Endlager Bure: Musik, Proteste und Repression
In Bure soll Atommüll endgelagert werden. Seit ende der 90er Jahre wird in Bure geforscht. Die ANDRA (Agence Nationale pour la gestion des Déchets RAdioactifs, etwa Nationale Agentur zur Entsorgung von Atommüll) hat ein so genanter Versuchslabor in Bure errichtet. Und die Abgeordnete in der Assemblée Nationale haben vor kurzem grünes Licht für weitere Untersuchungen gegeben.
Die AtomkraftgegnerInnen lassen sich dies nicht gefallen und versuchen sich diesen Plänen mit Fantasie entgegen zu stellen. Die Staatsmacht reagiert unverhältmässig mit harter Repression.
Die AtomkraftgegnerInnen lassen sich dies nicht gefallen und versuchen sich diesen Plänen mit Fantasie entgegen zu stellen. Die Staatsmacht reagiert unverhältmässig mit harter Repression.
Atomkraft bedeutet demokratie-freie Zone
Bure, ein kleines Dorf von 80 Seelen, liegt im französischen Lothringen, unweit von der deutschen Grenze. Die Region gilt als landwitschaftlich, struktur schwach und äusserst konservativ. Die Bevölkerungsdichte liegt zwischen 6 und 8 Einwohner pro Quadratmeter. Bure ist politsch gesehen der „ideale“ Standort für die Endlagerung von hoch radioaktivem Müll. Und es soll jetzt schon in die nächste Runde gehen. Ende der 90er Jahre wurde in Bure ein so genanter Versuchslabor errichtet (ach übrigens, die Asse war ja auch ein „Versuchslabor“ ...). Erkundet wurden Tonschichte in etwa 500m tiefe. Jetzt sollen Probebohrungen in der „Transpositionszone“ 200 Quadratkilometer rund um Bure durchgeführt werden, damit der endgültige Standort fesgelegt wird. Als in der Assemblée Nationale dieses Gesetz verabschiedet wurde, welches die Endlagerung in Bure erlaubt, waren 19 von 577 Abgeordneten anwesend. Die Bevölkerung (über 50 000 Unterschrifte gesammelt in der Gegend) verlangt ein Volksentscheid zur Atommüllproblematik. Aber die Politiker ignorieren sie.
Des décibels contre la poubelle
Der Widerstand hat es schwer in der Gegend, aber er organisiert sich. AtomkraftgenerInnen haben ein altes Haus gekauft und es wird Jahr für Jahr renoviert. Das Haus des Widerstandes von Bure zone libre ist offen für alle, jeder kann sich informieren, mitwirken, es ist zu einem wichtigen Bestandteil des Widerstandes geworden.
Ende Juli fand 3 Tage lang auch das 2. grosse Musikfestival gegen die Endlagerung statt. Dieses Jahr wurde das Festival von Tausende besucht. Ungefähr 30 engagierte Bands haben gespielt, unter andrem die „Stop Bure Brothers and Sisters: „Le nucléaire on n’en veut pas, le nucléaire on n’en veut plus“ (wir wollen keine Atomkraft, wir wollen keine Atomkraft mehr) .
Engagierte Jugendlichen vom Zirkus Gones begeisterten Kinder und Erwachsene. Forums mit Podiumdiskussionen zu diversen Themen rund um Atomkraft und ziviler Ungehorsam gehörten auch zum Festival. Das Labor der ANDRA befand sich unweit vom Festival, so dass viele AktivistInnen regelmässig hin gingen um ihren Unmut gegen die Atompolitik zum Ausdruck zu bringen. Am Sonntag fand eine Abschlusskundgebung vor dem Labor statt. Über 1000 Menschen versammelten sich dort. Totengräber für die in der „Transpositionszone“ liegenden Dörfern wurden errichtet. Während dessen wurde eine kleine Mauer quer über die Zufahrtstrasse gebaut. Das ist inzwischen zu Tradition geworden. In Bure gibt’s ja Steine ohne Ende. Die Demonstration verlief friedlich die Polizei blieb relativ zurückhaltend. Bestimmt auf Grund der Anwesenheit der Presse.
Militärische Polizei und Repression
Castortranporte liegen unter Militärgeheimnis, AtomkraftgegnerInnen werden von der DST (Geheimdiens fürs Innere) festgenommen, weil die Informationen zu der Sicherheit von Atomreaktoren verbreiten. Atomstaat heisst Militärstaat. In Bure sollte der Widerstand dadurch eingeschüctert werden. Unsere Politiker haben vielleicht Angst vor der Bewegung, nach der erfolgreichen grossen friedlichen Mobilisierung gegen EPR in Cherbourg (30 000 DemonstrantInnen), wo die Polizei kaum zu sehen war.
