Neufeld (SH): Nazis den Ton abgedreht

Antifaschistisches Bündnis Dithmarschen 06.05.2007 19:58 Themen: Antifa
Gestern hat die Polizei mit einem Großeinsatz ein von etwa 170 Nazis besuchtes Konzert in der ehemaligen Gaststätte "Zur Börse" in Neufeld bei Brunsbüttel aufgelöst.
Gestern hat die Polizei mit einem Großeinsatz ein von etwa 170 Nazis besuchtes Konzert in der ehemaligen Gaststätte "Zur Börse" in Neufeld bei Brunsbüttel aufgelöst. Seit Dezember hatten sechs Konzerte der Nazis in Neufeld stattgefunden. Die Behörden hatten aber nichts dagegen unternommen, selbst ein Konzert der verbotenen Organisation "Blood & Honour" am 31. März war nicht verboten worden, obwohl die Polizei Kenntnis davon hatte. Nachdem beim letzten Konzert am 21. April Waffen, verbotene CDs und Bücher sowie Kleidung mit verbotenen Zeichen gefunden worden waren und nachdem über 200 Menschen vor einer Woche in Marne bei einer Kundgebung forderten, den Nazis den Ton abzudrehen, hat die Polizei endlich gehandelt und dem Treiben der Nazis in Neufeld zumindest vorläufig ein Ende gesetzt. Es bleibt zu hoffen, dass die Behörden auch zukünftige Konzerte verbieten.

Bisherige Indymedia-Artikel zum Thema:
 http://de.indymedia.org/2007/01/166371.shtml
 http://de.indymedia.org/2007/03/172130.shtml
 http://de.indymedia.org/2007/04/172373.shtml
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Ergänzungen

Presseberichte

muss ausgefüllt werden 06.05.2007 - 23:47
dpa/regioline 06.05.2007 07:18

NDR Info: Polizei löst illegales Skinhead-Konzert in Neufeld auf

Neufeld (dpa/lno) - Die Polizei hat in der Nacht zum Sonntag ein illegales Skinhead-Konzert in Neufeld (Kreis Dithmarschen) aufgelöst. Nach einem Bericht des Radiosenders NDR Info waren rund 500 Beamte der Bereitschaftspolizei an dem Einsatz beteiligt. Die etwa 150 Rechtsextremisten aus ganz Norddeutschland seien von der Aktion überrascht worden und hätten keinen Widerstand geleistet. Ein Polizeisprecher sagte dem Sender, der Einsatz solle zukünftige Konzerte Rechtsextremer in Neufeld verhindern. Der Ort soll nach Angaben des Verfassungsschutzes zu einem Treffpunkt der Szene geworden sein. Nähere Informationen gibt die Pressestelle erst am Mittag bekannt.


AFP - 06. Mai 2007 10:04 Uhr
Skinhead-Konzert bei Brunsbüttel aufgelöst

Hamburg - Mit einem Großeinsatz hat die Polizei in der Nacht zum Sonntag ein Skinhead-Konzert in der Ortschaft Neufeld nahe dem schleswig-holsteinischen Brunsbüttel beendet. Wie ein Sprecher der Polizeidirektion Itzehoe am Sonntagmorgen mitteilte, waren an dem Einsatz rund 500 Beamte der Bereitschaftspolizei beteiligt. Die etwa 150 Rechtsextremisten, die auch aus anderen Bundesländern angereist waren, seien völlig überrumpelt worden und hätten keinen Widerstand geleistet. Festnahmen gab es demnach nicht.

Der Einsatz wurde mit Gefahren für die öffentliche Sicherheit begründet. Bei dem Konzert wurden den Angaben zufolge unter anderem verbotene CDs verkauft. Zudem habe der Verdacht auf Verstöße gegen das Waffengesetz und die kommerzielle Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts bestanden. Zu konkreten Ermittlungsergebnissen wollte sich die Polizei zunächst aber noch nicht äußern.

Das Konzert hatte offenbar ursprünglich in Hannover stattfinden sollen, war dann aber von den Rechtsextremen kurzfristig in die kleine Ortschaft Neufeld verlegt worden. Dort hatte es in der Gaststätte "Zur Börse" laut Polizei bereits zuvor mindestens sechs ähnliche Veranstaltungen gegeben, von denen die Behörden teilweise aber erst im Nachhinein erfahren hatten. An deren Organisation waren auch verbotene Gruppierungen der sogenannten "Blood-and-Honour-Szene" beteiligt. Aufgrund dieser Erfahrungen sah die Polizei auch im aktuellen Fall akuten Handlungsbedarf.

