"Auf nach Stralsund!"/Veranstaltung Berlin-Xbrg

Bush go home! 12.07.2006 03:26 Themen: G8
Am Dienstag fand eine weitere Mobilisierungsveranstaltung in Berlin-Kreuzberg mit ca. 40 TeilnehmerInnen auch mit letzten aktuellen Infos zur Anti-Bush-Demo in Stralsund am 13.7. statt.
"Auf nach Stralsund! Gegen Besatzung, Folter und Krieg!" - so das Motto der kurzfristig angesetzten Mobilisierungsveranstaltung im Mehringhof in Berlin-Kreuzberg. ReferentInnen waren unter anderem ein Redner der "Bush Go Home" Demonstration aus Wien/Österreich, ein Vertreter des Anti-G8-Bündnis für eine revolutionäre Perspektive sowie Said Dudin von OneWorldMedia.

Trotz wirklich tollem Badeseewetter kamen ca. 40 Menschen um sich über den Stand der Mobilisierung und die Zusammenhänge des Krieges im Nahen Osten zu informieren.

Flugblätter, Plakate und Pressemappen der erfolgreichen "Bush go home"-Demo aus Wien lagen aus sowie unterschiedliche Flugis zur Mobilisierung nach Stralsund und gegen den G8-Gipfel 2007.

Der Vertreter aus Wien berichtete darüber, daß es ihnen gelungen war, dass innerhalb einer breiten Mobilisierung aus dem Friedensspektrum über "Linkwende", der KPÖ und weiteren reformistischen Kräften bis hin zu antiimperialistischen Gruppen eine klare antiimperialistische Position gegen den Krieg sichtbar zu machen. Die Mobilisierungen in Wien haben gezeigt, dass innerhalb einer breiten Mobilisierung antiimperialistische Kräfte nicht isoliert waren sondern im Gegenteil auf sehr große Resonanz auch innerhalb der Bevölkerung und vor allem der SchüllerInnen und Jugendlichen gestoßen sind. Infos und Fotos der Demos vom 21.6.:  http://bushgohome.at

In Österreich gelang es auch eine klare Antikriegs-Demonstration gegen den Bush-Besuch durch einen SchülerInnenstreik zu organisieren, auch hierzu haben verschiedenste Gruppen aufgerufen, wobei vor allem die nicht-reformistischen Gruppen eine höhere Resonanz bei den Jugendlichen hatten. So gelang es mittels eines SchülerInnenstreiks einmal eine Demonstration zeitgleich zum Bush-Besuch zu organisieren, und dann abends eine große gemeinsame Demonstration aller linken sowie antiimperialistischer Kräfte zu organisieren.

Interessant fürs deutsche Publikum war hier vor allem, dass es in Österreich den reformistischen Spektren wie z.B. der KPÖ ("Linkspartei") oder der "sozialistischen Jugend" (Jusos) nicht gelang, radikalere oder revolutionäre Kräfte von vornerein auszuschließen bzw. diese zu isolieren, da diese von Anfang an eine erfolgreiche Mobilisierung betrieben. So mußte auch die KPÖ akzeptieren, dass RednerInnen aus allen Spektren der organisierenden Gruppen auftreten können sowie ein Redner authentisch über den Widerstand im Irak informieren konnte.


Said Dudin, von OneWorldMedia, informierte vor allem über die aktuellen Angriffe der israelischen Armee auf Palästina, aber auch über die Interessen der USA in der gesamten Region wie z.B. im Iran. Jedoch skizierte er ebenso die deutschen Interessen bzw. die aktive deutsche Kriegsarbeit im Irak und im Nahen Osten, sei es dass deutsche Geheimdienstler im Irak für die US-Truppen quasi als "Fremdenführer" unterwegs waren, oder das ein Deutscher hinter dem Namen "Sam" stecken würde. "Sam" - wir erinnern uns da an Spiegel-Artikel, soll jene Person gewesen sein, die der nach Afgahnistan entführte deutsche Staatsbürger Khaled el Masri an seiner Stimme erkannt habe.


Der Vertreter des Anti-G8-Bündnis für eine revolutionäre Perspektive gab den letzten Stand zur Mobilisierung nach Stralsund gegen den Bush-Besuch bekannt und informierte über die Arbeit und die Ziele des Anti-G8-Bündnis.

