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May Day 2007 in Berlin

Felix Mantel, Berlin 05.02.2007 10:16
Die Vorbereitungen zu den May Day-Demonstrationen am 1. Mai 2007 laufen an - und dieses Mal nicht nur in Westeuropa. Bei einem ersten Bündnistreffen zur lokalen May Day-Vorbereitung in Berlin kam es gleich zu Spaltungstendenzen. Diese zählen offenbar zu einer traurigen Berliner Gepflogenheit. Dagegen richtet sich dieser optimistische Appell für einen großen, gemeinsamen May Day in Spreeathen.
Am 29. Januar 2007 gab es ein erstes öffentliches Treffen der Berliner May Day-Vorbereitung. Die autonome Gruppe FelS (Für eine linke Strömung) hatte dazu sehr groß und breit eingeladen. Das Treffen war entsprechend gut besucht. Es kamen Gruppen aus dem gesamten linken Spektrum, von den Falken und Sozialbündnissen, über verschiedene antifaschistische Gruppen bis hin zu revolutionären Anti-G8-Bündnissen und der Redaktion Rotfuchs. FelS stellte sein May Day-Konzept zur Diskussion (1). Es gab daraufhin viel Kritik von der Mehrheit der anwesenden Gruppen. einzelne stellten den May Day als ganzes in Frage, viele äußerten konkrete Kritik an dem Konzept von FelS und sprachen sich für eine breitere, offene Programmatik aus, in der sich alle anwesenden Personen und Gruppen einbringen und wiederfinden können, sofern sie dies wollen.

Die FelS-Vertreter-innen waren konsterniert und sagten zu, die Meinungen und Diskussionen in die eigene Gruppe zurückzutragen und dann zu einem zweiten Treffen einzuladen. Mit dieser Einladung kam eine Stellungnahme der FelS-Sozial AG (2) mit der klaren Aussage, am ursprünglichen FelS-Konzept festhalten zu wollen. Auf keinen der vielen konstruktiven Erweiterungsvorschläge wurde eingegangen. FelS möchte nach eigener Auskunft nur noch mit denen weitersprechen, die sich unter den Vorzeichen des FelS-Konzepts eine Zusammenarbeit vorstellen können. Anstatt mit ein paar Worten seine Freude darüber auszudrücken, dass so viele politische Gruppen Interesse hatten, die Konzeption für einen ersten Mai 2007 zu diskutieren, oder wenigstens auf einzelne Vorschläge einzugehen, verfolgt FelS eine Politik des Ausschlusses.

Diese Scheuklappenpolitik ist in Berlin nichts neues. In den letzten zwanzig Jahren war sie immer wieder in den Erste-Mai-Vorbereitungen bemerkbar und hat in den meisten Fällen jeweils eine große, gemeinsame Demonstration verhindert. Neu ist, dass nun diese dogmatische Politik von den Autonomen vertreten wird, die in der Vergangenheit eher um Kooperation und Zusammenarbeit bemüht war. Viele hatten FelS anders eingeschätzt. Wie andere Gruppen dogmatisch an einer Uhrzeit für den Beginn einer Mai-Demonstration festhalten, hält FelS nun an einem Konzept fest ohne sich einen Schritt zu bewegen. Das läuft wie in vergangenen Jahren auf Trennung und verschiedene Demonstrationen hinaus, hoffentlich nicht auf zwei May Days in Berlin. Das kann man bedauern, muss aber keinen verwundern: Es würde sich in eine 20-jährige Tradition einreihen.

FelS möchte sich ebenso an der eigenen Tradition orientieren. Der Berliner May Day 2006, auf dem es übrigens auch eine Form von Blöcken gab, war ohne Frage eine gute und große Veranstaltung. FelS spricht sogar von einem Erfolg. Unabhängig wie man zu dieser Wortwahl steht, lag dieser Erfolg nicht zuletzt daran, dass FelS eine art Monopol hatte und einzelne andere aktivistische Gruppen keine Demonstration zum Ersten Mai in Berlin veranstalteten bzw. sich nicht in die Vorbereitungen einbrachten und statt dessen zur Verhinderung des Nazi-Aufmarsches in Rostock aufriefen. Das sieht 2007 voraussichtlich anders aus. Das Sprechen von einem Erfolg vergisst aber auch, dass 2006 aus den eigenen Reihen die Kritik kam, dass der May Day zu viel Party und zu wenig politisch war. Einen politischeren May Day kann man aber nicht mit einem Ausschluss von politischen Gruppen aus der May Day-Vorbereitung erreichen.

Auch die Berliner Gruppen aus dem Anti-G8-Bündnis für eine revolutionäre Perspektive haben eine kurze Stellungnahme veröffentlicht (3). Sie sind den Teilnehmer/innen des May Day-Bündnisses insofern entgegengekommen, dass sie keinen Wert auf den Begriff „revolutionär” im Titel legen, aber ebenso lehnen sie „May Day” (engl. „Erster Mai”) ab. Sie schätzen es offenbar so ein, dass der Berliner May Day 2006 nicht wegen des Namens und der dahinter stehenden Idee Menschen mobilisierte und zur größten Demonstration am ersten Mai in Berlin des vergangenen Jahres wurde. Genau das hatte der May Day jedoch erreicht.
Die Berliner Gruppen aus dem Anti-G8-Bündnis wollen nach eigener Auskunft eine gemeinsame, große Demonstration. Diese erreicht man jedoch nicht, wenn man ein Bündnis verlässt, das einen May Day vorbereiten will. Ob auf den Aufrufen und Plakaten neben „May Day” auch noch „Heraus zum 1. Mai – Gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg”, vor „May Day” noch „Revolutionary” und dahinter „Parade” stehen wird, ist doch letztlich zweitrangig wie die Uhrzeit des Demonstrationsbeginns.


Zusammen kämpfen und revolutionäres Erbe

Auf dem Berliner May Day-Treffen Ende Januar sprachen sich die Mehrheit der Anwesenden für den Versuch aus, es gemeinsam zu versuchen. Sie hatten und haben die Hoffnung, dass einerseits FelS, andererseits May Day-Kritiker-innen nachdem sie ihre grundlegende Positionen dargelegt haben, in der Diskussion zusammen kommen, starre Positionen aufgegeben werden und ein Kompromiss gefunden wird.

Einer stand ja bereits im Raum: Ein May Day, in dem auch ein Themenwagen „20 Jahre revolutionärer Erster Mai” Platz findet. Ein Thema, das viele der Anwesenden zentral fanden. FelS kritisierte an diesem Vorschlag nicht die historisch auf die letzten 20 Jahre verkürzte Sicht, die beispielsweise den Berliner Blutmai 1923 (für den die Sozialdemokratie Verantwortung trug wie heute für die Hartz-Gesetze) oder die revolutionäre Erste-Mai-Demonstration 1969 (die von Basisgruppen, dem Zentralrat der Kinderläden, Falken und vielen mehr gemeinsam vorbereitet wurde) unberücksichtigt lässt. FelS reduziert den Wunsch, sich auf die Geschichte der Ersten-Mai-Proteste zu beziehen, auf „20 Jahre riots”, anstatt sich selbst in diese Tradition zu stellen. Denn am 1. Mai 1987 ging es vor allem um Kiezpolitik und das, was heute als Prekarisierung bezeichnet wird. Auch von einer anderen, praktischen Tradition möchte FelS nichts wissen. Der May Day hat militante Ursprünge und Praxen (siehe Mailand). Erst dadurch wurde er zu dem, was er heute ist.

Ab 1988 hieß es dann in SO36 „Heraus zum revolutionären ersten Mai”. Die revolutionäre Praxis am 1. Mai in Berlin hat allerdings über die Jahre nachgelassen. Wie auch immer man dazu steht, aber in den letzten Jahren gab es während den angemeldeten Demos keine „riots” mehr. Man könnte sogar sagen, dass die revolutionäre 1. Mai-Demo 2004 unter dem ganz und gar nicht altbackenen Motto „Sag JA zum NEIN!” vom formellen Erscheinungsbild und (un)organisiertem Auftreten dem offenen Konzept des May Day 2006 ähnelte. Hier wie da waren auch Aktionen aus der Demonstration heraus leider Mangelware. Allein in der Phantasie von FelS wird eine „wütende Black Bloc Demo” mit dem Berliner Ersten Mai der letzten Jahre verbunden. FelS baut sich sein Schreckgespenst selbst auf, bräuchte mit einem klaren Blick gar keine Angst zu haben und könnte entspannt loslassen anstatt alles in den eigenen Händen behalten zu wollen.


Inhaltliche Blöcke, Themenwägen und Massenmobilisierung

Das FelS-Konzept beschränkt sich inhaltlich nicht allein auf Prekarisierung, sondern spricht auch von einem Themenwagen zum Thema G8-Gipfel. Und genauso kann und soll es weitere Themenwägen geben, beispielsweise zu den Themen Zwangsumzüge und Optimierungsgesetz, Antifaschismus und Internationalismus, Existenzgeld und Grundeinkommen, Krieg und Besatzung, Kinder-Haben und Politik-Machen, 20 Jahre erster Mai in Kreuzberg - 20 Jahre Protest gegen Prekarisierung usw. usf.

Dass neben einer gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit des Bündnisses die Themen- und Musikkampfwägen ihre eigene Klientel mit eigenen Aufrufen mobilisiert, versteht sich von selbst. Schön, wenn Arbeitsloseninitiativen, Kinderläden oder G8-Gegner-innen mit selbstgeschriebenen Flugblättern und auf ihren Webseiten zu ihren Blöcken auf der May Day-Parade aufrufen. Wenn darüber hinaus einzelne Wägen zu ihrem Thema auch Plakate oder Pressearbeit machen wollen, wird das in unseren demokratischen Strukturen auch mit größten Mühen keiner verhindern oder verbieten können, ebenso wie geplante und spontane Maßnahmen zum Schutz vor Polizeiübergriffen.

Der May Day hat einen guten Ruf, den auch die Schweinepresse nicht zerstören kann. Egal was die Medien berichten, es wird mobilisierend wirken. Wie im vergangenen Jahr werden Tausende demonstrieren. Alle Kräfte sollen zusammenkommen: Prekarisierte, Gewerkschafter-innen, Migrant-innen, Wütende, Klassenkämpfer-innen, Überflüssige, Flüchtlinge, Schaulustige, Menschen auf der Suche nach neuen Handlungsperspektiven, aber auch Linksradikale, wie auch Eltern und Kinder sowie linksradikale Eltern mit ihren Kindern. Bleibt zu hoffen, dass sie sich nicht entscheiden müssen, auf welche Berliner Demonstration sie gehen werden.

