Nachlese: Revolutionärer 1.Mai 2007 in Berlin

Autor 02.05.2007 20:11 Themen: Antifa Soziale Kämpfe
Dieses Jahr wurde in Berlin der 20. Jahrestag des "Kreuzberger Auftandes" von 1987 auf vielfältige Wiese begangen. Trotz eher unspektakulärer Abendlicher Scharmützel mit den Bullen bleiben die Berliner Maifeiern dank unzählieger Demostrationen, Feste und Konzerte ein spannendes, attraktives und durchaus politisches Event. Für alle die sich nur für Zahlen interessieren hier kurz meine Einschätzung:

Boxi-Fest: ca 2000
Top-Demo: ca 600
13 Uhr - Demo: ca. 800
Mayday: 6000 - 8000
Revolutionäre 1.Mai-Demo: 8000 - 10 000
Vorabend-Demo:

Begannen hat der revolutionäre 1.Mai wie immer am Vorabend. Neben dem schon zum dritten Mal stattfindenen antikapitalistischen Fest gegen "Yuppieisierung und Umstrukturierung" der Berliner Anti Nato Gruppe (BANG) am Boxnehagener Platz fand auch eine Demo des bundesweiten "ums ganze" Bündniss unter dem Motto "reduxe to the maxx - just communism" statt. Die als Versuch mit der "Revolutionsimulation" der revolutionären Maidemos zu brechen gestartete Demo war dann leider trotz Interessanter Ansätze ziemlich lahm. Was zum einen an der geringen Teilnehmerzahl liegt, die zwischen 300 und 600 pendelte, andererseits aber auch daran das eher ein abgeklärtes Antifapublikum da war, das sich zu Schade war Sprechchöre zu rufen und auch sonst keine Anstalten machte sich zum Larry zu machen. Von dem in diesen Kreisen gesporteten Hooligan-Flair war jedenfalls nix zu spüren, ausser den Klamotten. Spontanität und Stimmung fehlten völlig. Zwar wurde mensch dafür als Gegenleistung mit unterhaltsamer Musik und recht intersannten Redebeiträgen beschallt, die aber als MP3 Download sinnvoller gewsen sein. Wer glaubt eigentlich durch ne Demo liesse sich Theorie vermitteln? Dadurch das mensch still einem professionell-radiomäsig vorher abgemischten Demoprogramm lauschte und durch die Strassen zog, umringt von profesionell gelayouteten Transparenten und Kameras kam mensch sich vielmehr vor wie auf einer Revolutionsimulation, einer blossen Inzensierung. Mit der Demo wurde ein unsäglicher Trend in der Antifa auf die Spitze getrieben: Die zu Tode Stylisierung der Bewegung. Dadurch das immer weniger Leute kommen geben die Gruppen sich immer mehr Mühe beim Stlyle. Erst das popige Hochlganzplakat samt Disco-Stlye-Flyer, dann die Infoveranstaltung mit Powerpoint-Präsentation und natürlich die Webseite. Und am Ende sind wieder nur die Leute da die Mensch eh alle kennt. Und dann läuft ein Häuflein von 250 Leuten mit 20 super geil gelayouteten Transpis durch die Gegend und der Lautsprecherwagen beschallt sie die ganze Zeit mit fresher Hip-Hop / Pop / Electro / Ska / Reaggea - Musik. Zwischenzeitlich kommen paar Redebeiträge und das wars. Eigentlich ne laufende Disco-Party einer eigenartigen Subkultur, bei der aber - ähnlich wie auf hiphop-partys - nur dumm rumgepost wird aber nicht gefeiert. Wäre da nicht die Polizei. Die sorgte auch bei der TOP-Demo für einen gewissen Erlebnisscharakter. Die Demo wurde die ganze Zeit von einem wirklich riesigen Polizeiaufgebot begleitet. Im Gegensatz zu den Demos am 1.Mai wurde dieser eher harmlose Aufzug von der Polizei mit besonderer Aufmerksamkeit und zeitweise doppelten Spalier versehen. Auf der Warschauer Brücke passiert das, was eigentlich auf jeder Berliner Demo passiert, die Bullen greifen wegen Seitentranpis an. Ein bisschen Geschubse und Geknüppel, paar Leute werden rausgezogen. Dann wird das Transpi eingerollt und es geht weiter. Am Ende gabs noch eine Renneinlage und dann löste sich die Demo kurz vom Boxi auf.

Walpurgisnacht auf dem Boxhagener Platz

Dort steppten schon der Punk.
Auf dem Boxhagener Platz hatte die BANG zum dritten Mal zur Walpurgisnacht auf dem Boxenhagener Platz gerufen. Gegen Yuppisierung und Umstrutkturierung war das Motto und hier zeigte sich das genaue Gegenteil der TOP-Demo. Obwohl die BANG quasi gar nicht Mobilisiert hatte, kein Hochglanzplakat, keine Internetseite, keine richtigen Flyer und so weiter kammen mehrere Tausend Punks zu einer ziemlich retro-mässigen, aber spassig bierseligen Punkerparty zusammen. Die Stimmung war feucht Fröhlich, mit Oi Polloi spielte eine international berüchtigte HC-Punkband auf und obwohl der politische Bildungsgrad bestimmt sehr viel niedriger war als auf der TOP-Demo wurden hier fleissig Parolen gerufen und kollektiv Nazis gehasst. Sehr Old School, aber leider besser als die virtualisierte TOP-Demo. Es bekommt einen bei dem Anblick das beschleichende Gefühl das die Assel-Punker die mensch aus ganzen Herzen hasst, diejenigen sind die auf
den oben beschriebenen Antifajugenddorfdemos mit ihrem Bierseligen und Geistfreien Rumgepöbel zumindest für etwas Leben und Unterhaltung sorgen. Und im Gegensatz zu den von der Antifa seit 15 Jahren erfolglos neuendeckten Jugenszenen der Hip Hopper und Raver wenigstens zur Demo kommen und sich nicht nur den geilen Flyer an den Kühlschrank pinnen. Auf jedenfall wurde am Ende noch die Freiheit für die Tierrechts-, Antifa-, und antikapitalistischen Gefangenen gefordert und die Veranstalter sagten die EA Nummer an. Dann gings dann auch recht bald los. Die ersten Flaschen flogen und es begann ein merkwürdiges Rumgerenne, Gegaffe, Geschubse, Gewerfe. Die Polizei hatte die Lage meistens ganz gut im Griff. Paar mal wurden sie von Fotografierenden Journalisten Mobs und Punkern in die Enge getrieben.
Ich hatte das Gefühl das die Auseinandersetzungen etwas härter waren als in den Vorjahren, einzelne Greiftrupps wurden eingekesselt und die Bullen fielen recht häufig hin, die Punker aber auch. Eigentlich ganz nett, wenns nicht so viel menschliche Verluste auf unsere Seite gebe. Das ganze ging bis in die Spät in die Nacht, irgendwann waren alle zu besoffen und zu wenig. Ab ins Bett.

