Archipel USA
Das US- Außenministerium verfügt über eine globale Infrastruktur. US-Botschaftsangehörige bewegten sich über Jahre unbeobachtet über 30 Flughäfen von Europa, des Nahen Ostens und Amerika. Von Kabul nach Guantanamo; von Rabat nach Stockholm; von Palma de Mallorca nach Bagdad; Es wurde Hunderte undokumentierter Flüge absolviert. Die USA geben an, es handelt sich um den Transport von Kriegsgefangenen, aber Menschenrechtsorganisationen wie ai [
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22885/1.html] oder Human Rights Watch (HRW) [
http://hrw.org/english/docs/2006/05/19/usdom13418.htm] oder der für die Achtung der Menschenrechte zuständige Europarat [
http://www.coe.int/T/d/Com/Dossiers/Events/2006-CIA/] klagen an, dass es in der Mehrheit der Fälle keinen Prozess noch eine Anklage gibt. EL PAÍS (die Eintagsfliege im Netz, hat in der Sonntagsausgabe vom 25.Juni 2006 Entführungsfälle aus Berichten von Opfern, Angehörigen, Anwälten und Freunden rekonstruiert.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22885/1.html] oder Human Rights Watch (HRW) [
http://hrw.org/english/docs/2006/05/19/usdom13418.htm] oder der für die Achtung der Menschenrechte zuständige Europarat [
http://www.coe.int/T/d/Com/Dossiers/Events/2006-CIA/] klagen an, dass es in der Mehrheit der Fälle keinen Prozess noch eine Anklage gibt. EL PAÍS (die Eintagsfliege im Netz, hat in der Sonntagsausgabe vom 25.Juni 2006 Entführungsfälle aus Berichten von Opfern, Angehörigen, Anwälten und Freunden rekonstruiert.
1.Republik Mazedonien (NATO-Protektorat Mazedonien)-> saltpit (Afghanistan)
"Als ich, nach meinem gewaltsamen Verschwinden von fünf Monaten, nach Hause nach Neu Ulm zurückkam, war alles eingepackt, Meine Frau und meine Kinder, so wurde mir gesagt, seien im Libanon ... " berichtet Jaled el Masri*, der durch die US-Botschaftsangehörige Entführte am Donnerstag den 22. Juni 2006 vor dem deutschen Bundestagsuntersuchungsausschuss in Berlin.
Bald darauf erklärt El Masri bei einem Telefoninterview am Freitag den 23.Juni 2006 EL PAÍS schluchzend "Ich fühle mich gebrochen. Obwohl ich die Vorgänge so oft erzählt habe, gelingt es mir nicht Herr der Situation zu werden und hier vor den Parlamentsabgeordneten und den Kameras herrscht große Anspannung." "Die Erinnerung lässt mich nicht in Ruhe, Ich kam im Autobus am 31.Dezember 2003 am Grenzposten Tabanovce an und wurde von mazedonischen Behörden festgenommen.
Ich wurde 23 Tage in einem Hotel in Skopje illegal festgehalten. Am 23. Januar 2004, wurde von mir eine Videoaufnahme gemacht: Ich stellte mich vor und erklärte, dass ich laufen gelassen wurde. Anschließend begann mein Leidensweg." erinnert er sich. Obwohl er es damals noch nicht wusste und es immer noch nicht weiß, die Mazedonier informierten die US-Botschaft, dass sie ihn gefangen genommen hatten.
Einer seiner Bewacher informierte auch einen Mitarbeiter der deutschen Auslandsvertretung, Herrn Harald Cordes, welcher im selben Hotel frühstückte und bekundete Zweifel ob es sich um einen deutschen Staatsbürger handelte und bat ihn: El Masri zu identifizieren. Was dieser aber, zumal beim Frühstück, ablehnte. Von der Verhaftung eines deutschen Staatsbürgers durch die mazedonische Polizei erfuhr auch der Leiter der Sicherheitsabteilung der Tochter der deutschen Telekom im Protektorat Mazedonien Dr. Wolf-Dieter Mengel, dieser meldete dies fürsorglich telefonisch vor dem März 2004 bei der deutschen Botschaft in Skopje, welche ihm erwiderte der Fall sei bekannt.
Die "New York Times" berichtete kürzlich, mazedonische Regierungsstellen hätten Informationen über die Festnahme von el-Masri unmittelbar an die damalige Bundesregierung weitergegeben. Schily hatte bisher behauptet, erst nach der Freilassung vom US-Botschafter informiert worden zu sein.
Fahnder des bayrische LKAs von der "Ermittlungsgruppe Donau"[
http://de.indymedia.org/2005/12/134842.shtml], welche die Islamisten-Szene in Neu-Ulm ausspähten, hatten detaillierte Berichte an die US-Botschaft weitergegeben, auf deren Grundlage dann das Folterverhör in Afghanistan durchgeführt wurde.
El Masris Verbrechen war, dass er die Mosche in Neu-Ulm besucht hatte, wo er verdächtige Personen kennen gelernt hat.
[
http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/827/78749/]
"Am Morgen des 23. Januars 2004 legten sie mir Handschellen an und verhüllten meinen Kopf mit einer Bandage. Sie brachten mich zum Flughafen, dort schnitten mir die Kleider vom Leib: Sie ersetzten die Augenbandage durch eine Kapuze. In diesem Moment sah ich acht schwarz gekleidete Männer deren Gesichter durch schwarze Masken verdeckt waren. Sie bedeckten meine Ohren und ich bekam Injektionen in die Arme. Sie brachten mich in ein Flugzeug. Ich erinnere mich, dass es 15 Stufen hoch ging" Das Flugzeug, eine Boeing 737 war von einem Strohmann gemietet und war noch am Tag vorher, am 22.Januar 2004 in Palma de Mallorca.
"Ich konnte das Flugzeug nicht sehen. Sie banden mir die Füße und die Hände und kippten mich auf den Boden. Ich hörte die Motoren. Es schien ein großes Flugzeug zu sein. Nach vielen Stunden sollten wir landen. Es herrschte große Hitze. Ich bemerkte, dass ich nicht Europa war. Es dämmerte der Abend und die Sonne strahlte rot. Später erfuhr ich, dass ich in Kabul war. Ich wurde in ein unterirdische kleine Zelle gebracht und mein Gastgeber, ein Wächter erklärte mir als Willkommen: "Sie sind in einem Land, in welchem Sie keiner kennt. In diesem Land gibt es kein Gesetz.
Wenn Sie sterben werden wir sie eingraben und keiner wird es erfahren."[
http://en.wikipedia.org/wiki/The_salt_pit][
http://www.globalsecurity.org/intell/world/afghanistan/saltpit.htm]
Jaled el Masri, im Libanon geborener, deutscher Staatsbürger war für vier Monate grausamer und erniedrigender Behandlung ausgesetzt.
Eine Dienststelle in Deutschland wurde Ende April/Anfangs Mai 2004 darüber informiert, dass man wohl irrtümlich einen deutschen Staatsbürger inhaftiert habe.
Diese Stelle schickte ab Mai 2004 den BKA-Hauptkommissar Lutz Gerhard Lehmann nach Afghanistan um sich zu überzeugen, dass es sich tatsächlich um einen deutschen Staatsbürger handelt, unter anderem durch mehrfache gezielte Befragung des Gefangenen über Vorgänge aus dem persönlichen Umfeld in Neu- Ulm und hat ihn dann auf dem Flug in die Freiheit begleitet.
Wovon aber el-Masri nichts weiß, da er diesen Transport wieder mit verdeckten Augen und Ohren erlebte. Möglicherweise hat er erkannt dass el Masris Unsicherheit in der deutschen Sprache den Unfug von Zwangsbefragungen offensichtlich macht.
Das arglose Handeln von Lehmann lässt darauf schließen, dass dieser zeitweise davon aus ging, dass der Fall offengelegt wird.**
Allerdings macht der unverhältnismäßige Eingriff in die geschützte Sphäre der Anwaltschaft durch das Abhören des Telefons des Anwalts von el Masri deutlich, dass, die Fassade der rechtstaatlichen Garantien nicht durch die ausführende Politik der Bundesregierung gestützt wird.
2.New York -> Rom -> Ammán (Jordanien) -> Far Filastin (Damaskus, Syrien)
Maher Arar, ein Kanadier syrischer Herkunft ist heute ein freier Mann. Jedoch war er fast ein Jahr in Syrien in Haft. Ohne dass ihm ein Prozess gemacht worden wäre, wurde er auf einen Flug der US-Botschaftsangehörigen geschickt. Sein Resumé: "Ich verbrachte 10 Monate und 10 Tage in einem Grab".
Maher Arar Eine unterirdische Zelle vor der Befreiung.
Am 26.September 2002 kam Maher Arar an den JFK Flughafen in New York aus den Ferien aus Tunesien und wollte weiter an seinen Wohnsitz in Montreal in Kanada. Arar ein 34 jähriger Informatiker, welcher in Syrien geboren ist kam 1987 nach Kanada und hatte dort zwei Kinder erklärt sein Anwalt Lorne Waldman.
Bei der Ausländerbehörde muss sein Name irgend einen Alarm ausgelöst haben. Wie er dem Europaparlament im März 2006 erklärte, wurde er über Abdullah Almalki einen Syrer, der in den USA in Haft ist befragt. Arar erwiderte, dass er ein Freund von Almalki sei und bat um einen Anwalt. Dieser wurde ihm verweigert, da er kein us- amerikanischer Staatsbürger sei. Am 8.Oktober 2002 wurde Arar auf den Flughafen Bargor im US-Bundesstaat Maine gebracht, in ein Flugzeug gesteckt welches Strohmänner der US-Behörden auf die Schwanznummer N829MG zugelassen hatten und nach Rom überführt, wo er um 20:22 h landete. Drei stunden und 32 Minuten später starte das Flugzeug wieder nach Ammán (Jordanien), wo der Europarat eines der "Transferzentren" der US-Behörden annimmt.
