Berlin: Parcours Global - Fit für den Gipfel

Frieda und Otto 28.04.2007 14:56 Themen: G8 Heiligendamm
27.4.2007 +++ Parcours Global in Berlin-Mitte +++ 200 AktivistInnen machen sich inhaltlich und motorisch fit für den Gipfel +++ Symbolische Aktionen zum G8 Gipfel in Heiligendamm, zu Krieg, Rassismus, Kolonialismus, Biopiraterie und internationaler Solidarität mit Gewerkschafts-AktivistInnen in Kolumbien +++ Bullen wollen Eier, kriegen aber nur Möhren +++ (deshalb?) Eskalation vor Dussmann i.d. Friedrichstraße – Lauti samt Besatzung von Bullen entführt +++
Am Freitag gegen 18 Uhr fand sich ein bunt bis sportlich verkleideter Haufen am Pariser Platz ein, vorm Adlon-Kempinski-Hotel. Der großartige „Parcours Global: Kombinationsgymnastik gegen G8“ stand auf dem Programm, das Happening, auf das wirü alle schon seit Wochen und Monaten hingefiebert hatten. Das Wetter war mit Blick auf ein solches Ereignis angemessen – ca. 29°C im Schatten.

Die freundliche Wettkampfleitung begann nach einer kurzen Begrüssung, die AktivistInnen in vier Teams aufzuteilen – Team Genua, Team Seattle, Team Prag und Team Heiligendamm. Alle Teams erhielten schicke Stirnbänder, es folgte eine kurze Aufwärmübung – und los ging's.

Station 1 – das Kempinski-Hotel am Pariser Platz

Ziel war es, die Beherbergung der acht Staats- und Regierungschefs durch die Kempinski-Kette mindestens zu kommentieren. Alle Teams sollten sich also als Buchstabenballet formieren, sprich aus einem bereitgestellten Alphabet im A2 Format möglichst aussagekräftige Parolen bilden. Heraus kamen Wortungeheuer wie „G8ISTOBERWÜRG“ oder „G8VERSENK N“, aber auch lustige Reime: „WEHATEG8“. Zeit, Kreativität und die Zahl der verwendeten Buchstaben wurden von der Wettkampfleitung nach bisher unbekannten Kriterien bewertet.

Dann ging's weiter durch Berlin-Mitte. Mit Turnschuh, Rollerblades und vielen Fahrrädern starteten wir in Richtung Friedrichstrasse. Die ersten Reihen gaben ein ordentliches Tempo vor, da kann sich so manche Latschdemo 'ne Scheibe von abschneiden. Ein besonderer Spaß war nebenbei das Herausdrängen der Fahrrad-Bullen aus unserer Demo – Leute mit so lächerlichen Helmen und grünen Fahrrädern wollen wir nämlich nicht.

Station 2 – Friedrichstraße, Ecke Möhrenstraße - Coke kills

Der CocaCola-Konzern hat hier seine Berlin-Residenz, relativ unscheinbar und leicht zu übersehen. Ziel dieser Station war es, dies zu ändern und speziell auf die Situation von GewerkschaftsaktivistInnen in Kolumbien aufmerksam zu machen. In den letzten Jahren hat es in Kolumbien mindestens acht Morde an Gewerkschaftsvertretern gegeben, zuletzt 2002. Beschäftigte der Coke-Abfüllanlagen, die sich für ihre Rechte einsetzen, werden bis heute mit Drohungen, auch gegen ihre Familien, terrorisiert, viele GewerkschafterInnen mussten fliehen.

Vor der Cola-Residenz wurde also die Straße etwas verschönert, die Konzern-Politik in dieser Hinsicht kritisiert. Die vier Teams mussten jeweils mit dem Buch „No Logo“ von Naomi Klein einige Coke-Flaschen umkegeln – für was Bücher alles gut sind... Im Anschluss musste eine Coke-Werbefläche zertrümmert und umgestaltet werden. Besonders das gelbe Team glänzte bei dieser Aufgabe.