Die maoistischen "Revolutionäre 1.Mai-Demo"

Was wäre ein erster Mai ohne Revolutionsfolklore? - geht garnicht! Also gut gefrühstückt und ab zum Klassiker.
Wie immer begann um 13 Uhr die Demo der gefürchteten und gehassten Maoisten rund um die Revolutionären Kommunisten (BRD). 400 Menschen chillten am O-Platz zu gebrüllter maoistischer Revolutionromantik. Irgendwann spielte dann auch der linken Standart Rapper - Holger Burner. Zwar ist die Präsenz des rappenden SAV-Aktivisten in der Linken langsam beunruhigend, aber er ist halt auch live einfach jemand der sein Fach versteht. Letztes Jahr auf dem Mayday, dieses Jahr auf der 13 und 18 Uhr - Demo. Das erfolgreichste U-Boot des Trotzkismus in der autonomem Linken. Danach gabs noch paar gebrüllte Redebeiträge und massig Erklärungen zum 1.Mai von irgendwelchen Kommunistischen Kleinsparteien aus aller Welt wurden verteilt. Das Publikum bestand überwiegend aus türkischen Kommunisten, Altautonomen, Antifas und Punks. Gegen 14:30 gings dann los - wie immer durch die Oranienstrasse und das sich langsam sammelnde Myfest. Dort wuchs der Zug seitweise auf 1000 Leute an, die sich aber schnell wieder verkrümmelten als der Zug das Kreuzberger Kerngebiet richtung Neukölln verliess. Die Senation schlechthin: die bekannte HipHop-Gruppe K.I.Z. hat auf der 13 Uhr Demo gespielt.

Mayday-Parade:

Schon beim Auftakt der zum zweiten Mal stattfindenden Maydayparade waren beeindruckend viele Leute gekommen. Bernadette la Hengst spielte auf und eine nette Mischung von. Es gab viele Redebeiträge, Flyer gegen den G8 wurden verteilt und Diskutiert. Gegen 16:30 ging es dann los. 6000 - 8000 Leute werden es am Anfang gewesen sein. Super Wetter, Super Stimmung und auch das politische Anlegen war deutlich zu erkennen. Es gab Redebeiträge zu allem Möglichen und Prekarität - was ja eigentlich das gleiche ist. Die Polizei trat so gut wie überhaupt nicht in Erscheinung. Warum die TOP-Pop-Antifas mit ihrem Lautiprogramm nicht einfach zur Mayday gekommen sind bleibt unklar. Hier wär ihr Musikprogramm mehr gefeiert worden und vielleicht häte sich auch jemand die Redebeiträge angehört der nicht zum Abonnentenkreis der Phase 2 gehört. Eine wirklich gelunge Parade, besser als im Vorjahr. Den Unkenrufen das sein eine "Loveparade für den Sozialstaat" zum Trotz. Doch auch hier nahm die Teilnehmerzahl rapide ab um so weiter der Zug sich aus Kreuzberg entfernte. Den was hier bei aller Freude fehlte war das Demofeeling. Wen mensch keine chemischen Drogen konsumiert hat nach zwei Stunden getanze zu elektronischen Beats einfach genug. Dann doch lieber zurück zum Lausitzer Platz wo grade die legendäre "Revolutionäre 18 Uhr - Demo" beginnen soll. Schade das sich die Organisatoren des Maydays nicht dazu durchringen konnten sich mit der 18 Uhr - Demo auf ein gemeinsames Demokonzept zu einigen, zusammen wären beide Demos nicht nur riesig gewesen, sondern hätten sich auch ästhetisch und inhaltlich wundervoll ergänzt. Vielleicht klappts ja nächstes Jahr.

