podiumsdiskussion am 16.Mai im Alten Marzahner Rathaus wurden VertreterInnen der demokratischen Parteien in der BVV eingeladen. Erstmals war geplant, über konkrete Formen des weiteren Umgangs mit den betroffenen Straßen zu diskutieren:
FDP und CDU sagten ihre Teilnahme ab, da die Thematik für sie mit den 1995 an fast allen betroffenen Straßen angebrachten Hinweisschildern endgültig beendet sei.
Klaus Mätz, Fraktionsvorsitzender der SPD, erklärte, dass die SPD zu der Frage der Wiederherstellung der Würdigung der jüdischen KünstlerInnen keine Meinung besitze. Die SPD orientiere sich ausschließlich an dem Willen der AnwohnerInnen der betroffenen Straßen, die größtenteils aufgrund von Bequemlichkeit oder persönlichen Befindungen, zum Teil aber auch aufgrund von antisemitischen Grundeinstellungen, eine Straßenrückbenennung ablehnen. Dabei spielt die politisch-historische Bedeutung des Themas weder bei den AnwohnerInnen, noch bei der SPD eine zentrale Rolle.
Auch die Grünen, vertreten durch das Bezirksmitglied Ernst-Gottfried Buntrock, haben in diesem Zusammenhang die Basisdemokratie entdeckt und lehnen eine Rückbenennung gegen den Willen der AnwohnerInnen ab. Hier konnte aber zumindest der Wille einer würdigen Aufarbeitung erkannt werden. Es wurde angekündigt, sich mit den AnwohnerInnen auseinander zusetzten und eine Rückbenennung in der Diskussion zu empfehlen.
Klaus Jürgen Dahler von der Linkspartei wies daraufhin, dass seine Partei sich schon vor einem Jahr für eine Rückbenennung ausgesprochen hatte, kritisierte jedoch auch, dass keine der Parteien (auch nicht die Linkspartei), entgegen der Ankündigungen, einen angemessenen Umgang praktisch vorangetrieben hat.
Einig waren sich jedoch alle VertreterInnen, dass an die Umbenennungen erinnert werden müsse, wozu Hinweisschilder an den betroffenen Straßen eines der vielen Mittel seien. Das Bündnis Kein Vergessen fordert zusätzlich zu den Hinweisschildern im Rahmen der Erinnerung aber auch die Wiederherstellung der Würdigung der jüdischen KünstlerInnen. 62 Jahre nach der Kapitulation der Deutschen sollten die betroffenen Namenspatronen endlich wieder einen Platz im öffentlichen Straßenbild von Marzahn-Hellersdorf erhalten.
Zu diesem Zweck präsentierte das Bündnis einen selbsterstellten Antrag, der in die BVV einbracht werden soll (siehe unten).
Am Ende der Diskussion konnten sich die drei Parteien zumindest erstmal darauf einigen, dass der Pfalzgrafenweg im Mahlsdorfer Musikerviertel wieder nach seinem urspr. Namenspatron Jaques Offenbach benannt werden soll und ein Hinweisschild darüber informiert, dass es über 69 Jahre gedauert hat, bis diese durch die Nazis getilgte Würdigung wiederhergestellt wurde.
Wir, das Bündnis Kein Vergessen, betrachten dies als ersten Schritt in die richtige Richtung. Nun fordern wir konsequenterweise auch die Rückbenennung der anderen sechs Straßen in Mahlsdorf und Kaulsdorf bis auch Gustav Mahler, Felix Mendelssohn, Giacomo Meyerbeer, Heinrich Heine und Max Liebermann endlich wieder ihre Würdigung als Namenspatronen erhalten.
Gegen jeden Antisemitismus
Für die Rückbenennung der Straßen
Die Erinnerung an die Verbrechen der Deutschen während des NS bewahren
Vor Beginn der Veranstaltung verschafften sich 6 Nazis Zutritt zum Veranstaltungsort und bedrohten bereits anwesende Gäste. Sie wurden schließlich der Veranstaltung verwiesen.
weitere Infos unter:
www.kein-vergessen.de
www.kein-verstecken.de
Mit mehreren Infoständen, Verteil- und Steckaktionen, einer Kundgebung am S-Bhf. Mahlsdorf und einer Diskussionsveranstaltung in der Alice-Salomon-Fachhochschule in Hellersdorf wurden Marzahn-Hellersdorfer BürgerInnen seit Februar 2007 über die politischen Hintergründe der Umbenennungen aufgeklärt und die Problematik in die Öffentlichkeit getragen.
Zu der Podiumsdiskussion am 16.Mai im Alten Marzahner Rathaus wurden VertreterInnen der demokratischen Parteien in der BVV eingeladen. Erstmals war geplant, über konkrete Formen des weiteren Umgangs mit den betroffenen Straßen zu diskutieren:
FDP und CDU sagten ihre Teilnahme ab, da die Thematik für sie mit den 1995 an fast allen betroffenen Straßen angebrachten Hinweisschildern endgültig beendet sei.
Klaus Mätz, Fraktionsvorsitzender der SPD, erklärte, dass die SPD zu der Frage der Wiederherstellung der Würdigung der jüdischen KünstlerInnen keine Meinung besitze. Die SPD orientiere sich ausschließlich an dem Willen der AnwohnerInnen der betroffenen Straßen, die größtenteils aufgrund von Bequemlichkeit oder persönlichen Befindungen, zum Teil aber auch aufgrund von antisemitischen Grundeinstellungen, eine Straßenrückbenennung ablehnen. Dabei spielt die politisch-historische Bedeutung des Themas weder bei den AnwohnerInnen, noch bei der SPD eine zentrale Rolle.