So wurde berichtet, dass die Anmelder der Demontration inzwischen im Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht gegen die Demo-Routen-Auflagen geklagt hatten, da die Stadt (CDU regiert) alle Demonstrationen außerhalb der Altstadt drängen wollen, obwohl die "Rote Zone" nicht die südliche Altstadt berühren. (siehe hier:  http://de.indymedia.org/2006/07/151714.shtml )
Diesem Eilantrag wurde jetzt vom Verwaltungsgericht widersprochen und die Anmelder der Demo haben inzwischen angekündigt, in die 2. Instanz gehen zu wollen.
Der Sprecher des Anti-G8-Bündnis rief alle dazu auf, sich nicht ins Abseits drängen zu lassen und möglichst nahe an die "Rote Zone" bzw. "Sicherheitszone" ranzukommen. Die Sicherheitsmaßnahmen anlässlich des Bush-Besuches in Stralsund sowie in Heiligendamm sind ein Testfall der Herrschenden im Vorfeld des G8-Gipfels 2007 in Heiligendamm. Weiterhin informierte er über die umfangreichen Sicherheitsschikanen gegen die Stralsunder Bevölkerung und das eventuell mit Kontrollen auf den Autobahnen und Zufahrtstrecken nach Stralsund zu rechnen ist.

Um 9 Uhr gibt es einen gemeinsamen Treffpunkt auf dem Europaplatz vor dem Hauptbahnhof (Nordausgang) zwecks gemeinsamer Zugfahrt nach Stralsund, zur Koordinierung von Fahrtgemeinschaften z.B. mit dem Ostsee-Ticket. Treffpunkt auf dem Bahnsteig 7 (unten) ist 9:30 Uhr, Abfahrt 9:41 Uhr.
Verschiedene Gruppen und Bündnisse aus Berlin mobilisieren zu diesem Treffpunkt.

Weiterhin informierte er über die Arbeit und Ausrichtung des Anti-G8-Bündnis für eine revolutionäre Perspektive. (Siehe:  http://www.antig8.tk )

Nach Fragen zur Demo in Stralsund gab es weitere Fragen aus dem Publikum und eine Diskussion zum bevorstehenden Krieg im Iran, den Interessen der USA am Krieg gegen den Iran sowie über die Einschätzung der Positionierung kommunistischer Kräfte zum Krieg gegen den Iran.

Alles im allem eine recht gelungene Veranstaltung mit praktischen Infos als auch inhaltlicher Vertiefung.


Bleibt nur noch zu sagen: Auf nach Stralsund! Bush go home! Smash G8!


weitere Infos:

Mobilisierungsveranstaltungen am 12.7. und
aktuelle Infos:  http://www.AntiG8.tk

Was ist los in Stralsund?
Mit Kartenmaterial:  http://de.indymedia.org/2006/07/151714.shtml

Berlin: Videokundgebung gg. G8 & Bush-Besuch
 http://de.indymedia.org/2006/07/151726.shtml

Infos zum Bush-Besuch am 13.7. in Stralsund:
"Stralsund: Bush & Merkel nicht willkommen!"
 http://de.indymedia.org/2006/07/151475.shtml
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Ergänzungen

Soldaten als Bürger verkleidet winken Bush zu

.... 13.07.2006 - 19:09
Festung in Vorpommern
von Hubertus Volmer

Der Deutschland-Besuch von US-Präsident George W. Bush ist ein Skandal. Nicht die Tatsache, dass er kommt; natürlich nicht. Sondern die Umstände seines Aufenthalts. Mitten im Sommer wurde eine Urlaubsregion zur Festung ausgebaut.

Mehr als 12.500 Polizisten wurden zusammengezogen. In Stralsund, Heiligendamm und Trinwillershagen wurden Absperrgitter, Stacheldraht und Gitterbauzäune aufgestellt. Unmittelbar betroffen von diesen Absperrungen sind 4.500 Menschen. Sie mussten ihre Autos wegfahren, dürfen nicht auf ihre Balkons treten, nicht einmal ihre Fenster öffnen. Auch in der weiteren Umgebung ist die Fortbewegung für Anwohner und Urlauber nur eingeschränkt möglich: 580 Kilometer Straßen wurden gesperrt - sogar auf Strecken, die Bush nur mit dem Hubschrauber fliegt.

Gesperrt wurden auch 220 Quadratkilometer Seefläche und ein 15 Kilometer langer Strandabschnitt bei Heiligendamm. Vor der Küste patrouillieren 26 Streifenboote und 28 Schlauchboote der Polizei. Acht amerikanische Militärhubschrauber beobachten die Gegend von oben. 20 Millionen Euro soll der Besuch insgesamt kosten. Wer diese Kosten trägt - das arme Mecklenburg-Vorpommern oder die Bundesregierung - ist noch nicht entschieden.

