Lüsewitz: Genfeld-Besetzung knapp verhindert

I. Broer 15.04.2007 00:33 Themen: Biopolitik G8 Ökologie
In der Nacht zum Donnerstag (12. April) konstruierten etwa 30 AktivistInnen auf einem der teuersten Genfelder der BRD das Gestell für einen etwa 17 Meter hohen Turm. Die Polizei hatte durch Denunziation einer AnwohnerIn Verdacht geschöpft und entdeckte in mehreren in einem Nachbarort abgestellten Wagen Infrastruktur und weitere Hinweise auf die Aktion. Trotz der deutlichen Informationen und mehrfacher Kontrollen des betreffenden Ackers bemerkten die PolzistInnen die noch auf dem Boden liegende mehr als 30 Meter lange Holzkonstruktion und die dort befindlichen AktivistInnen nicht und zogen unverrichteter Dinge ab. Erst ein blöder Zufall sollte zur Entdeckung führen...

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In Groß Lüsewitz hat das "AgroBioTechnikum" ein Zusammenschluss gentechnik-freundlicher Unternehmen und Forschungseinrichtungen seinen Sitz und eine Vielzahl von Freisetzungsflächen. Bereits im letzten Jahr machte ein Versuch dort von sich reden: genetisch veränderte Kartoffeln, die u.a. ein Cholera-Protein produzieren sollen. Nach der Aussaat waren die Gentech-Felder des "Innovations-Zentrums" mit teuren Sicherungsmaßnahmen bewacht. Abgesehen von dem hohen Einsatz von Polizeikräften gab es auf den Feldern extra Container für Wachleute, die das Feld - mit Unterstützung von Scheinwerfern und Videokameras - beschützten. In zeitlichem Zusammenhang mit dem G8-Vorbereitungscamp "Camp Inski" gab es mehrere Aktionen gegen diesen Versuch. Doch es war schwer, an die von bereits auf G8-Proteste scharfgemachten PolizistInnen bewachten Felder heranzukommen. In einem Fall zog ein Feldwächter gegen Gentech-KritikerInnen die Schusswaffe, wohl signalisierend, dass er die Genpflanzen um jeden Preis schützen würde.

Eine bunte Mischung von AktivistInnen aus verschiedenen Zusammenhängen und Organisationen hatten sich entschlossen, das Gentech-Kartoffel-Feld in diesem Jahr schon vor der Aussaat zu besetzen. Ein Widerstandsdorf mit Türmen, Bauwagen und verschiedensten Lock-ons sollte entstehen. Die BewohnerInnen der umliegenden Dörfer sollten eingeladen werden, sich am Widerstand gegen die gentechnischen Freisetzungsversuche zu beteiligen oder auch in Diskussion mit den AktivistInnen auf dem Acker zu kommen.

Mit Türmen, Bauwagen und Lock-ons gegen Gentech-Kartoffeln

Trotz der gewiss intensiven Überwachung der Region um Rostock durch die G8-Schutzpolizei konnten die AktivistInnen ungestört drei fast 18 Meter lange massive Baumstämme auf das Feld transportieren, diese in die richtigen Positionen bringen und aneinander befestigen. Selbst die Drahtseile, mit denen die Konstruktion aufgerichtet werden sollte, waren bereits gelegt, Sicherungen an dem entstehenden "Tripod" (dreibeiniger Turm, sieht im Gerüst aus wie ein unfertiges Tipi) angebracht und Vorbereitungen für weitere Blockadetechniken getroffen. Es fehlten noch etwa 15 Minuten, dann hätte der Turm gestanden, AktivistInnen hätten sich daran festgemacht und eine nur schwer zu räumende Blockade hätte die Aussaat der Gentech-Kartoffeln, die nun in ihrem zweiten Versuchsjahr ausgebracht werden sollten verhindert.

