Münster: Grevener Str. 57 ist besetzt

Grevener Str. bleibt! 05.12.2006 13:20
Münster: Grevener Str. 57 ist besetzt!

Wir protestieren aufs schärfste gegen die Abrisspläne der Stadt!
Wir sind in das inzwischen vom Verfall bedrohte Haus eingezogen, weil wir es nicht hinnehmen, dass Wohnraum auf diese Art und Weise zerstört wird und setzen damit ein deutliches Zeichen gegen den geplanten Abriss der gesamten Häuserzeile.
Satt einem Abriss fordern wir die Sanierung der bestehenden Häuser oder direkt die Überschreibung der Häuser an die bisherigen Mieter und Mieterinnen.
Letzteres wäre für alle Beteiligten die eleganteste und kostengünstigste Lösung.
Dabei geht es uns nicht um einen individuellen Mietpreisvorteil, sondern um den Erhalt und Ausbau seit Jahren gewachsener sozialer Strukturen in dem Viertel und selbstverwaltetes zusammenleben.
Des Weiteren fordern wir noch immer ein Soziales Zentrum für Münster!

Die Grevener Str. 57 ist seit heute
morgen InstandBesetzt!


Warum?

Das Haus Nr. 57 an der Grevener Straße steht nun seit fast 3 Jahren leer und besitzt symbolischen Charakter für die unmenschliche Politik des Rates der Stadt Münster und sämtlicher Parteien.
Bis 2003 lebten in diesem Haus Sinti und Roma. Es war gut erhalten und die Familien
konnten günstigen Wohnraum nutzen. Ihr unsicherer Aufenthaltsstatus wurde ausgenutzt und die Stadt kündigte ihnen unter dem Vorwand das Haus sei zu kaputt ihre Bleibe.
Seit dem steht das Haus leer.

Es steht leer

während Migranten und Migrantinnen in Sammelunterkünften untergebracht werden
während einkommensschwache Bevölkerungsteile mehr und mehr in die Außenbezirke der Stadt Münster gedrängt werden
während Studierende am Anfang ihres Studiums erstmal auf der Straße oder bei Bekannten auf dem Sofa wohnen müssen, weil es nicht genug Wohnraum gibt.
während die Stadt zugeben muss, dass es in Münster mit die teuersten Mieten des Landes gibt.

Obwohl diese Zustände herrschen, wurde das Haus Nr. 57 in den letzten Jahren bewusst verfallen gelassen, es gammelte vor sich hin, während die Stadt behauptet kein Geld mehr zu haben, es verfiel langsam und sicher, während städtisch subventionierter Wohnraum aus Kostengründen verscherbelt wurde...
Nun ist das Haus eines der kaputtesten der gesamten Häuserzeile. So kaputt, dass die Stadt sagt, es muss abgerissen werden...mal wieder aus Kostengründen.
Das eine Verwaltung ein gut erhaltenes Haus und mit ihm die gesamte Häuserzeile der Grevener Straße erstmal bewusst verfallen lässt um dann zu behauptet sämtliche Häuser müssen abgerissen werden, erscheint extrem absurd.
Warum also verfolgt die Stadt solch spekulative Politik an der Häuserzeile der Grevener Straße?
Die Stadt soll weiter aufpoliert werden, eine Stadt für wohlhabende Familien und Reiche solle geschaffen werden. Schon jetzt zeigt sich, dass diese Logik Grundlage der Motivation für die ganzen Sanierungen ist. Seien es die Arkaden, die Luxusgastronomie am Aasee, oder die Gated Community, die an der Germania Therme entstehen soll.
In dieser Logik ist die Häuserzeile an der Grevener Straße der Stadt Münster ein Dorn im Auge. Dabei haben sie es trotz der nun schon 20 Jahre andauernden Veränderungsperre
der Häuser - was heißt, dass es den Bewohnern und Bewohnerinnen der Häuser die noch bewohnt sind sogar verboten ist restaurative Arbeiten an den Häusern vorzunehmen um langsam aber sicher den bezahlbaren Wohnraum zu zerstören - noch nicht geschafft alle Häuser so verrotten zu lassen wie die Nr. 57. Es gibt immer noch gut erhaltene Häuser in der Zeile. Bewohnt von jungen und alten Menschen, von Familien mit Kindern, die sich eine schmucke Villa im Kreuzviertel nicht leisten können, die in einem guten Verhältnis zueinander stehen und sich dort eine gewachsene soziale Struktur etabliert hat.
Nun verspricht die Stadt in den geplanten Neubauten gemischten Wohnraum zu schaffen, was bedeutet auch ein Teil der neugebauten Häuser als Sozialwohnungen zu erhalten. Mit Blick auf die Bebauungspläne wird deutlich das die Pläne der jetzigen Menge an Wohnraum nicht gerecht werden. zusätzlich werden sie trotzdem teuer sein als die Mieten derzeit.
Doch nicht nur das. In der Grevener Str. 53 befindet sich auch das Kulturcafé "Versetzt". In diesen Räumlichkeiten treffen sich die verschiedensten Gruppen und Vereine um sich ehrenamtlich zu engagieren. Das "Versetzt" wurde als Übergangsraum für die im Jahr 2000 für sechs Wochen besetzte Uppenbergschule verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen für eine symbolische Miete überlassen. Nicht nur dass die Vereine davon abhängig sind für ihr ehrenamtliches Engagement günstige Räume zum arbeiten zu haben - auch das Versprechen der Stadt ein Soziales Zentrum für Münster anzubieten ist bis jetzt nicht eingehalten worden - und nun soll auch noch die eigentliche "Übergangslösung" abgerissen werden...
Wir protestieren aufs schärfste gegen die Abrisspläne der Stadt!
Wir sind in das inzwischen vom Verfall bedrohte Haus eingezogen, weil wir es nicht hinnehmen, dass Wohnraum auf diese Art und Weise zerstört wird und setzen damit ein deutliches Zeichen gegen den geplanten Abriss der gesamten Häuserzeile.
Satt einem Abriss fordern wir die Sanierung der bestehenden Häuser oder direkt die Überschreibung der Häuser an die bisherigen Mieter und Mieterinnen.
Letzteres wäre für alle Beteiligten die eleganteste und kostengünstigste Lösung.
Dabei geht es uns nicht um einen individuellen Mietpreisvorteil, sondern um den Erhalt und Ausbau seit Jahren gewachsener sozialer Strukturen in dem Viertel und selbstverwaltetes zusammenleben.
Des Weiteren fordern wir noch immer ein Soziales Zentrum für Münster!


