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U A 23.12.2006 08:48
...... Die Zerstörung der Hizb Allah durch einen notwendigerweise begrenzten Krieg war unmöglich, was von Anfang an hätte klar sein müssen. Dies ist eine Guerillastreitkraft, die Teil einer politischen Bewegung ist, die fest in der libanesischen Realität verwurzelt ist (wie in diesen Tagen auf jedem Fernsehschirm zu sehen ist). Keine Guerillabewegung kann von einer regulären Armee zerstört werden – und sicher nicht in einem Streich und innerhalb von Tagen oder Wochen. ......
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Die Besatzung Palästinas korrumpiert das israelische Militär
Uri Avnery - Übersetzung Ellen Rohlfs
Als die israelische Regierung innerhalb weniger Stunden entschied, den zweiten Libanonkrieg zu beginnen, hatte sie keinerlei Plan.
Als der Generalstabschef die Regierung drängte, den Krieg zu beginnen, legte er keinerlei Plan vor.
Dies wurde in dieser Woche durch ein militärisches Untersuchungskomitee aufgedeckt.
Das ist schockierend.
Ein Plan ist nicht eine Zusatzoption, etwas nettes, auf das man auch ebensogut verzichten kann. Ein Krieg ohne Plan ist wie ein Körper ohne Wirbelsäule. Würde irgendjemand auf die Idee kommen, ein Haus ohne Plan zu bauen? Eine Brücke zu errichten? Ein Auto herzustellen? Eine Konferenz abzuhalten? Im Gegensatz zu einem Haus, einer Brücke, einem Auto oder einer Konferenz ist es schließlich das Ziel eines Krieges, Menschen zu töten. Sein Wesen ist gerade das Töten und Zerstören.
Fast in jedem Fall ist es ein Verbrechen, einen Krieg zu beginnen. Solch einen Krieg ohne Plan und entsprechende Vorbereitungen zu beginnen, ist absolut unverantwortlich - und häuft ein Verbrechen auf das andere.
Wenn ein Staat einen Krieg beginnt, dann sieht die Reihenfolge, vereinfacht gesagt, folgendermaßen aus:
1. Die Regierung hat sich ein klares politisches Ziel gesetzt.
2. Nachdem die Regierung zu der Überzeugung gekommen ist, daß sie dieses Ziel nicht mit anderen Mitteln erreichen kann, überlegt sie sich, ob sie dieses durch einen Krieg erreichen kann.
Ab diesem Zeitpunkt geht der Schwerpunkt des Geschehens von der politischen Führung zur militärischen Führung über. Deren Aufgabe ist es nun:
3. Einen strategischen Plan aufzustellen, um das von der Regierung beschlossene Ziel zu erreichen.
4. Den strategischen Plan in einen taktischen Plan umzusetzen. Unter anderem gilt es zu entscheiden, welche militärischen Kräfte nötig sind, welche Streitkräfte eingesetzt werden sollen, welches Ziel jede Streitkraft hat und innerhalb welchen Zeitraumes sie es erreichen muß, als auch die Vorhersehung der möglichen Schritte der anderen Seite.
5. Die Streitkräfte für ihre Aufgaben vorzubereiten, entsprechend ihrer Ausbildung und ihrer Ausrüstung.
Eine weise Regierung wird auch über die gewünschte Nachkriegssituation nachdenken und das Militär dahingehend instruieren, dies während der Planungen ebenfalls in Betracht zu ziehen.
Es sieht jetzt so aus, als wäre von all dem nichts geschehen. Es gab kein klar definiertes Kriegsziel, es gab keinen politischen oder militärischen Plan, es gab für das Militär keine klaren Ziele und es war nicht auf die ihm übertragenen Aufgaben vorbereitet. Ohne einen zentralen Plan konnte dies auch gar nicht geschehen.
Ein Krieg ohne Plan ist überhaupt kein Krieg, sondern ein Abenteuer. Eine Regierung, die einen Krieg ohne Plan beginnt, ist keine Regierung, sondern ein Haufen Politiker. Ein Generalstab, der ohne Plan in einen Krieg geht, ist kein Generalstab, sondern eine Gruppe von Generälen.
