SWM Magdeburg - Eine Erfolgstory

Emanuel Walter 28.10.2006 17:05 Themen: Bildung Freiräume Globalisierung Print
Heute wollen wir mal über ein Unternehmen berichten, welches sich in einer ansonsten eher wirtschaftsschwachen Region an den „goldenen Nebenerscheinungen“ des Kapitalismus berauscht. Ein Unternehmen, welches aufgrund Städtischer Klüngeleien einen Marktvorteil erschuf und welches ihn nun unweigerlich ausspielt.
Die Rede dabei ist von den Städtischen Werken Magdeburg (SWM) deren Marktstrategen sogar so pfiffig waren, das Magdeburg zu doppeln. Der richtige Name lautet demnach Städtische Werke Magdeburg (SWM) Magdeburg, dies aber nur am Rande.

Eine Erfolgsstory, welche im Jahre 1993 ihren Lauf nahm und bis heute den Eindruck erweckt, der Osten blüht wirklich auf. Die Realität sieht wiederum anders aus. Während an allen Ecken und Kanten gespart wird, die „Gürtel-Enger-Schnallen“-Parole das tägliche Leben der Einwohner prägt, hat sich eben jenes Unternehmen einen Nieschenplatz gesichert und weiß diesen auch auszunutzen.

Wer steckt dahinter?

Hinter der SWM Magdeburg stecken 3 Anteilseigner, welche sich den Kuchen wie folgt aufteilen: 54 % die Stadt Magdeburg, 26,67 % die E.ON Avacon AG Hannover und weitere 19,33 % die Gelsenwasser AG.
Im Aufsichtsrat hat unser OB Lutz Trümper den Vorsitz, dass dies jedoch nicht zu heißen vermag, wird im Laufe der Doku deutlich.

Ansonsten ist die SWM Anteilseignerin bei folgenden weiteren Firmen:

WGS Wasser-Gas-Service GmbH, Magdeburg zu 100,00 %
Abwassergesellschaft Magdeburg mbH, Magdeburg zu 100,00 %
Trinkwasserversorgung Magdeburg GmbH, Magdeburg zu 29,80 %
MDCC Magdeburg-City-Com GmbH, Magdeburg zu 49,00 %
Müllheizkraftwerk Rothensee GmbH, Magdeburg zu 49,00 %
Stadtwerke-Altmärkische Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke GmbH Stendal, Stendal zu 37,45 %
HSN Magdeburg GmbH, Magdeburg zu 25,10 %
Magdeburger Gas- und Wasserzähler GmbH, Magdeburg zu 24,90 %
Magdeburger Hafen GmbH, Magdeburg zu 10,00 %

Und auch die Bilanz der letzten 5 Jahre kann sich sehen lassen. 27 Millionen Gewinn im Jahre 2005, 20 Millionen im Jahre 2004, 13 Millionen im Jahre 2003, 2002 waren es immerhin noch 14 Millionen und 2001 nur 11 Millionen. Das macht in diesem Zeitraum ein Gewinn in Höhe von 85 Millionen Euro. Hinzu darf man noch die 76 Millionen Euro Rückstellungen rechnen, welche Jahr für Jahr den Gewinn schmälern, ohne dass sie im Berichtzeitraum ausgegeben wurden (  http://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalr%C3%BCcklage ). Zeitgleich reduzierten sich die Angestelltenverhältnisse von im Jahre 2001 804 Mitarbeitern auf 2005 nur noch 714 Angestellte, ein Rückgang von immerhin 12 %.

Doch damit nicht genug: Die Investitionssumme des Unternehmens im Jahre 2005 belief sich auf sage und schreibe 125 Millionen Euro. Dabei gingen 11 Millionen für Strom, 2 Millionen für Gas, 4 Millionen für Wasser und 2 Millionen für Wärme ausgab, konnten die sonstigen „Investitionen“ einen Löwenanteil von 105 Millionen ausmachen. In den Vorjahren pegelte sich die Investitionssumme um die 15 Millionen ein, der Anstieg beträgt also 700 %. Diese Investitionen (  http://de.wikipedia.org/wiki/Investition ) haben dann den Vorteil, dass diese in den Folgejahren wiederum abgeschrieben werden können und somit den Gewinn erneut schmälern. Die Abschreibungen des Unternehmens beliefen sich im Jahr 2005 auf insgesamt 26 Millionen. Abschreibungen sind theoretische Wertverluste, welche Jahr für Jahr ein einem Investitionsgut entzogen werden.  http://de.wikipedia.org/wiki/Abschreibung

Doch woher das Geld?

