Warum seid Ihr enttäuscht?
zum bundesweiten protesttag in berlin heute, am 3.6.2006
die losung war: mit der regierung französisch reden. jedenfalls stand das auf einem transparent, welches auf der tribüne hing. mir scheint, eine größere enttäuschung zeigt sich im anschluss. kam mir so vor beim lesen der beiträge bei chefduzen.de.
die losung war: mit der regierung französisch reden. jedenfalls stand das auf einem transparent, welches auf der tribüne hing. mir scheint, eine größere enttäuschung zeigt sich im anschluss. kam mir so vor beim lesen der beiträge bei chefduzen.de.
Dass es geregnet hat? Dass die Veranstaltung vor der Demo zweieinhalb Stunden dauerte? Dass nur ca. fünftausend Leute da waren, jedenfalls schien das so? Selbst zehntausend Teilnehmer sind nicht der Bedeutung der Situation angemessen und zum "Französisch reden" nicht ausreichend.
Ich fühlte mich stimmungsmäßig an die Veranstaltung in Jüterbog vor elf Monaten erinnert. Da schien zwar die Sonne, aber inhaltlich und atmosphärisch kam das auf das Gleiche heraus.
http://www.sie-wollte-die-ddr-retten.de/index.php?id=beitrag&bt_id=0033
Keine klare Linie erkennbar. Entschuldigend könnte ich auch sagen: Alles braucht seine Zeit.
Am besten gefiel mir der Beitrag eines Redners, der meinte, dass der Staat (oder seine Vasallen) die Zeit der Fußball-WM nutzen wird (werden), um Gesetze durchzupeitschen, die eine weitere Verschärfung beinhalten. Das Volk wird ja beschäftigt sein. Recht hat er, so wie bisher: Das Volk ist immer beschäftigt. Unter anderem fand auch noch die Ablenkungsveranstaltung: Karneval der Kulturen statt. Von einer Bilderzeitung groß gefeiert als "Fest der Toleranz" (1, 5 Millionen Besucher geplant - nun wisst ihr, warum bei uns nur fünftausend waren, aber bei denen regnete es auch). Ich bekomme jetzt immer mal so eine Zeitung umsonst in den Briefkasten geschoben. Manchmal schaue ich mir das dann an.
Der schon genannte Redner meinte noch, es werde nur eine Revolution die Situation verändern, und er möchte das noch erleben. Ich stimme ihm zu. Wir werden das erleben.
Jedoch: Tragt bei, das Volk aufzuklären! Klarheit über die Vergangenheit, über die Gegenwart und über die Zukunft fehlt. Ein weites Feld. Ich versuche das ein bisschen mit meinem Buch und verkaufe das bei solchen Veranstaltungen. An Leute, die nicht kaufen können, aber lesen wollen, verschenke ich das auch. Bei der Gelegenheit auf der Liebknecht/Luxemburg-Demo im Januar sagte eine Frau zu mir: Was, soweit sind wir schön wieder, dass wir nicht mehr alles sagen dürfen? Jeder denke sich seinen Teil.
Mir ist so, als gab es noch keine Zeit, in der die Menschen alles wissen durften, alles sagen konnten und ihnen das wirklich Wichtige gesagt wurde, wenn sie es nicht selbst herausbekamen.
Von anderen Beiträgen bekam ich nicht soviel mit, wegen der teilweise schlechten Akustik, seitlich von der Tribüne.
Ich denke mit der Regierung Französisch reden, bringt nichts. Wir müssen mit ihnen sauberes Deutsch sprechen,
aus verschiedenen Gründen. Auch weil wir die französische Sprache nicht so beherrschen und eine andere Mentalität ( ich versteh darunter die Gesamtheit von Geisteshaltung, Temperament und Charakter) haben. Etwas anderes sehe ich in diesem Zusammenhang. Wir müssen Deutsch sprechen, ein neues Deutsch, ein noch nie dagewesenes oder in revolutionären Phasen schon (1848, 1918/1919/1921) - allerdings ungenügend ausgeprägt.
