Gronauer Uranmüll macht Ärger in Finnland

SOFA Münster 15.05.2007 17:01 Themen: Atom Globalisierung
Ein kritischer TV-Bericht im finnischen Fernsehen zum Uranmüllexport von Gronau nach Russland schlug gestern wie eine Bombe ein. Während das niederländische Uranschiff MV Doggersbank, das am Freitag Rotterdam mit rund 1000 t abgereichertem Uran aus Gronau Richtung St. Petersburg verlassen hat, heute Helsinki passiert, forderte der finnische Premierminister als Reaktion auf den 30-minütigen Film einen Bericht über die Transporte von radioaktivem Material durch den Finnischen Meerbusen an. Damit tut sich für den Gronauer Urananreicherer Urenco eine potenziell neue Front auf. Gleichzeitig wurde bekannt, dass Bundesumweltminister Gabriel wegen des Uranmüllexports einem Treffen mit russischen AtomkraftgegnerInnen in Moskau zugestimmt hat.
Die Zeiten, wo der Uranmüll kurz hinter der deutsch-niederländischen Grenze auf dem Weg zum Rotterdamer Hafen im Nirvana verschwand, sind längst vorbei. Und der Widerstand trägt Früchte: So wurde das finnische Fernsehen im April auf die Urantransporte aufmerksam, die von Rotterdam zwischen Dänemark/Norwegen, Dänemark/Schweden und Finnland/Estland nach Russland fahren. Ein TV-Team kam Ende April nach Almelo/NL, um die Urenco und AtomkraftgegnerInnen aus Russland, den Niederlanden und Deutschland zu interviewen. Jetzt führt der Film offensichtlich zu ersten politischen Konsequenzen, die der Urenco und ihren deutschen Anteilseignern EON/RWE potenziell schweren Schaden zufügen können (und das im eigentlich sehr atomfreundlichen Finnland).

Dies ist nicht der erste Rückschlag für die deutsche Atomindustrie n Finnland in letzter Zeit. So weigerte sich letzte Woche die finn. Gemeinde Loviisa an EON ein Grundstück für den Bau des 6. finn. AKWs zu verkaufen, nun sorgen die ständigen Uranmüllfuhren per Schiff in Helsinki für Wirbel. Über den aktuellen Stand des Uranschiffs informiert unsere Webseite (dort auch Fotos von den Aktionen und der Verladung in Rotterdam).

Selbst Umwelt-Erzengel Gabriel muss sich nun mit dem Thema beschäftigen. Er traf letzte Woche bei einer UN-Konferenz in New York unvermutet auf Ecodefense-Mitglieder aus Moskau. Sofort wurde er auf den Uranmüllexport von Gronau nach Russland angesprochen. Gabriel gab immerhin zu, dass die Transporte ein Problem seien, meinte jedoch, alles sei legal. Schließlich versprach Gabriel, sich bei seinem nächsten Moskau-Besuch mit Ecodefense zu diesem Thema zu treffen - daran sollte er auf jeden Fall erinnert werden.

Auf juristischer Ebene ist Ecodefense diese Woche ebenfalls wieder tätig geworden. Nach einer netten Aktion von russischen, niederländischen und deutschen AtomkraftgegnerInnen zum Auftakt einer Urenco-Fachtagung in Almelo, reichte Ecodefense auch in den Niederlanden Strafanzeige gegen die Urenco ein, wegen des Verdachts auf illegalen Atommüllexport nach Russland. Eine ähnliche Anzeige läuft schon seit November 2006 in Münster. Im Februar konnte die Einstellung des Verfahren aufgrund starker öffentlicher Proteste vorerst verhindert werden.

Deswegen: Überlegt euch schon jetzt, wie und wo ihr beim nächsten Urantransport von Gronau beim Widerstand mitmachen könnt. Die Dinge sind in Bewegung geraten - geben wir dem Uranmüllexport den letzten Stoß !

Urantransporte stoppen - Urananreicherungsanlagen stilllegen !
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Ergänzungen