Nazis greifen WASG-Wahlkämpfer an

Marius Flora 16.09.2006 18:58 Themen: Antifa
WASG-Wahlkampfstand in Berlin-Pankow von Nazis attackiert. Angriff am Samstag (16.9.06) gegen mittag. Zeitgleich InfoStand der NPD in Pankow. 16-Jähriger Sohn von WASG-Landesvorstandsmitglied, Hakan Doganay getreten. Nazi-Ziel war offenbar Attacke auf jugendlichen Antifa-Kandidaten der WASG zum Abgeordnetenhaus.
Am Samstag (16.9.06) gegen 12:15 kam es zu einem Angriff von drei Nazi-Jugendlichen auf einen Wahlkampfstand der Berliner WASG am S-und U-Bahnhof Pankow.

Zwei jugendliche WASG-Aktivisten, deutlich erkennbar mit den orangenen Partei-Shirts, hatten den Wahlkampfstand am Garbatyplatz vor dem S-Bahnhof in Berlin-Pankow aufgebaut. Gegen 12.15 Uhr erschienen drei Nazi-Jugendliche im Alter zwischen 20-22 Jahren. Szenetypisch trugen sie "anti-antifa"-T-Shirts und Karo-Hemden. "Haare - Stoppelschnitt", wie einer der angegriffenen WASG-Wahlkampfhelfer berichtet.

Die Nazi erkundigten sich zunächst "auf Anmache-Art", so einer der angegriffenen WASGler, nach dem Pankower antifaschistisch engagierten Wahlalternative-Kandidaten, Patrick Technau. Offenkundig wollten sie den jugendlichen Antifa-Aktivisten angreifen. Patrick Technau, 21 Jahre, kandidiert auf der Liste der WASG für die Bezirksverordnetenversammlung Pankow und für das Berliner Abgeordnetenhaus. Sein Foto war auf verschiedenen Wahlkampfzeitungen der WASG zu sehen.

Urplötzlich gingen die Jung-Faschisten daraufhin zum Angriff über. Wahlkampfmaterial und Flugblätter wurden gepackt und von den Nazis über den gesamten Bahnhofsvorplatz gestreut. Dann attackierten und beleidigten die Nazis den 16-jährigen Sohn eines WASG-Landesvorstandsmitglied. Der Vater des Angegriffenen ist Hakan Doganay. Der Jugendliche passte offenbar wegen seines "Iro-Haarschnitts" und seines T-shirts mit Bertold Brecht-Spruch in´s Fascho-Opferschema. Doganays Sohn wurde mehrmals von den Nazi-Jugendlichen getreten.

WASG-Frontmann Hakan Doganay ist ein sehr bekannter linker Aktivist. Er engagiert sich für die WASG als in Berlin langjährig aktiver Gewerkschafter. Doganay war IG-Metall-Vertrauensmann von 1984-2002; Betriebsrat von 1987-2002 im Bosch-Siemens-Hausgerätewerk (BSH) in Berlin-Spandau und von 1999-2002 als Mitglied im Ortsvorstand der IG Metall Berlin.

Bemerkenswerterweise half eine Frau aus einem Kiosk die von den Faschisten verstreuten Flugblätter aufzuheben. Aber mit über 400 Wahlkampfzeitungen der WASG als Beute konnten sich die Nazis unbehelligt in den S-Bahnhof Pankow davonmachen.

Die über Handy von den WASGlern mehr als zwölf mal per Notruf angerufene Polizei reagierte nicht. Glücklicherweise kam es zu keinen ernsthaften Verletzungen bei den Angegriffenen. Gegen die Jung-Faschisten wird Anzeige erstattet.

Offenbar waren die Faschos NPD-Symphatisanten. Denn zeitgleich plazierte sich nahe des Pankower Rathauses die NPD mit einem Wahlkampfstand. Pankow erlebt seit Monaten wegen eines geplanten Moschee-Baus unruhige Tage. Es kam mehrmals zu rechten Aufmärschen 1000er Menschen. Die Atmosphäre wurde maßgeblich von der lokalen CDU angeheizt, die zusammen mit Nazis eine Bürgerinitiative gegen die Moschee unterstützt.
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Ergänzungen

Just like before '33

oujug 16.09.2006 - 21:41
"Die über Handy von den WASGlern mehr als zwölf mal per Notruf angerufene Polizei reagierte nicht. "

Komisch. Bei angegriffenen Nazi-Ständen werden doch auch immer gleich die angeblichen TäterInnen gestellt. Seltsam, kommt mir irgendwie komisch vor...