Revolutionäre 1.Mai-Demo

Wie gesagt der Höhepunkt des Abends sollte die Revolutionäre 1.Mai-Demo um 18 Uhr sein. Es war das erste Mal das die Demo seit 2004 stattfand. 2005 und 2006 wurden die Demos verboten weil sich ihre Wege mit dem Myfest kreuzten. Dieses Jahr hatten sich Demoorganisatoren und Myfestveranstalter im Vorfeld auf eine Kooperation einigen können und so durfte die Demo dieses Jahr durchs Fest ziehen. Schon seit 16:30 warteten die Reste der 13-Uhr-Demo am Lausitzer Platz auf den Beginn der 18-Uhr-Demonstration, mit der das 18 Uhr-Bündniss über alle ideologischen Grenzen hinweg eine Kooperation eingegangen war. Am Lausitzer Platz warteten um 18:30 schon mehrere tausend Menschen auf den Beginn der Demo. Die Antifa hatte ihren riesen Truck aufgefahren und auch die Lautis des "Anti-G8-Bündniss für eine revolutionäre Perspektive"und des "Freiräume Blocks" waren nicht klein. Es gab Redebeiträge zu Hausprojekten, Aufrufe auf die Köpi-Demo am 5.5. zu kommen und Infos über Neonazis in Pankow. Ralf Reinders, ehemaliges Mitglied der Bewegung 2.Juni, sprach über die Nazivergangenheit von Leuten wie Schleyer und Staatsterrorismus damals und heute. Die Revolutionären Kommunisten sprachen bestimmt 15 Minuten lang in gewöhnten Manier über "Reform und Revolution", was nahezu unerträglich war. Danach sagte Ökölinx das gleiche, nur nicht ganz so pathetisch, trotzdem naja. Lustig wurde es dann erst mit dem Auftritt von Michael Kronawitter und zwei weiteren Antifa-ModeratorInnen. Die stellten erstmal das schon Vorab in der Presse erwähnte "Zivi-Outing-Kommando". Wew Zivis sichtet sollte sie fotografieren und die Fotos an eine bestimmte Nummer schicken. Dort werden die Daten dann mit Vorliegenden Fotos von bekannten Zivis abgeglichen und dann von dem Kommando mit einem Schild "Problem Polizei" geoutet. Ob das wirklich zum EInsatz kamm bleibt fraglich. Dann spielte mal wieder Holger Burner, diesmal ging die Menge gut ab, der Song passte auch drehte er sich doch um brennende Autos in Paris, Hamburg und Kreuzberg. Danach ging es los. Sah gut aus, fast wie früher. Gute 10 000 Leute dürften es gewesen sein. Vorne mit vielen Ketten, Stangen und Seitentranspis zuerst der Autonome Antifa-Block mitsamt des riesigen Lautis. Dahiner eine Meute von mehreren Tausend Menschen und dann der Antimp-Block, mitsamt Baskenland und Palästinafahnen und dahinter mit schwarten und schwarz/roten-Fahnen der Block der Hausbesetzter. Dort auch organisierte Ketten, mehrere Tausend menschen und mehrere Lautis. Ohne Zwischenfälle drängelte sich die Demo durch den Wrangelkiez und die Reichenberger Strasse. Trotz Seitentranspis, Vermummung und massenhaften Auflagenbruch (Stahlkappen und so weiter)
keine Polizei zu sehen. "Diegeben sich echt mühe gegeben zu Deesakalieren", sagt ein scheinbar frustrierter Mob-Action-Jacken Träger. Auf der vorderen Lauti der ALB wird derweil Deutschland muss sterben gespielt und gegen die wegen der Vorfälle im November im Wrangelkiez gehetzt. Die Stimmung ist gut, viele verschiedene Leute, ein bisschen wie Mayday bloss grössere Menschenmassen und weniger Lautis, dafür aber durch die Bank grössere. Von geschlossenem Charakter ist bis auf den fetzigen Frontblock nicht viel zu sehen. Massenhaft schliessen sich die Leute der durch die Dämmerung ziehenden Revolutionsparade an. Dann gehts durchs Myfest, voher wird noch eine Grussbotschaft von der Antifa Madrid verlesen, die "Niemals den Kampf der internationalen Brigaden und vor allem des Thälmann-Batailonns vergessen wird". Dann biegt der grosse Truck auf der Skalitzer Ab und die Demo zieht friedlich - aber dennoch spektakulär - durchs Myfest. An der Coretex - Bühne wird es etwas Eng wegsegen die tausenden Menschen ewig brauchen um durch das Nadelöhr zu ziehen. Dadurch wird die Demo etwas zerstückelt, der Antifa-Block läuft mit tausenden Leuten schon richtung Abschlusskundgebung während der Rest der Demo noch im Myfest steckt. Es wäre ratsam gewesen am Görli ne Zwischenkundgebung abzuhalten damit sich der lange Zug vor der Abschlusskundgebung nochmal sammeln kann. auf dem Antifalauti wird grad eine Grussaddresse aus dem venezolanischen Gesundheitsministerium verlesen. DanachDer Antifalauti spielt den als "Hymmne der Berliner Polizei" angekündigten Imperial Marsch von Star Wars und danach "Mollis und Steine gegen Bullenschweine" in der Fischmob-Techno Version. Die Erwartungshaltung steigt. Viele Krawallgeile schliessen sich der Demo an. Knallts am Abschlussplatz? Nein. Am Abschlussort angelangt wird eine Grussbotschaft von Hugo Chavez verlesen, Holger Burner rappt nochmal, Es wird was über die Antifa-Aktionen in Dortmund berichtet und Ernst Busch mit "Der Heimliche Aufmarsch" gespielt. tausende besoffene Johlen mit. Was für ein Bild. Dann wird nochmal versuchrt Stimmung gegen die Bullen zu machen, eine Punkband namens Guerilla spielt mit aufgesetzten Hassis. Wilder Pogo aber keine Bullen. Dann verabschiedet sich der Lauti und die Demo löst sich langsam auf. Nach dem Demodesater von 2004, wo gleichzeitig zur viel zu früh (16 uhr) stattfindenden 1.Mai-Demo in Friedrichshain tausende Antifa mit einer Strassenschlacht einen Naziaufmarsch verhinderten, und den lustigen aber kleinen illegalen Spontandemos (300-3000 Menschen) konnte die Tradition der revolutionären 1.Mai Demos erfolgreich wiederbelebt werden.

Das Myfest

Wie immer gibts dann auch noch zwei (oder mehr) Spontandemos durchs Myfest. In Naunystrasse wurden Polzisten in die Flucht geschlagen die sich auf einem Hinterhof verbarriadierten. Ein Handvoll anhänger der Überpartei" marschiert durchs Myfest, mit 4 Anhängern wollen sie zum Reichstag. Ein bisschen Krachts so gegen 22 Uhr an der Ecke Mariannenstrasse / Skalitzer und Oranienstrasse / Sklaitzer. Auf der O-Strasse werden Mülltonnen angezündet und das gleiche wie am Vortag auf dem Boxi beginnt. Nur Grösser , und das musikalische Angebot ist breiter. Zu Reaggea, Hip-Hop oder Punk-Musik stehen die Leute fröhlich am Strasserand und bewerfen die Polizei mit flaschen. Bis c.a. 1 Uhr ging das so. Es war ein bisschen Härter als letztes Jahr auch wenn die Mülltonnen nicht so schön brannten wie damals. Die Bullen schlugen wie verückkte auf unbeteiligten rum und versprühten auf die gaffenden am Rand unmengen Pfefferspray. Auf jeden Fall nix grossartiges, aber netten Entertaiment. Verhaftete gabs natürlich wie etlich....

Fazit: Das geht einiges. Von wegen Tot. Aber das geht noch viel mehr. Auf den Demos am 1.Mai konnte Handlungspielraum auf Demos zurückerobert, Vermummen, Transpis etc kein Problem. Vielleicht auch mal offensive Aktionen gegen Symbole des Kapitals ? (Ein Schlecker wurden die Scheiben eingeschlagen, ein Anfang) Aber erstmal müssen alle Kräfte (ausser die RK´s, da hats eh keinen Sinn) sich auf eine Demo einigen. Also Mayday und revolutionärer 1.Mai zusammen: 20 000 Leute, mehr Stimmung, mehr Inhalt. Tanzende Massen und schwarze Blöcke. Militanz und Kreativität. Und Abends auf dem Myfest ein Bier trinken und sich angucken wie das Bezirksamt ein völlig Sinnfreies Jugendpartyrandale-erlebniss für alle serviert.

In diesem Sinne:
Heraus zum revolutionären 1.Mai 2008!

und morgen zur Solikundgebung für die Verhafteten vor der JVA Moabit
und Samstag zur Köpi-Demo am Breitscheidtplatz und zur Antifa Demo Wollankstrasse
und am 8.Mai zur Köpi-Versteigerung und zum Sowjetischen Ehrenmal
und am 12.Mai zur Mumia-Demo
und dann alle ab nach Heiligendamm
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Ergänzungen

Korrektur

X 02.05.2007 - 21:01
Erst mal danke für den guten Überblick.

Im Text enden ab und zu ein paar Sätze ins Leere. Vielleicht noch mal drüber gucken und neuposten? Vielleicht ab und zu mal eine halbe Zeile beim Korrekturlesen gelöscht?

Zur Gesamtzahl in Berlin: Die meisten Mayday-Besucher nahmen auch an der 18.00-Demo teil, beide Demos hingen ja irgendwie doch zusammen, waren auch viele Gruppen dabei, die zu beiden aufriefen. Aber letztlich ist es auch egal, obs nun 12000 oder 20000 sind. In anderen Städten war auch sehr viel los und bundesweit gingen bis zu 30.000 Leute auf linke Demos (wobei es in dem meisten Städten Auseinandersetzungen mit Bullen gab).

Herrlich auf jeden Fall die Pressehetze und das "Schwanzeinziehen" im Nachhinein. Besonders deutlich beim rechten Hetzblatt Berliner Kurier.