Ein großer Anteil wird zweifelsohne aus den Klüngeleien innerhalb der Stadt erwirtschaftet. Städtische Unternehmen werden, genauso wie Vereine und Tochterfirmen oder Mittelständige Unternehmen ihren Strom bei der SWM beziehen, a) aus Angst vor Stellungsverlust und b) aus eventuellen Folgen. Dazu kommen „Lokalpatriotische Anbandlungen“ und das „stetige Engagement“ der SWM für Ihre „Firmen-Kunden“. Ob die Städtischen Verkehrsbetriebe, Museen, Messegesellschaft, Sporthallen oder Sportplätze die SWM hat ein „festen Kundenstamm“. Hinzu kommen die weiteren Verwicklungen. So ist das Tochterunternehmen MDDC ein Ausstatter vieler Wobau Wohnungen (Städtisches Wohnungsbauunternehmen) in Sachen Internet, Telefon und Fernsehn. Und auch die Magdeburger Verkehrsbetriebe erhöhen die Preise stets wegen gestiegener Energiekosten. Das nun ausgerechnet die SWM Energielieferant ist, scheint nahezu offensichtlich.

Und der Privatkunde?

Aufgrund dieser vielen Nebentätigkeiten ist der Privatkunde mittlerweile als lästiges Anhängsel avanciert, welcher sich Schikanen jeglicher Form ausgeliefert sieht. Dies beginnt schon bei der ersten Rechnungsstellung. Nach Anmeldung bei den SWM wird der Privatkunde erstmal in den teuersten Tarif eingeordnet, wer sich nicht kümmert ist halt selber schuld. Dann wird Ihm eine Schreiben formal zugestellt, worin der Kunde die Zahlungsintervalle mitgeteilt bekommt. In einer Stadt, wo der Arbeitlosenanteil beinahezu 20 % beträgt und die Leute ihr Mini-Gehalt direkt beim SWM Nachbar „Job AG“ beziehen, macht es sich natürlich besonders, den Zahlungsintervall auf den 23. eines Monats zu legen. Das sind dann aber schonmal 20 Prozent, die rein theoretisch erst zu spät überweisen, da sie ihr Gehalt erst am Ersten eines Monats bekommen. Hinzu kommt, dass wenn der Brief nicht zugestellt wurde, der Nutzer für den entstandenen Schaden auf zu kommen hat.

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Dazu ein Tatsachenbericht einer uns bekannten Person:

Es war ein Sommernachmittag als ich nach Hause kam und mir meine Nachbarin offenbarte, dass ein Herr der Städtischen Werke mir den Strom abstellen wollte. Aufgrund der Unerklärlichkeit, habe ich doch einen Dauerauftrag eingerichtet der stets pünktlich abgebucht wurden war, fuhr ich zum Servicecenter. Mir wurde dort erklärt, dass ich Außenstände in Höhe von 125 Euro hätte und wenn ich diese nicht sofort bezahlen würde, würde der Strom morgen abgestellt. Wie es dazu kam, wurde nach dem Ausdruck des „Nutzerkontos“ sichtbar. Aufgrund der Überweisung der Kohle immer am 1. statt am 23. oder 25. wurde eine Mahngebühr von 5 Euro aufgeschlagen. Und achso, da war ja was. Regelmäßig am 5. eines Monats flatterte ein Brief ins Haus, wo es hieß 5 Euro müssen berechnet werden da keine Zahlung erfolgte. Da zu dem Zeitpunkt die Zahlung bereits erfolgte, dachte ich es wäre erledigt und auch die nächsten Mahnungen ließen keinen anderen Entschluss zu. Die geforderte Summe war jeden Monat 5 Euro plus den Abschlag, wurde jedoch nie mehr, was jedoch nach Adam Riese hätte so sein müssen denn 5 Euro zahlte ich nie. So ging dies also nen Jahr und dann kam dieser Herr in Blau. Nach einigem Theater wurde dann die Chefin der Serviceleistung hinzu geholt, diese strotzte dann aber vor Aroganz. Mit den Worten was soll ich denn für sie tun, wenn sie nicht in der Lage sind, richtig zu überweisen, wurde die Schuld direkt mir zugeschoben. Auf mein Intervenieren, dass ich die geforderte Summe, da ich ALG II Hilfe Empfänger bin, nicht sofort zahlen könne, kam es dann zur absoluten Dreistigkeit. Eine Ratenzahlung wurde verweigert und man hatte die Frage, ob ich nicht zur Hausbank gehen könne um mir einen kurzfristigen Kredit geben zu lassen. Wie nah diese Frau scheinbar an der Realität ist, ist offentsichtlich.