Deswegen hiermit der Aufruf an alle Unterstützerinnen und Unterstützer, Freunde und Freundinnen der Grevener Str., an die Betroffenen Bewohner und Bewohnerinnen
an die Gegnerinnen und Gegner der gegenwärtigen neoliberalen Stadtpolitik und an alle Menschen, die sagen "Es reicht!":
Kommt vorbei und unterstützt die Besetzung. Feiert mit uns die Wiederaneignung von bezahlbarem Wohnraum.
Kommt vorbei zur Party: Ab 17.00 Uhr und bringt euch Getränke und Essen mit.
Die Häuser denen die drin wohnen!
Die Grevener Str. bleibt!
Für ein Soziales Zentrum in Münster
und selbstverwalteten Wohnraum!
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Ergänzungen

NEIN

mobster 05.12.2006 - 18:41
...Münster braucht nicht noch ein "soziales Zentrum", den Zentren gibt es wahrlich genug: Don Quichotte, Sternstraße, Versetzt, Baracke, Emma-Goldman-Zentrum...

ABER: Menschen haben auch in Münster auf bezahlbaren Wohnraum, der nicht in schuhkarton-optik (&größe) geplant ist. In diesem Sinne: Viel Erfolg und Kraft beim INSTANDbesetzen!!! Macht was draus!

Hintergrund über die Grevenerstrasse 31

The Pirat 05.12.2006 - 23:48
Hintergrundinformationen zum ehemals besetzten Haus, der Grevenerstrasse 31, das ebenfalls unter die Abrisspläne fällt, findet ihr unter:

 http://www.grevener-31.de

 http://www.asta.ms/hochschulpolitik/frauenstrasse.php


Besetzung beendet

The Pirat 06.12.2006 - 15:28
Die Besetzer und Besetzerinnen haben das Haus wohl bereits in der Nacht wieder freiwillig verlassen. Die Presse war sehr positiv, im Münsteraner Anzeigenblatt "Kaufen und Sparen" stand die Aktion heute sogar auf dem Titel. Nun bleibt der Planungsausschuss am Donnerstag abzuwarten.

an alle unterstützerInnen

unterstützerInnen 06.12.2006 - 16:52
Liebe Freundinnen und Freunde, Unterstützer und Unterstützerinnen,
die Solidarität und Freude mit der die Hausbesetzung an der Grevenerstr. aufgenommen wurde hat die BesetzerInnen Struktur sehr gefreut und unglaublich überascht.
In Zeiten in denen sich in Münster viele Läden befinden,in denen allesamt bis Hals über Kopf gestreßt in Verteidigungskämpfen verstrickt und zudem noch recht zerstritten sind, war es eine Freude die ganze Solidarität und Kraft, die es noch in der STadt gibt mitzuerleben.
Die Besetzung war jedoch aufgrund der oben genannten "Zustände" als symbolische politische Aktion geplant. Die Besetzerinnen Struktur hat sich deswegen aufgelöst und das Haus verlassen. Das Haus steht nun offen und damit jeder sich kurz- oder langfristig findenden anderen Struktur zur Verfügung.
In Anbetracht der Tatsache, dass sich die BesetzerInnen nicht von einem bis zum ersten Stock zugemauerten und verammelten Haus abhalten haben lassen dort reinzugehen und die positive Reaktion von Teilen Presse und unterschiedlichsten Münsteraner BürgerInnen hat der Stadt vielleicht deutlich gemacht, dass es doch mehr Menschen gibt die keinen Bock auf die neoliberale Stadtpolitik haben als sie dachten und wir auch in Münster nicht aufgeben werden weiterzukämpfen.
Für den Erhalt der Grevenerstraße
FÜr ein Soziales Zentrum
und eine soziale Stadt...
Leute bleibt heiter, der Häuserkampf geht weiter...
nächstes Mal an einen wärmeren Ort mit fließend Wasser.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 6 Kommentare an

wünsche euch — till

saludos solidarios... — don quijote

Geile Sache — Ich

mut — rekha

Mal schaun — Ich

moin — muss ja