Parchim: Prozeß gegen Akubuo
Am Dienstag und Mittwoch dieser Woche wurde vor dem Amtsgericht Parchim in Mecklenburg der Prozess gegen A. C. Akubuo fortgesetzt. Der vom Regime verfolgte 46-jährige Nigerianer kam 1993 in die BRD und beantragte politisches Asyl. Seit langem ist er auch hier politisch aktiv und soll nun kriminalisiert werden. Ein Prozeßbericht
Akubuo verbrachte etwa zehn Jahre in Flüchtlingslagern in Mecklenburg, weitab von den Städten, den so genannten "Dschungelheimen", weil sie oft mitten im Wald liegen. Seinen Lebensunterhalt musste er wie andere Flüchtlinge per Einkaufsgutschein bestreiten. Dieses diskriminierende Zahlungssystem wird nur von ausgewählten Ladenketten betrieben, die Beschaffung von aus den Heimatländern gewohnten Nahrungsmitteln ist unmöglich. Akubuo protestierte in all den Jahren immer wieder in Geschäften, Behörden und in der Öffentlichkeit gegen diese Praxis der Stigmatisierung und Ausgrenzung, seine Weigerung, sich solchen unerträglichen Lebensbedingungen anzupassen, erscheint in den Gerichtsakten als räuberischer Diebstahl, Körperverletzung oder Sachbeschädigung.
Der Prozesstag am Dienstag begann mit der Einigung aller Verfahrensbeteiligten, verschiedene Anklagen, die sich auf den Zeitraum vor 2003 beziehen, einzustellen. Der Angeklagte sah darin "den Anfang einer demokratischen Entwicklung" in diesem Prozess.
Zunächst wird ein Vorfall vom April 2003 in einem Aldi-Markt verhandelt. Akubuo kaufte für ca. 35 € ein und legte zwei 20-€-Gutscheine an der Kasse vor. Das Gutscheinsystem beinhaltet, dass nur 10 % des Wechselgeldwertes ausgezahlt wird! Die Verkäuferin legte ihm nahe, entweder mehr einzukaufen oder Waren wegzunehmen, bis ein 20-€-Gutschein reiche. Akubuo verweigerte dieses, nahm Zigaretten aus dem Regal, um den Wertverlust auszugleichen. Er bat darum, die Polizei zu verständigen, dieses wurde abgelehnt, es folgte eine Auseinandersetzung mit vier bis sechs Personen, bei der eine Verkäuferin und Akubuo leicht verletzt wurden.
Das Gutscheinsystem für Flüchtlinge ist mittlerweile abgeschafft in Mecklenburg, aber bei der Vernehmung während des Verfahrens äußerte eine Aldi-Verkäuferin, dass heute Einheimische mit Gutscheinen bezahlen.
Zum Schluss des dritten Prozesstages wird die Anklage wegen "Körperverletzung" gegen Akubuo verhandelt. Das Gericht hat einen jungen Iraker als Zeugen geladen. Dieser berichtet, im Januar 2004 habe er in einer Parchimer Disko ein deutsches Mädchen kennen gelernt, sie hätten getanzt und sich geküsst, bis ein Typ auf ihn zukam, ob er mal rauskommen könnte. Vor der Disko habe er den ersten Faustschlag ins Gesicht bekommen, danach hätten auch andere auf ihn eingeschlagen. Das Mädchen habe ihn zum Glück verteidigt, indem sie die Angreifer anflehte, aufzuhören. Dann wäre Akubuo aufgetaucht, um dazwischenzugehen, sie hätten "Scheißneger" gerufen, von ihm selbst abgelassen und sich auf Akubuo gestürzt, ca. zehn Angreifer, sie schlugen von vorn, von hinten und von der Seite, auch als er auf dem Boden lag.
Akubuo habe ihm nachher erzählt, dass er entkommen konnte bis zu seinem Wagen, dort "ein Teil zum Autoheben" aus dem Kofferraum holte und einem von ihnen an den Kopf schlug. Am nächsten Mittwoch ist dieser Jugendliche als Zeuge geladen und die Polizei, die am Tatort die identifizierten Angreifer nicht kontrollierte.
An Parchim fliegt der Prozess vorbei wie ein Ufo, das niemand sieht. Eine Parchimer Rentnerin war als Zuschauerin da, die flüsterte mir zu: "Hier ist was los, in der letzten Zeit gab es schon zwei Tote in der Diskogegend Parchims, Kämpfe zwischen Deutschen und Russen."
