BSH-Berlin: Eskalation vor Urabstimmung
Nach Abbruch des Marsches der Solidarität: Auseinandersetzungen zwischen BSH Belegschaft und Gewerkschaftsvertreter vor Urabstimmung über Vereinbarung zur Standortsicherung.
GegenerInnen der Vereinbarung gewinnen gegen Ende der Diskussion die Oberhand. Dennoch ist der Ausgang der Urabstimmung noch ungewiss.
GegenerInnen der Vereinbarung gewinnen gegen Ende der Diskussion die Oberhand. Dennoch ist der Ausgang der Urabstimmung noch ungewiss.
Dienstag Nacht unterzeichneten die IG-Metall und der Betriebsrat der BSH eine Vereinbarung mit den ArbeitgeberInnen zur Standortsicherung des Bosch-Siemens-Haushaltsgerätewerks in Berlin.
Diese Vereinbarung beeinhaltet 20%ige Lohnkürzungen [Zusammengesetzt aus Wegfall und Kürzungen von Schichtzulage, Weihnachts- und Urlaubsgeld], die Entlassung von 216 Beschäftigten, die Zusicherung des Erhalts der restlichen Arbeitsplätze bis 2010 und den Verzicht auf Protestaktionen und Kundgebungen ausserhalb Berlins.
Der Marsch der Solidarität, dessen Endkundgebung eine Demonstration vor der Siemens-Bosch Zentrale in München sein sollte, wurde in folge dessen von der IG-Metall und den Betriebsräten abgesagt.
Heute morgen traf sich die Belegschaft um über die Vereinbarung zu diskutieren und eine Urabstimmung einzuleiten. Die Diskussion wurde von Vertretern der IG-Metall geleitet.
Bereits heute morgen war die Stimmung unter der Belegschaft angespannt. BefürworterInnen und GegnerInnen der Vereinbarung diskutierten heftig deren Für und Wider.
Die einzelnen Punkte der Vereinbarung wurden gegen 11 Uhr unter Leitung von fünf Personen der IG-Metall durchgesprochen. Bereits zu Beginn kam es dabei zu hitzigen Diskussionen, da die ArbeiterInnen von dem Schriftwerk verunsichert waren, genau nachfragten und zum Teil relativ unbefriedigende Antworten von Seiten der Gewerkschaft erhielten.
Die Situation eskalierte, als der Punkt 9 der Vereinbarung besprochen wurde. Dieser beinhaltet die Zustimmung zur Unterlassung von Protestaktionen und Kundgebungen ausserhalb Berlins. Ein wiederholter Marsch der Solidarität als Mittel des Protestes und des Austausches mit anderen ArbeiterInnen und Teilen der Bevölkerung, wäre somit hinfällig. Die Belegschaft fühlte sich von der IG-Metall betrogen, da sie den Marsch als ausschlaggebend für das Umschwenken der BSH-Leitung ansah. Auf die Frage, warum der Marsch von Seiten der IG-Metall kurz vor München gestoppt worden wäre, sagten die Vertreter der Gewerkschaft, dass dieser nur Mittel zum Zweck und kein Ziel an sich gewesen sei. Zudem hätten sie Informationen von anderen BSH-Werken in München erhalten, dass die ArbeiterInnen mit keinerlei Unterstützung zu rechnen hätten.
Aufgrund der positiven und solidarischen Erfahrungen mit anderen ArbeiterInnen und der Bevölkerung während des Marsches der Solidarität, konnte die Belegschaft dieser Aussage, die heftigste verbale Proteste hervor rief, nicht recht glauben schenken. Ein Mitglied des Betriebsrates entschuldigte sich sogar bei der gesamten Belegschaft der Beendigung des Marsches zugestimmt zu haben.
Die Besprechung der Vereinbarung endete darin, dass hinter den IG-Metall Vertretern ein Banner mit der Aufschrift "Sagt Nein!" aufgehängt wurde und die GegnerInnen der Übereinkunft die Oberhand gewannen. Schließlich standen im Zelt alle ArbeiterInnen auf und riefen lautstark klatschend und mit den Füßen stampfend zur Solidarität für ihren Kampf auf. [keine Übertreibung!]
Da es nicht sicher ist, ob die Gewerkschaft eine Fortführung des Streiks im Falle einer Ablehung der Vereinbarung bei der Urabstimmung unterstützen würde, kann eine breite Solidarität von anderen Gruppen oder Einzelpersonen entscheidend werden.
Diese Vereinbarung beeinhaltet 20%ige Lohnkürzungen [Zusammengesetzt aus Wegfall und Kürzungen von Schichtzulage, Weihnachts- und Urlaubsgeld], die Entlassung von 216 Beschäftigten, die Zusicherung des Erhalts der restlichen Arbeitsplätze bis 2010 und den Verzicht auf Protestaktionen und Kundgebungen ausserhalb Berlins.