Die viel zitierten potemkinschen Dörfer sind nichts gegen die lächerliche Aufführung in Stralsund und Trinwillershagen. Fast ein Viertel der 1.000 Bürger, die Bush auf dem Markplatz von Stralsund zuwinken dürfen, sind Bundeswehrsoldaten. Der Oberbürgermeister hatte sie zu der Veranstaltung "eingeladen". Alle anderen mussten sich in Rathäusern und Landratsämtern anmelden. Die Kommunen durften entscheiden, wer den Präsidenten sehen darf und wer nicht.

Beim Grillfest in Trinwillershagen trifft Bush am Abend dann "Menschen aus der Region" - sie sollen ihm erzählen, wie das so war, als Ostdeutschland demokratisch wurde. Unter den Gästen sind vor allem CDU-Politiker, Vertreter der Kirchen und der Wirtschaft. Nicht einmal der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern war willkommen. Harald Ringstorff erhielt seine Einladung erst am 12. Juli, wurde aber aufgefordert, seine Teilnahme schon am 10. Juli zu bestätigen. Da muss ihm die Lust auf Wildschwein vergangen sein.

Dass Trinwillershagen ausgewählt wurde, weil es schon zu DDR-Zeiten ein Vorzeigeort war, ist im Übrigen nur ein Gerücht. Der wahre Grund ist weitaus peinlicher: Im einstigen LPG-Kulturhaus des Dorfes war Angela Merkel am 23. Juni 2005 mit fast 100 Prozent der Stimmen zur Direktkandidatin ihres Wahlkreises nominiert worden.

Guido Westerwelle hat es auf den Punkt gebracht: Die Idee der Kanzlerin, den US-Präsidenten "in der Hochsaison der Touristen ausgerechnet an die Küste von Mecklenburg-Vorpommern einzuladen und dann die Strände abzusperren, ist eher eine Schnapsidee gewesen".

Erinnert sich noch jemand an den Besuch von US-Präsident Clinton 1999 in Berlin? Clinton besuchte damals ein Restaurant am Kollwitzplatz, nahm ein spontanes "Bad in der Menge" und hinterließ einen sehr guten Eindruck. Klar, die Zeiten haben sich geändert. Merkels Inszenierung in ihrem Wahlkreis soll darüber hinwegtäuschen, dass es nicht mehr möglich ist, den amerikanischen Präsidenten zivil und zivilisiert zu empfangen. Es ist ein Skandal.

 http://www.n-tv.de/688449.html

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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united

we 12.07.2006 - 11:42
Stand ... WELCOME

Ähm...

Tja... 12.07.2006 - 11:54
Da wird im Iran noch lange kein Krieg geführt (die USA könnten sich einen dritten Kriegsschauplatz sowieso nicht mehr leisten...) und schon wird er von den Anti-Imp-Kräften herbeigeredet. Was macht ihr eientlich wenn euer "Hauptfeind USA" mal nicht so reagiert, wie ihr das gerne hättet? Naja, zum Glück mobilisieren ja auch noch Gruppen nächstes Jahr nach Heiligendamm, die nicht so ein eingeschränktes Weltbild haben...

Ohmeingott...

restsubjekt 12.07.2006 - 13:34
..."Bush go home!" - Och Leute, warum denn nur? Ist euch vielleicht etwas aufgefallen, so - eine Kleinigkeit?

Nein? Schon mal was von "Kapitalismus" gehört? Echt spannendes Thema, doch. Funktioniert besonders gut, wenn es irgendwelche noch böseren, mächtigeren Kapitalisten gibt, am besten von anderswo, z.B. USA (Ostküste).

Wer dem Kapitalismus immer nur seine hässlichsten und sichtbarsten ankreidet (z.B. merkel), sagt damit, dass Kapitalistische Produktion, Warentausch und der ganze Unsinn im Prinzip o.K. sind, aber gemeinerweise missbraucht werden.

Wer von "Machtmissbrauch" spricht, behauptet damit, dass Macht an sich gut ist und nur eben "von den richtigen Leuten" weise und maßvoll eingesetzt werden müsste.