Schöner Artikel

fritz 02.05.2007 - 21:04
Dankeschön...

Sehr schön

Auch da 02.05.2007 - 21:07
Schöner Artikel.

Was vielleicht noch zusagen wäre.
Die Organisation bei der MyDay-Parade hätte wohl etwas besser ablaufen können.
Nicht nur, dass es über 2 Stunden gedauert hat, bis sich die Parade in gang gesetzt hatte, nein auch mitten drin gab’s eine lange ( 30 Min?) Wartepause, was die Motivation zur Demo irgendwie an den Tiefpunkt brachte.

Ähnlich die Antifa Demo, beim nächsten mal könnte man die Redebeiträge ( lang! ) doch einfach während der Demo bringen, als wenn sie Stunden vor der Demo angesagt werden, wo die Motivation zum Zuhören nicht groß ist.

Während der Demo hat sich Mensch dann noch gefragt, wo die Bullen geblieben sind?
Bis auf einpaar Wannen an einzelnen Kreuzungen, hielt die sich wohl im „Hintergrund/-land“ versteckt. Das hätte vielleicht doch die Möglichkeit geboten mal von der Demoroute abzuweichen und Teile des Bezirks zurushen.

Alles im Allem, wie schon Fazit gesagt, super Demotag ( vom Eindruck her ), auch wenn von 8 Std., Demo 5 Std. rumgesitze und rumstehen angesagt war.

"Schade das sich die Organisatoren des Maydays nicht dazu durchringen konnten sich mit der 18 Uhr - Demo auf ein gemeinsames Demokonzept zu einigen, zusammen wären beide Demos nicht nur riesig gewesen, sondern hätten sich auch ästhetisch und inhaltlich wundervoll ergänzt. Vielleicht klappts ja nächstes Jahr."

mehr....

Mensch 02.05.2007 - 21:09
Mehr zu top demo (bilder und sowas) gibt es unter

 http://antifabernau.blogsport.de/2007/05/02/impressionen-aus-berlin-neubrandenburg/

 http://ak.antifa.net/index.php?site=bilder&gal_id=25

 http://adf-berlin.de/html_docs/gallery/2007/berlin_30_04_2007/berlin_30_04_2007.php

www.top-berlin.net

www.umsganze.blogsport.de


[Anmerkung: es waren wohl eher 800 - 1000 menschen auf der top demo]


video

chronist 02.05.2007 - 23:33
ein paar bunte bilder zu den vielen worten:
 http://www.interpool.tv

23 Fotos Berliner Morgenpost Online

x 03.05.2007 - 01:02

nazis

(muss ausgefüllt werden) 03.05.2007 - 01:52
nazis gab's auch in berlin. am boxi nicht nur die dumm-dreiste wg direkt ueber dem konzert-wagen wo unbedingt schwarz-rot-gold raushaengen muss, auch im ach so "kollektiv nazis hassenden" publikum waren stolze deutsche und selbsternannte arier.
noch peinlicher dann direkt neben der revolutionaeren 18:00 demo vor'm cafe vorwien (skalitzer 41) ein paar hools mit thor steinar klamotte.

eine andere sicht der dinge

ich 03.05.2007 - 03:31
vorweg sei gesagt, daß ich nicht aus TOP Sympatie diesen Artikel kritisieren muß sondern wegen seiner einseitigen Polarisierung. Ich bin als ausenstehender Berichterstatter sowohl am Vorabend als auch bei den drei Mai Demos dabeigewesen und habe ganz andere Stimmungen eingefangen als die hier emotional beschriebenen :
Vorabend-Demo:
-TOP Demo an die 1000 Leute
-"Eigentlich ne laufende Disco-Party einer eigenartigen Subkultur" du magst die TOP augenscheinlich nicht, mir kam das auftreten im Einklang mit dem Aufruf(1.mai ist für die bockwurst also machen wir unsere eigene) schon überzeugent vor.

Walpurgisnacht auf dem Boxhagener Platz:
-wieder schön auf die TOP projeziert ;-)
-das kollektiv gefühl ist mir wohl entgangen war nen gutes punk konzert bei dem klar war das es knallt; viele kleingruppen die relativ schnell eingemacht wurden weil wie schon gesagt zu betrunken

Die maoistischen "Revolutionäre 1.Mai-Demo"
seh ich genau so ;-)

Mayday-Parade:
- sehr nette tanzdemo, nur leider wie das halt bei sowas ist gingen die Inhalte verloren(biertrinken kiffen und tanzen) da sich viele Leute in den Standpausen in denen die Redebeiträge gehalten wurden um klos mehr Bier etc. gekümmert haben
-die abwanderung zur selbsternannten "Revolutionäre 1.Mai-Demo" ist mir nicht direkt aufgefallen, vielmehr haben sich die Leute am Ende der Demo einfach der 18 Uhr Demo angeschlossen

"Revolutionäre 1.Mai-Demo"
-"Problem Polizei" outing hat nicht geklappt
- ja es war eine Nationalstaaten...völkische sozialismus Demo
- ja es waren "mehrer tausend" 8-10 Menschen da gewesen aber nicht "mehrere Tausend"wie
beschrieben im Hausbesetzerblock (eher 500plus). tausende ist ohnehin ein etwas
überladenes wort
- der Maoisten Block zwischen Palestina fahnen und Anti-g8 Lauti wurde unterschlagen
- bei der beschreibung "zieht friedlich - aber dennoch spektakulär - durchs Myfest" sollten
auch die dagegen protestierenden maoisten nicht unterschlagen werden(warum auch immer es
sind ja auch welche mitgelaufen); auf dem myfest selbst fande ich ist die Demo eher
untergegangen durch die Menschenmenge die eher an wurst und bier interessiert war und
dadurch das die demoroute auf dm myfest selbst recht kurz und am Rande war

Das Myfest
- hab ich auch so mitbekommen


Fazit : wenn der 1.mai nicht tot wär müßte mensch ihn für tot erklären... ich habe an beiden Tagen kein Gefühl von revolutionärer stimmung mitbekommen sonder eher Bierzelt stimmung bei wesentlich mehr party leuten als RevolutionärInen; warum 364 Tage im Jahr ruhig bleiben und an einem Tag meinen die Welt verändern zu können...


p.S.:rechtschreibfehler bitte sammeln...

Angaben der Polizei

Robert Rüstig 03.05.2007 - 10:36
Angaben der Berliner Polizei bei der gestrigen PK von Glietsch und Körting zu den Aufzügen am 1. Mai:

Revolutionäre 1. Mai-Demo I vom Oranienplatz (13.00 bis 16.30): ca. 300 Teilnehmer

MayDay-Aufzug vom Lausitzer Platz (13.45 bis 18.30 Uhr): 2.500 Teilnehmer

Revolutionäre 1. Mai-Demo II/angemeldet als: "Bündnisdemo gegen Sozialabbau und G8" vom Lausitzer Platz (17.00 bis 21.45): 6.000 Teilnehmer


Nach Angaben der Polizei haben sich 300 Personen des Aufzugs "MayDay" der Revolutionären 1. Mai-Demo am Abend angeschlossen, 50 Personen der 1. Revolutionären 1. Mai-Demo am Nachmittag haben sich der zweiten gleichen Namens angeschlossen.

