Streik bei BSH in Spandau - Blockade in Nauen
Streik beim Bosch Siemens Hausgerätewerk in Berlin-Spandau
Alle reden von der "sozialen Frage", viele jammern von der "Prekarisierung", aber gibt es endlich mal Kämpfe, die noch über ein wenig Macht verfügen und nicht mindestens 10.000 km entfernt sind, geht keiner hin.
Alle reden von der "sozialen Frage", viele jammern von der "Prekarisierung", aber gibt es endlich mal Kämpfe, die noch über ein wenig Macht verfügen und nicht mindestens 10.000 km entfernt sind, geht keiner hin.
Dies könnte eine traurige Einschätzung aus der "Szene-Hochburg" Berlin sein. In 35 Minuten erreicht man/frau vom Hermannplatz ohne umzusteigen den U-Bahnhof Paulsternstraße, noch ein paar Meter zu Fuß und man steht vor den blockierten Werkstoren von BSH in der Gartenfelder Str. Die Auseinandersetzung um die Werkschliessung waren schon 2005 eskaliert.
siehe: www.wildcat-www.de/wildcat/74/w74_bshg.htm
(Hintergrundbericht zur 'Weißen Ware in Westeuropa, Kämpfe im Werk und ein Interview mit einem Arbeiter)
Seit einigen Wochen wird bei BSH wieder nicht produziert, erst gab es andauernde Betriebsversammlungen, dann hieß es, die Geschäftsleitung wolle Maschinen aus dem Werk bringen, seit dem sind die Tore rund um die Uhr besetzt und seit 1,5 Wochen läuft nun der offizielle (sprich von IGM abgestimmte) unbefristete Streik. Auf dem Parkplatz steht ein großes Streikzelt, die unabhängige Streikkasse wird über die selbstorganisierte Streikküche geführt. Besuche und Solidarität sind nicht nur gern gesehen, sie sind notwendig!
Ein Familien- und Solidaritätsfest am Samstag, die Montagsdemo durch Spandau zum Werk, waren Aktionen, die in den letzten Tagen organisiert wurden, um potentiellen UnterstützerInnen 'von außen' die Möglichkeit zu geben, ohne große Hemmschwelle ihre Solidarität zu zeigen. Gestern nun starteten die ArbeiterInnen ihren 'Marsch der Solidarität' nach München. Nach der Auftaktkundgebung vor'm Tor mit Wowereit und Sommer - die immerhin das Fernsehen brachte und den Streik in die Abendnachrichten (ob das für den Streik gut sei oder ob sich allein die Politprofis über den Streik profilieren können, sei dahin gestellt) - zog die ArbeiterInnendemo noch bis 12.00 durch Spandau und sorgte für einiges Verkehrschaos. Anwesend waren auch kleine Delegationen von DaimlerChrysler aus Marienfelde, von BMW, dem Aufzugshersteller OTIS und benachbarten Siemenswerken.
Dann ging die Reise nach Nauen ('94 wurde dort eine Trockner-, '96 eine Topladerlinie hochgezogen, die ArbeiterInnen sind 25 Km entfernt im Osten und verdienen deutlich weniger und arbeiten länger, dazu kommen LeiharbeiterInnen und aktuell einige StreikbrecherInnen aus Spandau).
Drei Reisebusse erreichten den Haupteingang des Werkes in Nauen. Die ersten 150 Leuten die sofort die Zufahrt blockierten, verhinderten auch gleich einigen LKW's die Ein- und Ausfahrt. Das belebt die Stimmung und das Vorhaben - BSH Nauen bis 00:00 Uhr zu blockieren. Da sitzen sie nun - die "Ausländer" in Nauen. Die multikulurelle Belegschaft vor den Toren des vorangig mit jungen Deutschen belegten Betriebes. Daran können die überraschten Bullen nichts mehr ändern. 'Aber die IGM hatte uns eine ungehinderte LKW-Zufahrt zugesichert' - Antwort: 'Das mag sein, aber wir wollen das nicht', selbst der der mit dem br ausgehandelte Kompromiss (2 leere LKW's dürften raus) war nicht unumstritten 'Wir sind hier um zu blockieren'. Was dann auch effektiv umgesetzt wurde. Zurzeit muss sich die Gewerkschaft noch hinter die Proteste der Arbeiter stellen. Nach ca 45 Minuten wurde bekannt, dass über ein Nachbarwerk eine weitere Zu- und Abfahrt von LKW's möglich war, diese Tore wurden dann auch überwacht und dicht gemacht.
