Nazis im Würzburger Umland aktiv
Die unterfränkische Naziszene mobilisiert für kommenden Samstag, den 28.10.2006 zu einer Kundgebung nach Ochsenfurt. Der Anführer der Nazikameradschaft Main-Spessart, Matthias Bauerfeind aus Karlstadt, hat die Veranstaltung in der südlich von Würzburg gelegenen Kleinstadt vorbereitet. Die Gruppe rund um Bauerfeind gehört zu einer unterfrankenweiten rechten Kameradschaftsstruktur, deren Mitgliederzahl zwar bisher überschaubar geblieben ist, deren Aktivitäten jedoch anhaltend anwachsen.
Die Ochsenfurter Stadtverwaltung vermochte bisher keine genaueren Angaben zu der Kundgebung zu machen, auch eine Anmeldung läge der Behörde bisher nicht vor. Man werde sich jedoch um die Angelegenheit kümmern, hieß es aus der Verwaltung. Ochsenfurt liegt im südlichen Maindreieck in Unterfranken zwischen Würzburg und Kitzingen, wird von Peter Wesselowsky (SPD) regiert und zählt etwa 12.000 Einwohner.
Die Naziszene in Unterfranken arbeitet weitgehend informell. Sie besteht aus der Kameradschaftsszene, Naziversandläden, Internetpräsenzen und der faschistischen NPD. Zudem organisiert sich der braune Sumpf in einer Art fränkischen Landsmannschaft und arbeitet vornehmlich im Hinterland. Einer der jüngeren Funktionäre in diesem Verbund ist der genannte Matthias Bauerfeind. Der kahlgeschorene Karlstädter organisiert die Arbeit der Nazikameradschaft im Landkreis Main-Spessart. Selbstverständnis seiner Bande ist das Eintreten für eine nationale deutsche Gesinnung. Bauerfeind plappert von einer „volkszerstörenden Multi-Kulti Gesellschaft, die das deutsche Volk vernichten wird“.
Die Hatecore-Crew um Jens Rüttiger aus Hohenroth im Landkreis Rhön-Grabfeld ist weiterer Bestandteil einer lose vernetzten Kooperation der Szene. Rüttiger hält den Kontakt zu regionalen NPD Kreisen. Rüttiger und Bauerfeind sind Nachwuchsnazis, die die beiden prominenteren NPD Aufrührer Uwe Meenen und Florian Fuchs sich zunutze machen, um Zugang zu der rechten Subkultur unter Jugendlichen zu erreichen. Mittlerweile betreibt die Szene mehrere lokale Internetpräsenzen. Der harte Kern der Naziszene in ganz Unterfranken umfasst bestenfalls zwanzig fortwährend Aktive. Daher wird das braune Pack einen Mobilisierungserfolg bejubeln, wenn am Samstag mehr als zwanzig Nazis nach Ochsenfurt kommen werden.
Unterfrankens Nazis waren am 14. Oktober in Nürnberg an der verhinderten Naziveranstaltung beteiligt. Das Foto zeigt Mitglieder der unterfränkischen Naziszene. Mit im Bild ist der kahlgeschorene Matthias Bauerfeind. Das die Nazis nun Ochsenfurt als einen Ort ihrer Aktivitäten aussuchen hat gewissermaßen Kalkül. Bereits im vergangenen Jahr erzielten die rechten Schergen in Lohr am Main öffentliche Beachtung. Damals nahmen die Nazis die Arbeit im örtlichen Jugendzentrum zum Anlass, Durcheinander zu stiften. Mit verherrlichenden Informationen über den Naziverbrecher Rudolf Hess, nervte die rechte Bande die Bevölkerung von Lohr. Vorwiegend Jugendliche wehrten sich damals gegen die revisionistische Propaganda. Am Samstag erhofft sich das braune Gesindel Aufmerksamkeit aus der Bevölkerung, weil Ochsenfurt gegenwärtig eine öffentliche Debatte um Gewalt unter Jugendlichen führt. Betont sanftmütig zeigen sich die sonst wenig zimperlichen rechten Schläger: Sie rufen die Teilnehmer nämlich vorsorglich dazu auf, auf die Verherrlichung von Gewalt in Ochsenfurt zu verzichten.