Der Anwalt von Arar erklärt, dass sein Mandant "mit einem Fahrzeug mit bandagierten Augen nach Syrien gebracht wurde, und dort in das Gefängnis "Far Filastin", einem Folterzentrum nach amnesty international. Arar hatte erklärt, dass er durch drei Männer befragt und bedroht worden war.
Am 10.Oktober 2002 fand er sich in seiner Zelle. "Es war ein unterirdisches Grab von zwei auf zwei Meter, mit einem Loch im Dach, durch welches die Katzen urinierten. "Ich verbrachte 10 Monate und zehn Tage in einem Grab und für mich ist das Folter" erklärt Waldman. Arar gibt an, das er zu bestimmten Zeiten geschlagen wurde. Am 23.Oktober 2002 putzten ihn die Wärter, damit er den kanadischen Konsul empfangen konnte. Im August gestand er unter Folter dass er in einem Lager für Terroristen in Afghanistan gewesen ist. Arar wurde am 5.Oktober 2003 freigelassen. Zurück in Kanada zeigte er seinen Fall an. Als sein Anwalt gefragt wurde ob Arar eine Beziehung zu Al Qaeda gehabt hat, antwortete dieser: "Bevor ich vor das EU-Parlament ging wollten wir wissen ob sein Name auf der Liste der Verdächtigen ist. Und er war es nicht. Nicht auf dieser noch auf der von Kananda wo er auf dem Gebiet der wireless Computernetzen arbeitet." Arar hat die USA zivilrechtlich verklagt und überlegt sich dies auch mit der Republik Italien zu tun, wo er zwischengelandet wurde. Ein Richter wird entscheiden ob Kanada seine Entführung toleriert. Arar leidet an posttraumatischem Stress.
3. London Gatwick,-> Banjul (Gambia) -> Kairo -> Bagram -> GITMO
Bisher al Rawi und Jamil el Banna wurden angeklagt ein Batterieladegerät bei sich gehabt zu haben.
Wahab al Rawi hatte große Pläne: Er wollte in die Erdnussbutterproduktion in Gambia einem Commonwealthstaat mit offener Wirtschaft einsteigen. Mit einer Investition von einer viertel Million Dollar wollte er einen Profit von 100 Dollar per Tonne Erdnuss also 4.000 Dollar täglich machen. Was er nicht wusste, war, dass das Geschäft seinen Bruder Bisher und einen seiner Teilhaber: Jamil el Banana nach Guantanamo bringen würde. Ebenso wusste Wahab al Rawi nicht, dass Bashir ein Mitarbeiter des britischen Innenministeriums Abteilung 5 war. Er wusste, dass Bisher, wie er selbst und wie Jamil el Banna, Abu Qutada einen islamischen Kleriker kannten, welcher von den Regierungen in London und Washington als gefährlicher Terrorist betrachtet wird.
Wahab erzählt die Geschichte in einem bescheidenen Appartement in Leeds. Hier versucht er seine Schlaflosigkeit zu überwinden und erinnert sich an den alltäglichen Zufall, welcher eine Tragödie auslöste. Er erinnert sich als im November 2002 der ungefähr 35 jährige ledige Bisher und der um die fünfzig jährige Jamal, der Vater von fünf Kindern auf dem Flughafen London Gatwick verhaftet wurden als sie nach Gambia reisen wollten. Offiziell wurde ihnen vorgeworfen, sie trügen einen Apparat zur Herstellung von Sprengstoff mit sich . Es handelte sich um ein Batterieladegerät wie es in irgendeinem Laden gekauft werden kann. Sie wurden nach zwei Tagen wieder freigelassen. "Sie hatten nichts zu verbergen und setzten die Reise nach Gambia fort" erklärt Wahab.
Auf dem Flughafen der Hauptstadt von Gambia, Banjul wurden sie verhaftet. Das Britische Innenministerium hatte die US-Botschaft allarmiert, ohne mitzuteilen, dass es sich bei dem gefundenen Apparat um etwas offensichtlich harmloses handelt.
Wahab vermutet, dass es sich um eine Manipulation der Abteilung 5 des Britischen Innenministeriums handelt, da sein Bruder es unterlassen hat sie über Abu Qutada zu informieren. Er arbeitete mit der Regierung zusammen, er versuchte der Abteilung 5 des Innenministeriums zu zeigen, dass sie sich um Abu Qutada keine Sorgen machen brauchte." Bisher ist ein sehr religiöser Mann, aber sein Bruder versichert, dass dies eine nebensächliche Angelegenheit ist. Wahab und der andere Geschäftspartner wurden nach 27 Tagen freigelassen, aber Basher al Rawi und Jamil el Banna sind immer noch gefangen. In Gambia verbietet ein Gesetz eine Haft auf unbestimmte Zeit ohne Anklage und die US-Botschaftsangehörigen führten die sogenannte "Extraordinary rendition" aus. Sie wurden unerkannt mit dem einem Flugzeug mit der Schwanznummer N379P von welchem es heißt es gehört dem US-Verteidigungsministerium, welches Banjul am 8.Dezember 2002 um 21:45h verließ und am 9.Dezember 2002 um 03:45 in Kairo landete deportiert. Nach einer Stunde flog das Flugzeug weiter nach Kabul wo es am 9.Dezember 2002 um 9:04h ankam.
Ihre Familien wussten nicht wo sie gefangen gehalten werden, nur, dass sie nicht mehr in Gambia waren. Sie erfuhren später durch das Rote Kreuz, dass sie im Gefängnis in Bagram (60 km nordwestliche von Kabul) waren. In Afghanistan wurden sie gefoltert, was Zeugen welche ihre Anwälte fanden bestätigen, Bei den Anwälten handelt es sich um Brent Mickum, [
http://www.guardian.co.uk/comment/story/0,,1388268,00.html] in den USA sowie Gareth Peirce und Clive Smith, von der Menschenrechtsorganisation "Reprieve"[
http://www.reprieve.org.uk/], in UK
Monate später wurden sie nach Guantanmo deportiert.
In der Familie von Al Rawi schien sich die Geschichte zu wiederholen. "Ich dachte ich hätte ein déjà vu. Etwas ähnliches geschah meinem Vater, einem Unternehmer im Irak. Er wurde unter Saddam verhaftet und für 18 Monate inhaftiert und gefoltert" erklärt Wahab welcher die britische Staatsbürgerschaft angenommen hat, nicht wie Bashir, der stolz ist ein Iraker zu sein. Die Regierung in London versuchte sich abseits zu halten mit dem Argument, dass er kein britischer Staatsangehöriger sei. Schließlich betrieb sie seine Freilassung über seine Beziehung zur Abteilung 5 des Innenministeriums aber die Regierung in Washington hat diesem nicht entsprochen. Bisher al Rawi und Jamil el Banna bleiben in Guantánamo und warten darauf für etwas gewichtigeres als das Mit-sich-führen eines Batterieladegerät und die Bekanntschaft zu einem radikalen Kleriker angeklagt zu werden.
4.Stockholm (Schweden) -> Kairo
Hanan Attia erinnert sich an den 8. Dezember 2001. Ihr Ehemann, der Ägypter Ahmed Agiza, verließ sein Haus in Stockholm (Hauptstadt von Schweden) um Schwedisch zu lernen. "Er kam nicht zurück und ich ängstige mich. Er rief mich an und bat mich um seine Medizin für sein Geschwür. Er sagte er sei verhaftet und das Gespräch endete als hätte Jemand den Anruf unterbrochen. Das war das letzte Mal, dass wir uns sprachen." Erinnert sich Attia am Telefon aus Schweden. Ahmed kam nach Schweden um um Asyl anzusuchen, nach dem er wegen Terrorismus in Ägypten in Abwesenheit verurteilt worden war, berichtet Amnesty international.
Seine Frau ist 47 Jahre alt und sie haben fünf Kinder. Nach Ahmeds Verhaftung in Stockholm wandte sich seine Frau an Amnesty international und an die schwedische Regierung. Nach Wochen der Fragen an die Regierung, teilte diese mit, dass er seinen Antrag auf Asyl zurück gezogen habe und vermutet wird, dass er sich in einem Zentrum in Schweden sei. Dem war aber nicht so, Agiza wurde in einem Flugzeug welches von Strohmännern der US-Regierung unterhalten wird, am 18. Dezember 2001 14:43 vom Flughafen Stockholm nach Kairo geflogen. Ahmed bekam einen Prozess in Ägypten und wurde von einem Militärtribunal zu 25 Jahren Haft verurteilt. "Wir haben es unterlassen mit ihm zu sprechen. Was könnte es anrichten, wenn er mit seinen Kindern spricht?" bedauerte seine Frau.
Mit dem selben Flug mit Ahmed, flog auch der Ägypter, Mohamed Alzery, welche in diesen Tagen in Stockholm von schwedischen Behörden verhaftet worden war und an die USA ausgeliefert worden war. Alzery wurde im Oktober 2003 freigelassen, nach dem er fast zwei Jahre in einem Gefängnis in Ägypten verbracht hatte. Er hat die schwedischen Behörden bei der UNO angezeigt. Sein Anwalt, Knell Jonnson, bestätigt, das Alzery aus Sicherheitsgründen nicht spricht.
5.Mailand-> Aviano (Italien) -> Ramstein (Rheinland-Pfalz) -> Tora (Kairo)
Abu Omar wurde 1963 in Ägypten geboren, er kam 1997 als Flüchtling nach Italien. Er ist mit der Ägypterin, Nabila Ghali verheiratet. Omar, der Iman einer Moschee in Mailand. Italienischen Behörden ermittelten im Zusammenhang mit seiner Argumentation zu terroristischen Aktionen.