Revolutionäre 1. Mai-Demo

(muss ausgefüllt werden) 03.05.2007 - 10:38
Warum ist der Maoisten-Lauti eigentlich auf der 18 Uhr-Demo mitgefahren? (Mit Transpis "Keine Befreiung ohne Revolution" und Plakaten für 13 Uhr-Demo am Lauti?) Ich dachte es gibt noch wenigstens ein bisschen Distanz zu den autoritären Messerstechern von den RIM/RK...
Dazu hat dann wunderbar der Revo-Block kurz davor gepasst, der hier treffender als "Palästina-Block" bezeichnet wurde. Von "Turn Intifada into Revolution" über "Freiheit für Palästina" bis "Intifada bis zum Sieg" war alles dabei. Die vielbeschworene Abgrenzung gegen Nationalstaaten war wohl nur auf existierende gemeint. Palästina-Flaggen bis zum Umfallen und auch ansonsten wurden massenhaft kleine Völkchen befreit.
Einfach nur noch eklig.

Bei der TOP-Demo waren zwar richtig coole Redebeiträge, aber die hätten echt nicht alle an einem Stück sein müssen. Nen paar bei der Auftaktkundgebung und das wäre alles nen bisschen aufgelockert gewesen. So waren sie doch ein wenig ermüdend, auch wenn der Inhalt erfrischend gut war.

Zivieinheiten

jo. 03.05.2007 - 22:51
In der Feuerwache an der Wienerstrasse war die 'Homezone' der Zivten. 1,2 Mal liefen sie, unglaublich unauffällig, in 40er Mobs um's Eck, dann irgendwann relativ hektisches Ausreiten in ihren Zivikarossen. Nächstes Jahr Vorsicht an der Ecke, sind alles ziemlich grobschrötige Klötze gewesen - mit auch nur einem Funken an Beobachtungsgabe aber leicht als Zivis zu erkennen.

Naunynstrasse sollen auch welche stationiert gewesen sein, sind dort wohl vermummt in der Gegend herumspaziert.

Neuer Protest nötig

urbanerpenner 03.05.2007 - 23:45

Die TOP-Demo stach für mich an diesen beiden Tagen der politischen Aktionen hervor. Auf der inhaltlichen Ebene wurde den Leuten sicherlich einiges mehr abverlangt. Statt überholte oder mittlerweile langweilige Parolen zu grölen, präsentierte das Bündis anspruchsvolle Beiträge, welche jedoch durch das Ausspielen von technischen Feinheiten, Mucke etc. aufgelockert wurden. Ich finde es eigentlich ganz geil, eben nicht mehr RednerInnen zuhören zu müssen, welche andauernd in der Zeile verrutschen oder unangenehm ins Micro kotzen. Die Demo war eben irgendwie auch ne Party, ohne das Große Ganze aus den Augen zu verlieren. Positiv empfand ich zudem das Verhalten der OrganisatorInnen auf der Oberbaumbrücke. Mit aller Deutlichkeit wurde den Bullen mitgeteilt, dass sie Scheisse machen, ohne aber in stupides "Fight the Police"-gejole abzudriften. Die Entscheidung die Seitentranspis einzuziehen war angesichts der "Mehrheitsverhältnisse" auf der Demo vernünftig.

Die "Revolutionäre" 18 Uhr Demo war von Inhalt und Form her eine einige Katastrophe und gehört in der Tat für Tod erklärt. Die bewusste Trennung von der 13 Uhr Demo ist ja aus guten Gründen erfolg. Warum aber die Trennung, wenn die ALB dennoch gemeinsame Sache mit MaoistInnn und StalinistInnen macht? Ich empfand es als unangenehm, dass Palifahnen ohne irgendeine From der Kritik mitgetragen werden konnten. Als (ich glaibe es war auf der Adalbertstraße) eine Israelfahne rausgehalten wurde, grölte der Antiimp-Block "Viva Viva Palästina", und "Nieder mit Israel" und den Naziklassiker "USA Internationale Völermordzentrale". Die wenigen GenossInnen, die sich verbal wehrten, wurden aggressiv als Rassisten beschimpft.

Warum erfolgt keine Abgrenzung z.B. der ALB von diesem eindeutigen Antisemitismus?

Der Mariannenplatz war blau und die Kids ausm Kiez freuten sich, aus der 23stn reihe Flaschen auf die Bullen zu schmeißen...der 1.Mai in Kreuzberg ist also nicht nur reaktionär, sondern auch gefährlich. Vereinzelt wurden BesucherInnen des Festes von Flaschen etc. getroffen.

So what

Gegen jeden Antisemitismus! Nieder mit Deutschland und für den Kommunismus!

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25195/1.

Pressebeoachter 04.05.2007 - 00:59
Eine gute Zusammenfassung und Kommentierung der Mai-Aktivitäten findet sich auf

 http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25195/1.html

Anmerkungen zur Taktik

Herr Tabrisi 04.05.2007 - 01:10
Zu der im Großen und Ganzen guten Übersicht einige Anmerkungen:
"nix grossartiges, aber nettes Entertainment".
Das sehe ich anders. Die "Myrandale" hat gezeigt, daß das Gefälle zwischen chaotisch agierenden Jungmännern und gut ausgerüsteten Greiftrupps immer größer wird.
Die 18 Uhr Demo fand ich auch ganz gut, aber da wurde nichts zurück erobert, sondern man hat uns aus taktischen Gründen einmal im Jahr in Ruhe gelassen. Die Zivis waren nicht nur in gut sichtbaren 40er Trupps unterwegs, sondern haben nachts mit tatsächlichen oder angeblichen Hinweisen an die Greiftrupps für viele Festnahmen gesorgt. Die Greiftrupps ihrerseits wurden fast nirgends am Vorwärtskommen gehindert und haben mit dem Pfefferspray eine Waffe, auf die wir (bisher?) noch keine Antwort haben.
Wie von einigen befürchtet, wurde die Zivitruppe zur WM gegen Hooligans gegründet und nun erstmals wieder eingesetzt. Dies soll auch weiter geschehen, was eine weitere Anzahl an teuren und schmerzhaften Verhaftungen nach sich ziehen wird. Und vergesst nicht, daß dabei auch immer wieder Unbeteiligte verhaftet werden.
Die Zivis hatten die Kennworte Bolzen (Walpurgisnacht) und Abendbrot am 1. Mai (Berliner Zeitung).

