Berlin-Hellersdorf: Kein Vergessen
Kundgebung/Podiumsdiskussion: "Kein Vergessen": Als Namenspatronen für Straßen in Mahlsdorf und Kaulsdorf sollten jüdische Menschen und ihr Wirken geehrt und an sie erinnert werden. Während des Nationalsozialismus wurden diese Straßen von den Nazis umbenannt. Bis heute gab es nur wenige gescheiterte Versuche diese Problematik würdig aufzuarbeiten. Das Bündnis Kein Vergessen möchte sie in den öffentlichen Fokus rücken und eine Rückbenennung voran treiben.
Die Erinnerung an die Verbrechen der Deutschen während des NS bewahren
Mit dem Ziel zu den Olympischen Spielen in Berlin eine im Sinne der Nazis von Schandflecken gesäuberte (Sinti und Roma freie) Stadt vorweisen zu können, wurde bereits im Mai 1936 mit den Erdarbeiten auf Höhe des heutigen S-Bahnhofes Raoul-Wallenberg-Straße begonnen, um den Platz für das erste Sinti- und Roma- Zwangslager herzurichten. Den vom Reichsinnenminister Frick unterzeichneten Runderlass zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“ nahm der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei am 16. Juli zum Anlass, einen allgemeinen Landesfahndungstag in Berlin und Umgebung abzuhalten. Daraufhin wurden überwiegend Sinti aus Berlin und den umliegenden Ortschaften durch Polizei und SA zusammengetrieben und auf Lastwagen nach Marzahn deportiert. Das Lager gehörte mit zur ersten Station der systematischen Ausgrenzung und Ermordung der Sinti und Roma in den Vernichtungslagern im Osten.
Im Mai 2006 jährte sich die Errichtung des Sinti- und Roma- Zwangslagers in Berlin-Marzahn zum 70. Mal. Diesen Jahrestag nahmen zahlreiche politische Gruppen und Initiativen zum Anlass, das Schicksal der Sinti und Roma zur Zeit des Nationalsozialismus in den öffentlichen Fokus zu rücken. So ist eine umfangreiche Informationsbroschüre nur Teil einer Kampagne, die das Ziel verfolgt, die Vergangenheit vor dem Vergessen zu bewahren und antifaschistische Politik im Bezirk zu stärken. Im Juni 2006 eröffneten die InitiatorInnen der Kampagne zusammen mit dem Bezirksbürgermeister Uwe Klett (Die Linke.PDS), der Vorsteherin der BVV Petra Wermke, der Vorsitzenden des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg Petra Rosenberg, sowie zahlreichen BezirkspolitikerInnen und Jugendlichen die Ausstellung "Kein Vergessen" über das Zwangslager in Berlin-Marzahn in der Alice-Salomon-Hochschule in Hellersdorf.
Im Jahr 2007 möchte das Bündnis „Kein Vergessen“ jüdisches Leben in Marzahn/Hellersdorf thematisieren. In diesem Rahmen soll speziell über Antisemitismus während des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit aufgeklärt werden.
Der Holocaust begann nicht erst in der Gaskammer
Als Namenspatronen für Straßen in Mahlsdorf und Kaulsdorf sollten jüdische Menschen und ihr Wirken geehrt und an sie erinnert werden. Während des Nationalsozialismus wurden diese Straßen von den Nazis umbenannt.
Bereits 1934 wurde die Lassallestraße in Kaulsdorf, welche nach dem Arbeiterführer und Schriftsteller Ferdinand Lassalle benannt wurde, umbenannt. Neuer Namenspatron wurde der in Lichtenberg aktive und 1934 verstorbene Nazi Erich Thimm.
Weitere Umbenennungen im Mai 1938 gehen auf ein Schreiben des Oberbürgermeisters von Berlin an die Bezirksbürgermeister am 30.September 1935 zurück. Darin fordert dieser, durch die Reichsleitung der NSDAP nach den Nürnberger Rassengesetze veranlasst, die Bezirke auf, „jüdische Namen auszumerzen“.
Am 16. Mai wurden daraufhin 7 Straßen in Mahlsdorf und Kaulsdorf umbenannt, die nach jüdischen Menschen benannt wurden.