Nach den Untersuchungskomitees haben sich die Ereignisse wie folgt entwickelt: die Regierung entschied sich in großer Eile, innerhalb weniger Stunden, zum Krieg, ohne ein Ziel zu bestimmen.
Während der folgenden Tage wurde mit mehreren Kriegszielen wild um sich geworfen. Sie folgten einander in rascher Abfolge und widersprachen sich in vielerlei Hinsicht. Allein damit ist eine Katastrophe bereits vorprogrammiert: jedes Ziel verlangt seine eigenen Methoden und Mittel, die von jenen für andere erforderlichen sehr verschieden sein können.
Unter den erklärten Zielen war: die Freilassung der beiden gefangenen Soldaten, die Zerstörung der Hizb Allah, die Eliminierung des Raketenarsenals im Süd-Libanon, das Verdrängen der Hizb Allah aus dem Grenzgebiet und weitere. Abgesehen davon gab es einen allgemeinen Wunsch, eine libanesische Regierung zu haben, die sich den amerikanischen und israelischen Interessen vollständig unterwirft.
Wenn kompetenten Armeeoffizieren befohlen worden wäre, für jedes dieser Ziele einen Plan auszuarbeiten, wären sie bald zu der Schlußfolgerung gekommen, daß diese Ziele mit militärischen Mitteln nicht zu erreichen waren – ganz sicher nicht unter den gegebenen Umständen.
Der Gedanke, daß die beiden Gefangenen durch einen Krieg befreit werden könnten, ist einfach lächerlich. Als jagte man einen Moskito mit einem Vorschlaghammer. Das geeignete Mittel ist Diplomatie. Vielleicht hätte jemand vorgeschlagen, einige Kommandeure der Hizb Allah gefangenzunehmen, um den Austausch von Gefangenen zu erleichtern. Alles – außer einem Krieg.
Die Zerstörung der Hizb Allah durch einen notwendigerweise begrenzten Krieg war unmöglich, was von Anfang an hätte klar sein müssen. Dies ist eine Guerillastreitkraft, die Teil einer politischen Bewegung ist, die fest in der libanesischen Realität verwurzelt ist (wie in diesen Tagen auf jedem Fernsehschirm zu sehen ist). Keine Guerillabewegung kann von einer regulären Armee zerstört werden – und sicher nicht in einem Streich und innerhalb von Tagen oder Wochen.
Die Zerstörung des Raketenarsenals? Wenn die Armeekommandatur sich hingesetzt hätte, um einen militärischen Plan auszuarbeiten, wäre ihr klargeworden, daß Luftangriffe dies nur teilweise erreichen können. Eine vollständige Zerstörung hätte eine Besetzung des ganzen Süd-Libanons bedeutet, weit über den Fluß Litani hinaus. Während dieser Zeit wäre ein großer Teil Israels den Raketen ausgesetzt gewesen, ohne daß die Bevölkerung darauf vorbereitet gewesen wäre. Wenn diese Schlußfolgerung der Regierung vorgestellt worden wäre, hätte sie dann die Entscheidung getroffen, die sie traf?
Die Hizb Allah ein paar Kilometer von der Grenze nach Norden abzudrängen ist kein angemessenes Kriegsziel. Zu diesem Zweck einen Krieg zu beginnen, der zum Tod einer Unzahl an Menschen führt und zur Zerstörung ganzer Stadtteile und Dörfer, hätte Leichtsinnigkeit bedeutet, wo ernsthafte Abwägung angebracht gewesen wäre.
Aber die Regierung brauchte sich mit solchen Überlegungen gar nicht beschäftigen. Da sie keine klaren Ziele bestimmte, forderte sie keinerlei militärischen Plan an und erhielt auch keinen.
Wenn die Unverantwortlichkeit der politischen Führung skandalös war, so war es die Unverantwortlichkeit der militärischen Führung gleich in einem doppeltem Sinne.