Die Naziszene in Unterfranken arbeitet weitgehend informell. Sie besteht aus der Kameradschaftsszene, Naziversandläden, Internetpräsenzen und der faschistischen NPD. Zudem organisiert sich der braune Sumpf in einer Art fränkischen Landsmannschaft und arbeitet vornehmlich im Hinterland. Einer der jüngeren Funktionäre in diesem Verbund ist der genannte Matthias Bauerfeind. Der kahlgeschorene Karlstädter organisiert die Arbeit der Nazikameradschaft im Landkreis Main-Spessart. Selbstverständnis seiner Bande ist das Eintreten für eine nationale deutsche Gesinnung. Bauerfeind plappert von einer „volkszerstörenden Multi-Kulti Gesellschaft, die das deutsche Volk vernichten wird“.
Die Hatecore-Crew um Jens Rüttiger aus Hohenroth im Landkreis Rhön-Grabfeld ist weiterer Bestandteil einer lose vernetzten Kooperation der Szene. Rüttiger hält den Kontakt zu regionalen NPD Kreisen. Rüttiger und Bauerfeind sind Nachwuchsnazis, die die beiden prominenteren NPD Aufrührer Uwe Meenen und Florian Fuchs sich zunutze machen, um Zugang zu der rechten Subkultur unter Jugendlichen zu erreichen. Mittlerweile betreibt die Szene mehrere lokale Internetpräsenzen. Der harte Kern der Naziszene in ganz Unterfranken umfasst bestenfalls zwanzig fortwährend Aktive. Daher wird das braune Pack einen Mobilisierungserfolg bejubeln, wenn am Samstag mehr als zwanzig Nazis nach Ochsenfurt kommen werden.
Unterfrankens Nazis waren am 14. Oktober in Nürnberg an der verhinderten Naziveranstaltung beteiligt. Das Foto zeigt Mitglieder der unterfränkischen Naziszene. Mit im Bild ist der kahlgeschorene Matthias Bauerfeind. Das die Nazis nun Ochsenfurt als einen Ort ihrer Aktivitäten aussuchen hat gewissermaßen Kalkül. Bereits im vergangenen Jahr erzielten die rechten Schergen in Lohr am Main öffentliche Beachtung. Damals nahmen die Nazis die Arbeit im örtlichen Jugendzentrum zum Anlass, Durcheinander zu stiften. Mit verherrlichenden Informationen über den Naziverbrecher Rudolf Hess, nervte die rechte Bande die Bevölkerung von Lohr. Vorwiegend Jugendliche wehrten sich damals gegen die revisionistische Propaganda. Am Samstag erhofft sich das braune Gesindel Aufmerksamkeit aus der Bevölkerung, weil Ochsenfurt gegenwärtig eine öffentliche Debatte um Gewalt unter Jugendlichen führt. Betont sanftmütig zeigen sich die sonst wenig zimperlichen rechten Schläger: Sie rufen die Teilnehmer nämlich vorsorglich dazu auf, auf die Verherrlichung von Gewalt in Ochsenfurt zu verzichten.
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Ergänzungen
artikel ok!
Treffpunkt der Nazis ist zwischen 14 Uhr und 14:30 Uhr der Bahnhof in Ochsenfurt!
bauerfeind
gegendemo
Gefundenes Fressen für Neonazis
Ochsenfurt Die Stadt Ochsenfurt ist ein sozialer Brennpunkt und hat Probleme mit gewaltbereiten Jugendlichen. Jetzt versucht offenbar die Neonazi-Szene mit einer "Mahnwache gegen Gewalt und Multikultiterror" vor dem Rathaus am Samstag um 15 Uhr aus der Situation Kapital zu schlagen.
Am Montagabend ging per E-Mail im Rathaus der Antrag ein, "eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel" abhalten zu dürfen. Antragsteller ist Matthias Bauerfeind aus Himmelstadt. Er gilt als einer der führenden Köpfe in der rechtsextremen Szene von Unterfranken. Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz bezeichnet ihn nach Angaben von Sprecher Robert Bihler als Anführer der "Neonazistischen Kameradschaft Main-Spessart".