Am 17.Februar 2003 schnitten ihm zwei Fahrzeuge den Weg ab, und einige Männer, welche sich als Polizisten auswiesen, verschleppten ihn zum US-Luftwaffenstützpunkt Aviano in Norditalien. Von dort wurde er über den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein (Rheinland-Pfalz) nach Kairo deportiert. Dort kam er zunächst für 14 Monate in Haft. Im April 2004 wurde er aus der Haft entlassen, nach dem er seinen Rückzug aus einem angeblichen bewaffneten Kampf unterzeichnet hat. Abu Omar führte zwei Telefongespräche. Das erste war mit seiner Ehefrau, der er sagte, dass er sehr nahe am Tod war. Das zweite war mit seinem Freund Mohamed Reda, dem er erklärte, wie sich seine Entführung abspielte. Wenige Tage später wurde Abu Omar von neuem eingesperrt in Tora eingesperrt, wo er bis heute blieb.
Abu Imad ein Freund von Abu Omar gibt an, dass nicht erklärt wurde, "warum Abu Omar verhaftet wurde, welcher ein guter Mensch ist". "Seiner Frau, Nabila Ghali geht es immer noch sehr schlecht, sie weint jeden Tag" und fragt wie er verhaftet werden konnte, wo er doch entlassen wurde. Mitte August 2005 stellte ein Gericht in Mailand Haftbefehle gegen 22 Angestellte der US-Botschaft, welche in die Entführung verwickelt waren aus, aber weder die Regierung von damals Berlusconi noch jetzt Prodi haben Auslieferungsersuchen an die USA gestellt.
"Extraordinary rendition" - Auf der Suche nach Mister Bob und den 18 Mistkerlen
von Fausto Giudice, August 2005
[
http://quibla.net/alire/giudice3.htm#d]
6. Marokko -> Far Filastin (Damaskus, Syrien)
"Als ich, nach meinem gewaltsamen Verschwinden von fünf Monaten, nach Hause nach Neu Ulm zurückkam, war alles eingepackt, Meine Frau und meine Kinder, so wurde mir gesagt, seien im Libanon ... " berichtet Jaled el Masri*, der durch die US-Botschaftsangehörige Entführte am Donnerstag den 22. Juni 2006 vor dem deutschen Bundestagsuntersuchungsausschuss in Berlin.
Bald darauf erklärt El Masri bei einem Telefoninterview am Freitag den 23.Juni 2006 EL PAÍS schluchzend "Ich fühle mich gebrochen. Obwohl ich die Vorgänge so oft erzählt habe, gelingt es mir nicht Herr der Situation zu werden und hier vor den Parlamentsabgeordneten und den Kameras herrscht große Anspannung." "Die Erinnerung lässt mich nicht in Ruhe, Ich kam im Autobus am 31.Dezember 2003 am Grenzposten Tabanovce an und wurde von mazedonischen Behörden festgenommen.
Ich wurde 23 Tage in einem Hotel in Skopje illegal festgehalten. Am 23. Januar 2004, wurde von mir eine Videoaufnahme gemacht: Ich stellte mich vor und erklärte, dass ich laufen gelassen wurde. Anschließend begann mein Leidensweg." erinnert er sich. Obwohl er es damals noch nicht wusste und es immer noch nicht weiß, die Mazedonier informierten die US-Botschaft, dass sie ihn gefangen genommen hatten.
Einer seiner Bewacher informierte auch einen Mitarbeiter der deutschen Auslandsvertretung, Herrn Harald Cordes, welcher im selben Hotel frühstückte und bekundete Zweifel ob es sich um einen deutschen Staatsbürger handelte und bat ihn: El Masri zu identifizieren. Was dieser aber, zumal beim Frühstück, ablehnte. Von der Verhaftung eines deutschen Staatsbürgers durch die mazedonische Polizei erfuhr auch der Leiter der Sicherheitsabteilung der Tochter der deutschen Telekom im Protektorat Mazedonien Dr. Wolf-Dieter Mengel, dieser meldete dies fürsorglich telefonisch vor dem März 2004 bei der deutschen Botschaft in Skopje, welche ihm erwiderte der Fall sei bekannt.
Die "New York Times" berichtete kürzlich, mazedonische Regierungsstellen hätten Informationen über die Festnahme von el-Masri unmittelbar an die damalige Bundesregierung weitergegeben. Schily hatte bisher behauptet, erst nach der Freilassung vom US-Botschafter informiert worden zu sein.
Fahnder des bayrische LKAs von der "Ermittlungsgruppe Donau"[
http://de.indymedia.org/2005/12/134842.shtml], welche die Islamisten-Szene in Neu-Ulm ausspähten, hatten detaillierte Berichte an die US-Botschaft weitergegeben, auf deren Grundlage dann das Folterverhör in Afghanistan durchgeführt wurde. El Masris Verbrechen war, dass er die Mosche in Neu-Ulm besucht hatte, wo er verdächtige Personen kennen gelernt hat.
[
http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/827/78749/] "Am Morgen des 23. Januars 2004 legten sie mir Handschellen an und verhüllten meinen Kopf mit einer Bandage. Sie brachten mich zum Flughafen, dort schnitten mir die Kleider vom Leib: Sie ersetzten die Augenbandage durch eine Kapuze. In diesem Moment sah ich acht schwarz gekleidete Männer deren Gesichter durch schwarze Masken verdeckt waren. Sie bedeckten meine Ohren und ich bekam Injektionen in die Arme. Sie brachten mich in ein Flugzeug. Ich erinnere mich, dass es 15 Stufen hoch ging" Das Flugzeug, eine Boeing 737 war von einem Strohmann gemietet und war noch am Tag vorher, am 22.Januar 2004 in Palma de Mallorca.
"Ich konnte das Flugzeug nicht sehen. Sie banden mir die Füße und die Hände und kippten mich auf den Boden. Ich hörte die Motoren. Es schien ein großes Flugzeug zu sein. Nach vielen Stunden sollten wir landen. Es herrschte große Hitze. Ich bemerkte, dass ich nicht Europa war. Es dämmerte der Abend und die Sonne strahlte rot. Später erfuhr ich, dass ich in Kabul war. Ich wurde in ein unterirdische kleine Zelle gebracht und mein Gastgeber, ein Wächter erklärte mir als Willkommen: "Sie sind in einem Land, in welchem Sie keiner kennt. In diesem Land gibt es kein Gesetz.
Wenn Sie sterben werden wir sie eingraben und keiner wird es erfahren."[
http://en.wikipedia.org/wiki/The_salt_pit][
http://www.globalsecurity.org/intell/world/afghanistan/saltpit.htm] Jaled el Masri, im Libanon geborener, deutscher Staatsbürger war für vier Monate grausamer und erniedrigender Behandlung ausgesetzt.
Eine Dienststelle in Deutschland wurde Ende April/Anfangs Mai 2004 darüber informiert, dass man wohl irrtümlich einen deutschen Staatsbürger inhaftiert habe.
Diese Stelle schickte ab Mai 2004 den BKA-Hauptkommissar Lutz Gerhard Lehmann nach Afghanistan um sich zu überzeugen, dass es sich tatsächlich um einen deutschen Staatsbürger handelt, unter anderem durch mehrfache gezielte Befragung des Gefangenen über Vorgänge aus dem persönlichen Umfeld in Neu- Ulm und hat ihn dann auf dem Flug in die Freiheit begleitet.
Wovon aber el-Masri nichts weiß, da er diesen Transport wieder mit verdeckten Augen und Ohren erlebte. Möglicherweise hat er erkannt dass el Masris Unsicherheit in der deutschen Sprache den Unfug von Zwangsbefragungen offensichtlich macht.
Das arglose Handeln von Lehmann lässt darauf schließen, dass dieser zeitweise davon aus ging, dass der Fall offengelegt wird.**
Allerdings macht der unverhältnismäßige Eingriff in die geschützte Sphäre der Anwaltschaft durch das Abhören des Telefons des Anwalts von el Masri deutlich, dass, die Fassade der rechtstaatlichen Garantien nicht durch die ausführende Politik der Bundesregierung gestützt wird.
2.New York -> Rom -> Ammán (Jordanien) -> Far Filastin (Damaskus, Syrien)
Maher Arar, ein Kanadier syrischer Herkunft ist heute ein freier Mann. Jedoch war er fast ein Jahr in Syrien in Haft. Ohne dass ihm ein Prozess gemacht worden wäre, wurde er auf einen Flug der US-Botschaftsangehörigen geschickt. Sein Resumé: "Ich verbrachte 10 Monate und 10 Tage in einem Grab".
Maher Arar Eine unterirdische Zelle vor der Befreiung.
Am 26.September 2002 kam Maher Arar an den JFK Flughafen in New York aus den Ferien aus Tunesien und wollte weiter an seinen Wohnsitz in Montreal in Kanada. Arar ein 34 jähriger Informatiker, welcher in Syrien geboren ist kam 1987 nach Kanada und hatte dort zwei Kinder erklärt sein Anwalt Lorne Waldman.
Bei der Ausländerbehörde muss sein Name irgend einen Alarm ausgelöst haben. Wie er dem Europaparlament im März 2006 erklärte, wurde er über Abdullah Almalki einen Syrer, der in den USA in Haft ist befragt. Arar erwiderte, dass er ein Freund von Almalki sei und bat um einen Anwalt. Dieser wurde ihm verweigert, da er kein us- amerikanischer Staatsbürger sei. Am 8.Oktober 2002 wurde Arar auf den Flughafen Bargor im US-Bundesstaat Maine gebracht, in ein Flugzeug gesteckt welches Strohmänner der US-Behörden auf die Schwanznummer N829MG zugelassen hatten und nach Rom überführt, wo er um 20:22 h landete. Drei stunden und 32 Minuten später starte das Flugzeug wieder nach Ammán (Jordanien), wo der Europarat eines der "Transferzentren" der US-Behörden annimmt.
Der Anwalt von Arar erklärt, dass sein Mandant "mit einem Fahrzeug mit bandagierten Augen nach Syrien gebracht wurde, und dort in das Gefängnis "Far Filastin", einem Folterzentrum nach amnesty international. Arar hatte erklärt, dass er durch drei Männer befragt und bedroht worden war.
