30. April 07 - Köln - "Vorabend der Revolution"

miss piggy 04.05.2007 18:47 Themen: Freiräume G8 Soziale Kämpfe
Am 30. April fand in Köln die "Vorabend der Revolution - Demo" statt. Hier ein kleiner Bericht dazu.
Am 30. April fand in Köln die "Vorabend der Revolution - Demo" statt. Hier ein kleiner Bericht dazu.

Um 18:50 am Walraf Platz angekommen waren noch kein Mensch zu sehen. Gegen 19 Uhr tauchte eine Gruppe von ungefähr 15 schwarzvermuten
mit einen Transpa ("Keine Macht für Niemanden") auf. Von der Gruppe wurde ein kurzer Redebeitrag gehalten, in dem neben der Ea-Nummer verkündet wurde, dass die Demo soforft starten würde.
Die anwesende Polizei schien schlecht vorbereitet zu sein, so eilten direkt 2 Wannen herbei, die versuchten die Schildergasse (Haupteinkaufsstraße in Köln und Tabu-Zone für Demos) dicht zu machen.
Die inzwischen auf 30 bis 40 Leute angewachsende Demo setzte sich in Richtung Schildergasse in Bewegung. An der Bullenkette, die neben den Wannen errichtet worden war, angekommen, gab es ein kleines Gerangel beim dem ein etwas dickerer Polizist seine Aggressionen mit Faustschlägen auf die erste Reihe austoben durfte.
Die Demo wendete nach rechts ab und zog in schnellen Tempo Richtung Breite Straße weiter. Die eingesetzten Schreibtisch-Bullen hatten größere Schwierigkeiten der Demo zu folgen. Leider wie sich später rausstellen sollte hatten auch einige verspätete Demonstrationsteilnehmer (40-50) ebenfalls Probleme hinter der Demo her zu kommen.
Nunja man rannte die Breite Straße bis zur Ehrenfelder Straße (Innenstadt), dort wurde ein Flugblatt verteilt in dem über die Leiharbeitsfirma Randstad informiert wurde. In dem Flugblatt hieß es: "...Der Sinn der Personal Service Agenturen wie Randstad ist das Herausdrängen von Langzeitarbeitslosen (nach mehreren Monaten Erwerbslosigkeit) aus dem Leistungsbezug,
Absenkung des Arbeitslosengeldes, Terrorisierung der erwerbsfähigen SozialhilfebezieherInnen....Die privaten Zwangsarbeits-Agenturen haben die Aufgabe, einen Niedriglohnsektor zu schaffen. Zeitarbeit verbindet als sozialversicherungspflichtige Beschäftigung marktwirtschaftliche Lösungen mit sozialer Sicherheit, was mit "Flexicurity" umschrieben werden kann,¬ so die Polit-Slogans der Hartz-Gesetzgeber. Dass der DGB dabei durch zwei Zeitarbeitstarifverträge Stundenlöhne von 6,85 Euro festgelegt hat, ist eine unglaubliche Schweinerei, denn ohne diese Tariflöhne könnte wegen Lohnwuchers geklagt werden.
So bleibt das Recht, trotz Arbeit zu verhungern!"
Nach der Verteilung der Flugis wurde das Tempo der Demo nochmals beschleunigt, so dass die Bullen kurz davor waren auf ihre Schnauze zu fallen. Im vollen Sprinttempo ging es dann an Randstad (Ehrenstraße) vorbei und schwups folgen einige Farbeier auf das Randstad Büro. (siehe Foto)
Anschließend ging es weiter Richtung Ringe. Inzwischen versuchten die Bullen die Demo zu stoppen, was ihnen zuerst aber nicht gelang. Auf den Ringen (Nähe Friesenplatz) angekommen wurde ein weiteres Flugblatt verteilt. In diesem ging es um den Haus- und Grundbesitzerverein in Köln.
Das Flugblatt griff die Lobbyarbeit des Vereins an: "Hinter Wörtern wie ´Stadtplanung` und ´Wohnfeldverbesserung` verbergen sich auch die Vertreibung von Menschen, die „nicht ins Stadtbild passen“, Zerschlagung oder Behinderung selbst organisierter Freiräume oder einfach gesagt die gezielte Steigerung von Mieten/Grundstückpreisen, um noch mehr Gewinn aus dem jeweiligen Eigentum zu schlagen. Wenn preiswerter Wohnraum knapp wird, heißt es nicht neu bauen, sondern weiter „modernisieren“ und Preise anziehen. „Es lohnt sich zurzeit einfach nicht zu bauen“, sagte Reiner Sieben vom Haus- und Grundbesitzerverein, und das trotz fehlender Sozialwohnungen und erheblich steigender Mietpreisen vor allem für kleinere Wohnungen....."
Zudem wude die vom Haus- und Grundbesitzterverein mitinitierte KASA (Kölner Anti-Sprayer Aktion) kritisiert.
Kurz vor dem Haus- und Grundbesitzervereins Gebäude konnte die Bullerei die Demo stoppen. Mehrere Demonstrationteilnehmer konnten von den Bullen auf den Boden gezerrt werden und die übrigen Demo-Teilnehmer stoppten daraufhin die Demo. Die Polizei stellte die Personalien vieler Demoteilnehmer fest und erteilte einen Paltzverweis für die gesamte Innenstadt.
Damit war die Demo erstmal beendet, jedoch am Abend sollte noch eine G8-Soli-Party im Sonic Ballroom stattfinden. Also auf zum Sonic Ballroom. Dort angekommen verwies ein Zettel darauf, dass die Soli-G8-Party auf dem Bauwagenplatz "Wem gehört die Welt" stattfindet. Nunja, man ist mobil, also auf zum Bauwagenplatz. Dort hatten sich ungefähr 80 bis 100 Personen schon eingefunden und lauschten dem Konzi von 2Luhd.
Nach dem Konzi wurde über das ganze Hickhack aufgeklärt. Gleichzeitig zur Demo gab es in Köln-Ehrenfeld den Versuch ein Haus zu besetzen, was aber gescheitert war und weswegen die Party nun auf dem Baui stattfand. Zudem soll gleichzeitig zur Demo das Verwaltungsgebäude der Telekom an der Inner Kanalstraße mit dem Spruch "Ausbeutung lohnt nicht!" verschönert worden sein, um auf die aktuelle Lohnkürzungspolitik des Konzerns hinzuweisen.