Diese Gruppe habe "eine gewisse Nähe zur NPD" und stehe unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, so Bihler. Offiziell hat Bauerfeind den Antrag als Privatperson gestellt. Doch geht man auch im Rathaus und bei der Polizei davon aus, dass es ein von Neonazis gesteuertes Treffen wird.
Bürgermeister Peter Wesselowsky (SPD) hat reagiert und zu einer Gegendemonstration am Samstag um 11 Uhr auf den Kirchplatz eingeladen. "Braune Umtriebe versuchen (. . . ) mit einer ,Mahnwache gegen Multikultiterror', auch in unserer Stadt Fuß zu fassen", schreibt Wesselowsky in seinem Aufruf. Intoleranz und menschenverachtenden Handlungen müsse schon in den Anfängen begegnet werden.
Dem Landratsamt wurden 100 Teilnehmer der Gegendemonstration angekündigt. Die Behörde habe darauf gedrungen, dass die Demonstrationen zeitlich versetzt stattfinden, sagt der zuständige Jurist Martin Kraus. Das Landratsamt folgt damit einem Rat der Polizei.
Rechtliche Möglichkeiten, die Neonazi-Veranstaltung zu verbieten, hat die Kreisverwaltung nach Auskunft des Juristen nicht. Nach dem Versammlungsrecht müsste die Polizei sogar die Durchführung ermöglichen und die Rechten vor Gegendemonstranten schützen.
Kraus' Sorge ist, dass die Ausländerhetze durch Aktionen linker, antifaschistischer Gruppen zusätzliche Aufmerksamkeit erfährt. Einen entsprechenden Aufruf gibt es bislang aber offenbar nicht, wenngleich die Nachricht von dem rechtsextremen Treffen in Internet-Gesprächsforen (Chats) umgeht wie ein Lauffeuer. Aber auch für die Rechtsextremisten ist das Internet eine willkommene Plattform für die Verbreitung ihrer Propaganda. So veröffentlicht der Internet-Auftritt der NPD-nahen "Hatecore-Crew Mainfranken" eine seitenlange Begründung über das geplante Treffen in Ochsenfurt und nimmt dabei Bezug auf Berichte über Jugendgewalt in den vergangenen Monaten in Ochsenfurt.
Nach Informationen der MAIN-POST wird der Internet-Auftritt der "Hatecore-Crew" von Jens Rüttiger betreut, dem Vorsitzenden des im Dezember 2005 gegründeten NPD-Kreisverbandes Rhön-Grabfeld. So professionell die Internet-Seiten gestaltet sind, so bürgerlich kommen auf den ersten Blick die Inhalte daher.
Dass die Neonazi-Szene ihr Schläger- und Glatzkopf-Image ablegt und stattdessen zunehmend in biederem Gewand auftritt, hat auch der bayerische Verfassungsschutz zur Kenntnis genommen. Laut Verfassungsschutzbericht formieren sich Neonazis nach dem Verbot zahlreicher rechtsextremistischer Organisationen bevorzugt in so genannten Kameradschaften und firmieren unter Bezeichnungen wie "Nationaler Widerstand" oder "Freier Widerstand". Die Ankündigung für das Treffen in Ochsenfurt verweist auf eine Gruppe namens "Freier Widerstand MSP" Nach der Schließung ihrer Treffs in Lohr ("Schlosscafé") und Aschaffenburg ("Wikinger") fehlt den Rechtsextremen in Unterfranken offenbar seit Monaten ein Anlaufpunkt.
Zuletzt fielen sie unter anderem im April 2005 in Würzburg auf, als vier Neonazis einen Punker verletzten. Wenige Tage zuvor hatte die Polizei nach Angaben des Verfassungsschutzes in Gerolzhofen die Wohnung zweier Rechtsextremisten durchsucht und dabei eine Hakenkreuzfahne gefunden.
