Bochum: Fusion der Ruhrgebiets-Unis?

prost 12.03.2007 22:25 Themen: Bildung Repression
'Innovations'-Minister Pinkwart und die Rektoren der Unis Dortmund, Bochum, Duisburg/Essen legten heute in Bochum den Grundstein zu einer Fusion der Ruhrgebiets-Universitäten. Zeitgleich stattfindende Proteste gegen die Fusionspläne, Elitenwahn und Studiengebühren wurden von einem massiven Polizeiaufgebot eingedämmt.
Heute haben sich die drei Rektoren der Ruhrgebiets-Universitäten Weiler (Bochum), Zechlin (Duisburg/Essen) und Becker (Dortmund) und 'Innovations'-Minister Pinkwart an der Ruhr-Universität Bochum getroffen, um die 'Universitätsallianz Metropole Ruhr' auszurufen. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit und unter Schutz einer Polizeihundertschaft unterzeichneten die drei Rektoren im Senatssitzungssahl die Kooperationsvereinbarung. Pinkwart und die Rektoren ließen sich auch nach der Unterzeichnung nicht sehen und konnten ungehindert durchs Parkhaus entkommen.

Bei den Kooperationsvereinbarungen handelt es sich um den ersten Schritt hin zu einer Fusion der Ruhrgebiets-Universitäten. Einzelne Standorte sollen sich im Elitenwahn profilieren. Fachbereiche, die nicht mehr ins Konzept passen, droht die Verlegung an andere Standorte. Bachelor-Studierende, die sowohl geistes- als auch nicht geisteswissenschaftliche Fächer studieren, müssten dann zwischen Essen, Duisburg, Bochum und Dortmund pendeln. Die angestrebten 'Synergieeffekte' könnten durch Einsparungen und Entlassungen beim Unipersonal erreicht werden. Klar ist, dass nicht die Interessen der Studierenden und Beschäftigten im Vordergrund stehen, sondern die wirtschaftliche Verwertbarkeit von Bildung.

Währenddessen standen vor der Univerwaltung etwa 30 Bildungs-AktivistInnen, und machten mit Flugblättern und Transparenten auf den Misstände aufmerksam.

Die Polizei, voller Tatendrang, nahm dies zum Anlass, die AktivistInnen aufzufordern, diese 'Versammlung' anzumelden und einen Versammlungsleiter zu bestimmen. Dem wurde natürlich nicht nachgekommen. Studierenden, die in die Univerwaltung wollten, wurden willkürlich die Rucksäcke und Taschen kontrolliert. Der dritte Stock, in dem der Senatssaal liegt, wurde komplett abgeriegelt.

Jeder noch so friedlichen Aktion wird ein massives Polizeiaufgebot entgegengesetzt, um legitimen Protest einzudämmen und AktivistInnen einzuschüchtern. Das heutige Polizeiaufgebot war mit dem Polizeiaufgebot zur Senatssitzung am 18.09.06, auf der Studiengebühren in Bochum beschlossen wurden, vergleichbar. Zwei Kamerawagen, mehrere Polizeiwannen und mindestens 6 Zivilbullen standen einsatzbereit auf dem Campus. Auch noch lange nach der Unterzeichnung war die Polizei auf dem Campus aktiv.

Eine Polizeihundertschaft auf dem Campus scheint Alltag geworden zu sein!


Flyertext:

„Innovations-“ Minister Pinkwart feiert gemeinsam mit den Rektoren der Ruhrunis, Becker, Zechlin und Weiler die ersten Ergebnisse ihrer Bündnisbestrebungen, die letztlich auf eine Fusion der Hochschulen hinauslaufen sollen.

Dafür, was eine solche Fusion bedeutet, gibt es im Ruhrgebiet bereits das Beispiel der fusionierten Unis Duisburg und Essen. Die Folgen waren ein gewaltiges Chaos bei der Zusammenlegung von Fächern und Umzügen auf andere Campi, das dazu genutzt wurde, Kapazitäten in „unrentablen“ Studiengänge einzusparen oder diese gleich völlig zu streichen. Viele Studierende müssen nun zwischen beiden Campi pendeln was viel Zeit, Nerven und Energie kostet und sich mit manchen Studiumsplanungen gar nicht vereinbaren lässt.