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Fußnoten

(1) Einladung zum ersten öffentlichen Mayday-Bündnistreffen und FelS-Konzept (vom 19.01.2007)

(2) Stellungnahme von FelS zum ersten Mayday-Bündnistreffen (vom 02.02.2007)

(3) Stellungnahme zu den 1.-Mai-Vorbereitungen von Berliner Gruppen organisiert im Anti-G8-Bündnis für eine revolutionäre Perspektive (vom 31.01.2007)
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Ergänzungen

Die weiteren Texte der Debatte

Peter Listig 05.02.2007 - 12:08
(1) Einladung zum ersten öffentlichen Mayday-Bündnistreffen und FelS-Konzept (vom 19.01.2007)

Mayday, Mayday ...
... hieß es am 1. Mai 2006 erstmals auch in Berlin. Nachdem in Hamburg bereits im Vorjahr über 4000 Leute zu einer Mayday-Parade erschienen waren, kamen letztes Jahr 6.000 Menschen zum ersten Mayday an die Spree. Die Demonstration war ein großer Erfolg und ein erster richtiger Schritt, den 1. Mai politisch neu zu besetzen. Ein wichtiges Ziel des Berliner Mayday war es, prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen sichtbar zu machen und eine Debatte darüber anzustoßen. Auch durch unsere Interventionen ist Prekarisierung mittlerweile zum weithin diskutierten Begriff geworden. Die Feuilletons quellen über von Artikeln über die „Generation Praktikum” und das „abgehängte Prekariat”; sowohl die „neue Unterschicht” als auch die „digitale Boheme” sind zum Topthema avanciert. Doch uns geht es auch in diesem Jahr darum Prekarisierung aus den Zeitungen und soziologischen Veröffentlichungen herauszuholen.

Wir wollen jetzt konkrete Forderungen aufstellen und den Austausch und die Vernetzung der von Prekarisierung Betroffenen vorantreiben. Der Mythos, der coolen flexiblen und lustvoll die Aushebelung des Kündigungsschutzes feiernden digitalen Boheme, muss ebenso angegangen werden wie der heuchlerische Aufschrei um vermeintlich neue Armut in Deutschland. Vor allem wollen wir der zunehmenden Aufspaltung verschiedener betroffener Gruppen eine gemeinsame Ausdrucksform entgegenstellen. Denn während so genannte „hochqualifizierte Prekarisierte” noch hofiert werden weil ihre Arbeitskraft so flexibel verwertbar ist, wird das „abgehängte Prekariat” schlicht als durchs Raster gefallen abgeschrieben. Es gibt nach wie vor etwas Gemeinsames, sowohl in den unterschiedlichen Ausdrucksformen der Prekarisierung selbst, als auch in den Antworten und Strategien dagegen.

An den Erfolg des ersten Mayday in Berlin wollen wir 2007 anknüpfen, sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf die Zahl der DemonstrationsteilnehmerInnen. Gleichzeitig wollen wir einiges anders und besser machen. Politische Inhalte und Forderungen sollen mehr Raum einnehmen als im vergangenen Jahr, das Bündnis soll größer und breiter werden und es soll mehr Veranstaltungen rund um die Parade geben. Wie wir das erreichen können, möchten wir gerne mit euch diskutieren. Wir haben uns bereits zu einigen Punkten Gedanken gemacht und möchten gerne auf dieser Grundlage unsere Diskussionen beginnen. Einiges davon war bereits im vergangenen Jahr Inhalt unseres Maydaykonzeptes, andere Punkte sind dazugekommen:

1. Wir stellen uns in den Kontext der europaweiten Mayday-Mobilisierung
Das Konzept Mayday hat europaweit eine erstaunliche Dynamik entfacht. Wir nehmen Teil an diesem europaweiten Vernetzungsprozess, um aus den Erfahrungen anderer zu lernen und um deutlich zu machen, dass Verarmung und Prekarisierung keine lokalen oder nationalen Probleme sind. Seit über 100 Jahren ist der 1. Mai ein internationaler Kampftag gegen Ausbeutung und Kapitalismus. Mit der Beteiligung an der europäischen Vernetzung wollen wir der globalen Organisierung zumindest wieder einen Schritt näher kommen.

2. Wir übernehmen die Demonstrationsform der Parade
Die Form der Parade und der damit verbundene offene Charakter, der zum Mitmachen einlädt, haben 2006 Früchte getragen. Es waren Menschen aus unterschiedlichen Spektren, unterschiedlichsten Alters, mit und ohne Kinder auf dem Mayday. Der Festcharakter unseres Protests ist deutlich geworden. Wir haben eine Demonstrationsform gewählt, die viele Leute ermutigt hat sich anzuschließen und das wollen wir auch für 2007 erreichen.
Für den nächsten Mayday wünschen wir uns allerdings außerdem mehr Aktionen, mehr Phantasie und mehr politische Aussagen. Alle Ausdrucksformen, die sich mit einem offenen, selbstbewussten, offensiven Charakter der Parade verbinden lassen, sind erwünscht und sollten von uns bestärkt werden. Wir wollen erneut eine Demonstration organisieren, die für alle Menschen, die sich politisch und inhaltlich auf der Parade und hinter unseren Forderungen wiederfinden, einschätzbar und berechenbar ist. Die Entscheidung für die Form der Parade ist daher nicht mit einem „Jeder macht seins” - Blockkonzept vereinbar. Es geht uns um eine gemeinsame inhaltliche Mobilisierung aus der unser politischer Fokus auf die Themen rund um Prekarisierung (und den Widerstand dagegen) deutlich ersichtlich wird. Der Mayday ist als Bündnis und als Demonstration ein Ort, an dem unterschiedlichste Menschen zusammenkommen, sich austauschen und vernetzen können - und zwar gegen die gemeinsame Erfahrung der Prekarisierung. Dieses Zusammenkommen erst zu ermöglichen ist die große Stärke des Konzepts, die sich im letzten Jahr bereits bewährt hat. Dort wollen wir anknüpfen.

3. Noch mehr neue Bündnispartnerinnen
Bereits im Mayday Bündnis 2006 haben Gruppen zusammengearbeitet, die in dieser Form zuvor noch keine gemeinsamen Aktionen geplant und veranstaltet hatten. Da wollen wir weitermachen und noch mehr Bündnispartnerinnen gewinnen. Am 1. Mai geht es darum, dass alle, die gegen unzumutbare Arbeits- und Lebensbedingungen protestieren wollen, auf die Straße gehen. Dazu gehören Flüchtlinge und Illegalisierte ebenso wie MontagsdemonstrantInnen, 1-Euro-JobberInnen und erwerbslose Eltern, genervte Call Center Agents und prekarisierte KulturarbeiterInnen. Auch wenn klar ist, dass sich die Lebens- und Arbeitsumstände der Genannten oft sehr drastisch unterscheiden: Wir wollen uns in der Vorbereitung darauf konzentrieren, ein breites Bündnis mit den verschiedenen Initiativen und Gruppen, in denen sich Menschen zum Kampf gegen Prekarisierung zusammengeschlossen haben, auf die Beine zu stellen. Wir hoffen dabei nach wie vor auf neue Perspektiven für eine Zusammenarbeit - auch über den Tag hinaus.

4. Richtungsforderungen
Wir sind uns sicher, dass sich an dieser Welt Grundsätzliches ändern muss, aber wir wissen auch, dass niemandem geholfen ist, wenn wir dabei bleiben ausschließlich die Revolution zu proklamieren oder „Kapitalismus abschaffen” zu rufen. Deshalb bauen wir auf die Inhalte der so genannten Richtungsforderungen: Zum Beispiel Legalisierung, Entkoppelung von Lohnarbeit und Existenzsicherung und freier Zugang zu Ressourcen, wie Krankenversorgung, Bildung oder Mobilität.
Unserer Meinung nach bietet das Konzept der Richtungsforderungen die Chance, Inhalte und Themen zu vermitteln, die zwar an den alltäglichen Bedürfnissen der Menschen anknüpfen, jedoch in ihrer Konsequenz auf Elemente einer zukünftigen, nicht-kapitalistischen Gesellschaft hinweisen. Der Mayday soll Raum für unterschiedliche Inhalte schaffen, die unter dem Dach der Richtungsforderungen gebündelt werden können.

5. Anknüpfung an den G8
Der Gipfel in Heiligendamm ist ein wesentliches Thema in diesem Jahr. Wir möchten einen Weg finden, den Mayday auch in diesen Kontext zu stellen, ohne jedoch lediglich eine Vorfeldaktion zu sein. Das Thema der prekarisierten Arbeits- und Lebensverhältnisse bietet sich für eine inhaltliche Verknüpfung an. Dies gilt speziell für Themen wie Migration und prekarisierte bzw. illegalisierte Arbeitsverhältnisse weltweit, die sowohl traditionelles Thema am ersten Mai sind, als auch einen Schwerpunkt bei den Protesten gegen G8 darstellen werden.
Wir hoffen, auf dieser Grundlage mit Euch ins Gespräch zu kommen, darüber wie der 1. Mai aussehen soll und wie wir ihn gemeinsam organisieren können. Wir freuen uns auf Eure Antwort und auf anstehende Diskussionen. Deshalb laden wir euch ein am Montag, 29.01.2007.
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(2) Stellungnahme von FelS zum ersten Mayday-Bündnistreffen (vom 02.02.2007)

Wir sind nach dem ersten Treffen zur Mayday-Vorbereitung am 29.1. gebeten worden, eine Stellungnahme zur Diskussion auf eben jenem Treffen zu verfassen. Dieser Bitte kommen wir hiermit nach.