Es tue ihm "absolut weh", dass die Stadt nun wegen des Treffens am Samstag erneut in negative Schlagzeilen gerate, sagte Bürgermeister Wesselowsky. An der von ihm initiierten Gegenveranstaltung könne er am Samstag allerdings ebenso wenig anwesend sein, wie der Großteil der Ochsenfurter SPD-Stadträte. Die Parteimitglieder sind auf einer schon vor langem geplanten Reise nach Breslau. Mitmachen wollen aber auf jeden Fall die Vertreter der beiden Amtskirchen.
Mainpost vom 26.10.(abends)
OCHSENFURT Die Bürger der Stadt sind empört über den Versuch von Neonazis, aus der Diskussion über Probleme mit jugendlicher Gewalt Kapital zu schlagen. "Gebt Nazis keine Chance" fordert ein Aushang vor den Schulen. Jugendliche am Gymnasiums Marktbreit haben eine Resolution verfasst, sogar der Ausländerbeirat in Würzburg ruft zur Teilnahme an einer Gegendemonstration auf.
Unter Ochsenfurter Jugendlichen kursiert der Aufruf, die Rechtsextremisten, die sich am Samstag um 15 Uhr vor dem Rathaus zu einer "Mahnwache gegen Multikultiterror" versammeln wollen, schon am Bahnhof ab zu passen. "Wir zeigen, dass die in Ochsenfurt nichts verloren haben", sagt eine 16-Jährige, die die Aktion mit unterstützt.
Polizei und Sicherheitsbehörden wollen ein direktes Aufeinandertreffen von Rechten und Gegendemonstranten vermeiden. Bürgermeister Peter Wesselowsky hat deshalb bereits um 11 Uhr am Kirchplatz zum Protest gegen Rechts aufgerufen. Eine zunächst geplante Reise nach Breslau hat der Bürgermeister deshalb verschoben.
Vertreter der Kirchen sind dabei, der Kreisjugendring, der "Integrationsverein Perspektive" und der Ausländerbeirat der Stadt Würzburg, rufen zur Teilnahme auf. "Ich fühle mich auch dafür verantwortlich, wie es vor unserer Haustüre aussieht" sagt dessen Vorsitzender Antonino Pecoraro. "Wir arbeiten für Integrationen und wir lassen das nicht von den Neonazis kaputt machen."
"Wir arbeiten für Integration und lassen das nicht von den Neonazis kaputt machen."
Antonino Pecoraro Vorsitzender des Ausländerbeirats der Stadt Würzburg
Am Gymnasium in Marktbreit durfte die Schülermitverwaltung mit Zustimmung der Schulleitung einen Aufruf verbreiten, berichtet stellvertretende Schülersprecherin Lea Reinhard. "Der Nährboden für Rechtsextremismus ist unter anderem deshalb so furchtbar, weil es im Alltag oft an klarer Distanzierung gegenüber Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt mangelt, heißt es im Flugblatt der Schüler.
Hinter der rechten "Mahnwache gegen Multikultiterror" steckt Matthias Bauerfeind aus Himmelstadt, ein dem Verfassungsschutz bekannter Rädelsführer der Neonazi-Szene. Er gilt als Kopf der Gruppe "Freier Widerstand MSP" und soll enge Verbindung zur gewaltbereiten ehemaligen "Kameradschaft München" unterhalten.
In seinem Aufruf im Internet gibt sich Bauerfeind allerdings betont bieder. Gewalttaten unter Jugendlichen, wie sie in den vergangenen Monaten in Ochsenfurt bekannt wurden, bringt er ganz automatisch mit Ausländern in Verbindung und zieht daraus subtile, ausländerfeindliche Schlüsse. Dass sich die Vorgänge in Ochsenfurt keiner Gruppe und keiner Nationalität zuordnen lassen, und sowohl unter den Tätern wie den Opfern Deutsche sind, nimmt die rechte Szene nicht zur Kenntnis.
"Das ist typisch", sagt Andreas Brandl, Sprecher einer antifaschistischen Gruppe in Würzburg. Den harten Kern der unterfränkischen Neonazi-Szene schätzt Brandl auf 20 bis 50 Leute. Und denen sei jeder Anlass recht, um sich in Szene zu setzen und dadurch neue Sympathisanten zu gewinnen.
