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Kein Vergessen - 69.Jahrestag der Umbenennung

Bündnis Kein Vergessen 06.05.2007 15:45
Berlin Marzahn-Hellersdorf:
69.Jahrestag der Umbenennung von Straßen in Mahlsdorf und Kaulsdorf, welche urspr. jüdische Namenspatronen hatten.
Im Zuge der, während des Nationalsozialismus, eingeleiteten Pogrome gegen Jüdinnen und Juden, wurden am 16.Mai 1938 in Mahlsdorf und Kaulsdorf Straßen umbenannt, welche die Namen jüdischer KünstlerInnen trugen. Als ursprüngliche Namenspatronen sollten diese Menschen und ihr Wirken gewürdigt und an sie erinnert werden. Diese Würdigung wurde von den Nazis aus dem öffentlichen Straßenbild getilgt und ist Teil des deutschen Antisemitismus, der in den Gaskammern von Auschwitz und der Vernichtung von über sechs Millionen Jüdinnen und Juden seinen Höhepunkt fand.

Im Februar 2007 begann eine vom Bündnis Kein Vergessen organisierte Kampagne mit dem Ziel die Straßenumbenennungen in die Öffentlichkeit zu rücken und die Würdigung der jüdischen KünstlerInnen wieder herzustellen.

Auf einer Diskussionsveranstaltung am 15.02.07 in der Alice-Salomon-Fachhochschule konnte die Thematik erstmals sachlich und angemessen diskutiert werden, indem die historischen Hintergründe und die politische Bedeutung benannt wurden. In den vorangegangenen Jahren waren ausschließlich mögliche anfallende Kosten für den Bezirk, aber vor allem für die AnwohnerInnen Inhalt der Diskussionen. Die Aufarbeitung der Naziverbrechen kann niemals an den Kosten für die Nachkommen der TäterInnen scheitern (zumal hier ausschließlich unbedeutende Kosten für den Bezirk anfallen).

Durch Plakate, Infostände und eine Kundgebung am 17.02.07 am S-Bhf. Mahlsdorf, sowie das Stecken und Verteilen von Flugblättern und einer Infobroschüre (mit Hintergründen zu den Umbenennungen, Informationen zu den jüdischen KünstlerInnen, etc.) in den betroffenen Straßen wurden die AnwohnerInnen über die politische Bedeutung informiert und die Rückbenennung der Straßen gefordert.

Im März brachten die Grünen, das Thema in die Bezirksverordnetenversammlung von Marzahn-Hellersdorf ein, indem sie einen Antrag stellten, in dem das Bezirksamt ersucht wird eine Liste mit den Straßen zu erstellen, die während des NS aus rassistischen und ideologischen Gründen umbenannt wurden. Außerdem sollte das Bezirksamt Vorschläge zum Umgang mit den betroffenen Straßen erstellen. Dabei war den Grünen offensichtlich nicht bewusst, dass solch eine Liste bereits seit der letzten Wahlperiode existiert und die Verordneten selbst in der Lage sein sollten sich anhand der bekannten Fakten eine Meinung über den Umgang mit diesen Straßen zu bilden. Der Antrag wurde in einen Ausschuss überwiesen.

Damit die nun folgende Diskussion nicht im Ausschuss hängen bleibt, veranstaltet das Bündnis Kein Vergessen am 16.Mai’07, dem 69.Jahrestag der Straßenumbenennungen, eine öffentliche Diskussionsveranstaltung mit u.a. Klaus Jürgen Dahler (Linkspartei, BVV-Fraktionsvorsitzender), Klaus Metz (SPD, BVV-Fraktionsvorsitzender) und Ernst-Gottfried Buntrock (Die Grünen, Bezirksmitglied). Dabei soll konkret die Frage der Straßenrückbenennung diskutiert werden. Nun wird sich zeigen wie weit die Marzahn-Hellersdorfer SPD und Grünen einem würdigem Umgang mit diesem Teil deutscher Geschichte begegnen und ob die lokale Linkspartei ihr Wahlversprechen, die Straßen wieder nach ihren ursprünglichen jüdischen Namenspatronen zu benennen, endlich einlöst.

Bereits am 10.Mai findet in der Alice-Salomon-Fachhochschule die Infoveranstaltung „Kritik des Antisemitismus in der DDR“ statt. 1995 wurden die Straßenumbenennungen erstmals in den öffentlichen Fokus gerückt. Die unzureichende Auseinandersetzung mit Antisemitismus, nicht zuletzt begründet im staatlich verordneten Antifaschismus der ehemaligen DDR, führte dazu, dass die Problematik über 50 Jahre nicht thematisiert wurde. Referent ist der Historiker Dr. Harry Waibel.

10.05. - Infoveranstaltung Kritik des Antisemitismus in der DDR
19Uhr - Audimax Alice-Salomon-Fachhochschule - U-Bhf. Hellersdorf

16.05. - Diskussionsveranstaltung
19Uhr - Altes Marzahner Rathaus - Helene-Weigel-Platz

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Wir fordern nichts weiter, als die Wiederherstellung der Würdigung der jüdischen KünstlerInnen durch die Rückbenennung der sieben betroffenen Straßen, die alle durch Schilder darüber informieren sollen, das es mehr als 69 Jahre gedauert hat, bis Heinrich Heine, Jacques Offenbach, Gustav Mahler, Giacomo Meyerbeer, Jakob Ludwig Felix Mendelssohn und Max Liebermann wieder Namenspatronen für Straßen in Mahlsdorf und Kaulsdorf wurden.

Gegen jeden Antisemitismus!


Bericht zum Auftakt der diesjährigen Kein Vergessen Kampagne:
 http://de.indymedia.org/2007/02/168647.shtml

Weitere Informationen unter:
 http://www.kein-vergessen.de
 http://www.kein-verstecken.de
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