Die Gendarmerie (militäische Polizei, ist Teil der Armee und hat die entsprechende Ausbildung) und ihre Spezialeinheit „Gardes mobiles“ war dieses mal im Einsatz. Über 3000 Sicherheitskräften sollen im Einsatz gewesen sein. Die Gendarmerie hat immer wieder versucht die Einwohner einzuschüchtern. Einheimischen, die sich letztes Jahr an das Festival beteiligten, wurden zum Beispiel wenige Monate später zu einem Gespräch von der Polizei vorgeladen. Die Gendarmerie erschwerte die Anreise von FestivalbesucherInnen, indem sie etliche Strassen mit Schein-Baustellen und -Umleitungen versperrte.
Viele AktivistInnen liessen sich nicht einschüchtern und gingen zur Endlager-Baustelle hin, um dort zu protestieren. Aber sie bekammen schon am Donnerstag abend, ein Tag vor Anfang des Festivals, die grausame Repression zu spüren. Etwa 50 DemonstrantInnen hatten sich versammelt, als die Gardes Mobiles eingriffen. Dieses mal, kein Trännengas wie letztes Jahr aber 4 AktivistInnen wurden festgenommen. Sie blieben 48 Stunden in Gewahrsam in Bar le Duc und wurden dann in U-Haft genommen. Am Dienstag darauf mussten sie sich vor Gericht verantworten (Schnellverfahren, ohne richtige Veteidigung möglich). Vorwurf? Steinewerfen, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen. Die 4 AktivistInnen wurden von der Polizei gezielt festgenommen, weil sie als „Redelführer“ der libertären Antiatom-Bewegung gelten. In der Vergangenheit haben sie zum Beipiel viel zur Organisation des VAAAN (Anarchistisches Dorf, anlässlich der Grossdemo gegen EPR zu Ostern) in Cherbourg beigetragen.
Die Veranstalter des Festivals und weitere Bündnisse haben sehr schnell reagiert. Es wurde für die Freilassung der DemonstrantInnen demonstriert, Pressemitteilungen geschrieben, ein offener Brief an die Staatsanwaltschaft wurde verschickt. Dieser Druck hat bestimmt dazu geführt, dass die 4 AktivistInnen keine Haftstafen ohne Bewährung bekommen haben. Die Strafe ist aber trotzdem hart. Wie dokumentieren hierzu die Pressemeldung (Übsetzung: Antiatom-Plenum Hannover)
„Vier AtomkraftgegnerInnen sind von einem Gericht im lothringischen Bar-le-Duc zu Haftstrafen von sechs bis zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Den Beschuldigten wird schwere Gewalttätigkeit, Sachbeschädigung und Beleidigung vorgeworfen. Die Frau und die drei Männer waren bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag festgenommen worden, als eine Gruppe von DemonstrantInnen versucht hatte, auf den für ein Atom-Endlager vorgesehenen Standort der Atommüllagentur ANDRA bei Bure vorzudringen. Sechs Polizisten wurden leicht verletzt, en Wachmann der ANDRA soll eine Gelenkverletzung erlitten haben. Drei der Verhafteten, die aus dem Westen Frankreichs stammen, seien zu 10 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden verbunden mit dem Verbot, während der nächsten zwei Jahre die Déprtements Meuse und Haute-Marne zu betreten. Nach Polizeiangaben hatten am Wochenende bei Bure 1.000 Menschen gegen die Endlagerung radioaktiver Abfälle demonstriert.“
Sie wurden auch zu Geldstrafen verurteilt. Eine Soligruppe versucht Ihnen zu helfen. Spenden sind willkommen:
Die Organisation Cacendr (Bündnis gegen Atomtransporte) stellt ihren Konto
zur Verfügung.
an: Cacendr
Bank: La Poste CCP Nancy
Kontonummer: NCY 06 228 44 G 031
Stichwort "proces Bar le Duc"
internationale Kontoidentifizierung:
IBAN: FR1820041010100622844G03127
BIC: PSSTFRPPNCY
Der Widerstand wird auf jeden Fall weiter gehen. Noch ist es nicht zu spät.
Bure est partout, Bure ist überall.
