Studienkreditförderin ins Visier genommen

freieBildung 30.06.2006 22:05 Themen: Bildung
Vor der Deutschen Bank in Marburg wurde am Donnerstag die Bankentour 2006 eröffnet. Die Banken profitieren von der Einführung der Studiengebühren, deshalb sollen sie vermehrt in die Proteste "eingebunden" werden!
Der Startschuss für die Bankentour 2006 war ein Erfolg! Ein Gruppe von ca. 10 Studierenden hat am Donnerstag, 29. Juni 2006 um 10:30 Uhr vor der Deutschen Bank Filiale am Rudolphsplatz in Marburg die Bankentour 2006 eröffnet!

Mit einem Transparent ("Eure Armut kotzt uns an") stellten sie sich vor den Eingang der Deutschen Bank und verteilten an KundInnen und PassantInnen Flyer, die über die Hintergründe aufklären. Die Deutsche Bank profitiert von den Studiengebühren - und das nicht zu wenig, wie anhand von Beispielen verdeutlicht wurde. Die Zinsen für die Kredite (ob für Lebenshaltung und/oder Studiengebühren) belaufen sich schnell auf mehrere tausend Euro (ausführliche Fallbeispiele auf dem Flugblatt).

Die Resonanz auf die Aktion war positiv. Die Flyer waren bereits nach einer Dreiviertelstunde restlos unter die Leute gebracht.

Zwei Studierende gingen in die Bank, um eine Stellungnahme zum Flugblatt sowie Erläuterungen zu den Bedingungen des Studienkredits zu bekommen. Nach einigem Warten wurden sie vom Filialleiter, Torsten Böhme, empfangen. Doch weder eine Stellungnahme noch ein Gespräch über die konkreten Bedingungen der Kredite (u.a. Zinssatz, Tilgung, Selektion der Studierenden, Vorlage und Kontrolle eines Studienplans) waren möglich. Der Filialleiter verwies die Studierenden an die Presseabteilung in der Hauptzentrale Frankfurt und die StudienkreditberaterInnen, von denen zu diesem Zeitpunkt allerdings keineR zu sprechen war - auch in der kommenden Woche ist angeblich kein Termin mehr frei. Es spricht nicht für den Filialleiter, dass er - nach eigenen Angaben - über Studienkredite keine Auskünfte erteilen kann.

Er zeigte sich "wenig erfreut" darüber, dass die Studierenden vor der Bank Flyer verteilten. Die Argumentation des Flugblattes sei "an den Haaren herbei gezogen", es bestehe kein Zusammenhang zwischen Studienkrediten und der Einführung von Studiengebühren. Es sei "unfair", dies außerdem noch mit dem Stellenabbau bei der Deutschen Bank in Beziehung zu setzen. Die Deutsche Bank sei im Kreditgeschäft tätig, dafür könnten und müssten alle Menschen dankbar sein, jeder einzelne profitiere von diesen Gewinnen. Eine Antwort auf die Aufforderung, dies direkt an den beiden Studierenden oder an den entlassenen Bankangestellten zu konkretisieren, blieb er schuldig. Stattdessen behauptete er: Würde die Deutsche Bank keine Milliardengewinne machen, ginge es Deutschland "richtig schlecht".

Als besonders zynisch ist die Aussage des Filialleiters zu bewerten, es gebe "viele" Studierende, die "sehr dankbar" dafür seien, Kredite aufnehmen zu "dürfen". Es werde schließlich niemand dazu gezwungen, wer einen Kredit aufnehme, tue dies "freiwillig". Die Deutsche Bank, so der Filialleiter, sei ein Unternehmen, das auf einen Markt reagiere - dieser sei nachweislich vorhanden. Warum es nun diesen Markt gibt, der äußerst lukrativ ist - denn sonst würde sich die Deutsche Bank nicht engagieren - damit hat die Deutsche Bank natürlich nichts zu tun. Sie reagiert schließlich nur auf die Tatsache, dass "für Studenten [...] finanzielle Engpässe an der Tagesordnung [sind]" (Werbebroschüre Deutsche Bank). Auf Politik habe die Deutsche Bank, ohne deren Milliardengewinne es Deutschland doch angeblich so "richtig schlecht" ginge, keinerlei Einfluss. Was in der Politik entschieden und welche Politik von der Bank gemacht werde, habe nichts miteinander zu tun. Politik wird von PolitikerInnen gemacht, die Deutsche Bank hingegen macht "nur" Geschäfte.