Egal wie man zum Myfest steht, für die Polizei ist das ein Glück. Alle potentiellen Randalierer sind brav auf ein paar Strassen versammelt, die von Bullen umzingelt und überwacht werden und in denen es keine Autos oder sonstwas bewegliches gibt - selbst Flaschen sollen ab nächstes Jahr eingeschränkt werden. Die kleinen mobilen Trupps machen Flaschenwürfe schwer, die zudem eh ziemlich sinnlos gegen die gute Panzerung sind. Nicht zu vergessen, daß das rücksichtslose und betrunkene Werfen viele Unbeteiligte getroffen hat. Einzig effektiv waren gut platzierte Knaller und das Blitzlichtgewitter der Fotografen.

Aussichten: Innerhalb der Myfest-Zone ist es zu gefährlich, was zu machen. Ausserhalb sind keine Leute. Gegen die Greiftrupps kann man mit den momentanen Mitteln nichts unternehmen. Gegen die Logistik außerhalb (zB schwach beschützter Fuhrpark Skalitzer Ecke Manteuffel) kann man gut was unternehmen, macht bloß keiner. Werden die Greiftrupps von empörten Leuten (die nicht gleich weglaufen) etwas massiver angegangen, werden sie schnell nervös.
Wer was machen will, entweder außerhalb, oder hinterher abtauchen, damit man nicht hinterher abgegriffen wird.
Meiner Meinung nach hat das Myfest schon zum Ende der bisher bekannten Krawalle beigetragen - was ich aber auch nicht weiter schlimm finde, da diese Krawalle so ritualisiert und sinnleer waren. Schade nur, das auch sonst nichts mehr passiert.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Wer zu allen Seiten offen ist, ist nicht ganz

dicht 02.05.2007 - 21:18
Weder am 30.4. noch am 1.5. tat sich viel (Revolutionssimulation von allen und nicht nur am vorabend, Militanz habe ich keine gesehen, aber plurale Sicht auf die Dinge ist ja hier Programm).
"Pluralismus bis zum Abwinken" war wohl das Motto des Tages, in der Mitte der 18h-Demo lief der Messerstecher-Nationalisten-Block der RKs/RIM mit Basken- und Palästinafahnen.
Was der politische Mehrwert an den RIMlern für 18Uhr sein soll, ist mir nicht klargeworden.
Klargeworden ist wohl nur, dass Messerstecher willkommen sind, Gewalt gegen Linke ok ist, wenn man die Leute als "Antideutsch" etikettiert.
Auf der O-Straße hat jmd aus dem Fenster eine Israelfahne gezeigt, als die RIMler vorbeigezogen sind, was zu den üblichen Rufen führte. Manchmal wundert man sich da doch noch mit wem sich die ALB so alles wohl fühlt.

für eine antinationale Linke!

Och nö,

... 02.05.2007 - 21:33
nicht schon wieder! Warum checkt es eigentlich niemand, dass es durchaus sehr sinnvoll ist, Bilder zu verpixeln??? Deshalb, liebe Mods: Bitte die Bilder löschen!

Danke!

netter artikel

buenaventura 02.05.2007 - 21:58
auch wenn es nicht geschadet hätte eine zweite person korrektur lesen zu lassen und (zumindest) die unvollendeten sätze korrigieren zu lassen.

zitat

antifa 02.05.2007 - 22:05
"Vielleicht auch mal offensive Aktionen gegen Symbole des Kapitals ? (Ein Schlecker wurden die Scheiben eingeschlagen, ein Anfang)"


Kapitalismus hat kein Gesicht

Es gibt Menschen, die haben ihre persönlichen Götzen: bei vielen sogenannten Antikapitalisten oder Kapitalismuskritikern ist es das Feindbild der “Kapitalisten”, einer Personengruppe, die die Welt zu ihren Gunsten ausbeutet und demütigt- meist haben sie dann auch ihren Sitz irgendwo in den USA und die WTO als ihr Zentralkommittee (und an diesem Punkt setzen sich auch sicher gerne Nazis, Antisemiten und Verschwörungstheoretiker mit ans Lagerfeuer, die genau wissen, dass bei solchen Gemeinheiten die Zionisten, der Mossad und die Illuminaten nicht weit sein können). Bullshit.
Schlachten wir die heilige Kuh, sie stinkt.
Erstaunlicherweise braucht es dazu nicht einmal eine besonders tiefgreifende Kapitalismuskritik, sondern nur etwas volkswirtschaftliche Binsenweisheit. Machen wir zu diesem Zweck aus dem “(bösen) Kapitalisten” ersteinmal einen “(bösen) Unternehmer”.

Der “böse Unternehmer”: So eine Vorstellung legt den Gedanken an “gute Unternehmer” nahe. Aber auch “gute Unternehmer” müssen sich schliesslich an die Logik des freien Marktes halten: Wenn die Kosten den Ertrag aus der Produktion übersteigen, müssen sie die Kosten kürzen- so z.B. den Lohn. Es handelt sich hier nicht um die gern betonte “Raffgier”, sondern um einen marktwirtschaftlichen Sachzwang, dem sich das Unternehmen praktisch beugen muss, wenn es in der Konkurrenz der freien Marktwirtschaft nicht untergehen will- ob der Unternehmer seine Arbeiter entlassen will oder nicht, tut daher nicht viel zur Sache: er muss oder er ist die längste Zeit Unternehmer gewesen.
Rationalisierungen werden aus dem Konkurrenzkampf heraus getätigt. So gesehen ist es zwar durchaus verständlich, wenn Arbeiter eine Fabrik besetzen oder demonstrieren, um ihre Arbeitsplätze zu erhalten (wahrscheinlich würde ich auch genau das tun)- aber ohne eine antikapitalistische Perspektive ist dies letztenendes nur ein Tropfen auf den heissen Stein.
Es handelt sich hier eben nicht einfach um die “gierigen Ausbeuter”, die den armen Arbeiter und die ganze Welt böswillig ausquetschen wollen. Deutlicher: Entlassungen, Standortwechsel und Lohnkürzungen sind nicht Geburten der “kapitalistischen Raffgier”, die man durch moralische Appelle an Menschen, die auch nur Rädchen im kapitalistischen Getriebe sind, beseitigen oder einschränken könnte, noch kann man diese Übel durch eine Personalisierung des “kapitalistischen Bösen” im fiesen fracktragenden Kapitalisten mit Zylinder und Zigarre erfassen.