Am 10.Oktober 2002 fand er sich in seiner Zelle. "Es war ein unterirdisches Grab von zwei auf zwei Meter, mit einem Loch im Dach, durch welches die Katzen urinierten. "Ich verbrachte 10 Monate und zehn Tage in einem Grab und für mich ist das Folter" erklärt Waldman. Arar gibt an, das er zu bestimmten Zeiten geschlagen wurde. Am 23.Oktober 2002 putzten ihn die Wärter, damit er den kanadischen Konsul empfangen konnte. Im August gestand er unter Folter dass er in einem Lager für Terroristen in Afghanistan gewesen ist. Arar wurde am 5.Oktober 2003 freigelassen. Zurück in Kanada zeigte er seinen Fall an. Als sein Anwalt gefragt wurde ob Arar eine Beziehung zu Al Qaeda gehabt hat, antwortete dieser: "Bevor ich vor das EU-Parlament ging wollten wir wissen ob sein Name auf der Liste der Verdächtigen ist. Und er war es nicht. Nicht auf dieser noch auf der von Kananda wo er auf dem Gebiet der wireless Computernetzen arbeitet." Arar hat die USA zivilrechtlich verklagt und überlegt sich dies auch mit der Republik Italien zu tun, wo er zwischengelandet wurde. Ein Richter wird entscheiden ob Kanada seine Entführung toleriert. Arar leidet an posttraumatischem Stress.
3. London Gatwick,-> Banjul (Gambia) -> Kairo -> Bagram -> GITMO
Bisher al Rawi und Jamil el Banna wurden angeklagt ein Batterieladegerät bei sich gehabt zu haben.
Wahab al Rawi hatte große Pläne: Er wollte in die Erdnussbutterproduktion in Gambia einem Commonwealthstaat mit offener Wirtschaft einsteigen. Mit einer Investition von einer viertel Million Dollar wollte er einen Profit von 100 Dollar per Tonne Erdnuss also 4.000 Dollar täglich machen. Was er nicht wusste, war, dass das Geschäft seinen Bruder Bisher und einen seiner Teilhaber: Jamil el Banana nach Guantanamo bringen würde. Ebenso wusste Wahab al Rawi nicht, dass Bashir ein Mitarbeiter des britischen Innenministeriums Abteilung 5 war. Er wusste, dass Bisher, wie er selbst und wie Jamil el Banna, Abu Qutada einen islamischen Kleriker kannten, welcher von den Regierungen in London und Washington als gefährlicher Terrorist betrachtet wird.
Wahab erzählt die Geschichte in einem bescheidenen Appartement in Leeds. Hier versucht er seine Schlaflosigkeit zu überwinden und erinnert sich an den alltäglichen Zufall, welcher eine Tragödie auslöste. Er erinnert sich als im November 2002 der ungefähr 35 jährige ledige Bisher und der um die fünfzig jährige Jamal, der Vater von fünf Kindern auf dem Flughafen London Gatwick verhaftet wurden als sie nach Gambia reisen wollten. Offiziell wurde ihnen vorgeworfen, sie trügen einen Apparat zur Herstellung von Sprengstoff mit sich . Es handelte sich um ein Batterieladegerät wie es in irgendeinem Laden gekauft werden kann. Sie wurden nach zwei Tagen wieder freigelassen. "Sie hatten nichts zu verbergen und setzten die Reise nach Gambia fort" erklärt Wahab.
Auf dem Flughafen der Hauptstadt von Gambia, Banjul wurden sie verhaftet. Das Britische Innenministerium hatte die US-Botschaft allarmiert, ohne mitzuteilen, dass es sich bei dem gefundenen Apparat um etwas offensichtlich harmloses handelt.
Wahab vermutet, dass es sich um eine Manipulation der Abteilung 5 des Britischen Innenministeriums handelt, da sein Bruder es unterlassen hat sie über Abu Qutada zu informieren. Er arbeitete mit der Regierung zusammen, er versuchte der Abteilung 5 des Innenministeriums zu zeigen, dass sie sich um Abu Qutada keine Sorgen machen brauchte." Bisher ist ein sehr religiöser Mann, aber sein Bruder versichert, dass dies eine nebensächliche Angelegenheit ist. Wahab und der andere Geschäftspartner wurden nach 27 Tagen freigelassen, aber Basher al Rawi und Jamil el Banna sind immer noch gefangen. In Gambia verbietet ein Gesetz eine Haft auf unbestimmte Zeit ohne Anklage und die US-Botschaftsangehörigen führten die sogenannte "Extraordinary rendition" aus. Sie wurden unerkannt mit dem einem Flugzeug mit der Schwanznummer N379P von welchem es heißt es gehört dem US-Verteidigungsministerium, welches Banjul am 8.Dezember 2002 um 21:45h verließ und am 9.Dezember 2002 um 03:45 in Kairo landete deportiert. Nach einer Stunde flog das Flugzeug weiter nach Kabul wo es am 9.Dezember 2002 um 9:04h ankam.
Ihre Familien wussten nicht wo sie gefangen gehalten werden, nur, dass sie nicht mehr in Gambia waren. Sie erfuhren später durch das Rote Kreuz, dass sie im Gefängnis in Bagram (60 km nordwestliche von Kabul) waren. In Afghanistan wurden sie gefoltert, was Zeugen welche ihre Anwälte fanden bestätigen, Bei den Anwälten handelt es sich um Brent Mickum, [
http://www.guardian.co.uk/comment/story/0,,1388268,00.html] in den USA sowie Gareth Peirce und Clive Smith, von der Menschenrechtsorganisation "Reprieve"[
http://www.reprieve.org.uk/], in UK Monate später wurden sie nach Guantanmo deportiert.
In der Familie von Al Rawi schien sich die Geschichte zu wiederholen. "Ich dachte ich hätte ein déjà vu. Etwas ähnliches geschah meinem Vater, einem Unternehmer im Irak. Er wurde unter Saddam verhaftet und für 18 Monate inhaftiert und gefoltert" erklärt Wahab welcher die britische Staatsbürgerschaft angenommen hat, nicht wie Bashir, der stolz ist ein Iraker zu sein. Die Regierung in London versuchte sich abseits zu halten mit dem Argument, dass er kein britischer Staatsangehöriger sei. Schließlich betrieb sie seine Freilassung über seine Beziehung zur Abteilung 5 des Innenministeriums aber die Regierung in Washington hat diesem nicht entsprochen. Bisher al Rawi und Jamil el Banna bleiben in Guantánamo und warten darauf für etwas gewichtigeres als das Mit-sich-führen eines Batterieladegerät und die Bekanntschaft zu einem radikalen Kleriker angeklagt zu werden.
4.Stockholm (Schweden) -> Kairo
Hanan Attia erinnert sich an den 8. Dezember 2001. Ihr Ehemann, der Ägypter Ahmed Agiza, verließ sein Haus in Stockholm (Hauptstadt von Schweden) um Schwedisch zu lernen. "Er kam nicht zurück und ich ängstige mich. Er rief mich an und bat mich um seine Medizin für sein Geschwür. Er sagte er sei verhaftet und das Gespräch endete als hätte Jemand den Anruf unterbrochen. Das war das letzte Mal, dass wir uns sprachen." Erinnert sich Attia am Telefon aus Schweden. Ahmed kam nach Schweden um um Asyl anzusuchen, nach dem er wegen Terrorismus in Ägypten in Abwesenheit verurteilt worden war, berichtet Amnesty international.
Seine Frau ist 47 Jahre alt und sie haben fünf Kinder. Nach Ahmeds Verhaftung in Stockholm wandte sich seine Frau an Amnesty international und an die schwedische Regierung. Nach Wochen der Fragen an die Regierung, teilte diese mit, dass er seinen Antrag auf Asyl zurück gezogen habe und vermutet wird, dass er sich in einem Zentrum in Schweden sei. Dem war aber nicht so, Agiza wurde in einem Flugzeug welches von Strohmännern der US-Regierung unterhalten wird, am 18. Dezember 2001 14:43 vom Flughafen Stockholm nach Kairo geflogen. Ahmed bekam einen Prozess in Ägypten und wurde von einem Militärtribunal zu 25 Jahren Haft verurteilt. "Wir haben es unterlassen mit ihm zu sprechen. Was könnte es anrichten, wenn er mit seinen Kindern spricht?" bedauerte seine Frau.
Mit dem selben Flug mit Ahmed, flog auch der Ägypter, Mohamed Alzery, welche in diesen Tagen in Stockholm von schwedischen Behörden verhaftet worden war und an die USA ausgeliefert worden war. Alzery wurde im Oktober 2003 freigelassen, nach dem er fast zwei Jahre in einem Gefängnis in Ägypten verbracht hatte. Er hat die schwedischen Behörden bei der UNO angezeigt. Sein Anwalt, Knell Jonnson, bestätigt, das Alzery aus Sicherheitsgründen nicht spricht.
5.Mailand-> Aviano (Italien) -> Ramstein (Rheinland-Pfalz) -> Tora (Kairo)
Abu Omar wurde 1963 in Ägypten geboren, er kam 1997 als Flüchtling nach Italien. Er ist mit der Ägypterin, Nabila Ghali verheiratet. Omar, der Iman einer Moschee in Mailand. Italienischen Behörden ermittelten im Zusammenhang mit seiner Argumentation zu terroristischen Aktionen.
Am 17.Februar 2003 schnitten ihm zwei Fahrzeuge den Weg ab, und einige Männer, welche sich als Polizisten auswiesen, verschleppten ihn zum US-Luftwaffenstützpunkt Aviano in Norditalien. Von dort wurde er über den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein (Rheinland-Pfalz) nach Kairo deportiert. Dort kam er zunächst für 14 Monate in Haft. Im April 2004 wurde er aus der Haft entlassen, nach dem er seinen Rückzug aus einem angeblichen bewaffneten Kampf unterzeichnet hat. Abu Omar führte zwei Telefongespräche. Das erste war mit seiner Ehefrau, der er sagte, dass er sehr nahe am Tod war. Das zweite war mit seinem Freund Mohamed Reda, dem er erklärte, wie sich seine Entführung abspielte. Wenige Tage später wurde Abu Omar von neuem eingesperrt in Tora eingesperrt, wo er bis heute blieb.