Bush go home (oder Yankees, Amis...) ist wieder eine dieser MOBilisierungen, die an uralte Deutsche Denkraditionen anknüpft und deshalb immer wieder erfolgreich ist. Verglichen mit dem Ostküstenneoliberalbörsenturbokapitalisten ist Deutsche Mittelständische Unternehmer doch ein netter Geselle, der Sogar noch Arbeitsplätzwe schafft, gelle?

Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen. Die Amis und ihre Neoliberalen HelfershelferInnen (Israel, Kanzlerin etc...) sind nämlich immer nur am schnöden Mammon, Öl und Macht interessiert. Und wenn wir den Ami heimschicken (wo er hingehört) dann wird die Welt gerechter, sozialer und friedlicher (z.B. Hamas, Baath-Partei, SPD...).

Das sind alte Hüte, aber offenbar muss man immer mal wieder dran erinnern. Das Wort heißt nicht umsonst "Kapitalismuskritik" und nicht "Kapitalistenkritik".

Kapitalismus go home! (Auf den Mond, wo du herkommst, alte Sau!)

Und nicht vergessen: Links ist da, wo der Daumen rechts ist!









antizionistische gruppen auf indymedia stimmt

antifaschist 12.07.2006 - 14:20
die ignorierung des krieges israel palestina momentan auch. und das sich die antikriegs bewegung hierzu nicht öffentlich äussert auch. jeder krieg stellt ein verbrechen gegen die menschlichkeit da, es gibt in einem krieg nun mal nur verlierer. ob usa, israel oder der kashmir konflikt, wenn die diplomatie den waffen weichen muss, wie so oft in dieser welt, ist es egal ob der kriegstreiber in israel palestina usa oder sonst wo sitzt, haben die völker verloren.
"Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker"!(Ernesto Che Gevara)

@ restsubjekt

t.herzl fan club 12.07.2006 - 20:28
ich ärgere mich auch immer wieder wenn ich versehentlich auf die seiten der autonomen bildzeitung aka indy gerate, besonders wenn ich mich dann auch noch dabei erwische wie ich irgendwelche ergänzungen durchlese und mir jedesmal ganz schlecht wird. heute war es wiedermal soweit und ich habe ausnahmsweise mal einen beitrag der eine inhaltliche ergänzung darstellt gefunden! danke! du sprichst mir aus der seele nur versteh ich nicht ganz warum du dir die mühe gemacht hast hier ist ja wohl eh hopfen und malz verloren...

für eine revolutionäre perspektive!

Trotzkistenparty

tums down 12.07.2006 - 20:44
deu.anarchopedia.org/trotzki

wieso solche werbung für Linksruck und Konsorten? Sowas gehört nicht auf die Startseite

Auf nach Stralsund!

Ihr Ergänzungsfetischisten ! 12.07.2006 - 22:32
...übrigens Linksruck ist NICHT Teil des anti-G8 Bündnisses für eine revolutionäre Perspektive und wer was über Trotzkismus lesen will, der sollte mal hier gucken


 http://www.wsws.org/de/2001/jul2001/trot-j06.shtml

Linsruck nicht?

Machno 12.07.2006 - 23:27
aber
Linkswende (Trotzkisten)
Said Dudin (Nationale Befreiung Palästina)
REVOLUTION (trotzkistische Jugendorganisation)
Arbeitermacht (Trotzkisten)
Gegeninformationsbüro (trotzkistisch dominiert)

Ich bleibe daheim!

Uaaahhh...

Sarah 13.07.2006 - 02:14
...manche Gruppen sollten sich mal gaaanz schnell Gedanken machen, warum ihre Politik so viele Anknüpfungspunkte für Nazis beinhaltet...das ist ja echt gruselig was sich in diesem sogenannten revolutionären Bündnis tut. Dann schon 1000x lieber zu Dissent, oder interventionistisches Bündnis oder an die Ostsee zum Urlaub machen!

Willkommen, Mr. Bush!

Friederike 13.07.2006 - 20:30


WILLKOMMEN IN STRALSUND, MR. BUSH!

Friederich Mielke

Die Ankündigung des Bush-Besuches in Stralsund ist eine kleine Sensation. Amerikanische Präsidenten reisen selten ins deutsche Hinterland. Reagan war zwar in Bitburg, Clinton in Eisenach und George W. Bush in Mainz. Stralsund wird dennoch durch den Besuch eines US-Präsidenten privilegiert. Die angekündigte Visite manifestiert die enge Beziehung zwischen Kanzlerin und Präsidenten. Bush zeigt Flexibilität und Entgegenkommen: Die Erfolgsgeschichte im Osten passt in sein Weltbild. Für Bush sind Freiheit, Demokratie und Unternehmertum wichtige amerikanische Prinzipien. Für ihn ist die Leistung im Osten auch ein amerikanischer Erfolg.