Hier lohnt es sich, aus der Broschüre der “Jungen Linken” zu zitieren (”Grundlagen der Kapitalismuskritik”), in der der Kapitalismus ganz richtig als eine “apersonale Herrschaft” bezeichnet wird, also als eine Herrschaft von kapitalistischen Sachzwängen, der jegliches auch noch so individualistisch anmutendes Verhalten innerhalb des kapitalistischen Konkurrenzkampfes unterworfen ist. Oder etwas ausführlicher: “Im Kapitalismus herrschen nicht Einzelne, setzen nicht irgendwelche Machthaber mit Tricks und Gewalt ihre persönlichen Zwecke durch. Es ist der Kapitalismus selbst, welcher herrscht, der den ökonomisch Handelnden und selbst dem Staatspersonal Zwecke in Gestalt von ‘Sachzwängen’ vorgibt.”
Natürlich gibt es Korruption, Zusammenarbeit zwischen wirtschaftlichen und demokratischen Eliten und all das, was man als “unmoralisch” bezeichnen könnte. Es ist auch nicht ganz falsch zu sagen, das einige Privilegierte längere Ketten als andere in dieser Welt tragen müssen oder besser dürfen und dieses Privileg auch mit Gewalt verteidigen- aber egal welchen Standort man in der hierarchischen Struktur der herrschenden Verhältnisse (altmodischer auch Klassenstruktur genannt) einnimmt, aus dem Käfig entkommt man nie. So soll hiermit keineswegs abgestritten werden, dass es durchaus auch den puren Willen zur Macht und zur Herrschaft gibt oder wie der deutsche anarchosyndikalistische Aktivist und libertäre Denker Rudolf Rocker es in seinem Werk “Nationalismus und Kultur” einmal sagte: “Die Auffassung, dass alles politische und soziale Geschehen nur ein Ergebnis der jeweiligen Wirtschaftsverhältnisse ist und aus diesem restlos zu erklären sei, hält keiner tieferen Betrachtung stand.” Aber auch einem solchen krankhaften Herrscherwillen- auch wenn seine ursprüngliche und hauptsächliche Motivation wie im Falle des religiösen Fundamentalismus kaum kapitalistisch ist- werden dieser tristen kapitalistischen Tage durch die Käfigstäbe Grenzen gesetzt, die er nicht überschreiten kann.
So zerfleischen sich die Menschen also gegenseitig um mehr Bewegungsfreiheit in einem Gefängnis.
Fakt bleibt ganz schlicht und einfach, dass die kapitalistische Welt auch ohne Korruption bzw. elitäre “Verschwörungen” und mit “guten ehrlichen Demokraten” eine kapitalistische Welt bleibt, deren Bewohner noch immer denselben kapitalistischen Zwängen und Übeln unterworfen sind. Antikapitalismus mit der Zielsetzung, ein paar Schauspieler in diesem Kasperletheater zu verdammen, weil ihr Spiel einigen Zuschauern nicht gefällt, ändert nichts am grundsätzlichen Drehbuch, ist in Wahrheit auch kein Antikapitalismus, sondern höchstens halbgare Kritik und naiver Reformismus. Den pöbelnden Zuschauern geht es ganz offenbar nur um ein neues Drehbuch, neues Make-Up oder bessere Beleuchtung für das globale kapitalistische Stück und nicht darum, worum es gehen sollte: um den Abriss des Theaters und den Aufbau einer neuen Bühne unter freiem Himmel, auf der wir endlich frei atmen und leben können.

kapitalismus ohne gesicht ?

b.brecht 02.05.2007 - 22:25
das Unrecht ist nicht Anonym - es hat einen Namen und eine Adresse

@ dicht

ich 02.05.2007 - 22:27
warum schliesst du dich nicht in deinen keller ein und hasst die welt für dich im stillen? niemand interessiert für deine abartigen fantasien und verschwörungstheorien.

Kapitalismus hat doch ein Gesicht

@antifa 02.05.2007 - 22:31
Zitat: "Es ist der Kapitalismus selbst, welcher herrscht, der den ökonomisch Handelnden und selbst dem Staatspersonal Zwecke in Gestalt von ‘Sachzwängen’ vorgibt.”

Was du schreibst ist (anti-)deutsche Verschwörungstheorie, könnte genauso von irgendwelchen neoliberalen Lobyisten verfasst worden sein, um Fakten und Wirklichkeit zu verwässern. Der Kapitalismus ist kein Naturgesetz und kein sich verselbständigendes mystisches Etwas. Hinter jedem System stehen Menschen, die Regeln aufstellen, nach denen das System funktioniert. Das es sich dabei nicht um "böse" und "weltbeherrschende" Einzelpersonen handelt ist 99% der Menschheit klar, nur einige (anti-)deutsche versuchen immer wieder das Gegenteil auszumachen und bilden sich dann noch einen großartigen Erkenntnisgewinn ein. Adorno und Horkheimer würden sich bei Eurem Geschwätz im Grab umdrehen!

anonym

egal 02.05.2007 - 22:41
wenn mensch bilder hier reinstellt, sollte er darauf achten,das die bilder wo gesichter erkennbar sind und damit personen identifizierbar verpixelt werden.....ist das so schwer ????????

antifa 02.05.2007

antikapitalist 02.05.2007 - 23:08
zwar sind deine ausführungen bzgl. sog. antideutscher betrachtungsweise der dinge/verhältnisse gut nachzuvollziehen, alles in allem stinkt diese sicht der dinge jedoch nach ausreden. ausreden davor, dass man sich jederzeit in die ein oder andere nische zurückziehen kann - sei es die nische von "hausprojekten", "psycho-antifa-gruppen" oder "linken" läden in deutschen großstädten oder nicht zuletzt die nische der familie mit kleineren einflüssen und ein wenig geld.

warum hinkt die weltweite globalisierungskritische linke in all ihrer vielfalt eurer betrachtungsweise so sehr nach?

- weil die weisheit wie immer aus deutschland kommt?

oder weil ihr nach ausreden sucht, in denen mitunter jüdische menschen inkl. israel in all ihrer/seiner vielfalt grundsätzlich in den mittelpunkt des weltgeschehens hinein-halluziniert werden?

hört sich verdächtig nach sog. postivem rassismus an, was an "kapitalismuskritik" von euch so transportiert wird!
sorry...

...

... 02.05.2007 - 23:45
Geht also doch ohne szeneinternes Hick hack, grenzenlos subjektive und ahnungslose Wertungen und alberne Zahlenspiele. Ergo: schöne Zusammenfassung.

Dank an den Autor.

(Nächstes mal bitte dran denken, die Personen auf den Bildern vorher noch weg zu retoucchieren. Nach der Revolution können die ja gerne in ganzer Pracht gezeigt werden, doch bis dahin bringen die Fotos den womöglich Beteiligten nur unnötige Probleme.)

Verpixeln der Bilder? Wozu?

? 02.05.2007 - 23:48
Das sind doch dpa-Fotos, die heute in jeder Tageszeitung waren. Die Typen drauf haben doch extra für die Presse gepost. Hatte keinen politischen Hintergrund, war reine "ich komme in die Zeitung, yuhuu!"-Aktion.