Die Kommandatur der Armee ging ohne ein klar definiertes Ziel und ohne einen Plan in den Krieg. Es gab zwar ein paar Pläne, die zuvor vorbereitet und eingeübt worden waren, ohne spezifisches politisches Ziel,bei Kriegsbeginn wurden sie aber ignoriert und beiseitegeschoben. Wer braucht schließlich einen Plan? Seit wann planen Israelis? Israelis improvisieren und sind stolz darauf.
Also improvisierten sie. Der Generalstabschef, ein Luftwaffengeneral, entschied, daß es genügte, aus der Luft zu bombardieren: wenn genügend Zivilisten getötet und genügende Häuser, Straßen und Brücken zerstört würden, würde das libanesische Volk auf die Knie fallen und tun, was immer die israelische Regierung verlangt.
Als dies fehlschlug (wie vorauszusehen war) und die meisten Libanesen aller Gemeinschaften sich hinter die Hizb Allah stellten, wurde dem Generalstabschef klar, daß man nicht ohne Bodenoperationen auskommen würde. Da es keinen Plan gab, tat er es ohne. Soldaten wurden aufs Geratewohl in den Libanon geschickt, ohne klare Ziele, ohne Zeitplan. Dieselben Örtlichkeiten wurden mehrere Male besetzt. Das Endergebnis: die Streitkräfte bissen kleine Streifen Land vom Rand des Gebietes der Hizb Allah ab, ohne wirklich etwas erreicht zu haben, aber unter schweren Verlusten.
Man kann nicht sagen, das Kriegsziel sei nicht erreicht worden. Es gab einfach kein Kriegsziel.
Das schlimmste an der Sache war nicht einmal das Fehlen eines Planes. Das Schlimmste war, daß die Generäle sein Fehlen gar nicht bemerkten.
Die staatlichen Untersuchungsbeamten enthüllten letzte Woche eine bestürzende Tatsache von äußerster Wichtigkeit: die meisten Mitglieder des Generalstabs haben nie die Kurse für höhere Offiziere besucht, die das israelische Äquivalent zu einer Militärakademie darstellen.
Das heißt, daß sie niemals Militärgeschichte und die Prinzipien der Strategie gelernt haben. Sie sind nur militärische Techniker, so wie Ingenieure oder Buchhalter. Ich vermute, daß sie im technischen Bereich ihres Berufes sehr wohl versiert sind: wie man Streitkräfte verlegt, wie man Waffensysteme aktiviert und so weiter. Aber sie haben nie Bücher über Militärtheorie und über die Kriegskunst gelesen, nie studiert, wie während der Jahrhunderte Feldherren ihre Kriege geführt haben und sind nie mit den Gedanken großer militärischer Denker vertraut worden.
Ein militärischer Führer braucht Intuition. Gewiß. Aber Intuition kommt von Erfahrungen – von seinen eigenen, den Erfahrungen seiner Armee und den angesammelten Erfahrungen jahrhundertelanger Kriegsführung.
Wenn sie zum Beispiel die Bücher von Basil Liddell Hart gelesen hätten, vielleicht dem maßgeblichsten Militär-Kommentator des letzten Jahrhunderts, dann hätten sie erfahren, daß die Schlacht zwischen David und Goliath nicht ein Kampf zwischen einem Jungen mit einer primitiven Schleuder und einem schwerbewaffneten, gepanzerten Riesen war, wie es gewöhnlich dargestellt wird, sondern im Gegenteil, eine Schlacht zwischen einem raffinierten Kämpfer mit einer modernen Waffe, die auf Entfernung töten konnte und einem schwerfälligen Kämpfer mit veralteten Waffen.
Im Libanonkrieg spielte die Hizb Allah die Rolle des David, eine bewegliche und einfallsreiche Streitkraft, während die israelische Armee wie Goliath war, schwerfällig, an die Routine gebunden und mit ungeeigneten Waffen.