Der Marsch der Solidarität, dessen Endkundgebung eine Demonstration vor der Siemens-Bosch Zentrale in München sein sollte, wurde in folge dessen von der IG-Metall und den Betriebsräten abgesagt.
Heute morgen traf sich die Belegschaft um über die Vereinbarung zu diskutieren und eine Urabstimmung einzuleiten. Die Diskussion wurde von Vertretern der IG-Metall geleitet.
Bereits heute morgen war die Stimmung unter der Belegschaft angespannt. BefürworterInnen und GegnerInnen der Vereinbarung diskutierten heftig deren Für und Wider.
Die einzelnen Punkte der Vereinbarung wurden gegen 11 Uhr unter Leitung von fünf Personen der IG-Metall durchgesprochen. Bereits zu Beginn kam es dabei zu hitzigen Diskussionen, da die ArbeiterInnen von dem Schriftwerk verunsichert waren, genau nachfragten und zum Teil relativ unbefriedigende Antworten von Seiten der Gewerkschaft erhielten.
Die Situation eskalierte, als der Punkt 9 der Vereinbarung besprochen wurde. Dieser beinhaltet die Zustimmung zur Unterlassung von Protestaktionen und Kundgebungen ausserhalb Berlins. Ein wiederholter Marsch der Solidarität als Mittel des Protestes und des Austausches mit anderen ArbeiterInnen und Teilen der Bevölkerung, wäre somit hinfällig. Die Belegschaft fühlte sich von der IG-Metall betrogen, da sie den Marsch als ausschlaggebend für das Umschwenken der BSH-Leitung ansah. Auf die Frage, warum der Marsch von Seiten der IG-Metall kurz vor München gestoppt worden wäre, sagten die Vertreter der Gewerkschaft, dass dieser nur Mittel zum Zweck und kein Ziel an sich gewesen sei. Zudem hätten sie Informationen von anderen BSH-Werken in München erhalten, dass die ArbeiterInnen mit keinerlei Unterstützung zu rechnen hätten.
Aufgrund der positiven und solidarischen Erfahrungen mit anderen ArbeiterInnen und der Bevölkerung während des Marsches der Solidarität, konnte die Belegschaft dieser Aussage, die heftigste verbale Proteste hervor rief, nicht recht glauben schenken. Ein Mitglied des Betriebsrates entschuldigte sich sogar bei der gesamten Belegschaft der Beendigung des Marsches zugestimmt zu haben.
Die Besprechung der Vereinbarung endete darin, dass hinter den IG-Metall Vertretern ein Banner mit der Aufschrift "Sagt Nein!" aufgehängt wurde und die GegnerInnen der Übereinkunft die Oberhand gewannen. Schließlich standen im Zelt alle ArbeiterInnen auf und riefen lautstark klatschend und mit den Füßen stampfend zur Solidarität für ihren Kampf auf. [keine Übertreibung!]
Da es nicht sicher ist, ob die Gewerkschaft eine Fortführung des Streiks im Falle einer Ablehung der Vereinbarung bei der Urabstimmung unterstützen würde, kann eine breite Solidarität von anderen Gruppen oder Einzelpersonen entscheidend werden.
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Subjektive Reflexion
Die ArbeiterInnen nehmen einen Bruch mit IG-Metall in Kauf, weil sie sich durch deren Vereinbarung verarscht und hintergangen fühlen. Das könnte bedeuten, dass, sollte sie die Gewerkschaft nicht in ihrem weiteren Vorgehen unterstützen, sie kein Streikgeld mehr bekommen, dass die politische Lobby wegfällt, dass sie damit ihre Arbeitsexistenz aufs Spiel setzten.
Die Frage ist nun wie die ArbeiterInnen ggf. unterstützt werden könnten. Alleine werden sie es bestimmt nicht schaffen die Verhandlungen fortzusetzten und den Streik währenddessen aufrecht zu erhalten.
Die Linke [,was auch immer dieser Ausdruck bedeutet] ist immer so fasziniert und angetan von den Werksbesetzungen in Argentinien und Mexiko, sehnt sich eine gesamtgesellschaftliche Bewegung gegen den Sozialabbau und den fortschreitenden Neoliberalismus herbei. Was vor der eigenen Haustür passiert, und dass dieses Geschehen das Potenzial in sich trägt weitreichend zu wirken, wird oftmals ignoriert.
Wer erlebt wie sehr sich die Menschen in dem BSH-Werk über gesamtgesellschaftliche Strukturen und Vorgänge bewusst ist, der sollte darüber nachdenken, welche Rolle eine weitergehende Unterstützung der Vorgänge im BSH-Berlin haben könnte. Wenn sich die einzelnen gesellschaftlichen Kämpfe nicht untereinander solidarisieren, die Betroffenen nicht miteinander kommunizieren, dann wird jede Form von Widerstand in der Vereinzelung absterben.
