Silvio Meier: "Nix und Niemand ist vergessen!"

Umbruch Bildarchiv 29.11.2006 10:45 Themen: Antifa
Am 21. November 2006 jährte sich zum vierzehnten Mal der Todestag von Silvio Meier. Silvio lebte als Hausbesetzer in Friedrichshain und wurde 1992 von Neonazis ermordet. Im U-Bahnhof Samariterstraße in Berlin-Friedrichshain trafen er und zwei Freunde auf eine Gruppe von rechtsextremen Jugendlichen. Einer von ihnen trug einen "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein"-Aufnäher. Als Silvio und seine Freunde ihn zur Rede stellten und aufforderten, den Aufnäher abzunehmen, zogen die Nazis Messer und stachen auf die Antifas ein. Der 27-jährige Antifaschist wurde durch mehrere Stiche getötet, zwei seiner Begleiter schwer verletzt. Seitdem findet in Friedrichshain jedes Jahr eine antifaschistische Demonstration zur Erinnerung an ihn statt. Mike nahm für Umbruch an der diesjährigen Mahnwache und Demonstration für Silvio teil. Weiter unten seine Fotos und sein Bericht.
Am 21. November 2006 jährte sich zum 14. Male der Todestag des Antifaschisten Silvio Meier.
Aus diesem Anlass fand im U-Bahnhof Samariterstraße eine Mahnwache mit über 100 Personen statt. Den Vorabend des Gedenken nutzten bislang unbekannte Täter zur wiederholten Entwendung der Gedenktafel. Sie hinterließen einen gesprühten Spruch: "Wo ist Silvio?"
Zahlreiche Blumen, selbst gefertigte Gedenktafeln, -plakate und Kerzen wurden niedergelegt.

Für Samstag, den 25.11.2006 war die Silvio-Meier-Demo angesetzt, die von Friedrichshain in die Lichtenberger Weitlingstraße führen sollte. Hierzu versuchte das Kameradschaftsspektrum der extremen Rechten eine Gegen-Demo zu initiieren, im Zuge derer sie nach Friedrichshain ziehen wollten. Daraus wurde dann aber nichts und so zogen rund 50 Nazis durch Lichtenberg. Das Einzige, was durch diesen Aufzug behindert wurde, war der öffentliche Nahverkehr der in diesem Bereich teilweise stundenlang eingestellt wurde.

Pünktlich und ausgeschlafen versammelten sich rund 700 Menschen schon am U-Bahnhof Samariterstraße. Im Verlaufe der Demo stießen immer wieder Menschen zur Demo hinzu und bald wuchs die Zahl der Demonstranten auf weit mehr als 1000 Menschen an. Die Stimmung war offensiv, kämpferisch und kräftig! Sprechchöre hallten durch die Strassen die nur durch thematische Redebeiträge unterbrochen wurden. So gab es z.B. am Nöldnerplatz einen Redebeitrag zur Ausländerbehörde in Berlin- Lichtenberg.

In der Weitlingstraße angekommen gab es dann den ersten Sprint. Auf etwa der Hälfte der Straße versperrten 2 Wannen der Polizei den direkten Weg zum Bahnhof Lichtenberg. Laut Auflagenbescheid wurde es untersagt, diesen Weg entlang einiger Nazi-Treffpunkte zu nehmen.
Über den Lautsprecherwagen wurde auf die absurde Doppelstrategie des Rot-Roten-Senats und insbesondere der Rolle der sogenannten Linkspartei im Kampf gegen Nazis hingewiesen. Kurzzeitig wankten die Polizeifahrzeuge und die 23. EHU ließ sich nicht lange bitten. Die Demo-Spitze formierte sich unter lautstarken "BRD-Bullen-Staat, wir haben dich zum Kotzen satt" - Rufen neu und weiter ging es entlang der Wönnichstraße. Auf dem restlichen Wege gab es noch 2 Versuche auf die Weitlingstraße zu kommen, die mit einem kurzem, heftigen Einsatz der 23iger unterbunden wurden.

Nach Beendigung der Demo wurde der Lauti von Einsatzkräften umstellt. Zwei RednerInnen wurde vorgeworfen, durch Redebeiträge und Slogans gegen Strafgesetze verstoßen zu haben; sie wurden jedoch nicht mehr angetroffen.

In den frühen Morgenstunden des 26.11.2006 überfielen Unbekannte am Bahnhof Lichtenberg ein Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung (Linkspartei) und schlugen ihm eine Glasflasche an die Schläfe. Ob diese Tat mit dem Geschehen zuvor in Verbindung stand, bleibt bislang offen. Fest steht, dass das Opfer Anmelder der Demo war und aktiv gegen Nazis agiert. - Mike -

Einen Teil der Bilder dazu gibts hier:

 http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/251106silvio_meier.html
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Ergänzungen

Neonazis horten Maschinengewehre

XXX 29.11.2006 - 23:48
28.11.06
Bei einem groß angelegten Polizeieinsatz gegen die rechtsextreme Szene in Südbayern sind neun Neonazis festgenommen worden.Bei der Durchsuchung von 15 Häusern und etlichen Nebengebäuden am Dienstagmorgen im Raum Rosenheim wurden 55 Kurz- und Langwaffen sichergestellt, darunter auch Maschinengewehre. Wie das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) in München mitteilte, lagen gegen vier der festgenommenen Männer schon zuvor Haftbefehle wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie wegen Verstößen gegen das Waffengesetz vor.

