Rassistische und sexistische Werbung in Hörzu

Lotti 02.06.2006 23:00 Themen: Gender
Die Hörzu wirbt aktuell mit dem Bild einer schwarzen Frau auf dem Schoss eines weissen Mannes, sie deutlich als 'exotische Wilde' ausstaffiert, er seriös in Nadelstreifen. Der Text 'Irgendwann nimmt man nicht mehr irgendwas' suggeriert ziemlich klar, dass schwarze Exotinnen von wählerischen Geschäftsmännern genommen werden können und sollen. Wer gegen solch offensichtlichen Rassismus und Sexismus protestiert, wird von Hörzu aber auch dem deutschen Werberat weiterhin in die Ecke der verbissenen HaarspalterInnen gestellt:
Ein Schreiben an den Werberat dazu:

An: 'werberat@werberat.de'

Guten Tag,
ich bitte Sie, den Verantwortlichen der HÖRZU wegen der beigefügten rassistischen und sexistischen Werbung eine Rüge zu erteilen!
Sie vermittelt ganz offen eine extrem frauenverachtende Geisteshaltung (Mann nimmt sich Frau), die zudem noch Assoziationen an den Sklavenhandel (Weißer Mann kauft sich schwarze Frau) nahe legt.
So etwas darf nicht ungestraft kommuniziert werden!
Besten Dank für Ihren Einsatz im Sinne einer partnerschaftlichen Werbewelt, die übrigens ganz im Eigeninteresse des Verlags,auch denkende Männer und Frauen mit guten Argumenten von einem Produkt zu überzeugen versucht!


Ein paar Reaktionen auf ein anderes Schreiben an Hörzu und Werberat:

Sehr geehrte/r ...,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 23. Mai 2006 und Ihre kritischen Worte zur Werbekampagne von HÖRZU. Keinesfalls wollten wir mit dem beanstandeten Motiv Ihre und die Gefühle anderer verletzen. Bitte gestatten Sie uns deshalb einige Erläuterungen.

Die Leitidee der Kampagne: Irgendwann ist man reif, klug und qualitätsbewußt genug, um sich für das Beste zu entscheiden, nämlich für HÖRZU. Oder kurz gesagt: "Irgendwann nimmt man nicht mehr irgendwas."

Umgesetzt wird dieser Anspruch allerdings nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem kräftigen Augenzwinkern. Denn HÖRZU steht zwar für Qualität, Kompetenz und Erfahrung, ist aber geradedeswegen souverän genug, um ihre Position mit einer Portion Humor und Selbstironie zu vertreten.

So zeigen wir mögliche Situationen des Lebens, in denen eine Entscheidung für das Bessere fällt. Mal ernst, mal emotional, mal zum Lachen - HÖRZU ist eben genau so vielseitig wie das Lebender Leser.

Mit freundlichen Grüßen
...
Redaktion HÖRZU

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Betreff: AW: Ihre rassistische Werbung um neue Leser

Sehr geehrte ...,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 26. Mai 2006. Wir bedauern, daß Ihnen unsere Werbekampagne nicht gefällt und sie offenbar Werten, die Ihnen wichtig sind, nicht entspricht.

Wir sehen es als durchaus positiv an, daß Sie sich kritisch mit unserer Werbung auseinandersetzen. Denn wir wollen Ihnen mit HÖRZU mehr bieten als ein kompetent aufbereitetes und von erfahrenen Redakteuren recherchiertes Fernseh- und Hörfunkprogramm. Als modernes Medium und Europas größte wöchentliche Zeitschrift sehen wir es auch als unsere Aufgabe an, wichtige Themen der Diskussion zu stellen und zum Denken anzuregen. Und daß es dabei kontroverse Meinungen gibt, ist nicht nur natürlich, sondern auch wichtig für lebendigen, engagierten Journalismus.

Diese Offenheit, die Bereitschaft zur Diskussion und zum Dialog mit Ihnen, unseren Lesern, ist auch die Botschaft unserer Werbekampagne. Daß wir damit auch Tabus berühren, war uns sehr bewußt. Aber nicht um Menschen persönlich zu verletzen oder zu diskriminieren, sondern um den Anspruch von HÖRZU auf eine ganz bestimmte Weise zu vermitteln: ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Besserwisserei, aber mit einer Portion Augenzwinkern. Das Ergebnis ist natürlich Geschmackssache.