Nach einem Bericht des NDR ist Neufeld mittlerweile zu einem Anlaufpunkt für Neonazis aus ganz Norddeutschland geworden. Der Sender beruft sich auf Informationen des Verfassungsschutzes. In der Ortschaft seien auch wiederholt Waffen, waffenähnliche Gegenstände und Propagandamaterial entdeckt worden.

Weitere Presseberichte

muss ausgefüllt werden 07.05.2007 - 12:29
SHZ vom 07.05.07
Nazi-Treff in Dithmarschen ausgehoben

Neufeld / sh:z - Neufeld - ein eigentlich verschlafenes Dorf im Kreis Dithmarschen, es ist 23.15 Uhr: 175 Rechtsradikale feiern "Geburtstag" in Neufeld, zur Musik der Gruppen Lumex, Apple Church, Sachsonia und SPQR aus Italien. Sie wähnen sich sicher, denn im Gegensatz zu den bisherigen Rechtsrock-Konzerten ist weit und breit keine Polizei zu sehen.

Doch das bleibt nicht lange so: Genau um diese Uhrzeit biegen über 100 Polizeifahrzeuge von der Bundesstraße 5 ab. 500 Polizeibeamte aus ganz Schleswig-Holstein sind auf dem Weg zu ehemaligen Gaststätte "Zur Börse". Eine Groß-Razzia ist geplant - mit dem Ziel, die "Börse" zu räumen und alles zu beschlagnahmen, was als Beweis dienen könnte, dass es sich nicht um eine private Geburtstagsfeier handelt, sondern um eine kommerzielle Veranstaltung - die rechtsextremistisches Gedankengut verbreiten soll. Ein Grund, die Konzerte verbieten zu lassen.

Den ersten Schritt in diese Richtung hatte die Polizei bereits am 21. April gemacht, nachdem der Nazi-Treff zum Schutzobjekt erklärt worden war. Das berechtigte die Beamten, Personen und Fahrzeuge zu kontrollieren und zu durchsuchen. Dabei wurden indizierte CDs, Waffen und andere gefährliche Gegenstände gefunden. Wie Polizeisprecher Michael Baudzus erklärte, gab es Hinweise, dass CDs und Genussmittel dort verkauft wurden, dass Eintritt in Form von Spenden erhoben wurde: "Das spricht gegen eine private Feier."

Der Einsatzleiter, Kriminaldirektor Dieter Böckel, Leiter der Bezirkskriminalinspektion Itzehoe, wird deutlicher: "Es können Bestrebungen konstatiert werden, die die nationalsozialistische Diktatur und Werteordnung glorifizieren, verharmlosen oder wiederzubeleben intendieren. Für die große Mehrheit der Bevölkerung ist es unerträglich, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung nunmehr in einem erheblichen Maße als gefährdet anzusehen ist."

Das bestätigt auch Gastwirt Peter Haje, der als einer der wenigen Anwohner den Großeinsatz der 500 Beamten hinter dem Schutz der Hochwasserwand verfolgt. "Prima, dass was gegen die Nazis passiert. Es war unheimlich. Alle haben Angst." Vor dem Konzert sei ein ganzer Bus voller Rechtsradikaler bei ihm eingekehrt, berichtet er. Auch eine Anwohnerin ist erleichtert: Schlimm sei es gewesen, die Nazis seien die Straße rauf und runter gefahren und man habe all die Glatzköpfe gesehen.

Generalstabsmäßig läuft der Polizeieinsatz ab: Die Beamten springen aus den Fahrzeugen, umstellen die alte "Börse", über Megafon werden die Skinheads aufgefordert, den Veranstaltungsort einzeln zu verlassen. In kleinen Gruppen werden die Konzertbesucher durchsucht, werden Personalien aufgenommen, Fotos gemacht. Michael Baudzus weiß: Von den 96 Neo-Nazis beim Konzert am 21. April sind mehr als 70 bereits strafrechtlich bekannt.