Zunächst ein kurzer Rückblick
Wir haben im Vorfeld des ersten Mayday-Bündnistreffens am vergangenen Montag eine Einladung verschickt. In der Einladung haben wir dargestellt, worum es uns geht: Das Mayday-Konzept bedeutet, im Rahmen von Veranstaltungen, dem Bündnis selbst und einer Demonstration/Parade am 1. Mai, Menschen zusammenzubringen, die über der Prekarisierung ihrer Lebens- und Arbeitssituation wütend und unzufrieden sind. Es geht darum, einen Raum zu schaffen, in dem sich die von Prekarisierung betroffenen wiederfinden und zusammentun können. Der Mayday ist Ausdruck einer Suche nach neuen politischen Handlungsmöglichkeiten gegen die Arbeits- und Lebensverhältnisse, mit denen wir heute konfrontiert sind, nach Möglichkeiten von Klassenkampf in Zeiten von Prekarisierung und Hartz IV. Dafür gibt es viele Beispiele (die Montagsdemos, die Überflüssigen, die Arbeitskämpfe bei CNH Spandau, Gate Gourmet und anderswo, die Kämpfe der Flüchtlinge gegen Residenzpflicht und Lager, die Berlin umsonst Aktionen, die europaweiten Mayday-Initiativen...), aber es ist eben auch noch vieles ungeklärt: Wie kann man kämpfen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus? Wie soll man mit Kindern und Beziehung klar kommen, wenn man immer flexibler arbeiten muss? Und was kann man Flexibilisierung und Deregulierung entgegen setzen? Wie streikt man als Ich AG? Und und und. Solchen Fragen müssen sich Linke stellen, und die Parade soll Ausdruck dieses Suchprozesses sein. Wir wollen auch mit Leuten ins Gespräch kommen, die nicht bereits in irgendwelchen linken Gruppen organisiert sind. Von einem Organisierungs- und Vernetzungsprozess über verschiedene linke Spektren hinweg - wie der Mayday einer werden soll - erwarten wir, dass er die Voraussetzungen dafür schafft, dass das möglich ist. Das lässt sich mit einem Themenschwerpunkt „20 Jahre Riots“ oder einer wütenden Black Bloc Demo nicht realisieren, so können wir nicht über die linksradikale Szene hinausreichen. Der Mayday 2006 war ein bewusster Bruch mit der bisherigen Tradition revolutionärer 1.-Mai-Demos in Berlin, und das war eine Voraussetzung für seinen Erfolg. Das Konzept der Parade war erfolgreich. Dahinter wollen wir nicht zurück fallen.
Wir haben in der Einladung deutlich gemacht, dass wir nicht an überholte Traditionen anknüpfen oder den Inhalt des Mayday auf Plattitüden wie das von einigen vorgeschlagene „Heraus zum revolutionären 1. Mai“ reduzieren wollen. Auf das Mayday-Bündnis zu kommen und eine revolutionäre Demo einzufordern, auf der es eventuell einen Mayday-Block geben könnte, das kann eigentlich nur Leuten passieren, die die Einladung gar nicht gelesen haben.

Wie weiter
Wir möchten weiterhin mit allen Interessierten das Mayday-Konzept umsetzen, das wir in der Einladung zum ersten Bündnistreffen dargestellt haben. Einen Mayday zu machen bedeutet für uns nicht, dass eine Handvoll Gruppen mit geringer Verbindlichkeit und wenig Gemeinsamkeiten zusammenarbeitet und alle im Prinzip machen können, was sie immer am 1. Mai gemacht haben. Notwendige Voraussetzung für eine gemeinsame Mayday-Parade ist ein inhaltlicher Diskussionsprozess, der sich in einer Mobilisierung mit gemeinsamem Aufruf und gemeinsamem Plakat niederschlägt. Notwendig ist auch eine gemeinsame Pressearbeit.
Für uns steht grundsätzlich fest, dass wir mit einem Bündnis eine Mayday-Parade machen wollen, die den oben beschrieben Anforderungen genügt - darüber wie das konkret aussehen kann, wollen wir euch reden, wenn ihr Interesse habt. Blockbildung im klassischen Sinn, mit Seitentransparenten ringsum, Ketten, Dresscodes o.ä. widerspricht aus unserer Sicht dem oben dargestellten, offenen Charakter der Mayday-Parade. Allerdings macht es Sinn, dieses Jahr mehr Themenwagen zu machen, z.B. zu G8, und rings um die Wagen werden sich dann natürlich die Leute einfinden, die was mit dem Thema anfangen können. Wir wünschen uns auch mehr Aktionen entlang der Route, die unsere Anliegen thematisieren und öffentlichkeitswirksam sind. Auch darüber würden wir gerne im Bündnis sprechen. Trotzdem muss es z.B. auch für Leute mit Kindern möglich bleiben, sich an der Parade zu beteiligen.
Unser Ziel ist es, dass sich die radikale Linke den 1. Mai politisch zurück erobert, hier in Berlin und darüber hinaus. Dafür müssen wir inhaltlich etwas zu sagen haben und den Austausch untereinander, mit anderen linken Kräften und mit dem europäischen Mayday-Netzwerk verbessern. Dann kann das klappen. Den 1. Mai auf ein kleines linksradikales Muskelspielchen im Vorfeld des G8-Gipfels zu beschränken, halten wir für keinen besonders konstruktiven Vorschlag.
Alle, die sich vorstellen können, in diesem Sinne mit uns zusammen zu arbeiten, laden wir ein zum zweiten Vorbereitungstreffen für die diesjährige Mayday-Parade in Berlin, am Montag den 5. Februar um 19 Uhr im Mehringhof-Versammlungsraum, Gneisenaustraße 2a, U-Bahn Mehringdamm.
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(3) Stellungnahme zu den 1.-Mai-Vorbereitungen von Berliner Gruppen organisiert im Anti-G8-Bündnis für eine revolutionäre Perspektive (vom 31.01.2007)

Wir wollen eine große gemeinsame Demonstration zum 1. Mai in Berlin, da wir es wichtig finden die Zersplitterung in verschiedene Demonstrationen zum 1. Mai zu überwinden. Eine gemeinsame Demonstration ist auch notwendig, um in Hinblick auf die Mobilisierung gegen den G8-Gipfel Stärke zu zeigen. Wir können uns diese Demonstration mit den OrganisatorInnen des Maydays vorstellen, allerdings wollen wir keine gemeinsame Demonstration die als Oberbegriff „Mayday" hat, da wir mit vielen Vorstellungen die mit diesem Konzept verbunden sind ein Problem haben. (Prekarisierung als Hauptthema statt sich auf alle Lohnabhängigen zu beziehen, lediglich Richtungsforderungen zu stellen statt die Überwindung des Kapitalismus als Perspektive in den Vordergrund zu stellen.) Deshalb möchten wir, dass die Demo unter einem „neutralen" Oberbegriff abläuft, zum Beispiel: „Heraus zum 1. Mai – Gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg". Die jeweiligen Spektren können dann in ihrer Mobilisierung ihre verschiedenen Konzepte in den Vordergrund stellen, zum einen Mayday zum anderen revolutionärer 1. Mai. Auf der Demo selbst muss es, um diesen verschiedenen Ansätzen gerecht zu werden Blöcke geben, die ihren jeweiligen Ausdruck selbst bestimmen können, also zum Beispiel Anti-Kriegs-Block, internationalistischer Block, revolutionärer Block, Für-globale-soziale-Rechte-Block, usw.
Wichtige Anknüpfungspunkte sind für uns die 20-jährige Berliner und die über 100-jährige weltweite Tradition der internationalistischen und klassenkämpferischen 1.-Mai-Demonstrationen.

Noch ein weiteres Papier von fels

Petra 05.02.2007 - 12:41
Nachfolgend noch ein weiteres gutes Papier von fels, das gestern noch hier stand. Darin spricht fels selbst von "einem stärkeren Einbinden linksradikaler Gruppen" und einer "spektren-überschreitenden Mobilisierung". Aber auch das fels-Verständnis von Bündnispolitik wird beispielsweise in folgender Aussage klar: "FelS übernimmt und moderiert den Bündnis-Wagen." Ich finde die fehlende Bereitschaft zu einer Kooperation bei allen Seiten, auch von den KommentatorInnen hier, sehr traurig.

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Der Mayday 2006 war ein Erfolg, an den wir 2007 anknüpfen wollen und hinter den wir nicht
zurückfallen wollen. Auf vielen Ebenen gibt es sicher noch die Notwendigkeit und auch die
Möglichkeit, Sachen besser zu machen,­ dazu weiter unten mehr.

Rückblick
1. Der Begriff der Prekarisierung und damit verbundene gesellschaftliche Veränderungen konnten umfassend thematisiert werden. Die Berichterstattung im Vorfeld war hervorragend. Der Mayday wurde als neu (in Berlin) UND politisch wahrgenommen. Um dies 2007 zu wiederholen, braucht die Presse-AG ein klares und verbindliches Mandat vom Bündnis, damit sie erfolgreich und zeitnah arbeiten kann.

2. Bei der Erstellung von Bündnis-Plakaten, -Flyern, -Transparenten, -Aufrufen, etc., standen immer vermittelbare politische Forderungen im Vordergrund. Zudem wurde unser Aufruf in mehrere Sprachen übersetzt.

3. Die Bündnispartnerinnen repräsentierten zum Teil bereits die Breite, auf die es uns ankam und auch 2007 wieder ankommt.

4. Die Positionierung des Bündnisses zwischen revolutionärer Demo (keine strikte Abgrenzung) und Myfest (deutliche Abgrenzung) hat gut geklappt.

Ausblick 2007
Das alles geht natürlich noch viel besser. Unsere Anforderungen für 2007 lauten daher:

1. Der Mayday soll endlich Teil eines Organisierungsprozesses werden bzw. in seiner Konzeption so ausgelegt sein, dass auf mittel- bzw. langfristige Sicht ein Prozess entlang von Prekarisierung überhaupt stattfinden kann. Es geht also nicht nur um die Planung einer
Einpunktkampagne. Es geht darum, dass sich verschiedene linke Gruppen, Basisinitiativen, etc. die zu Sozial-/Migrationsthemen aktiv sind, vernetzen und gemeinsam nach außen treten, und dass sich Unorganisierte niedrigschwellig anschließen können, um ihnen so Möglichkeiten der Organisierung zu zeigen und ihnen einen Einstieg anzubieten.

2. Damit dies funktioniert, muss das Bündnis breiter werden und damit handlungsfähiger. Unsere Ausgangsposition ist hier sicher besser als letztes Jahr, da die Reaktionen auf den Mayday meist positiv waren. Nach wie vor gilt: Über den Szene-Tellerrand schauen.

3. Der Mayday muss politischer und radikaler werden. Damit ist nicht nur das Erscheinungsbild der Parade gemeint, sondern auch der allgemeine Ausdruck. Um das zu ereichen muss es sowohl einen stärkeren Bezug auf stattfindende Kämpfe geben als auch ein stärkeres Einbinden linksradikaler Gruppen und AkteurInnen.

4. Eine inhaltliche Begleitung des Mayday muss gesichert sein, d.h. es muss bspw. Veranstaltungen zu verschiedenen Themen im Vorfeld und danach geben. (Idee: Reaktivierung Maisteine unter anderem Namen, Podiumsdiskussion, Gala, etc.)

5. Ein (auch) inhaltlicher Bezug zum G8 wäre wohl sinnvoll. Wie der aussehen könnte, darüber muss noch geredet werden.

6. 20 Jahre Riots und Bolle anzünden ist für uns kein Thema, zumindest nicht am Mayday. Für die Gewährleistung einer einigermaßen verbindlichen und einschätzbaren Demo, die bspw. für eine Teilnahme von Eltern mit Kindern notwendig ist, muss klar sein, dass die Gewaltfrage kein Gegenstand in der Mobilisierung sein wird.