Jeder, der diese Kolumne regelmäßig liest, weiß, daß wir all diese Dinge schon lange vor dem Krieg angesprochen haben. Aber unsere Kritik war damals verdächtig, weil wir ja sowieso gegen den Krieg waren, den wir als unmoralisch, überflüssig und sinnlos ansahen.
Nun haben wir einige (etwa 40) militärische Untersuchungskomitees, die vom Generalstabschef selbst ernannt worden sind, und sie bestätigen, einer nach dem anderen, unsere Kritik fast Wort für Wort. Ja, sie bestätigen sie nicht nur, sondern fügen eine Menge Details hinzu, die ein noch finsteres Bild malen.
Es ist ein Bild von äußerster Verwirrung: improvisierte Operationen, eine anarchistische Kommandostruktur, Mißverständnisse von Befehlen, Befehle, die ausgegeben, dann zurückgenommen und wieder ausgegeben wurden, Generalstabsoffiziere, die Befehle direkt an untergeordnete Kommandeure gaben, ohne die Befehlskette zu beachten.
Eine Armee, die einmal zu den besten der Welt gehörte, ein Studienobjekt für Offiziere in vielen Ländern, ist zu einer ineffizienten und inkompetenten Institution geworden.
Die Komitees haben aber eine grundsätzliche Frage nicht beantwortet: Wie konnte das geschehen?
Abgesehen von einigen Hinweisen hier und dort, sagen die Komitees nicht, wie wir in diese Situation geraten sind. Was ist mit der israelischen Armee geschehen?
Auch dies haben wir viele Male gesagt: die Armee ist das Opfer der Besatzung geworden.
Im nächsten Juni "feiert" die Besatzung der palästinensischen Gebiete den 40. Jahrestag. Nie vorher gab es eine so lange Besatzungszeit. Militärische Besatzung ist von ihrem Wesen her eine kurzfristige Angelegenheit. Im Laufe eines Krieges wird feindliches Gebiet durch das Militär erobert und bis zum Kriegsende verwaltet, wenn ein Friedensabkommen über sein weiteres Schicksal entscheidet.
Keine Armee ist über die Rolle als Besatzungsmacht glücklich; denn sie weiß, daß diese sie zerstört und vonn innen her korrumpiert, sie physisch und psychisch schädigt, sie von ihrer wichtigsten Funktion ablenkt und ihr Methoden aufnötigt, die nichts mit ihrer wirklichen Aufgabe zu tun haben - den Staat in einem Krieg zu verteidigen.
Bei uns wurde die Besatzung fast von Anfang an ein politisches Instrument für die Erlangung von Zielen, die für die Funktion einer "Verteidigungsarmee" nicht geeignet sind. Theoretisch ist es ein Militärregime, in Wirklichkeit ist es koloniale Unterjochung, in der die israelische Armee hauptsächlich die schändliche Aufgabe einer unterdrückerischen Polizeigewalt ausübt.
In der heutigen Armee gibt es keinen Offizier im aktiven Dienst mehr, der sich an die Israelischen Verteidigungskräfte von vor der Besatzung erinnert, an die Armee, die sich im "kleinen" Israel innerhalb der Grünen Linien entwickelte und fünf arabische Armeen in sechs Tagen besiegte, befehligt von einem brillanten Generalstab unter Yitzhak Rabin. Alle Kommandeure des zweiten Libanonkrieges begannen ihre Karriere als sie schon eine Besatzungsarmee war. Der letzte militärische Erfolg des israelischen Militärs wurde in der Anfangszeit der Besatzung errungen, im Yom-Kippur-Krieg vor einer Generation.
Eine Armee, deren Aufgabe es ist, die Besatzung aufrecht zu erhalten - "gezielte Tötungen" auszuführen (in dieser Woche durch eine schändliche Entscheidung des Obersten Gerichtshofes legitimiert), Wohnhäuser zu zerstören, hilflose Zivilisten schlecht zu behandeln, steinewerfende Jugendliche zu jagen, Menschen an unzähligen Straßensperren zu demütigen und hundertundeins andere tägliche Taten einer Besatzungsmacht auszuführen - hat gezeigt, daß sie nicht mehr für einen wirklichen Krieg taugt, nicht einmal gegen eine kleine Guerilla-Streitkraft.