Die Skinheads werden von der Razzia überrascht. Die Beamten, darunter das Spezialeinsatzkommando (SEK) und die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE), haben die Lage im Griff. Nur ganz kurz skandieren die Neo-Nazis ihre Parole "Frei, sozial und national". 175 Platzverweise werden ausgesprochen - alle Konzertbesucher dürfen sich westlich der B 5 nicht mehr blicken lassen.

Ob auch diesmal Waffen und Propagandamaterial gefunden wurde, darüber machte Michael Baudzus gestern noch keine Angaben: "Die Ermittlungen dauern noch an."

Beate Meißner

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Dithmarscher Landeszeitung vom 07.05.07
Neufeld: Nazi-Treff ausgehoben
Groß-Razzia der Polizei bei illegalem Skinhead-Konzert

Von Beate Meißner

Neufeld – Hoffnung auf ein Ende des Nazi-Treffs in Neufeld: Die Polizei sammelte bei einem Großeinsatz Beweise, dass es sich um kommerzielle Veranstaltungen handelt.

Bisher handelte es sich bei den Konzerten der Neo-Nazis in der ehemaligen Gaststätte "Zur Börse" angeblich immer um private Geburtstagsfeiern. Doch seit dem 21. April hat die Polizei Hinweise darauf, dass es doch kommerzielle Veranstaltungen sein könnten, die als Mittel dazu dienten, rechtsextremistisches Gedankengut zu verbreiten. Kriminaldirektor Dieter Böckel aus Itzehoe sieht Bestrebungen, die nationalsozialistische Werteordnung so zu glorifizieren, zu verharmlosen oder wiederzubeleben.

500 Polizeibeamte aus ganz Schleswig-Holstein waren bis in den Sonntagmorgen im Einsatz, um alle 175 Konzertbesucher in der ehemaligen Gaststätte "Zur Börse" zu durchsuchen und erkennungsdienstlich festzuhalten.

Bei einer Groß-Razzia sammelten 500 Beamte in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag weitere Beweise und lösten ein illegales Skinhead-Konzert auf. Veranstalter war diesmal nicht die Nationale Aktionsfront Dithmarschen, sondern die Kameradschaft "Honour & Pride", die in Hannover keinen Raum gefunden und das Konzert mit vier Bands nach Neufeld verlegt hatte.

Die Aktion wurde bis zur letzten Minute geheim gehalten, die Skinheads waren von dem Einsatz überrascht und ließen sich widerstandslos durchsuchen. Personalien wurden festgehalten, alle Konzertbesucher fotografiert. Obwohl die Polizei geplant hatte, Straftäter in eine extra eingerichtete Gefangenenstrafstelle nach Brunsbüttel zu bringen, wurden "nur" 175 Platzverweise ausgesprochen. Das bedeutet, dass sich alle Konzertbesucher in diesem Bereich westlich der B 5 nicht mehr sehen lassen dürfen.

Über vier Stunden dauerte der nächtliche Einsatz, über dessen Erfolg oder Misserfolg Polizeisprecher Michael Baudzus gestern noch nichts sagen konnte. "Wir werden das auswerten, was wir gefunden haben", erklärte er, "die Ermittlungen dauern noch an."


Dithmarscher Landeszeitung vom 07.05.07
Razzia: Polizei löst Konzert auf
Hoffnung auf ein Ende des Neo-Nazi-Treffs in Neufeld

Von Beate Meißner

Neufeld – 500 Polizeibeamte aus ganz Schleswig-Holstein haben Sonnabendnacht ein illegales Skinhead-Konzert in der ehemaligen Gaststätte "Zur Börse" aufgelöst. Ihr Ziel: Derartige Veranstaltungen in Zukunft zu unterbinden.

Es ist 23.15 Uhr. 175 Rechte feiern "Geburtstag" in Neufeld, zur Musik der Gruppen Lumex, Apple Church, Sachsonia und SPQR aus Italien. Sie wähnen sich sicher, denn im Gegensatz zu den bisherigen Rechtsrock-Konzerten ist weit und breit keine Polizei zu sehen.