7. Da sich Prekarisierung nicht als „Kampfbegriff“ anbietet, sollte der Mayday 2006 sollte den Begriff Prekarisierung zwar einführen, hatte aber „Globale Soziale Rechte“ als Forderung. Auch wenn wir die Diskussion um das Motto 2007 noch nicht abschließend geführt haben, so ist es doch Konsens, dass das Motto und die Forderungen des Maydays in erster Linie FÜR etwas stehen sollen und nicht gegen etwas. Eben für alles, was mensch so zu einem schönen Leben braucht (Kuchen, Bäckerei, Organisierung, Kommunismus,…). Unserer Meinung nach bietet sich hier das Konzept der Richtungsforderungen an, die zwar an den alltäglichen Bedürfnissen der Menschen anknüpfen, jedoch auf Elemente einer zukünftigen, nicht-kapitalistischen Gesellschaft hinweisen.

Zur Bündnis-Struktur
Das erste Bündnistreffen findet am Dienstag, den 30.01.2007 statt. Die Einladung wird auf deutsch und englisch möglichst breit gestreut und zwei Wochen vorher über den Mailverteiler gehen, kurz vorher wird es einen Reminder geben.
Um den organisatorischen Ablauf, die mediale Vermittlung und die inhaltliche Begleitung sicherzustellen und zur Gewährleistung begleitender Aktionen, bedarf es Sub-AGs innerhalb des Mayday-Bündnisses, die sich dafür zuständig fühlen. Diese sind:
Orga-AG - Orga und Koordinierung
Presse-AG - Öffentlichkeit und Medienbetreuung
Veranstaltungs-AG - Theorieproduktion und Veranstaltungen (auch innerhalb des Bündnisses durch Inputs z.B.)
Aktions-AG - Aktionen und Propaganda
Die Bündnis-VV findet alle zwei Wochen statt, AGs Treffen sich nach Absprache und Bedarf, die Kommunikation der AGs findet über (eine) neue Mailingliste(n) statt, die alte ( euromayday-berlin@lists.so36.net) Mailingliste bleibt bestehen und dient der allgemeinen Information für diejenigen, die am Mayday interessiert sind, sich allerdings (noch) nicht für eine aktive Beteiligung entschieden haben. Für Interessierte, die keine Lust auf den Mailterror einer Mailingliste haben und eher an Basics interessiert sind, wird es auf der Website einen Infoverteiler geben, über den Termine und einen Newsletter gehen.

Zur Parade
1. Die Beteiligung am Mayday 2006 war gut, es waren Menschen aus den verschiedensten Spektren da, auch viele Leute mit Kindern, viele die sonst nicht mehr auf Demos gehen.

2. Die Demo war offen und hat durch ihr Erscheinungsbild zum Mitmachen und Anschließen
eingeladen (keine durchgehenden Seitentranspis, Sambaband an der Spitze,…).

3. Der Bündnis-Konsens des letzten Jahres, dass es keine abgeschlossenen Demo-Blöcke im klassischen Sinn geben soll, wird beibehalten. Dies ist nicht nur aus inhaltlicher Sicht sinnvoll, da ja spektren-überschreitend mobilisiert und demonstriert werden soll, sondern auch aus taktischer, da so bspw. ein revolutionärer Block nicht von der Polizei isoliert werden kann.

4. Die Parade soll Gemeinsames ausdrücken, dies soll auch 2007 u.a. wieder über eine Funkstrecke passieren, über die gemeinsame Statements vom Bündnis-Wagen verbreitet werden. Die Vorgehensweise, relativ viele Redebeiträge zuzulassen, diese aber auf drei Minuten zu begrenzen, hat letztes Jahr gut funktioniert und die Heterogenität der Teilnehmenden unterstrichen.

5. Der Mayday soll Akzente setzen und somit auch ein Probierfeld für neue Aktionsformen sein. Diese müssen allerdings dem offenen Charakter des Maydays gerecht werden. Aktionsformen, welche die Teilnehmenden nicht (unmittelbar) gefährden, sind willkommen. Auch wenn uns an einer weniger braven Parade gelegen ist, wollen wir an den Punkten 1. und
2. keine Abstriche machen.

6. FelS übernimmt und moderiert den Bündnis-Wagen.

Zur Route
1. Wir halten es für sinnvoll, wenn die Route wieder durch Kreuzberg und Neukölln führt. Zum einen, da unsere Erfahrungen und die Reaktionen der Anwohner im letzten Jahr positiv waren. Zum anderen weil ein großer Teil derer, die wir mit dem Mayday erreichen wollen, nicht in Bezirken wie Mitte oder Prenzlauer Berg wohnen und sich bspw. Neukölln für die Thematisierung von sozialen Konflikten oder auch der Ethnisierung sozialer Gegensätze stärker anbietet.
Desweiteren wollen wir die Abgrenzung zum Befriedungskonzept Myfest auch dadurch zum Ausdruck bringen, indem wir wie im letzten Jahr versuchen, dort möglichst viele Leute abzuziehen und für unser Konzept zu begeistern.

2. Für den Ablauf der Parade halten wir einen kurzen, aber prägnanten Auftakt für sinnvoller als den Versuch des letzten Jahres, schon vor der Demonstration mit einer Live-Band Leute anzuziehen. Die Parade früher, gegen ca. 14:00, beginnen zu lassen, die Route auf ca. 3 Km zu verkürzen und dafür mit einer großen Abschlusskundgebung mit Kulturprogramm gegen 20:00 enden zu lassen (wenn es einen nicht geringen Teil ohnehin nach 36 ziehen dürfte) erscheint uns am zweckmäßigsten.

Zuerst Desaster Day für Nazis....

Bibo 05.02.2007 - 12:46
...danach Judgement Day für die Bullen!!!

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Nazis bevölkern den 1. Mai
Neonazis haben für den 1. Mai einen Aufmarsch angemeldet. Auch die NPD ist mit dabei. Am selben Tag jährt sich die Mai-Randale in Kreuzberg zum 20. Mal. Linke Gruppen kündigen Gegendemo an
VON FELIX LEE

Rechtsextremisten wollen den Linken die Show stehlen. Neonazis haben für den 1. Mai einen Aufmarsch angemeldet - an diesem Tag jährt sich auch die revolutionäre 1.-Mai-Randale zum 20. Mal. Im vergangenen Jahr war Berlin an dem traditionellen Arbeiterkampftag von rechten Demos verschont geblieben. Der letzte rechte Aufmarsch an einem 1. Mai wurde vor drei Jahren abgebrochen, nachdem es zu massiven Auseinandersetzungen mit linken Gegendemonstranten gekommen war

Auch das Motto der Rechten ist von den Linken abgekupfert: "Heraus zum deutschen 1. Mai - Gemeinsam gegen Kapitalismus". Abgesehen von der Verdeutschung war das in den vergangenen 20 Jahren der Slogan der Linken. Unklar ist, welche Rolle die rechtsextremistische NPD bei diesem Protestzug spielen wird. Es gebe intensive Gespräche mit den "freien Kräften", ob sich die Partei bloß beteiligt oder aktiv in die Organisierung einklinkt, sagte Eckhard Bräuniger, der NPD-Landesvorsitzende, der taz. Mit "freien Kräften" meint Bräuniger militante Neonazis aus dem Kameradschaftsspektrum.

Die Versammlungsbehörde bestätigte die Anmeldung des Aufmarschs. Laut informierten Kreisen ist als Aufmarschort Treptow-Köpenick vorgesehen, offiziell bestätigt wird das bisher nicht.

Seit dem Umzug der NPD-Bundeszentrale nach Köpenick versucht die NPD, Berlin neben Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu einer dritten Bastion auszubauen. Dabei übt sie offen den Schulterschluss mit der gewaltbereiten Kameradschaftsszene - eine Zusammenarbeit, die sie bis vor kurzem noch geleugnet hat. Erste Erfolge erzielte die Partei bei den Wahlen im September. Ihr gelang der Einzug in vier Bezirksparlamente. Seitdem gibt es nach Aussagen von Bräuniger eine positive Mitgliederentwicklung. Mehr als 50 Neuzugänge habe die NPD zu verzeichnen, darunter zahlreiche bekannte Gesichter aus der Kameradschaftsszene. Insgesamt zählt der Landesverband laut Bräuniger derzeit rund 340 Mitglieder.

Auf linker Seite ist hingegen noch nicht ausgemacht, was zum 1. Mai geplant ist. Diverse linke Gruppen setzen wie im vergangenen Jahr auf den so genannten "Mayday", ein Demonstrationszug, bei dem es um das Thema Prekarisierung und Armut geht. Damit wollen sie stärker an aktuelle politische Debatten anknüpfen, als es den linken Traditionalisten mit ihrer Revolutionsrhetorik in den Jahren zuvor gelungen war. Deren Einfluss war in den vergangenen zwei Jahren zurückgegangen. Doch jetzt gibt es wieder Stimmen, die zum 20. Jahrestag an den vermeintlich "revolutionären Aufstand" von 1987 anknüpfen wollen. Sicher ist: Es wird einen Protest gegen den Neonazi-Aufmarsch geben, sagte gestern ein Antifasprecher.

Quelle:  http://www.taz.de/pt/2007/01/31/a0232.1/text

1.Mai Stellungnahme der [ARAB]

[ARAB] 05.02.2007 - 22:03
Für eine gemeinsame Perspektive!
„Euro-Mayday, revolutionärer 1.Mai und die Berliner Linke“

Stellungnahme der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin [ARAB] zu den 1.Mai-Vorbereitungen 2007.

In den letzten Wochen begann in Berlin die Diskussion wie der 1.Mai dieses Jahr als Protest und Kampftag gestaltet werden soll. Zur Debatte steht ob es eine gemeinsame Demonstration aller Kräfte geben soll oder getrennte "Euromayday-Parade(n)" und "revolutionäre 1.Mai-Demo(s)". Ein Plädoyer der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin [ARAB] für eine gemeinsame Mobilisierung des Euromayday und revolutionären 1.Mai-Spektrums.