In mehreren Motiven waren ungewöhnliche Paare zu sehen, die sich gefunden haben, obwohl sie nach landläufiger Meinung nicht zusammen passen. Eine Anzeige zeigte eine Katze souverän vereint mit einem Mops auf dem Sofa. So ist auch in dem von Ihnen kritisierten Motiv die Dame eben nicht "irgendwas", sondern die Frau,für die sich der Mann nach vielen Kompromissen bewußt entschieden hat. Das gleiche gilt natürlich auch umgekehrt für den Mann. Es mag sein, daß viele von uns so eurozentrische Bilder wie "Weißer Mann kauft schwarze Frau" im Kopf haben. Dabei sollte man allerdings nicht übersehen, daß das Paar in der Anzeige sich auf Augenhöhe befindet und nicht jede binationale Verbindung die gängigen Klischees bedient.

Darum geht es in unserer Kampagne: Irgendwann nimmt man nicht mehr irgendwas. Der eigene Anspruch, die eigenen Erfahrungen führen dazu, sich bewußt zu entscheiden. Für mehr Qualität, für weniger Kompromisse. Und für eine Programmzeitschrift, die diesem Maßstab gerecht wird. Wir würden uns freuen, wenn die weiteren Motive unserer Werbekampagne Ihre Zustimmung finden.

Mit freundlichen Grüßen
...
Redaktion HÖRZU

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Anzeigenwerbung für "Hörzu":"Irgendwann nimmt man nicht mehr irgendwas"

Sehr geehrte ...,

wir nehmen Bezug auf Ihre Beschwerde vom 25. Mai 2006. Sie rügen eine Werbung derZeitschrift "HÖRZU". Der Deutsche Werberat, die selbstdisziplinäre Einrichtung der deutschen Werbewirtschaft, sieht seine Aufgabe hauptsächlich darin, im Vorfeld der gesetzlichen Bestimmungen gegenüber solchen werblichen Maßnahmen einzuschreiten, die gegen seine Verlautbarungen oder die darin zum Ausdruck kommenden allgemein akzeptierten gesellschaftlichen Grundüberzeugungen verstoßen. Der Deutsche Werberat beanstandet Darstellungen und Aussagen in der Werbung beispielsweise dann, wenn sie herabwürdigend, obszön oder diskriminierend sind.

Die von Ihnen kritisierte Werbeanzeige haben wir eingehend geprüft. Wir kommen zu dem Ergebnis, dass sie nicht zu beanstanden ist. Die vorliegende Werbung zeigt das Foto einer Frau und eines Mannes. Die Frau, ihrer äußeren Erscheinung nach (dunkle Hautfarbe, Kleidung, Schmuck) offenbar afrikanischer Herkunft, sitzt auf dem Schoß des hellhäutigen Mannes im Geschäftsanzug und hat den rechten Arm auf seine Schulter gelegt. Quer über das Bild ist zu lesen: "Irgendwann nimmt man nicht mehr irgendwas".

Wir teilen Ihre Ansicht,dass die Anzeige für manche Betrachter eine Provokation darstellen kann. Möglicherweise ist dies sogar beabsichtigt. Der Anblick eines Paares mit unterschiedlicher Hautfarbe ist hierzulande kein alltägliches Bild.
Vorliegend wird der Eindruck der Gegensätzlichkeit noch dadurch verstärkt, dass der Mann einen Anzug und Krawatte trägt, die abgebildete Frau hingegen ein locker gebundenes Seidengewand und augenscheinlich afrikanischen Schmuck, insbesondere eine so genannte Unterlippen-Platte.

Die dargestellte Unterschiedlichkeit des Paares bedeutet unserer Auffassung nach jedoch nicht zwangsläufig eine Diskriminierung, sexistische oder rassistische Herabwürdigung oder gar Verächtlichmachung der abgebildeten Frau. Weder die Frau noch der Mann sind in einer herabwürdigenden Weise dargestellt. Die Haltung und Mimik der beiden abgebildeten Personen (direkter Blick in die Kamera, angedeutetes Lächeln) zeigen ein gleichberechtigtes Verhältnis.