A. C. Akubuo hat, seit er hier ist, rassistischer Konfliktlösung die Stirn geboten, in welcher Gestalt auch immer sie daherkam. Das ist ein großer Verdienst und braucht Ermutigung, keine Kriminalisierung.
Berlin, 22.6.2006
Volker Braun
Der Prozesstag am Dienstag begann mit der Einigung aller Verfahrensbeteiligten, verschiedene Anklagen, die sich auf den Zeitraum vor 2003 beziehen, einzustellen. Der Angeklagte sah darin "den Anfang einer demokratischen Entwicklung" in diesem Prozess.
Zunächst wird ein Vorfall vom April 2003 in einem Aldi-Markt verhandelt. Akubuo kaufte für ca. 35 € ein und legte zwei 20-€-Gutscheine an der Kasse vor. Das Gutscheinsystem beinhaltet, dass nur 10 % des Wechselgeldwertes ausgezahlt wird! Die Verkäuferin legte ihm nahe, entweder mehr einzukaufen oder Waren wegzunehmen, bis ein 20-€-Gutschein reiche. Akubuo verweigerte dieses, nahm Zigaretten aus dem Regal, um den Wertverlust auszugleichen. Er bat darum, die Polizei zu verständigen, dieses wurde abgelehnt, es folgte eine Auseinandersetzung mit vier bis sechs Personen, bei der eine Verkäuferin und Akubuo leicht verletzt wurden.
Das Gutscheinsystem für Flüchtlinge ist mittlerweile abgeschafft in Mecklenburg, aber bei der Vernehmung während des Verfahrens äußerte eine Aldi-Verkäuferin, dass heute Einheimische mit Gutscheinen bezahlen.
Zum Schluss des dritten Prozesstages wird die Anklage wegen "Körperverletzung" gegen Akubuo verhandelt. Das Gericht hat einen jungen Iraker als Zeugen geladen. Dieser berichtet, im Januar 2004 habe er in einer Parchimer Disko ein deutsches Mädchen kennen gelernt, sie hätten getanzt und sich geküsst, bis ein Typ auf ihn zukam, ob er mal rauskommen könnte. Vor der Disko habe er den ersten Faustschlag ins Gesicht bekommen, danach hätten auch andere auf ihn eingeschlagen. Das Mädchen habe ihn zum Glück verteidigt, indem sie die Angreifer anflehte, aufzuhören. Dann wäre Akubuo aufgetaucht, um dazwischenzugehen, sie hätten "Scheißneger" gerufen, von ihm selbst abgelassen und sich auf Akubuo gestürzt, ca. zehn Angreifer, sie schlugen von vorn, von hinten und von der Seite, auch als er auf dem Boden lag.
Akubuo habe ihm nachher erzählt, dass er entkommen konnte bis zu seinem Wagen, dort "ein Teil zum Autoheben" aus dem Kofferraum holte und einem von ihnen an den Kopf schlug. Am nächsten Mittwoch ist dieser Jugendliche als Zeuge geladen und die Polizei, die am Tatort die identifizierten Angreifer nicht kontrollierte.
An Parchim fliegt der Prozess vorbei wie ein Ufo, das niemand sieht. Eine Parchimer Rentnerin war als Zuschauerin da, die flüsterte mir zu: "Hier ist was los, in der letzten Zeit gab es schon zwei Tote in der Diskogegend Parchims, Kämpfe zwischen Deutschen und Russen."
A. C. Akubuo hat, seit er hier ist, rassistischer Konfliktlösung die Stirn geboten, in welcher Gestalt auch immer sie daherkam. Das ist ein großer Verdienst und braucht Ermutigung, keine Kriminalisierung.
Berlin, 22.6.2006
Volker Braun
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Ergänzungen
Abgeschafft für "Asylanten"
Richtig lesen...
Prozesstermine 20., 21. und 28. Juni
Beginn jeweils 10°° Uhr
Prozesse gegen Akubuo - Presseeinladung
Submitted by rafa on Wed, 06/14/2006 - 13:04.
Unterstützt Akubuo in seinem Mammut-Prozess
Submitted by markus on Thu, 05/11/2006 - 23:26.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
A silver-bullet for Werwolf!!!!!!!! — Werewolf-Hunter