Brandl schätzt Bauerfeind als ehrgeizigen Emporkömmling ein, der sich durch Aktionen wie in Ochsenfurt in der Neonazis-Szene zu profilieren sucht. Überbewerten sollte man ihn nicht. Die Rechten hätten es nämlich gezielt darauf abgesehen, durch Gegenprotest noch stärker ins Rampenlicht gerückt zu werden.
Dass sich in Ochsenfurt die Menschen versammeln und unter Jugendlichen sogar geworben wird, die Rechtsextremisten am Bahnhof in Empfang zu nehmen, begrüßt der Antifa-Aktivist aber ausdrücklich. "Man muss den Nazis offen ins Gesicht sagen, dass sie nicht erwünscht sind, aber alles im gebotenen Rahmen und ohne sie dadurch aufzuwerten".
Die Polizei hat sich vorbereitet, und wird mit "einer angemessenen Zahl von Beamten" vor Ort sein, sagt ihr Sprecher Heinz Henneberger. Abseits der offiziellen Schauplätze sei man darauf vorbereitet, frühzeitig einzugreifen.
Von unserem Redaktionsmitglied GERHARD MEISSNER
Am Samstag: Raus gegen Nazis!
mainpost vom 27.10. (abends
OCHSENFURT Die von Neonazis angekündigte "Mahnwache gegen Multikultiterror" am Samstag um 15 Uhr vor dem Rathaus hing am Freitag wie ein Menetekel, eine Unheil verkündende Warnung über der Stadt. Wird es gelingen, den Rechtsextremisten zu zeigen, dass sie in Ochsenfurt nichts verloren haben? Wird alles friedlich bleiben?
Nach Auskunft aus dem Landratsamt fand am Donnerstagnachmittag ein "Kooperationsgespräch" mit der Polizei und dem Veranstalter der "Mahnwache" statt, dem den Verfassungsschützern als Neonazi bekannten Matthias Bauerfeind aus Himmelstadt. Darin seien Maßnahmen und Auflagen besprochen worden, um einen ruhigen Verlauf der Veranstaltung sicherzustellen und Straftaten vorzubeugen, sagt der zuständige Jurist Martin Kraus.
"Wir können die Neonazis nicht übersehen, aber man kann ihnen zeigen, dass sie nicht beachtet werden."
Peter Wesselowsky Bürgermeister
Eine rechtliche Handhabe zum generellen Verbot der Veranstaltung fehlt der Behörde. Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit schützt auch die, die den Staat kritisieren. "Das ist das Wesen einer Demokratie", sagt Kraus. "Wir haben lange überlegt, ob wir die Veranstaltung verbieten können", ergänzt Bernhard Mader vom Amt für öffentliche Sicherheit, "solange die nichts Verfassungsfeindliches machen, kann man es nicht verbieten."
Das wirksamste Instrument der Behörden sind Auflagen. Sie sind eng gefasst. Verstöße geben der Polizei die Möglichkeit, die Mahnwache schnell abzublasen. "Die Einschreitschwelle ist extrem niedrig", sagt Polizeisprecher Heinz Henneberger.
Festgelegt ist beispielsweise, dass nur Fahnen mit den Bundesfarben schwarz-rot-gold, sowie in den bayerischen und den fränkischen Farben mitgeführt werden dürfen, die schwarz-weiß-rote Reichsflagge ist verboten.
Gegen diese Auflage habe der Veranstalter eine einstweilige Verfügung beim Verwaltungsgericht angekündigt, sagt Martin Kraus. Am Gericht ist bis gestern Nachmittag kein entsprechender Antrag eingegangen. Der Antragsteller selbst war bislang für die Redaktion nicht zu sprechen. Auf die per Anrufbeantworter hinterlegte Bitte hat Matthias Bauerfeind nicht geantwortet.
Derweil hat die Einladung zu der von Bürgermeister Peter Wesselowsky initiierten Gegenkundgebung weit über die Stadt hinaus Gehör gefunden. Neben dem Ausländerbeirat der Stadt Würzburg und dem Kreisjugendring haben sich auch kirchliche Jugendverbände dem Aufruf angeschlossen. Um 11 Uhr bereits beginnt die Kundgebung auf dem Kirchplatz.