Die Mendelssohnstraße, benannt nach dem Komponisten Jakob Ludwig Felix Mendelssohn, in Landvogtstraße; die Meyerbeerstraße, Giacomo Meyerbeer gehört zu den erfolgreichsten Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts, in Friesacker Straße und die Offenbachstraße in Pfalzgrafenweg. Namenspatron war hier der französische Komponist Jacques Offenbach, der als Begründer der modernen Operette gilt. Neben diesen drei Straßen im „Musikerviertel“ wurde in Mahlsdorf noch die nach dem Maler Max Liebermann benannte Liebermannstraße in Schongauerstraße umbenannt.
Heinrich Heine, der zu einem der bedeutendsten Dichter und Journalisten des 19.Jahrhunderts zählt, war der ursprüngliche Namenspatron der neu benannten Tolkmitt-, Fasanen- und Bergedorfer Straße. Die Gustav-Mahler-Straße, benannt nach dem Komponisten, Dirigenten und Operndirektor, hieß fortan Telemannweg.
61 Jahre später – alles fast vergessen?
Erst 1995 wurde auf Initiative der PDS dieses Thema in den öffentlichen Fokus gerückt. Das bescheidene Resultat damals waren Zusatzschilder, die an den entsprechenden Straßen auf die Vergangenheit hinwiesen. Anfang 2006 sorgte eine Anfrage der PDS an das Bezirksamt für Aufregung im spießbürgerlichen Leben einiger Mahlsdorfer AnwohnerInnen: Das Bezirksamt wurde gebeten, Recherchen zu den Straßen, die im Nationalsozialismus umbenannt wurden, zu betreiben, um eine würdige Aufarbeitung deutscher Geschichte zu ermöglichen. Daraufhin gründete sich in Mahlsdorf unterstützt von der kommunalen CDU eine BürgerInneninitiative, die sich gegen eine mögliche Rückbenennung aussprach. Aufgrund fehlender öffentlicher Unterstützung verschwand die Problematik jedoch wieder in Nichtbeachtung.
Die uneindeutig nationalsozialistisch motivierte Namensgebung der heute betroffenen Straßen durch die Nazis und die unzureichende Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der DDR haben dazu geführt, dass die Straßenumbenennungen fast 50 Jahre nicht thematisiert wurden. Allein 1947 wurde die Thimmstraße in Lassallestraße rückbenannt, da faschistische und militärische Straßennamen nach Kriegsende beseitigt werden sollten.
Zu dieser Problematik wurde eine Broschüre erstellt, mit Informationen zu den politischen Hintergründen, sowie zu den ursprünglichen Namenspatronen und den gescheiterten Aufarbeitungsversuchen. Diese Broschüre kann unter
kein-vergessen@web.de kostenlose bestellt werden.
Das Bündnis "Kein Vergessen" veranstaltete am vergangenen Donnerstag (15.2.) in der Alice-Salomon-Fachhochschule eine Podiumsdiskussion. Podiumsgäste waren Michael Moreitz (Antisemitismusexperte der ASFH), Dr. Uwe Klett (ehemaliger Bezirksbürgermeister), Klaus Jürgen Dahler (Vorsitzender der Linksfraktion der BVV) und Thomas Gärtner (Bündnis "Kein Vergessen"). In der Diskussion stand erstmals die historische Bedeutung im Vordergrund und nicht etwa die Frage der Kosten. Zahlreiche Gäste und eine spannende Diskussion machten dies zu einem sehr guten Auftakt der Kampagne. In den nächsten Tagen folgt ein ausführlicher Bericht.
Am Freitag (16.2.) wurde bei einem Infostand am S-Bhf. Kaulsdorf über 300 Flugblätter und Informationsbroschüren verteilt und am heutigen Samstag (17.2.) fand eine Kundgebung mit ca. 50 Menschen am S-Bhf. Mahlsdorf statt, mit der durch Redebeiträge und Flugblätter auf die Straßenumbenennungen während des NS aufmerksam gemacht wurde. Außerdem wurden musikalische Stücke der jüdischen Namenspatronen gespielt und ein Infotisch aufgebaut.
In den nächsten Monaten wird das Bündnis "Kein Vergessen" die Problematik der Straßenumbenennung in Mahlsdorf und Kaulsdorf während des NS durch weitere Veranstaltungen in die Öffentlichkeit rücken und eine mögliche Rückbenennung voran treiben. Weitere Infos unter www.kein-vergessen.de.