Polizei: Trotz umfangreicher Ressourcen und Mittel ohne Durchblick

Fahrzeuge mit Hängern und Blockadematerial waren in näherer Entfernung zum Feld abgestellt worden. Mit einigen AnwohnerInnen war bereits geredet worden und abgesprochen, dass die Fahrzeuge bis zum nächsten Tag dort stehen bleiben könnten. Nur eine BewohnerIn beschwerte sich über die ihr suspekten (tatsächlich sehr auffälligen) Gefährte und drohte mit der Polizei, wenn diese das "Privatgelände" nicht verlassen würden. Die Fahrzeuge wurden sofort weggefahren, aber die Polizei bekam offensichtlich trotzdem einen Hinweis. Kurz nach diesem Vorfall tauchte ein Zivi-Wagen auf, der immer wieder Kontrollfahrten vornahm. Spät in der Nacht kam es dann zu einer polizeilichen Durchsuchung der Bauwagen. Dabei stießen die BeamtInnen auf Lock-on-Vorrichtungen, Karten und vorbereitetes Aktionsmaterial und beschlagnahmten einen Großteil davon. Ein dritter Polizeitransporter musste angefordert werden, um das polizeiliche Diebesgut abzutransportieren.

Durch die Durchsuchung der Wagen hatte die Polizei ein klar umrissenes Bild, was wo warum geplant war. Allerdings blickte sie bei den vielen Genfeldern vor Ort wohl auch nicht so recht durch und bestreifte nun die verschiedenen Standorte. Dabei wurde das Feld, auf dem sich nahezu 30 AktivistInnen mit dem Aufbau des ersten Tripods beschäftigten, mindestens zwei Mal mit Scheinwerfern beleuchtet, bevor die BeamtInnen wieder unverrichteter Dinge abzogen. Weder die gigantische Holzkonstruktion noch die AktivistInnen wurden durch die PolizistInnen entdeckt.

Zufälliger Treffer: Auch ein blindes... (Polizisti) findet mal ein Korn...

Doch dann verhalf eine für die Gentech-GegnerInnen unglückliche Verkettung von Zufällen der Polizei zum Erfolg. Die Informationen sind nicht komplett gesichert. Eine Polizeieinheit sollte eineR in der Nacht bereits mehrfach kontrollierten fahrradfahrenden AktivistIn den Personalausweis zurückgeben. An dem Feld mit den AktivistInnen stoppte das Fahrzeug und ein Polizist ging raus zum Pinkeln. Dabei fiel ihm ein Spaten auf, der am Feldrand stand. Der stand da nicht zufällig, sondern markierte eine für die Errichtung des Turms wichtige Stelle, und war erst kurz zuvor dort hingestellt worden, da der letzte Akt bevorstand. Aufgeregt wurde nun mit der Taschenlampe geleuchtet und ein Drahtseil entdeckt. Dieses führte hundert Meter in das Feld hinein und endete an der Holzkonstruktion.

Auch jetzt noch entdeckte die Polizei die große Zahl der AktivistInnen nicht, der sie sich immer mehr annäherte. Lediglich zwei Personen, die unmittelbar am Straßenrand gelegen hatten, als wieder Polizeifahrzeuge unverhofft aus dem plötzlich entstandenen Nebel auftauchten, wurden gefunden und sofort festgenommen. Bald begannen die nun doch erfolgreichen Staatsdiener in grün etwa 35 Fahrzeuge in der kleinen Region herumdüsen zu lassen, um der entkommenen Aktivistis habhaft zu werden. Scheinbar hatten die BeamtInnen mal wieder die rechtlichen Dimensionen für ihr Handeln nicht klar: ein Einsatz, der vielleicht gerechtfertigt erscheinen könnte, wenn schwere Straftaten verfolgt werden, dient dem Aufstöbern von AktivistInnen, die auf einem unbestellten Feld gewesen sind und ein bisschen Material dort vergessen haben... *gg* - Es gibt keinen Strafrechtsparagraphen, der es verbietet, in der Nacht auf einem Feld ein paar Stämme aufzubauen. Damit gesteht die Einsatzleitung ein, was ohnehin klar war: die Vorgänge in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag hatten politische Brisanz, bewegten sich aber in einer rechtlichen Grauzone.