Daraus lernen ist möglich

Mensch 16.09.2006 - 22:52
Erstmal beste Genesungungswünsche an die beiden attackierten Jugendlichen. Auch wenn glücklicherweise keine ernsthaften Verletzungen vorzuliegen scheinen, ist es dennoch eine starke psychische Belastung, solch eine Gewalterfahrung erstmal zu verarbeiten, v.a. wenn physische Gewaltanwendung innerlich verabscheut wird und in keiner Weise mit einem solchen Übergriff gerechnet wurde.

Eigentlich hätte aber damit gerechnet werden müssen. Es sind ja gerade die Bedrohungen und gewalttätigen Übergriffe auf anders aussehende und anders denkende Menschen, die die Neonazis - abgesehen von ihrer positiven Bezugnahme auf das verbrecherische NS-Regime - auszeichnet. Und da verhält es sich in Berlin nicht anders als im hintersten Dorf in Mecklenburg-Vorpommern oder sonstwo. Und genau aus diesen Erfahrungen am eigenen Leib, die ihr jetzt sammeln musstet, entsteht i.d.R. überhaupt erst das Bedürfnis, sich gemeinsam mit anderen dagegen zusammenzutun, nach Antifa. Irgendwann reicht es den Leuten, und sie machen auf diese oder jene Weise etwas gegen Neonazis.

Das hat auch etwas damit zu tun, dass auf staatliche Hilfe - z.B. durch Polizei - nicht wirklich gerechnet werden kann. Weder auf längere Sicht noch in einer akuten Bedrohungssituation. Z.B. belegen Erfahrungen, dass es in einer Situation, in der Gefahr für Leib und Leben durch einen Neonazi-Übergriff besteht, ausgesprochen ineffektiv ist, bei dem Notruf einen politischen Begriff fuer die Täterbeschreibung zu verwenden (also z.B. Nazis, Neonazis, "Rechte" usw.). Ich vermute stark, dass ihr dies für euch Naheliegende so gemacht habt und daher keine Reaktion erfolgte.

Als Alternative - dies spricht nicht gegen die von euch geplante Anzeige gegen die Jungnazis - kann ich nur empfehlen, dass ihr über die Möglichkeiten eines Selbstschutzes nachdenkt und diskutiert. Vermutlich ist es zusätlich ein gute Idee, wenn ihr euch dafür einsetzt, dass euere Wahlalternative sich mit anderen vernetzt, um gemeinsam eine Antinazi-Hotline zu errichten. Denn die wird (leider) nicht nur im Wahlkampf, sondern - zumindest in Berlin und vergleichbaren Städten - auch im Alltag benoetigt.

Anzeige gegen nazisympatisierende Polizisten?

Frager 16.09.2006 - 23:54
Wurde Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung und Begünstigung von Straftaten gestellt?

Im Anschluss WASG-Plakate abgerissen

xxx 17.09.2006 - 01:07
In den späten Abendstunden nach dem Übergriff wurden rund um den S-Bahnhof-Pankow bis in Richtung Grabbeallee "wild" geklebte Laternen-Flyer der WASG und Wahlplakate abgerissen. Die WASG hatte für ihren Wahlkampf wenig Geld und mußte daher zu unkonventionellen Mitteln greifen. Offenbar wollten die Nazis kundtun: wir haben hier im Kiez die Macht. Noch der kleinste Laternen-Flyer wird von uns runtergerissen.

5min von der Pol-Station entfernt...!!!

EX-Anwohner!! 17.09.2006 - 16:26
Tja,

in der Hadlich Str. ist eine Polizeistation!. Aber, das ist absolutes Nazi Gebiet. Die führen in der H-Str. Ihre Kampfhunde mit White Power Shirts etc... aus. Und NPD Aufkleber auf dem Haus der Pol-Station werden nicht oder erst seeehr spät entfernt.

btw: "wahrscheinlich ehern Erholungsheim für ehemals Chemo-Patienten"?! Die Folkloretruppe hat da ne menge Haarausfall zu beklagen.....

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