Die Korrumpierung der israelischen Armee und die Verkommenheit, die sich in ihr breitgemacht hat und die in aller Häßlichkeit durch die Untersuchungen jetzt ans Tageslicht gebracht werden, sind eine Gefahr für den Staat Israel.
Es genügt nicht, den Generalstabschef zu entlassen (dessen Festhalten an seinem Posten ein weiterer Skandal in diesem Krieg ist), es genügt auch nicht, das gesamte Oberkommando auszuwechseln. Es ist eine allumfassende Reform von den höchsten bis zu den untersten Rängen nötig, eine Veränderung der Armee in all ihren Bereichen und allen Dienstgraden. Doch so lange die Besatzung andauert, ist es zwecklos, dies auch nur zu versuchen.
Wir haben schon immer gesagt: die Besatzung korrumpiert. Nun muß mit klarer Stimme gesagt werden: die Besatzung gefährdet die Sicherheit Israels.
 http://www.freace.de/artikel/200612/221206a.html
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Ergänzungen

US-Pro-Israel-Lobby ..........

Acham 23.12.2006 - 14:17
 http://www.freace.de/artikel/200612/141206a.html

Bakers Kuchen - Die Israel-Lobby in den USA
14.12.2006

Uri Avnery - Übersetzung Ellen Rohlfs

Niemand gibt gern einen Fehler zu. Auch ich nicht. Doch Ehrlichkeit läßt mir keine andere Wahl.
Wenige Tage nach dem Einsturz der Zwillingstürme am 11. September 2001 war ich zufällig auf einer Vortragsreise in den USA.
Meine Botschaft war optimistisch. Ich erwartete, daß aus der Tragödie etwas gutes käme. Ich argumentierte, daß diese Greueltat die Intensität des sich in der ganzen – besonders aber in der muslimischen - Welt ausbreitenden Hasses gegen die USA aufdeckte. Es wäre logisch, nicht nur gegen die Moskitos anzukämpfen, sondern den Sumpf trockenzulegen. Da der israelisch-palästinensische Konflikt eine der Brutstätten dieses Hasses ist – wenn nicht gar die größte – würden die Vereinigten Staaten nun sicherlich große Anstrengungen unternehmen, einen Frieden zwischen den beiden Völkern zu erreichen.
Dies war, was kühle Logik nahelegte. Aber es ist nicht, was geschah. Es geschah genau das Gegenteil.
Die amerikanische Politik wurde nicht von kühler Logik bestimmt. Statt einen Sumpf trockenzulegen, schuf sie einen zweiten Sumpf. Statt die Israelis und die Palästinenser auf Frieden hinzudrängen, fiel sie in den Irak ein. Der Haß auf die Amerikaner ließ nicht nur nicht nach, sondern entbrannte sogar noch heftiger. Ich hoffte, daß diese Gefahr sogar die Ölinteressen und den Wunsch, eine amerikanische Garnison im Zentrum des Mittleren Ostens zu stationieren, überwinden würde.
So beging ich genau den Fehler, vor dem ich andere viele Male gewarnt habe: anzunehmen, daß das, was logisch ist, tatsächlich geschehen werde. Eine vernünftige Person sollte die Unvernunft in der Politik nicht ignorieren. Mit anderen Worten, es ist unvernünftige, das Unvernünftige auszuklammern.
George Bush ist eine unvernünftige Person, vielleicht sogar die Personifizierung der Unvernunft. Statt eine logische Schlussfolgerung aus dem zu ziehen, was geschehen war, und entsprechend zu handeln, ging er in die entgegengesetzte Richtung. Seitdem besteht er darauf, „den Kurs zu halten“.
Nun kommt James Baker.
Da ich nun schon einmal in Beicht-Stimmung bin, muß ich auch zugeben, daß ich James Baker mag.