Station 3 – Möhrenstraße

Hier sollte noch einmal der Forderung von linken „GemüselieferantInnen“ aus dem Jahr 2003 Nachdruck verliehen werden, der Mohrenstraße einen angemessenen und nicht die deutsche Kolonialgeschichte verherrlichenden Namen zu geben. (Einen Bericht der Aktion von 2003 findet ihr hier: GemüsehändlerInnen gegen Kolonialismus ). Aus diesem Grund wurden die Strassenschilder mit Möhren geschmückt. Aus dem O wurde außerdem ein Ö – das sieht so wirklich besser aus.

Station 4 – Rheinmetall

Rheinmetall ist einer der führenden deutschen Rüstungskonzerne. Er stellt so ziemlich jedes Mordwerkzeug her. Nach 9/11 hat Rheinmetall zudem ein weiteres, lukratives Geschäftsfeld entdeckt: Public security. Zur Unterbindung von Migration baut Rheinmetall Sensoren, luftgestützte Überwachungssysteme, und Kontrolleinrichtungen für Grenzübergänge.

Ziel dieser Aktion war, um die Rheinmetall Residenz einen Gürtel aus „Berliner Tretmienen“ zu legen – Hundescheiße für den Scheißkonzern. Leider wurde die in den letzten Tagen eifrig gesammelte Scheiße in irgendeiner WG vergessen. Aber wie heisst es so schön: Heute ist nicht alle Tage...

Station 5 – das Bundesministerium für Justiz

Hier wurden die vier Team aufgeteilt, um den gerne übersehenen Konflikt um Patente und geistiges „Eigentum“ zu verdeutlichen– zwei Teams hatte die wenig ruhmreiche Aufgabe, die Kapitalseite zu spielen. Sie waren ausgestattet mit Ballons, welches mehr schlecht als recht „unser Wissen“ darstellen sollten, mit welchem sich das Kapital davonmachen will. Die anderen zwei Teams verblidlichten den globalen Widerstand gegen diese Schweierei, sie sollten das Kapital umzingeln – was eigentlich ganz gut gelang. Wobei: „unser Wissen“ zerplatzte vor allem, an dieser Stelle muß die Widerstands-Praxis also noch nacharbeiten.

Kritik fand an dieser Station also die Privatisierung des Wissens. Der Bereich geistiger Eigentumsrechte wird immer stärker ausgeweitet. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Patente auf Pflanzen undenkbar, heute sind sie schon fast Alltag. Für Bäuerinnen und Bauern war es früher völlig normal, Teile ihrer Ernte wieder auszusäen. Heute müssen sie dafür Gebühren bezahlen. Große Konzerne aus dem Agrar- und Pharmabereich, aus der Software- und Unterhaltungsbranche dagegen profitieren. Sie haben Geld und das technische und rechtliche Wissen, um Patente zu beantragen und durchzusetzen. Diese Konzerne kämpfen für die Ausweitung geistiger Eigentumsrechte und werden dabei von Regierungen tatkräftig unterstützt. Geistige Eigentumsrechte machen Natur und Mensch,Wissen und Kunst zur Ware. Hingewiesen wurde an dieser Station auch auf den „Aktionstag globale Landwirtschaft“ am 3. Juni in und um Rostock.

Kurzer Halt

Kurz vor dem Endspurt wurde die Demo aufgehalten. Die Bullen behaupteten, dass neben den schon genutzten Möhren auch Eier verteilt worden seien. Es folgte ein von Seiten der Bullen sehr verwirrtes hin und her und zwei bis drei eher absurde Durchsagen („Bitte geben sie die Eier bei der Versammlungsleitung ab.“). Am tollsten: Haufenweise Anti-Konflikt-Teams schwärmten aus, um alle AktivistInnen einzeln zu fragen, ob sie denn Eier dabei hätten. Irgendwann war es den Bullen offensichtlich peinlich und der Endspurt konnte starten.