Abu Imad ein Freund von Abu Omar gibt an, dass nicht erklärt wurde, "warum Abu Omar verhaftet wurde, welcher ein guter Mensch ist". "Seiner Frau, Nabila Ghali geht es immer noch sehr schlecht, sie weint jeden Tag" und fragt wie er verhaftet werden konnte, wo er doch entlassen wurde. Mitte August 2005 stellte ein Gericht in Mailand Haftbefehle gegen 22 Angestellte der US-Botschaft, welche in die Entführung verwickelt waren aus, aber weder die Regierung von damals Berlusconi noch jetzt Prodi haben Auslieferungsersuchen an die USA gestellt.
"Extraordinary rendition" - Auf der Suche nach Mister Bob und den 18 Mistkerlen
von Fausto Giudice, August 2005
[
http://quibla.net/alire/giudice3.htm#d] 6. Marokko -> Far Filastin (Damaskus, Syrien)
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Ergänzungen
6. Marokko -> Far Filastin (Damaskus, Syrien)
Mohammed Haydar Zammar ist fast 2 Meter lang, deutscher Staatsbürger, 1961 in Aleppo (Syrien) geboren, verheiratet und hat drei Kinder. Seit zehn Monaten hat seine Ehefrau keine Nachricht von ihm. "Das letzte was ich von ihm erfahren habe ist, ... sagen wir, nicht dass er krank wäre aber es geht ihm nicht gut." erklärt Gül Pinar, [
Links zum Fall Mohammed Haydar Zammar:
Berlin, 24. November 2005 - Als skandalös hat amnesty international (ai) Medieninformationen bewertet, wonach der deutsche Staatsbürger syrischer Herkunft Mohammed Haydar Zammar in Syrien von Beamten deutscher Geheimdienste und des Bundeskriminalamts verhört wurde. Zammar war Presseberichten zufolge 2001 vom US-amerikanischen Geheimdienst nach Syrien entführt worden. ai fordert die Bundesregierung auf, den Vorfall und die Rolle der beteiligten deutschen Geheimdienste sowie des BKA aufzuklären.
26. Juni - Internationaler Aktionstag gegen Folter
Nach Information von Ernesto Ekaizer, Walter Oppenheimer, Cecilia Fleta, Vanessa Lerín und Rafael Méndez.
______________________
*el-Masri
Im Zuge der Kooperation hat sich das Bundeskriminalamt (BKA) an der wahllosen Verfolgung und Verhaftung von Zielpersonen beteiligt - für die USA. Dies erfährt. [
**DIE ZEIT 29.12.2005 Nr.1
"US-Botschaftsangehörige haben das Recht, jedes Gesetz zu brechen"
*** SPIEGEL ONLINE - 19. November 2005, 10:32
Kanzleramt dealte mit Syriens Geheimdienst
Das Bundeskanzleramt hat nach Informationen des SPIEGEL einen Geheimdeal mit der syrischen Regierung abgeschlossen: Im Tausch für Zugang zu dem deutschen Islamisten Mohammed Haydar Zammar sollen Anklagen gegen mutmaßliche syrische Agenten fallen gelassen werden.
Hamburg - Bei einem Treffen im Kanzleramt versprachen hohe deutsche Regierungsbeamte nach SPIEGEL-Informationen, die Anklagen gegen zwei mutmaßliche syrische Agenten zurückzuziehen, wenn deutsche Ermittler dafür Mohammed Haydar Zammar vernehmen dürften. Zammar war einer der engsten Freunde der Todespiloten vom 11. September 2001.
Im Anschluss an das Gespräch in der deutschen Regierungszentrale reiste eine Delegation von Beamten des Bundeskriminalamts, des Bundesamts für Verfassungsschutz sowie des Bundesnachrichtendienstes nach Damaskus und traf den Qaida-Verdächtigen. Bei dem Verhör berichtete Zammar den Beamten, er habe vor allem einen der Todespiloten, Marwan al-Shehhi, von der Pflicht zum Dschihad überzeugt. Auch den "Bremer Taliban" Murat Kurnaz, der seit 2002 in Guantanamo Bay einsitzt, habe er nach Afghanistan vermittelt.
Zammar war Ende 2001 während einer Marokko-Reise festgenommen und von der CIA nach Syrien verschleppt worden. Mithäftlinge berichten, er werde im Far-Filastin- Gefängnis festgehalten und gefoltert. Ein geplanter zweiter Damaskus-Besuch deutscher Beamter kam nicht zustande, weil die Syrer trotz des Versprechens, ihre Agenten aus Deutschland zurückzuziehen, weiterhin im Spionagebereich aktiv sind. Mit einer vom Internationalen Roten Kreuz übermittelten handschriftlichen Notiz vom Juni 2005 durfte sich Zammar unterdessen erstmals seit seinem Verschwinden bei seiner Familie in Hamburg melden. Er wird in Damaskus ohne Gerichtsverfahren und ohne anwaltliche Betreuung festgehalten.
***DER SPIEGEL 47/2005 - 21. November 2005
Der vergessene Gefangene
weiter unten: Abgeordnete verlangen Aufklärung im Fall Zammar
Von Holger Stark
Seit vier Jahren sitzt der deutsche Islamist Mohammed Haydar Zammar in einem Verlies in Damaskus. Von der CIA verschleppt, wird der Freund der Todespiloten hier von den Syrern gefoltert. Einen Geheimdeal mit dem Kanzleramt ließ die syrische Regierung platzen.
Mit dem Far-Filastin-Gefängnis ist es wie mit einem Eisberg. Der gefährliche Teil liegt verborgen unter der Oberfläche.
Sichtbar ist ein Flachbau im Stil sozialistischer Plattensiedlungen, zweistöckig, weiß, so bieder wie einst die Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg. Es ist der Sitz des syrischen Militärgeheimdienstes, Damaskus, Stadtteil Massa, fünf Autominuten westlich vom Stadtzentrum gelegen.
Aus dem Erdgeschoss aber windet sich eine Treppe hinab in das dunkle Kellergewölbe, den Foltertrakt. Hier werden die Zellen von zwei Metalltüren gesichert. Dieser unterirdische Teil macht Far-Filastin zu einem der berüchtigtsten Gefängnisse der Welt, einer Mischung aus Alcatraz und Abu Ghureib.
Die Angst hat sich auch oben ausgebreitet. No photography, military zone, Taxis fahren einen kleinen Bogen.
Kurz vor 17 Uhr strömen durch das gusseiserne, fünf Meter hohe Gatter Dutzende Mitarbeiter des Armeegeheimdienstes nach draußen. Aufseher wie Ahmed, der vor fünf Jahren suspendiert wurde, weil er Gefangene zu Tode verhört hatte, und der trotzdem wieder Dienst tun darf. An der Ecke räkeln sich zwei Nachrichtendienstler in einem klapprigen weißen Peugeot. Sie beobachten und warten. Gleich wird die Sonne den Stadtteil in mildes Abendgold tauchen und der Ruf des Muezzin das Fastenbrechen einläuten. Die Gefangenen können es nur hören, in die Zellen dringt kein Tageslicht.
Früher wurden im Kerker des Far-Filastin ("Palästina-Abteilung") palästinensische Fedajin festgehalten. Heute ist der Platz reserviert für Gefolgsleute Bin Ladens oder solche, die die Syrer dafür halten, Männer wie Mohammed Haydar Zammar, 44.
Zu Zammar geht es am Ende eines langen Flurs nach links, es ist die dritte Tür, kurz nach dem Waschraum, Zelle 13. Fast vier Jahre halten sie ihn hier schon fest.
Immerhin: Er lebt. Das gilt als sicher, seit das Rote Kreuz einen Anruf von Walid al-Muallim bekam, dem stellvertretenden Außenminister. Für syrische Verhältnisse war die Botschaft ein kleines Wunder: Ihr könnt ihm schreiben.
Das Rote Kreuz leitete eine kurze Notiz von Zammars Frau aus Hamburg weiter, und Zammar brachte ein paar Sätze zu Papier. Mit Anrede ("Liebe Frau, liebe Kinder") sind es 7 Zeilen, 43 Wörter nur. Die Schrift ist ungelenk wie bei einem Zweitklässler, die Zeilen sind windschief, er ist das Schreiben nicht mehr gewohnt: "Ich bin gesund und bitte euch, für mich zu beten und mir zu verzeihen. Euer Haydar", al-Salam aleikum.
Es war das erste offizielle Lebenszeichen des deutschen Staatsbürgers Mohammed Haydar Zammar seit seiner Entführung Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001, datiert auf den 8. Juni 2005, Palästina-Abteilung, Damaskus.
Es ist eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich. Zammar lebt. Aber ob ihn seine Familie jemals wiedersehen wird, ist offener denn je.
Der Briefwechsel bringt Licht in einen Fall, der wie kaum ein zweiter für eine Welt steht, in der sich seit dem 11. September 2001 manchmal kaum noch unterscheiden lässt, wer ein Schurke ist und wer nicht - und wenn, wie viel Schurke er ist. Der Fall Zammar ist ein Exempel des "Kriegs gegen den Terror", in dem den USA fast jedes Mittel recht scheint, auch Folter in einem Land wie Syrien, das die Amerikaner offiziell als "Schurkenstaat" bekämpfen. Er steht für die Frage, wie weit ein Rechtsstaat gehen darf, vor allem dann, wenn die Trennung zwischen Recht und Unrecht so unscharf ist.
Und die Entführung wirft Fragen auf nach der Rolle der Bundesregierung, die offiziell nichts Genaues weiß über das Schicksal ihres Staatsbürgers, aber ebenfalls profitieren wollte von den Geständnissen Zammars, und die deshalb eine Delegation deutscher Beamter nach Damaskus schickte. Zu wichtig schienen die Informationen, die der Häftling womöglich besaß, damals, kurz nach Nine Eleven.