Warum wir das müssen, warum gerade wir Deutschen (gemeinsam mit den bei uns lebenden anderen Nationalitäten)? Weil wir im Herzen der zivilisierten alten Welt, in Deutschland und in Berlin auch im Herzen der schlimmsten Ungerechtigkeit und Perversion der gesellschaftlichen Verhältnisse leben. Ich weiß, es gibt Gebiete der Erde, da ist ein Leben gar nicht möglich für viele. Ob es Krieg oder Krankheiten sind. Die Betroffenen können sich nicht wehren.
Wir hier können uns wehren, wenn wir Klarheit weiter verbreiten können. Wir haben die besten Voraussetzungen und die historische Mission, der Welt als Vorbild voranzugehen.
Allerdings muss das nicht ein stundenlanges Stehen im Regen und Latschen durch die Straßen sein.
Ich fühlte mich stimmungsmäßig an die Veranstaltung in Jüterbog vor elf Monaten erinnert. Da schien zwar die Sonne, aber inhaltlich und atmosphärisch kam das auf das Gleiche heraus.
http://www.sie-wollte-die-ddr-retten.de/index.php?id=beitrag&bt_id=0033 Keine klare Linie erkennbar. Entschuldigend könnte ich auch sagen: Alles braucht seine Zeit.
Am besten gefiel mir der Beitrag eines Redners, der meinte, dass der Staat (oder seine Vasallen) die Zeit der Fußball-WM nutzen wird (werden), um Gesetze durchzupeitschen, die eine weitere Verschärfung beinhalten. Das Volk wird ja beschäftigt sein. Recht hat er, so wie bisher: Das Volk ist immer beschäftigt. Unter anderem fand auch noch die Ablenkungsveranstaltung: Karneval der Kulturen statt. Von einer Bilderzeitung groß gefeiert als "Fest der Toleranz" (1, 5 Millionen Besucher geplant - nun wisst ihr, warum bei uns nur fünftausend waren, aber bei denen regnete es auch). Ich bekomme jetzt immer mal so eine Zeitung umsonst in den Briefkasten geschoben. Manchmal schaue ich mir das dann an.
Der schon genannte Redner meinte noch, es werde nur eine Revolution die Situation verändern, und er möchte das noch erleben. Ich stimme ihm zu. Wir werden das erleben.
Jedoch: Tragt bei, das Volk aufzuklären! Klarheit über die Vergangenheit, über die Gegenwart und über die Zukunft fehlt. Ein weites Feld. Ich versuche das ein bisschen mit meinem Buch und verkaufe das bei solchen Veranstaltungen. An Leute, die nicht kaufen können, aber lesen wollen, verschenke ich das auch. Bei der Gelegenheit auf der Liebknecht/Luxemburg-Demo im Januar sagte eine Frau zu mir: Was, soweit sind wir schön wieder, dass wir nicht mehr alles sagen dürfen? Jeder denke sich seinen Teil.
Mir ist so, als gab es noch keine Zeit, in der die Menschen alles wissen durften, alles sagen konnten und ihnen das wirklich Wichtige gesagt wurde, wenn sie es nicht selbst herausbekamen.
Von anderen Beiträgen bekam ich nicht soviel mit, wegen der teilweise schlechten Akustik, seitlich von der Tribüne.
Ich denke mit der Regierung Französisch reden, bringt nichts. Wir müssen mit ihnen sauberes Deutsch sprechen,
aus verschiedenen Gründen. Auch weil wir die französische Sprache nicht so beherrschen und eine andere Mentalität ( ich versteh darunter die Gesamtheit von Geisteshaltung, Temperament und Charakter) haben. Etwas anderes sehe ich in diesem Zusammenhang. Wir müssen Deutsch sprechen, ein neues Deutsch, ein noch nie dagewesenes oder in revolutionären Phasen schon (1848, 1918/1919/1921) - allerdings ungenügend ausgeprägt.
Warum wir das müssen, warum gerade wir Deutschen (gemeinsam mit den bei uns lebenden anderen Nationalitäten)? Weil wir im Herzen der zivilisierten alten Welt, in Deutschland und in Berlin auch im Herzen der schlimmsten Ungerechtigkeit und Perversion der gesellschaftlichen Verhältnisse leben. Ich weiß, es gibt Gebiete der Erde, da ist ein Leben gar nicht möglich für viele. Ob es Krieg oder Krankheiten sind. Die Betroffenen können sich nicht wehren.