Doch das bleibt nicht lange so: Genau um diese Uhrzeit biegen über 100 Polizeifahrzeuge von der B 5 nach links ab. Eine Groß-Razzia ist geplant – mit dem Ziel, die "Börse" zu räumen und alles zu beschlagnahmen, was als Beweis dienen könnte, dass es sich nicht um eine private Geburtstagsfeier handelt, sondern um eine kommerzielle Veranstaltung – um rechtsextremistisches Gedankengut zu verbreiten. Ein Grund, die Konzerte verbieten zu lassen.

Den ersten Schritt in diese Richtung hatte die Polizei bereits am 21. April gemacht (wir berichteten), nachdem der Nazi-Treff zum Schutzobjekt erklärt worden war. Das berechtigte die Beamten, Personen und Fahrzeuge zu kontrollieren und zu durchsuchen. Dabei wurden indizierte CDs, Waffen und andere gefährliche Gegenstände gefunden. Wie Polizeisprecher Michael Baudzus erklärte, gab es Hinweise, dass CDs und Genussmittel dort verkauft wurden, dass Eintritt in Form von Spenden erhoben wurde: "Das spricht gegen eine private Feier."

Der Einsatzleiter, Kriminaldirektor Dieter Böckel, Leiter der Bezirkskriminalinspektion Itzehoe, wird deutlicher: "Es können Bestrebungen konstatiert werden, die die nationalsozialistische Diktatur und Werteordnung glorifizieren, verharmlosen oder wiederzubeleben intendieren. Für die große Mehrheit der Bevölkerung ist es unerträglich, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung nunmehr in einem erheblichen Maße als gefährdet anzusehen ist."

Das bestätigt auch Gastwirt Peter Haje, der als einer der wenigen Anwohner den Großeinsatz der 500 Beamten hinter dem Schutz der Hochwasserwand verfolgt. "Prima, dass was gegen die Nazis passiert", findet er und gesteht: "Wir haben wegen der Mauer zwar nicht viel gehört, aber es war unheimlich. Alle haben Angst." Vor dem Konzert sei ein ganzer Bus voller Rechter bei ihm essen gewesen. Eine Anwohnerin lobt die Razzia: "Das ist phantastisch, alles gut vorbereitet." Schlimm sei es gewesen, die Nazis seien die Straße rauf und runtergefahren und man hätte all die Glatzköpfe gesehen.

Generalstabsmäßig läuft der Polizeieinsatz ab: Die Beamten springen aus den Fahrzeugen, umstellen die alte "Börse", per Megafon werden die Skinheads aufgefordert, den Veranstaltungsort einzeln zu verlassen. In kleinen Gruppen werden die Konzertbesucher durchsucht, werden Personalien aufgenommen, Fotos gemacht. Michael Baudzus weiß: Von den 96 Neo-Nazis beim Konzert am 21. April sind mehr als 70 bereits strafrechtlich bekannt.

Der Einsatz verläuft friedlich, nur kurz skandieren die Neo-Nazis ihr "Frei, sozial und national". Die Beamten, darunter das Sondereinsatzkommando (SEK) und die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) haben die Lage immer im Griff, außerdem waren die Skinheads von der Razzia überrascht worden. 175 Platzverweise werden ausgesprochen – alle dürfen sich hier westlich der B 5 nicht mehr aufhalten.

Ob auch diesmal Waffen und Propagandamaterial gefunden wurde, darüber machte Michael Baudzus gestern noch keine Angaben: "Die Ermittlungen dauern noch an." Jetzt würde erst einmal alles ausgewertet, was gefunden wurde.

Von Hannover nach Neufeld

Hinter dem Konzert steckte diesmal nicht die Nationale Aktionsfront (NA) Dithmarschen, sondern die Kameradschaft "Honour & Pride", offensichtlich ein Nachfolger der verbotenen "Bloud & Honour"-Bewegung, Veranstalter ist Oliver Malina aus Liebenburg/Niedersachsen.

