Abschiebung aus Kirchenasyl

abschiebestopp 01.11.2006 22:43 Themen: Antirassismus
"totalitärer Machtmissbrauch in Richtung in einen totalitären Staat"

Heute Morgen um 6 Uhr 45 wurde die Familie Yildirim mit Polizeigewalt aus ihrem Zufluchtsort in einer Koblenzer Kirche entfernt. Die Familie hatte dort kirchliches Asyl gefunden, nachdem die Härtefallkommission des Landes Rheinland-Pfalz ein Bleiberecht abgelehnt hatte.
Stichpunkte nach dem Treffen am 31.10.2006 des Unterstützerkreises Yildirim
Ungefähr um 13 Uhr ist die Familie vom Flughafen Frankfurt/Main gegen ihren Willen abgeflogen und um ca. 15.30 Uhr sollte die Maschine landen. Herr Rathmann hat den Menschenrechtsverein in der Türkei erreicht, dieser wird den Anwalt in Nusaybin kontaktieren. Der Vater des Freundes von Ali, Herr Yildiz wartete auf dem Flughafen fand die Familie dort nicht vor, wohl wurde die Familie abgeschottet.

Der Eilantrag des Initiativkreises wurde vom Verwaltungsgericht bereits um 11 Uhr abgelehnt. Die Bischofskonferenz hat auch die Gemeinde in Istanbul versucht zu erreichen, es gelang jedoch nicht, der Kontakt per Mail wurde hergestellt.

Der eigentliche Skandal und was ist passiert?

* Bruch des Kirchenasyls
* Kinder wurden aus der Kirche rausgeholt
* Hier wurde eine allgemeingültige Tradition gebrochen heiliger Ort unverfügbar Zugriff von Mensch und Macht entzogen, das ist sogar im heidnischen Brauch akzeptiert und das ist hier angetastet worden = Indiz für totalitären Machtmissbrauch Richtung in einen totalitären Staat, denn es gibt keinen Bereich mehr, der mehr der Verfügbarkeit des Staates entzogen ist auch galt hier nicht, dass das Leben Vorrang vor Gesetz hat.

Wie weiter?

1. Gruppe Begleitung Türkei
Begleitung in der Türkei, regelmäßige Kontaktaufnahme 5 Leute machen das

2. Gruppe politische Begleitung
Es darf jetzt nicht sein, dass 2 Wochen große Aufregung und danach Ebbe....

... denn hier ist Grundlegendes kirchlich wie auch politisch passiert, und da dürfen wir die verantwortlichen Akteure (Bruch, Beck und OB Schulte-Wissermann) nicht ruhen lassen

Innenminister Bruch wollte abschieben, Ministerpräsident Beck hat abgewartet.

Nächste Stadtratssitzung am Tag der Innenministerkonferenz 16.11., gleichzeitig findet eine Demonstration zum Thema Bleiberecht in Nürnberg statt (dort findet auch obige Innenministerkonferenz statt).

Ideen für Aktionen (Brainstorming):

* für Abgeschobene Glocken läuten (lärmen gleichzeitig)
* Stolpersteine für abgeschobene Kinder (deportierte Juden)
* Stadt setzt ihren ersten Stolperstein am 27.1. zum Tag der Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus (Geschichte wiederholt sich??)
* Stolperstein vor Garage des Oberbürgermeisters
* An alle Pfarreien schreiben
* Glockenläuten Samstag 6.45-7:30 Uhr (Ruf zur Wachsamkeit, Verletzung von Menschenrechten, Würde und Kinderrechte)
* Offizielle Briefe an Beck und Schulte Wissermann (SPD)
* Aktionen an Adressaten immer mitteilen: Botschaft, „Wir machen das gegen Eure Politik und ihr habt sehr wohl persönliche Verantwortung.“
* Im Dezember Demo, zum Tag der Menschenrechte, ist die Abschiebung von Yildirim das zentrale Thema entsprechend mobilisieren, und auch in Gottesdiensten Herbergssuche
* Fürbitten
* Weihnachtskrippe Relikte der Kinder (Schulranzen, usw.)
* Kranz voll Lichter um die Kirche
* Plakat vor Kirche
* Fahne der Willy Graf Schule auf Halbmast
* Dieser Samstag Gottesdienst 19-20 Uhr, danach Gedichte, Lieder, Bilder zeigen gucken.... was im Rahmen möglich ist.... Tee trinken... Vorher: Glockenläuten von 18:45-18:55 Uhr
* Gedenktafeln, dann und wann wurde das und das gemacht....
* Kirche ist entweiht worden, Bischof muss kommen, sie wieder einweihen mit lithurgischem Akt
* Oder wir laden die Verantwortlichen ein zur Einweihung
* Oder weihen selbst ein

Eindrücke: Was war heute los?

Eine Lehrerin aus der Willy Graf Schule:

„Schulgemeinde hat sich verändert“ „Es fehlen eben zwei Kinder“

„Stimmung enorm gedrückt“ – wenn die Kinder sprachen, dann sprachen sie ganz leise und es wurden nicht viele Worte drum gemacht: „Hast Du schon gehört?“ „...wie schade“, „wie traurig“ „Fassungslosigkeit“

„ich werde die Kinder in Ruhe lassen“

„was machen wir denn jetzt, jetzt fehlt uns in unserer Fußballmannschaft der beste Stürmer“

Frage, wie sind die Kinder in das Auto rein?