Im großen und ganzen zwar eine sehr chaotische aber dafür in Kölle mal eine etwas andere Art von Demo als die üblichen Schnarchveranstaltungen.
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Ergänzungen

keine auflösung?

linksanwalt 05.05.2007 - 12:27
der bericht hört sich so an, als wären die bullen nicht gerade regelkonform vorgegangen. auch eine unangemeldete demo muss erstmal aufgelöst werden, wenn das denn aus sicht der polizei unbedingt nötig ist. und dann muss man den leuten schon eine chance geben, von selbst zu gehen, bevor man ihnen platzverweise erteilt. ein platzverweis für die ganz innenstadt dürfte auch in nrw höchstens zur verhinderung unmittelbar bevorstehender straftaten erlaubt sein. die teilnahme an einer unangemeldeten demonstration ist aber keine straftat.

der linksanwalt eures vertrauens würde den bullen sicher gerne eine niederlage vor gericht bereiten.

ziellos ins Abseits

Muppet Opa 06.05.2007 - 00:03
... von der berichteten Aktion bleibt ein Gefühl der Beklommenheit: ein paar Leute, die nicht wissen, wo sie hinwollen, und sich wundern werden, so sie landen. Geht's darum, Protest so zu gestalten, dass möglichst wenige mitmachen? Auf der DGB-Demo am 1. Mai waren ein paar Tausend mehr als letztes Jahr: so sechstausend. Fade Latschdemo, bringt nichts? Oder gibt es da nicht ein Potenzial der Radikalisierung? Kinderspiele mit dem einzigen Sinn der Selbstaufgeilung jedenfalls sind jenseits aller Perspektive. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens ein halbes Dutzend der TeilnehmerInnen mehr Luft hat als nur für ein paar Jahre Revolutionsspielerei.