Ärgerlich war neben der Unterbindung des Aufrichtens des Turms die damit verbundene Beschlagnahme von Technik und Material im Wert von mehreren Tausend EUR. Sicherlich wird die Polizei dieses irgendwann wieder herausrücken müssen, aber bis dahin fehlt es den Personen und Gruppen, von denen es entliehen wurde.

Wenn nicht das Feld, dann das Gentech-Zentrum...

Die Platzverweise waren ganz frech für einen Umkreis von 20 Kilometern und für eine Dauer von 2 bis 3 Tagen ausgesprochen worden. Bei Missachtung würden Ingewahrsamnahmen folgen. Faktisch konnte sich die Polizei damit jedoch nicht durchsetzen. Am Tag nach der gescheiterten Feld-Besetzung wurden die Versuchsverantwortlichen selbst Ziel von Aktionen. Ein Funkturm auf dem Gelände des AgroBioTechnikums wurde von Kletterern besetzt, Transparente in schwindelerregender Höhe machten auf die Ablehnung der Gentech-Versuche weitsichtbar aufmerksam.

Hier konnte die Polizei mit aggressivem Durchgreifen nichts erreichen. Lediglich in den ersten Sekunden traten die schwarzuniformierten Spezialkräfte bedrohlich auf. Ziemlich schnell schienen sie erkannt zu haben, dass sie an die Leute auf dem Turm nicht ohne weiteres herankommen würden. Auch gegen die Leute am Boden konnten sie nicht wirksam vorgehen. Die hatten unter subversiver Ausnutzung des an sich eher kritisch zu sehenden, da Protest und seine Formen kanalisierenden, Versammlungsrechts eine Eildemonstration angemeldet und damit die bestehenden Platzverweise ausgehebelt. Das ging natürlich nicht ganz reibungslos vonstatten, aber es dauerte nicht lange, bis die Polizeiführung einsehen musste, dass sie mit juristischen Bluffs nicht weiterkommen würde. Die Demoanmeldung wurde akzeptiert und die anwesenden Polizeikräfte - zeitweise bis zu zwölf Einsatzwagen - beschränkten sich darauf, das Gelände des Gentechnik-Förderzentrums zu bewachen.

Diese Aktion sollte noch einmal das mediale Interesse auf die gescheiterte Feldbesetzung und auf den dort geplanten Gentechnik-Versuch richten. Die regionalen Medien waren im Vorfeld informiert worden und erhielten laufend Updates. Auch vor Ort war mindestens ein Dutzend PressevertreterInnen anwesend. Ein unabhängiges Medienteam war auch dabei und hat ein Kurzvideo zur Aktion zusammengestellt. Fast alle Nachrichtenagenturen berichteten und viele Zeitungen druckten entweder eigene Berichte oder die Agenturmeldungen ab. Was gar nicht so deutlich zu erwarten war, ist damit gelungen: nicht das Zustandekommen der Aktion war entscheidend für die öffentliche Wahrnehmung, sondern der ernsthafte Versuch das Feld mit umfangreicher Infrastruktur zu besetzen genügte dafür. Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass es nicht zwangsläufig einer Fixierung auf die Realisierung einer einzelnen Aktion zu geben braucht, sondern dass es darauf ankommt, das Thema offensiv und vielfältig in die Öffentlichkeit zu tragen.

Öffentlichkeit erreicht, Auseinandersetzungen gehen weiter

Auch wenn das ursprüngliche Vorhaben - ein Widerstandsdorf auf dem dem Genacker zu errichten - gescheitert ist, wurde bereits ein nicht unerhebliches öffentliches Interesse geweckt. Alle möglichen Zeitungen und Sender berichteten, auch in den Tagen nach der Besetzung war ein großes Medienecho zu registrieren. Zeitweise klingelte das Pressehandy permanent, nur unterbrochen von den Telefonaten mit den JournalistInnen. Auch viele Menschen in Groß Lüsewitz wurden bereits persönlich angesprochen und erneut für die Gentechnik-Problematik sensibilisiert. In den nächsten Tagen soll es weiter mit dieser Öffentlichkeitsarbeit gehen.