Zammar, so glaubten die Ermittler, sei eine Schlüsselfigur für die Aufklärung des schlimmsten Verbrechens der modernen Terrorgeschichte. In der Islamistenszene war er bekannt, in Italien nannten sie ihn "Fratello Mohammed", in Deutschland "Bruder Haydar". Er war ein Hüne von einem Mann, 145 Kilogramm schwer, Oberarme wie Baumstämme. Wer ihn sah, mit dichtem Bart, wallendem blauem Kaftan und Palästinensertuch, ahnte, dass er ein überzeugter Jünger Allahs war.
Gelegentlich übernachtete er in der berühmten Terror-WG in der Hamburger Marienstraße, er war eine Art Ziehvater der Todespiloten um Mohammed Atta. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung fand die Polizei 94 Kopien eines Aufrufs von Osama Bin Laden. Mohammed Haydar Zammar wohnte damals mit seiner Familie bei seinem Bruder in der Bilser Straße im Norden Hamburgs, kaminroter Klinkersteinbau, Siedlungsgebiet, zwei Zimmer für neun Personen, Erdgeschoss links.
"Das ist eine Kriegserklärung an die USA", dozierte er, als ihm die Beamten die Pamphlete vorhielten. "Ich habe das kopiert, um die Schrift an die Muslime zu verteilen." Freunde sagen, Bruder Haydar sei schon immer ein bisschen naiv gewesen, aber er war alles andere als nur ein großes Kind.
Vor allem war er uneinsichtig. Als ihn Wachtmeister sechs Tage nach den Anschlägen vor das Hamburger Amtsgericht zerrten, erklärte Zammar dem Richter, als Muslim gelte für ihn nur das Wort Gottes: "Das Gesetz, das mich hier zur Aussage verpflichtet, ist kein islamisches Gesetz.
Deswegen fühle ich mich daran nicht gebunden." Der Generalbundesanwalt eröffnete kurz darauf ein Ermittlungsverfahren gegen ihn, Aktenzeichen 2 BJs 81/01-5, Verdacht der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung, der Todespiloten. Das Verfahren läuft bis heute.
Zammar kam 1971 aus Aleppo nach Hamburg, aber angekommen ist er in der Bundesrepublik nie richtig. Er brach die Realschule ab, lernte Kfz-Schlosser bei Daimler, fand keine Arbeit. Am 17. März 1982 verzichtete er auf die syrische Staatsbürgerschaft und wurde Deutscher. Er lebte von Sozialhilfe und Kindergeld, rund 1400 Euro im Monat, aber dennoch fand er seinen Vorwurf berechtigt, als Muslim sei man in Deutschland "schon immer schlecht behandelt" worden.
Nach 30 Jahren Deutschland wollte Zammar schließlich weg aus dem Land der Ungläubigen in ein muslimisches Land, nach Marokko vielleicht oder Mauretanien. Er beantragte einen neuen Reisepass beim Bezirksamt Hamburg-Nord und buchte einen Flug über Amsterdam nach Casablanca. Es war der 27. Oktober 2001.
Seine Frau und seine sechs Kinder haben ihn seitdem nicht wieder gesehen.
In Casablanca regelte Zammar die Scheidung von einer jungen Marokkanerin, die er ein Jahr zuvor während des Ramadans zur Zweitfrau genommen hatte. Danach besuchte er die Eltern von Mounir al-Motassadeq, jenem Hamburger Islamisten, der das Testament von Mohammed Atta handsigniert hatte und unter anderem deshalb in Deutschland im Gefängnis saß. Zammar kam mit einer seelsorgerischen Botschaft: Die Familie solle sich keine großen Sorgen machen. Der Staatsschutz habe nicht viel in der Hand.
Als hätten ihm die deutschen Behörden einen Peilsender angeheftet, wurde jeder Schritt von Bruder Haydar im Maghreb registriert, er wurde auf Schritt und Tritt überwacht, in Marokko, auch in Mauretanien. Zammar wollte wissen, wie es wäre, dort zu leben, vielleicht in der Wüste, davon hatte ein Freund aus der Quds-Moschee geschwärmt. Zwölf Tage blieb er, dann kehrte er um nach Casablanca.
Am Morgen des Rückflugs nach Hamburg fing ihn der marokkanische Geheimdienst ab. Die Marokkaner vernahmen ihn, auch die Amerikaner, fast zwei Wochen lang. Dann setzte ihn die CIA in ein Flugzeug nach Damaskus. Es war kurz vor Weihnachten 2001. Zammar war zu einem der ersten Opfer jenes Geheimdienstfeldzugs der Amerikaner geworden, den die US-Regierung seit dem 11. September führt und der derzeit die amerikanische Öffentlichkeit entzweit.
Das Programm mit dem Titel "Extraordinary Renditions" (außergewöhnliche Überstellungen) hat US-Präsident George W. Bush persönlich angeordnet. Es sieht vor, verdächtige Bin-Laden-Anhänger wie Zammar weltweit zu jagen. Die vorläufigen Endstationen dieser Jagd liegen im afghanischen Bagram, auf der Insel Diego Garcia oder in Guantanamo Bay und vermutlich auch in Osteuropa. Es sind die Geheimgefängnisse in aller Welt, in denen Terror-Verdächtige wie Chalid Scheich Mohammed oder Ramzi Binalshibh festgehalten und verhört werden.
In diesem Feldzug spielen Regime wie Syrien eine zentrale Rolle. Sie erlauben der unter Druck geratenen US-Regierung jene Doppelmoral, die Bush vorvergangene Woche erneut bewies, als er pauschal versicherte: "Wir foltern nicht." Aber sie lässt foltern, Häftlinge wie Zammar beispielsweise, an denen sich die Regierung in Washington nicht die Finger schmutzig machen will. Das dürfen die Syrer tun.
Syrien ist im Feldzug gegen al-Qaida das, was Saudi-Arabien für die Ölindustrie ist: eine stetig sprudelnde Quelle. Sie fördert Informationen aus dem Innenleben des Bin-Laden-Netzwerks zutage. Die Frage ist nur, wer Zugang hat zu diesem Rohstoff für die Terrorismusbekämpfung.
Ein Geben und Nehmen wie auf einem Basar.
Die reichhaltigen Details liefert die radikale Muslimbruderschaft, die von der Regierung in Syrien seit mehr als 20 Jahren brutal unterjocht wird und aus der sich viele Leute dem Terror-Kampf Bin Ladens zugewandt haben. Aus dem feinverwobenen Netz, mit dem das Dutzend syrischer Geheimdienste die islamische Opposition überzogen hat, tropfen die Nachrichten über al-Qaida, eine Art Abfallprodukt des Machterhalts. Mindestens dreimal haben Informationen aus Damaskus geplante Terroraktionen gegen US-Einrichtungen verhindert, zwei davon gegen Marine-Basen im Mittleren Osten.
Es ist, wie ein hochrangiger deutscher Regierungsbeamter sagt, "die Gretchenfrage". Was wiegt schwerer: die Bedenken gegen ein Regime, das seine Opposition unterdrückt und foltert? Oder die Möglichkeit, von dem Wissen zu profitieren und damit effizient vorzugehen gegen al-Qaida?
Im Juli 2002 beantwortete das Bundeskanzleramt diese Frage eindeutig, als eine hochrangige Delegation aus Damaskus in Berlin empfangen wurde.
Der Mann, der die Abordnung anführte, war ein syrischer General, der derzeit im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit steht: Assif Schaukat, 55. Der Syrer wird vom Uno-Sonderermittler Detlev Mehlis verdächtigt, einer der Drahtzieher des Mordanschlags auf den libanesischen Ex-Premier Rafik al-Hariri zu sein. Damals, im Sommer 2002, kam Schaukat als Partner der Deutschen und als Vertrauter von Staatspräsident Baschar al-Assad, mit dessen Schwester er verheiratet ist.
Schaukat, ein hochgewachsener Mann mit funkelnden Augen, dichtem Schnurrbart und einer markanten Stirn, gilt als ebenso charismatisch wie gefährlich. Er traf im Kanzleramt auf eine erlesene Runde hochrangiger Beamter, darunter die Präsidenten von Bundesnachrichtendienst (BND) und Bundeskriminalamt (BKA). Es sollte um einen Polit-Deal gehen, es wurde ein Geben und Nehmen, wie auf einem Basar in der Altstadt von Damaskus.
Schaukat hatte zwei Wünsche: Die Bundesregierung sollte Generalbundesanwalt Kay Nehm zurückpfeifen, der gegen zwei Syrer ermittelte, einen nichtakkreditierten Kulturreferenten der Botschaft und einen syrischen Studenten aus Mainz. Die beiden Angeklagten hatten einen Exil-Syrer mit deutschem Pass bespitzelt, der später bei einem Heimatbesuch von syrischen Häschern verhaftet wurde. Nachrichtendienstliche Tätigkeit und Beihilfe zur Freiheitsberaubung lautete der Vorwurf.
Der zweite Punkt betraf eine Frage der Ehre der syrischen Präsidentenfamilie. Deutsche Ankläger beschuldigen den Onkel Assads, Feisal Sammak, der Beihilfe zum Anschlag auf das Berliner Maison de France 1983, ein junger Mann starb dabei. Sammak, damals syrischer Botschafter in Ost-Berlin, hatte wohl den Sprengstoff für die Attentäter in der diplomatischen Residenz zwischenlagern lassen. Er wird noch heute mit internationalem Haftbefehl gesucht.
Die Deutschen hatten ebenfalls zwei Forderungen. Sie wollten, dass die Syrer ihr Agentennetz in Deutschland auflösen. Und sie wollten Zugang zu Zammar.
Im Sommer der deutschsyrischen Freundschaft versprachen beide Seiten, ihren Teil des Deals zu erfüllen.