andere Ansicht

Montagsdemonstrant 06.05.2007 - 16:35

Meine Sichtweise der Demo ist schon etwas anders: Auf der Montagsdemo erfuhr ich von einem Mitdemonstrant leider erst von der Vorabend-Demo. Hier auf Indymedia stand der Termin leider nicht auf der Terminliste. Schade! Im Nachhinein habe ich im Agnesviertel mehrere Plakate hängen sehen, aber leider zu spät. Macht nichts, bin trotzdem (unvorbereitet) mitgelaufen.
Während der Montagsdemo (Kundgebung) konnte ich beobachten, dass gegen 18:45 vier Einsatzwagen auf dem Walrafplatz vorfuhren. Kurz darauf bin ich mal schauen gegangen, konnte aber keine Demonstranten entdecken. Kurz vor 19Uhr kam dann eine Gruppe schwarz gekleideter Demonstranten (ca.20Leute) + 2 Demosanis vom Roncaliplatz aus. Diese verweilten eine Weile bei der Montagsdemo, wobei sie von der Moderatorin begrüßt wurden. Zugleich kritisierte diese dann auch die Gruppe (einzelne kannte sie wohl vom sehen her noch von früheren Montagsdemos), dass sie nicht an den Montagsdemos teilnehmen. Für diese Kritik möchte ich mich entschuldigen. Bitte fasst das nicht negativ auf: Die Moderatorin beteiligt sich schließlich genausowenig an euren Demos!
Gegen 19Uhr war die Montagsdemo dann beendet und einige Montagsdemonstranten schlossen sich dann der Vorabenddemo an. Kaum dort angekommen, wollte die Gruppe auch schon sofort losmarschieren. Hier ist mein erster Kritikpunkt: Man hätte ruhig noch etwas warten können. Vielleicht (wie auch beschrieben) kommen ja noch welche. Irgendwer kommt schließlich immer zu spät.
Beim ersten Zwischenfall (Polizei blockiert mit zwei Kleinbussen die Schildergasse), wo es zu kleinen Rangelleien mit den Polizisten und der Demospitze kam, hatten dann leider einige der Montagsdemonstranten schon genug. Die Aktion war ja auch unnötig, da es offensichtlich ist, dass man uns nicht durchlassen würde. Aber deshalb breche ich nicht die Teilnahme an der Demo natürlich nicht ab. Man hätte auch einfach links und zweimal rechts 'sprinten' können (am 'Früh' vorbei) und wäre auch auf der Schildergasse ;). Jedenfalls waren wir dann nur noch drei Montagsdemonstranten, die an der Demo teilnahmen. Die Flyeraktion mit Randstad hab ich noch mitbekommen! Das mit den Farbeiern allerdings nicht.
Als wird auf den Ringen ankamen, spielten sich die Ereignisse meiner Auffassung nach folgendermaßen ab: Wir marschierten auf den Ring von Friesenplatz ein Stück Richtung Christophstraße. Die Polizei riegelte dabei die linke Straßenseite ab (es eskortierten uns drei Kleinbusse, ein Kombi und Fussstreifen, alle links von uns. Zwei Bannerträger wollten zwischen dem Polizeikonvoi auf die linke Straßenseite gelangen. Der zweite Bannerträger wurde festgehalten (erste war schon durch, klammerte sich aber am Banner fest) und zurück in den Demozug gezerrt. Kurz nach dieser Aktion durchbrach eine größere Gruppe den Polizeikonvoi ein oder zwei Fahrzeuge weiter vorne, wo dann der Rest folgte. Wir liefen in der Gruppe auf den Bürgersteig und jemand rannte so ein doppeltes Klapp-Aufstellwerbeschild vor einer Videothek um. Daraufhin kam es zu übergriffen, wo die Polizei sich durchsetzte, die Demonstranten teilweise zu Boden warf oder festhielt und die Personalien von allen fordete. Vorgeworfen wurde einem Demonstrant, wie ich mit einem Ohr mitbekam, die 'Beteiligung an einer illegalen Demo', was sicher juristisch nicht haltbar ist. Wir Montagsdemonstranten wurden nicht nach Personalien gefragt, weil wir wohl nicht schwarz gekleidet waren(?), und standen mitten im Geschehen.
Dass es sich bei dieser Aktion gegen den Haus- und Grundbesitzervereins richten sollte, bekam ich allerdings nicht mit. Ich persönlich fand (Kritikpunkt 2) das rasche Demoende unnötig (Aktion mit dem Werbeschild) und hätte gerne noch weiter demonstriert. Es kam mir ein bisschen kindisch vor, als ob man die Polizisten absichtlich reizen wollte (mit den Durchbrechen des Konvois anstatt eben noch mal einen Sprint anzusetzen). Diese waren meiner Meinung nach aber überaus friedlich. Wenn Sie wirklich auf Streit ausgewesen wären, wären sie sicher schon von Anfang an in Ihrer dunkengrünen Kampfmonteur aufgetaucht, wie man es sonst gewohnt ist. Da tut ihr ihnen unrecht. Dass, wie beschrieben, die Polizisten nach den Sprints aus der Puste waren, kann ich auch nicht bestätigen. Als die Lage vor der Videothek fast schon geklärt war, rief einer per Funk noch (unnötigerweise) Verstärkung, die dann mit Sonderwegerechte unnötigerweise auch noch eintraf, wo schon längst alles geklärte war. Die Polizei hatte sich das so sicher auch nicht vorgestellt und mit einem friedlicheren Ausgang gerechnet. Das war wirklich kindisch (von beiden Seiten)!

Grundsätzlich habe ich aber gegen diese 'härtere' Demoart nichts und würde mich freuen, wenn man sowas öfters machen würde zusätzlich(!) zu den langweilige Latschdemos (die Teilnahme an der einen Demo, schließt die an den anderen nicht aus!). Dass man aber mit den paar Leuten keine 'Revolution' machen kann, sollte auch klar sein! Ansonten finde ich den Aufruf goldrichtig! Er hatte jedenfalls ein transzendierendes Moment, im Gegensatz zu den üblichen Anti-Sozialabbaudemo, die nur (aber dennoch berechtigterweise!) Verbesserungen innerhalb des kapitalistischen Verblendungszusammenhangs fordern! Die Kritik am DGB und den sogenannten Vertretern der Arbeiterklasse unterstreiche ich voll. Sie kommt leider viel zu selten!


blub

Böse 06.05.2007 - 21:55
Das Demo Ende hätte nicht sein müssen jedoch konnten so interessierte Passanten informiert werden.
Die Passanten die das Geschehen beobachteten waren größten Teils sehr interessiert.

Ehrenfelder Straße

Stuhlfauth 07.05.2007 - 21:27
Die erwähnte Ehrenfelder Straße gibt es in Köln nicht. Gemeint ist vermutlich die Ehrenstraße. Gibt es denn keine Ortsansässigen unter euch? Zwar nebensächlich, aber rgendwie auch peinlich... Da kannste dran fühlen.

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