Auch wird augenscheinlich, und wir erinnern uns, ich hatte meine empfangenen Leistungen bezahlt nur die Mahnkosten eben nicht, auf meine Kundschaft verzichtet, denn die Worte, wenn es Ihnen nicht passt gehen sie doch zu einem anderen Anbieter, lassen wohl keinen anderen Entschluss zu.

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Zu sagen bleibt, dass Strom abstellen bei der SWM insgesamt 125 Euro kostet. 35 Euro für den Herr in Blau da er angeblich das Geld auch eintreibt, dann 45 Euro dafür das er dann das Stromkabel zersägt und nochmal 45 Euro dafür, es wieder zusammen zu basteln. Aber auch andere Eigenartigkeiten zählen zur Geschäftspraxis der SWM. Wer wie im ober genannten Fall dazu gezwungen ist, das Geld sofort zu zahlen, muss zwangsläufig auf eine Überweisung verzichten, da diese meist ja bekanntlich Tage dauert. Sich dessem bewusst hat die SWM einen Bareinzahlungsschalter bei dem einen dann gleich nochmal ne Gebühr von 1,50 für die Entgegennahme berechnet wird.

Doch auch dies ist noch nicht alles. Es häufen sich die Fälle, wo Personen davon berichten, dass eine Ratenzahlung von der SWM kategorisch abgelehnt wird. Personen die also durch nicht selbstverschuldete Rückstände, Beispielsweise kurzfristige Sperrung des ALG oder Nichtzahlung durch den Arbeitgeber, haben demnächst wohl schlechte Karten den Abend nicht bei Kerzenschein verbringen zu müssen.

Aber auch die Androhung und Ausführung von Stromsperren bei Geringschulden scheint kein Einzelfall zu sein. Uns liegt ein Brief vor, wo die SWM den Strom sperren möchte wegen eines Außenstandes in Höhe von 5 Euro und nen paar Cent. Ein Fall von Wucher anlässlich der geforderten Summe und der damit entstehenden Kosten?

Aber den SMW und das haben wir heute ja gelernt, geht es ja so schlecht, da muss natürlich jedes noch so „hart erscheinende Mittel“ eingesetzt werden um den Straftäter zu belehren.

Und sollte die SWM mal kein Recht haben, ist es für alle Nutzer ratsam den Betrag trotzdem zu bezahlen, denn ein Widerspruch schreibt sich ohne Strom eher schlecht.

Quellen:
 http://www.sw-magdeburg.de/gb_2005_zuf.pdf
 http://www.sw-magdeburg.de/swm_geschaeftsbericht_2005.pdf
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Ergänzungen

sw-magdeburg

Dein Name 28.10.2006 - 18:08
Die Einleitungspolemik beseite gelegt ist dies ein recht guter Bericht über das vorgehen kommunaler Stromanbieter, nicht nur in Magdeburg. Wie gesagt, nicht nur in Magdeburg. Agieren doch andere Stromanbieter, welche in kommunalem Besitz sind ähnlich, wenn nicht noch extremer.
Aber was bringt nun dieser Artikel bei Indymedia? Wird sich die Geschäftspolitik der SWM dadurch ändern, nein wohl kaum, weil keiner den Mut hat dies in der Stadt Magdeburg (oder Stadt/Kreis xy) zu thematisieren, auch nicht die Betroffenen.

Noch einige Punkte zum ersten Abschnitt:
Natürlich beziehen kommunale Unternehmen und Einrichtungen ihren Strom von des SWM, da ja auch die Stadt an dieser beteiligt ist. Der Stadt steht es natürlich frei andere Anbieter zu nehmen, vielleicht einer der zukünftigen Gazprom-Beteiligungen, aber nur im ersten Fall fließt ein Teil des Geldes, in welcher Form auch immer, an die Stadt zurück.
Der City-Carrier MDCC www.mdcc.de ist eine Gründung von kommunaler Wohnungsbaugesellschaft Wobau (auch wenn diese Mitlerweile ihre Beteiligung verkauft hat) und SWM, genau aus diesem Grund sind die Mehrtheit der Wobau Häuser, und die einiger Genossenschaften, durch die MDCC versorgt. Und ich muss sagen, ich bin froh, das meine Genossenschaft sich für diese entschieden hat. Zur Zeit bezahle ich für TV, Telefon und Internet nicht mal 50,00 €, zu Telekom Zeiten waren es weit über 100.

SW Magdeburg

ein Freund 01.11.2006 - 15:25
Aber hast du auch mal den anderen Aspekt dieses Unternehmens beleuchtet, denn schließlich sichert er 714 Menschen den Arbeitsplatz und das in diesem Land, wo die Arbeitslosigkeit, wie du schon so schön erwähntest, bei 20% liegt.

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