Bis zum Schichtwechsel vergehen noch ein/zwei Stunden. Und immer wieder versuchen aufgebrachte Trucker das Gelände zu erreichen oder zu verlassen. Aber mit den Genossen ist nicht zu spaßen, schon garnicht als noch weitere Busse umjubelt zur Verstärkung kommen.
Die Versuche der 'Spandauer' Kontakt zu den 'Nauener' ArbeiterInnen aufzunehmen scheiterten mehrfach, auch der Betriebsrat - wen wundert's - weigerte sich hinaus zu kommen. Die Belegschaft in Nauen besteht (nach dem Eindruck vom Schichtwechsel) aus jungen 17-30 jährigen Ostdeutschen (und einigen mit Berliner Kennzeichen), darunter auch viele Leiharbeiter. Kaum Solidarität, einer hat mal nen Zwanni für die Soli-Kasse gezückt, eine andere die Faust gereckt. Die 'Spandauer' haben ihre Frust über dieses Nichtverhältnis umgedreht und sich daraus einen Spaß gemacht, bei Schichtwechsel die 'Nauener' durch ein dichtes Spalier fahren zu lassen. Allzu Coole, Griesgrämige, Kurzgeschorene hatten eine besonders langgezogene Ausfahrt. Es war lustig die älteren Türken, Vietnamesen, Schwarzafrikaner in Konfrontation mit diesen deutschen Jung-ArbeiterInnen zu erleben.
Heute um 11.00 geht es dann weiter nach Eisenhüttenstadt, besucht werden auch noch das Miele Werk in Bielefeld, AEG/Elecrolux in Nürnberg und wenn es klappt das BenQ Werk in Kamp-Lintfort, bevor am 19.10 die Abschlußkundgebung vor der BSH Zentrale in München stattfinden wird. Den genaueren Fahrplan gibt es zurzeit bei www.bsh-streik.de.
Die Werkstore in Spandau sind weiterhin um die Uhr besetzt und brauchen gerade jetzt in Zeiten verstärkter Außenaktivität tatkräftige Unterstützung. Kommt vorbei!!
siehe: www.wildcat-www.de/wildcat/74/w74_bshg.htm
(Hintergrundbericht zur 'Weißen Ware in Westeuropa, Kämpfe im Werk und ein Interview mit einem Arbeiter)
Seit einigen Wochen wird bei BSH wieder nicht produziert, erst gab es andauernde Betriebsversammlungen, dann hieß es, die Geschäftsleitung wolle Maschinen aus dem Werk bringen, seit dem sind die Tore rund um die Uhr besetzt und seit 1,5 Wochen läuft nun der offizielle (sprich von IGM abgestimmte) unbefristete Streik. Auf dem Parkplatz steht ein großes Streikzelt, die unabhängige Streikkasse wird über die selbstorganisierte Streikküche geführt. Besuche und Solidarität sind nicht nur gern gesehen, sie sind notwendig!
Ein Familien- und Solidaritätsfest am Samstag, die Montagsdemo durch Spandau zum Werk, waren Aktionen, die in den letzten Tagen organisiert wurden, um potentiellen UnterstützerInnen 'von außen' die Möglichkeit zu geben, ohne große Hemmschwelle ihre Solidarität zu zeigen. Gestern nun starteten die ArbeiterInnen ihren 'Marsch der Solidarität' nach München. Nach der Auftaktkundgebung vor'm Tor mit Wowereit und Sommer - die immerhin das Fernsehen brachte und den Streik in die Abendnachrichten (ob das für den Streik gut sei oder ob sich allein die Politprofis über den Streik profilieren können, sei dahin gestellt) - zog die ArbeiterInnendemo noch bis 12.00 durch Spandau und sorgte für einiges Verkehrschaos. Anwesend waren auch kleine Delegationen von DaimlerChrysler aus Marienfelde, von BMW, dem Aufzugshersteller OTIS und benachbarten Siemenswerken.
Dann ging die Reise nach Nauen ('94 wurde dort eine Trockner-, '96 eine Topladerlinie hochgezogen, die ArbeiterInnen sind 25 Km entfernt im Osten und verdienen deutlich weniger und arbeiten länger, dazu kommen LeiharbeiterInnen und aktuell einige StreikbrecherInnen aus Spandau).