Organisiert werden musste der Großeinsatz ganz kurzfristig, nachdem die Polizei Hinweise erhalten hatte, dass ein in Hannover geplantes Rechtsrock-Konzert mangels Veranstaltungsort in den Norden verlegt werden sollte. Erst Sonnabendmittag stand fest: Das Konzert findet in Neufeld statt. Bis dahin waren es nur Vermutungen, die die Polizeimaschinerie aber schon in Gang setzten. "Wir haben alles hochgefahren", so Sprecher Michael Baudzus. Mit 250 bis 300 Konzertbesuchern sei gerechnet worden, 180 Ordner sollten von der Kameradschaft gestellt werden. Informationen, die erst am Sonnabend um 18.15 Uhr einliefen.

taz-Artikel

taz 07.05.2007 - 12:42
taz Nord vom 7.5.2007

Polizei-Großaufgebot beendet Nazi-Konzert

500 Beamte sprengen im Kreis Dithmarschen eine Rock-Veranstaltung mit 200 Rechten. Offenbar sollte hier im Örtchen Neufeld ein neuer Szenetreff entstehen. Die Polizei spricht von gewaltbereiter Klientel

In der Nacht zum Sonntag hat ein Großaufgebot der Polizei ein Rechtsrockkonzert im schleswig-holsteinischen Neufeld (Kreis Dithmarschen) beendet. Um 20 Uhr hatten sich rund 200 Neonazis in dem kleinen Ort versammelt. Sie wollten in der "Börse" vier Neonazibands erleben, darunter "Sachonia" aus Deutschland und "SPQR" aus Italien. Keine drei Stunden später war die vermeintliche Geburtstagsfeier in der gemieteten Gaststätte beendet.

500 Polizisten und Sondereinsatzkräfte waren angerückt und hatten sogar einen Wasserwerfer mitgebracht. Es handele sich um ein "sehr gewaltbereites Klientel", begründete Polizeisprecher Michael Baudzus das Aufgebot. Bereits im April hatte die Polizei bei einem Konzert in der "Börse" festgestellt, dass von rund 100 Besuchern 70 strafrechtlich bekannt waren - auch wegen Körperverletzung. Waffen, Baseballschläger und indizierte Rechtsrock-CDs wurden damals beschlagnahmt.

Am Samstag nun umstellte die Polizei das Gebäude, über dem eine schwarz-weiß-rote Fahne wehte. Daneben: ein Transparent mit der Aufschrift "Den roten Sumpf trocken legen - Linksradikale Strukturen zerschlagen". Zwei Polizeischeinwerfer leuchteten das Gelände aus. "Die Veranstaltung ist beendet", erklärten die Uniformierten über Megaphon. Ohne Widerstand verließen die im Szenelook ausstaffierten Gäste das Gebäude: eigens für den Abend rasierte Glatzen, frisch blondierte Mähnen, ein Bier in der Hand. Einige riefen "Frei - sozial - national!" Die Polizei durchsuchte die Konzertgänger und stellte deren Personalien fest.

Bis zu dem Polizeieinsatz dürfte Veranstalter Oliver M. geglaubt haben, er könne das öffentliche Konzert unter dem Deckmantel einer privaten Feier durchführen. Der Polizei hatte er vorab angekündigt, 18 Ordner zu stellen, die mit dem Shirt "Honour & Pride" gekennzeichnet seien. Nicht nur das Logo dieser seit einigen Jahren bestehenden Gruppe erinnert an das verbotene Neonazi-Netzwerk "Blood & Honour".

Schon bei dem Konzert im April hatte die Polizei beobachtet, dass Eintritt in Form von Spenden genommen und Getränke gegen Bezahlung ausgeschenkt wurden. Auch seien CDs vertrieben worden. Damit liege eine kommerzielle Veranstaltung vor, die Auflagen wie Baubestimmungen und Schankkonzession unterliege. Am Samstag nun stellte Polizeieinsatzleiter Dieter Böckle zudem "Bestrebungen" unter den Besuchern fest, "die die NS-Diktatur und Wertvorstellungen glorifizieren, verharmlosen oder ihre Wiederbelebung intendieren".

Die "Börse" war im vergangenen halben Jahr bereits siebenmal Treff von Skinheads auch aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfallen. Im nahen Neumünster besteht seit zehn Jahren das Neonazizentrum "Club 88" - einen weiteren Sammelpunkt in Neufeld wollen die Behörden offenbar verhindern. Zwei "Kameraden" wohnten in der "Börse", sagt ein Anwohner. Tagsüber sei wenig los, doch "man weiß ja nie, was da passiert". Morgen will die Polizei ihre Ermittlungsergebnisse vorstellen. ANDREAS SPEIT

Blick nach Rechts

muss ausgefüllt werden 07.05.2007 - 18:25
Blick nach Rechts
www.bnr.de
In den Fußstapfen von "Blood & Honour"

Polizei löst braunes Konzert auf – Mieter der ehemaligen Gaststätte ist ein bekannter Rechtsextremist.