Geplant ist eine Bastelaktion am Sonntag vor dem AgroBioTechnikum in Groß Lüsewitz, zu der die Menschen aus dem Ort eingeladen sind. Dabei sollen Schilder für die Vorgärten im Dorf entstehen, mit denen die BewohnerInnen ihren Protest gegen die Gentechnik zum Ausdruck bringen können. Am Montag folgt ein weiterer spektakulärer Höhepunkt: ein Fußballspiel auf dem zur Aussaat vorbereiteten Gen-Kartoffel-Feld, das bereits für eine Nacht besetzt war. Ab diesem Tag ist mit einer Aussaat zu rechnen und wir wollen noch einmal frech und deutlich zeigen, dass Gentech für uns inakzeptabel ist. Auch Versuchsleiterin Broer ist dazu eingeladen, behauptet sie doch gerne, ihre KritikerInnen wären nicht bereit, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Ob sie kommen wird oder sich ihr Gerede von Gesprächsbereitschaft als reine Rhetorik entpuppt, wird sich zeigen. Für Dienstag Morgen ist dann in Sanitz, einem größeren Ort bei Groß Lüsewitz, eine Flugblattverteilung vor dem Edeka-Markt an der Bundesstraße mit einer Überraschungsaktion angekündigt. Dienstag ist gleichzeitig der globale Aktionstag "Via Campesina", wo an vielen Orten Aktionen mit Landwirtschafts-, Anti-Gentech- und Landbesitzbezug stattfinden werden.

Noch mehr Infos? Na dann...

Um es vorweg zu nehmen: Am liebsten ist uns, wenn ganz viele Leute den Aufmerksamkeits-Korridor, den unsere Aktionen geschaffen haben, nutzen würden, um mit eigenen Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit einzusteigen und eigene Positionen und Visionen einer anderen Gesellschaft zu transportieren. Wir freuen uns auch, wenn sich viele Menschen überlegen, mit "uns" (was auch keine feste Gruppe ist) weitere Aktivitäten entwickeln und in den nächsten Tagen wirkungsvoll gegen die Gentech-Lobby und die hinter ihr stehenden Machtstrukturen vorgehen zu wollen.

Wer sich das nicht vorstellen kann, aber trotzdem aus der Ferne helfen möchte, kann auch das tun: mit Pressearbeit, Vermittlung von Material-, Lebensmittel- und Sachspenden oder auch finanzielle Unterstützung auf das Aktionskonto (InhaberIn: M. Twenhoeven, Konto 292579508, BLZ: 37010050, Postbank Köln). Ihr könntet auch Infostände in eurer Stadt machen, gentechnikkritische Veranstaltungen organisieren oder andere Menschen nach Groß Lüsewitz mobilisieren.

Der Kontakt zu uns ist recht einfach - telefonisch unter 0173-1791262 oder persönlich bei einer der vielen Aktionen. Diese findet ihr z.B. im Internet unter www.gentech-weg.de.vu. Mailen an kontakt ÄTT gentech-weg.de.vu ist auch möglich, aber wir sind aktionsbedingt nicht sehr häufig am Mails lesen.