Die Idee zur Fusion kam im Fall der Hochschule Duisburg/Essen noch von der Landesregierung, die Idee mit der Riesen-Ruhr-Uni brachte aber der Bochumer Rektor Weiler in die Diskussion. Nach dem Einzug der Ruhr-Uni-Bochum in die engere Wahl der möglichen zukünftigen Elite Unis träumt man nun von der Schaffung spezialisierter „Elitefight - fusion light! Cluster“, die international „wettbewerbsfähig“ sein sollen. Das Geld für diese Profilierung zieht man aus den Einsparungen der Zusammenlegung und Zentrierung des Fächerangebots auf Kosten der breiten Bildung und Lernbedingungen.

Standort, Standort über alles...Der demokratische Bildungsauftrag wird wie ein naives Relikt vergangener Tage behandelt. Bildung wird als Ware verstanden, die von Kunde Student mit Gebühren an das Unternehmen Universität bezahlt wird, das nach Profitaussichten von Finanzmanagern verwaltet und tayloristisch rationalisiert wird.

Die sich anbahnenden Fusions Pläne sind ein harter Schlag für die Lehre und für all jene, die sich die Profilierung am „internationalen Bildungsmarkt“ nicht zur Maxime ihres Lebens machen wollen.

Chancengleicheit, kritisches Denken, Breitenbildung, das Erlernen demokratischer Partizipation und die freie Wissenschaft (frei vom Profitzwang) bleiben auf der Strecke, denn sie vermarkten sich ganz einfach schlecht. Studentische Basisinitiativen wehren sich gegen diese destruktive Ökonomisierung aller Lebensbereiche!

Fusion bedeutet:

  • Pendeln: Viel Zeit und Energie Verschwendung wegen Zwangspendel durchs ganze Ruhrgebiet bei Zerlegung gemeinsam studierte Fächer auf verschiedene Campi
  • Fächervielfalt wird ausgedünnt: Zusammenlegung zu einheitlichen riesen Fakultäten bedeuten das Ende von Orchideenfächern und Meinungsvielfalt.
  • Umstrukturierung als Durchsetzung weiterer Kürzungen. Weitere Stellenkürzungen und Fächerstreichungen.
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Ergänzungen

Handeln statt Heulen

Campus Guerilla 13.03.2007 - 12:13
In der Nacht zum Montag soll es AktivistInnen gelungen sein in die dritte Etage der Univerwaltung einzudringen und dort eine Duftnote in Form großflächigem Einsatz von CS-Gas zu hinterlassen. Obwohl Rektor Weiler am Morgen die Tränen gekommen sein mögen gilt weiterhin die Devise:

Feuer und Flamme!
Handeln statt heulen!

Aufruf zum NRW-Aktionstag am 16. März

Pinky Fanclub 13.03.2007 - 12:46
Eine erfolgreiche Störung von Pinkys Auftritten gelang dieses Jahr an den Unis Bonn (10.01.), Köln (11.01.), Düsseldorf (12.01.), Siegen (13.02.) und Bielefeld (28.02.). Dort waren allerdings auch weitaus weniger Bullen präsent.

Am 16. März ist der Studiengebührenminister zu Gast bei der "Gründung der Engineering Unit Ruhr", der "Kooperation der Maschinenbaufakultäten der Universitäten Bochum und Dortmund". Ein weiterer Schritt hin zur Fusion? Die Veranstaltung beginnt um 11:30 Uhr im Erich-Brost-Haus, Otto-Hahn-Str. 2, Uni Dortmund.


Es gibt einen Aufruf zur Intervention/NRW-Aktionstag am 16.03.07:

Am 16. März 2007 jährt sich die Verabschiedung des so genannten "Hochschulfinanzierungsgerechtigkeitsgesetz" durch die NRW-Landeregierung. Damit wurde das gebührenfreie (Erst-)Studium abgeschafft. Bildung wurde zur Ware und soll in Zukunft nur noch denjenigen zur Verfügung stehen, die es sich leisten können. Unter teils hefigen Protesten beschlossen die meisten Hochschulsenate in NRW eine Einführung von Studiengebühren.

Auch ein Jahr später sind wir nicht bereit dies hinzunhemen! Wir rufen zu dezentralen Aktionen gegen zentrale Einrichtungen der Landesregierung bzw. darin vertretener Parteien und meinungsbildender "Denkfabriken" bzw. Lobbygruppen (Bertelsmann/CHE) sowie der Verantwortlichen an den Hochschulen auf. Am 16 März ist Schluss mit lustig!