Wir hier können uns wehren, wenn wir Klarheit weiter verbreiten können. Wir haben die besten Voraussetzungen und die historische Mission, der Welt als Vorbild voranzugehen.
Allerdings muss das nicht ein stundenlanges Stehen im Regen und Latschen durch die Straßen sein.
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Ergänzungen
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Auweia
> historische Mission, der Welt als Vorbild voranzugehen.
> Allerdings muss das nicht ein stundenlanges Stehen im
> Regen und Latschen durch die Straßen sein.
Bei allem Respekt, aber was Sie da (nur den von mir zitierten Ausschnitt) schreiben, halte ich für ausgemachten Tinneff.
Erstens sind "wir", d.h. die BRD lediglich und gottseidank bloß noch eine Mittelmacht, so daß der Rest der Welt sich zum Glück höchstens noch einen feuchten Kehrricht um unsere "gefühlte Mission" scheren muß, oder ebendieser Rest der Welt ist höchstens peinlich angeekelt vom BRD-typischen, larmoyant-pseudoethischen Belehrungsgedöns, das von hier regelmäßig zu hören ist (siehe die USA zu Zeiten von "Katrina" letztes Jahr).
In diesem Land ist offenbar nicht mehr zu erwarten, daß Bürger jemals irgend etwas an ihren Lebensbedingungen ändern, und zwar von sich aus, und nicht, weil man es ihnen sagt. Traurig, aber wahr.
Und statt irgendeine "historische Mission Deutschlands" zu ventillieren, wäre es vielleicht besser, einfach mal dem "kleinen Chef" (aka "Vorgesetzten", "Sachbearbeiter", etc.) von nebenan freudestrahlend mitten ins Gesicht zu sagen, daß er einfach nur ein obrigkeitsstaatlich konditioniertes, feiges, blödes, irrelevantes, kleines Arschloch ist, sobald er mal wieder meint, das bißchen Macht, daß er von der Gesellschaft oder seiner Firma zugesprochen bekommen hat, zur Steigerung seines kümmerlichen Egos mißbrauchen zu müssen. Bei weiblichen Unterordnungsfanatikern gilt das gleiche, nur sagt man das dann halt etwas höflicher, ein einfaches "nein, das will ich nicht" reicht dann vielleicht schon. Ach ja, bevor ichs vergesse: ich finde die "Volkssolidarität" Scheiße. Das sind früher mal von der Stasi durchsetzte Systemschleimer gewesen, die sich jetzt nachträglich ihre ach so soziale Rolle zurechbiegen, und ich finde eigentlich, die hatten auf der Demo als letzte was zu suchen.
Typische Anzeichen für den typischen "nach-oben-Buckler-nach-unten-Treter" sind Sprüche wie:
"Aber ich kann doch auch nichts machen",
"Das haben wir immer schon so gemacht"
"Mir sind da leider die Hände gebunden"
"Ich kann ihnen ihre Vergünstigung auch wegnehmen"
"Aber wenn das jeder täte"
Gottchen, hoffentlich habe ich Sie jetzt nicht erschreckt, Sie sehen so blaß aus... ;-)
"Vive la Revolution!"
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@ Moderatoren: bitte diesmal stehen lassen. Wer das in den falschen Hals kriegt, ist m.E. selber schuld oder einfach zu zart besaitet. Meine Ergänzung ist keineswegs destruktiv gemeint, sondern entspricht in ihrer Spontaneität der ohnmächtigen Wut vieler. Es ist nicht notwendig, sich eine durch und durch mißlungene Demonstration schönzureden. Ich habe wirklich nichts gegen ein paar Hundert verkrachter alt-linker KollegInnen, die sich jetzt entweder die Wunden lecken oder aber stolz auf scheinbar Erreichtes sind, aber derart schwiemelig kommen wir mit dem demokratischen Widerstand einfach nicht weiter. Nein, die Demo war wahrscheinlich nicht ganz umsonst, aber unter den Umständen werde ich nächstes Mal gewiß nicht mitlaufen, das tue ich mir wirklich nicht nochmal an.
Grüße!