In der kleinen Gemeinde Neufeld bei Brunsbüttel hat die Polizei ein Rechtsrock-Konzert aufgelöst. Angesagt hatten sich in Schleswig-Holstein die Bands "Sachsonia" (Dresden), "Lumex", "Apple Church" und SPQR (Rom). Die Abwicklung lag nach Informationen der "Dithmarscher Landeszeitung" in den Händen von Oliver Malina aus dem niedersächsischen Liebenburg. Dieser wollte das Konzert zunächst in Hannover über die Bühne gehen lassen, fand aber keinen geeigneten Ort dafür, so dass innerhalb weniger Stunden das Event ins benachbarte Bundesland verlegt wurde. Dabei trat als Ausrichter eine Organisation namens "Honour & Pride" auf – die Ähnlichkeit zur verbotenen "Blood & Honour"-Bewegung dürfte nicht zufällig sein! Dementsprechend laufen jetzt auch Prüfungen der Ermittlungsbehörden, wurden doch von Ordnern T-Shirts mit entsprechendem Schriftzug getragen.

Bei der Razzia in der ehemaligen Gaststätte "Zur Börse" in Neufeld traf die Polizei insgesamt 175 Besucher der rechten Szene an, die alle Platzverweise erhielten und ihre Personalien abliefern mussten. Die Beamten sicherten reichlich Beweismaterial. Dies soll jetzt den Nachweis bringen, dass es sich entgegen der Behauptungen der "Macher" aus dem rechtsextremen Lager bei den Neufeld-Aktivitäten um keine privaten Feiern handelt. Bereits bei Kontrollen einer Konzertveranstaltung am 21. April zeigte sich, dass es einen CD-Handel gab und dass von Teilnehmern "Spendengelder" kassiert wurden. Zudem fand die Polizei diverse Waffen. Die behördliche Auswertung vom 21. April ergab, dass über 70 Prozent der rechtsgerichteten Besucher strafrechtlich bereits in Erscheinung getreten waren.

Rund um den Treffpunkt in Neufeld schart sich die "Nationale Aktionsfront Dithmarschen", die kürzlich bei der NPD-Demonstration zum 1. Mai in Bad Bramstedt mit eigenen Transparenten mitmarschierte. Das derzeitige Mietverhältnis für das Objekt in Neufeld ist nach Polizeiauskunft seit dem 1. November auf Tim Schatowitz ausgewiesen. Dieser stellt die Räumlichkeiten immer wieder für Konzerte zur Verfügung. Darunter befand sich auch ein offenkundiger "Blood & Honour"-Ableger Ende März.

Schatowitz wird seit vielen Jahren im Verfassungsschutzbericht von Schleswig-Holstein geführt, weil er von Burg/Dithmarschen aus einen Versandvertrieb mit rechtsextremer Literatur betreibt. Dabei hat er in den vergangenen Jahren mehrmals den Firmennamen gewechselt, was zum Teil auch mit Insolvenzen verbunden war. Mal nannte sein Handel sich VTS, mal Buchdienst Nord, mal Mediengemeinschaft Nord, zuletzt Dr. Axmann Buchgesellschaft und neuerdings laut Verfassungsschutz Faktum Verlag GmbH.

Horst Freires

DLZ: Kreis untersagt Veranstaltungen

muss ausgefüllt werden 08.05.2007 - 11:16
Dithmarscher Landeszeitung vom 08.05.07

Nichts geht mehr in der "Börse"
Bauordnungsrecht nicht eingehalten: Kreis untersagt Veranstaltungen

Von Beate Meißner

Neufeld – Wieder einen Schritt weiter, damit sich in der ehemaligen Gaststätte "Zur Börse" keine Neo-Nazis mehr treffen. Diesmal sind Bauvorschriften der Grund.

Mit sofortiger Wirkung hat der Kreis Veranstaltungen in der ehemaligen Gaststätte "Zur Börse", die sich in den vergangenen Monaten zu einem Nazi-Treff entwickelt hat, untersagt. Eigentümer Walter Ruesch aus Süderheistedt hat einen entsprechenden Bescheid erhalten; das Schreiben hat Landrat Dr. Jörn Klimant am Donnerstagabend unterschrieben.