Während kaum mehr als zwei, drei Dutzend Neonazis erwartet werden, dürfte die Gegenkundgebung deutlich größer ausfallen. Bürgermeister Peter Wesselowsky hofft auf eine eindrucksvolle Demonstration gegen Intoleranz und Menschenverachtung. Und darauf, dass die Rechtsextremisten später möglichst unter sich bleiben. "Wir können die Neonazis nicht übersehen, aber man kann ihnen zeigen, dass sie nicht beachtet werden", sagt Wesselowsky.
"Das ist aus Sicht der Polizei keine schlechte Strategie", meint Polizeisprecher Heinz Henneberger. Ob der fromme Wunsch in Erfüllung geht, bleibt die Frage. Unter den Ochsenfurter Jugendlichen kursieren die unterschiedlichsten Aufrufe, den Neonazis schon bei ihrer Anreise die Stirn zu bieten. Von faulem Obst ist in einem Flugblatt die Rede, mit dem man die braunen Kameraden empfangen will.
Die Polizei sei auch darauf eingerichtet, sagt Heinz Henneberger, mahnt aber zur Besonnenheit. Käme es zu solchen Attacken, müsste sich die Polizei schützend vor die Neonazis stellen - und das wäre dann ein Propaganda-Sieg, auf den es Neonazi Bauerfeind möglicherweise abgesehen hat.
Die Kundgebung gegen die Neo-
nazi-Mahnwache beginnt am
Samstag, 28. Oktober, um 11 Uhr
auf dem Kirchplatz in der Ochsen-
furter Altstadt. Beteiligt sind auch
Peter Wendel und Udo Hafner von
der Black Velvet Band. Durch die
Sperrung der Alten Mainbrücke
und der Straße nach Marktbreit ist
die Zufahrt nach Ochsenfurt er-
schwert. Parkplätze stehen unter
anderem am Main und entlang
der Südtangente zur Verfügung.
mainpost 27.10. abends
erät Ochsenfurt durch die
Neonazis tatsächlich schon
wieder in die negativen Schlag-
zeilen? Bürgermeister Peter Wesse-
lowsky hat dies befürchtet. Gottlob
scheint die Sorge unbegründet.
Die Resonanz auf die Einladung
des Bürgermeisters zur Gegenkund-
gebung verbreitet vielmehr die
positive Botschaft, dass die Och-
senfurter ihre Stadt nicht als Nähr-
boden für rechte Hetze hergeben.
Sie brauchen keine Glatzköpfe, die
ihnen sagen, dass die Integration
von Menschen verschiedener Her-
kunft eine schwierige Aufgabe ist,
die am besten gelingt, wenn viele
zusammenhelfen.
Sie lassen sich auch nicht täu-
schen von einer Handvoll rechts-
extremistischer Brandstifter, die
ihre dumpfen "Ausländer-Raus-
Parolen" gegen subtilere Argu-
mente eingetauscht haben, um als
Biedermänner dazustehen und da-
mit neue Schichten der Bevölke-
rung für sich zu erschließen.
Deshalb ist es auch gar nicht
nötig, den rechten Aufzug zu ver-
bieten. Soll man denen doch zei-
gen, wieviel Freiheit ihnen die
demokratische und tolerante Ge-
sellschaft gewährt, die sie so gerne
abschaffen wollen. Am Ende wer-
den die Neonazis als das dastehen
was sie sind, als armseliges Häuf-
chen ewig Gestriger.
Von Gerhard Meissner
nochmal lokalpresse
OCHSENFURT Die von Neonazis angekündigte "Mahnwache gegen Multikultiterror" am Samstag um 15 Uhr vor dem Rathaus hing am Freitag wie ein Menetekel, eine Unheil verkündende Warnung über der Stadt. Wird es gelingen, den Rechtsextremisten zu zeigen, dass sie in Ochsenfurt nichts verloren haben? Wird alles friedlich bleiben?
Nach Auskunft aus dem Landratsamt fand am Donnerstagnachmittag ein "Kooperationsgespräch" mit der Polizei und dem Veranstalter der "Mahnwache" statt, dem den Verfassungsschützern als Neonazi bekannten Matthias Bauerfeind aus Himmelstadt. Darin seien Maßnahmen und Auflagen besprochen worden, um einen ruhigen Verlauf der Veranstaltung sicherzustellen und Straftaten vorzubeugen, sagt der zuständige Jurist Martin Kraus.