Station 6 – Dussmann als Profiteur rassistischer Ausgrenzungspolitik

Die Station 6 hatte den Bullen anscheinend am meisten Angst eingeflösst. Ziel war eine Kundgebung vor dem Dussmann-Kulturkaufhaus gewesen. Diese war in den Demo-Auflagen mit der Begründung verboten worden, Dussmann sei „ein wichtiger Unternehmer“ und seine Geschäfte dürften nicht gestört werden. Noch während der Demo, in Folge der Diskussion um die mitgeführten Eier, wurde von der Einsatzleitung zudem die Demo-Route spontan geändert, so dass wir noch nicht einaml mehr am Haupteingang der Dussmann-Filiale vorbeiziehen konnten, sondern über die für eine sportliche Demo völlig ungeeignete Charlottenstraße hinter der Filiale langjoggen bzw- -fahren mußten.

Ziel dieser Station war es, den Filialleiter, am besten natürlich Peter Dussmann selbst, zum Verzehr von Toastbrot mit Bierwurst und Schmelzkäse zu bewegen. Alle Team erhielten also ein Tablett mit eben diesem Essen. Hintergrund ist folgender: Dussmann bereichert sich an rassistischer Ausgrenzungpolitik, indem er das „Ausreisezentrum“ Motardstraße mit „Essen“ versorgt. Pro Essen erhält Dussman von der Stadt Berlin 7 €, der Wert des Verpflegungspaketes, das einen Menschen einen Tag lang ernähren soll, dürfte um ein paar Euros darunter liegen. Das Essen wird von den BewohnerInnen der Motardstraße als ekelhaft beschrieben.

Eskalation der Berliner Bullen

Zu der Übergabe der Tabletts kam es aber nicht mehr. Wie gesagt hatte die Berliner Polizei extrem viel Angst um den „wichtigen Unternehmer“ Peter Dussmann. Als die Demo also in die Friedrichstraße einbog, um – natürlich direkt vor der Filiale - der Kritik an Dussmann und rassistischer Ausgrenzung Verhör zu verschaffen, wurde sie von den Bullen gestoppt. Als Begründung wurde genannt, dass die Auflagen zur Demo sagen würden, die Kundgebung müsse 30 Meter weiter Richtung S-Bahnhof, also auf keinen Fall vor Dussmann selbst stattfinden.

Dann ging alles recht schnell. Die Bullen drängten ohne Vorwarnung oder Durchsage die ersten Reihen recht brutal zurück. Gleichzeitig schubsten sie den Lauti-Schutz zur Seite und nahmen, die vier Leute fest, die sich im Lauti befanden. Der Lauti selbst wurde beschlagnahmt. Die Demo wurde 30 Meter Richtung S-Bahnhof gedrängt. Dort durfte dann, ohne Lauti und ohne unsere vier Freunde und Freundinnen, die Abschlusskundgebung stattfinden. (Der Lauti und die vier kamen nach knapp zwei Stunden wieder frei. Ob der Lauti beschädigt wurde ist uns momentan nicht bekannt. Die vier mussten Personalien abgeben und wurden fotografiert – natürlich mit Perücke.)

Fazit, Teil 1

Die Eskalation der Bullen am Ende ist ein Skandal. Das sie, zudem symbolische (mensch könnte auch sagen spielerische) Kritik am Dussmann-Konzern mit dieser dreisten Eskalation verhindert, ist bezeichnend. Zudem ist es wohl auch ein Versuch, kurz vor dem ersten Mai und kurz vor den Aktionswochen in Rostock und Heligendamm potentiell unkontrollierbaren Protest und Widerstand durch ihre billigen Einschüchterungsversuche zu be- oder verhindern. (Was nicht funktionieren wird.)

Fazit, Teil 2

Der Parcours Global war eine gelungene Mitmach-Demo und wie wir finden eine großartige Abwechslung zu ansonsten leider oft berechenbaren und passiv-konsumierten Demos und Aktionen. Das ist für eine linke Berliner schon was besonderes. Mitmachen und eine Demo selbst mitgestalten ist hier ja meist nicht angesagt. (Eine Demo distanziert kommentieren dagegen schon.) Die Stimmung war ausgesprochen gut, der Zeitpunkt war goldrichtig, um neben der ganzen anstrengenden G8-Vorbereitung auch mal was zu wuppen – auf der Strasse. Unser Fazit also: Spass kann auch Widerstand machen - mehr davon!