Die von Ihnen vorgetragene Assoziation mit Sklavenhandel "weißer Mann kauft schwarze Frau" halten wir aus diesem Grund für fern liegend. Auch die Verbindung von Bild und Text lässt unserer Auffassung nach eine solche Interpretation nicht zu. Der Slogan "Irgendwann nimmt man nicht mehr irgendwas" provoziert zwar dadurch, dass der Betrachter diese Aussage, die sich auf die Wahl der Zeitschrift HÖRZU bezieht, auf das abgebildete Paar überträgt und durch diese Doppeldeutigkeit eine Person als "irgendwas" bezeichnet wird. Eine Herabwürdigung der Frau können wir darin jedoch nicht erkennen, da der Slogan so formuliert ist, dass der Betrachter ihn sowohl auf die Perspektive der Frau als auch auf die des Mannes beziehen kann. Bitte bedenken Sie, dass die Meinungsfreiheit - auch die in der Werbung - ein hohes Gut darstellt.

Wie andere Lebensbereiche, etwa Literatur, Presse oder Rundfunk, ist Werbung auch ein Spiegel der Gesellschaft. Sie findet nicht losgelöst von sich wandelnden Wertanschauungen und Geschmack statt, sondern darf und muss auch pointierte oder drastische Aussagen treffen. Man mag unter dem Gesichtspunkt des persönlichen Geschmacks anderer Meinung sein. In diesem Sinne erwünschte von unerwünschten Aussagen zu unterscheiden, ist aber nicht Aufgabe des Werberats - und sollte nicht Aufgabe einer freiheitlichen Gesellschaft sein.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis für den Standpunkt des Werberats und verbleiben mit freundlichen Grüßen
...



Mehr Reaktionen und Kommentare stehen hier
http://annabexis.blogger.de/stories/461615/
http://sexism-sells.so36.net/Sexistische+Bilder:+der+alte+Mist+und+die+neue+H%C3%A4rte
http://www.sloganmaker.net/2005/04/hrzu_sorgt_mit_.html
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Ergänzungen

Einseitigkeit: böse Männer gute Frauen...

Mark 30.12.2006 - 13:25
Die Assoziation zu Sextourismus finde ich durchaus nicht abwegig. Allerdings muss man auch anmerken, dass unlängst eine ähnliche Anzeige vermutlich von der gleichen Firma geschaltet wurde, in der eine ältere weiße, vermutlich deutsche, Frau einen schwarzhäutigen Mann auf gleiche Weise vorführt.

Auch der Slogan: "Irgendwann nimmt man nicht mehr irgendwas" wurde in dieser Anzeige gebracht.

Daher könnte man die Anzeige durchaus als leicht rassistisch auffassen, da Menschen afrikanischer Herkunft "genommen" werden können.

Die Behauptung des einseitigen Sexismus/der Frauenfeindlichkeit ist nicht stichhaltig, da eben auch der schwarze Mann von der deutschen Frau "genommen" werden kann.

Dies konvergiert mit der Beobachtung eines weiblichen Sextourimus nach Afrika und in die Karibik, der allerdings - Frauen sind ja immer sehr romantisch - von der politisch korrekten Öffentlichkeit nicht als solcher genannt wird. Da sagt die 54jährige Sextouristin: "Wenn ich einem Freund hier mal ein paar Geschenke kaufe, so ist das doch keine Prostitution".

Sicher würde der 20jährige Afrikaner sonst nicht mit ihr schlafen.

Also Rassismus wohl, Sexismus finde ich hier weniger.
Mark

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 10 Kommentare an

Inhaltliche Ergänzung — Rote Zora

doch rassismuß — bla blöd

Schwachsinn — Joe

wer — zpb

nicht in der hörzu, sondern für die hörzu — muss ausgefüllt werden

Rassistische Stereotype — Antirassist

Humor ist wenn man trotzdem lacht — Justus Jonas Jörg