Der 1.Mai steht wieder vor der Tür. Wie kein anderer Tag manifestiert der 1.Mai in Berlin sowohl die Potentiale einer radikalen Linke wie auch deren Zerrissenheit und Schwäche. Trotz der eher kleinen Aktionen der letzten Jahre, ist die radikale Linke an diesem Tag immer noch in der Lage für ihre Verhältnisse überdurchschnittlich viele Menschen zu mobilisieren und gesellschaftlich wahrnehmbar zu sein. Zeitgleich zeigt sich die Schwäche und Zersplitterungen der Linken am 1.Mai dadurch, dass wir in der Vergangenheit eher durch interne Streitereinen und getrennte Demonstrationen von uns Reden gemacht haben, als durch unsere gemeinsamen politischen Forderungen. Wir halten es für existenziell diese unsägliche Tradition endlich zu durchbrechen. Gerade in Hinblick auf den bevorstehenden G8-Gipfel halten wir ein solidarisch-konstruktives Miteinander der verschiedenen linken Strömungen am 1.Mai in Berlin für ein wichtiges Zeichen. Wir als [ARAB] sehen deshalb die Notwendigkeit eines gemeinsamen Demonstrationszuges aller linken und fortschrittlichen Kräfte am 1.Mai. Bezugspunkte eines solchen Demonstrationszuges sind für uns sowohl die über hundertjährige Tradition des 1.Mai als „internationaler Kampftag der Arbeiterklasse“, das 20ste Jubiläum des "Kreuzberger Aufstandes" von '87 und die damit verbundenen Erfahrungen der "revolutionären 1.Mai-Demonstrationen" wie auch die neuen Ansätze europaweiter Vernetzung in Form der Euro-Mayday-Paraden. Für uns stehen diese verschiedenen Ansätze nicht im einem Widerspruch zueinander sondern ergänzen sich vielmehr. Gerade die Erfahrungen der Antiglobalisierungsbewegung und der Anti-AKW-Bewegung haben gezeigt, dass verschiedene Widerstandsformen dadurch gestärkt werden können, dass sie sich solidarisch aufeinander beziehen. Der gemeinsame Widerstand bei verschiedenen Praxen ist unserer Ansicht nach sowohl für das Gelingen der Anti-G8-Aktionen wie auch des 1.Mai in Berlin von grundlegender Bedeutung. Auch auf den grossen gemeinsamen Demonstrationsumzügen in Heiligendamm werden traditionelle Blockkonzepte (Transparente, Ketten) und offene Paradenkonzepte sich gegenseitig ergänzen müssen. Die Erfahrungen mit neuen Aktionsformen, die wir innerhalb der Antiglobalisierungsbewegung in den letzten Jahren gemacht haben (Pink-Silver, Black-Silver, Reclaim the Streets) sollten dabei berücksichtigt werden. Dies trifft unserer Meinung auch für den 1.Mai in Berlin zu.

Wir finden Diskussionen, ob es sich um eine "revolutionäre 1.Mai-Demonstration mit Mayday-Block" oder einen "Mayday mit revolutionären Block" handeln wird für völligen Blödsinn und rufen alle Kräfte auf nach einem vernünftigen Konsens zu suchen um eine gemeinsame Mobilisierung zustande zu bringen.
Wir appellieren in diesem Zusammenhang an die Gruppe „Für eine linke Strömung“ (felS) sich einer Öffnung und Erweiterung ihres Mayday-Konzeptes nicht grundsätzlich zu verweigern und sich auf einen gemeinsamen Diskussionsprozess einzulassen. Das dogmatische Festhalten am vorgestellten Mayday-Konzept und die grundsätzliche Ablehnung von "Blöcken" beinhaltet zwangsläufig die Ausgrenzung anderer politischer Zusammenhänge und ein Plattmachen der Differenzen. Ein gemeinsamer Diskussionsprozess kann in unseren Augen nicht als ein "Zurückfallen hinter die Ergebnisse des letzten Jahres" verstanden werden, sondern eröffnet die Möglichkeit ein Zeichen zu setzen, auch über den 1.Mai hinaus . Lassen wir uns die Chance nicht entgehen mit einer gemeinsamen Mobilisierung als radikale Linke eigene Akzente zu setzen und damit die Anti-G8-Mobilisierung zu stärken. Wir stellen uns eine grosse, bunte und kämpferische gemeinsame "Demo-Parade" von mindestens 10 000 Leuten vor; eröffnet von einer Performance-Gruppe, dahinter ein grosser "klassischer" Demoblock mit Ketten, Transpis, Lauti und dem ganzen Drumherum, dem eine schier endlose Parade mit verschiedensten Sound-Systems und Themenwagen folgt. Wie diese Demonstration zu nennen sein wird sollte Teil eines gemeinsamen Diskussionsprozesses sein. Im Gegensatz zu den Gruppen im revolutionären Anti-G8-Bündnis könnten wir uns durchaus vorstellen unter dem Label "Mayday" zu mobilisieren, für uns ist der Charakter der Demonstration ausschlaggebend. Die politischen Schwerpunkte sollten sich die Gruppen angesichts der Differenzen selbst legen, ein linker emanzipatorischer Grundkonsens ist dabei natürlich Voraussetzung. Wir wollen versuchen in unserer Mobilisierung den Zusammenhang zwischen dem G8-Gipfel und dem gerade in Berlin für Jugendliche alltäglich erfahrbaren sozialen Terror zu konkretisieren. Für uns als sozialrevolutionäre Gruppe gilt es im Rahmen einer solchen Mobilisierung für eine vollständige Überwindung kapitalistischer Verhältnisse, also ein ganz anderes Ganzes, eine revolutionäre Perspektive zu kämpfen. Wir hoffen das wir gemeinsam einen 1.Mai gestalten werden in dem sich jede(r) wiederfinden kann. Emma Goldmann hat einmal sehr richtig gesagt " doch wenn ich nicht tanzen kann, so ist es nicht meine Revolution". Es kann aber auch nicht die unsere sein wenn alle tanzen müssen. In diesem Sinne:

Zusammen Kämpfen!
Für einen revolutionären Mayday 2007!

Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin [ARAB]

Februar 2007

Kontakt:  arab@blacksec.org

FelS und Sozialdemokratie

Zwei Autonome 06.02.2007 - 01:04
FelS hat sich von der autonomen, radikalen Linken verabschiedet. FelS spricht - wie die Friedrich-Ebert-Stiftung - von Prekarisierung und nichts anderem mehr. Sie bezeichneten Gruppen, die Interesse haben, den Mayday mitvorzubereiten als Spinner bzw. Sekten und forderten alle, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen wollen auf, das Berliner Mayday-Bündnis zu verlassen. Sie verteidigen ihr Konzept von 2006, an dem sie bis vor Kurzem intern noch heftigste Kritik hatten. Auch sie waren nämlich der Meinung, dass es mehr politisch werden müsse. Jetzt wollen sie davon nichts mehr wissen. Dieses Verhalten ist uns unbegreiflich.

Noch ein guter Text von FelS vom Juli 2006

aus Arranca 35/2006 06.02.2007 - 01:18
"Nur mit breiterer und aktiverer Beteiligung kann das Mayday-Bündnis mehr sein als eine Vorbereitungsgruppe für ein jährliches Event. Nur dann sind auch die inhaltlichen Auseinandersetzungen und die notwendigen Diskussionen um Gemeinsames und Trennendes möglich, die zu einer noch stärkeren Politisierung der Protestform Mayday-Parade führen können. Diese Politisierung und auch Radikalisierung ist aus unserer Sicht unbedingt notwendig, wenn der Mayday nicht innerhalb kürzester Zeit in den Kanon der bekannten Veranstaltungen eingereiht und stillgelegt werden soll, ist es doch das Ziel, in diesem Rahmen gemeinsam weitere Praxisformen zu entwickeln. Und dies ist ein Prozess, der nicht durch (linksradikales) Diktat verordnet oder durch das Engagement einiger weniger getragen werden kann. Eine Mayday-Parade wird es 2007 aus unserer Sicht nur geben, wenn sich mehr Leute und Gruppen einbringen. In diesem Sinne: macht mit – macht’s besser!"

Revolutionäre Demos 2006 abends

nochmal im Rückblick 06.02.2007 - 05:59
Weil hier so viel geschrieben wurde über die unterschiedlichen Demos in Kreuzberg, und weil manche wohl dort abends nicht waren im Jahre 2006, hier nochmal ein Bericht auf Indymedia von 2006:  http://ch.indymedia.org/de/2006/05/40669.shtml - mit bildern von 2 spontanen und illegalen Revolutionären 1. Mai Demos am Abend in Berlin-Kreuzberg, jeweils mit zwischen 1500 und nochmal mit ca. 2000 Teilnehmern.

Bericht vom Treffen am 05.02.2007

Ja zum May Day 06.02.2007 - 12:13
Am Abend des 05.02.2007 gab es ein zweites Berliner May Day-Treffen. fels hatte eingeladen und die Moderation übernommen. Zu Beginn gab es von der ALB und anderen Gruppen Kritik an fels, vor allem weil sie an Ihrem Konzept festhielten und sich nicht bewegten. fels selbst stellte fest, dass es nicht ihr Konzept sei, sondern ein europäisches Konzept und das vom 2006er Berliner May Day-Bündnis. Sie vergaßen dabei folgendes: 1. Aus guten Gründen hat sich die Berliner May Day-Vorbereiung 2006 dazu entschieden, sich nicht "Euro May Day" zu nennen, sondern nur "May Day". Also ist das Euro-MayDay-Konzept nicht so starr und unflexibel, wie fels meint. 2. Alle Gruppen, die den Berliner May Day 2006 vorbereitet hatten, waren eingeladen. Also wäre es möglich gewesen, das Konzept zu modifizieren. Insbesondere von autonomen Gruppen kamen viele Konsensvorschläge für ein offenes May Day-Konzept und einen gemeinsamen ersten Mai 2007 in Berlin.
Durch ein Stimmungsbild wurde klar, dass 12 der anwesenden Gruppen für ein weiter gefasstes, offenes May Day-Konzept waren und nur 7 für das fels-Konzept. Meinungsverschiedenheiten gab es darum, ob man Blöcke haben will oder nicht und ob es Mobilisierungsfreiheit geben kann oder nicht und wie man sich auf die Geschichte des 1. Mai (nicht nur) in Berlin bezieht. Fels blieb kompromisslos. Nach einer Beratungspause stellten sie ihre Grundsätze fest:
1. Der Charakter der Demo soll nach außen eine Parade mit gemeinsamen Erscheinungsbild sein.
2. Gemeinsames Thema ist Prekarisierung
3. Gemeinsame Pressearbeit
4. Keine Distanzierung von der Berliner 1.Mai-Geschichte, Themenwägen und eigene Mobilisierungsflugblätter sind ok

Diese Punkte stehen für ein Kontrollregime, das selst Menschen aus der May Day-Vorbereitung als "starres Konzept" bezeichneten.

Daraufhin wurde sich verständigt, dass es bald ein nächstes Treffen von fels und Anhang geben wird, zusätzlich ein weiteres Treffen, auf dem die KritikerInnen des fels-Konzept überlegen werden entweder einen eigenen May Day-Zug zu organisieren, der sich irgendwo mit dem fels-May Day vereinigen soll (Sternmarsch), oder sich mit eigenen Themenwägen, eigener Mobilisierung und Pressearbeit in den fels-Mayday einbringen werden.

So oder so: Einen gemeinsamen, geschlossen auftretenden May Day wird es in Berlin wegen der Starköpfigkeit von fels leider nicht geben.