Wie weiter?

Am 9. Mai gibt es eine große Berliner G8-Protest-Vollversammlung. Der Ort ist noch unklar, achtet auf Ankündigungen!!! Der Parcours Global fand im Rahmen der „fit für den gipfel“-Reihe staat. In den nächsten Wochen gibt es noch weitere Aktionen – checkt Fit für den Gipfel>
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Ergänzungen

Prügelvorwürfe gegen Polizei

kurt 28.04.2007 - 15:20
G8-Demonstration
Prügelvorwürfe gegen Polizei
Die Berliner Polizei hat Berichte zurückgewiesen, wonach Beamte bei einer Demonstration am Freitag im Bezirk Mitte ohne Vorwarnung auf Teilnehmer eingeprügelt hätten.

Berlin - "Die Teilnehmer haben eigenmächtig ihre Route geändert und dagegen sind wir eingeschritten", sagte ein Polizeisprecher. Die Veranstalter der G8-Protestaktion unter dem Titel "Sportlicher Parcours" vom Pariser Platz zur Dorotheenstraße hatten zuvor erklärt, Beamte hätten auf Demonstranten eingeprügelt und die Technik eines Lautsprecherwagens vorsätzlich beschädigt. Insgesamt seien zehn Demonstranten leicht verletzt worden.

Nach Angaben des Polizeisprechers waren die Demonstranten "wissentlich" von ihrer genehmigten Wegstrecke abgewichen. Dazu sei auch aus dem Lautsprecherwagen aufgerufen worden. Die Beamten seien dagegen vorgegangen, dabei sei auch der Einsatzleiter tätlich angegriffen worden. Weil aus dem Wagen zum Abweichen von der Route aufgerufen wurde, hätten Beamte das Mikrofon "nicht sachgerecht" von der Lautsprecheranlage getrennt, räumte der Sprecher ein. Insgesamt nahm die Polizei vier Teilnehmer der Demonstration fest. Ihnen wurde unter anderem Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie Verstoß gegen das Versammlungsgesetz vorgeworfen. (tso/ddp)

Flugblatt zum Parcours

karl heinz 28.04.2007 - 17:00
Folgendes Flugblat wurde auf dem Parcours Global an PassantInnen verteilt:

Parcours Global – Kombinationsgymnastik gegen G8

Nur noch 36 Tage, und die Aktionswoche gegen den G8-Gipfel be­ginnt. Damit uns während der Woche in McPomm nicht die Puste ausgeht, machen wir uns fit für die Herausvorderungen, die uns dort erwarten. In Berlin-Mitte stimmen wir uns inhaltlich und motorisch darauf ein, den GipfelteilmehmerInnen entgegenzutreten.
Dabei greifen wir bei unserem Rundlauf zentrale Themen des Gipfelprotestes auf: Migration, Krieg, kapitalistische Enteignung. Stationen sind:

Adlon:
Das, laut Berliner Zeitung, "Gästehaus der Herrschenden" gehört wie das Kempinski Hotel in Heiligendamm, dem diesjährigen Austragungsort des G8 Gipfels der Fundus Gruppe. Diese verwaltet Anteile an Immobilienfonds und verdient damit ihr Geld. In Heiligendamm haben sie große Teile der Stadt aufgekauft und für die Öffentlichkeit gesperrt. Die "Legende von Heiligendamm" soll durch den Bau von Luxus Villen und die Enstehung von Golfplätzen wieder aufleben, selbstverständlich nur für die­jenigen die es sich finanziel leisten können.