Der Staat zieht sich aus der Bildungsfinanzierung zurück - und zur Belohnung dürfen die Banken noch daran verdienen. Das alles wieder einmal auf dem Rücken der sozial und ökonomisch ohnehin benachteiligten Bevölkerungsgruppen!

Wir fordern: Nein zu Studiengebühren! Nein zum kreditfinanzierten Studium! Kampf der Schuldenfalle! Freie Bildung von der KiTa bis zur Uni!

Die Bankentour 2006 ist eröffnet - und es geht weiter (so und anders...)! Nächste Aktion am Montag!
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Inhalt Flugblatt

freieBildung 01.07.2006 - 02:04
Mein Studium – Meine Schulden – Meine Bank

Deutsche Bank: Milliardengewinne und Stellenabbau – jetzt auch noch Profiteurin der Studiengebühren!

Im Mai dieses Jahres hat die hessische Landesregierung offiziell angekündigt, ab Herbst 2007 Studiengebühren einführen zu wollen: alle Studierenden sollen mindestens 1.000 € pro Jahr zahlen. Hinzu kommen über 400 € Semesterbeitrag, in denen bereits jetzt schon 100 € Verwaltungskosten enthalten sind, die in den Landeshaushalt fließen. Wer für sein Studium länger braucht, wer ein Zweit- oder Promotionsstudium
aufnehmen will, muss bis zu 3.900 € Studiengebühren zahlen. Nicht zuletzt PISA hat gezeigt, dass der Bildungsbereich von der Regierung vernachlässigt wird, besonders Kinder aus sozial schwächeren Familien werden benachteiligt. Anstatt Maßnahmen zu ergreifen, um diese Missstände zu beheben, werden nun Studiengebühren erhoben, sodass sich endgültig nur noch die Kinder reicher Eltern ein Studium leisten können!

Unser höchst selektives Bildungssystem wird durch die Einführung von Studiengebühren drastisch verschärft. Bildung und Einkommen der Eltern entscheiden über den Bildungserfolg: der Anteil der Studierenden, deren Eltern maximal die Hauptschule absolvierten, liegt bei 16%, in 66% der Fälle hat mindestens ein Elternteil selbst studiert bzw. in 20% der Fälle sogar beide. Die Chance, ein Studium aufzunehmen, ist für Kinder reicher Eltern mehr als sieben Mal größer als für Kinder aus einkommensschwachen Familien.

Ein Studium ist nicht kostenlos. Neben den Semesterbeiträgen finanzieren die Studierenden und ihre Eltern das Studium. Bereits 70% aller Studierenden sind erwerbstätig. Je mehr gearbeitet werden muss, desto weniger Zeit bleibt fürs Studium, desto länger dauert es. Dabei verfügen die meisten Studierenden laut Deutschem Studentenwerk über 720 € monatlich, ein Viertel allerdings lebt von weniger als 600 € pro Monat!
Da im Schnitt 250 € für Miete und Nebenkosten ausgegeben werden, bleiben gerade noch 350 € für alle sonstigen Ausgaben – das ist Sozialhilfeniveau!

Die Deutsche Bank hat als erste einen Studienkredit angeboten. Gerade die Deutsche Bank, die durch Stellenabbau trotz Milliardengewinnen im letzten Jahr für Empörung sorgte, zeigt sich als Vorreiterin bei der Einführung von Studiengebühren. Dies passt zum Auftreten der Deutschen Bank, die bereits 2005 den Abbau von insgesamt 6.000 Arbeitsplätzen weltweit, davon 2.300 in Deutschland ankündigte. Insgesamt hat Deutsche Bank-Chef Ackermann rund 20.000 von ehemals 85.000 Vollzeit-Arbeitsplätzen seit seinem Amtsantritt gestrichen! Dafür hat er alleine im vergangenen Jahr 11,9 Mio. € erhalten. Dies entspricht den Studiengebühren von 23.800 Semestern! Vom Gewinn der Deutschen Bank nur im ersten Quartal 2006 (1,7 Mrd €) könnten 3.400.000 Semester bezahlt werden.