Bure, ein kleines Dorf von 80 Seelen, liegt im französischen Lothringen, unweit von der deutschen Grenze. Die Region gilt als landwitschaftlich, struktur schwach und äusserst konservativ. Die Bevölkerungsdichte liegt zwischen 6 und 8 Einwohner pro Quadratmeter. Bure ist politsch gesehen der „ideale“ Standort für die Endlagerung von hoch radioaktivem Müll. Und es soll jetzt schon in die nächste Runde gehen. Ende der 90er Jahre wurde in Bure ein so genanter Versuchslabor errichtet (ach übrigens, die Asse war ja auch ein „Versuchslabor“ ...). Erkundet wurden Tonschichte in etwa 500m tiefe. Jetzt sollen Probebohrungen in der „Transpositionszone“ 200 Quadratkilometer rund um Bure durchgeführt werden, damit der endgültige Standort fesgelegt wird. Als in der Assemblée Nationale dieses Gesetz verabschiedet wurde, welches die Endlagerung in Bure erlaubt, waren 19 von 577 Abgeordneten anwesend. Die Bevölkerung (über 50 000 Unterschrifte gesammelt in der Gegend) verlangt ein Volksentscheid zur Atommüllproblematik. Aber die Politiker ignorieren sie.
Des décibels contre la poubelle
Der Widerstand hat es schwer in der Gegend, aber er organisiert sich. AtomkraftgenerInnen haben ein altes Haus gekauft und es wird Jahr für Jahr renoviert. Das Haus des Widerstandes von Bure zone libre ist offen für alle, jeder kann sich informieren, mitwirken, es ist zu einem wichtigen Bestandteil des Widerstandes geworden.
Ende Juli fand 3 Tage lang auch das 2. grosse Musikfestival gegen die Endlagerung statt. Dieses Jahr wurde das Festival von Tausende besucht. Ungefähr 30 engagierte Bands haben gespielt, unter andrem die „Stop Bure Brothers and Sisters: „Le nucléaire on n’en veut pas, le nucléaire on n’en veut plus“ (wir wollen keine Atomkraft, wir wollen keine Atomkraft mehr) .
Engagierte Jugendlichen vom Zirkus Gones begeisterten Kinder und Erwachsene. Forums mit Podiumdiskussionen zu diversen Themen rund um Atomkraft und ziviler Ungehorsam gehörten auch zum Festival. Das Labor der ANDRA befand sich unweit vom Festival, so dass viele AktivistInnen regelmässig hin gingen um ihren Unmut gegen die Atompolitik zum Ausdruck zu bringen. Am Sonntag fand eine Abschlusskundgebung vor dem Labor statt. Über 1000 Menschen versammelten sich dort. Totengräber für die in der „Transpositionszone“ liegenden Dörfern wurden errichtet. Während dessen wurde eine kleine Mauer quer über die Zufahrtstrasse gebaut. Das ist inzwischen zu Tradition geworden. In Bure gibt’s ja Steine ohne Ende. Die Demonstration verlief friedlich die Polizei blieb relativ zurückhaltend. Bestimmt auf Grund der Anwesenheit der Presse.
Militärische Polizei und Repression
Castortranporte liegen unter Militärgeheimnis, AtomkraftgegnerInnen werden von der DST (Geheimdiens fürs Innere) festgenommen, weil die Informationen zu der Sicherheit von Atomreaktoren verbreiten. Atomstaat heisst Militärstaat. In Bure sollte der Widerstand dadurch eingeschüctert werden. Unsere Politiker haben vielleicht Angst vor der Bewegung, nach der erfolgreichen grossen friedlichen Mobilisierung gegen EPR in Cherbourg (30 000 DemonstrantInnen), wo die Polizei kaum zu sehen war.
Die Gendarmerie (militäische Polizei, ist Teil der Armee und hat die entsprechende Ausbildung) und ihre Spezialeinheit „Gardes mobiles“ war dieses mal im Einsatz. Über 3000 Sicherheitskräften sollen im Einsatz gewesen sein. Die Gendarmerie hat immer wieder versucht die Einwohner einzuschüchtern. Einheimischen, die sich letztes Jahr an das Festival beteiligten, wurden zum Beispiel wenige Monate später zu einem Gespräch von der Polizei vorgeladen. Die Gendarmerie erschwerte die Anreise von FestivalbesucherInnen, indem sie etliche Strassen mit Schein-Baustellen und -Umleitungen versperrte.