Mr. Bush ist in Ostdeutschland nicht beliebt. Er gilt als Projektionsfläche für alles Negative an Kapitalismus und Marktwirtschaft. Seine Außenpolitik erhält schlechte Noten: Der Irakkrieg, die ruinöse Umweltpolitik oder die Ablehnung internationaler Organisationen werden als arrogant und verhängnisvoll kritisiert. Es wäre denkbar, dass die Stralsunder George W. Bush die kalte Schulter zeigen könnten.

Dies wäre fatal und ein Verrat an der Kanzlerin. Frau Merkel hat die richtige Strategie: Ihr vertrauensvolles Verhältnis zum US-Präsidenten ermöglicht ihr und Europa, Einfluss auf die Außenpolitik der USA zu nehmen. Je enger die Beziehung zwischen der Kanzlerin und dem Präsidenten, desto größer die Chance, Washington in wichtigen Fragen der Weltpolitik zu mäßigen und zu beeinflussen. Ein Schulterschluss zwischen den USA und Europa setzt Vertrauen, Kommunikation und Koordination voraus. Frau Merkel schafft die Voraussetzungen dafür.

Der Bush-Besuch bietet eine Gelegenheit, über Anti-Amerikanismus im Osten zu diskutieren. 40 Jahre Klassenfeindpropaganda haben Spuren hinterlassen. Es fällt vielen Ostdeutschen schwer, sich für Amerika zu erwärmen. Bush ist leider kein Vorzeigepräsident. Hillary Clinton oder John Kerry würden sich eher eignen, die USA als Kulturnation darzustellen. Dennoch ist die Zeit gekommen, das Thema Anti-Amerikanismus im Osten zu diskutieren. Es geht nicht an, dass die älteste Demokratie der Welt weiterhin als imperialistisch, faschistoid, kriminell oder kulturlos verurteilt wird. Das Land mit der stabilsten demokratischen und republikanischen Verfassung war bereits ein liberaler Rechtsstaat, als der Preußenkönig deutsche Demokraten mit Soldaten bekämpfte. Amerika ist die Mutter von Freiheit, Volkssouveränität, Gewaltenteilung und republikanischer Staatsform. Dies gilt, obwohl Amerika heute unter Bush der Welt ein anderes Bild zeigt. In Ostdeutschland ist diese Botschaft jedoch kaum angekommen. Die anti-amerikanischen Ressentiments der sozialistischen Propaganda gehören in die Archive.

Kluge Ostdeutsche werden erkennen, dass die deutsch-amerikanische Partnerschaft der vernünftigste Weg ist, die Probleme des 21. Jahrhunderts mit einem transatlantischen Schulterschluss zu meistern. Die Vereinigten Staaten sind keine unbefleckte Weltmacht; ihre Demokratie ist aber immer noch die beste Staatsform. Ostdeutschland muss umdenken. Amerika muss sich als Kulturnation und Wiege der Demokratie vorstellen. Das Vertrauen in eine wohlwollende Pax Americana kann im Osten nur wachsen, wenn Informationen und Vertrauen die Hasspropaganda der Vergangenheit ablösen. Der Bush-Besuch bietet eine Gelegenheit zur Aufarbeitung des gebrochenen Verhältnisses zur USA.

Bush-Vater hat geholfen, die Wiedervereinigung voranzubringen, Bush-Sohn sucht die Nähe zur Bundesrepublik. Die Bush-II-Regierung will ihre Außenpolitik mit Alliierten und Freunden koordinieren. Der militante Kurs der „Neokonservativen“ ist Geschichte. Die Bundeskanzlerin will diese Kursänderung anerkennen und unterstützen. Wer verantwortungsvoll und zukunftsorientiert handelt, steht in Stralsund an der Straße und winkt. Der euro-atlantische Schulterschluss stärkt Europa und die westliche Welt. Wer sich abwendet, schadet seinen eigenen Interessen. Die Schwächung der euro-atlantischen Gemeinschaft stärkt potentielle Weltmächte wie China oder Russland. Niemand muss so laut jubeln wie bei Kennedy oder Clinton. Aber ein freundliches „Willkommen, Mr. Bush“ sollte es schon sein. Auch wenn man dabei mehr an die Kanzlerin als an den Präsidenten denkt.