Antifademo am 20.Mai in Berlin Köpenick

Hanna Fischer 21.06.2006 23:23 Themen: Antifa
Am 20.Mai 2006 veranstalte der Antifaschistische Aufstand Köpenick [AAK] eine Demonstration unter dem Motto “What are you waiting for?! attack nazistructures - support your local antifa!“. 250 Menschen zogen an der Bundeszentrale der NPD, verschiedenen rechten Kneipen und historischen Orten vorbei.
Bereits im Vorfeld drohte die Berliner Polizei den Veranstalter_innen, ihnen die Auflagen nicht rechtzeitig zukommen zu lassen. Am Tag selber, gab es strenge Vorkontrollen. Viele Teilnehmer_innen mussten den Polizeibeamten folgen, da sie Tücher trugen, welche als “Vermummungsgegenstände“ ausgelegt wurden. Da die Temperaturen, vor allem zum Schluss der Demonstration, doch sehr kühl waren, sind die Beschlagnahmungen aus unserer Sicht nicht zu rechtfertigen.

Die Demoroute wurde in ihrer angemeldeten Form verboten und durch eine Abgeänderte der Polizei ersetzt. Dabei war es nicht möglich am Einkaufszentrum “Forum Köpenick“ vorbei zu laufen, in dem sich Fialen von “Snow & Sun“ und “Doorbreaker“ befinden. In beiden Läden wurde lange Zeit die rechtsextreme Modemarke “Thor Steinar“ verkauft. Im “Snow & Sun“ ist dies immer noch der Fall, im Doorbreaker“ sind sie seit Kurzem nicht mehr zu finden. Neben der Fiale im “Forum Köpenick“, hat auch die Firma Doorbreaker dort ihren Bundessitz, denn ausnahmslos in allen anderen Filialen wird weiterhin “Thor Steinar“ verkauft.
Weiterhin war es den Demonstrant_innen untersagt, bis auf eine Straße, durch die Köpenicker
Altstadt zu laufen. Somit war es nicht möglich an der ehemaligen Synagoge vorbei zu gehen.
Die “Gründe“ für die Routenänderung sind sehr schwammig und lassen eher eine polizeiliche Entscheidung nach freier Schnauze vermuten.

Zur Polizei und zur Routenführung ist noch zu erwähnen, dass die Einsatzleitung die Anmelder_in unter Druck setzte und damit drohte, “wenn der Aufzug nicht um 15:30h losläuft, dann dürfen sie nicht mehr durch die Hämmerlingstraße“, da parallel ein Fußballspiel des 1.FC Union stattfindet. Damit wurde das Versammlungsrecht außer Kraft gesetzt, da die Demonstration schon seit Monaten angemeldet war.

Mit dem Verbot von Seitentransparenten, die eine Länge von 1,50 Meter überschreiten (was Gerichte in anderen Städten schon als rechtswidrig erklärt haben, da damit das Recht auf freie Meinungsäußerung erheblich eingeschränkt ist) startete die Demo um 15:45h. Probleme hatte die Polizei auch damit, dass “Transparente zu hoch getragen wurden“ (auch hierzu haben Gerichte in anderen Städten entschieden das dies erlaubt ist). Dieses “zu hohe Tragen“ oder “Vermummen“ wie sie es später nannten, rechtfertigte dann im späteren Verlauf auch eine Festnahme einer Teilnehmer_in aus der Demo heraus.

Die erste Station der Demo war die Infrastruktur des Fußballclubs 1.FC Union Berlin. Dort befindet sich der Vorstandssitz, die Fankneipe, der Fanshop und schräg dahinter das Stadion.
Es wurde deutlich gemacht, dass nicht behauptet wird, dass es sich beim 1.FC Union Berlin um einen Naziverein handelt. Dennoch gibt es dort viele Nazis, die offen und ungestört das Stadion betreten. Darum wurde der Vorstand aufgefordert, offensichtlichen und bekannten Nazis, den Zugang ins Stadion zu verwehren.
Des Weiteren wurde die sexistische Praxis im Fußball kritisiert. Z.B. das Frauen nicht in den gleichen Teams wie Männer spielen dürfen. Und dann auch noch fast ausschließlich der Männer-Fußball den Jubel der Fans einheizt, während das Frauen-Team oft auf den hintersten Sportplatz verbannt ist. Sexistische Sprüche und Handlungen auf den Rängen der Stadien ergänzen zudem das Gesamtbild.

Kurz darauf wurde die Kneipe “Zum Seelentröster“ in der Selenbinderstraße erreicht. Hier kleben schon mal NPD-Aufkleber am Mobiliar. Weiterhin kann man den Wirt des Öfteren mit einem T-Shirt der rechtsextremen Band Landser antreffen. Dementsprechend sind die Gäste dieser Kneipe nicht selten offensichtliche Neonazis.

In der gleichen Straße befindet sich die Bundeszentrale der NPD. Als sich die Demonstration davor einfand, wurde sie von mehreren Naziaktivisten abfotografiert, mit dabei waren u.a. die rechten Schläger Andrew Hanisch und Christian Bentz. Seit September 2000 ist die NPD-Zentrale in Köpenick. Immer wieder kommt es in ihrem Umfeld zu gewalttätigen Übergriffen gegen nichtrechte Menschen.
In einem Redebeitrag wurde auf die Köpenick- und Berlinweiten Aktivitäten der NPD eingegangen. Die Zusammenarbeit mit den Freien Kameradschaften wurde nicht nur thematisiert, sondern konnte auch durch einen Blick in Richtung Zentrale live beobachtet werden.

