Warum seid Ihr enttäuscht?

fbk 04.06.2006 00:53 Themen: Weltweit
zum bundesweiten protesttag in berlin heute, am 3.6.2006
die losung war: mit der regierung französisch reden. jedenfalls stand das auf einem transparent, welches auf der tribüne hing. mir scheint, eine größere enttäuschung zeigt sich im anschluss. kam mir so vor beim lesen der beiträge bei chefduzen.de.
Dass es geregnet hat? Dass die Veranstaltung vor der Demo zweieinhalb Stunden dauerte? Dass nur ca. fünftausend Leute da waren, jedenfalls schien das so? Selbst zehntausend Teilnehmer sind nicht der Bedeutung der Situation angemessen und zum "Französisch reden" nicht ausreichend.
Ich fühlte mich stimmungsmäßig an die Veranstaltung in Jüterbog vor elf Monaten erinnert. Da schien zwar die Sonne, aber inhaltlich und atmosphärisch kam das auf das Gleiche heraus.
 http://www.sie-wollte-die-ddr-retten.de/index.php?id=beitrag&bt_id=0033

Keine klare Linie erkennbar. Entschuldigend könnte ich auch sagen: Alles braucht seine Zeit.
Am besten gefiel mir der Beitrag eines Redners, der meinte, dass der Staat (oder seine Vasallen) die Zeit der Fußball-WM nutzen wird (werden), um Gesetze durchzupeitschen, die eine weitere Verschärfung beinhalten. Das Volk wird ja beschäftigt sein. Recht hat er, so wie bisher: Das Volk ist immer beschäftigt. Unter anderem fand auch noch die Ablenkungsveranstaltung: Karneval der Kulturen statt. Von einer Bilderzeitung groß gefeiert als "Fest der Toleranz" (1, 5 Millionen Besucher geplant - nun wisst ihr, warum bei uns nur fünftausend waren, aber bei denen regnete es auch). Ich bekomme jetzt immer mal so eine Zeitung umsonst in den Briefkasten geschoben. Manchmal schaue ich mir das dann an.
Der schon genannte Redner meinte noch, es werde nur eine Revolution die Situation verändern, und er möchte das noch erleben. Ich stimme ihm zu. Wir werden das erleben.
Jedoch: Tragt bei, das Volk aufzuklären! Klarheit über die Vergangenheit, über die Gegenwart und über die Zukunft fehlt. Ein weites Feld. Ich versuche das ein bisschen mit meinem Buch und verkaufe das bei solchen Veranstaltungen. An Leute, die nicht kaufen können, aber lesen wollen, verschenke ich das auch. Bei der Gelegenheit auf der Liebknecht/Luxemburg-Demo im Januar sagte eine Frau zu mir: Was, soweit sind wir schön wieder, dass wir nicht mehr alles sagen dürfen? Jeder denke sich seinen Teil.
Mir ist so, als gab es noch keine Zeit, in der die Menschen alles wissen durften, alles sagen konnten und ihnen das wirklich Wichtige gesagt wurde, wenn sie es nicht selbst herausbekamen.
Von anderen Beiträgen bekam ich nicht soviel mit, wegen der teilweise schlechten Akustik, seitlich von der Tribüne.
Ich denke mit der Regierung Französisch reden, bringt nichts. Wir müssen mit ihnen sauberes Deutsch sprechen,
aus verschiedenen Gründen. Auch weil wir die französische Sprache nicht so beherrschen und eine andere Mentalität ( ich versteh darunter die Gesamtheit von Geisteshaltung, Temperament und Charakter) haben. Etwas anderes sehe ich in diesem Zusammenhang. Wir müssen Deutsch sprechen, ein neues Deutsch, ein noch nie dagewesenes oder in revolutionären Phasen schon (1848, 1918/1919/1921) - allerdings ungenügend ausgeprägt.
Warum wir das müssen, warum gerade wir Deutschen (gemeinsam mit den bei uns lebenden anderen Nationalitäten)? Weil wir im Herzen der zivilisierten alten Welt, in Deutschland und in Berlin auch im Herzen der schlimmsten Ungerechtigkeit und Perversion der gesellschaftlichen Verhältnisse leben. Ich weiß, es gibt Gebiete der Erde, da ist ein Leben gar nicht möglich für viele. Ob es Krieg oder Krankheiten sind. Die Betroffenen können sich nicht wehren.
Wir hier können uns wehren, wenn wir Klarheit weiter verbreiten können. Wir haben die besten Voraussetzungen und die historische Mission, der Welt als Vorbild voranzugehen.
Allerdings muss das nicht ein stundenlanges Stehen im Regen und Latschen durch die Straßen sein.
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