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Ergänzungen

festnahmen?

entkommeneR 15.04.2007 - 09:09
Nach meiner rechtlichen Einschätzung gab es gar keine Festnahmen im klassischen Sinne, sondern zwei Personen wurden einige Zeit zwecks Feststellung ihrer Identität festgehalten. Niemand wurde richtig in Zellen u.ä. gesteckt. Weiterhin ist ja auch gar nicht klar, welche Straftat da eigentlich vorliegen soll. Darum und auch aus den Erfahrungen hier vor Ort, dass solche kommunikativ ausgelegten Aktionen (in diesem Fall Besetzung mit intensiven Dialogen im Dorf) Gegenwind schaffen können, würde ich ableiten: Mehr von sowas - nur erfolgreicher :-)

Ein weiterer interessanter Artikel z. Thema

ge_n wir? 18.04.2007 - 02:28

G8-Gegner: Farbanschlag auf Gentechnik-Zentr.

Nachrichtenleserin 19.04.2007 - 13:34
Groß Lüsewitz (dpa/mv) - Auf das Agrobiotechnikum in Groß Lüsewitz bei Rostock ist in der Nacht zu Donnerstag vermutlich von Gegnern des G8-Gipfels in Heiligendamm ein Farbanschlag verübt worden. Wie die G8-Polizeieinheit "Kavala" berichtete, wurde auch eines von sechs Versuchsfeldern für den Anbau von gentechnisch veränderten Kartoffeln zerwühlt. Noch sei aber nicht klar, ob dafür Gegner der Gentechnik oder möglicherweise auch Wildschweine verantwortlich sind. Groß Lüsewitz ist ein Zentrum im Nordosten für Gentechnik-Forschung.

Mehr zu Anschlag und Feldzerstörung

NDR 20.04.2007 - 15:45
Mecklenburg-Vorpommern
Farbanschlag von G8-Gegnern auf Gentechnik-Zentrum in Groß Lüsewitz
Gegnern des G8-Gipfels haben offenbar einen Farbanschlag auf das Agrobiotechnikum in Groß Lüsewitz bei Rostock verübt. Wie die G8-Polizeieinheit "Kavala" berichtete, wurde auch eines von sechs Versuchsfeldern für den Anbau von gentechnisch veränderten Kartoffeln zerstört. Dabei ist nach Angaben von Kerstin Schmidt vom Agrobiotechnikum aber kein großer Schaden entstanden. Der Anbauversuch könne fortgesetzt werden. Zunächst hatte es geheißen, dass auch Wildschweine auf dem Feld gewesen sein könnten. Dies bestätigte sich nicht.

Untersuchungen laufen
Das Agrobiotechnikum ist ein Zentrum für Gentechnik-Forschung im Nordosten. Nach Angaben des "Kavala"-Sprechers handelt es sich bei den Schmierereien an dem Gebäude um zwei große Aufschriften wie "Gentechnik stoppen". Zudem seien sechs Farbbeutel geworfen worden. Wie es die Gegner der Gentechnik geschafft haben, auf das Versuchsfeld zu kommen, werde derzeit untersucht. Es gebe sowohl einen firmeneigenen Sicherungsdienst als auch ständige Polizeikontrollen. Groß Lüsewitz zählt seit längerem zu den gefährdeten Objekten im Zusammenhang mit Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm.
Stand: 19.04.2007 13:00
 http://www1.ndr.de/ndr_pages_std/0,2570,OID3927432,00.html

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small unit tactics

tagmata 15.04.2007 - 01:20
"Lediglich zwei Personen, die unmittelbar am Straßenrand gelegen hatten, als wieder Polizeifahrzeuge unverhofft aus dem plötzlich entstandenen Nebel auftauchten, wurden gefunden und sofort festgenommen."

c'mon, leute, habt ihr das zuständige us army field manual nicht gelesen, oder was auch immer?

ach ja, im zweifelfall nehmen die von vollgeschwitztem material natürlich eher dna-proben als nicht. aber *damit* sollte man sich in *der* szene ja auskennen, was da geht und was nicht.

Großer Sport!!!

Genkartoffel 15.04.2007 - 08:29
Schade,dass das Dingen bis jetzt nicht zu Ende gebracht werden konnte. Respekt und Anerkennung für alle beteiligten! Kann halt passieren sowas und der Medienrummel macht sicher Mut zum weitermachen. Gab es denn tatsächlich nur die 2 Festnahmen oder hat das mit dem Einsammeln letztendlich doch noch geklappt?