Weiter am ehemaligen SA-Knast in der Puchanstraße und dem ehemaligen Zwangsarbeiter_innenlager am Cardinalplatz, in dem 180 inhaftierte Frauen aus Frankreich seit 1942 Zwangsarbeit verrichten mussten, vorbei, ging es zum Platz des 23.April, wo auf die Befreiung Köpenicks und Berlins vom Nationalsozialismus eingegangen wurde.
In der Nähe der kurz darauf folgenden Synagoge wurde über Jüdisches Leben vor 1945 in Köpenick, bis zu dessen Auslöschung berichtet.

Als die Demonstration an der “Internetkneipe  J@M.one“ ankam, wurde sie durch mehrere Gäste der Kneipe angepöbelt, bis ihr Besitzer Jens Radke heraus kam und laut wetterte und die Demonstrant_innen beschimpfte.
Diese Lokalität macht nicht nur keinen Hehl aus der rechten Gesinnung seines Besitzers, sondern heißt auch immer wieder Gruppen von Nazis willkommen.

Im Anschluss zogen die Demonstrant_innen durch die Wendenschloßstraße, in der sich unwahrscheinlich viele Zwangsarbeiter_innenlager befanden. Weiter ging es durch das Allendeviertel zum Schlossplatz Köpenick. Nach einer kurzen Abschlusskundgebung, wurde die Demo aufgrund des schlechten Wetters schnell beendet.

Hanna Fischer, die Pressesprecherin des AAK, erklärte im Verlaufe des Tages: “Diese Demonstration war ein wichtiges Zeichen, um den Nazis klarzumachen das wir ihnen keine Ruhe lassen werden und um den rechten Kneipiers zu zeigen, worauf sie sich mit ihrem Klientel einlassen. Wir werden es nicht akzeptieren das gewalttätige Neonazis Köpenick als Rückzugsraum für ihre Menschenverachtende Propaganda und Übergriffe auf Andersdenkende nutzen.“

Es war bestimmt nicht die letzte Demonstration in Köpenick. Schon Ende des Jahres sind Veranstaltungen gegen den Abschiebeknast geplant.
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Ergänzungen

thor steinar aus dem sortiment

SKB 22.06.2006 - 14:27
Wenn ich dich richtig verstehe, sagst du in deinem Artikel aus, dass Doorbreaker lediglich in dieser einen erwähnten Filiale keine Thor Steinar-Sachen mehr verkauft. Wenn du dich auf diesen Bezirk beziehst, mag das evtl. stimmen, nicht aber auf ganz Berlin bezogen. Z.B. sind in der Doorbreaker-Filiale, in den "Hallen am Borsigturm" (Reinickendorf/Tegel) auch keine Thor Steinar-Klamotten mehr zu sichten und das schon seit mehreren Monaten,meines Wissens nach seit dem inzwischen wieder aufgehobenen Verbot der Runen. Doorbreaker scheint es also nicht ganz egal zu sein, was die Kundschaft über sie denkt. Also weiter mit dem öffentlichen Protest.

Vermummung

rhler 22.06.2006 - 15:08
Hi, wie in zwei Gerichtsurteilen vom vergangenen Jahr bestätigt wurde, ist auf Antifa-Demos das Vermummen angesichts fotografierender Nasen zulässig.

Das Amtsgericht Rotenburg (Wümme) sowie das AMtsgericht Tiergarten sprachen jeweils Genossen frei, die sich zum Schutz ihrer Identität gegenüber Anti-Antifa-Nasen vermummt hatten.

Solange man nicht versucht, seine Identität vor der Polizei zu bewahren (sich also an Orten ohne Nazis schön brav von den Bullen abfilmen lässt) stellt eine ordentliche Vermummung also kein Problem dar.

Es ist immer schade, dass sich viele von den nicht-antifa-Aktivisten von den Nazis ablichten lassen, das muss nicht sein.


Quelle: Letzte Rote-Hilfe-Zeitung 2.2006

?

pbadonis 22.06.2006 - 16:59
Des Weiteren wurde die sexistische Praxis im Fußball kritisiert. Z.B. das Frauen nicht in den gleichen Teams wie Männer spielen dürfen. Und dann auch noch fast ausschließlich der Männer-Fußball den Jubel der Fans einheizt, während das Frauen-Team oft auf den hintersten Sportplatz verbannt ist. Sexistische Sprüche und Handlungen auf den Rängen der Stadien ergänzen zudem das Gesamtbild.

Ist das dein Ernst ? Frauen dürfen nicht bei den Männern spielen weil es eine Frauenmannschaft gibt.Andersherum dürfen Männer doch auch nicht in Frauenmannschaften spielen.Ich bin Fan des 1.FC Union Berlin und kenne mich schon mit den Örtlichkeiten des Vereins ein wenig aus.Unsere Frauenmannschaft spielt keineswegs auf dem hintersten Platz,sie dürfen sogar (kostenlos für Zuschauer) auf dem ersten Platz spielen,welchen man(und frau) sieht wenn man (und frau) das Gelände der "Alten Försterei" betritt.Ob du es glaubst oder nicht:
1.Es gehen sogar Frauen zu Union!
2.Ich bin Unioner UND ein Antifaschist!
3.Damit stehe ich nicht alleine da!
4.Sicherlich sind bei Union einige Nasen unterwegs.Die sind aber in der Minderheit und überlegen sich ganz genau was sie sagen,weil mit mir Tausende(und ich übertreibe nicht)im Stadion sind, die gegen nasen sind.
5.Auch der Verein macht was gegen Nasen.Erst vor ein paar Monaten erhielt die sogenannte "Gruppe 9",welche durch Pöbeleien und Nasensprüche aufgefallen ist,erneut ein Stadion-Verbot und wurde unter dem Beifall vieler aus dem Stadion geschmissen.

Abschließend möchte ich noch sagen,dass die Aktion insgesamt aber gut war.
Nazis aufs Maul

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