Am Tag vor Eröffnung der Hauptverhandlung in Koblenz gegen die beiden mutmaßlichen syrischen Agenten zog die Bundesanwaltschaft ihre Anklage auf Weisung des Justizministeriums zurück. Begründung: Dem Verfahren stünden "überwiegende öffentliche Interessen, insbesondere die Bekämpfung des internationalen Terrorismus" entgegen. Und im Fall des Assad-Onkels versprachen die Deutschen eine gründliche Prüfung.
Die Syrer sagten ihrerseits eine Mäßigung der Spionageaktivitäten zu, sie zogen sogar einen Residenten aus der Botschaft ab, wie es Berlin verlangt hatte. Und sie offerierten Zugang zu Zammar, versehen mit der Drohung, jegliche diplomatischen Beziehungen abzubrechen, sollte dieses Entgegenkommen zu einer öffentlichen Erörterung des Schicksals des Gefangenen führen.
Am 20. November 2002 machte sich eine deutsche Delegation auf den Weg gen Damaskus. Zwei Beamte kamen aus Köln, vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Zwei weitere reisten aus Pullach an, vom Bundesnachrichtendienst. Und zwei stießen aus Meckenheim dazu, vom Bundeskriminalamt. Die sechs Männer, die an einem milden Herbstmittwoch auf dem Damascus International Airport landeten, 25 Kilometer südöstlich vom Stadtzentrum, kennen Zammar seit langem.
Zammars Schreie waren bis in die anderen Zellen zu hören.
Die Verfassungsschützer kannten ihn, weil sie ihn anwerben wollten als Spitzel, damals, 1997 in Hamburg. Sie nannten es "Operation Zartheit", in Anspielung auf Zammars Statur. Ein Geheimdienst aus dem Ausland hatte sie auf den Bin-Laden-Anhänger aufmerksam gemacht. Dem ersten Anwerbegespräch war ein zweites gefolgt. Zammar hat ihnen stets ins Gesicht gelacht damals, er diene keinem Westler, er diene nur Allah und dem Dschihad. Und dann geschickt hinzugefügt: allerdings nur draußen in der Welt, in Bosnien, in Afghanistan. Nicht im kleinen Deutschland.
Sie hörten ihn daraufhin ab, sie observierten ihn, sie verloren ihn, weil er Ende 1997 sein Telefon abmeldete, fanden ihn später wieder. Sie informierten auch die CIA, 1999, die in Hamburg einen eigenen Residenten hatte. Die CIA machte sich Sorgen: Entwickelte sich Hamburg zu einem jener Knotenpunkte, von dem aus Freiwillige für Bin Laden nach Afghanistan geschleust wurden? Mit der "Operation Zartheit" war Zammar auf die interne Wanted-Liste der Amerikaner geraten.
Anfang 2000, als die Operation auslief, verloren ihn die deutschen Beamten aus dem Blickfeld, sie hielten den kräftigen Muslim für ein terroristisches Leichtgewicht. Ein tragischer Irrtum: Am Tag nach dem 11. September 2001 fanden sich unter den Asservaten des Verfassungsschutzes Mitschnitte von Telefonaten, die Zammar mit der Gruppe um Mohammed Atta geführt hatte, Mitschnitte, die die Geheimen zu der Terrorzelle hätten führen können. Aber sie hatten die Gespräche nicht deuten können. Seitdem haben sie noch eine Rechnung offen.
Die Männer vom BKA kannten Zammar, seitdem die Kriminalisten nur Stunden nach den Anschlägen vom 11. September in Hamburg eingefallen waren, 600 Mann auf der Suche nach Helfern der Todespiloten, gemeinsam mit dem FBI. Bruder Haydar war einer der üblichen Verdächtigen.
Und die Beamten vom BND kannten ihn, weil der Bundesnachrichtendienst alle Meldungen zu Zammar empfangen hatte, die ausländische Geheimdienste aus Italien oder Afghanistan an die Deutschen übermittelt hatten.
Doch war der Gefangene, der ihnen in Syrien gegenübersaß, tatsächlich jener schwergewichtige Fanatiker, der den Rechtsstaat einst voller Verachtung verhöhnt hatte? Zammar hatte abgenommen, 50 Kilo vielleicht, fast mager sah er aus. Und er redete. Die Syrer hatten ihn am Tag vor dem Besuch aus der Zelle holen lassen, sie hatten ihm die Haare geschnitten, ihn neu eingekleidet und ungewöhnlich höflich behandelt. Nichts sollte verraten, dass der Häftling in den Wochen zuvor täglich verhört worden war - und wie, die anderen Gefangenen hatten die Schreie bis in die Zellen hören können.
Als die Vernehmung begann, schien Zammar bestens präpariert auf die Fragen der Deutschen nach Atta, dem 11. September und Osama Bin Laden.
Zammar nahm die Beamten mit auf eine Zeitreise in die neunziger Jahre, in eine Republik, die mit Rechtsextremisten haderte und mit der deutschen Einheit, eine Republik, in der der Islamismus ungestört gedeihen konnte. Er erzählte, wie er das erste Mal nach Afghanistan fuhr, 1991, über Karatschi nach Peschawar und Khost. "Farm 2" und "Farm 4" hießen die Lager, in denen ein Algerier den Umgang mit Sprengstoff lehrte. Zammar blieb bis zum Winter 1991 am Hindukusch, trotz Problemen mit den Knien und dem Rücken, mit einem Geländewagen fuhren sie über die holprigen Pisten bis an die Front. Nach einer eisigen Nacht in einem Gästehaus in Peschawar ging es zurück nach Hamburg.
Damals verkauften Exil-Afghanen ganz offen Propagandavideos in der Hansestadt, eines hieß "Kabul sucht Befreier", und Zammar wollte kämpfen gehen, nachdem er den Film gesehen hatte. Er lernte in Afghanistan den Einsatz von Mörsergranaten, später auch den Umgang mit Giften bei einem dicklichen Ausbilder namens Abu Chabab, im ersten Stock eines Ausbildungszentrums, das rund um die Uhr von arabischen Afghanen bewacht wurde. Zwei Monate lang blieb er diesmal, im Sommer 1995, und als er zurück in Europa war, trampte er nach Bosnien, Zenica, um den Muslimen im Kampf gegen die Serben beizustehen.
Als er Jahre später erneut nach Afghanistan reiste, mit Emirates Airline über Dubai, hatte Zammar vorher gesammelt. 12 000 Mark hatten die Brüder in Deutschland für den Dschihad gespendet, 2000 Mark davon hatte ein ägyptischer Imam aus Minden beigesteuert, 5000 Mark eine islamische Wohlfahrtsorganisation. Zammar, der Geldbote der Qaida, überbrachte einen Teil davon an einen Palästinenser namens Abu Atta, der den Umgang mit Sprengstoffen in Kabul unterrichtete und sieben Kinder zu ernähren hatte.
Das war Zammars Art, den heiligen Krieg zu unterstützen. Es war fast genau ein Jahr vor den Anschlägen von Amerika.
Auf dieser Reise, so erzählte es der bärtige Gefangene, habe er auch Osama Bin Laden persönlich getroffen, in einem Camp nahe dem Flughafen von Kandahar, in dem Bin Laden sich zeitweilig aufhielt. Ein Syrer feierte Hochzeit, und Bin Laden war als Ehrengast erschienen. Zammar empfand es als erhebenden Moment, vergleichbar vielleicht mit den Gefühlen eines Katholiken, der zur Audienz beim Papst vorgelassen wurde.
Im Oktober 2000 sprengte die Qaida ein großes Loch in den amerikanischen Zerstörer "Cole", der im Hafen von Aden lag, 17 Soldaten starben. Zammar lebte damals in einem Lager bei Kandahar. Als die Mudschahidin die Nachricht vernahmen, so erzählte er, hätten sie sich abends versammelt und ausgelassen gefeiert. In dieser Nacht habe niemand in den Häusern geschlafen, aus Angst vor Vergeltungsschlägen der Amerikaner. Es war ein Herbst, in dem es schien, als wäre der große Teufel Amerika bezwingbar.
Dann stellten die Ermittler die wichtigste aller Fragen: Was wusste Zammar über die Vorbereitung der Anschläge vom 11. September 2001? Die Antwort gibt Aufschluss über die Vorgeschichte in Hamburg, aber sie entlastet Zammar auch, nachdem der sich in dem Verhör bis dahin Minute um Minute mehr belastet hatte. Er ist, das glauben die Behörden seitdem, ein geistiger Wegbereiter, aber wohl kein Mittäter.
Die Details der Vernehmung sind bis heute unter Verschluss.
Er hat Binalshibh, Atta, Marwan al-Shehhi und Ziad Jarrah nach Afghanistan vermittelt, das hat er jedenfalls ausgesagt. Er kannte zunächst nur Atta, den er in der Quds-Moschee getroffen hatte, 1996, ein junger Ägypter mit hartem Zug um den Mund. Atta machte ihn mit Binalshibh bekannt, aber am meisten diskutierte Zammar mit Shehhi, den er erst 1998 kennen gelernt hatte und der damals "noch nicht so gefestigt" gewesen sei wie Atta.
Zammar schwärmte wieder und wieder von Afghanistan, von den Brüdern und der Ausbildung in den Lagern, in denen es in seinen Erzählungen zuging wie bei Karl May im Wilden Westen. Shehhi, so sagte es Zammar den Vernehmern, sei schließlich derjenige gewesen, der im Herbst 1999 als Erster davon gesprochen habe, an den Hindukusch zu reisen.
Sie haben ihm danach wohl nicht mehr viel erzählt, ihm nicht getraut. Als er den bis heute untergetauchten Zakariya Essabar Anfang 2000 in Afghanistan getroffen habe, in einem Lager namens Kargar, habe der nur vage von der Grundausbildung gesprochen, die er gerade absolviere. Aber kein Wort sei gefallen über den monströsen Plan, der damals schon in den Köpfen der Todespiloten gewesen sein muss. So kehrte Zammar zurück nach Deutschland, wohl ohne zu wissen, was seine Freunde gerade akribisch planten.