Vorausgegangen war ein Ortstermin, nachdem ein Gespräch des Landrates mit dem Eigentümer ohne Erfolg geblieben war (wir berichteten). Vertreter des Kreises schauten sich die Räume an, die Ruesch nach Polizeiangaben an einen bekannten Burger, Betreiber eines rechtsextremistischen Verlages, vermietet hat, und stellten fest, dass diverse Baugesetzregelungen nicht erfüllt werden. Als einziges Beispiel nannte Kreispressesprecher Udo Christiansen die fehlenden Notausgänge. Er gab aber zu: "Da ist einiges zu erfüllen." Erst wenn das geschehen sei, dürften hier wieder Veranstaltungen stattfinden. Die Nutzungsgenehmigung als Gaststätte sei inzwischen erloschen.

Der Frage, ob es sich bei den Rechtsrock-Konzerten um private Feiern oder kommerzielle Veranstaltungen handelt (was für den baurechtlichen Bescheid des Kreises keine Rolle spielt), geht auch die Polizei nach ihrer Groß-Razzia am Wochenende nach. Bereits nach dem Konzert am 21. April hatten ihr darauf Hinweise vorgelegen. Ob der Einsatz in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag diese erhärtet hat und ob Waffen, verbotene Gegenstände und rechtsextremistisches Propagandamaterial gefunden wurde, darüber gab die Pressestelle der Polizeidirektion Itzehoe auch gestern noch keine Auskunft. Pressesprecher Hermann Schwichtenberg betonte aber: "Die Verfügung des Kreises hat bei unserer Aktion keine Rolle gespielt." Es sei nur bekannt gewesen, dass sie rausgegangen sei.

Bereits bei der Kundgebung am 28. April hatte die Nationale Aktionsfront (NA) Dithmarschen ganz klar erklärt: "Neufeld bleibt." Angekündigt wurden vom Veranstalter, David Tiedje, Vorstandsmitglied des NPD-Kreisverbands Dithmarschen/Steinburg/Pinneberg, weitere Aktionen in Büsum, Neufeld, Heide und Friedrichskoog. Es bleibt also abzuwarten, ob die Neo-Nazis nach der Razzia und dem Bescheid des Kreises Neufeld wirklich endlich den Rücken kehren.

Der Nazi-Treff spielt auch im Verfassungsschutzbericht 2006 der Landesregierung eine Rolle. Ganz klar wird gewarnt: "Neben der Stabilisierung der vorhandenen Szene besteht mit der Durchführung der Konzerte die Gefahr, dass politisch noch nicht gefestigte Jugendliche an den Rechtsextremismus herangeführt werden könnten. Die Szene ... wird ein Beobachtungsschwerpunkt des Verfassungsschutzes bleiben."

DLZ: Keine Angaben der Polizei

DLZ 09.05.2007 - 15:43
Dithmarscher Landeszeitung vom 09.05.07

Groß-Razzia: Keine Angaben der Polizei

Neufeld (ate)

Eigentlich wollte die Polizeidirektion Itzehoe Mitte der Woche die Ergebnisse der Groß-Razzia am Wochenende bei dem illegalen Konzert in der ehemaligen "Börse" in Neufeld bekannt geben. Doch wie Pressesprecher Michael Baudzus gestern mitteilte, würden aus taktischen Gründen nun doch keine Angaben darüber gemacht, was bei der Durchsuchung der ehemaligen Gaststätte und der 175 Konzertbesucher sichergestellt wurde. Man möchte sich nicht in die Karten schauen lassen und für das weitere Vorgehen in dieser Sache gewappnet sein. Das "Was" in der Polizeiaussage impliziert aber immerhin, dass etwas gefunden wurde. 500 Polizeibeamte hatten in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag das Konzert aufgelöst und 175 Platzverweise erteilt.

Bei Personen- und Fahrzeugkontrollen während eines Konzertes am 21. April hatte die Polizei unter anderem Waffen und ähnliche gefährliche Gegenstände, indizierte CDs und Propagandamaterial der Neonazis entdeckt und beschlagnahmt.

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