"Genetisch verändert"...

Ökobauer 15.04.2007 - 11:42
... sind heutzutage ALLE Früchte und Gemüsesorten - gegenüber denen, die es z.B. vor 200 Jahren gab. Durch Züchtung wurden und werden immer wieder genetisch veränderte Lebensmittel erschaffen, die größer, resistenter, widerstandsfähiger, schmackhafter usw. sind. Die "Gentechnik" bringt diesen Prozess, der bei der herkömmlichen Züchtung Jahre und Jahrzehnte dauert, lediglich deutlich schneller voran.

Ein gutes Beispiel sind auch Hunde: Die Urform des Hundes gibt es praktisch gar nicht mehr - dafür sind in wenigen Jahrhunderten die unterschiedlichsten Hunderassen durch natürliche Zuchtwahl entstanden. "Genetisch veränderte" Lebensformen umgeben uns auf Schritt und Tritt, und genetische Veränderung von Lebewesen (ob nun Pflanzen oder Tiere) und deren Optimierung durch gezielte und systematische Beeinflussung/Veränderung ihrer Gene gehört sozusagen zur menschlichen Kultur dazu wie Musik, Architektur, Straßenbau oder Malerei. Und wir alle profitieren ja davon... kaum auszudenken wie dürftig unser Speiseplan aussähe, hätte man zu allen Zeiten auf gezielte genetische Veränderung von Obst und Gemüse etc. verzichtet......

@schade

yfdn 15.04.2007 - 12:53
aus fehlern lernt man weiter so

@Ökobauer: unsinn!!

biopilz 15.04.2007 - 15:56
...denn es macht nen qualitativen unterschied ob durch methoden der klassischen züchtung etc oder durch einsetzen von gen-bruchstücken weit jenseits der artengrenzen...

für mich stellt sich immer zuerst die frage:
wozu?! das ganze

die profiterzeugung bzw "neue märkte" jenseits der sättigung der bestehenden ist das eine, die unkalkulierbarkeit, das risiko und die UNVERNUNFT ist aber m.e. das problematische...

grad du als ökobauer könntest -wenn du denn einer wärst- verstehen dass diversifikation an sich schon ein wert ist... -der versuch riesige flächen MONOKULTUR durchzudrücken ist allein schon ein unsinn... und dann noch transgen... ts ts ts

gentechnik für alle

massenbauer 15.04.2007 - 23:42
gentechnisch veränderte lebensmittel sind doch toll. vielleicht können wir dann noch mehr produzieren
und somit haben wir dann endlich die möglichkeit 80% aller hergestellten lebensmittel wegzuschmeissen.

Fakten...

Strider 17.04.2007 - 09:21
"...denn es macht nen qualitativen unterschied ob durch methoden der klassischen züchtung etc oder durch einsetzen von gen-bruchstücken weit jenseits der artengrenzen..."

Es stellt sich die Frage, wie denn Qualität beurteilt wird!? Der qualitativen Unterschied, den das "Einsetzen von Gen-Bruchstücken weit jenseits der Artengrenze", z.B. in die berühmte böse Gentomate (bei der ein Gen für Apoptose ausgeknockt wurde, damit sie weniger schnell gammelt, sie hat also ein Gen weniger...), muss mir erst einmal erklärt werden. Zumal immer wieder vergessen wird, dass die (gewünschte) Veränderung der Pflanze durch den Einsatz der Gentechnik nicht nur um Größenordnungen schneller und billiger erreicht werden kann als durch herkömmliche Züchtung, sondern eben auch und vor allem gezielt dort auf die Art und Weise, wie es gewünscht wird. Im Gegensatz dazu wird durch herkömmliche Züchtung völlig zufällig zumeist sinnlose Kreuzungen erzeugt, die häufig genug eine Menge für den Konsumenten schädliche oder zumindest die (geschmackliche, bei Nahrungsmitteln) Qualität beeinträchtigende Stoffe produzieren. Die Gefahr der Entstehung bzw. Produktion von Allergien erregenden Proteinen (denn nur die Proteine sind überhaupt ein evtl. gesundheitliches Problem) ist bei herkömmlicher Züchtung nicht geringer sondern eher sogar höher als bei der Anwendung von Gentechnik.