Coca Cola:
In Kolumbien werden die meisten Morde an Gewerkschaftern weltweit verübt. Coca-Cola profitiert von dieser Situation. Seit Jahren betreiben die Coca-Cola-Abfüller in Kolumbien eine extrem gewerkschaftsfeindliche Politik, die auch vor Morden nicht zurückschreckt.
1996 erschossen Paramilitärs den Gewerkschaftsführer Isidro Segundo Gil auf dem Werksgelände des Coca-Cola-Abfüllers in dem kolumbianischen Städtchen Carepa. Kurz darauf brannten sie den Sitz der örtlichen Gewerkschaft nieder und zwangen alle in dem Abfüllwerk tätigen GewerkschafterInnen unter Todesdrohungen zum Austritt aus ihrer Organisation – mit Wissen des Werksleiters Ariosto Milan Mosquera. Seither hat es weitere acht Morde an Gewerkschaftsvertretern gegeben, zuletzt 2002.
Beschäftigte der Abfüllanlagen, die sich für ihre Rechte einsetzen, werden bis heute mit Drohungen, auch gegen ihre Familien, terrorisiert, viele GewerkschafterInnen mussten fliehen.
Mit der Behauptung, für die Bedingungen in seinen Abfüllbetrieben nicht verantwortlich zu sein, weist Coca-Cola seit Jahren alle Vorwürfe zurück. Aber die Coca-Cola Company ist mitverantwortlich für die Angriffe und Morde! Die Situation in den kolumbianischen Abfüllbetrieben ist dem Konzern in Atlanta seit langem bekannt. Der Mutterkonzern und seine kolumbianischen Partner haben auf die Schutzgesuche der Gewerkschaft nie reagiert.
Die Angriffe gegen die Gewerkschaft geschehen nicht im luftleeren Raum: Weltweit werden Arbeitverhältnisse entgarantiert, Stellen gestrichen und Arbeitsrechte mit Füßen getreten,
nicht nur bei Coca-Cola. Jedoch ist Coca-Cola ein Beispiel dafür, wie prekäre Arbeitsverhältnisse global und mitunter äußerst brutal durchgesetzt werden. In Kolumbien profitiert Coca-Cola von den Angriffen auf Gewerkschafter, denn mit der Zerschlagung der Beschäftigtenvertretungen wird der Widerstand gegen die Umstrukturierungen aus dem Weg geräumt. Heute besitzen die wenigsten Beschäftigten bei Coca-Cola-Kolumbien noch feste Arbeitsverträge, die Löhne wurden auf ein Drittel gesenkt und Zeitarbeitsverträge eingeführt.

Mohrenstr.:
"Mohr" ist die älteste deutsche Bezeichnung für schwarze Menschen, im Wort steckt das griechische "moros", das mit "töricht, einfältig, dumm, gottlos" übersetzt werden kann, sowie das lateinische "maurus", das für "schwarz, dunkel, afrikanisch" steht. Aus dem altdeutschen "Mor" wurde dann "Mohr". Ein Wort, das Menschen mit negativen Eigenschaften belegt und die Hautfarbe damit verbindet und als wichtigste Eigenschaft deklariert, ist eindeutig rassistisch!
Die "Mohrenstrasse" wurde um 1700 nach einer Gruppe von 12 afrikanischer Menschen benannt, die im Zuge des europäischen Kolonialismus nach Deutschland verschleppt worden waren. Der deutsche Kaiser Friedrich Wilhelm I. bekam sie als Teil der Bezahlung für die Abtretung preußischer Kolonialländereien an die Niederlande. Anschließend wurden sie gezwungen, im deutschen Heer als Militärmusiker aufzutreten. Offiziell wird nichts weiter darüber berichtet, wie sie gelebt haben; sie waren und sind nur die "Mohren", eine Attraktion oder historisches Material, aber keine Menschen.
Wir schlagen daher vor diese Straße umzubenennen, am besten so, dass an die deutsche Kolonialgeschichte erinnert wird.

