Mindener Nazidemo bleibt verboten

Claus Santa 22.12.2006 15:06 Themen: Antifa
Nachdem Aufmarschversuche der Nationalen Offensive Schaumburg in Minden im September und im November zu einem Desaster wurden, wollten sie dort am 24. Dezember gegen "Repression und Polizeiwillkür" aufmarschieren. Landrat Wilhelm Krömer hat ihnen das aber verboten und dabei bleibt es auch - zumindest vorerst.
Am gestrigen Donnerstag hat das Verwaltungsgericht Minden das vom Landrat des Kreises Minden-Lübbecke ausgesprochene Verbot der Nazidemo am 24. Dezember bestätigt. Das liest sich in der Pressemitteilung des Gerichts so:

Kein Aufzug der Nationalen Offensive Schaumburg am Heiligabend

Die 11. Kammer des Verwaltungsgerichts Minden hat soeben in einem Verfahren auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes beschlossen, dass die unter dem Thema „Gegen Repression und Polizeiwillkür“ für den 24.12.2006 in der Zeit von 10.30 Uhr bis 22.00 Uhr angemeldete Demonstration in Minden verboten bleibt. Begründung des Gerichts: Der geplante Aufzug verstößt gegen das Feiertagsgesetz NRW. Danach sind während der Hauptzeit des Gottesdienstes öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel und öffentliche Auf- und Umzüge, die nicht mit dem Gottesdienst zusammenhängen, verboten. Das Verbot betrifft unmittelbar die Zeit bis 11.00 Uhr und ab 16.00 Uhr am diesjährigen Heiligabend, weil dieser auf einen Sonntag fällt. Aber auch in der Zeit von 11.00 Uhr bis 16.00 Uhr finden in Minden in verschiedenen Kirchen Gottesdienste statt, so dass ein Aufzug mit Fahnen, Transparenten, Megafonen durch die Innenstadt von Minden zwangsläufig die Fußwege der zahlreichen Kirchgänger kreuzt, die sich in Andacht und Frieden auf das bevorstehende Weihnachtsfest vorbereiten und diese Gottesdienste besuchen wollen. Das gilt in gleicher Weise für die im Stadtgebiet am 24.12.2006 geplanten zahlreichen Gegendemonstrationen, die zum Erstaunen des Gerichts anscheinend bisher nicht verboten worden sind. Demgegenüber hat die angemeldete Veranstaltung mit dem Motto „Gegen Repression und Polizeiwillkür“ keinen, auch nur entfernten Bezug zum 24.12. oder dem bevorstehenden Weihnachtsfest. Der Termin wurde ersichtlich mit Blick darauf ausgewählt, dass am 24.12.2006 wegen des Weihnachtsfestes Polizeikräfte gewöhnlich nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Im Vordergrund der Terminswahl stand offensichtlich nicht das normale Ziel eines jeden Veranstalters, eine breite Öffentlichkeit auf sein Anliegen aufmerksam zu machen. Das kann an einem Tag wie dem 24.12. kaum erreicht werden. Jedenfalls erfordert es nicht die Durchführung gerade an diesem Tag. (VG Minden, Beschluss vom 21.12.2006 – 11 L 904/06 –, nicht rechtskräftig)

Unterdessen hat sich Christian Worch, den die NOS als Versammlungsleiter angegeben hat, das erste Mal zu dem geplanten Umzug geäußert. Zwischen ihm und den Schaumburgern war es im Forum des Freien Widerstands zu einem heftigen Streit über die Strategie bei der NPD-Demo Anfang November in Bremen gekommen. Die war ein ebensolcher Flop, wie die bisherigen Aufmarschversuche in OWL in diesem Jahr. „Stundenlang die Beine in den Bauch stehen, na danke“, hatte ein Teilnehmer die Demonstration in Bremen beschrieben, bei der Worch einer der Redner war. Die Schaumburger warfen daraufhin Worch vor, dass er sich von der NPD habe instrumentalisieren lassen. Der reagierte darauf etwas pikiert und nahm seinen »alten und guten Kameraden«, den Landesvorsitzenden der NPD Bremen, Horst Görmann, in Schutz. »Und ohne Dich und Dein Alter und die bisherige Dauer deines Einsatzes für die Sache zu kennen, vermute ich einfach mal in der derben alten Soldatensprache: Horst Görmann hat schon an Orte hingeschissen, an die Du noch nicht mal hingerochen hast«, teilt er dem Schaumburger mit.