Viele AktivistInnen liessen sich nicht einschüchtern und gingen zur Endlager-Baustelle hin, um dort zu protestieren. Aber sie bekammen schon am Donnerstag abend, ein Tag vor Anfang des Festivals, die grausame Repression zu spüren. Etwa 50 DemonstrantInnen hatten sich versammelt, als die Gardes Mobiles eingriffen. Dieses mal, kein Trännengas wie letztes Jahr aber 4 AktivistInnen wurden festgenommen. Sie blieben 48 Stunden in Gewahrsam in Bar le Duc und wurden dann in U-Haft genommen. Am Dienstag darauf mussten sie sich vor Gericht verantworten (Schnellverfahren, ohne richtige Veteidigung möglich). Vorwurf? Steinewerfen, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen. Die 4 AktivistInnen wurden von der Polizei gezielt festgenommen, weil sie als „Redelführer“ der libertären Antiatom-Bewegung gelten. In der Vergangenheit haben sie zum Beipiel viel zur Organisation des VAAAN (Anarchistisches Dorf, anlässlich der Grossdemo gegen EPR zu Ostern) in Cherbourg beigetragen.
Die Veranstalter des Festivals und weitere Bündnisse haben sehr schnell reagiert. Es wurde für die Freilassung der DemonstrantInnen demonstriert, Pressemitteilungen geschrieben, ein offener Brief an die Staatsanwaltschaft wurde verschickt. Dieser Druck hat bestimmt dazu geführt, dass die 4 AktivistInnen keine Haftstafen ohne Bewährung bekommen haben. Die Strafe ist aber trotzdem hart. Wie dokumentieren hierzu die Pressemeldung (Übsetzung: Antiatom-Plenum Hannover)
„Vier AtomkraftgegnerInnen sind von einem Gericht im lothringischen Bar-le-Duc zu Haftstrafen von sechs bis zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Den Beschuldigten wird schwere Gewalttätigkeit, Sachbeschädigung und Beleidigung vorgeworfen. Die Frau und die drei Männer waren bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag festgenommen worden, als eine Gruppe von DemonstrantInnen versucht hatte, auf den für ein Atom-Endlager vorgesehenen Standort der Atommüllagentur ANDRA bei Bure vorzudringen. Sechs Polizisten wurden leicht verletzt, en Wachmann der ANDRA soll eine Gelenkverletzung erlitten haben. Drei der Verhafteten, die aus dem Westen Frankreichs stammen, seien zu 10 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden verbunden mit dem Verbot, während der nächsten zwei Jahre die Déprtements Meuse und Haute-Marne zu betreten. Nach Polizeiangaben hatten am Wochenende bei Bure 1.000 Menschen gegen die Endlagerung radioaktiver Abfälle demonstriert.“
Sie wurden auch zu Geldstrafen verurteilt. Eine Soligruppe versucht Ihnen zu helfen. Spenden sind willkommen:
Die Organisation Cacendr (Bündnis gegen Atomtransporte) stellt ihren Konto
zur Verfügung.
an: Cacendr
Bank: La Poste CCP Nancy
Kontonummer: NCY 06 228 44 G 031
Stichwort "proces Bar le Duc"
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Der Widerstand wird auf jeden Fall weiter gehen. Noch ist es nicht zu spät.
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Ergänzungen
trauriger
jaja ich fülls ja schon aus
endlich ma einer ders begreift
weil .. fakt ist ... wir ham den müll ... weiterhin is fakt das wir den irgendwie entsorgen müssen. Wohin damit ist die eigentliche frage ... deswegen find ich solche forschungszentren gut ... weil einfach nur nein sagen ist (leider) absolut weltfremd. Nur wenn wir sofort aussteigen haben wir zumindest ne kleine chance das übel im griff zu halten ... aber einen teil des mülls ham wir schon ... und der muss entsorgt werden .. gerade um das problem sauber zu lösen brauchen wir einrichtungen wo daran geforscht wird ... die beste lösung .. das zeugs unter den häusern der besitzer zu verbuddeln ist leider aufgrund eventuell auftretender schäden in der nachbarschaft ;) leider ned praktizierbar .. also brauchen wir lösungen ... die kriegen wir mit einfach nein sagen nie
NEIN! Der Müll darf nicht "Irgendwo" hin
Nein genau das ist der große Denkfehler: Dieser Müll darf keinesfalls "irggendwo" hin.
Dieser Müll an den Ort, der zunindest als der am wenigsten undsichere Orte angesehen wird.
Bis ein solcher Orte gefunden wird muß die Produktion von Atommüll SOFORT! beendet werden!
Dabei ist es nicht "unsere" Aufgabe diesen Ort mitzusuchen.
"Unsere" Aufgabe ist es den Herren der Atommafia dabei ganz ganau auf die Finger zu sehen.
Über eine evtuelle Mitarbeit an der Suche können wir frühenstens dann reden, wenn keine Atomüll mehr produziert wird.
Solange noch Aotmmüll produziert wird, muss jede Zusammenarbeit, oder auch nur Duldung der Aktivitäten der Atommafia ausgesschlossen sein.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Solidarität — Mensch