Stellungnahme von fels

Mai Dai 07.02.2007 - 17:40
FelS hat auf ihrer website auch Stellung bezogen:  http://www.nadir.org/nadir/initiativ/fels/de/2007/02/331.shtml

Weiterer May Day-Beitrag in Interim 651

Sandra M. 06.03.2007 - 23:22
In der Interim 651 vom 29.02.2007 (sic!) gibt es weitere gute Beiträge zum May Day 2007.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 24 Kommentare

Die Linke muss offen und radikal sein

Beobachter 05.02.2007 - 10:43
Es verwundert, dass Fels ein so grosses Abgrenzungbedürfnis gegen andere radikale Linke in Berlin hat. Damit betreibt sie unbewusst das alte sinnlose Spiel der Linken: Wer hat die Wahrheit gepachtet und wer bestimmt, wer mitmachen darf. Dabei wäre der 1.Mai ein guter Anlaß, angesichts der immer dreisteren Zumutungen für ALG2-EmpfängerInnen, angesichts des bevorstehenden G8-Gipfels, ein lautes gemeinsames Stopp-Signal zu setzen. Was die Radikalität der Protestformen, des Widerstands allgemein angeht, muss mensch sich doch wundern, wie friedlich die Gedemütigten hier täglich bleiben. Trotzdem höre ich in der Schlange vor dem Jobcenter immer wieder Gewaltphantasien von LeidensgenossInnen der täglichen Drangsal, und oft wünsche ich mir, dass sie es mit mir und vielen anderen umsetzen: es muesste täglich krachen, bei dem was in den letzten Jahren abgeht. Und die Sympathie für Aktionen gegen Jobcenter, Zwangsumzugsfirmen, Staatsekretäre und Profiteure des neoliberalen Wahns nimmt täglich zu. Die meisten trauen sich nichts zu, aber der heimliche Applaus ist da, wenn es kracht. So sollte die radikale Linke in Deutschland lieber auch radikales Vorbild sein, als sich kreidefressend auf die vermeintlich "ängstlichen" Prekarisierten einzustellen, und dabei den Druck rauszunehmen, der in den Nachbarländern (Italien, Frankreich) regelmäßig zu "handfesten" und wahrnembaren Protesten führt.
Vielfalt entsteht nicht durch Ausschluß von militanten Protestformen und ihrer Symbolik. Was die Gemeinsamkeiten und den Ausblick nach dem ersten Mayday in Berlin angeht, hatte Fels auch schon klügeres in ihrer Zeitschrift Arranca! gesagt:
"Nur mit breiterer und aktiverer Beteiligung kann das Mayday-Bündnis mehr sein als eine Vorbereitungsgruppe für ein jährliches Event. Nur dann sind auch die
inhaltlichen Auseinandersetzungen und die notwendigen Diskussionen um Gemeinsames und Trennendes möglich, die zu einer noch stärkeren Politisierung der Protestform Mayday-Parade führen können. Diese Politisierung und auch Radikalisierung ist aus unserer Sicht unbedingt notwendig, wenn der Mayday nicht innerhalb kürzester Zeit in den Kanon der bekannten Veranstaltungen eingereiht und stillgelegt werden soll, ist es doch das Ziel, in diesem Rahmen gemeinsam weitere Praxisformen zu entwickeln. Und dies ist ein Prozess, der nicht durch (linksradikales) Diktat verordnet oder durch das Engagement einiger weniger getragen werden kann. Eine Mayday-Parade wird es 2007 aus unserer Sicht nur geben, wenn sich mehr Leute und Gruppen einbringen. In diesem Sinne: macht mit – macht’s besser!"

 http://arranca.nadir.org/arranca/article.do;jsessionid=E78D6ABB5F726FB2DE0AC2172698F325?id=319

In diesem Sinne macht es eben keinen Sinn, Menschen die sich beispielsweise auf die anarchistischen „black blocs“ beziehen, die überall in Europa an Protesten gegen G8, EU-Gipfel und Nazitreffen beteiligt sind auszuschließen. In diesem Sinne ist es doch erfreulich, dass sich zum ersten Vorbereitungstreffen so viele Gruppen eingefunden haben. Und in diesem Sinne muessen die Erfahrungen und Ausdrucksformen der 20jährigen Geschichte des 1.Mai in Berlin selbstverständlich mitaufgenommen und weiterentwickelt werden. Wer diese Geschichte (mit all seinen Widersprüchlichkeiten) ausblenden (und damit ausgrenzen) will, macht einen Fehler und wird schlimmstenfalls:.......... Sektierer.

lustig

Peter Lustig 05.02.2007 - 11:13
Listig auch, dass dieses Posting gestern noch unter den Namen der FelS-PressesprecherInnen veröffentlicht wurde und dann plötzlich versteckt war, jetzt wieder auftaucht und hopphopp die gleichen Ergänzungen und Kommentare wieder erscheinen. Ein Schelm der böses dabei denkt...

@ Peter Lustig

Quatsch 05.02.2007 - 11:46
Es gibt doch erst eine Ergänzung. Gestern waren zahlreiche zusätzlichen Texte noch gepostet worden, die ich teils interessant fand und den Artikel ergänzten.
Auch wenn ich nicht alle Aspekte des Artikels teile, er ist ein Beitrag zur Berliner Diskussion, die fels angestoßen hat.

@ Lustig

Adam Streng 05.02.2007 - 11:54
Ist es Absicht, dass "listig" statt "lustig" steht? Sinn hätte es....

Politik oder Religion?

Paula 05.02.2007 - 12:05
Es ist doch immer wieder bezeichnend, wie Leute die Politik mit Religion verwechseln und konservativ an Traditionen festhalten jede Diskussion ins Gegenteil drehen.

FelS hat völlig recht mit der Position. Die Einladung war ja ganz offensichtlich für eine VOrbereitung des Mayday und nicht ganz allgemein zur Vorbereitung irgendeinen 1. Mai

Der Mayday hat einen europäischen und weltweiten Kontext und eine Ausrichtung. Gegenüber einer Arbeits- und Lebensrealität die sich verändert soll versucht werden gegen die Vereinzelung und Spaltung der Arbeits- und Lebensverhältnisse ein neues "Klassenbewußtsein" zu rekonstruieren.

Der Erfolg beim Mayday 2006 lag nicht nur in der Zahl der TeilnehmerInnen (die ganz sicher nicht auf das Fehlen anderer Maidemonstrationen zurückzführen ist, sonst hätte ja die Demos der Mao-Freaks auch völlig überlaufen sein müssen), sondern in der Breite und Vielfalt der beteiligten Gruppen: von einigen migrantischen Gruppen über Technofreaks gegen Umstrukturierung, linksradikale Gruppen, Jugendliche der Rütli-Schule, Falken usw.

Der Mayday soll breiter werden, aber das heißt eben nicht die pseudolinksradikalen Sekten von immer das Übliche abziehen lassen, sondern genau in den Spektren zu mobilisieren, die sonst eben nicht durch möchtegernlinksradikalen Habitus erreicht werden (die Frage ob nun eine Politik revolutionär ist oder nicht, macht sich übrigens auch nicht an der Radikalität des Diskurses fest, sondern an der Frage, ob sie es schafft Leute zu politisieren, Bewußtsein zu schärfen, neue Bündnisse und Allianzen für gesellschaftliche Transformation zu bilden, Kräfteverhältnisse zu verschieben...).

Auch die Frage der "Militanz" bzw. der Gewalt (Militanz heißt übrigens "Aktivismus für die Sache" und nicht "Gewalt" wie das einige gerne auslegen), ist keine die sich in Plakaten ausdrückt oder großen Worten, sondern darin wie sich die Klasse selbst begreift und ob sie Bewegungen nach vorne bringt oder nur dafür sorgt, dass am Tag der höchsten Bulenkonzentration des Jahres im Kiez einige Hundert Kids der übermächtigen Polizei ausgeliefert werden, keine politische Botschaft hat und vermittelt und außerdem auch noch bloßer Habitus ist... Randale, Auseinandersetzungen oder was auch immer sind am 1. Mai in Berlin seit Jahren nur noch Mythos. Tatsächlich werfen irgendwelche Leute, angestiftet von Zivis, beliebig Scheiben ein (Läden, Wohnungen, Telefonzelle...) und werden dann festgenommen.

Daher sollten alle die meinen das mayday-Konzept, das auf einer politischen Analyse und Strategie beruht, nicht nur von FelS, sondern auch von anderen Gruppen getragen wird und in einem europischen und weltweiten Rahmen steht, ablehnen und etwas anderes wollen auch etwas anderes machen anstatt rumzuheulen und zu versuchen den Mayday zu kapern und dann denen, die an dem ursprünglichen Sinn des Ganzen festhalten Dogmatismus vorzuwerfen.

Für einen starken Mayday! In Berlin, Hamburg, Europa und weltweit!

schon wieder...

B. 05.02.2007 - 12:13
Komm zwar nicht aus Berlin und kenn die internen Diskussionen teilweise nicht, aber das klingt so als würden die kulturkonservativen Politsekten unter Existenzangst leiden, nicht das ihnen auch noch die kreuzberger Jungmännerkrawalle abhanden kommen (wo kämen wir denn da hin).

Artikel hätte es auf die Startseite verdient

Philipp Stein und Hannah Schuster 05.02.2007 - 12:18
Der Artikel war auf der rechten Startleiste und ist nun von dort wieder verschwunden. Warum eigentlich?

Fels macht genau das richtige!

ML-Sekten sind doof 05.02.2007 - 12:19
Jedes mal vor dem 1.Mai tauchen diverse Betonkopf-Sekten aus dem Berliner Szenesumpf auf, die alles daransetzen, den 1.Mai als sinnentleertes Randale-Ritual bezubehalten und Politik am 1.Mai zu verhindern. Den Sekten könnte es ja eigentlich egal sein, was Fels und Co mit den von ihnen initiierten Mayday machen. Aber wie gerade geschrieben: es geht den Sekten darum, Politk am 1. Mai zu verhindern und die Linke an diesem Tag inhaltslos bleiben zu lassen - und wenn dafür schon mal ein Auto eines Uniprofessors angezündet werden muss (wie von Sektierern vor 3 Jahren gemacht, um einen politischen 1.Mai zu verhindern). Nun ja, die Polizei wird es freuen - so kann sie G8-Aufstandsbekämpfung in Kreuzberg üben.

Der Erfolg beim Mayday 2006 lag nicht nur in

nur in 05.02.2007 - 12:54
Der Erfolg beim Mayday 2006 lag nicht nur in der Zahl der TeilnehmerInnen (die ganz sicher nicht auf das Fehlen anderer Maidemonstrationen zurückzführen ist, sonst hätte ja die Demos der Mao-Freaks auch völlig überlaufen sein müssen), sondern in der Breite und Vielfalt der beteiligten Gruppen: von einigen migrantischen Gruppen über Technofreaks gegen Umstrukturierung, linksradikale Gruppen, Jugendliche der Rütli-Schule, Falken usw.