Auch die Grünen, vertreten durch das Bezirksmitglied Ernst-Gottfried Buntrock, haben in diesem Zusammenhang die Basisdemokratie entdeckt und lehnen eine Rückbenennung gegen den Willen der AnwohnerInnen ab. Hier konnte aber zumindest der Wille einer würdigen Aufarbeitung erkannt werden. Es wurde angekündigt, sich mit den AnwohnerInnen auseinander zusetzten und eine Rückbenennung in der Diskussion zu empfehlen.
Klaus Jürgen Dahler von der Linkspartei wies daraufhin, dass seine Partei sich schon vor einem Jahr für eine Rückbenennung ausgesprochen hatte, kritisierte jedoch auch, dass keine der Parteien (auch nicht die Linkspartei), entgegen der Ankündigungen, einen angemessenen Umgang praktisch vorangetrieben hat.
Einig waren sich jedoch alle VertreterInnen, dass an die Umbenennungen erinnert werden müsse, wozu Hinweisschilder an den betroffenen Straßen eines der vielen Mittel seien. Das Bündnis Kein Vergessen fordert zusätzlich zu den Hinweisschildern im Rahmen der Erinnerung aber auch die Wiederherstellung der Würdigung der jüdischen KünstlerInnen. 62 Jahre nach der Kapitulation der Deutschen sollten die betroffenen Namenspatronen endlich wieder einen Platz im öffentlichen Straßenbild von Marzahn-Hellersdorf erhalten.
Zu diesem Zweck präsentierte das Bündnis einen selbsterstellten Antrag, der in die BVV einbracht werden soll (siehe unten).
Am Ende der Diskussion konnten sich die drei Parteien zumindest erstmal darauf einigen, dass der Pfalzgrafenweg im Mahlsdorfer Musikerviertel wieder nach seinem urspr. Namenspatron Jaques Offenbach benannt werden soll und ein Hinweisschild darüber informiert, dass es über 69 Jahre gedauert hat, bis diese durch die Nazis getilgte Würdigung wiederhergestellt wurde.
Wir, das Bündnis Kein Vergessen, betrachten dies als ersten Schritt in die richtige Richtung. Nun fordern wir konsequenterweise auch die Rückbenennung der anderen sechs Straßen in Mahlsdorf und Kaulsdorf bis auch Gustav Mahler, Felix Mendelssohn, Giacomo Meyerbeer, Heinrich Heine und Max Liebermann endlich wieder ihre Würdigung als Namenspatronen erhalten.
Gegen jeden Antisemitismus
Für die Rückbenennung der Straßen
Die Erinnerung an die Verbrechen der Deutschen während des NS bewahren
Vor Beginn der Veranstaltung verschafften sich 6 Nazis Zutritt zum Veranstaltungsort und bedrohten bereits anwesende Gäste. Sie wurden schließlich der Veranstaltung verwiesen.
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Hier der Antrag vom Bündnis "Kein Vergessen"
Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen:
Das Bezirksamt wird ersucht:
1. die im Zuge des Holocaust durch die Nationalsozialisten umbenannten Straßen zurück zu benennen,
2. mit den AnliegerInnen der betroffenen Straßen in den Dialog zu treten, und durch Informationsveranstaltungen die historischen Hintergründe der Rückbenennung zu erläutern,
3. der Bezirksverordnetenversammlung bis Oktober 2007 unter Beteiligung der BürgerInnen des Stadtbezirkes eine Zeitschiene zur Rückbenennung der Straßen vorzulegen, wobei vor allem auf konkrete Problemstellungen einzelner AnwohnerInnen Rücksicht zu nehmen ist, die eine zeitlich versetzte Rückbenennung einzelner Straßen erfordern,
4. an den betroffenen Straßen Hinweisschilder zur Erläuterung der NamenspatronIn und des historischen Hintergrundes der Rückbenennung anzubringen,
5. alle Maßnahmen zu ergreifen, eine mögliche Belastung der AnwohnerInnen durch Kosten und andere Aufwendungen zu minimieren.
Begründung:
Am 16. Mai 1938 wurden im damaligen Verwaltungsbezirk Lichtenberg, zu dem auch die Ortsteile Biesdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Marzahn gehörten, unter Leitung eines NSDAP-Bürgermeisters Straßen, welche nach weltberühmten BürgerInnen jüdischer Herkunft benannt waren, von den Nazis umbenannt. Im Zuge der Judenverfolgung und - vernichtung sollte alles jüdische Leben und die Erinnerung an dieses in allen gesellschaftlichen Bereichen ausgelöscht werden. Die Würdigung jüdischer KünstlerInnen wurde nach dem Willen der Nationalsozialisten getilgt. Was mit dem Judenboykott begann, durch die Nürnberger Gesetzte zur Staatsdoktrin wurde endete für Millionen Juden Europas in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern. Die Namens- und Gedenklöschung im Jahre 1938 war ein Schritt hin zur fast völligen Vernichtung der europäischen Judentums und ein nicht wieder gutzumachender Frevel am Beitrag bedeutender jüdischer KünstlerInnen für das europäische Kulturerbe.
Wir stellen uns der historischen Verantwortung, die Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und diese würdig aufzuarbeiten. Wir brauchen einen lebendigen Diskurs mit den Menschen in ganz Marzahn-Hellersdorf.
Wir bekennen uns, zu der durch die ursprüngliche Straßennamensgebung ausgesprochenen Würdigung KünstlerInnen jüdischer Herkunft.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
WARUM?? — Manfred S.