[audio] Protest gegen Geschichtsfälschung im Hygienemuseum
Der 11.10. ist der Eröffnungstag der Sonderausstellung "Tödliche Medizin" des Hygiene Museums Dresden. Diese Ausstellung wurde größtenteils vom US Holocaust Memorial Museum übernommen.
Bei der Eröffnung reden neben der Direktorin des amerikanischen Gedenkmuseums zum Holocaust auch der der Botschafter der USA, sowie Innenminister Schäuble und Ministerpräsident Milbradt in Dresden. Der Dissidentenfunk aus Berlin nennt die Hauptkritikpunkte an der Ausstellung und bringt dazu Ausschnitte aus einem Interview mit der Ausstellungsleiterin, Antje Uhlig.
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Ergänzungen
Psychiatrie heute
Demo zum Gedenktag der Psychiatrie-Toten
Link zur Ausstellung
"Tödliche Medizin"
aus Anlass der Ausstellung "Tödliche Medizin – Rassenwahn im Nationalsozialismus" in Dresden
Oktober 2006
von Dorothea S. Buck-Zerchin
____________________________
Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.
Ehrenvorsitzende
Dorothea S. Buck-Zerchin
Brummerskamp 4
22457 Hamburg
Hamburg, 9.10.06
Herrn Bundespräsident (persönlich)
Dr. Horst Köhler
Bundespräsidialamt
10557 Berlin
Sehr verehrter Herr Bundespräsident,
Sie sind Schirmherr der am 12. Oktober im Dresdener Deutschen
Hygiene-Museum eröffneten amerikanischen Ausstellung "Tödliche
Medizin – Rassenwahn im Nationalsozialismus". Darum richten wir unser
1992 gegründeter Bundesverband Psychiatrieerfahrener e.V. und 15
Landesverbände – diesen offenen Brief an Sie. Während in dieser
Ausstellung die psychiatrischen Morde an über 200.000 Anstalts- und
Heiminsassen ab 1939 und die rigorosen Zwangssterilisierungen an 350-
400.000 Menschen ab 1934 im NS-Regime als "Rassenwahn" angeprangert
werden, verweigert der Deutsche Bundestag seit Jahrzehnten bis heute
die Feststellung, dass das NS-Erbgesundheitsgesetz vom 14. Juli 1933
rechtlich nicht mehr existiert und mit dem Grundgesetz unvereinbar ist.
Seine Begründung: Schon v o r 1933 lag ein solcher Gesetzentwurf in
der Schublade. So hatten 9 theologische Leiter ev. kirchlicher
Anstalten der Inneren Mission (heute Diakonie) – unter ihnen der
namhafte Pastor Fritz v. Bodelschwingh in Bethel – und 7 ihrer
leitenden Ärzte schon im Mai 1931 auf einer "Fachkonferenz für
Eugenik" in Treysa ein Sterilisationsgesetz und die Verabschiedung des
Bewahrungsgesetzes zur Asylierung behinderter Menschen gefordert.
(Zitat): In den Anstalten der Inneren Mission, so auch in Bethel ...
war das Gesetz mit besonderer Härte durchgesetzt worden", heißt es in
der Dokumentation der Bremer Gesundheitsbehörde "Zwangssterilisiert –
Verleugnet – Vergessen" von 1984.
Auch der Nachfolger von Pastor Fritz v. Bodelschwingh, sein Neffe
Pastor Friedrich v. Bodelschwingh, lehnte noch 1965 eine vom
Wiedergutmachungsausschuss des Deutschen Bundestages erwogene
Rehabilitierung für uns Zwangssterilisierte als hinzugezogener Experte
ab, trotz unserer schweren Benachteiligung durch Ehe- und
Berufsverbote und durch den für Zwangssterilisierte verbotenen Besuch
höherer Schulen. Die Theologen achteten das christliche Gebot der
Solidarität mit den "Geringsten" nicht.
Auch alle höchsten Juristen, die Präsidenten des Reichsgerichts, der
Oberlandesgerichte, die Generalstaatsanwälte, die Oberreichsanwälte
schwiegen zu den psychiatrischen Patientenmorden und unterdrückten
Strafanzeigen der Angehörigen ermordeter AnstaltspatientInnen. Noch in
den 60er Jahren wurden vieltausendfache ärztliche Patientenmörder in
deutschen Gerichten freigesprochen, weil ihnen "ein
Unrechtsbewusstsein nicht einwandfrei nachzuweisen" sei. Noch heute
haben ehemalige PsychiatriepatientInnen mit irreversiblen
Medikamentenschäden durch psychiatrische Fehler keine Chancen vor
deutschen Gerichten, sondern wie Vera Stein erst vor dem europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte.