Der Mayday soll breiter werden, aber das heißt eben nicht die pseudolinksradikalen Sekten von immer das Übliche abziehen lassen, sondern genau in den Spektren zu mobilisieren, die sonst eben nicht durch möchtegernlinksradikalen Habitus erreicht werden (die Frage ob nun eine Politik revolutionär ist oder nicht, macht sich übrigens auch nicht an der Radikalität des Diskurses fest, sondern an der Frage, ob sie es schafft Leute zu politisieren, Bewußtsein zu schärfen, neue Bündnisse und Allianzen für gesellschaftliche Transformation zu bilden, Kräfteverhältnisse zu verschieben...).
Der Erfolg beim Mayday 2006 lag nicht nur in der Zahl der TeilnehmerInnen (die ganz sicher nicht auf das Fehlen anderer Maidemonstrationen zurückzführen ist, sonst hätte ja die Demos der Mao-Freaks auch völlig überlaufen sein müssen), sondern in der Breite und Vielfalt der beteiligten Gruppen: von einigen migrantischen Gruppen über Technofreaks gegen Umstrukturierung, linksradikale Gruppen, Jugendliche der Rütli-Schule, Falken usw.

Der Mayday soll breiter werden, aber das heißt eben nicht die pseudolinksradikalen Sekten von immer das Übliche abziehen lassen, sondern genau in den Spektren zu mobilisieren, die sonst eben nicht durch möchtegernlinksradikalen Habitus erreicht werden (die Frage ob nun eine Politik revolutionär ist oder nicht, macht sich übrigens auch nicht an der Radikalität des Diskurses fest, sondern an der Frage, ob sie es schafft Leute zu politisieren, Bewußtsein zu schärfen, neue Bündnisse und Allianzen für gesellschaftliche Transformation zu bilden, Kräfteverhältnisse zu verschieben...).

verschwörungstheorien

barbara 05.02.2007 - 12:58
Scheinbar leiden manche doch sehr an Verschwörungstheorien. So sagt z.B. Paula, die offensichtlich mit Fels sympathisiert, in ihrer Ergänzung:
"Randale, Auseinandersetzungen oder was auch immer sind am 1. Mai in Berlin seit Jahren nur noch Mythos. Tatsächlich werfen irgendwelche Leute, angestiftet von Zivis, beliebig Scheiben ein (Läden, Wohnungen, Telefonzelle...) und werden dann festgenommen."
Wer solche Behauptungen bezüglich der Auseinandersetzungen in Kreuzberg zum 1.Mai aufstellt, hat den Bezug zur Realität verloren.
Derartige Erklärungen für gewalttätige Auseinandersetzungen haben in der Regel nur SchreiberInnen des Neuen Deutschland und der jungen Welt. Dass die sogenannten riots eben aber auch Ausdruck einer Wut, Ausdruck von aufgestautem Hass gegen die Polizei als Symbol für die herrschenden Verhältnisse sind, kommt keinem in den Sinn. Dass Jugendlich mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund dabei nicht gerade "Für den Kommunismus" oder "Gegen das Prekariat" rufen, ist nicht verwunderlich. Die Linke leistet nicht allzuviel Aufklärungsarbeit, geht wenig auf die Betroffenen zu und vermittelt wenig Ursachen und Zusammenhänge.
Wer dann die Krawalle am 1.Mai und anderswo (z.B.Paris, Genua oder Seattle) zu Staatsschutzaktionen erklärt, weil sie nicht ins politischse Konzept im linksradikalen Sandkasten passen, hat einen weiteren Verblendungszusammehang geschaffen - sonst nichts.

ich lach mich weg

Brina 05.02.2007 - 13:04
Vorgestern war der Artikel noch drin, dann verschwindet er. Kurze Zeit spaeter taucht er wieder auf, aber mit Jubelkommentaren fuer Fels und bashing der "Buendnispartner". Dafuer fehlen die negativen Kommentare und Ergaenzungen des vorigen Artikels. Das ist ja wie inne DDR.

@MODS: Also wenn schon dann schon. Wo sind die vorigen, Fels-kritischen Kommentare und Ergaenzungen?

für eine linke spaltung

fels? 05.02.2007 - 13:28
heisst die abkürzung von fels jetzt:

f ür
e ine
l inke
s spaltung ????

ich fasse es nicht, jetzt sind die so dogmatisch wie die ml-sekten! da lobe ich mir doch die AAB, die sich immer für breite bündnisse eingesetzt hat, und dabei linksradikale und eher reformistische linke, politprofis und politanfängerInnen sowie polit- und kultur-konsumentInnen ansprechen konnte.

Berichtigung

revolutionär 05.02.2007 - 13:49
da hat sich jemand ja richtig mühe gegeben, nur leider bei den fakten etwas geschludert: der blutmai war nicht 1923, sondern 1929, und "may day" sagt eigentlich niemand im englischen sprachraum für 1. mai, sondern "labour day". "mayday" zusammengeschrieben bedeutet im übrigen "helft mir", aus dem französischen "m'aider", und genau hier wird schon das problem deutlich. das may-day-konzept ist eher eins, das der entpolitisierung dient. so wird von einer "tradition" gesprochen, die es nach einem jahr nun wirklich noch nicht geben kann, selbst beim angestrengesten versuch, die dialektik anzuwenden. die tradition des 1. mai ist chronologisch betrachtet sowieso schon über 100 jahre alt, inhaltlich aber sicher wird die tradition in berlin seit bald 20 jahren durch den revolutionären 1. mai vertreten und reiht sich damit in die vielen hunderten von demonstrationen ein, die an diesem tag weltweit stattfinden. die akademische fraktion von fels sollte mal in die niederungen dr gesellschaft hinuntersteigen und sich die verhältnisse hier genauer ansehen: zu tanzen, während gleichzeitig weltweit jede sekunde ein mensch verhungert, hat mit einem emanziopatorischen ansatz nun gar nichts zu tun, und mit einem humanistischen noch viel weniger. vielleicht ist das ja aber auch beabsichtigt, denn immerhin hatte man letztes jahr diemöglichkeit, in der "abendschau" zehn minuten lang zu werben für diese parade, die niemanden wirklich wehttut.

Paulas Kommentar ist keine Ergänzung

@mods 05.02.2007 - 13:55
Warum der Kommentar von "Paula" als inhaltiche Ergänzung gesehen wird, während aber der Kommentar von "Beobachter" unten landet, ist mir unklar. Beides sind eigentlich keine inhaltlichen Ergänzungen.

und jährlich grüßt das murmeltier

xyz 05.02.2007 - 13:57
immer das gleiche am 1. mai: eine gruppe veranstaltet etwas einigermaßen erfolgreiches und schon kommen alle möglichen gruppen, die sonst das ganze jahr über nicht sichtbar sind zum 1. mai aus ihren löchern gekrochen und wollen das ding übernehmen. ich hab mir mal die website von letztem jahr angeschaut, wieso war denn da die hier so gerühmte "radikale linke" berlins am mayday anscheinend nicht interessiert? war noch nicht klar, dass da mehr leute kommen als zu ner revo-sekten-demo? und jetzt habt ihr angst, das alleine ohne größere gruppen zu machen, oder was? ihr müßt ja derbe überzeugt von eurem konzept sein. vielleicht gibts auch keins, habs zumindest hier nicht gefunden.
einen revolutionären 1. mai gibt es übrigens schon, warum nicht mal linke gräbenkämpfe überwinden und die revolutionäre demo wieder gemeinsam machen:  http://www.revolutionaerer-erster-mai.de/

Mannomann

Klausmaus 05.02.2007 - 14:17
Der mayday 2006 hat sich nicht im wesentlichen unterschieden von den vorigen 1. Mai-demos in Kreuzberg. Es kommen immer etwa 5-10000 Leute und laufen um den Block. Deshalb versteh ich nicht warum Fels meint ein Superkonzept gepachtet zu haben und das verteidigt, als obs um die Wurst ginge. Sie fuehren sich dabei dogmatischer auf, als die, von denen sie sich in bunter Vielfalt absetzen wollen. Es gab uebrigens schon revolutionaere 1. Mai-Demos, die waren weitaus bunter als der eher langweilige Mayday 2006.

Fels ist ein Gruppe von Menschen mit akademischem Hintergrund, die, ganz nach alter Manier, ein politisches Subjekt gesucht, und in den Prekarisierten gefunden haben. Dieses politische Subjekt wird nun, ganz dem Zeitgeist entsprechend, politisch vermarktet.

Fuer einen revolutionaeren ersten Mai.


karneval beginnt um 13 uhr o-platz

kreuzberg sucks 05.02.2007 - 20:05
wer auf karneval und polizei-überwachung incl. stadion-flutlicht-felling mit einbruch der dämmerung steht, der geht am 1.mai nach kreuzberg und springt in 50 kamera-einstellungen durch die gegend, um sich zivil-polizisten im autonomen-dresscode bei verhaftungen von unvermummten besoffenen reinzuziehen.
warum keinen may-day an einem anderen tag - der nazi-aufmarsch verbreitet ohnehin wieder ziemlichen terror und die may-day-parade wird dadurch nicht unbedingt besser besucht.
spontaneität am frühen abend - kreuzberg und neukölln meiden!

mehr Imigrante bei "revolutionäre" Demo

Hosein 06.02.2007 - 08:27
Als "Ausländer" oder wie es bei politisch korrekte PC-Deutsche heist als Imigrant, muss ich behaupten, das keine grosse Unterschied zwischen Maiday und revolutionäre erste Mai-Demonstation gesehen habe. vielleicht waren ein paar Grupe hier dabei, die da nicht dabei waren, aber im Grosse und Ganze war es dasgleiche Leut. Ich war die letze zehn Jahr immer dabei.
Nur eine Unterschied: mehr Ausländer ware bei "revolutionäre" Demos. Maiday ist ein bisle sehr Deutsch, die ganze Diskusion um die Maiday-Demo ist auch sehr deutsch.

@ paula; du lügst

aktivistin 06.02.2007 - 12:54
aus dem einladungsschreiben von "für eine linke spaltung" (fels) ging ganz klar hervor, dass zu gemeinsamen ersten mai vorbereitungen aufgerufen wird. das war sogar der endsatz. als das auf dem treffen thematisiert wurde, konnte selbst fels das nicht mehr dementieren.

übrigens ganz schön peinlich, dass hier alle felsler mit "beiträgen" wie "fels ist super/toll/macht alles richtig" versuchen stimmung zu machen.

der [ARAB]-text ist der beste. ein großes dank noch mal an die mods für die ideologische neuausrichtung des textes nach fels-konformen richtlinien.