"für mich stellt sich immer zuerst die frage:
wozu das ganze!? die profiterzeugung bzw "neue märkte" jenseits der sättigung der bestehenden ist das eine, die unkalkulierbarkeit, das risiko und die UNVERNUNFT ist aber m.e. das problematische..."

Man sollte in solchen Diskussionen vielleicht auch berücksichtigen, dass die sog. Hybridpflanzen, die sich nicht selber reproduzieren können und bei denen der Nutzer, also der Bauer jedes Jahr neues Saatgut kaufen muss (Gewinnmaximierung) oder hohe Strafen wegen Patentverletzungen zahlen muss durch herkömmliche Züchtung erzeugt worden sind. Das ist kein Problem der Gentechnik an sich sondern kapitalistischer Unternehmen!

"... dass diversifikation an sich schon ein wert ist... -der versuch riesige flächen MONOKULTUR durchzudrücken ist allein schon ein unsinn... und dann noch transgen..."

Anwendung von Gentechnik hat mit Diversifikation nicht so wahnsinnig viel zu tun. Die Frage von Sinn und Unsinn von Monokulturen steht dabei auf einem ganz anderen Blatt (und da hast Du vollkommen Recht). Die Frage ist doch bloss, wie wendet man eine Technik überhaupt an. Das gilt für Gentechnik genauso wie für alle anderen Dinge. Man kann auch mit Autos Formel 1-Rennen fahren oder eben z.B. Rettungswagen bauen, um nur ein Beispiel zu nennen. Da muss man doch die Anwendung von moderner Technik differenziert bewerten und man kann, wenn man denn will mit grüner Gentechnik, wie mit Gentechnik allgemein unheimlich viele sinnvolle Dinge tun! Generell und ganz objektiv führt die Anwendung von Gentechnik jedenfalls zu einer Zunahme (!) von genetisch unterschhiedlichen Organismen. Es kommt wieder darauf an, was Du damit machst...

wo leben wir denn?

lütje 18.04.2007 - 20:55
"denunziation" durch eine anwohnerin... klingt wie tiefstes deutsches reich. gehts noch???!!!

Amateure!

Kritiker 20.04.2007 - 10:56
Sorry, aber amateurhafter kann man das nicht aufziehen. Ihr hättet damit rechnen müssen, dass da ne Omi die Cops ruft, wenn die bunte Ökotruppe anrückt!
Die Wagen parkt man nie in der Nähe sondern weit weg und fährt sie nur kurz zum Abladen ran...

sprücheklopfer

beteiligti 20.04.2007 - 13:11
Danke für die guten Tipps ohne Kenntnisse. Fahrzeuge, die nur 20km fahren dürfen, mitsamt einem Blockade-Wagen, der schon präpariert war und nicht mehr schnell fahren konnte, kann mensch zwar weit weg parken. Aber das macht nur Sinn, wenn politische Aktivität auf Bündnistreffen und Internetseiten reduziert wird. Mein Tipp: Sich selbst auch weit weg parken, dann fällt es auch weniger auf.

Aktion in Planung

Mathi 24.04.2007 - 20:04
Hi, wuerde mich in der tat freuen den "Aufmerksamkeitskorridor" zu nutzen.... und suche somit und hiermit AktivistInnen zwecks gemeinsamer planung und durchfuehrung weiterer effizienter aktionen gegen gentechnik auf dem Acker. Meldet euch! Kontakt unter:  hoja_blanca@ciudad.com.ar

danke fuer eure Aufnerksamkeit! Mathi