Acht Tage vor den Anschlägen in Amerika fand auf dem Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel so etwas wie eine Abschiedsfeier statt. Said Bahaji verließ Deutschland, und Zammar begleitete ihn bis zum Gate, ein paar Freunde ebenfalls, darunter laut Zammar auch Motassadeq und Abdelghani Mzoudi. Bahaji, das werden die Fahnder später rekonstruieren, setzte sich an diesem Tag nach Pakistan ab, er war wohl einer der Logistiker der Anschläge, er wusste, dass er weg musste aus Deutschland. Am Flughafen traf Zammar zufällig auf einen weiteren Islamisten aus der Hamburger Quds-Moschee, einen Tunesier namens Fatih, der ebenfalls nach Afghanistan wollte. Es muss, glaubt man Zammar, ein fröhliches Abschiednehmen unter Mudschahidin gewesen sein, auf bald, Inschallah.
Die deutschen Beamten hatten in Damaskus eine Mappe voller Lichtbilder dabei, ein Sammelalbum deutscher Mudschahidin, und sie legten Zammar die Bilder vor, als wäre der Gefangene ein offizieller Gutachter. Eines der Fotos zeigt einen Mann mit sandfarbener Wollmütze und Kalaschnikow inmitten einer kargen, hügeligen Landschaft, angeblich bei Kabul.
Wer der Mann sei?
Das müsse Mamoun Darkazanli sein, entfuhr es Zammar ohne Zögern, jener deutsch-syrische Kaufmann aus Hamburg, den die Ermittler schon lange der Unterstützung des Bin-Laden-Netzwerks verdächtigen und gegen den in mehreren Ländern ermittelt wird. "Ich wusste nicht", staunte Zammar, "dass Darkazanli auch in Afghanistan war!" Auch die Maschinenpistole erkannte er: Es war das gleiche Modell, an dem er selbst ausgebildet worden war. Darkazanli allerdings bestreitet bis heute, je in Afghanistan gewesen zu sein.
Der Gefangene lüftete auch ein kleines Geheimnis: Er sei es gewesen, der den "Bremer Taliban" Murat Kurnaz nach Afghanistan geschickt habe, damals, nach dem 11. September. Zammar und Kurnaz kannten sich von einer Feier in Bremen, später trafen sie sich in der Nur-Moschee in Hamburg wieder, Zammar, Kurnaz und ein Freund. Wie so oft dozierte Zammar über den Dschihad und empfahl den beiden jungen Türken aus Bremen, das offizielle Büro der Taliban zu kontaktieren. Kurnaz fuhr tatsächlich, er ist seit 2002 Gefangener der Amerikaner auf Guantanamo Bay.
Drei Tage verbrachten die deutschen Ermittler mit Zammar in Damaskus. Als die Arbeit getan war, lud Schaukat die Gäste aus Almania zum Abendessen, als Zeichen deutsch-syrischer Verbundenheit.
Die Details aus der Vernehmung sind bis heute unter Verschluss, sie sind in keines der Ermittlungsverfahren gegen Islamisten eingeflossen, obwohl das BKA die mit den Ermittlungen beauftragte Behörde ist. Die Polizisten wissen, dass kein rechtsstaatliches Gericht eine Vernehmung in Damaskus akzeptieren würde, in einem berüchtigten Foltergefängnis.
Das Far-Filastin ist ein Hort des Schreckens. Es heißt, dass es fast leichter ist, hier zu sterben als zu überleben.
Die Zellen sind kaum größer als ein Schrank, geschätzte 1,85 Meter lang, 85 Zentimer breit und knapp 2 Meter hoch, so schildern sie ehemalige Insassen. Die Gefangenen nennen sie "die Gräber". Statt eines Bettes haben die Häftlinge Laken, eine Plastikflasche ersetzt tagsüber die Toilette. Im Sommer rinnt das Kondenswasser von den Betonwänden, im Winter ist es manchmal so kalt, dass die Kakerlaken tot auf den steinernen Boden fallen. Über den Flur huschen Ratten, manche so groß wie Katzen, sie pressen sich unter den Zellentüren hindurch auf der Suche nach Nahrung. Dreimal am Tag bringen die Wärter Essen, Joghurt und Tee am Morgen beispielsweise, Bulgur zu Mittag und am Abend eine Linsensuppe. Das Essen ist meist so verdorben, dass Zammar wie die meisten Häftlinge schon bald an dauerhafter Diarrhöe litt, wie sich Abdullah al-Malki erinnert.
Malki, einen Exil-Syrer aus Kanada, der mit Wissen der kanadischen Behörden in Damaskus verhaftet wurde, haben die Syrer eineinhalb Jahre lang im Far-Filastin festgehalten, Zelle 3, schräg gegenüber von Zammar.
Eines Nachts, im Winter 2003, erzählt Malki, seien die Wachen mit umwickelten Elektrokabeln gekommen, um alle Gefangenen zu bestrafen, die sich von Zellentür zu Zellentür durch Zurufe verständigten. Unter den Aufsässigen war auch Zammar, die Wärter schlugen ihn, doch diesmal wehrte er sich. "Gott gab mir eine Zunge, und ich werde sie benutzen", schrie er und seine Stimme hallte so laut durch die Katakomben, dass alle Häftlinge es hören konnten. "Ich bin kein Stück Holz, das ihr einfach in dieses Grab werfen könnt!"
Folter, sagt Amnesty International, sei im Far-Filastin an der Tagesordnung. Entlassene Gefangene berichten von Kabelschlägen auf die nackten Fußsohlen bis zu Elektroschocks, 38 Foltermethoden hat Amnesty dokumentiert. Besonders gefürchtet ist ein Autoreifen, in den der Gefangene hineingezwängt wird. Der Reifen wird aufgehängt und der Gefangene anschließend mit Schlagstöcken malträtiert. "Dulab" nennen die Wärter das Werkzeug, auch Malki haben sie so behandelt.
Einmal, als Malki zeitgleich mit Zammar zum Verhör abgeholt worden sei, habe sein Vernehmer mit dem Finger auf den in einen braunen Anzug gekleideten Zammar gezeigt und sich gebrüstet: "Dieser Typ hat nicht gesprochen, bis er richtig geschlagen wurde."
Darf eine Strafverfolgungsbehörde wie das BKA, die an deutsches Recht und Gesetz gebunden ist, in Damaskus vernehmen, während dem Gefangenen gleichzeitig jede Betreuung durch die deutsche Botschaft untersagt wird? Hat der Staat nicht auch eine Fürsorgepflicht für Bürger wie Zammar, selbst dann, wenn dieser Bürger ein islamischer Extremist ist?
Der Fürsorgepflicht für Zammar wurde unter dem Aktenzeichen RK 531 E Genüge getan, ein Konsularfall. Die deutsche Botschaft in Damaskus - den Kasjun-Hügel hinauf, im feinen Viertel Malki, ein schmuckloser, dreigeschossiger Bau, in dem einst die Botschaft der DDR unter-
gebracht war - hat versucht, den Fall, der keine Frage der Diplomatie ist, mit diplomatischen Mitteln zu fassen.
Seit Juni 2002 hat der Botschafter Verbalnoten und Erinnerungsnoten verfasst, acht Stück insgesamt, die letzte am 25. Mai 2005 mit der "Bitte um Mitteilung des Haftgrundes" und Zulassung eines Anwalts.
Die Syrer haben keine der Noten beantwortet, sie hatten ja schon mit dem Kanzleramt gesprochen. Die deutschen Diplomaten wissen bis heute nicht einmal, dass eine deutsche Delegation bei Zammar war.
Die Syrer haben auch das Rechtshilfeersuchen des Bundesjustizministeriums nicht beantwortet, das Generalbundesanwalt Kay Nehm formuliert hat. Das Hanseatische Oberlandesgericht hatte Antwort haben wollen auf die Frage: Hat Zammar die Todespiloten um Mohammed Atta unterstützt? Darauf, das Kanzleramt zu fragen oder das Bundesinnenministerium, die alles über Zammar wussten, konnte keiner kommen. "Zammar war für die Behörden wie eine verbotene Frucht", sagt die Hamburger Rechtsanwältin Gül Pinar, "die Bundesregierung konnte nicht widerstehen, sie zu kosten."
Die Syrer haben ihren Teil des Deals nicht eingehalten.
Pinar ist für die Islamistenszene so etwas wie die Mutter Courage, seit sie für den Marokkaner Abdelghani Mzoudi einen Freispruch erstritten hat. Sie vertritt jetzt die Familie von Zammar. Bei Mzoudi hat Pinar erlebt, wie schwer sich ein Rechtsstaat mit einer Verurteilung tun kann, wenn die Beweislage schwierig ist. Bei Zammar erlebt sie, was passiert, wenn Staaten eine rote Linie überschreiten.
Die Anwältin hat an Außenminister Joschka Fischer geschrieben, sie hat ihn um Hilfe gebeten für den vergessenen Gefangenen. Ein Vortragender Legationsrat Erster Klasse hat ihr geantwortet, leider lägen dem Auswärtigen Amt "keine neuen Erkenntnisse zur gegenwärtigen Situation des Herrn Zammar vor". Nun erwägt Pinar eine Strafanzeige gegen die Bundesregierung und deren Beamte.
Die Leute von BKA, BND und Verfassungsschutz wollten eigentlich noch mal wiederkommen, so hatten sie es verabredet, als sie Ende November 2002 Damaskus verließen. Ein zweiter Termin war bereits avisiert, doch die Reise kam nie zustande, die Syrer haben ihren Teil des Deals nicht eingehalten. Sie haben ihr Agentennetz nicht zurückgezogen, gelten im Gegenteil inzwischen als eines der aggressivsten Länder überhaupt im Spionagebereich.
"Das Projekt war ein Versuch", sagt ein deutscher Regierungsbeamter, "heute wissen wir, dass es ein Fehler war."