Darum: Verfolgt das Geschehen im BSH weiter, untersützt den Prozess [besonders, wenn sich die Gewerkschaften davon lossagen sollten], bietet eure Hilfe an. Was heute dort im Zelt geschehen ist war mehr als nur eine heftige Diskussion, es war ein Prozess der Emanzipation vom andauernden Hinnehmen und Runterschlucken. Eine Emanzipation, die gesamtgesellschaftlich zu wünschen wäre!
TRion
Kommt heute!
Wer hat da kalte Füße bekommen?
Ich vermute ganz was anderes: Da sich zumeist - insbesondere in Bayern - Unternehmen auf das staatliche Gewaltmonopol (u.a. die Polizei) verlassen kann, wurde meines Erachtens nach die Sabotage bereits an Keimformen von "französischen Verhältnissen" seitens der IG-Metall initiierte. Die Gewerkschaft hatte Angst, die Kontrolle über den Streik und die Solidarisierung zu verlieren. Z.B. begannen bereis die Kollegen des "Solidaritätsmarsches" damit, eigene Flugblätter zu machen und entfernten sich immer mehr von der IGM. Ihre eigenen Flugblätter wurden von den Arbeiter/innen anderer Städte gern angenommen und stießen auf große Resonanz, während viele die IG-Metall-Flugblätter ablehnten.
Die IG-Metall hat die zarte Pflanze der Solidarität brutal ausgetreten. Heute nachmittag wurde bekannt gegeben, dass bei BenQ 2.000 Leute rausgeschmissen werden sollen. Ein kritischer Kollege meinte dazu zu noch Anwesenden IG-Metallern: "Das passiert, wenn man die Belegschaften auseinanderdividiert, dann werden an allen Standorten Arbeiter/innen rausgeschmissen."
Die IG-Metall hat eine große Chance verspielt: Nämlich die Herzen der Arbeitenden zurückzugewinnen, wenn sie den Kampf der BSH-Belegschaft wirklich unterstützt hätte. Diese Gewerkschaftsapparatschiks scheinen so korrupt zu sein, daß diese ehemaligen Arbeiterorganisationen nicht mehr für Kämpfe zurückzugewinnen sind. Dies zumindest so lange, so lange die korrupte Führungsspitze nicht abgesetzt worden ist.
Eine soziale Bewegung der Arbeiter/innen und Prekarisierten (Billiglohn- und 1-Euro-Jobber) muss dies versuchen. Gehen wir also am Samstag, den 21. Oktober auf die vom DGB organisierten Demonstrationen und bringen wir unsere Kritik ein.
Wer hat uns verraten?
Die Sozialdemokraten!
Wem geht es nur sein eigenes Wohl und Weh?
Dem DGB!
Wer sabotierte Solidarität unter Siemenskonzernbeifall?
Die IG-Metall!
Wir kommen nicht darum herum, uns neu zu organisieren und zunächst eine Solidarität jenseits der Gewerkschaften aufzubauen.
Für eine neue Arbeiter/innenbewegung!
Konkretes würde ich gern mit engagierten Menschen im konkreten Dialog erörtern.
Aber niemand hält Euch davon ab, kritische Emails an die IG-Metall zu schicken. Fragt Euch Luis Sergio mal danach, ob er nach dieser Sabotage noch tanzen kann...
opel, gate gourmet, bsh
eine kämpferische basis von arbeitern und arbeiterinnen und eine gewerkschaft die darauf aus ist den kampf möglichst schnell unter kontrolle zu bringen und in den seit jahrzehnten eingeübten bahnen ausebben zu lassen.
über all das gleiche bild - die arbeiter und arbeiterinnen sind unzufrieden mit dieser situation und vollziehen mit blick auf "ihre" gewerkschaft die innere und äußere kündigung.
es bleibt zu hoffen das die kollegen und kolleginnen, mit und ohne job anfangen sich darauf zu besinnen, das sie selbst die gewerkschaft sind, d.h. das sie eine gewerkschaft bilden können. niemand muss im dgb und seinen einzelgewerkschaften organisiert sein. wir alle können gewerkschaften gründen!
warum das nötig ist?
der dgb ist nicht reformierbar, das haben die gewerkschaftslinken bewiesen. diese schar von aufrechten parteikommunisten und parteikommunistinnen (partei meint nicht unbedingt mitgliedschaft in mlpd, dkp, usw sondern oldschool) mühen sich schon viel zu lange innerhalb des dgb ab. die christlichen und anderen gelben gewerkschaften sind im dgb sogar noch das größere übel, und das will was heißen. nein - eine eigene gewerkschaft muss! im notfall eine gewerkschaft für alle (!) berufe.
wer selbst eine gewerkschaft aufbauen möchte soll mal nach iww oder wobblies und fau oder anarchosyndikalismus google'n.
man muss die ziele dieser beiden gewerkschaften nicht für durchfürbar halten, aber sie haben beide organisationsprinzipien die an zu schauen und zu diskutieren es absolut wert sind. beide geben auch ganz eigennützig hilfestellung bei der gründung einer eigenen gewerkschaft.