Ich weiß, daß dies einige meiner guten Freunde schockieren wird. "Baker?!" werden sie aufschreien, "den Consigliere der Bush-Familie? Den Mann, der George W. geholfen hat, die Wahlen von 2000 zu stehlen? Dieser Rechte?"
Ja, ja, genau dieser Baker. Ich mag ihn wegen seiner kühlen Logik, seines offenen und ehrlichen Stils, seiner Gewohnheit, ohne Beschönigung zu sagen, was er denkt, und wegen seines Mutes. Ich ziehe diesen Stil der frömmelnden Scheinheiligkeit anderer Führer vor, die versuchen, ihre wahren Absichten zu verbergen. Ich wäre jederzeit glücklich, Olmert für Baker einzutauschen und Amir Peretz umsonst mitzugeben.
Aber das ist Geschmackssache. Wichtiger ist die Tatsache, daß in den letzten 40 Jahren James Baker der einzige Staatsmann Amerikas war, der den Mut hatte, sich zu erheben und gegen Israels bösartige Krankheit vorzugehen: die Siedlungen. Als er Außenminister der USA war, informierte er schlicht die israelische Regierung, daß er von dem Geld, das Israel von den USA erhält, die Summe abziehen würde, die für die Siedlungen ausgegeben würde. Drohte und machte die Drohung wahr.
Baker trat damit der "Pro-Israel"-Lobby entgegen, der jüdischen wie der christlichen. Solch ein Mut ist in den USA selten, genau so wie in Israel.
In diser Woche veröffentlichte die von Baker geleitete Iraq Study Group ihren Bericht.
Er bestätigt alle pessimistischen Voraussagen, die von vielen in aller Welt – mich eingeschlossen – ausgesprochen wurden, bevor Bush & Co das blutige irakische Abenteuer bagnnen. Mit seiner trockenen und prägnanten Sprache sagt Baker, daß die USA dort nicht gewinnen können. Mit einer Vielzahl an Worten, sagt er der amerikanischen Öffentlichkeit: Laßt uns von dort abhauen, bevor der letzte amerikanische Soldat vom Dach der amerikanischen Botschaft in den letzten Hubschrauber klettert, wie es in Vietnam geschah.
Baker ruft zum Ende von Bushs Ansatz auf und bietet selbst eine neue und durchdachte Strategie an. Tatsächlich wäre es ein eleganter Weg für Amerika, sich aus dem Irak zurückzuziehen, ohne daß es wie eine vollständige Niederlage aussieht. Die Hauptvorschläge: ein amerikanischer Dialog mit dem Iran und Syrien, eine internationale Konferenz, Rückzug der amerikanischen Kampftruppen, nur Instruktoren zurücklassen. Das Komitee, das er leitete, bestand aus Angehörigen beider Parteien, die eine Hälfte waren Republikaner, die andere Demokraten.
Für Israelis ist der interessanteste Teil des Berichtes natürlich der, der uns direkt betrifft. Er interessiert mich besonders – wie könnte es anders sein? - weil er fast Wort für Wort die Dinge wiederholt, die ich unmittelbar nach dem 11. September in meinen Artikeln und bei meinen Vorträgen in den USA zum Ausdruck brachte.
Stimmt, Baker sagt diese Dinge vier Jahre später. In diesen vier Jahren sind tausende Amerikaner und zehntausende Iraker umsonst gestorben. Aber um das Bild noch einmal zu gebrauchen: wenn ein riesiges Schiff wie die USA wendet, dann beschreibt es einen großen Kreis und braucht dazu viel Zeit. Wir im kleinen Schnellboot, das sich Israel nennt, könnten dies viel schneller – wenn wir die Vernunft dazu hätten.
Baker sagt einfach: um den Krieg im Irak zu beenden und sich mit der arabischen Welt zu versöhnen, müssen die USA zuerst den israelisch-palästinensischen Konflikt beenden. Er sagt nicht direkt, daß Israel der Frieden aufgezwungen werden müsse, aber dies ist die offensichtliche Absicht.