Die Deutsche Bank profitiert von Studiengebühren – und das nicht zu wenig:
1. Fall: ein Studierender in Regelstudienzeit, der BaFöG erhält. Er erhält 9 Semester lang 500 € (diese sind zu 50% zurückzuzahlen, die Rückzahlung ist dabei auf 10.000 € begrenzt). Es ergibt sich, dass 8 Jahre lang eine
Summe von 105 € monatlich oder 315 € vierteljährlich zurück gezahlt werden muss. Dazu kommen Studiengebühren in Höhe von 4.500 € (bei 500€ im Semester). Diese müssen über einen Kredit finanziert werden, der mit Raten von 50€ oder 100 € oder 150 € getilgt wird (24 Monate nach Abschluss des Studiums), es fallen Zinsen von höchstens 7,5% an. Einen solchen Kredit erhalten nur Deutsche StaatsbürgerInnen, die das 35. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, die Regelstudienzeit um nicht um mehr als 4 Semester überschritten haben, noch keinen Berufsqualifizierenden Hochschulabschluss haben (alle anderen müssen sich Kredite von privaten Banken besorgen zu noch schlechteren Konditionen). Bei 5% Zinsen ergeben sich in diesem Fall 5.651,79 € die zu zahlen sind, und über 9 Jahre und 6 Monate abgetragen werden (50 € Tilgungsrate). Insgesamt hat das Studium mit BaFöG also in diesem Fall 15.651,79 € gekostet. Die ZINSBELASTUNG DURCH KREDITE beträgt: 1.151,79 €.
2. Fall: Studierende erhält kein BaFöG, 3 Semester über der Regelstudienzeit (12 Semester): ihre Eltern unterstützen sie finanziell mit 150 € monatlich, sie hat Lebenshaltungskosten von 500 € (inklusive Miete!!!!). 150 € verdient sie bei ihrem Nebenjob (deshalb überschreitet sie die Regelstudienzeit um drei Semester), die restlichen 200 € muss sie über einen privaten Bildungskredit finanzieren. Nach den Bedingungen eines KfW Kredits würde sich daraus eine Belastung von 26.524,96 € ergeben, wenn der Kredit binnen 15 Jahren getilgt wird. Dazu kommen 6.000 € Studiengebühren, die sie mit einem „günstigen“ Kredit finanzieren kann. Dabei ergibt sich eine Gesamtschuld von 8.355,10 €, die 13 Jahre und 11 Monate zu Raten von 50 € gezahlt werden muss. In diesem Fall hat das kreditfinanzierte Studium 34.880,06 € gekostet. Die ZINSBELASTUNG
DURCH KREDITE beträgt: 15.908,84 € (13.553,74 € aus dem privaten Kredit zum Lebensunterhalt und 1.355,10 € allein wegen der 500 € Studiengebühren).
3. Fall: kein BaFöG, Beamtensohn, Regelstudienzeit um 3 Semester überschritten (12 Semester): er zahlt 6.000 Studiengebühren ohne Zinsen direkt aus dem Einkommen der Eltern. Die ZINSBELASTUNG DURCH
KREDITE beträgt: 0,00 €.

Der Staat zieht sich aus der Hochschulfinanzierung zurück – und zur Belohnung dürfen die Banken noch daran verdienen. Und das alles wieder einmal auf dem Rücken der sozial und ökonomisch ohnehin benachteiligten
Bevölkerungsgruppen!

Nein zu Studiengebühren!

Freie Bildung von der KiTa bis zur Uni!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 3 Kommentare an

Flugblätter — PROFfessionalisieren

auf nach frankfurt! — Steffie Streik