Am Bündnis "Kein Vergessen" beteiligte Gruppen:
Antifaschistisches Bündnis Marzahn/Hellersdorf (Infos unter: www.kein-verstecken.de)
Die Linke.Jugend Marzahn-Hellersdorf (Infos unter: www.solid-mh.de)
Roter Baum Berlin e.V. (Infos unter: www.roter-baum.de/berlin)
Mit dem Ziel zu den Olympischen Spielen in Berlin eine im Sinne der Nazis von Schandflecken gesäuberte (Sinti und Roma freie) Stadt vorweisen zu können, wurde bereits im Mai 1936 mit den Erdarbeiten auf Höhe des heutigen S-Bahnhofes Raoul-Wallenberg-Straße begonnen, um den Platz für das erste Sinti- und Roma- Zwangslager herzurichten. Den vom Reichsinnenminister Frick unterzeichneten Runderlass zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“ nahm der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei am 16. Juli zum Anlass, einen allgemeinen Landesfahndungstag in Berlin und Umgebung abzuhalten. Daraufhin wurden überwiegend Sinti aus Berlin und den umliegenden Ortschaften durch Polizei und SA zusammengetrieben und auf Lastwagen nach Marzahn deportiert. Das Lager gehörte mit zur ersten Station der systematischen Ausgrenzung und Ermordung der Sinti und Roma in den Vernichtungslagern im Osten.
Im Mai 2006 jährte sich die Errichtung des Sinti- und Roma- Zwangslagers in Berlin-Marzahn zum 70. Mal. Diesen Jahrestag nahmen zahlreiche politische Gruppen und Initiativen zum Anlass, das Schicksal der Sinti und Roma zur Zeit des Nationalsozialismus in den öffentlichen Fokus zu rücken. So ist eine umfangreiche Informationsbroschüre nur Teil einer Kampagne, die das Ziel verfolgt, die Vergangenheit vor dem Vergessen zu bewahren und antifaschistische Politik im Bezirk zu stärken. Im Juni 2006 eröffneten die InitiatorInnen der Kampagne zusammen mit dem Bezirksbürgermeister Uwe Klett (Die Linke.PDS), der Vorsteherin der BVV Petra Wermke, der Vorsitzenden des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg Petra Rosenberg, sowie zahlreichen BezirkspolitikerInnen und Jugendlichen die Ausstellung "Kein Vergessen" über das Zwangslager in Berlin-Marzahn in der Alice-Salomon-Hochschule in Hellersdorf.
Im Jahr 2007 möchte das Bündnis „Kein Vergessen“ jüdisches Leben in Marzahn/Hellersdorf thematisieren. In diesem Rahmen soll speziell über Antisemitismus während des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit aufgeklärt werden.
Der Holocaust begann nicht erst in der Gaskammer
Als Namenspatronen für Straßen in Mahlsdorf und Kaulsdorf sollten jüdische Menschen und ihr Wirken geehrt und an sie erinnert werden. Während des Nationalsozialismus wurden diese Straßen von den Nazis umbenannt.
Bereits 1934 wurde die Lassallestraße in Kaulsdorf, welche nach dem Arbeiterführer und Schriftsteller Ferdinand Lassalle benannt wurde, umbenannt. Neuer Namenspatron wurde der in Lichtenberg aktive und 1934 verstorbene Nazi Erich Thimm.
Weitere Umbenennungen im Mai 1938 gehen auf ein Schreiben des Oberbürgermeisters von Berlin an die Bezirksbürgermeister am 30.September 1935 zurück. Darin fordert dieser, durch die Reichsleitung der NSDAP nach den Nürnberger Rassengesetze veranlasst, die Bezirke auf, „jüdische Namen auszumerzen“.
Am 16. Mai wurden daraufhin 7 Straßen in Mahlsdorf und Kaulsdorf umbenannt, die nach jüdischen Menschen benannt wurden.
Die Mendelssohnstraße, benannt nach dem Komponisten Jakob Ludwig Felix Mendelssohn, in Landvogtstraße; die Meyerbeerstraße, Giacomo Meyerbeer gehört zu den erfolgreichsten Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts, in Friesacker Straße und die Offenbachstraße in Pfalzgrafenweg. Namenspatron war hier der französische Komponist Jacques Offenbach, der als Begründer der modernen Operette gilt. Neben diesen drei Straßen im „Musikerviertel“ wurde in Mahlsdorf noch die nach dem Maler Max Liebermann benannte Liebermannstraße in Schongauerstraße umbenannt.