In seinen eigenen klaren Worten: "Die Vereinigten Staaten werden nicht in der Lage sein, ihre Ziele im Mittleren Osten zu erreichen, solange die Vereinigten Staaten sich nicht direkt mit dem arabisch-israelischen Konflikt befassen."
Sein Komitee schlägt einen baldigen Beginn der Verhandlungen zwischen Israel und "Präsident Mahmoud Abbas" vor, um die Zweistaatenlösung zu verwirklichen. Die "nachhaltigen Verhandlungen" müssen sich mit den "wichtigsten Schlüsselthemen der Endstatusverhandlungen befassen, den Grenzen, den Siedlungen, Jerusalem, dem Rückkehrrecht und dem Ende des Konfliktes".
Die Verwendung des Titels "Präsident" für Abu Mazen und erst recht des Terminus „Rückkehrrecht“ hat die ganze politische Klasse in Israel alarmiert. Selbst das Oslo-Abkommen, das sich mit den „Endstatus“-Problemen befasste, erwähnt nur "Flüchtlinge". Wie Baker es gewöhnt ist, nennt er die Dinge beim richtigen Namen.
Gleichzeitig schlägt er die Zuckerbrot-und-Peitsche-Methode vor, um einen Frieden zwischen Israel und Syrien zu erreichen. Die USA benötigen den Frieden, um Syrien in ihr Lager zu ziehen. Von Israels Standpunkt aus würde die Peitsche bedeuten, die Golanhöhen zurückzugeben. Das Zuckerbrot wdie Stationierung amerikanischer Soldaten an der Grenze, so daß Israels Sicherheit durch die USA garantiert würde. Dafür verlangt er, daß Syrien unter anderem seine Hilfe für die Hizb Allah beendet.
Nach dem 1. Golfkrieg erreichte Baker – der selbe Baker – daß alle Konfliktparteien zu einer internationalen Konferenz nach Madrid kamen. Zu diesem Zweck verdrehte er den Arm des damaligen israelischen Premierministers Itzhak Shamir, ein Mann dessen ganze Philosophie aus vier Buchstaben und einem Ausrufezeichen bestand: "Nein!" und dessen Wahlspruch war: "Die Araber sind dieselben Araber, und das Meer ist dasselbe Meer!" - dies bezieht sich auf die verbreitete israelische Überzeugung, alle Araber wollten Israel ins Meer werfen.
Baker brachte Shamir in Ketten geschlagen nach Madrid und sorgte dafür, daß er sich nicht entkam. Shamir war gezwungen, sich mit Vertretern des palästinensischen Volkes an einen Tisch zu setzen, denen es bisher nie erlaubt worden war, an einer internationalen Konferenz teilzunehmen. Die Konferenz hatte keine greifbaren Ergebnisse, aber sie war zweifellos ein wichtiger Schritt in dem Prozeß, dessen Ergebnis das Oslo-Abkommen und schwieriger als alles andere, die gegenseitige Anerkennung des Staates Israel und des palästinensischen Volkes, war.
Jetzt schlägt Baker wieder etwas ähnliches vor. Er schlägt eine internationale Konferenz vor und zitiert Madrid als Modell. Die Schlußfolgerung ist klar.
Doch dieser Bäcker kann nur ein Rezept für den Kuchen liefern. Die Frage bleibt, ob Bush dieses Rezept nutzt und danach einen Kuchen backt.
Seit 1967 und dem Anfang der Besatzung haben mehrere amerikanische Außenminister Pläne vorgeschlagen, um den israelisch-palästinensischen Konflikt zu beenden. Alle diese Vorschläge erlitten dasselbe Schicksal: sie wurden zerrissen und landeten im Müll.
Die gleiche Reihenfolge der Ereignisse wurde immer wieder wiederholt: in Jerusalem wird man hysterisch. Das Außenministerium stellt sich auf seine Hinterbeine und schwört, den bösen Plan zu besiegen. Die Medien verurteilen einstimmig die gemeine Intrige. Der jeweilige Außenminister wird als Antisemit angeprangert. Die israelische Lobby in Washington mobilisiert für den totalen Krieg.