Drei Reisebusse erreichten den Haupteingang des Werkes in Nauen. Die ersten 150 Leuten die sofort die Zufahrt blockierten, verhinderten auch gleich einigen LKW's die Ein- und Ausfahrt. Das belebt die Stimmung und das Vorhaben - BSH Nauen bis 00:00 Uhr zu blockieren. Da sitzen sie nun - die "Ausländer" in Nauen. Die multikulurelle Belegschaft vor den Toren des vorangig mit jungen Deutschen belegten Betriebes. Daran können die überraschten Bullen nichts mehr ändern. 'Aber die IGM hatte uns eine ungehinderte LKW-Zufahrt zugesichert' - Antwort: 'Das mag sein, aber wir wollen das nicht', selbst der der mit dem br ausgehandelte Kompromiss (2 leere LKW's dürften raus) war nicht unumstritten 'Wir sind hier um zu blockieren'. Was dann auch effektiv umgesetzt wurde. Zurzeit muss sich die Gewerkschaft noch hinter die Proteste der Arbeiter stellen. Nach ca 45 Minuten wurde bekannt, dass über ein Nachbarwerk eine weitere Zu- und Abfahrt von LKW's möglich war, diese Tore wurden dann auch überwacht und dicht gemacht.
Bis zum Schichtwechsel vergehen noch ein/zwei Stunden. Und immer wieder versuchen aufgebrachte Trucker das Gelände zu erreichen oder zu verlassen. Aber mit den Genossen ist nicht zu spaßen, schon garnicht als noch weitere Busse umjubelt zur Verstärkung kommen.
Die Versuche der 'Spandauer' Kontakt zu den 'Nauener' ArbeiterInnen aufzunehmen scheiterten mehrfach, auch der Betriebsrat - wen wundert's - weigerte sich hinaus zu kommen. Die Belegschaft in Nauen besteht (nach dem Eindruck vom Schichtwechsel) aus jungen 17-30 jährigen Ostdeutschen (und einigen mit Berliner Kennzeichen), darunter auch viele Leiharbeiter. Kaum Solidarität, einer hat mal nen Zwanni für die Soli-Kasse gezückt, eine andere die Faust gereckt. Die 'Spandauer' haben ihre Frust über dieses Nichtverhältnis umgedreht und sich daraus einen Spaß gemacht, bei Schichtwechsel die 'Nauener' durch ein dichtes Spalier fahren zu lassen. Allzu Coole, Griesgrämige, Kurzgeschorene hatten eine besonders langgezogene Ausfahrt. Es war lustig die älteren Türken, Vietnamesen, Schwarzafrikaner in Konfrontation mit diesen deutschen Jung-ArbeiterInnen zu erleben.
Heute um 11.00 geht es dann weiter nach Eisenhüttenstadt, besucht werden auch noch das Miele Werk in Bielefeld, AEG/Elecrolux in Nürnberg und wenn es klappt das BenQ Werk in Kamp-Lintfort, bevor am 19.10 die Abschlußkundgebung vor der BSH Zentrale in München stattfinden wird. Den genaueren Fahrplan gibt es zurzeit bei www.bsh-streik.de.
Die Werkstore in Spandau sind weiterhin um die Uhr besetzt und brauchen gerade jetzt in Zeiten verstärkter Außenaktivität tatkräftige Unterstützung. Kommt vorbei!!
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen
Marsch der Solidarität
es stehen weitere termine. kann irgendwer was aus eisenhüttenstadt berichten?
gerade in nürnberg und kamp-lintfort wäre es wichtig, wenn noch weitere unterstützerInnen dazu kämen.
07.10.2006 12:00 Uhr DGB-Demonstration gegen die Gesundheits-"reform" Leipzig
09.10.2006 14:30 Uhr Bosch-Buderus Thermotechnik Neukirchen (nahe Zwickau)
Der Bürgermeister Hubert Bayer von Neukirchen spricht zu uns
10.10.2006 11:30 Uhr Zu Gast bei den Vetrauensleuten von Miele Gütersloh
11.10.2006 09:00 Uhr Kundgebung vor dem AEG/Elektrolux-Werk Nürnberg
12.10.2006 BenQ Kamp-Lintfort
17.10.2006 noch offen BSH-Fabrik Kühlen (FGK) Giengen
noch offen BSH-Fabrik Spülen (FDG) Dillingen
19.10.2006 11:00 Uhr Kundgebung vor BSH-Zentrale München
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Das wäre mal wichtig das — dort
die leute — mensch(i)n