Hunderte Polizeibeamte im Einsatz

An den Durchsuchungsaktionen nahmen 370 Polizeibeamte teil, darunter auch Kräfte eines Sondereinsatzkommandos und Hundeführer. Gegen insgesamt zehn Beschuldigte – überwiegend Männer im Alter von 24 bis 26 Jahren – laufen bereits seit Monaten Ermittlungen. Dazu wurde eigens die Ermittlungsgruppe „Inntal“ gebildet. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler haben die Beschuldigten keine Anschläge geplant, sondern sich die Waffen als „Statussymbole“ zum Angeben in der rechtsextremen Szene beschafft.

Auch Hakenkreuzfahnen sichergestellt

Alle Beschuldigten seien der rechtsextremen Szene zuzuordnen. Neben illegalem Waffenbesitz wird ihnen auch Waffenhandel vorgeworfen. Sie sollen frei verkäufliche Waffen so bearbeitet haben, dass diese scharfen Waffen gleichzusetzen sind. Sie sollen zudem eine kriminelle Vereinigung zum Waffenerwerb gebildet und sich die Waffen zum Teil mit Einbrüchen beschafft haben. Das Spektrum reiche vom alten Karabiner bis hin zu Maschinengewehren, sagte ein LKA-Sprecher. Experten sollen untersuchen, ob alle Waffen noch funktionstauglich waren. Auch Schwarzpulver, Hakenkreuzfahnen und Nazischriften wurden sichergestellt.

Die Durchsuchungen in den Landkreisen Rosenheim und Ebersberg seien sehr schwierig gewesen, hieß es. Denn es habe sich zum Teil um Gehöfte mit einer Reihe von Nebengebäuden gehandelt. In einem Gebäude in Rosenheim wurde eigens ein Radlader angefordert, um Holzstöße zu versetzen und so mögliche Waffenverstecke zu entdecken.

Mehr zu Bayerns Nazis

Helge 30.11.2006 - 00:13
Anlass für diese Durchsuchungsaktion ist ein seit mehreren Monaten geführtes Ermittlungsverfahren gegen mittlerweile 13 Beschuldigte wegen Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung und Verstößen nach dem Waffengesetz, das von der Staatsanwaltschaft München I eingeleitet wurde.

Den Beschuldigten, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind, wird vorgeworfen, Waffen zu besitzen, ohne die notwendigen Erlaubnisse hierfür zu haben, mit diesen gehandelt zu haben bzw. erlaubnisfreie Waffen so bearbeitet zu haben, dass diese scharfen Schusswaffen gleichzusetzen sind.

Weiterhin stehen einige der Beschuldigten im Verdacht eine Gruppierung gebildet zu haben, die sich insbesondere mit der Beschaffung dieser Waffen beschäftigt hat, dies gelang insbesondere mit Einbruchsdiebstählen, wobei die Tatverdächtigen arbeitsteilig vorgingen.
Teilweise wurden die Vorwürfe in ersten Einlassungen bereits eingeräumt.

Gegen vier der Tatverdächtigen waren bereits im Vorfeld Haftbefehle erlassen worden; die Männer im Alter zwischen 24 und 26 Jahren konnten gestern am frühen Morgen festgenommen werden.

sichergestellte Waffen
Vier weitere Beschuldigte im Alter zwischen 24 und 51 Jahren befinden sich seit gestern in Haft und werden heute im Laufe des Tages dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Ein 62-Jähriger, Vater eines der Hauptbeschuldigten, hat sich als nicht haftfähig erwiesen und wurde auf freien Fuß gesetzt, obwohl ihm einschlägige Verstöße nach dem Waffenrecht vorgeworfen werden.

Im Rahmen der Durchsuchungsaktion konnten über 100 Kurz- und Langwaffen gefunden werden. Beim Bayer. Landeskriminalamt wird geprüft, inwieweit sie den Bestimmungen des Waffengesetzes bzw. dem Kriegswaffenkontrollgesetzes unterliegen. Die kriminaltechnischen Untersuchungen im LKA dazu, werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Auch einige erlaubnisfreie Schusswaffen wurden sichergestellt, weil sich Anhaltspunkte ergeben haben, dass sie schussfähig gemacht werden sollten. Einer der Tatverdächtigen war bereits vor Wochen festgenommen worden, als er Waffenteile transportiert hatte, die dazu geeignet waren.

Nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen haben die Tatverdächtigen noch keine extremistischen Straftaten geplant, vielmehr sind die Waffen als „Statussymbole“ der ein-schlägigen Szene zu betrachten. In den Objekten wurde eine Vielzahl von NS-Devotionalien, wie Fahnen, Orden, Abzeichen, Hitlerbüsten festgestellt, welche die Sammelleidenschaft und auch die ideologische Einstellung grundsätzlich untermauern.
Alle Tatbeteiligten vertreten eindeutig die NS-Ideologie, wobei aber Kontakte zu anderen rechtsextremistischen Gruppierungen und auch zu Parteien des rechten Spektrums nicht deutlich geworden sind. Zu der „allgemeinen Skinheadszene“ haben sie sich auch vom äußeren Erscheinungsbild her abgegrenzt.

Mit der großangelegten Durchsuchungsaktion wurde als ein wesentliches Ziel erreicht, dass das Gefahrenpotential der vorhandenen Waffen u. Sprengmittel beseitigt werden konnte. Innerhalb dieser rechtsextremistischen, aber auch kriminellen Struktur wurde sowohl der Waffenhandel, als auch der Waffenaustausch untereinander unterbunden. Außerdem gelang die frühzeitige Zerschlagung einer extremistischen Organisation mit grundsätzlicher Gewaltbereitschaft.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Mord? — egal

@egal — assel