Anscheinend sorgt aber auch bei Nazis die Adventszeit für Friede, Freude, Eierkuchen. Der Veranstalter habe rechtliches Vorgehen gegen die Mindener Entscheidung angekündigt, teilt Worch auf seiner Homepage mit, auf der bislang kein Wort über die Mindener Demo zu lesen war. Zwar rechnet er damit, dass das OVG Münster die Entscheidung des Verwaltungsgerichts bestätigen wird, einem Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht sieht er aber offensichtlich optimistisch entgegen. „Ich gehe davon aus, daß die Veranstaltung letztlich zugelassen wir und wir uns dann am 24.Dezember in Minden“, schreibt Worch. Er kündigt außerdem an, dass der Veranstalter eine „Gratisverlosung von Bekleidung, CDs und dergleichen“ plane. Der spricht in der Verlosungsankündigung tatsächlich von „einem erfolgreichen Kampfjahr“. Wenn er damit „stundenlanges Beine in den Bauch“ wie in Bremen oder im September in OWL meint, kann man eigentlich beruhigt sein.
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Ergänzungen

Nazis mobilisieren weiterhin

Antifa-Surfer 22.12.2006 - 15:27
Also die Nazis mobilisieren weiter nach Minden, zu mindest das Aktionbüro Norddeutschland, führt die "Demo" weiter unter Termine

Aktuelle Infos

Pascal 22.12.2006 - 15:52
Aktuelle Infos zum Naziaufmarsch in Minden und zu den Gegenaktionen findet ihr auf folgenden Internetseiten:

 http://www.njet.de.vu
 http://www.antifa-west.org

OVG bestätigt Verbot

Claus Santa 22.12.2006 - 18:28
@antifa-surfer: Rechts haste, deshalb steht ja auch in dem Artikel das Worch Zitat "Wir sehen uns in Minden. Also heißt es nach wie vor: Den Nazis aufs Dach steigen, hohoho.

Aber inzwischen hat das OVG das verbot bestätigt und teilt mit:

Datum: 22. Dezember 2006

Rechtsextreme Versammlung an Heiligabend in Minden bleibt verboten

Dies hat mit Beschluss vom heutigen Tage der 5. Senat des Oberverwaltungsgerichts entschieden und damit die Verbotsverfügung der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke und den erstinstanzlichen Beschluss des Verwaltungsgerichts Minden bestätigt. Zur Begründung hat der 5. Senat im Wesentlichen ausgeführt:

Von der an Heiligabend geplanten Versammlung von Rechtsextremisten mit dem Motto "Gegen Repressionen und Polizeiwillkür" gehe eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit aus. Die Versammlung störe die durch das Grundgesetz und landesrechtliche Vorschriften geschützte Sonn- und Feiertagsruhe. Das Weihnachtsfest sei mit Ostern und Pfingsten eines der wichtigsten Feste im Christentum, das - auch ohne christlichen Hintergrund - von den allermeisten Teilen der Bevölkerung gefeiert werde. An diesen Tagen kehre eine besondere Ruhe und Besinnlichkeit ein. Fielen - wie in diesem Jahr - der Heiligabend und der 4. Adventssonntag auf einen Tag, entfalle auch die sonst an Werktagen gelegentlich noch bis Mittag andauernde Betriebsamkeit zur Vorbereitung auf die Festtage. Eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestehe zudem, weil die Versammlung gegen das Schikaneverbot verstoße. Auch das Versammlungsgrundrecht dürfe nicht zu dem Zweck ausgeübt werden, einem anderen Schaden zuzufügen. Mit der Wahl des Zeitpunktes (Heiligabend) verfolge der Veranstalter das alleinige Ziel, der Polizei die größtmöglichen Schwierigkeiten zu bereiten. Die Polizeibeamten sollen den Tag nicht im Kreise der Familie verbringen können, sondern gezwungen werden, überplanmäßig an Heiligabend Dienst zu verrichten.

Der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts ist unanfechtbar.

Az.: 5 B 2706/06

DEMO ERLAUBT!!!

antifa 22.12.2006 - 23:03
laut aussagen der nazis aus schaumburg auf ihrer page sowie ihren beitrag beim freien widerstand hat das bundesverfassungsgericht soeben die demo erlaubt. ob dies stimmt vermag ich im augenblick noch nicht beurteilen zu wollen, denn am 25.11. versuchten sie auch durch fehlinformationen die linke aus minden fernzuhalten!

also auf, alle nach Minden und den nazis aufs dach steigen!!!