Barbara sah nur noch Nafiye und Emine, Nafiye weinte, Ali schrie, die Kinder hatten nacktes Entsetzen in den Augen, sie waren verzweifelt voller Angst und aus ihren Augen war die Frage abzulesen „Warum hilft uns keiner?“, eine Lehrerin: „Es wirkte so, als ob die Kinder die Situation als lebensbedrohend empfanden“

Sie kamen nicht in ein Polizeiauto rein, sondern die Mädchen von den Jungens getrennt.

„Wir haben einfach nicht damit gerechnet, dass aus der Kirche heraus abgeschoben würde. Willy Meyer vom Caritasverband, wie viele Andere auch, waren sich einig, es würde nichts passieren und das trotz des Anrufes von Muscheid (CDU)... man dachte, wie auch von der Landesregierung und der ev. Kirche zugesagt, dass der Sakral unangetastet bliebe.“

Gestern saßen wir noch zusammen und sprachen über Angst und die Angst der Kinder in der Schule und da wurde über die Verkehrspolizei gesprochen, welche die Fahrradprüfungen mit den Kindern durchführt und als die Kinder die Polizei sahen und auch vorher schon mal, musste ihnen erklärt werden, dass dies ja nur der Herr Schäfer sei und er nichts machen täte...

Heute wurde Herr Schäfer für den Abschiebeauftrag abgeordnet .... nach der Abschiebung sollte er den Fahrradunterricht machen, er ist aber heim gegangen – er konnte den Unterricht nicht weitermachen. Schäfer kannte die Kinder von der Schule

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Alexander Ulrich MdB protestiert entschieden gegen Terror der Ausländerbehörde in Koblenz

"Im Namen der Menschlichkeit sofort Abschiebung stoppen!"
MdB Alexander Ulrich empört über die Vorgehensweise der Ausländerbehörde im Fall Yildirim

Heute Morgen um 6 Uhr 45 wurde die Familie Yildirim mit Polizeigewalt aus ihrem Zufluchtsort in einer Koblenzer Kirche entfernt. Die Familie hatte dort kirchliches Asyl gefunden, nachdem die Härtefallkommission des Landes Rheinland-Pfalz ein Bleiberecht abgelehnt hatte.

Dazu erklärt der Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion und Vorsitzende der WASG Rheinland-Pfalz, Alexander Ulrich: "Heute morgen in Koblenz haben sich schlimme Szenen abgespielt. Im Namen der Menschlichkeit fordere ich die Ausländerbehörde in Koblenz auf, die Abschiebung der Familie Yildirim sofort zu stoppen und mindestens die Endscheidung der Innenministerkonferenz am 16. November abzuwarten. Die betroffene Familie hat bereits genug Leid erfahren.

Als oppositionelle Kurden steht ihnen im Abschiebeland Türkei weiteres Leid und Verfolgung bevor. Die von der Ausländerbehörde vorgeschobene Begründung, die Yildirims seien nicht genug integriert und hätten mangelnde Sprachkenntnisse, ist absurd. Die drei Kinder der Familie wurden alle in Deutschland geboren, besuchten deutsche Kindergärten und Schulen und sprechen fließend deutsch. Auch die Eltern besuchen seit Jahren Deutschkurse und andere integrative Maßnahmen, haben viele deutsche Freunde und bemühen sich täglich um weitere Integration.

Die Familie Yildirim ist geradezu ein Musterbeispiel, wie ein Zusammenleben zwischen deutschen und ausländischen Nachbarn aussehen könnte. Die Beweggründe der Ausländerbehörde in Koblenz sind daher absolut nicht nachvollziehbar. Gerade wir Deutschen sollten uns in anbetracht unserer schlimmen Geschichte während der strikt an die Gebote der Menschlichkeit und der UN-Menschenrechtskonvention halten.

In Koblenz wurden diese Werte heute mit Füßen getreten und mich beherrscht neben der Empörung über die Vorgänge vor allem auch Scham, wie sorglos in Deutschland mit dem Leben von politisch Verfolgten umgegangen wird. Jede Abschiebung, die auch nur im Entferntesten dazu führen könnte, dass Menschen gefährdet werden, ist zu unterlassen. Im Fall Yildirim dagegen kann als sicher gelten, dass die Familie weiteren Repressionen ausgesetzt wird. Deshalb protestiere ich auf das Schärfste gegen die Durchführung der Abschiebung."

31. Oktober 2006

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Ergänzungen

Vielleicht

samuel 02.11.2006 - 17:15
* Stolpersteine für abgeschobene Kinder (deportierte Juden)

vielleicht sollte mensch unter umständen darüber nachdenken aus respekt gegenüber den jüdischen deportationsopfer sich hier eine andere plattform des protestes zu suchen.
so grausam und inhuman das vorgehen der behörden auch ist , der schrecken dem mit den stolpersteinen gedacht wird ist nichts gleichzusetzten.
von daher :
die anderen ideen sind sicherlich nicht schlecht nur auf die stolpersteine sollte wirklich verzichtet werden.