Bierzeltstimmung

Biertrinker 03.05.2007 - 09:34
Man sollte vielleicht auch mal betonen, dass das Myfest am meisten Besucher gezogen hat, mehr als alle demos und so zusammen. War ja auch ´ganz nett. Wer tatsächlich demonstrieen wollte, konnte das tun und sich zwischendurch bei Köfte und bier ausruhen.
Die Randale am Schluss war wohl unvermeidlich, so etws kommt allerdings auf jedem Feuerwehrball oder Zirkus vor, wenn größee Menschenmengen zusammenkommen. Was daran revolutionär sein soll, wissen die Akteure wohl selbst nicht so genau. Die Bullen haben offensichtlich alles versucht, um der Randale auszuweichen.

auch lob von mir

alibi 03.05.2007 - 10:25
bis jetzt der einzige artikel über den 1. mai in berlin auf indymedia mit dem ich konform gehe. allerdings würde ich die top -demo unter berücksichtigung, dass es sich um eine jugend(liche)demo handelte anders beurteilen. erstmal finde ich es gut dass die neue generation versucht was eigendes zu machen und zweitens ob nun 300, 500 oder 800 dort waren ist doch nicht so entscheidend sondern die inhaltliche arbeit (plakate und flyer, den aufruf,schöne transperente malen, vorbereitungstreffen..) die im vorfeld gelaufen ist.

billige Polemik....

Demonstrant 03.05.2007 - 10:34
Au ja, so sieht heute "linker" Journalismus aus...Wenn die SchreiberInnen des Artikels ihre persönlichen Animositäten haben, ist das allein ihr Problem. Bei den Fakten bleiben sollte mensch aber trotzdem: Die revolutionäre Demo um 13 Uhr war mit sicher mehr als 1500 TeilnehmerInnen gut besucht. Immer mehr Leute, darunter viele MigrantInnen, Familien mit Kindern und "Normalos", auf deren Anwesenheit sowohl die Möchtegern-Loveparade namens "Mayday" als auch das antideutsche Stelldichein am Vorabend (was für ein toller Aufruf an die Massen-23. Semester Soziologie, anybody?) nur wenig wert legen, schlossen sich der Demo an. Wenn die VerfasserInnen des Artikels Parolen und Redebeiträge gegen Sexismus, imperialistische Kriege und Aufrufe zur internationalen Solidarität und zum gemeinsamen Kampf aller Unterdrückten als "maoistische Revoltionsromantik" betrachten-bitte schön. Auch um diese Demo, auf der auch Gruppen wie REVOLUTION, Antifas und Punks massenhaft zu sehen waren, aufs "maoistische Spektrum" zu reduzieren erfordert braucht mensch schon eine ganze Menge Phantasie. Aber vielleicht ist genau das ja die Stärke der sogenannten "undogmatische Linken". Dann wäre aber auch die Frage erlaubt, was so ein Bericht auf Indy soll. Jungle World, Bahamas oder Welt am Sonntag wären mit so nem Geschreibsel bestimmt besser bedient....

(muss ausgefüllt werden)

sagichnich 03.05.2007 - 13:09
Hab gehöhrt, dass es zur Walpurgisnacht auch schwerverletzte auf unserer seite gab.Es sollen ein paar Leute noch im Krankenhaus liegen. Weiß da jemand was genaueres?!

@(muss ausgefüllt werden) 03.05.2007 - 10:38

kein nationalist 03.05.2007 - 14:35
schon mal daran gedacht, dass hier palästinenser leben, die auch nen eigenen staat haben wollen...

abgrenzung?

antifa 03.05.2007 - 15:53
das die gewalttäter der maoistischen "Revolutionäre 1.Mai-Demo" auf der 18-uhr-demo als zweiter block mitlaufen durften, noch vor dem freiräume-block(!), ist echt unglaublich. mit denen sollte es keine zusammenarbeit geben. die haben mitter der 90er mit brutaler gewalt das erste ende der gemeinsamen 1.mai-demos eingeleitet, weil sie sich gegen die autonomen mit stöcken und ketten an die spitze der demos prügeln wollten. in den konflikten um antimp-antideutsch haben sie dann mehrfach an gewalttätigen übergriffen teilgenommen und bedrohen auch heute noch menschen auf offener straße. nicht zu vergessen ist ihr angriff auf eine bahamas-verantsaltung im kato. natürlich ist die bahamas scheiße, aber der mob vor der tür hat "juden raus" skandiert und wie auf spiegel tv zu sehen war, waren aktivisten der rim/rk direkt dabei (!).
das dürfte eigentlich reichen um einen klaren strich zu ziehen, aber gruppen wie die alb, arab oder auch autopool scheinen schnell zu vergessen oder andere prioritäten zu setzen... SCHADE!

Ein schönes Resümee

Warhead 03.05.2007 - 18:31
Gefällt mir ausserordentlich,vor allem der Duktus sagt mir sehr zu,da kann man sich wenigstens auf die Schenkel klatschen.
So tot wie einige meinen ist der erste Mai doch nicht,ich würde ihn als äusserst Untot bezeichnen.
Und nein,wir mögen die Top,wir mögen nur kein Hip-Hop,Ragga,Ragge und diesen ganzen Crossoverkram.
Ich brauche nur einen Blick auf dieses scheintote Publikum zu werfen was das Overkill frequentiert,da hab ich schon genug...okok Prinz Porno/Pi,Justus Jonas und Taktlo$$ sind schon ne Klasse für sich,aber dieses aufgestylte rumgepose ist aufgesetzt,da kann der Inhalt noch so narhaft sein,aber das Auge isst eben mit

Heuschrecken-Metapher

Anti-Münte 04.05.2007 - 00:14

Heuschrecken-Diskurs...

Zu viel Selbstdarstellung

Annabell 04.05.2007 - 15:42
Nicht nur die nationalistische Symbolik in Form von Palästina- und Baskenlandfahnen war unerträglich...

Habe es lange nicht mehr erlebt, dass auf einer linken Demo gleich mehrfach Deutschland-Parker getragen werden konnten.

Aber noch ein wenig Kritik am ALB-Lauti: Mich hat die Selbstdarstellung auf dem Lauti gestört. Die eine Person fuchtelte aggressiv mit der rechten Hand, um seinen Parolen Nachdruck zu verleihen...eine regelrechte Melange aus Aggro-Berlin und Demagogie. Was soll dieses Posing. Dann doch lieber digital eingespielt, so entzieht man den Mackern den Platz zum exponieren.

Den Redebeitrag der Sprecherin vom 13 Uhr-Bündnis war uneträglich. Ich glaube, sie hat nicht einmal gemerkt, dass sie vm ALB-Sprecher regelrecht verarscht wurde, als er wie bei einem Boxkampf ankündigte "Und Und Und der letzte Satz...". Der Ölolinx-Redner wirkte wie ein Relikt einer vergangenen Zeit und forcierte nicht egrade meine revolutionäre Stimmung.

Ziel einer revolutionären Demonstration egal zu welchem Zeitpunkt muss sein, die Romantisierung zu überwinden und mit tradierten Vorstellungen zu brechen.