Bundesverfassungsgericht erlaubt Nazi Demo

(muss ausgefüllt werden) 23.12.2006 - 14:33

Samstag, 23. Dezember 2006 12:00 Uhr + 13:00 Uhr
Bundesverfassungsgericht kippt Verbot von Neonazi-Demonstration
Das Bundesverfassungsgericht hat eine für Heiligabend geplante Demonstration von Rechtsextremisten in Minden erlaubt.
Das teilte die Polizei in der westfälischen Stadt mit. Zuvor hatten das Oberverwaltungsgericht Münster und das Verwaltungsgericht Minden-Lübbecke die Veranstaltung wegen der geschützten Sonn- und Feiertagsruhe verboten.
 http://www.dradio.de/nachrichten/

Polizeipresse

s 24.12.2006 - 15:32


POL-MI: Minden, Demonstration am Heiligabend verlief nahezu friedlich

24.12.2006 - 14:18 Uhr
Minden (ots) - Nach einem Demonstrationsverbot, ausgesprochen
durch die Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke und bestätigt durch das
Verwaltungsgericht Minden und das Oberverwaltungsgericht Münster,
ließ die 1. Kammer des Bundesverfassungsgerichtes den Aufmarsch der
"Rechten" unter dem Motto "Gegen Repression und Polizeiwillkür" zu
(s. Pressebericht v. 23.12.2006). Verfügt wurde jedoch ein zeitlicher
Rahmen zwischen 11.00 und 13.30 Uhr.

Seitens der Einsatzleitung wurde der Marschweg vom Bahnhof zur
Kaiserstraße auf das rechte Weserufer bis zur Weserbrücke festgelegt.

Gegen 11.00 Uhr versammelten sich am Heiligabend ca. 60 - 70
Rechte auf dem Bahnhofsvorplatz, begannen um 11.49 Uhr mit der
Auftaktveranstaltung und marschierten dann über die Viktoriastraße
und Kaiserstraße in Richtung Weserbrücke. In Höhe der Einmündung
Prinzenstraße fand von 12.10 - 12.54 Uhr eine Zwischenkundgebung
statt, anschließend gingen die Demonstranten wieder zurück zum
Bahnhofsvorplatz.
Um 13.20 Uhr erklärten die "Rechten" die Veranstaltung für beendet.

Während des Aufmarsches kam es durch ca. 70 Linke, die im Bereich
des Neuplatzes demonstrierten, zu mehreren Störungen.
Als die "Rechten" den Bereich Neuplatz passierten, wurden sie mit
Steinen beworfen. Hierbei ging auch die Heckscheibe eines
Streifenwagens zu Bruch.
Insgesamt kam es zu zwei Festnahmen, ein "Rechter" führte ein
Reizstoffsprühgerät mit sich und verblieb während der Dauer des
Einsatzes in Gewahrsam. Einer der Steinewerfer konnte festgenommen
werden. Zwei weitere Anzeigen wegen Verstoßes gegen das
Vermummungsverbot und Tragens verfassungsfeindlicher Abzeichen wurden
aufgenommen. Die Ermittlungen gegen weitere Steinewerfer dauern
zurzeit an.

Die Lichterkette in der Mindener Innenstadt verlief wie erwartet
friedlich. Gegen 11.00 Uhr versammelten sich ca. 300 Personen, die
eine Kette durch die Fußgängerzone bildeten. Um 12.00 Uhr fand eine
abschließende Kundgebung vor der Marienkirche statt. Ca. 500 Menschen
nahmen daran teil.

Personen kamen bei dem Gesamteinsatz nicht zu Schaden. Es waren
mehrere hundert Polizeibeamte im Dienst, deren engagiertem Einsatz
ein friedlicher Verlauf des Demontrationstages zu verdanken ist.

In einem Telefonat an den Polizei- und Einsatzführer
Polizeidirektor Detlef Stüven bedankten sich der Innenminister des
Landes NRW Herr Dr. Ingo Wolf und der Inspekteur der Polizei Dieter
Wehe herzlich bei allen Einsatzkräften, die an diesem besonderen Tag
in Minden ihren Dienst versahen.


ots Originaltext: Polizei Minden-Lübbecke
Digitale Pressemappe:
 http://www.polizeipresse.de/p_story.htx?firmaid=43553

Rückfragen bitte an:

Polizei Minden-Lübbecke
Pressestelle
Werner Wojahn
Telefon: 0571/8866 1270/-1235/-1274/-1276
Fax: 0571/8866-1271
E-Mail:  pressestelle@polizei-minden.de
www.polizei-minden.de


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