Heinrich Heine, der zu einem der bedeutendsten Dichter und Journalisten des 19.Jahrhunderts zählt, war der ursprüngliche Namenspatron der neu benannten Tolkmitt-, Fasanen- und Bergedorfer Straße. Die Gustav-Mahler-Straße, benannt nach dem Komponisten, Dirigenten und Operndirektor, hieß fortan Telemannweg.
61 Jahre später – alles fast vergessen?
Erst 1995 wurde auf Initiative der PDS dieses Thema in den öffentlichen Fokus gerückt. Das bescheidene Resultat damals waren Zusatzschilder, die an den entsprechenden Straßen auf die Vergangenheit hinwiesen. Anfang 2006 sorgte eine Anfrage der PDS an das Bezirksamt für Aufregung im spießbürgerlichen Leben einiger Mahlsdorfer AnwohnerInnen: Das Bezirksamt wurde gebeten, Recherchen zu den Straßen, die im Nationalsozialismus umbenannt wurden, zu betreiben, um eine würdige Aufarbeitung deutscher Geschichte zu ermöglichen. Daraufhin gründete sich in Mahlsdorf unterstützt von der kommunalen CDU eine BürgerInneninitiative, die sich gegen eine mögliche Rückbenennung aussprach. Aufgrund fehlender öffentlicher Unterstützung verschwand die Problematik jedoch wieder in Nichtbeachtung.
Die uneindeutig nationalsozialistisch motivierte Namensgebung der heute betroffenen Straßen durch die Nazis und die unzureichende Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der DDR haben dazu geführt, dass die Straßenumbenennungen fast 50 Jahre nicht thematisiert wurden. Allein 1947 wurde die Thimmstraße in Lassallestraße rückbenannt, da faschistische und militärische Straßennamen nach Kriegsende beseitigt werden sollten.
Zu dieser Problematik wurde eine Broschüre erstellt, mit Informationen zu den politischen Hintergründen, sowie zu den ursprünglichen Namenspatronen und den gescheiterten Aufarbeitungsversuchen. Diese Broschüre kann unter
kein-vergessen@web.de kostenlose bestellt werden. Das Bündnis "Kein Vergessen" veranstaltete am vergangenen Donnerstag (15.2.) in der Alice-Salomon-Fachhochschule eine Podiumsdiskussion. Podiumsgäste waren Michael Moreitz (Antisemitismusexperte der ASFH), Dr. Uwe Klett (ehemaliger Bezirksbürgermeister), Klaus Jürgen Dahler (Vorsitzender der Linksfraktion der BVV) und Thomas Gärtner (Bündnis "Kein Vergessen"). In der Diskussion stand erstmals die historische Bedeutung im Vordergrund und nicht etwa die Frage der Kosten. Zahlreiche Gäste und eine spannende Diskussion machten dies zu einem sehr guten Auftakt der Kampagne. In den nächsten Tagen folgt ein ausführlicher Bericht.
Am Freitag (16.2.) wurde bei einem Infostand am S-Bhf. Kaulsdorf über 300 Flugblätter und Informationsbroschüren verteilt und am heutigen Samstag (17.2.) fand eine Kundgebung mit ca. 50 Menschen am S-Bhf. Mahlsdorf statt, mit der durch Redebeiträge und Flugblätter auf die Straßenumbenennungen während des NS aufmerksam gemacht wurde. Außerdem wurden musikalische Stücke der jüdischen Namenspatronen gespielt und ein Infotisch aufgebaut.
In den nächsten Monaten wird das Bündnis "Kein Vergessen" die Problematik der Straßenumbenennung in Mahlsdorf und Kaulsdorf während des NS durch weitere Veranstaltungen in die Öffentlichkeit rücken und eine mögliche Rückbenennung voran treiben. Weitere Infos unter www.kein-vergessen.de.
Am Bündnis "Kein Vergessen" beteiligte Gruppen:
Antifaschistisches Bündnis Marzahn/Hellersdorf (Infos unter: www.kein-verstecken.de)
Die Linke.Jugend Marzahn-Hellersdorf (Infos unter: www.solid-mh.de)
Roter Baum Berlin e.V. (Infos unter: www.roter-baum.de/berlin)
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Ergänzungen
Übergriff auf alternative Jugendliche
Quelle: Antifajugend Premnitz
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Ich werd von euch — jetzt sicher als..
war klar — lkj
@Ich werd von euch — Sinti & Roma
Zündel: Fünf Jahre Haft für Rassisten — Spiegel
vmdjsej — gatjhhjukloö#opjk9er
Wie jetzt? — Fragender
Jaja — Dr. Gonzo