Rheinmetall:
Rheinmetall ist eines der führenden deutschen Rüstungsunternehmen. Es stellt so ziemlich jedes Mordwerkzeug her: von Munition über Mittelkaliberwaffen, Flugabwehrsysteme bis hin zu gepanzerten Fahrzeugen. Diese Waffensysteme dienen sie der Bundeswehr an, die damit nicht den Frieden sichert, sondern deutsche Interessen und Einflußgebiete. So etwa der neue Panzer PUMA oder das Protective Shield mit dem Basen in Kriegsgebieten geschützt werden sollen.
Im Windschatten von 9/11 hat der Rheinmetall Konzern ein weiteres lukratives Geschäftsfeld entdeckt: Public Security. Migration wird mit Naturkatastrophen gleichgesetzt wenn es heißt, dass Sicherheit heute "viel stärker als Schutz vor terroristischer Bedrohung, illegaler Einwanderung und Katastrophen begriffen" wird.
Das mit mörderischer Konsequenz: Rheinmetall stellt optische und akustische Sensoren, luftgestützten Überwachungssysteme und Kontrolleinrichtungen für Grenzübergänge her.
Bei dem Versuch nach Europa zu gelangen sterben jährlich über 2000 Menschen - Rheinmetall macht mit!

Bundesjustizministerium:
Während der EU Ratspräsidentschaft und der Präsidentschaft der G8 Staaten will die Bundesregierung u.a. in Form des Bundesjustizminiseriums die Patentierung und geistige Eigentumsrechte zu einem wichtigen Thema machen. Dies soll auf der Innenminister- und Justizministerkonferenz der G8 Staaten in München erfolgen.
Die weitere Durchsetzung „geistiger Eigentumsrechte" wird aber auch ein Schwerpunkt der Absprachen in Heiligendamm sein. Unter anderem geht es dabei um Patente auf Pflanzen und Tiere, deren Gene sowie Gene des Menschen - mit anderen Worten um Biopiraterie. Biopiraterie bedeutet: biologische Substanzen und das dazu gehörige traditionelle Wissen werden zu Privateigentum gemacht. Es klingt paradox, aber es ist so: zuerst wird gestohlen und danach wird das Diebesgut rechtlich geschützt. Diesem Zweck dienen Patent-, Sortenschutz- und Markenrecht sowie internationale Verträge wie das TRIPS-Abkommen der Welthandelsorganisation (WTO). Die Verschärfung dieser "Schutzmechanismen" wird in den informellen Gesprächen der Regierungschefs vorangetrieben. Patentiertes Saatgut, welches immer wieder nachgekauft werden muss, und patentierte Medikamente, die aufgrund der Monopolstellung teuer verkauft werden können, sind lebensbedrohend für viele Menschen.

Hertie School of Governance:
Die von der Hertie Stiftung privat-finanzierte Hertie School of Governance steht beispielhaft für die Verzahnung von Herrschaft und Wissenschaft. Nicht nur dass diese Schule die Elite von morgen heranziehen soll - dort findet zu allem Überfluß auch noch vom 26. April bis zum 01. Mai ein G8-Gipfel für "Studenten aus aller Welt" statt. Die auf der Internetseite präsentierte Welt ist allerdings limitiert auf, wie sollte es anders sein, die G8 Länder sowie fünf Beobachter (Brasilien, China, Indien, Mexico, Süd Africa).
In diesem "Gipfelchen" sollen die Studenten lernen wie es so ist als Regierungsverantwortliche zu handeln. In dem beschränkten Rahmen des von den gesellschaftlichen Verhältnissen vorgegebenen Rahmens werden diese Elite-Studierenden munter über Themen reden die die "Weltpolitik betreffen" um schon einmal für später zu üben. Als Ergebnis wird ein Kommunique verabschiedet, welches auch auf dem "richtigen" G8-Gipfel vorgelegt wird.
Dieser Studi-Eliten Gipfel ist genauso überflüssig wie der echte!