Ein Beispiel: Der Rogers-Plan von Richard Nixons erstem Außenminister, William Rogers. In den frühen 70ern legte er einen detaillierten Friedensplan vor, dessen Hauptpunkt der Rückzug Israels zu den Grenzen von 1967, mit bestenfalls "unwesentlichen Veränderungen", war.
Was geschah mit dem Plan?
Angesichts der Angriffe von Seiten der „Freunde Israels“ in Washington gab Nixon nach, wie alle Präsidenten seit Dwight D. Eisenhower, der ein Mann von Prinzipien war und der die jüdischen Stimmen nicht benötigte. Kein Präsident wird sich mit der Regierung Israels anlegen, wenn er wiedergewählt werden oder - wie Bush jetzt – seine Amtsdauer mit Würde beenden will und die Präsidentschaft einem anderen Mitglied seiner Partei übergeben möchte. Ein weiterer Senator oder Kongreßabgeordneter, der einen Standpunkt einnimmt, den die israelische Botschaft nicht mag, begeht Harakiri à la Washington.
Das Schicksal der Friedenspläne der aufeinanderfolgenden Außenminister bestätigt auf den ersten Blick die These der beiden Professoren John Mearsheimer und Stephen Walt, die Anfang dieses Jahres für große Aufregung sorgte. Nach dieser These, sind es immer die israelischen Interessen, die sich bei einem Konflikt mit den amerikanischen durchsetzen.
Wird das dieses Mal auch geschehen?
Baker hat seinen Plan zu einem Zeitpunkt vorgestellt, an dem die USA sich im Irak einer Katastrophe gegenüber sehen. Präsident Bush ist bankrott, seine Partei hat die Kontrolle über den Kongreß verloren und könnte diese auch bald das Weiße Haus verlieren. Die Neo-Konservativen - von denen die meisten Juden und alle Unterstützer der israelischen extremen Rechten sind - die die Kontrolle über die amerikanische Außenpolitik hatten, werden einer nach dem anderen entfernt. In dieser Woche wurde ein weiterer, der amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen hinausgeworfen. Daher ist es möglich, daß Der Präsident dieses Mal auf die Expertenmeinung hört.
Doch das muss ernsthaft in Zweifel gezogen werden. Die demokratische Partei ist der „pro-israelischen“ Lobby nicht weniger unterworfen als die republikanische und vielleicht sogar noch mehr. Der neue Kongreß wurde tatsächlich unter dem Banner der Opposition gegen den Krieg im Irak gewählt, aber seine Vertreter sind keine Jihad-Selbstmordbomber. Sie sind von der "pro-israelischen" Lobby abhängig. Um es mit Shamir zu sagen: "Der Plan ist derselbe Plan, und der Mülleimer ist derselbe Mülleimer."
In Jerusalem war die erste Reaktion auf den Bericht totale Zurückweisung, ein Ausdruck des vollkommenen Vertrauens auf die Fähigkeit der Lobby, ihm noch vor seiner Geburt ersticken zu können. "Es hat sich nichts verändert", erklärte Olmert. "Es gibt niemanden, mit dem man reden kann" was von der Mund- und Schreibbrigade der Medien unverzüglich wiederholt wurde. "Wir können so lange nicht mit ihnen reden, wie der Terror weitergeht", erklärte ein berühmter Experte im Fernsehen. Das ist so ähnlich als sagte man: "Man kann nicht über ein Kriegsende reden, solange der Feind auf unsere Soldaten schießt."
Über die Mearsheimer-Walt-These schrieb ich, daß "der Hund mit seinem Schwanz und der Schwanz mit seinem Hund wedelt." Es wird interessant sein, zu sehen, wer dieses Mal mit wem wedelt: der Hund mit seinem Schwanz, oder der Schwanz mit seinem Hund.

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lang lebe israel — die klare stimme