"Wir können die Neonazis nicht übersehen, aber man kann ihnen zeigen, dass sie nicht beachtet werden."
Peter Wesselowsky Bürgermeister
Eine rechtliche Handhabe zum generellen Verbot der Veranstaltung fehlt der Behörde. Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit schützt auch die, die den Staat kritisieren. "Das ist das Wesen einer Demokratie", sagt Kraus. "Wir haben lange überlegt, ob wir die Veranstaltung verbieten können", ergänzt Bernhard Mader vom Amt für öffentliche Sicherheit, "solange die nichts Verfassungsfeindliches machen, kann man es nicht verbieten."
Das wirksamste Instrument der Behörden sind Auflagen. Sie sind eng gefasst. Verstöße geben der Polizei die Möglichkeit, die Mahnwache schnell abzublasen. "Die Einschreitschwelle ist extrem niedrig", sagt Polizeisprecher Heinz Henneberger.
Festgelegt ist beispielsweise, dass nur Fahnen mit den Bundesfarben schwarz-rot-gold, sowie in den bayerischen und den fränkischen Farben mitgeführt werden dürfen, die schwarz-weiß-rote Reichsflagge ist verboten.
Gegen diese Auflage habe der Veranstalter eine einstweilige Verfügung beim Verwaltungsgericht angekündigt, sagt Martin Kraus. Am Gericht ist bis gestern Nachmittag kein entsprechender Antrag eingegangen. Der Antragsteller selbst war bislang für die Redaktion nicht zu sprechen. Auf die per Anrufbeantworter hinterlegte Bitte hat Matthias Bauerfeind nicht geantwortet.
Derweil hat die Einladung zu der von Bürgermeister Peter Wesselowsky initiierten Gegenkundgebung weit über die Stadt hinaus Gehör gefunden. Neben dem Ausländerbeirat der Stadt Würzburg und dem Kreisjugendring haben sich auch kirchliche Jugendverbände dem Aufruf angeschlossen. Um 11 Uhr bereits beginnt die Kundgebung auf dem Kirchplatz.
Während kaum mehr als zwei, drei Dutzend Neonazis erwartet werden, dürfte die Gegenkundgebung deutlich größer ausfallen. Bürgermeister Peter Wesselowsky hofft auf eine eindrucksvolle Demonstration gegen Intoleranz und Menschenverachtung. Und darauf, dass die Rechtsextremisten später möglichst unter sich bleiben. "Wir können die Neonazis nicht übersehen, aber man kann ihnen zeigen, dass sie nicht beachtet werden", sagt Wesselowsky.
"Das ist aus Sicht der Polizei keine schlechte Strategie", meint Polizeisprecher Heinz Henneberger. Ob der fromme Wunsch in Erfüllung geht, bleibt die Frage. Unter den Ochsenfurter Jugendlichen kursieren die unterschiedlichsten Aufrufe, den Neonazis schon bei ihrer Anreise die Stirn zu bieten. Von faulem Obst ist in einem Flugblatt die Rede, mit dem man die braunen Kameraden empfangen will.
Die Polizei sei auch darauf eingerichtet, sagt Heinz Henneberger, mahnt aber zur Besonnenheit. Käme es zu solchen Attacken, müsste sich die Polizei schützend vor die Neonazis stellen - und das wäre dann ein Propaganda-Sieg, auf den es Neonazi Bauerfeind möglicherweise abgesehen hat.
Die Kundgebung gegen die Neo-Mahnwache beginnt am Samstag, 28. Oktober, um 11 Uhr auf dem Kirchplatz in der Ochsenfurter Altstadt. Beteiligt sind auch Peter Wendel und Udo Hafner von der Black Velvet Band. Durch die
Sperrung der Alten Mainbrücke und der Straße nach Marktbreit ist die Zufahrt nach Ochsenfurt erschwert. Parkplätze stehen unter anderem am Main und entlang der Südtangente zur Verfügung.
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