Gezeter

Dhanyata 06.02.2007 - 14:14
Warum wurden die Revofraktionen eigentlich eingeladen? Ich dachte FelS hätte den Bruch mit den Autonomen längst hinter sich? Die sind ja auch sowas von von gestern. Und nun haben sie wahrscheinlich Angst um ihr identitäres Konzept und denken es wäre zu retten wenn man's Mayday nennt in der Hoffnung damit die 'Durststrecke' (große Fehleinschätzung!) der letzten Jahre zu überwinden. Das ganze Argumentation dann auch noch von den Füßen auf den Kopf zu stellen und zu behaupten der Mayday wär der starre konservative Pol ist schon ganzschön zum lachen. Wie hieß es in einem der Kommentare: 'kulturkonservativ' (schönes Wort).

Mayday = Alllaaaaaf

Kritiker 06.02.2007 - 15:10
Mayday zeigt das ganze Dilemma der deutschen Linken, vor allem wie tieflangweilig, konservativ und zwanghaft spiessig das ganze wird wenn sich deutsche Betonköpfe aus der radikalen Linken auf die Fahnen geschrieben haben "neu, kreativ, offen und frisch" zu wirken.
Wörter die vor allem den Polit-Zombies von Fels und ATTAC gerne missbraucht werden um ihre "Loveparade für den Sozialstaat" wie Sauerbier anzupreisen. Das wenn Deutsche die "Parole Spass" ausgeben und zwanghaft psychotisch "kreativ und "neu" sein wollen dann ist das meistens so offen, bunt und wild wie der Kölner Karlneval. So sah der Mayday dann auch letztes Jahr aus. Das selbst das sozialdemokratsiche Myfest kulturell-musikalisch und politisch interessanter ist als die Euromaydayparaden zeigt das die radikale Linke an dem Tag nix mehr zu melden hat. Oder ist den Veranstaltern nicht aufgefallen das die Kiezparaden gegen Nazis im F-Hain, die Fuckparade oder die Prograffiti-Parade dieses Jahr sehr viel politischer waren und besser angenommen wurden als ihr stinklangweiliger "Karneval der Staatsfetischisten" am 1.Mai in Kreuzberg? Nicht das mich jemand falsch versteht, ich halte Parade-Konzepte durchaus für einen fortschritt. Aber auf Teufel komm raus "lustig", "offen" und "kreativ" sein zu wollen ist genauso daneben und zwanghaft wie unbedingt in einem black block schwarzvermummt herumzumackern. Langweilig. Erst wenn sich das beides Ergänzt und die grenzen des Rechtstaates hinter sich lässt wird spannend. also für reclaim the streets, für spontane wilde Lustbekundungen, für ravende Riots und Brandschatzende Paraden...

Gegen die dogmatiker der "Spassfraktion" und der "Schwarzkapuzen"

May Day ist die Fortsetzung der 1. Mai-Demos

P.S. 08.02.2007 - 12:51
Über dem Artikel von Herrn Mantel steht eine "Anmerkung der Moderationsgruppe". Der Artikel ist aber kein Kommentar, kein Diskussionsbeitrag und keine Stellungnahme einer Gruppe, sondern ein exklusiv für Indymedia geschriebener Bericht.

Ich fand den May Day 2006 eine gute Fortsetzung der revolutionären 1.Mai-Demons unter anderem Titel.

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willi wichtig 11.02.2007 - 18:49
Auch interesant ist, dass nachdem hier die Stellungnahme von fels gepostet wurde niemand so richtig weiter diskutieren will. tja, wenn die debatte versachlicht wird, scheint das Interesse eben nicht mehr so groß zu sein...

HERAUS ZUM KALKULIERBAREN 1.MAI!?

schall von rauch 12.02.2007 - 09:46
"Damit er die vorher aufgezählten Ziele erreichen kann, ist der Stadtguerillero gezwungen,
Aktionsarten unterschiedlichster Natur und möglichst vielseitiger Art anzuwenden."
[Carlos Marighella]



da offensichtlich einigen leuten nicht klar geworden ist, dass das mayday-konzept nicht nur von FelS, sondern gemeinsam von mehreren initiativen getragen wird, bzw. diese tatsache bewusst zu verschleiern versucht wird, möchten wir hier zur aktuellen debatte um den mayday 2007 stellung beziehen.

im vergangenen jahr hat Fels einen in der linken szene ungewöhnlichen schritt getan: den versuch, gemeinsam mit vordergründig "unpolitischen" gruppen aus dem subkulturellen milieu eine plattform zu organisieren, auf der sich am 1.mai die gemeinsame ablehnung der totalitären herrschaft des kapitals ausdrücken konnte - offen für alle raver, alleinerziehenden, praktikantinnen, hartz 4-schmarotzer, verpeilten, service-angestellten, schniefnasen, taxifahrer, hausfrauen, kunststudenten, hedonisten ...

denn der unmut über die bestehenden bedingungen ist offensichtlich in diesen kreisen weitverbreitet und macht es notwendig, die organisation von opposition als kollektive erfahrung zu bewerkstelligen.
so wie diesbezüglich die reformistischen ansätze der gewerkschaften oder der grünen versagen müssen, sind leider auch die ansätze der etablierten "radikalen linken" in ihren unterschiedlichen und doch immer gleichen erscheinungsformen nicht in der lage, einen wirksamen widerstand gegen das system der verdummung, der ausbeutung und des krieges zu organisieren.

ja, wir behaupten sogar:

die alljährlichen aktivitäten der wannabe-autonomen auf dem heinrichplatz sind mit einer der schwerwiegendsten gründe, warum sich linksradikale inhalte in der bevölkerung nicht verbreiten.
denn welcher vernünftige mensch soll sich mit gruppen identifizieren, deren aktionsradius sich scheinbar darauf beschränkt, sich einmal im jahr für ein paar flaschenwürfe von hochgezüchteten riot-cops den arsch vollhauen zu lassen und dafür hinterher noch fette knaststrafen zu kassieren?!
die von den in 80'er-jahre-romantik gefangenen strassenkampf-aktivisten so sehnlich gewünschte mediale aufbereitung - besoffene mindejährige, brennende mülleimer, knüppelnde hunderschaften - ruft bei dem grossteil der betrachter doch im besten fall nur noch kopfschütteln hervor.

bedauernswerte autonome: einstmalst angetreten, die fauligen reste der 68'er-bewegung zu rocken, entstanden als wilde zusammenrottung von unpolitischen punx, spontis, anarchos, kiffern und als destruktive alternative zu den diversen k-grüppchen und den sich formierenden grünen spiessern, sind sie heute selbst zum tragenden bestandteil der überwiegend bewegungslosen linken szene geworden, alle anforderungen einer echten sekte erfüllend: kleiderordnung, verhaltenskodex, gemeinsame religion. gewalt ist gott.
eng drängt man sich in der hoffnung aneinander, im schutz der herde die eigene orientierungslosigkeit vergessen zu können und stolpert doch nur den alten mythen hinterher, die niederlage als ritual.

ist irgendjemand ernsthaft der meinung, die herrschende klasse fürchte sich vor der langen nacht der kaputten wartehäuschen?
eben.

die fürchtet sich vor ganz anderen dingen:
vor generalisierter verweigerung, vor lustvoller sabotage des daily terror, vor unkontrollierbaren netzwerken und basslastigen attacken aus dem hinterhalt auf ihre welt des scheins. und vor allem davor:
dass die dreckschleuder der roten agitation die herzen und hirne der massen aus den nebelschwaden der systematischen verblödung befreit.

die kreuzberger mai-spielwiesen kostet die strategen der macht dagegen ein müdes arschrunzeln:
durch die grossmäulige bullenfeindliche selbstdarstellung der berufsjugendlichen kapuzenträger werden die polizeitruppen bei laune gehalten, dem politischen widerstand ordentlich auf die fresse zu hauen, man hat die sache im griff und eine ausweitung der proteste auf andere stadt- oder gar bevölkerungsteile ist nicht zu befürchten.
währenddessen wird die nächste flasche champus geköpft, der nächste exclusive golfplatz eingeweiht und bausubventionen in die ohnehin schon prallgefüllten eigenen taschen umgeleitet.

da wir nicht der meinung sind, dass die radikalität der kritik sich am umfang der eingesetzten gewalttätigkeiten messen lässt, sahen wir im mayday 2006 einen versuch, mit hirnlosen traditionsmythen zu brechen und auch abseits vom entpolitisierten volxbecks-myfest eine antagonistische haltung in form einer parade auf die strasse zu tragen.
und dieser ansatz wurde mit grosser begeisterung aufgenommen, wie die teilnehmerzahlen beweisen.
natürlich gibt es auch kritik: den einen war's zu wenig politisch, den anderen zu viel. die abwesenheit von migrantinnen-gruppen ist zu bedauern.

nichtsdestotrotz wird der erfolg der veranstaltung jetzt sogar ungewollt von den autonomen traditionsvereinen dadurch bestätigt, dass sie bei den stattgefundenen vorbereitungstreffen zum mayday 2007 in mannschaftsstärke aufgeschlagen sind, um ihre hegemonial-ansprüche für kreuzberger protestformen anzumelden. und siehe da:
die trotz unterschiedlicher herangehensweisen angenehme und solidarische atmosphäre der vorbereitungstreffen des letzten jahres war wie weggeblasen.

und zwar nicht wegen der unterstellten "starrheit" von FelS, die nur die undankbare aufgabe der verteidigung des offenen mayday-konzepts übernehmen mussten, sondern wegen der unbeweglichkeit der autonomen betonköppe, deren schönstes demonstrationserlebnis darin zu bestehen scheint, möglichst isoliert im polizeikessel durch die strassen geführt zu werden. die von diesen gruppen geforderte "Öffnung und Erweiterung" heisst deshalb auch nichts anderes als: freudlose, aber sonnenbebrillte block-formationen unter ausschluss der öffentlichkeit.
die unsolidarische herangehensweise dieser fraktion ans plenum wurde auch dadurch überdeutlich, wie das meinungsbild mithilfe von imaginären pseudogrüppchen verzerrt wurde: billige geschäftsordnungstricks von heruntergekommenen politkadern.

wenn diese gruppen so stark sind, wie sie sich selber einreden wollen:
warum sitzen sie dann überhaupt auf dem mayday-treffen?
warum organisieren sie nicht einfach ihren heissgeliebten traditionsmarsch?
wir empfehlen dazu ein eigenes vorbereitungstreffen.
(sollte die revolution auf einer daraus enstehenden veranstaltung erscheinen, werden wir die ersten sein, die sie begrüssen und ihr blumenkränze ins haar flechten. grosses indianerehrenwort.)

bis dahin wollen wir aber versuchen, den mayday 2007 gemeinsam mit FelS und anderen interessierten gruppen so zu organisieren, dass er rahmen sein kann für möglichst viele menschen, die ihrer kritik am bestehenden auf unterschiedlichste art ausdruck verleihen wollen:
lautbunt, witzigfrech, subversiv...


.GEIST IST GEIL.

.::SuBkultuRealistische aKTiVisTEn süDLichER wrAnGelKiEz::.