Dussmann:
Es gibt viele Gründe die Dussmann-Gruppe mit ihrem Chef Peter Dussmann mehr als unsympathisch zu finden. Zu dem Unternehmen gehören neben dem bekannten Kulturkaufhaus ein Altenpflegediens, Pedus Office (Konferenzen) und Dussmann Service (Catering). Bei Dussmann wurde über Jahre versucht die Gründung eines Betriebsrates zu verhindern, Peter Dussmann ist einer der Vorreiter bei der Abschaffung des Ladenschlussgesetzes und bezahlt in seinen Geschäftsbereichen Dumpinglöhne. Zudem bereichert sich die Dussmann Gruppe an dem Lager Motardstraße. Als Caterer hat Dussmann für die Stadt Berlin die Versorgung in der Motardstraße übernommen. Dort befindet sich das einzige Lager in Berlin in dem MigrantInnen Sachleistungen als Vollverpflegung erhalten. In dem Ausreisezentrum Motardstraße soll die Durchsetzung der Ausreiseverpflichtung von ausreisepflichtigen MigrantInnen gefördert werden.In der Praxis verbergen sich hinter der abstrakten Zielgruppe abgelehnte, ausreisepflichtige Asylsuchende, die nicht im Besitz eines Passes oder anderer identitätsausweisender Papiere sind und deshalb nicht abgeschoben werden können.
Pro Essen erhält Dussmann von der Stadt Berlin 7 Euro. Der Wert eines Verpflegungspaketes, dass einen Menschen einen ganzen Tag ernähren soll, wird wohl ein gutes Stück darunter liegen. Um den Preis niedrig und damit den Gewinn hoch zu halten, ist die Qualität des Essens so gut wie nicht vorhanden. Für den hohen Kulturmäzen Dussmann ist es anscheinend unerheblich, ob die de facto erzwungene tagtägliche Ernährung mit derartigen Essenspaketen nicht eine Tortur für die EsserIn darstellt: „Ansonsten bekommen wir Essenspakete. Jeden Tag dasselbe. Es ist viel zu wenig. Für morgens und abends zwei Brötchen oder eine Scheibe Brot und ein Brötchen, je eine Scheibe Wurst und Käse, bißchen Butter und Marmelade, für mittags eine Schale mit abgepacktem Essen. Es gibt hier keine Mikrowellen, also ist das Essen mittags kalt und viel zu wenig. Dazu gibt es noch einen Liter Milch oder Saft und manchmal eine Frucht.“ (aus einem Interview mit einem Bewohner)

Joggen gegen G8 hier und jetzt.
Aktiv gegen G8 im Juni:
1. Juni: Neubesiedlung des Bombodroms bei Wittstock
2. Juni: Großdemonstration Rostock
2. Juni: Schwerin, Antifaschistische Demonstration
3. Juni: Aktionstag Landwirtschaft
4. Juni: Aktionstag Migration; 13.00 Uhr Demonstration in Rostock, 19.30 Uhr Podiums-Veranstaltung; Aktivitäten an Lagern, Ausländerbehörden
4. – 7. Juni: Aktionen Zivilen Ungehorsams/ Blockaden
5. Juni: Aktionstag Antimilitarismus, Blockaden Flughafen Rostock-Laage und Heiligendamm
5. – 7. Juni: Alternativgipfel
7. Juni: Sternmarsch Heiligendamm, von Nienhagen, Kühlungsborn, Bad Doberan, Kröpelin

bullen lügen

dorothea 28.04.2007 - 17:04
es ist absoluter quatsch, dass aus dem lauti zum verlassen der demoroute aufgefordert wurd. die scheinen ihren völlig überzogenen einsatz rechtfertigen zu müssen.
es ist auch als provo zu werten, denn es passiert nicht oft, dass die bullen den lauti in berlin kapern.

Pictures

Mike/Umbruch 29.04.2007 - 15:13
Da ich nicht weiss, ob ich noch einen eigenen Bericht zusammen gebrutzelt bekomme hier einige Highlights zu der gelungenen Aktion!!!

More pictures

Mike/Umbruch 29.04.2007 - 16:05
xxx

Stimmungsmache vorm G8

,.., 29.04.2007 - 23:32
Kurz vorm G8 wird schon mal für die nötige Stimmung gesorgt. Nach den "Links-Terroristen planen Hass-Demo zum 1.Mai in Kreuzberg"-Artikeln heisst es heute: "Die deutschen Sicherheitsbehörden haben nach Informationen des Fernsehsenders RTL konkrete Hinweise auf einen bevorstehenden Terroranschlag in Deutschland"

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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gute demo, hat spass gemacht — (muss ausgefüllt werden)

Warum immer noch DEMO? — Arnoldina