Da die an den Patientenmorden beteiligten Psychiater und
Psychiatrie-Professoren nach 1945 weiter lehrten und praktizierten,
blieb unsere deutsche gesprächslose Schulpsychiatrie bis heute auf
ihrem damaligen Standpunkt der nicht seelisch, sondern erblich und
körperlich verursachten und darum sinnlosen, unheilbaren endogenen
Psychosen stehen, heute als "genetisch bedingte
Hirnstoffwechselstörung" bezeichnet. Noch am 20. April 1979 – 43 Jahre
nach dem NS-Regime – titelte DIE ZEIT auf erster Seite unter "Die
Gesellschaft der harten Herzen – in den Schlangengruben der deutschen
Psychiatrie": "Und keine Minderheit wird so schändlich behandelt wie
die psychisch Kranken".
Schon zu Anfang des letzten Jahrhunderts erkannten die
Tiefenpsychologen Sigmund Freud und C.G. Jung, dass in der
Schizophrenie Inhalte des normalerweise Unbewussten ins Bewusstsein
einbrechen, um vorausgegangene Lebenskrisen zu lösen, die wir mit
unseren bewussten Kräften nicht lösen konnten. C.G. Jung behandelte
schon vor 100 Jahren schizophrene Patienten psychotherapeutisch mit
Erfolg. Unsere deutschen Psychiater hätten ihre schizophrenen
Patienten nicht vergasen, abspritzen und zu Tode hungern können, wenn
sie sich diesen tiefenpsychologischen Einsichten geöffnet hätten.
In großen Teilen Skandinaviens ist seit über 30 Jahren die
Psychotherapie als Kern der Schizophreniebehandlung in der
"Bedürfnisangepassten Behandlung" (need-adapted-treatment) des
finnischen Professors Yrjö O. Alanen üblich. Neuroleptika werden nur
niedrig dosiert oder gar nicht eingesetzt. Diese heilende Behandlung
ist natürlich viel hilfreicher als die nur medikamentös
Symptomverdrängung auch unter Zwang und Fesseln mit ihren oft schweren
Nebenwirkungen durch unsere deutschen Psychiater. Da sie nur
Medikamente zu geben gelernt haben, sind sie im Grunde auch Opfer
ihrer Vorgänger und Lehrer und von deren Dogma der nicht seelisch
verursachten, sondern genetisch bedingten, sinnlosen
Hirnstoffwechselstörung.
Da unsere deutschen Psychiater in der Regel keine Gespräche über die
vorausgegangenen Lebenskrisen, geschweige denn über ihre
Sinnzusammenhänge mit den Psychoseinhalten führen, wissen die
Patienten natürlich, dass ihre Psychiater behandeln und als
Psychiatrie-Professoren lehren, was sie ohne Gespräche gar nicht
verstanden haben können. Darum ist ihr Ansehen als Psychiater auch nur
gering.
Auch um dieses geringe Ansehen der nur Symptome medikamentös
verdrängenden deutschen Psychiatrie zu heben, vor allem aber um en
Patienten die ihnen zustehende Hilfe zum Psychose- und
Selbstverständnis zu gewähren, brauchen wir die Hilfe auch der Politiker.
Darum bitten wir Sie, sehr verehrter Herr Bundespräsident, um einen
"Tag der Psychiatrie" in Ihrem Bundespräsidialamt. Wir hoffen, dass
Psychiatrie-Professoren, Klinikleiter und Oberärzte Ihrer Einladung
folgen werden, um sich z.B. über Professor Yrjö O. Alanens
"Bedürfnisangepasste Behandlung" informieren zu lassen; aber auch über
andere hilfreiche Therapien wie über verschiedene Möglichkeiten der
amerikanischen "Soteria" von Loren Mosher, über die
"Behandlungs-Einheit-Schizophrenie" (BES) von Oberarzt Dr. Dietrich
Eck im Klinikum Nord (Hamburg), über die Berliner "Krisen-Pension"
(Seite 8 der Broschüre), über das Berliner "Weglaufhaus" u.a.
Nach soviel Zwang und Gewalt in deutschen Psychiatrien und ihren
rigorosen Ausrottungsmaßnahmen gegen uns im NS-Regime sollten wir
gemeinsam überlegen, wie die deutsche Psychiatrie aus ihrer uns
abwertenden „Wissenschaft vom Gehirn" zu einer auf den Erfahrungen der
PatientInnen gründenden verstehenden Psychiatrie werden kann.
Mit freundlichem Gruß !
Dorothea Buck
Anlagen:
- BPE – Faltblatt
- Broschüre "70 Jahre Zwang..."
- Psychotherapie als Kern der Schizophrenietherapie - EPPENDORFER 6/2005
- Dauerbrenner Gewalt - EPPENDORFER 6/2005
- Die Gesellschaft der harten Herzen... in DIE ZEIT vom 20. April 1979
- "Tödliche Medizin – Rassenwahn im Nationalsozialismus" – Faltblatt
zur aktuellen Ausstellung in Dresden
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Naja — etu
Titel der Ergänzung — Dein Name
Schade, — ...